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Ex

Beitritt
10.02.2008
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3
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Ex

Ich komme die Treppe hoch. Zu spät habe ich ihn gesehen. Ich bin nicht vorbereitet, und es führt kein Weg mehr an ihm vorbei.
Ich sehe ihm ins Gesicht.
Mir wird heiß, ich kann nicht mehr richtig atmen, mich nicht mehr richtig bewegen. Ich konzentriere mich, setze einen Fuß vor den anderen. Ich will es hinter mir haben.
Ich konzentriere mich auf die nassen Flecken auf den Stufen, wie kommt der Orangensaft dahin? Jetzt bloß nicht ausrutschen.
Mir ist heiß. Wie albern. Da ist mein Ex, ja und? Ich komme die Treppe hoch, bin noch unter ihm. Er kneift die Augen zusammen, und starrt angestrengt über meinen Kopf hinweg.
Ich bin oben.
Aus den Augenwinkeln sehe ich, dass er wild gestikuliert. Sein Freund wirkt uninteressiert, aber das merkt er natürlich nicht. Er merkt ja auch nicht, dass selbst seine Freunde über ihn lachen. Er lebt so sehr in seiner eigenen Welt.
Aber immerhin ist er glücklich und nicht geschockt, nur weil er mich gesehen hat, warum auch.
Er hat mit nichts und niemandem Probleme.
Ich biege direkt neben ihm in den Flur zu meiner Klasse ab. Er ist mir ganz nah. Er ist da, direkt neben mir. Der selbe Er, die selbe Ich. Es ist wie in Zeitlupe. Bestimmt passiert jetzt was.
Ein kurzer Blick, ein Nicken, ein Lächeln, irgendwas muss doch passieren.
Nein.
Nichts.
Er kennt mich nicht mehr.
Er ist so professionell, er hat nichts zu tun mit der ganzen Gefühlsduselei. Es ist schon lange aus, abgehakt. Er braucht mich nicht mehr zu kennen, die Zeiten sind vorbei.
Jetzt ist er hinter mir.
Ich will weinen. Mich gibt es einfach nicht mehr.
Er redet, er lacht, man hört ihn wie immer über den ganzen Flur. Er ist da. Alle sehen, dass er da ist.
Er schafft das, was ich täglich versuche.
Er führt ein Leben ganz ohne mich.

 

Hallo Sonnenblumenmädchen

Herzlich Willkommen auf kg.de

Ja, das ist so ein typischer Anfängertext, nein, das ist kein Vorwurf, auch wenn es so klingt. Ist halt typisch Anfänger, typischer Jugendstil, typisches Thema. Kleines Problemchen, das aber auch irgendwie doch nicht so klein ist. Stell dir vor, deine Kunstlehrerin sagt dir, du sollst ein Gesicht zeichnen. Und du zeichnest ein Gesicht ohne Nase, Augen, Ohren und Mund. Ist dann kein Gesicht, sondern höchstens eine Ovale mit paar Strichen, die die Haare darstellen sollen.
Was ich sagen will: Deiner Geschichte fehlt die Essenz, die Merkmale, Bilder, die ich sehen kann, Beschreibungen, bei denen ich mit der Protagonistin fühlen kann und vor allen will ich ihre Stimme hören.

Der selbe Er, die selbe Ich.
Der Satz hört sich irgendwie total schräg an, aber irgendwie gefällt er mir auch, und in dem Zusammenhang erst recht.

Ich weiß, ich hab jetzt nichts zum Inhalt gesagt, mache ich bei Neulingen nicht oft, es sei denn, der Text verdient es, weil er wirklich gut geschrieben ist. Ich warte einfach ab, wie sich die Sonnenblume entwickelt. ;)

Viel Spaß noch.

Cu JoBlack

 

Hallo Sonnenblumenmädchen, und willkommen auf Kg.de!

Du beschreibst die Not eines Mädchens, das seinem Ex begegnet. Für ihn ist die Sache bereits zu Ende. Er hat (zeigt) keine Gefühle mehr für sie. Das Mädchen aber hat noch Emotionen, kämpft mit sich selbst, vielleicht hofft sie, dass es doch noch einmal klappt?
In diesem Absatz liegt möglicherweise die (freud'sche)Antwort:

Er ist so professionell, er hat nichts zu tun mit der ganzen Gefühlsduselei. Es ist schon lange aus, abgehakt. Er braucht mich nicht mehr zu kennen, die Zeiten sind vorbei.
Jetzt ist er hinter mir.

Durch seine zur Schau gestellte Gleichgültigkeit, hat es die Protagonistin (vielleicht) geschafft, ihn endlich zu überwinden.
Ein kurzer Text, bestimmt, es fehlt noch etwas an Substanz, an Tiefe, an Profilierung deiner Figuren. Aber für den Anfang gar nicht so schlecht. :)

Ein paar Fehler sind mir aufgefallen:

Viele Sätze beginnen mit Ich, besonders am Anfang. Das könntest du leicht ändern.

Ich konzentriere mich, setze einen Fuß vor dem anderen.
den

Er kneift die Augen zusammen, und starrt angestrengt über meinen Kopf.
Hier würde ich das Komma weglassen, und den Satz um ein Wort verlängern.
... über meinen Kopf hinweg.


Sein Freund wirkt uninteressiert aber das merkt er natürlich nicht.
... uninteressiert, aber das ... (Komma)

Er merkt ja auch nicht dass selbst seine Freunde über ihn lachen.
... auch nicht, dass selbst ... (Komma)

Aber immerhin ist er glücklich und ist nicht geschockt, nur weil er mich gesehen hat, warum auch.
das zweite "ist" könntest du weglassen.
Würde den Satz teilen. Vorschlag: ... nur weil er mich gesehen hat. Warum auch?

Er hat mit nichts und niemanden Probleme.
niemandem

Alle sehen dass er da ist.

Alle sehen, dass er da ist. (Komma)

Liebe Grüße,
Manuela :)

 

Hallo Sonnenblumenmädchen,

ich kann mich nicht ganz meinen Vorrednern in Bezug auf die fehlende Figurenzeichnung anschließen, denn Deinen Text sehe ich eher als eine Momentaufnahme. Figurenzeichnung wäre genau bei einer Momentaufnahme eher unangebracht (meiner Meinung nach).

Mir gefällt Dein Stil, allerdings habe ich die fehlende Metaphorik zu bemängeln, denn die hättest Du wunderbar einbauen können. Wobei ich da wahrscheinlich auch allein mit dieser Meinung bleiben werde, weil das nicht jedermanns Geschmack ist. ;)

Alles in allem hat mir Deine Momentaufnahme jedenfalls gut gefallen. Wer kennt diese Situation nicht, wer hat sie nicht schon mal erlebt? Ich denke, da können wir uns alle sehr gut hinein empfinden. ;)

Liebe Grüße
stephy

 

Hey,
Danke für eure Antworten und Kritik.

Zu der fehlenden Beschreibung der Hauptpersonen kann ich nur sagen, dass das genau so gedacht war wie stephy das aufgefasst hat. ;) Ich wollte einen kurzen Moment von vielleicht einer halben Minute beschreiben, und dabei in den Vordergrund stellen, was die Protagonistin fühlt. Die weitere Charakterzeichnung habe ich weggelassen, damit man sich besser mit der Situation identifizieren kann.

Vielen Dank für die Korrekturen, Manuela. Manches übersieht man halt doch noch, auch beim 300. Durchlesen. :)

Ich weiß jetzt nicht so wirklich, wie man so eine Antwort schreibt, und ob, aber ihr wisst schon was ich sagen will denke ich. ;)

Liebe Grüße.
Sonnenblumenmädchen.

 

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