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Fünfzig Jahre später

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Fünfzig Jahre später

Fünfzig Jahre waren vergangen

Fünfzig Jahre waren vergangen. – 50 Jahre auf den Tag genau,

als Doro das Leihfahrrad an das Gatter stellte. Mit einiger Mühe

versuchte sie das große Tor zu öffnen.

Sie war im Begriff auf diesen Hof zu gehen obwohl sie nie zuvor hier gewesen war. Irgendetwas trieb sie, diesen Schritt zu tun.

Ihr kam ein Mann entgegen. Ohne Zweifel, er war es. Klaus! Das damals kohlrabenschwarze Haar mit Silberfäden durchzogen. Immer noch attraktiv ohne äußerliche Blessuren.

Klaus wirkte anfangs mürrisch, kam ihr mit forschem Schritt entgegen. Inzwischen hatte Doro das Tor zum Pferdehof geöffnet. Sie ging ebenfalls auf ihn zu. Ihr Herz klopfte wie wild. Der Mann hielt inne. Seine Gesichtszüge veränderten sich, wirkten erschrocken, verunsichert, dann erleichtert.

Nun standen sie sich gegenüber. – Doro fühlte sich versetzt in die Zeit, als sie ihre Jugendliebe kennenlernte. – Meine Güte, wie heftig ihr Herz doch klopfte. Ob sie errötete? - Ob er sie erkannte? Die Jahre waren ihr anzusehen. – Ihr Leben hatte ihr einiges abverlangt.

Klaus - Wenn er wüsste, wie sehr sie all die Jahre nach ihm gesucht, geforscht hatte. Sie bemühte das Internet – doch keinerlei Einträge.

Sie suchte nach dem Begriff „Pferde“ – da sie sich gern an ihn erinnerte, wenn er ihr hoch zu Ross entgegenritt.

Die zuletzt per Internet erforschte Adresse lag in der Nähe ihres

Urlaubsdomizils. – Doch sie war sich bis zuletzt nicht sicher, ob sie wirklich den Mut aufbrächte, dort hinzufahren. Die erforschten Angaben waren sehr vage.

Vor drei Jahren war ihr Mann Peter verstorben. Dieser Verlust setzte ihr schwer zu, war er doch die überwiegende Zahl der Ehejahre hilfsbedürftig. Ihr Mann verstarb plötzlich, ohne vorherige Ankündigung in der Nacht des Blutmondes.

War es Zufall, war es Fügung, dass sie jetzt hier und heute vor ihm stand? – Vor einigen Wochen flatterte ihr eine Einladung zu einer Hochzeit auf den Küchentisch. Eines ihrer Patenkinder heiratete. Sie hatten lange Jahre keinen Kontakt. Die Einladung galt ihr und ihrem verstorbenen Mann. – Sollte sie zu dieser Hochzeit fahren? – Letztendlich buchte sie eine Woche in dem mittelalterlichen Städtchen. Irgendwie würde sie die Zeit schon herumbekommen.

Es kam ihr wie eine Ewigkeit vor, die sie sich gegenüberstanden. Doro konnte das Schweigen kaum ertragen, schwenkte ihren Rucksack hin und her, kramte schließlich darin herum und holte ein zusammengeschnürtes Päckchen hervor, eingepackt in Zeitungspapier, zusammengehalten mit Paketband und streckte es ihm entgegen.

„Herzlichen Glückwunsch zum 66!“

„Sag mal Doro, das gibt´s doch nicht. Und meinen Geburtstag hast du nicht vergessen? – Wie viel Jahre haben wir uns nicht gesehen?“

Ihr Gegenüber zeigte sich erleichtert, dass Doro das Schweigen brach. Er konnte es nicht glauben, dass sie jetzt so aus heiterem Himmel vor ihm stand.

In dem Moment rief eine Frauenstimme:

„Klaus, nun komm doch endlich. Es wird Zeit!“

„Ja, ja, ich komme gleich!“

War er verheiratet? – Doro erwachte wie aus einem Traum, kam sich plötzlich als Eindringling vor.

„Ich will nicht länger stören, Klaus, bin in Lübeck in Urlaub. – Ich melde mich noch mal. Dann können wir ja über die guten alten Zeiten reden.“

„Ja nun warte mal… Morgen Abend hab ich keine Zeit, aber vielleicht…“

„Tja, morgen bin ich auch eingeladen, aber wie gesagt, ich melde mich…“ stammelte sie, drehte sich um und war flugs mit ihrem Drahtesel verschwunden.

Klaus stand da mit diesem Päckchen in der Hand. Er konnte es immer noch nicht fassen, dass Doro hier so mir nichts dir nichts auftauchte.

„Klaus…“ – Nun mach schon!“ – Er ging zum Haus. Sabine, seine Schwester, hielt ihm das Sakko hin.

„Wer war das denn?“ fragte sie.

„Das war Doro, kannst du dich noch an sie erinnern? Damals in Ahlen-Falkenberg?“

„Ach, deine Jugendliebe? Warum ist sie denn schon wieder verschwunden?“

„Ich weiß auch nicht. Aber guck, sie hat mir ein Geschenk mitgebracht!“

Klaus pulte das Paketband auf.

„Hach, sieh mal, der Webleinenstek. – Wie oft haben wir diesen Seemannsknoten damals ausprobiert. Ich fass es nicht.“

Er wickelte das Papier ab. – Das Geschenk: 16 Bierdeckel, alte Biersorten, vergilbt.

Klaus war berührt, er war ihr wieder so nahe wie vor vielen Jahren. Als sie sich zuletzt trafen, holte er sie von ihrem Zuhause ab, sie hinten auf dem Gepäckträger seines Fahrrades. Sie umfasste ihn mit beiden Armen und spürte seine Wärme. – Sie gingen in sein Zimmer und guckten sich seine Bierdeckelsammlung an. – Immer wieder kam seine Mutter ins Zimmer wegen irgendwelcher fadenscheinigen Angelegenheiten.

„Ich guck mal, ob ich sie noch erwische!“ sagte er zu seiner Schwester, holte seinen Jeep aus der Garage und machte sich auf den Weg.


„Klaus, nun warte doch!“ – aber schon war er verschwunden.

Nach einer Weile kam er zurück ohne sie erreicht zu haben.

Doro radelte durch den Wald, fernab der großen Straßen, sie war aufgewühlt. – Wie konnte sie nur. Was er wohl von ihr dachte? Aber sie spürte, dass auch er sich freute.

Am nächsten Tag zog sie ihr neu erstandenes blutrotes Kleid an und diese Regenbogenkette. Sie lackierte sich Fuß- und Fingernägel und machte sich auf den Weg zur Hochzeitsfeier in den Hafenschuppen, der nun modernisiert als Veranstaltungshalle diente.

„Sekt oder Saft?“ – eine junge Frau kam auf sie zu mit einem Tablett in der Hand. Es war Jennifer, die zukünftige Frau von Kai, ihrem Patenkind.

„Du bist sicherlich Doro, nicht wahr? Kai hat mir Fotos von dir gezeigt!“.

Dann kam auch Kai, ihr Patenkind.

„Mensch, wie lange haben wir uns nicht gesehen, toll, dass du gekommen bist. Guck dort ist unser Platz, du sitzt neben meinen Eltern und Jennifers Vater!“

Doro sah zu ihrem Platz. – Sie konnte es kaum fassen. Dort am Tisch saß Klaus. – Jennifers Vater. –

Nun blickte auch Klaus herüber.

Fünfzig Jahre später...

 
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Fünfzig Jahre ist eine verdammt lange Zeit, die nicht ohne Veränderung und Wandel im Großen wie im Kleinsten vergehen/verwehen wird,

liebe @Heidi,

und vllt. ist Deine kleine Erzählung einem realen Erlebnis nachgebildet - was ich zu spüren glaube und - selbst wenn nicht - nicht auszuschließen ist. Meine Geschichte, der Einschub sei mir gestattet, vor nahezu sieben Jahren über eine Wiederbegegnung nach nicht einmal zwanzig Jahren und jedesmal – wie hier bei Dir mit Doro (oder Dear?) und , bei mir ...ela, wo sich dann aber auch der oft so dahingesagte Spruch „jeder Mensch ist anders“ bewahrheitet … und vor allem, wer sich nicht ändert ist wahrscheinlich schon … (das geht jetzt vllt. zu weit ) … nicht mehr so lebendig.

Mit gefällt Dein Debut mit einer Ausnahme , die allsogleich folgt – warum wählstu Vergangenheit, wenn die Gegenwart doch viel lebendiger ist als die bloße Erinnerung und vor allem der Mittelpunkt ist zwischen gestern und morgen … Selbst wenn es gemeinhin Grundlage aller Erzählstimmen (also auch Homers ist, wobei das Nibelungenlied das Schema am Anfang durchbricht und in der vollendeten Vergangenheit – uns ist in alten Mären, … wunders viel gesagt, von … beginnt).

Bisschen Flusenlese – keine Bange, nix was einen bloßstellen könnte ..

Sie war im Begriff auf diesen Hof zu gehenKOMMA obwohl sie nie zuvor hier gewesen war.
Da hat sich eigentlich nix durch die Rechtschreibreform geändert: Nebensätze werden nun mal durch Komma abgegrenzt

„Herzlichen Glückwunsch zum 66[.]!“
Das Zahlwort mutiert dort allein durch den Punkt zur Ordinalzahl, bliebe sonst „sechsundsechzig“

„… Ich fass es nicht.“
Nix falsch!, aber klingt das nicht nach mehr als einer lässig dahingesagten Aussage? Denk mal nach!, bitte!

„Ich guck mal, ob ich sie noch erwische!“KOMMA sagte er zu seiner Schwester, holte seinen Jeep aus der Garage und machte sich auf den Weg.
Ohne Komma nach der wörtlichen Rede müsstestu seit Karl dem Großen „sagte“ mit „M“ajuskel beginnen,
ähnlich hier, wenn der Strich – gleich welcher Art – kein Komma ersetzen kann

„Klaus, nun warte doch!“KOMMA – aber schon war er verschwunden.

ebenso hier
„Sekt oder Saft?“ – eine junge Frau kam auf sie zu mit einem Tablett in der Hand.

Nach einer Weile kam er zurückKOMMA ohne sie erreicht zu haben.

Auch das ist keine Neuerung ...

„Du bist sicherlich Doro, nicht wahr? Kai hat mir Fotos von dir gezeigt!“.
Punkt weg nach den auslaufenden Gänsefüßchen

Fünfzig Jahre später[…]…
Direkt am Wort behaupten die Auslassungspunkte, dass da mindestens ein Buchstabe fehle – was nicht der Fall ist. Da wäre dann auch der Apostroph viel rationeller

Wie dem auch wird, gern gelesen vom

Friedel,

der Dear noch ein herzlich Willkommen wünscht
nebst einem schönen

ersten Advent!

der einen sch

 
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Moin Friedrichard,
Danke für dein intensives "FLusenlesen" - Ja, Erinnerungen, verstrickt mit neu Erlebtem
. Ich war nachlässig, was die Kommata angeht. - Du bist aber auch genau! - Doch dafür danke.
Ich guck mal bezgl. der Gegenwart.
Ich war am Überlegen, überhaupt mal wieder etwas Geschriebenes einzustellen. - Und nun hab ich´s an der Backe, d.h. Überarbeitung :-) - Ich mach mich dran.
Dir einen schönen 2. Advent !
Heidi

 
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Du bist aber auch genau!
Muss man sein, ob in angewandter Mathematik (zB Steuern) und "erzählen" kommt wie die Schrift aus I, II, III oder IV usw. von der Zahl und das Vieh, das gezählt wurde, war der Reichtum unserer Vorfahren in grauer/grauenvollen Vergangenheit-

Bis gleich!

Friedel

 

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