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Ex
Ich komme die Treppe hoch. Zu spät habe ich ihn gesehen. Ich bin nicht vorbereitet, und es führt kein Weg mehr an ihm vorbei.
Ich sehe ihm ins Gesicht.
Mir wird heiß, ich kann nicht mehr richtig atmen, mich nicht mehr richtig bewegen. Ich konzentriere mich, setze einen Fuß vor den anderen. Ich will es hinter mir haben.
Ich konzentriere mich auf die nassen Flecken auf den Stufen, wie kommt der Orangensaft dahin? Jetzt bloß nicht ausrutschen.
Mir ist heiß. Wie albern. Da ist mein Ex, ja und? Ich komme die Treppe hoch, bin noch unter ihm. Er kneift die Augen zusammen, und starrt angestrengt über meinen Kopf hinweg.
Ich bin oben.
Aus den Augenwinkeln sehe ich, dass er wild gestikuliert. Sein Freund wirkt uninteressiert, aber das merkt er natürlich nicht. Er merkt ja auch nicht, dass selbst seine Freunde über ihn lachen. Er lebt so sehr in seiner eigenen Welt.
Aber immerhin ist er glücklich und nicht geschockt, nur weil er mich gesehen hat, warum auch.
Er hat mit nichts und niemandem Probleme.
Ich biege direkt neben ihm in den Flur zu meiner Klasse ab. Er ist mir ganz nah. Er ist da, direkt neben mir. Der selbe Er, die selbe Ich. Es ist wie in Zeitlupe. Bestimmt passiert jetzt was.
Ein kurzer Blick, ein Nicken, ein Lächeln, irgendwas muss doch passieren.
Nein.
Nichts.
Er kennt mich nicht mehr.
Er ist so professionell, er hat nichts zu tun mit der ganzen Gefühlsduselei. Es ist schon lange aus, abgehakt. Er braucht mich nicht mehr zu kennen, die Zeiten sind vorbei.
Jetzt ist er hinter mir.
Ich will weinen. Mich gibt es einfach nicht mehr.
Er redet, er lacht, man hört ihn wie immer über den ganzen Flur. Er ist da. Alle sehen, dass er da ist.
Er schafft das, was ich täglich versuche.
Er führt ein Leben ganz ohne mich.
