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Eine atmende Nadel im unendlichen Heuhaufen

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Eine atmende Nadel im unendlichen Heuhaufen

„Ich denke, es stirbt", sprach Felix.
Wir standen gebeugt vor einer Kugel, deren wabernde, durchsichtige Schale gelbes Licht auf das Laub des Waldbodens warf. In der Kugel lag ein ovales, leuchtendes Geschöpf; es sah aus wie eine kleine Sonne. Seine fluoreszierenden Glieder reckten sich ab und an, um dann wieder im brennenden Kern zu verschwinden. Anfangs hatte das Wesen noch hell erstrahlt, doch mittlerweile glühte es nur bedauernswert vor sich hin.
„Was sollen wir tun?“, fragte ich.
„Keine Ahnung.“
Wir hatten inmitten des Waldes ein Zelt aufgeschlagen. Aufgrund der warmen Temperatur hatten wir draußen gelegen und den wolkenlosen Himmel betrachtet. Mit einem Mal war uns aufgefallen, dass etwas von den Sternen stürzte; einem Kometen ähnlich. Wir waren dem Licht tief in den Wald gefolgt – und hatten das Wesen gefunden.
Felix streckte seine Hand nach der Kugel aus. „Nicht-…“, sagte ich, doch da war seine Hand schon durch die Schale geglitten und hatte das Wesen berührt. Mit einem Mal zuckte Felix‘ gesamter Körper, seine Augenlider flatterten und er keuchte in heftigen Hieben. Ich griff nach ihm, um ihn von der Kugel wegzuziehen; aber plötzlich verschwanden der Wald, Felix und das Wesen. Stattdessen strömten Bilder auf mich ein: Ich erkannte andere Lichtwesen in einem illuminierenden Meer, die alle nach und nach nur noch flimmerten, um dann zu erlöschen. Ich erblickte Sterne, deren Feuer alles verbrannte, Planeten, auf denen nur der Staub residierte, Galaxien, in denen die Dunkelheit als hellste Lichtquelle diente. Ich erkundete vertrocknete Wiesen, verwaiste Wüsten, verlorene Welten.
Nach einer Weile verblassten die Bilder. Die Bäume des Waldes ragten empor, das Knistern von nachtaktiven Tieren flüsterte an meine Ohren. Doch das Wesen war verschwunden; nur das fahle Licht einer Taschenlampe, von Felix fest umkrallt, erhellte wenige Meter des Waldes. Meine Hand ruhte auf Felix‘ Schulter, der nun ruhig atmend neben mir stand.
„Das Zeug, was uns dieser Typ gegeben hat“, begann er, „hat echt reingehauen.“
Ich rieb mir die Stirn. „Mhm.“

*

„Du hast es auch gesehen, oder?“
Ich nickte.
Felix und ich lagen wieder in unseren geöffneten Schlafsäcken; ich hatte einen Arm um seinen Oberkörper gelegt. Vereinzelte, dünne Wolken zogen sich über den Himmel und die nächtliche Schwärze des Waldes breitete sich weiter aus.
„War es wirklich…“ Er schluckte. „War es wirklich das Gras?“
„Nein.“
„Was macht dich so sicher?“
„Ich hab nichts genommen.“
„Oh.“
Eine unnatürliche Stille kroch durch den Wald. Es war, als wären die Tiere verschwunden, das Laub zu Staub verfallen und die Musik des Windes verklungen. „Hast du es auch gespürt?“, fragte Felix.
Ich dachte an die Bilder zurück, an die Seelenlosigkeit der Sterne, die Leere der Planeten, die Stille der Galaxien. Ich hatte einen Einblick in das Leben eines außerirdischen Wesens erhalten; wie es seine Heimat verloren und das komplette Universum bereist hatte, auf der Suche nach weiterem Leben. Doch es hatte nur uns gefunden.
„Ja“, antwortete ich.
„Wir sind allein“, keuchte Felix.
Ich dachte nicht einen Moment daran, dass das Alien nur eine Halluzination gewesen war oder die Erinnerungen des Wesens falsch sein könnten. Als ich die Reise des Aliens gesehen hatte, hatte ich die Wahrheit spüren können. Es gab keinen Grund für Zweifel, keinen Ansatzpunkt zum Leugnen, denn die Offenbarung hatte sich in meinen Körper genistet. Mit dem Tod des Aliens waren die Bewohner der Erde nun die einzigen Lebewesen des gesamten Universums.
„Ich liebe dich“, hauchte ich.
Ich war darauf vorbereitet gewesen, keine Antwort zu erhalten. Felix hatte schon immer Schwierigkeiten gehabt, seine Gefühle einzugestehen.
„Ich dich auch“, flüsterte er jedoch und küsste mich.

*

„Sollen wir heute Abend zur Tropfsteinhöhle fahren?“, fragte ich.
„Ja“, sagte Felix. „Können wir.“
„Du klingst nicht begeistert.“
Das Salzwasser prickelte an meinem Körper, während ich langsam hindurchschwamm. Felix lag auf seinem Rücken und trieb vor sich hin. Nach unserer Entdeckung im Wald hatte ich sofort in den Süden gewollt; mir war nach mehr Wärme, nach Sonne. Doch obwohl das feurige Licht des Himmelskörpers auf uns niederschien, war das Meer enttäuschend kühl. Zumindest lag die schmale Bucht so abgelegen, dass wir sie – bis auf ein Schiff in der Ferne – für uns allein hatten.
„Das Wasser ist so angenehm“, merkte Felix an.
Ich stöhnte. „Ich möchte etwas anderes sehen. Wir sind schon drei Tage hier.“
„Es ist schön hier.“
Ich blinzelte. „Ist alles gut?“
Felix´ Unterkörper senkte sich ins Wasser. Er schaute mich an. Seine dunklen Augen hatten mich stets an ausgebrannte Kohlestücke erinnert. „Ja.“
„Wirklich?“
„Ja. Keine Sorge.“
Nachdem Felix und ich zusammengekommen waren, war es ihm eine Zeit lang nicht gut gegangen. Seine Familie akzeptierte die Homosexualität nicht, das Studium hatte er nicht geschafft und seine Großeltern waren innerhalb kürzester Zeit verstorben. Ich hatte ihm so gut es geht geholfen aus dem dunklen Loch herauszukommen, doch manchmal stürzte er wieder hinab.
Das Gleiche galt für mich.
Wir schwammen vor uns hin. Nach einer Weile fragte Felix: „Sollen wir es den Leuten erzählen?“
„Hm?“
„Dass wir die Einzigen sind.“
Ich schüttelte den Kopf. „Nein. Man würde uns nicht glauben.“
Felix blickte über das endlose Wasser, hin zum Horizont. Das Schiff verschwand dahinter. „Dann sind wir mit dem Wissen-…“
Ich nickte. „Wir sind allein.“

*

„Ich glaube nicht an Gott.“
„Ich auch nicht“, sprach Felix.
„Warum sind wir dann hier?“
Das Innere des alten Gemäuers war recht schlicht gehalten: Bei dem Taufbecken handelte es sich um eine flache Schale, auf dem Altar befand sich eine unscheinbare Bibel und das grob geschnitzte Kreuz darüber hatte der Küster wahrscheinlich selbst angefertigt. Wir standen rechts davon; ein Tisch mit dutzenden Kerzen flackerte vor uns. Es waren außer uns keine Menschen in der Kirche, aber ich konnte die Anwesenheit von Personen vergangener Zeiten spüren; an den abgewetzten Steinmauern, auf den verkratzten Bänken, in den zerfledderten Gesangsbüchern.
„Ich wollte wissen, wie es sich anfühlt“, erläuterte Felix. „Hier zu sein. Nach der Nacht.“
Ich zuckte mit den Schultern. „Eine Kirche fühlt sich jetzt noch … überflüssiger an.“
„Warum?“
„Wir sind die Einzigen im Universum“, erklärte ich. „Ich denke, das unterstreicht nur noch mehr, was wir sind: Ein Zufall.“
Felix trat vor und nahm eine lange Kerze, deren Docht noch nicht brannte, in die Hand. „Das denke ich nicht. Nicht mehr.“
Ich hob meine Augenbrauen. „Ja?“
„Es gibt nur noch uns.“ Er hielt den Docht an die Flamme einer weiteren Kerze. „Möglicherweise aus einem bestimmten Grund. Vielleicht gab es tatsächlich einen Plan.“
Er stellte die Kerze zwischen die anderen. Das Feuer spiegelte sich in seinen Augen.
„Amen“, sagte ich.

*

Wir bahnten uns einen Weg durch die Menschenmasse einer gewaltigen Metropole. Grelle Neonröhren kreischten uns ihr Licht entgegen, rußiger Geruch tobte in unseren Nasen und donnernde Wolken versperrten die Sicht auf den Sternenhimmel.
„Es ist so laut hier!“, schrie ich.
„Es war schon immer so laut“, sagte Felix.
„Ich habe es schöner in Erinnerung.“
Felix blieb vor einer Statue stehen. Es handelte sich um zwei Menschen, durch Abstraktion zur Androgynität modelliert, Hand in Hand.
„Weil wir uns hier geküsst haben“, sprach Felix.
Er küsste mich – und ich wurde zurückgeworfen in eine andere Zeit, zum gleichen Ich. Wie unsere Lippen zum ersten Mal aufeinandergetroffen waren, die klare Sternennacht über, die Menschenmasse um uns. Mein ganzes Leben hatte mich meine Sexualität vom intoleranten Umfeld entfremdet, doch hier war Felix gewesen, unsere Münder auf-, unsere Körper aneinander. Doch genau wie damals erkannte ich, nachdem unsere Lippen sich getrennt hatten, dass dort keine Emotion durch meinen Körper strömte; keine Schmetterlinge, keine Flugzeuge. Ich starrte in Felix‘ Gesicht. Seine Augen waren aufgeflammt; das verbrannte Braun hatte sich zu einem grellen Orange entfacht. Doch mein Blick blieb an seinen Mundwinkeln hängen.
„Du lächelst!“, rief ich.
„Darf ich das nicht?“
„Du lächelst so – du hast noch nie so gelächelt.“
Felix zuckte mit den Schultern. „Es ist ein schöner Tag.“

*

Felix legte eine Hand an meine Wange, sein Kopf ruhte auf meiner Schuler. Die dünne Bettwäsche kratzte an meinem nackten Körper, die knochige Nachttischlampe keuchte ein fahles Licht und schwarze Vorhänge verhinderten den Blick nach draußen.
„Du warst gut“, hauchte ich.
In unserer Beziehung war stets ich es gewesen, der den Sex eingeleitet hatte. Doch sobald wir im Hotelzimmer angekommen waren, hatte Felix mich an sich gedrückt und ausgezogen. Leidenschaft hatte in seiner hellen Iris gelodert, Liebe war von seinen zärtlichen Fingern getropft.
„Du warst …“, begann er, „anders.“
„Irgendwas ist auch anders“, gab ich zu.
„Was?“
Ich holte Luft. „Ich habe immer gedacht – ich dachte, da wäre mehr. Und das hat mich immer weitermachen lassen. Irgendwann würde ich das Mehr finden. Irgendwann würde sich all der Scheiß des Lebens für das Mehr lohnen. Aber da ist nicht mehr. Da sind nur wir.“
Felix nickte langsam. „Ja. Und das ist – ich war der Überzeugung, man wäre nicht bedeutend. Ein Punkt im ganzen Universum. Aber ich bin ein lebender Punkt. Eine atmende Nadel in einem unendlichen Heuhaufen. Ich bin immer noch nur eine Nadel. Aber ich fühle mich so voller … Bedeutung. Wir sind das Mehr.“
Ich richtete mich auf. Felix’ Hand ließ von mir ab.
„Wohin fahren wir als nächstes?“, fragte ich.
Felix lächelte. „Warum bleiben wir nicht?“
„Bleiben?“ Wir hatten noch nie länger als eine Woche an einem Ort verharrt.
„Ich fühle mich wohl hier“, sagte Felix.
„Hier?“
„Ja.“ Er nickte erneut. „In diesem Land. In diesem Ort. In diesem Bett.“
„Auf dieser Erde“, führte ich fort. „In diesem Universum.“
„Ja.“
Felix zog mich wieder zu sich herunter und fuhr mit seiner Hand über meine Brust. Nach einer Weile flüsterte er: „Ich liebe dich.“
Ich starrte an die sternenlose Decke. Ich dachte an meine Eltern, die mich nie hatten haben wollen; an meine Schulkameraden, die mich nie betrachtet hatten; ich dachte an Felix, an die einzige Person in meinem Leben, die meine Sprache gesprochen, meine Gedanken gedacht, mein Leben gelebt hatte. Ich dachte an seine Augen; zwei brennende Sterne – und ich, der einsame Planet. Wir umkreisten uns, doch ich wusste, dass kein Leben entstehen konnte. Zu fern waren unsere Gedanken geworden, zu fremd unsere Seelen.
Ich schaltete die Nachttischlampe aus.

 
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Hallo @Sim123 ,

ich finde deine Geschichte leider nicht sehr überzeugend, bezogen auf das Denken der Protagonisten.

Sie sind nach einem Erlebnis, von dem sie noch nicht mal sicher wissen, ob es real war, überzeugt, alleine im Universum zu sein. Da gehe ich natürlich von meinem eigenen Denken aus, aber ... ich wüsste jetzt nicht, warum sich dadurch für mich etwas grundsätzlich ändern sollte.

Dann müsste der Glaube, dass es auch woanders im Universum Leben gibt, schon zuvor eine starke Bedeutung gehabt haben und das vermittelt mir der Text nicht glaubhaft.

Auch zu den Personen bekomme ich kaum eine Bindung, was auch daran liegen mag, dass du nur nachträglich das ein oder andere zu den beiden erwähnst.

An einer Stelle schreibst du:

„Ich habe immer gedacht – ich dachte, da wäre mehr. Und das hat mich immer weitermachen lassen. Irgendwann würde ich das Mehr finden. Irgendwann würde sich all der Scheiß des Lebens für das Mehr lohnen. Aber da ist nicht mehr. Da sind nur wir.
Felix nickte langsam. „Ja. Und das ist – ich war der Überzeugung, man wäre nicht bedeutend. Ein Punkt im ganzen Universum. Aber ich bin ein lebender Punkt. Eine atmende Nadel in einem unendlichen Heuhaufen. Ich bin immer noch nur eine Nadel. Aber ich fühle mich so voller … Bedeutung. Wir sind das Mehr.

Gerade diese Stelle zeigt m.E., dass du keine wirkliche Verbindung zwischen der Vision zu Beginn und dem Denken und Handeln der beiden Personen herstellst. Welche Ziele ich habe, hängt ja nicht davon ab, ob ich von Leben auf anderen Planeten ausgehe oder nicht.
Und die Antwort von Felix hört sich nach einem philosophischen Versuch an, dessen Aussage bei mir nicht ankommt. Nach dem Motto: "Es gibt nicht Mehr, also sind wir Mehr".

Das mag natürlich an mir liegen, aber die Handlung wirkt auf mich eher undurchdacht. Als hättest du eine grobe Idee, die du auf die Schnelle runtergeschrieben hast.

War leider nix für mich, bin aber auch gespannt auf andere Meinungen.

Viele Grüße,
Rob

 
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Hey @Rob F,

schade, dass du mit der Geschichte nicht so viel anfangen konntest, aber vielen Dank für dein Feedback! In meinem Kopf herrscht eine Verbindung zwischen der Version und dem Handeln, aber vielleicht ist es mir einfach nicht gelungen, die rüberzubringen. Danke fürs Lesen!

Liebe Grüße,
Sim123

 
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Hallo @Sim123, ich finde deine Geschichte nicht schlecht, auch wenn sie meiner Meinung nach noch deutlich Arbeit erfordert. Mir gefallen die Rückschlüsse von philosophisch-religiösen Gedanken auf das Denken und Handeln der Figuren.

Man kann ja auch sagen: Das Bewusstsein bestimmt das Sein. Ich denke hier beispielsweise an Sartre und den Existenzialismus. In Der Ekel beschreibt er, wie die Hauptfigur die Erkenntnis, dass alles ohne Sinn ist, physisch erlebt, eben durch Ekel. Wenn ich mich recht erinnere, bringt ein Baum den Protagonisten völlig aus der Fassung, da er dessen Stamm und Äste und so weiter einfach als nackte Form erfährt, und nicht mehr als Baum. Danach geht er dann anders durchs Leben.

In deiner Story erkenne ich einen ähnlichen Moment des Erwachens und ich finde das nicht schlecht mit der Liebesgeschichte verknüpft, wobei die doch etwas sehr holzschnittartig bleibt, mit dem bloßen Anreißen von vergangenen Problemen mit Familie und Gesellschaft etc.

Mein größter Kritikpunkt betrifft deine Sprache. Ich finde sie stellenweise viel zu pseudopoetisch und schwülstig. Klar, es werden romantische und naturnahe Momente und eine Art mystische Erfahrung beschrieben, da kann man schon mal in die Metapherkiste greifen. Aber dein Text übertreibt es in meinen Augen ziemlich mit der Blumigkeit:

Grelle Neonröhren kreischten uns ihr Licht entgegen, rußiger Geruch tobte in unseren Nasen und donnernde Wolken versperrten die Sicht auf den Sternenhimmel.

Seine Augen waren aufgeflammt; das verbrannte Braun hatte sich zu einem grellen Orange entfacht.

Die dünne Bettwäsche kratzte an meinem nackten Körper, die knochige Nachttischlampe keuchte ein fahles Licht und schwarze Vorhänge verhinderten den Blick nach draußen.

Leidenschaft hatte in seiner hellen Iris gelodert, Liebe war von seinen zärtlichen Fingern getropft.

Und bei der Alien-Begegnung fallen in meinen Augen zu viele wissenschaftliche Begriffe, die nicht zum Setting und zum Erleben der Figuren passen, etwa hier:

Ich erkannte andere Lichtwesen in einem illuminierenden Meer, die alle nach und nach nur noch flimmerten, um dann zu erlöschen. Ich erblickte Sterne, deren Feuer alles verbrannte, Planeten, auf denen nur der Staub residierte, Galaxien, in denen die Dunkelheit als hellste Lichtquelle diente. Ich erkundete vertrocknete Wiesen, verwaiste Wüsten, verlorene Welten.
Nach einer Weile verblassten die Bilder. Die Bäume des Waldes ragten empor, das Knistern von nachtaktiven Tieren flüsterte an meine Ohren.

Das klingt mir alles nicht unmittelbar genug, sondern von außen betrachtet und zu exakt beschrieben.

Ich hoffe, du kannst mit meinem Feedback etwas anfangen.

VG, HK

 
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Hey @Henry K.,

Vielen lieben Dank für dein Feedback, Lob und Kritik - und auch vielen Dank dafür, dass du es gelesen hast! Ich werde es bei der Überarbeitung berücksichtigen.

 
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06.02.2021
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Hi @Sim123

es ist eine sonderbare Geschichte. Sie hat mich berührt, auch in seiner Kälte. Deine Art zu erzählen ist sehr distanziert und doch bekommst Du es hin, durch die Zeilen hinweg langsam Zugang zu den Protagonisten herzustellen. Vieles bleibt im Dunklen und da frage ich mich ob all die Ungenauigkeiten beabsichtigt sind.

Nach einer Weile verblassten die Bilder. Die Bäume des Waldes ragten empor, das Knistern von nachtaktiven Tieren flüsterte an meine Ohren. Doch das Wesen war verschwunden; nur das fahle Licht einer Taschenlampe, von Felix fest umkrallt, erhellte wenige Meter des Waldes. Meine Hand ruhte auf Felix‘ Schulter, der nun ruhig atmend neben mir stand.
„Das Zeug, was uns dieser Typ gegeben hat“, begann er, „hat echt reingehauen.“
Ich rieb mir die Stirn. „Mhm.“
ein wunderbares zurückkommen in die Welt. Der Ausflug ist dir gelungen.
Ich hatte einen Einblick in das Leben eines außerirdischen Wesens erhalten; wie es seine Heimat verloren und das komplette Universum bereist hatte, auf der Suche nach weiterem Leben. Doch es hatte nur uns gefunden.
Ich sehe es als Poesie: Ein Bild das dass "sich außenstehend zu fühlen" beschreiben soll

Ich dachte nicht einen Moment daran, dass das Alien nur eine Halluzination gewesen war oder die Erinnerungen des Wesens falsch sein könnten. Als ich die Reise des Aliens gesehen hatte, hatte ich die Wahrheit spüren können. Es gab keinen Grund für Zweifel, keinen Ansatzpunkt zum Leugnen, denn die Offenbarung hatte sich in meinen Körper genistet. Mit dem Tod des Aliens waren die Bewohner der Erde nun die einzigen Lebewesen des gesamten Universums.
„Ich liebe dich“, hauchte ich.
Ich war darauf vorbereitet gewesen, keine Antwort zu erhalten. Felix hatte schon immer Schwierigkeiten gehabt, seine Gefühle einzugestehen.
„Ich dich auch“, flüsterte er jedoch und küsste mich.
Die Einsamkeit vibriert über all, auch bei der Begegnung. Wenn es gewollt ist finde ich das toll. Es gefällt mir. Und der Protagonist redet sich die Liebe von Felix für ihn weiter ein.
Wir schwammen vor uns hin. Nach einer Weile fragte Felix: „Sollen wir es den Leuten erzählen?“
„Hm?“
„Dass wir die Einzigen sind.“
Ich schüttelte den Kopf. „Nein. Man würde uns nicht glauben.“
Felix blickte über das endlose Wasser, hin zum Horizont. Das Schiff verschwand dahinter. „Dann sind wir mit dem Wissen-…“
Ich nickte. „Wir sind allein.“
Und wieder sind sie alleine! Ja, wir sind mit unserem Wissen alleine...
sehr schön... du sprichst in Bildern...
„Ich wollte wissen, wie es sich anfühlt“, erläuterte Felix. „Hier zu sein. Nach der Nacht.“
Ich zuckte mit den Schultern. „Eine Kirche fühlt sich jetzt noch … überflüssiger an.“
„Warum?“
„Wir sind die Einzigen im Universum“, erklärte ich. „Ich denke, das unterstreicht nur noch mehr, was wir sind: Ein Zufall.“
Felix trat vor und nahm eine lange Kerze, deren Docht noch nicht brannte, in die Hand. „Das denke ich nicht. Nicht mehr.“
Ich hob meine Augenbrauen. „Ja?“
„Es gibt nur noch uns.“ Er hielt den Docht an die Flamme einer weiteren Kerze. „Möglicherweise aus einem bestimmten Grund. Vielleicht gab es tatsächlich einen Plan.“
Er stellte die Kerze zwischen die anderen. Das Feuer spiegelte sich in seinen Augen.
„Amen“, sagte ich.
Es ist eine Unterhaltung über unsere Kondition? Und da spalten sich die Meinungen der Beiden!
Nachdem Felix und ich zusammengekommen waren, war es ihm eine Zeit lang nicht gut gegangen. Seine Familie akzeptierte die Homosexualität nicht, das Studium hatte er nicht geschafft und seine Großeltern waren innerhalb kürzester Zeit verstorben. Ich hatte ihm so gut es geht geholfen aus dem dunklen Loch herauszukommen, doch manchmal stürzte er wieder hinab.
Das scheint mir das Zentrale Thema. Und das finde ich eben gerade an deiner Geschichte gelungen. Ich meine durch deine Bilder dies nachempfinden zu können. Denn die Zweisamkeit von Felix und dem Protagonisten hilft ihnen nicht eine Brücke zuschlagen. Sie fühlen sich ausgeschlossen. Die Welt lässt sie alleine. Die Frage bleibt ob du diese Erklärungen wirklich im Text behalten willst, die Offenheit bleibt immer noch ein Weg. Du könntest sie herausnehmen.
Und alles dies ist nur meine Interpretation und das gefällt mir, denn Du gibst mir keinen Weg durch die Geschichte vor.

Felix legte eine Hand an meine Wange, sein Kopf ruhte auf meiner Schuler. Die dünne Bettwäsche kratzte an meinem nackten Körper, die knochige Nachttischlampe keuchte ein fahles Licht und schwarze Vorhänge verhinderten den Blick nach draußen.
„Du warst gut“, hauchte ich.
In unserer Beziehung war stets ich es gewesen, der den Sex eingeleitet hatte. Doch sobald wir im Hotelzimmer angekommen waren, hatte Felix mich an sich gedrückt und ausgezogen. Leidenschaft hatte in seiner hellen Iris gelodert, Liebe war von seinen zärtlichen Fingern getropft.
„Du warst …“, begann er, „anders.“
„Irgendwas ist auch anders“, gab ich zu.
Das schöne ist die Leidenschaft. Doch auch sie bringt sie nicht näher, so lese ich das. Die Liebe die der Prota meinte zu empfinden, erlöscht in dem Augenblick wo sie erwidert wird. Sehr schön...

Ich mag deine Art zu schreiben. Am Schluss wirst Du dann ja doch nicht sehr genau und auch hier ist die Frage ob du das wirklich willst. Ob Du nicht lieber die Offentheit wählst.

Ich starrte an die sternenlose Decke. Ich dachte an meine Eltern, die mich nie hatten haben wollen; an meine Schulkameraden, die mich nie betrachtet hatten; ich dachte an Felix, an die einzige Person in meinem Leben, die meine Sprache gesprochen, meine Gedanken gedacht, mein Leben gelebt hatte.
Denn das brauchst Du eigentlich nicht. Das ist schon alles in deiner Geschichte enthalten. Warum solltest Du so explizit werden.
Entschuldigung für das Durcheinander, es ist spät und überhaupt.

Super Geschichte. Nach meinem Geschmack.
Viel Spaß und einen schönen Abend

G.

 
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01.03.2017
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Hey @G. Husch,

vielen Dank für dein lobreiches Feedback!

Ja, genau, mein Ziel war es, die Einsamkeit in jedem Abschnitt näherzubringen - und den Zusammenhang von Zwei- und Einsamkeit aufzuzeigen.

Ich finde es gerade sehr interessant, wie unterschiedlich die Geschichte aufgenommen wird. Freut mich auf jeden Fall, dass sie dir gefallen hat! Danke fürs Lesen!

 

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