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Flip und das ungesühnte Verbrechen

CoK

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24.08.2020
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Flip und das ungesühnte Verbrechen

Warum müssen die Kinder auf dem Karussell immer essen? Es ist mühsam, die Lebkuchenkrümel, Liebesperlen und Brezelreste aus den kleinen Fahrzeugen zu entfernen. Flip schmerzt der Rücken vom Bücken und Saubermachen. Er räumt Besen und Eimer auf, verstaut beides unter dem Kassenwagen. Gleich würde die Chefin kommen und die Musik einschalten.
„Machst du mir meine Klappe auf?“, hört er die Nachbarin rufen.
Seit Jahren steht die Hütte von Gerda neben dem Karussell. Sie verkauft Schmuck für ihren Sohn. Jede Woche kommt er, um sich von seiner Mutter die Einnahmen abzuholen. Flip denkt, dass Gerda mit ihren achtundsiebzig Jahren besser zu Hause bleiben sollte, anstatt auf dem Weihnachtsmarkt zu frieren.
„Zu Hause da sterben die Leut!“, ist ihre Antwort, wenn er sie darauf anspricht. Er kennt den wahren Grund. Ihr missratener Sohn Tom, der ständig wegen irgendwelcher Dummheiten im Knast sitzt. Flip zieht an der Holzklappe und drückt sie nach oben. Gerda sichert von innen mit einem Metallriegel die Gasfeder. So kann die Klappe auch bei Sturm und starkem Schneefall nicht zufallen.
„Danke! Was würde ich nur ohne dich machen?“ Die alte Dame lächelt ihn an.
Aus den Lautsprechern ist Rolf Zuckowski mit „in der Weihnachtsbäckerei“ zu hören und das Kinderkarussell dreht eine Proberunde.
„Gute Geschäfte Gerda. Bis später!“
Schnell läuft Flip die paar Schritte zurück. Seine Chefin kann wütend werden, wenn das Karussell sich dreht und er nicht da ist. Es gehört zu seinen Aufgaben aufzupassen, dass während der Fahrt kein Kind ins Karussell läuft.
Mit einem Blick erfasst er den Weihnachtsmarkt. Außer den Markthändlern ist niemand auf dem Platz. Er kann sich noch in die Kasse setzen und etwas aufwärmen. In der kleinen Kajüte haben gerade mal zwei Stühle und der Ölradiator Platz. „Noch nichts los?“ Ein Lächeln begrüßt ihn.
„Nein, noch keiner da.“ Flip setzt sich und beobachtet seine Chefin, die Fahrchips und Wechselgeld herrichtet. Sie wird alt, wie die Frauen in meinem Heimatdorf, denkt er, mit grauen Haaren, fülligen Hüften und Falten. So ganz anders als die Schaustellerfrauen, denen er sonst begegnet. Mit gefärbten Haaren und viel Make-up versuchen sie jünger auszusehen. Sein Blick bleibt an ihrer rechten Hand mit den beiden Eheringen hängen. Nach einem mysteriösen Sturz war ihr Mann vor mehreren Jahren gestorben. Der Schausteller hatte an der Dachfront Lichterkappen ausgewechselt. Beim Heruntersteigen war er gestürzt. Zeugen berichteten von einem Mann, der die Leiter umgeworfen hatte. Die Polizei ermittelte wochenlang auch bei den Kollegen. Ohne Erfolg.
Nach dem Tod ihres Mannes brauchte Clara einen Mitarbeiter. Das war gar nicht so einfach, denn junge Leute zum Mitreisen fand man nur schwer. Sie wandte sich an das Johanneshaus, einer sozialen Übergangseinrichtung für obdachlose Männer. Der Leiter der Einrichtung, ein Pfarrer und Streetworker, schlug ihr vor, Flip zu fragen. Die anderen wären entweder zu nass oder schon zu lange auf der Straße gewesen. Bei ihm könnte es sein, dass er einer geregelten Arbeit nachgehen kann.
Flip war mit siebzehn von zu Hause abgehauen und eineinhalb Jahre obdachlos gewesen. „Er ist noch nicht von Alkohol und Gewalt geprägt, und er hat kein Drogenproblem“, hatte der Leiter erklärt.
Sie bereute es nicht. Von April bis Dezember reiste er mit ihr von Stadt zu Stadt.
„Einen Fahrchip bitte.“ Vor der Kasse steht die erste Kundin.
Es dauert nicht lange und das Karussell ist halb voll. Flip geht aus der Kasse, um die Chips einzusammeln.
Er fängt mit dem Feuerwehrauto an. Drei von vier Sitzplätzen sind belegt.
„Fahrchip bitte.“ Flip streckt die Hand aus. Ein Junge, wie ein Wesen aus einer anderen Welt, hebt den Kopf. Er kann die Augen des Kindes nicht sehen. Die Lider verdecken bis auf einen Schlitz die Pupillen. Sein Gesicht ist nach innen gedrückt. Das Händchen, das Flip den Fahrchip hinhält, ist an den Schultern angewachsen. Ein Durcheinander von winzigen Fingern. Er lächelt das Kind an und nimmt den Chip.
„Dankeschön.“
„Bitte.“
Das Kind versucht nach der Feuerwehrglocke zu greifen, doch die Entfernung ist zu groß. Flip zeigt auf einen roten Knopf neben dem Lenkrad.
„Schau, hier kannst du hupen.“
Die schmalen Lippen deuten ein Lächeln an und der Junge bückt sich zu der Hupe, um es selbst zu versuchen. Tatütata, immer wieder drückt er.
Ein anderer Junge will sich neben ihn setzen. „Die Feuerwehr ist besetzt.“ Energisch zieht die Mutter den Buben weg. „Ich will auch hupen, Mama!“ Der Kleine beginnt zu weinen. Sie setzt ihn in die Lokomotive.
Flip holt auch diesen Fahrchip.
Er schaut sich um, will noch jemand mitfahren? Sein Blick fällt auf eine junge Frau mit Sommersprossen, auseinanderstehenden Zähnen und langen Haaren, ein kindliches Gesicht. Sie erinnert ihn an Pippi Langstrumpf. Die Schnürsenkel ihrer ungebundenen Turnschuhe baumeln bei jedem Schritt hin und her. An den Händen hält sie zwei kleine Jungs.
Der Größere von beiden steigt zuerst aufs Karussell, will sich auf das Fahrrad setzen.
Unbeholfen versucht er zunächst, mit dem rechten Fuß auf dem Pedal den Sattel zu erreichen. Hilflos und resigniert gibt er auf. Bleibt vor dem Rad stehen.
„Mama“, ruft er ängstlich.
Von der Pippi-Langstrumpf-Frau kommt keine Reaktion.
„Mama!“ schreit er.
„Steig woanders auf!“, befiehlt die Mutter.
„Schau, du musst es so machen.“ Flip nimmt den linken Fuß und setzt ihn auf das Pedal. „Und jetzt kannst du auf den Sattel steigen. Deinen Fahrchip bitte.“
Der kleinere Junge hat inzwischen in einem Auto Platz genommen. Mit großen Augen schaut ihn das schmächtige Kind ängstlich an. Als Flip die Hand nach dem Fahrchip ausstreckt, drückt sich der Junge in den Sitz des Buggys. „Gibst du mir das?“ Er deutet auf den Fahrschein. Der Kopf des Kleinen senkt sich, schaut auf das rote Ding zwischen seinen Fingern. Langsam zieht Flip die Fahrkarte aus der verkrampften Hand.
Ein Signal ertönt und die Fahrt beginnt.
Seine Chefin nimmt die eingesammelten Chips entgegen.
Flip beobachtet die Fahrgäste. Er sieht den Jungen im Buggy, der teilnahmslos bleibt. Kein Lenkrad wird gedreht, die Hupe bleibt stumm.
Flip springt auf, kniet sich neben das Auto. Drückt auf den roten Knopf. „Da kannst du das Auto sprechen lassen.“ Heiße Kiste hier, ertönt es aus dem Lautsprecher. „Hast du das gehört?“ Flip lächelt den Jungen an. „Versuch du es einmal, ob es bei dir auch funktioniert!“
Ganz langsam nähert sich der Finger dem Knopf. Heiße Kiste hier.
„Toll gemacht.“ Flip nimmt die Hand des Kleinen und führt sie zum Lenkrad. „So, und jetzt fährst du alleine. Hupen nicht vergessen.“
Er springt wieder ab.
Tatütata! Heiße Kiste hier! Tatü… Heiße Kiste hier! Flip lächelt.

Es ist Feierabend. Flip hilft Gerda noch beim Schließen ihrer Hütte. Heute würde er nicht wie sonst zu seinem Wohnwagen fahren, sondern in die benachbarte Großstadt. Selten verabredet er sich mit seinen Kollegen von den anderen Kirmesgeschäften. Die Jungs sah Flip nur, wenn sie auf einem der großen Volksfeste standen. Das Treffen mit den Dreien war eine spontane WhatsApp-Verabredung gewesen, um sich in einer Dartkneipe zu treffen. Flip steigt in den Opel. Er liebt es, Auto zu fahren, Gas zu geben. Ein Vergnügen, dass er seiner Chefin verdankt.
„Es ist dein Firmenwagen“, hatte sie lächelnd zu ihm gesagt. Wärme steigt in ihm auf und er erinnert sich an den Tag vor fünf Jahren, als er das warme Gefühl zum ersten Mal spürte. Die Chefin hatte ihn vom Johanneshaus abgeholt. Eine freundliche Frau mit einem großen Jeep.
„Hallo, ich bin Clara Winterstett und wenn Sie damit einverstanden sind, nehme ich Sie jetzt mit zu Ihrem neuen Arbeitsplatz.“
Nur weg hier, von den alten Säufern, den täglichen Streitereien, dem Geruch von verpissten Hosen und ungewaschenen Körpern. Im Schlafsaal schnarchte ständig einer oder war auf Entzug und halluzinierte. Viele hatten Alpträume und schrien im Schlaf. Doch schlimmer war das Leben auf der Straße gewesen. Da war es ums Überleben gegangen, von einem Tag zum nächsten.
Auf der Fahrt zu seinem ersten Arbeitsplatz erklärte ihm seine Chefin, was von nun an zu seinen Aufgaben gehörte. Karussell aufbauen, putzen, Chips einsammeln … und du wirst den Führerschein machen, beendete sie die Aufzählung. Mit großen Augen hatte er sie angeschaut. „Ich habe doch gar kein Geld.“
„Das lass mal meine Sorge sein. Ich brauche jemanden, der die Transporte fährt und damit werden wir deinen Führerschein verrechnen, wenn du einverstanden bist.“
Und wie er einverstanden war.
Als Flip am Abend den kleinen Wohnwagen bezog, konnte er sein Glück kaum fassen. Alles war so sauber. Ein Tisch mit einer Polstereckbank. Ein abtrennbarer Schlafraum. Eine Nasszelle mit Dusche und WC. Ein Kleiderschrank, in den er seine Habseligkeiten einräumte und sogar ein Fernseher. Wasserkocher, Mikrowelle. Die Schränke waren eingeräumt mit Tassen, Tellern und Töpfen, Besteck und alles, was man sonst noch brauchte, um auf dem Gasherd zu kochen. Im Kühlschrank fand er Wurst, Käse und Margarine.
Noch nie in seinem Leben war er so umsorgt worden. Später, in dem frisch bezogenen Bett, dachte er an das, was seine Chefin zu ihm gesagt hatte. „Ich erwarte von Ihnen, dass Sie ihre Aufgaben ordentlich erledigen. Und Ehrlichkeit. Wenn Sie dazu bereit sind, werden wir gut miteinander auskommen.“
Er hatte sich ganz fest vorgenommen, sie nicht zu enttäuschen.

Die Drei sind schon da, als er die Kneipe betritt. Mit lautem „Hallo“ begrüßen sie ihn.
Es ist ein schöner Abend, bis der Alkoholpegel steigt und mit ihm die Reizbarkeit seiner Kollegen. Immer häufiger landen die Dartpfeile nach einem missglückten Wurf wutentbrannt auf dem Boden.
„Jungs, für mich wird es Zeit, muss morgen wieder arbeiten.“ Flip steht auf.
„Wiiiee? Du kannst doch jetzt noch nicht geeehhen!“ Die Stimme von Matze klingt schrill, blutunterlaufene Augen stieren ihn an. Flip weiß, er ist der gewalttätigste, oft in Schlägereien verwickelt. Begütigend klopft er ihm auf die Schulter.
„Ich warte noch, bis du dein Bier ausgetrunken hast, dann fahre ich euch nach Hause.“
„Jetzt komm, noch eine Runde, dann fahren wir alle mit“, wirft Bastian ein, der unbedingt sein verlorenes Dartspiel wettmachen will.
„Leute, ich muss morgen früh aufstehen und …“ Weiter kommt Flip nicht.
Laut äfft Matze ihn nach: „Leute, ich muss morgen früh aufstehen und meinem Job nachgehen, den ich gar nicht hätte, wenn der liebe Matze nicht ein bisschen an der Leiter gerüttelt hätte, auf dem der Arsch von Helmut war.“
Am Tisch ist es mucksmäuschenstill. Alle starren Matze an.
„Was hast du gemacht?“ Unbewusst flüstert Flip, als wenn er das Ungeheuerliche dieser abscheulichen Tat nicht laut aussprechen kann.
„Nichts hat er gemacht“, wirft Tim ein. „Der ist besoffen und redet Blödsinn.“
„Ja, natürlich redet der Blödsinn!“ Mit einem Augenrollen und der abwinkenden Geste auf Matze deutend, versucht Bastian ebenfalls die Situation zu entschärfen.
Doch Flip ist nicht bereit, das Gehörte zu vergessen. „Warst du das, der die Leiter umgeworfen hat?” Auf eine Bestätigung wartend, schaut er ihn an.
„Ich will jetzt noch ein Bier“, schreit dieser und knallt mit der Faust auf denTisch. Das laute Klirren der Flaschen und Gläser ruft die Wirtin hinter der Theke hervor.
„Wir wollen noch eine Runde“, bestellt Bastian, bevor die Wirtin sich über das Benehmen seines Kumpels beschweren kann. „Drei Bier bitte!“
Mit einem besorgten Blick auf Matze nimmt sie die Bestellung auf.
Tim tritt hinter Flip. „Hör auf. Du hast gehört, es war nur betrunkenes Geschwätz. Wenn du klug bist, gibst du jetzt Ruhe. Mit Matze sollte man sich nicht anlegen.“
„Ich gehe. Tschüss“. Er blickt in die Runde, keiner versucht ihn aufzuhalten. Das Gefühl einer unausgesprochenen Bedrohung lässt ihn schnell das Lokal verlassen.

Seine liebste Zeit ist der Dämmerzustand zwischen Wachen und Schlafen. Diese kurze Zeitspanne, in der sich das Bewusstsein verabschiedet. Heute gelingt es ihm nicht, diesen Zustand zu erreichen. Unruhig wirft er sich hin und her. Keine Minute zweifelt er daran, dass Matze in seinem Rausch die Wahrheit gesagt hat. Muss er das nicht seiner Chefin erzählen? Tims Warnung fällt ihm ein. Was wird Matze mit ihm machen, wenn er die Chefin informiert. Wird sie es glauben? Was wird sie tun? Immer wieder die gleichen Gedanken und Fragen, bis er endlich schläft.

Nachts war Schnee gefallen. Die Begeisterung und Freude, die Flip sonst beim Anblick des in weihnachtliches Weiß getauchten kleinen Weihnachtsmarkt verspürt, wird von Unruhe und trüben Gedanken verdrängt. Obwohl das Thermometer vier Grad Minus anzeigt, geht er nicht in die Kasse. Nun spürt er, wie seine Kollegen sich fühlen. Sie müssen im Freien am Karussell bleiben.
Nach zwei Stunden Einsammeln ruft ihn die Chefin. „Flip, was ist los mit dir? Du hast mir schon wieder einen Chip zu wenig gebracht! Es ist doch nicht so viel Betrieb. Warst gestern wohl zu lange feiern?“ Er spürt ihre Besorgnis, sieht, wie sie ihn beobachtet. „Es muss dir doch kalt sein, warum kommst du nicht zu mir in die Kasse?“
Was soll er erwidern? Unruhig beißt er sich auf die Lippe. Ehrlich – schoss es ihm durch den Kopf. Er will sprechen, spürt die Enge in seinem Hals, schluckt und würgt die Angst hinunter.
„Ich weiß jetzt, wer der Mann war, der die Leiter umgestoßen hat.“
Mit weit aufgerissenen Augen sieht er seine Chefin an.
Ein tiefer Seufzer und ein Flüstern. „Ich weiß es auch. Wir unterhalten uns nach Feierabend darüber“, hört er sie sagen.
Flip ist verwirrt. Warum hatte sie Matze nicht angezeigt oder hat sie es auch erst später erfahren? Warum ist sie dann nicht zur Polizei gegangen?

Am Abend erzählt ihm die Chefin von einer Gerichtsverhandlung. Ihr Mann musste als Zeuge aussagen. Er war dazwischen gegangen, als Matze mit einem Schraubenzieher einen Kollegen angriff. Der verlor fast ein Auge, ihr Mann konnte Schlimmeres verhindern. Matze wurde verurteilt. In seiner Wut drohte er, irgendwann würde er sich dafür rächen.
Ihr Blick streift an Flip vorbei in weite Ferne, um dort etwas zu sehen, was ihr hilft, die nächsten Worte zu sagen. „Ich glaube nicht, dass er meinen Mann umbringen wollte, aber ihm eine Lektion erteilen. Es hätte ihn nicht wieder lebendig gemacht, wenn ich meinen Verdacht der Polizei mitgeteilt hätte. Doch für mich und meine Kinder wäre das Leben zur Hölle geworden.
Ich habe inzwischen keine Volksfeste mehr, auf denen wir zusammen stehen. Du würdest gut daran tun, dem Matze aus dem Weg zu gehen. Ich möchte nicht, dass dir etwas passiert.“

 
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Ich mag deine Geschichte gerne,

liebe @CoK.

Da sind sympatische Figuren, da ist ein spannendes Setting und da ist ein geübter Schreibstil. Allerdings fehlte mir da Etwas, am Ende war ich irgendwie unterwältigt. Beim zweiten Lesen habe ich nach diesem Etwas gesucht. Hier ist mein Versuch, das Gefundene zu definieren:

Nach einem mysteriösen Sturz war ihr Mann vor mehreren Jahren gestorben. Der Schausteller hatte an der Dachfront Lichterkappen ausgewechselt. Beim Heruntersteigen war er gestürzt. Zeugen berichteten von einem Mann, der die Leiter umgeworfen hatte. Die Polizei ermittelte wochenlang auch bei den Kollegen. Ohne Erfolg.
Er hatte sich ganz fest vorgenommen, sie nicht zu enttäuschen.
„Ich erwarte von Ihnen, dass Sie ihre Aufgaben ordentlich erledigen und Ehrlichkeit.
Darum geht es in der Geschichte, glaube ich. Hier wird das etabliert, was im Schluss aufgelöst wird.

Jede Geschichte beginnt ja mit solch einem Auslöser. Deine Geschichte hatte aber zwei Blindgänger - falsche Auslöser, die nicht zünden und ins nichts verlaufen.

Seit Jahren steht die Hütte von Gerda neben dem Karussell. Sie verkauft Schmuck für ihren Sohn. Jede Woche kommt er, um sich von seiner Mutter die Einnahmen abzuholen. Flip denkt, dass Gerda mit ihren achtundsiebzig Jahren besser zu Hause bleiben sollte, anstatt auf dem Weihnachtsmarkt zu frieren.
„Zu Hause da sterben die Leut!", ist ihre Antwort, wenn er sie darauf anspricht. Er kennt den wahren Grund. Ihr missratener Sohn Tom, der ständig wegen irgendwelcher Dummheiten im Knast sitzt. Flip zieht an der Holzklappe und drückt sie nach oben. Gerda sichert von innen mit einem Metallriegel die Gasfeder. So kann die Klappe auch bei Sturm und starkem Schneefall nicht zugehen.
Um Gerda geht es hier also, dachte ich.

Ein Junge, wie ein Wesen aus einer anderen Welt, hebt den Kopf. Er kann die Augen des Kindes nicht sehen. Die Lider verdecken bis auf einen Schlitz die Pupillen. Sein Gesicht ist nach innen gedrückt. Das Händchen, das Flip den Fahrchip hinhält, ist an den Schultern angewachsen. Ein Durcheinander von winzigen Fingern. Er lächelt das Kind an und nimmt den Chip.
Um den Jungen geht es also, dachte ich, der wird so herausstechend beschrieben.

Du schaffst es durchaus, die tatsächlichen Auslöser (das Wort ist vielleicht nicht ganz passend, wie ich jetzt merke, aber etwas besseres fällt mir nicht ein) gut zu etablieren. Allerdings vernebelst du sie durch die genannten Blindgänger. Mein Vorschlag wäre, die Beziehung zwischen Flip und seinem Chef mehr in den Fokus zu stellen. Vor allem seinen Schwur, sie nicht zu enttäuschen. Vielleicht macht er schon am Anfang einen Fehler und sagt sich jetzt: nie wieder (?).

Und dann ist da das Ende. In der aktuellen Version fühlt sich das nicht an wie ein Ende. Er sagt ihr die Wahrheit und dann erzählt sie ihm die volle Geschichte. Aber die Geschichte, die sie erzählt, ist jetzt nicht so wahnsinnig neuartig und berührend, dass sie mich als Leser total vom Hocker haut. Zwei Probleme:

1. Als Leser nehme ich kaum an Flips Entscheidung teil. Es gibt die kurze Szene, in der er nicht schlafen kann und darüber nachdenkt, und dann sagt er ihr einfach die Wahrheit. Es wäre viel interessanter, wenn du diese Unsicherheit (

Muss er das nicht seiner Chefin erzählen? Tims Warnung fällt ihm ein. Was wird Matze mit ihm machen, wenn er die Chefin informiert. Wird sie es glauben? Was wird sie tun? Immer wieder die gleichen Gedanken und Fragen bis er endlich schläft.
) nach hinten ziehen würdest. Wenn du schon vorher aufgebaut hättest, dass Flip seine Chefin auf keinen Fall enttäuschen und immer ehrlich zu ihr sein will und wenn du dann hier noch stärker auf die Probleme eingehen würdest, die genau das mit sich bringen würde und wenn dann die Worte:
„Ich weiß jetzt, wer der Mann war, der die Leiter umgestoßen hat.“
das Ergebnis eines solchen inneren Monologs (oder etwas ähnlichem) wären, dann hätte das Finale mehr Wucht, glaube ich.
2. Hier kann ich dir leider keinen Lösungsvorschlag machen, aber den ganzen letzten Absatz finde ich problematisch. Hier präsentiert die Chefin die Hauptfigur mit der Geschichte und zack, feddich. Da ist das Ganze irgendwie so schnell vorbei, da fehlt gefühlt ein Gespräch oder ein Konflikt oder so. Aber ich komme nicht ganz hinter, was ich eigentlich damit meine. Da wirst du wohl auf andere Meinungen warten müssen. Oder dir gefällt's so, wie's ist, das ist natürlich auch immer okay. Sind ja alles nur Vorschläge und Anregungen.

Also, das waren im Wesentlichen meine Gedanken zu der Geschichte. Ich will aber nicht, dass du denkst, sie hätte mir nicht gefallen. Im Gegenteil! Ich sehe da eine sehr gute Geschichte, aber leider unter Ballast vergraben. Nicht wirklich tief, aber mit einer guten Schaufel könnte man da glaube ich Gold hervorholen.

So, und jetzt habe ich noch einige sprachliche Kleinigkeiten. Insgesamt hat's mir sprachlich aber richtig gut gefallen. Das ist jetzt etwas durcheinander und nicht unbedingt in der Reihenfolge, wie's in der Geschichte passiert. Sorry. Und sieh bitte alle Sachen, die Rechtschreibung betreffen (vor allem Satzzeichen!) als Ahnung meinerseits, nicht als wissen. Damit kenne ich mich selbst kaum aus, leider.

Der größer
Das Treffen mit den Drei war eine spontane Whats App [WhatsApp] Verabredung gewesen, um sich in einer Dartkneipe zu treffen.
Unbewusst flüstert Flip, als wenn er das Ungeheuerliche dieser abscheulichen Tat nicht laut aussprechen kann. Das Entsetzen erträglicher wird.
Verstehe ich nicht.
bestellt Bastian, bevor die Wirtin sich über das seltsame Benehmen seines Kumpels beschweren kann.

Am Anfang fehlte mir ein wenig irgendeine Information darüber, wie alt Flip eigentlich ist. Ich dachte kurzzeitig, er wäre noch ein Kind.

Sie wird alt, wie die Frauen in meinem Heimatdorf, denkt er, mit grauen Haaren, fülligen Hüften und Falten. So ganz anders als die Schaustellerfrauen, denen er sonst begegnet.
Wer denkt so? Ich würde das als normalen Teil des Textes schreiben. Auch allgemein hatte ich manchmal das Gefühl, dass deine Figuren etwas unnatürlich sprechen. Hat mich aber nicht wahnsinnig gestört.

Nach einem mysteriösen Sturz war ihr Mann vor mehreren Jahren gestorben. Der Schausteller hatte an der Dachfront Lichterkappen ausgewechselt. Beim Heruntersteigen war er gestürzt. Zeugen berichteten von einem Mann, der die Leiter umgeworfen hatte. Die Polizei ermittelte wochenlang auch bei den Kollegen. Ohne Erfolg.
Mir sind die Sätze da persönlich zu kurz.


Mit großem Hallo begrüßen sie ihn.
Hallo in Anführungszeichen.

Wiiiee? Du kannst doch jetzt noch nicht geeehhen!"
Da fehlen Anführungszeichen am Anfang.

Nach zwei Stunden einsammeln, ruft ihn die Chefin.
Ich glaube das Komma ist da falsch.

Ehrlich – schoss es ihm durch den Kopf.
Komma statt Gedankenstrich.

Die Begeisterung und Freude, die Flip sonst beim Anblick des in weihnachtliches Weiß getauchten [,] kleinen Weihnachtsmarkt verspürt, wird von Unruhe und trüben Gedanken verdrängt.
Mit einem Augenrollen und der abwinkenden Geste auf Matze deutend, versucht Bastian ebenfalls [,] die Situation zu entschärfen.
Mit gefärbten Haaren und viel Make-up versuchen sie [,] jünger auszusehen.

Es gehört zu seinen Aufgaben [,] aufzupassen, dass während der Fahrt kein Kind ins Karussell läuft.
Da bin ich mir sehr unsicher!

Ai, das ist jetzt ganz schön lang geworden und ich habe viel kritisiert. Dabei will ich noch einmal hervorheben: Die Geschichte hat mir gut gefallen! Dass ich hier so lang schreibe, zeigt nur, dass ich mir wünsche, du würdest ihr ganzes Potential entfalten. Ich werde mir definitiv anschauen, was andere dazu sagen und was du noch daraus machst.

Viele Grüße,
Manfred

 

CoK

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Hallo @Manfred Deppi

es freut mich, dass du meine Geschichte gelesen und kommentiert hast.

Ich mag deine Geschichte gerne,
Danke, das tut gut.
Darum geht es in der Geschichte, glaube ich. Hier wird das etabliert, was im Schluss aufgelöst wird.
Mir geht es in der Geschichte um Flip. Der sich zum ersten Mal angenommen fühlt und der es schafft im Schaustellermilieu seine Menschlichkeit zu bewahren. Augen für die kleinen Dinge zu haben. Mitfühlend zu bleiben. Hilfsbereit zu sein. Der nicht nur Pech hat in seinem Leben, sondern auch das Glück an einen Pfarrer, eine Chefin zu geraten die es gut mit ihm meinen.
Um Gerda geht es hier also, dachte ich.
Ich wollte sein Umfeld beschreiben und wie er darauf reagiert.
1. Als Leser nehme ich kaum an Flips Entscheidung teil. Es gibt die kurze Szene, in der er nicht schlafen kann und darüber nachdenkt, und dann sagt er ihr einfach die Wahrheit. Es wäre viel interessanter, wenn du diese Unsicherheit (
Ich werde darüber nachdenken ob ich das noch ausführlicher beschreibe.
CoK schrieb:
Es gehört zu seinen Aufgaben [,] aufzupassen, dass während der Fahrt kein Kind ins Karussell läuft.
Ich bin mir leider auch ziemlich unsicher mit den Komas und ich hoffe sehr, dass sich @Friedrichard meiner Geschichte annimmt.
Sei mir bitte nicht böse, wenn ich deshalb noch mit dem verbessern warte.

Sie wird alt, wie die Frauen in meinem Heimatdorf, denkt er, mit grauen Haaren, fülligen Hüften und Falten. So ganz anders als die Schaustellerfrauen, denen er sonst begegnet.
Wer denkt so? Ich würde das als normalen Teil des Textes schreiben. Auch allgemein hatte ich manchmal das Gefühl, dass deine Figuren etwas unnatürlich sprechen. Hat mich aber nicht wahnsinnig gestört.
Ich werde meinen Text noch mal durchgehen und mich fragen, wo es unnatürlich wirken könnte. Vielleicht bekomme ich ja noch andere Rückmeldungen dazu.

Da fehlen Anführungszeichen am Anfang.
Erledigt
Am Anfang fehlte mir ein wenig irgendeine Information darüber, wie alt Flip eigentlich ist. Ich dachte kurzzeitig, er wäre noch ein Kind.
Mir erschien diese Angabe nicht wichtig. Denn es wurde ja klar, dass er über zwanzig ist.
Hallo in Anführungszeichen
Gemacht.
Das Entsetzen erträglicher wird.
Verstehe ich nicht.
Ich habe den Satz gestrichen, weil es eigentlich klar ist, dass er entsetzt ist über die Aussage von Matze ist.

Das Treffen mit den Drei war eine spontane Whats App [WhatsApp]Verabredung gewesen, um sich in einer Dartkneipe zu treffen.
Okay

Lieber Manfred, vielen Dank für die Zeit, die du dir für meine Geschichte genommen hast, für deine Korrektur und deine Anregungen.

Ich wünsche dir ein schönes Wochenende
Liebe Grüße CoK

 
Monster-WG
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20.08.2019
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Guten Morgen @CoK

ich habe deine Geschichte gerne gelesen. Sie ist flüssig geschrieben, ich mag die Protagonisten, kann mir das Setting gut vorstellen. Finde es toll, dass der obdachlose Flip eine Chance auf ein neues Leben erhalten hat und damit auch zufrieden ist. Schön, wie er sich Mühe mit den Kindern gibt und versucht, sie aufzuheitern. Das hat mir gut gefallen. Der Verlauf der Geschichte ist spannend, der Mord an dem Mann der Chefin klärt sich auf. Ich finde es klasse, dass Flip ehrlich ist und seine Chefin drauf anspricht. Das Ende ist mir fast ein wenig zu kurz und zu oberflächlich. Okay, der Leser erfährt, dass sie selbst weiß, wer der Mörder ihres Mannes war. Und ich kann nachvollziehen, dass sie Flip nicht in Gefahr wissen will, aber meiner Meinung nach ist er auch in Gefahr, selbst wenn die beiden ihr Wissen nicht mit der Polizei teilen. Denn Matze weiß, da gibt es Mitwisser seiner Tag. Ich könnte mir gut vorstellen, dass er das nicht auf sich beruhen lässt. Ich denke, aus dem Ende könntest Du noch mehr rausholen.

Hier ein paar Leseeindrücke:

Er räumt Besen und Eimer auf, verstaut es unter dem Kassenwagen.

verstaut sie
oder
verstaut beides

„Gute Geschäfte Gerda. Bis später!"
Schnell läuft Flip die paar Schritte zurück. Seine Chefin kann wütend werden, wenn das Geschäft sich dreht und er nicht da ist.

Wortwiederholung.

Mit einem Blick erfasst er den kleinen Weihnachtsmarkt. Außer den Markthändlern ist niemand auf dem Platz. Er kann sich noch in der Kasse setzen und etwas aufwärmen. In der kleinen Kajüte haben gerade mal zwei Stühle und der Ölradiator Platz. „Noch nichts los?" Ein Lächeln begrüßt ihn.

Mir ist aufgefallen, dass Du in der ganzen Geschichte wahnsinnig oft das Adjektiv "klein" benutzt. Vielleicht magst Du mal einen Suchlauf starten? Hier und da ist das Adjektiv gar nicht nötig, an manchen stellen könntest Du vielleicht Synonyme benutzen.

Flip beobachtet die kleinen Fahrgäste.

Er sieht den Jungen im Buggy, der starr und teilnahmslos bleibt. Kein Lenkrad wird gedreht, die Hupe bleibt stumm, starr und teilnahmslos das kleine Gesicht.

Wortwiederholungen

Eine kleine freundliche Frau mit einem großen Jeep.

Ein kleiner, abtrennbarer Schlafraum. Eine Nasszelle mit Dusche und WC. Ein Kleiderschrank, in den er seine Habseligkeiten einräumte und sogar ein kleiner Fernseher. Wasserkocher, eine Mikrowelle. Die Schränke waren eingeräumt mit Tassen, Tellern und Töpfen, Besteck und alles, was man sonst noch brauchte, um auf dem kleinen Gasherd zu kochen.

Auch hier wieder zu oft "klein"

„Hör auf. Du hast gehört, es war nur betrunkenes Geschwätz. Wenn du klug bist, gibst du jetzt Ruhe. Mit Matze sollte man sich nicht anlegen."

Die Stelle fand ich sehr spannend.

Muss er das nicht seiner Chefin erzählen? Tims Warnung fällt ihm ein. Was wird Matze mit ihm machen, wenn er die Chefin informiert. Wird sie es glauben? Was wird sie tun? Immer wieder die gleichen Gedanken und Fragen bis er endlich schläft.

Hier bin ich ganz nah bei Flip. Kann seine Gedanken total verstehen.

Die Begeisterung und Freude, die Flip sonst beim Anblick des in weihnachtliches Weiß getauchten kleinen Weihnachtsmarkt verspürt, wird von Unruhe und trüben Gedanken verdrängt.

Du hattest anfangs schon erwähnt, dass der Weihnachtsmarkt klein ist. Das brauchst Du hier nicht mehr.

Obwohl das Thermometer vier Grad Minus anzeigt, geht er nicht in die Kasse. Nun spürt er, wie es seinen Kollegen geht. Sie müssen im Freien am Karussell bleiben.

Wortwiederholung
Vorschlag: ... wie seine Kollegen sich fühlen

Ihr Blick streifte an Flip vorbei in weite Ferne, um dort etwas zu sehen, dass ihr hilft, die nächsten Worte zu sagen. „Ich glaube nicht, dass er meinen Mann umbringen wollte, aber ihm eine Lektion erteilen. Es hätte ihn nicht wieder lebendig gemacht, wenn ich meinen Verdacht der Polizei mitgeteilt hätte. Doch für mich und meine Kinder wäre das Leben zur Hölle geworden.
Ich habe inzwischen keine Volksfeste mehr, auf denen wir zusammen stehen. Du würdest gut daran tun, dem Matze aus dem Weg zu gehen. Ich möchte nicht, dass dir etwas passiert."

Wie schon oben erwähnt, ist mir das Ende zu knapp und zu oberflächlich.

Gern gelesen.

Ich wünsche Dir einen wundervollen Tag und lasse ganz liebe Grüße hier,
Silvita

 

CoK

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24.08.2020
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Liebe @Silvita

Ich freue mich, dass du bei mir vorbeischaust und mir hilfst, meine Geschichte zu verbessern.
Es ist so schön, dass du sie gerne gelesen hast.

Denn Matze weiß, da gibt es Mitwisser seiner Tag. Ich könnte mir gut vorstellen, dass er das nicht auf sich beruhen lässt. Ich denke, aus dem Ende könntest Du noch mehr rausholen.
Stimmt. Ich tue mich mit diesem Schluss schwer. Weil meine Intention war, über Flip zu schreiben.
Wortwiederholung
Du hast recht, ich habe verbessert.
Mir ist aufgefallen, dass Du in der ganzen Geschichte wahnsinnig oft das Adjektiv "klein" benutzt. Vielleicht magst Du mal einen Suchlauf starten? Hier und da ist das Adjektiv gar nicht nötig, an manchen stellen könntest Du vielleicht Synonyme benutzen.
Der Wohnwagen ist klein, also ist es auch dem Leser klar, dass alles, was darin ist klein sein muss. Mir nicht klar, warum mir das vorher nicht klar war.
Ja, ich habe eine Vorliebe für klein. (ist schon klar)🙂
Du hattest anfangs schon erwähnt, dass der Weihnachtsmarkt klein ist. Das brauchst Du hier nicht mehr.
Ich habe es am Anfang gestrichen und dafür hinten stehen lassen.
Wortwiederholung
Vorschlag: ... wie seine Kollegen sich fühlen
Habe deinen Vorschlag übernommen.

Vielen lieben Dank für deine Korrektur.
Sende dir herzlichste Grüße und wünsche dir ein schönes Wochenende
CoK

 
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12.02.2020
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Hallo CoK,

dann will ich jetzt auch einmal bei dir vorbeischauen :-)

Ich mochte deine Figur, Flip, sehr gerne. Ich interessiere mich allerdings sehr selten dafür, was Figuren denken. Dein personaler Erzähler berichtet aber schon vieles aus Flips Denken, darum weiß ich nicht, ob mein Kommentar dir wirklich weiterhilft bzw. ob ich überhaupt zu deiner Zielgruppe gehöre. Aber ich will ihn dir trotzdem gerne dalassen und du nimmst dir einfach, was dir sinnvoll erscheint.

Die erste Hälfte bis zwei Drittel befassen sich mit dem Arbeitstag von Flip. Er beginnt seinen Tag mit Säuberungsarbeiten, hilft dann der älteren Nachbarin beim Öffnen deren Hütte, dann wartet er im Kassiererhäuschen auf seine Chefin und Kundschaft. Chefin und Kundschaft kommen und er sammelt die Fahrkarten der Kinder ein, zeigt einem Kind auch noch wie man die Hupe vom Auto drückt. Das ist alles an Handlung in diesem recht langen Abschnitt. Ich erfahre, aber auch noch, dass er den Sohn von der Nachbarin missraten findet und warum - und ich sage jetzt mal ehrlich (aber hoffentlich nicht verletzend): Das interessiert mich nicht. Wieso muss ich das wissen? Ich erfahre auch, dass der Mann der Chefin von einer Leiter gestoßen wurde und daran verstarb und Flip deswegen den Job hat. Auch da frage ich mich, wozu ist das wichtig zu wissen? Dann erfahre ich noch relativ ausführlich, wie Flip zu dem Job kam, dass er obdachlos war usw. Das sind wirklich viele Informationen, die in diesem Abschnitt stecken, aber ich komme an die Figur selbst nicht wirklich heran, weil es durch die Rückblende sehr distanziert und narrativ ist, auch deinen Erzähler empfinde ich als eher distanziert. Wenn das deiner Intention beim Schreiben entsprochen hat, ist also alles wie es sein soll. Insgesamt geht es mehr um Informationen als um Emotionen in diesem Arbeitstag-Abschnitt, auf der Handlungsebene passiert, wie oben festgestellt relativ wenig. Ich vermute das Ziel dieses Abschnitts ist, mir als Leserin Flip relativ ausführlich vorzustellen, damit ich mir ein möglichst vollständiges Bild machen kann.
Dann folgt ein Zeitsprung hin zum Feierabend. Flip ist mit drei anderen Schaustellern zum Dart in der Kneipe verabredet. Auf der Fahrt kommt wieder eine relativ lange Rückblende, wie er zu dem Job gekommen ist, wie es weiterging usw. Auch da bin ich nur mittelmäßig dran interessiert. Dann kommt für mich der eigentliche Teil deiner Geschichte. Flip ist in der Kneipe und erfährt, dass Kollege Matze den Mann der Chefin von der Leiter gestoßen hat. Am nächsten Tag erzählt Flip der Chefin davon, die sagt, dass sie es weiß und dass Flip Matze aus dem Weg gehen soll. Für mich fängt es jetzt an spannend zu werden, was macht Flip mit diesem Wissen? Was macht dieses Wissen mit Flip? Aber leider ist die Geschichte hier schon vorbei ;-)

Noch ein wenig Textkram

Musik ist zu hören und das Kinderkarussell dreht eine Proberunde.
Das klingt als wäre die Musik und das Karussell plötzlich ganz von alleine angegangen... auch finde ich die Passivkonstruktion nicht so schön bzw. ist sie vielleicht auch ein Bsp für die Distanz deines Erzählers ...

Mit einem Blick erfasst er den Weihnachtsmarkt. Außer den Markthändlern ist niemand auf dem Platz. Er kann sich noch in derdie Kasse setzen und etwas aufwärmen. In der kleinen Kajüte haben gerade mal zwei Stühle und der Ölradiator Platz.
Auch hier empfinde ich deinen Erzähler als distanziert und vielleicht auch etwas kompliziert. Den ersten Satz kann man mE weglassen und auch den letzten, denn wir alle wissen doch, wie groß in etwa diese Kassenhäuschen sind.

Sie wird alt, wie die Frauen in meinem Heimatdorf, denkt er, mit grauen Haaren, fülligen Hüften und Falten. So ganz anders als die Schaustellerfrauen, denen er sonst begegnet. Mit gefärbten Haaren und viel Make-up versuchen sie jünger auszusehen. Sein Blick bleibt an ihrer rechten Hand mit den beiden Eheringen hängen. Nach einem mysteriösen Sturz war ihr Mann vor mehreren Jahren gestorben. Der Schausteller hatte an der Dachfront Lichterkappen ausgewechselt. Beim Heruntersteigen war er gestürzt. Zeugen berichteten von einem Mann, der die Leiter umgeworfen hatte. Die Polizei ermittelte wochenlang auch bei den Kollegen. Ohne Erfolg.
Das Fettgedruckte empfinde ich bspw als ablenkend. Warum denn sein Heimatdorf ins Spiel bringen oder andere Schaustellerfrauen? Und warum mir nicht als Leser selber überlassen, wie ich mir "Alter" denke. Der kursive Teil ist ein Beispiel für die Weitergabe an Informationen und auch wieder für die Distanz des Erzählers, denn exakt so könnte es auch in einer Zeitung stehen. Ich mag es lieber, wenn der Erzähler etwas näher dran ist am Prot, aber wie gesagt, das gilt natürlich nur für mich. Ich weiß ja auch gar nicht genau, was du mit der Geschichte bzwecken willst, würde aber empfehlen, die Informationen nicht einfach so rauszuhauen. Abgesehen davon, dass es für Leser:innen schnell wie infodumping wirken kann, lässt du hier auch die Möglichkeit ungenutzt, Spannung zu erzeugen. Nur als Beispiel was ich meine, hier eine andere Version:
Sie wird alt, denkt er, und bleibt mit seinem Blick an den beiden Eheringen am rechten Ringfinger hängen. Er weiß nur, dass ihr Mann (nach einem mysteriösen Sturz) vor mehreren Jahren gestorben war.
Dann hat der Leser alle nötigen Informationen, denk ich, aber du löst nicht gleich alles auf. Aber vielleicht willst du ja auch genau das ...

Nach dem Tod ihres Mannes brauchte Clara einen Mitarbeiter. Das war gar nicht so einfach, denn junge Leute zum Mitreisen fand man nur schwer. Sie wandte sich an das Johanneshaus, einer sozialen Übergangseinrichtung für obdachlose Männer. Der Leiter der Einrichtung, ein Pfarrer und Streetworker, schlug ihr vor, Flip zu fragen. Die anderen wären entweder zu nass oder schon zu lange auf der Straße gewesen. Bei ihm könnte es sein, dass er einer geregelten Arbeit nachgehen kann.
Hier verlässt du Flips Perspektive. Klar, Flip weiß das vielleicht alles, weil sie ihm das mal erzählt hat. Ich fände es trotzdem eleganter, wenn du klar bei seiner Perspektive bliebest.

„Ich will auch hupen Mama!“
hupen (Komma) Mama

Der größer von beiden
Der Größere der beiden

Unbeholfen versucht er zunächst, mit dem rechten Fuß auf dem Pedal den Sattel zu erreichen.
MMn ist "zunächst" ein unnötiges Füllwort.

Von der Pippi Langstrumpf – Frau kommt keine Reaktion.
Du kannst sie auch einfach "Pippi Langstrumpf" nennen. Wenn es so bleiben soll, ist es, glaube ich so nicht korrekt, ich bin da aber nicht sicher. Ich glaube, es würde so Pippi-Langstrumpf-Frau oder so "Pippi Langstrumpf"-Frau korrekt sein.

Unbeholfen versucht er zunächst, mit dem rechten Fuß auf dem Pedal den Sattel zu erreichen. Hilflos und resigniert gibt er auf. Bleibt vor dem Rad stehen.
....
„Schau, du musst es so machen.“ Flip nimmt den linken Fuß und setzt ihn auf das Pedal. Und jetzt kannst du auf den Sattel steigen. Deinen Fahrchip bitte.“
Das ist nicht ganz sauber formuliert, weil es klingt, als wäre der rechte Fuß grundsätzlich der Falsche, aber der rechte Fuß ist nur falsch, wenn das Kind links vom Rad steht, das wird aber nicht klar ...

Mit großen, braunen Augen schaut ihn das schmächtige Kind ängstlich an.
Ich habe grundsätzlich nichts gegen Adjektive. Aber das sind schon eine Menge in so einem kurzen Satz ;-)

Langsam und mit leichtem Zug zieht er die Fahrkarte aus der verkrampften Hand.
mit leichtem Zug ist redundant, wenn die Hand verkrampft ist, könnte also raus ...

Insgesamt ist mir diese ganze Szene viel zu lang. Ich denke, dass es um die Charaktersisierung von Flip als empathischen und hilfsbereitem Mann geht, aber eine Situation würde für meinen Geschmack völlig reichen.

Selten verabredet er sich mit seinen Kollegen von den anderen Kirmesgeschäften. Die Jungs sah Flip nur, wenn sie auf einem der großem Volksfeste standen. Das Treffen mit den Drei war eine spontane WhatsApp Verabredung gewesen, um sich in einer Dartkneipe zu treffen.
Den fettgedruckten Satz verstehe ich nicht. Warum sieht er sie auf den Volksfesten? Was ist an denen anders als am Weihnachtsmarkt? Aber eigentlich ist es auch nicht wichtig für die Geschichte, vielleicht einfach weglassen? Ich kann dir das nicht genau erklären, ich finde, "eine Verabredung, um sich zu treffen" klingt seltsam und falsch. Man verabredet sich doch eher "zu" etwas, oder?

Eine kleine freundliche Frau mit einem großen Jeep.
Eine kleine und freundliche Frau? Dann Komma zwischen kleine und freundliche

Ein Tisch mit einer Postereckbank.
PoLstereckbank

Liebe CoK, ich muss jetzt erstmal los. Dein Flip gefällt mir, aber mir es ein bisschen zu viel Drumherum, dass mMn nichts zur eigentlichen Geschichte beiträgt. Ich hoffe, du kannst trotzdem mit meinem Kommentar etwas anfangen.

Viele Grüße
Katta

 

CoK

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Hallo @Katta

Danke für den Gegenbesuch.

und ich sage jetzt mal ehrlich (aber hoffentlich nicht verletzend): Das interessiert mich nicht. Wieso muss ich das wissen?
Musst du nicht! Mir war es wichtig sein Umfeld zu beschreiben.

Ich erfahre auch, dass der Mann der Chefin von einer Leiter gestoßen wurde und daran verstarb und Flip deswegen den Job hat. Auch da frage ich mich, wozu ist das wichtig zu wissen?
Ich denke es ist wichtig zu erfahren warum er diesen Job hat. Vielleicht auch warum er der Chefin so wichtig wurde.
Ich vermute das Ziel dieses Abschnitts ist, mir als Leserin Flip relativ ausführlich vorzustellen, damit ich mir ein möglichst vollständiges Bild machen kann.
Ja.
Auch da bin ich nur mittelmäßig dran interessiert.
Okay
Das klingt als wäre die Musik und das Karussell plötzlich ganz von alleine angegangen... auch finde ich die Passivkonstruktion nicht so schön bzw. ist sie vielleicht auch ein Bsp für die Distanz deines Erzählers ...
Bin davon ausgegangen, das es schon klar ist, das es die Chefin war.
Den ersten Satz kann man mE weglassen und auch den letzten, denn wir alle wissen doch, wie groß in etwa diese Kassenhäuschen sind.
Ich kenne die unterschiedlichsten Kassen.
Das Fettgedruckte empfinde ich bspw als ablenkend. Warum denn sein Heimatdorf ins Spiel bringen oder andere Schaustellerfrauen? Und warum mir nicht als Leser selber überlassen, wie ich mir "Alter" denke.
Mir war es wichtig Flip als emphatischen, und nicht ganz gewöhnlichen Schaustellergehilfen zu beschreiben.
ist nicht ganz sauber formuliert, weil es klingt, als wäre der rechte Fuß grundsätzlich der Falsche, aber der rechte Fuß ist nur falsch, wenn das Kind links vom Rad steht, das wird aber nicht klar ...
Auch hier habe ich dem Leser zugemutet, dass er sich denken kann, das Kind steht links vom Fahrrad.
Ich habe grundsätzlich nichts gegen Adjektive, denke ich. Aber das sind schon eine Menge in so einem kurzen Satz ;-)
War mir auch schon aufgefallen, hatte ich verbessert.
hupen (Komma) Mama
Komma gesetzt
Der Größere der beiden
Groß geschrieben.
mit leichtem Zug ist redundant, wenn die Hand verkrampft ist, könnte also raus ...
Habe es raus.
Den fettgedruckten Satz verstehe ich nicht. Warum sieht er sie auf den Volksfesten? Was ist an denen anders als am Weihnachtsmarkt?
Auf dem kleinen Weihnachtsmarkt steht nur ein Kinderkarussell und auf Volksfesten mehrere Fahrgeschäfte.

Vielen Dank für deine Korrektur. (Ich hatte ein paar Stellen schon vorher korrigiert, deshalb hab ich sie jetzt nicht mehr angeführt.)
Mir fällt es auch auf, dass mir oft andere Dinge wichtig sind, die ich ausführlich beschreibe als manchem Leser.
Lieben Dank für deine Gedanken zu meiner Geschichte.
Ich werde darüber nachdenken.

Schönes Wochenende
CoK

 
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Flip hat mir gut gefallen. Fand ihn ganz sympathisch. Das Ende ist schwierig. Ist ja auch leider kein richtiges. Selbstverständlich muss nicht jede Kurzgeschichte ein Ende haben, aber es fühlt sich erst so an als käme eins, und dann ist es schon vorbei. Schade. Hätte gerne noch mehr von gelesen. Denn der Schreibstil ist toll. Angenehm zu lesen.

 
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Hi @CoK ,

ich wollte auch mal bei Dir vorbei schauen und es hat sich für mich gelohnt. Dich zu lesen, war eine Freude. Es hat Spaß gemacht. Der Einstieg ist schön, sanft, ruhig und doch spannend. Man kann sich mit Flip vertraut machen, lernt ihn kennen und trifft mit ihm nicht nur das Fahrgeschäft, die Märkte mit ihren Ständen, sondern auch Gerda von neben an. Du fängst die Stimmung richtig ein. Und da bin ich dann doch leicht gestolpert, da ist noch die Chefin. Seltsam fand ich deine Wahl und die möchte ich hinterfragen, warum ist Gerda Gerda und hat einen Namen und die Chefin bleibt immer nur die Chefin. Oder anders ausgedrückt würde ich gerne wissen warum Du sie nicht mehr beschreibst. Nur etwas? Nicht nur äußerlich, denn darauf gehst du ja ein, doch ich hätte gerne noch mehr von ihrem Charakter gewusst, von den Folgen die Last zu tragen? Oder habe ich da etwas überlesen? am Ende wird sie ja so wichtig und da hätte ich eben gerne noch etwas mehr Konsistenz. Doch vielleicht hast Du das mit Absicht gemacht? Was waren deine Gründe?
Eine schöne Geschichte. Mir gefällt es wie Du schreibst. Ich hoffe bald mal wieder was von Dir zu lesen.

Mit grüßen aus dem Alltag

G.

 

CoK

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Hallo @G.Husch

Es freut mich, dass du meine Geschichte gelesen hast und noch mehr, dass sie dir gefallen hat.

Seltsam fand ich deine Wahl und die möchte ich hinterfragen, warum ist Gerda Gerda und hat einen Namen und die Chefin bleibt immer nur die Chefin. Oder anders ausgedrückt würde ich gerne wissen warum Du sie nicht mehr beschreibst. Nur etwas? Nicht nur äußerlich, denn darauf gehst du ja ein, doch ich hätte gerne noch mehr von ihrem Charakter gewusst, von den Folgen die Last zu tragen?
Toll, dass dir das aufgefallen ist. Für Flip ist seine Chefin die Retterin, die Überfrau. Sie ist einfach nur gut.
In einer Kurzgeschichte beschreibt man im Idealfall nur das, was absolut wichtig ist, was man für seine Geschichte braucht. Ich schaffe es
(noch) nicht eine ideale Kurzgeschichte, weil mir viele Beschreibungen wichtig sind.
Wie Gerda zum Beispiel.

Ich wünsche dir eine schöne Woche
Liebe Grüße
CoK

 
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Liebe @CoK,

habe mich gefreut, eine neue Geschichte von dir zu sehen und zu lesen.

„Machst du mir meine Klappe auf?",
Ist nur eine Kleinigkeit, aber du hast bei vielen wörtlichen Reden am Ende statt des Anführungszeichens ein Zollzeichen, manchmal auch am Anfang, wie hier:
"Schau, hier kannst du hupen.“

Flip denkt, dass Gerda mit ihren achtundsiebzig Jahren besser zu Hause bleiben sollte, anstatt auf dem Weihnachtsmarkt zu frieren.
Weihnachten ist ja schon eine Weile her, aber die Temperaturen passen immer noch, ist also gut nachzuvollziehen :)

So kann die Klappe auch bei Sturm und starkem Schneefall nicht zugehen.
Über das "zugehen" bin ich etwas gestolpert, ich finde, das könnte besser formuliert sein. Bei zugehen denke ich daran, wie es möglich ist, dass die Klappe geschlossen werden kann. Wie wäre es mit "zufallen"? Oder "So kann sich die Klappe auch ... nicht schließen."
Ist aber auch nur eine Kleinigkeit.

Musik ist zu hören und das Kinderkarussell dreht eine Proberunde.
Das klingt hier so allgemein und, wie soll ich sagen, abseits, unzugehörig (ich meine den ersten Teil). Ich fände so was wie "In dem Moment ertönt Musik aus den Lautsprechern des Kinderkarussells und es beginnt eine Proberunde." Oder: "In dem Moment erwacht das Kinderkarussell zum Leben: Zu einem Kinderlied (du könntest hier auch ein Lied nennen) beginnt es, sich zur Proberunde zu drehen."

„NeinKOMMA noch keiner da."
Denke ich jedenfalls.

Die anderen wären entweder zu nass oder schon zu lange auf der Straße gewesen.
Interessant - habe ich so noch nie gehört, "nass" sein, aber ich weiß direkt was gemeint ist und es macht ja auch Sinn, denn man sagt ja auch "trocken".

Flip war mit siebzehn von zu Hause abgehauen und war eineinhalb Jahr obdachlos.
Diese unschöne Dopplung könntest du leicht umgehen, zB "... und seit eineinhalb Jahren obdachlos." (bei dir fehlt übrigens ein "n" bei Jahre)
Oder, wenn er jetzt nicht mehr obdachlos ist: "... und eineinhalb Jahre obdachlos gewesen."

Ein Junge, wie ein Wesen aus einer anderen Welt, hebt den Kopf. Er kann die Augen des Kindes nicht sehen. Die Lider verdecken bis auf einen Schlitz die Pupillen. Sein Gesicht ist nach innen gedrückt. Das Händchen, das Flip den Fahrchip hinhält, ist an den Schultern angewachsen. Ein Durcheinander von winzigen Fingern. Er lächelt das Kind an und nimmt den Chip.
Eine schöne Stelle, wie er nicht etwa zurückschreckt oder ähnliches, sondern den Jungen einfach nur anlächelt.

auseinander stehenden
Ist laut Duden ein Wort.

Die Schnürsenkel ihrer ungebundenen Turnschuhe baumeln bei jedem Schritt hin und her.
Bei "baumeln" stelle ich mir vor, wie etwas irgendwo runterhängt, und hin und herschwingt.
Vielleicht gibt es ein besseres Verb? Schleudern? Fliegen?

Der Größere von beiden steigt zuerst aufs Karussell, er will sich auf das Fahrrad setzen.
Brauchst du hier das "er"? Man weiß ja, dass immer noch der Größere gemeint ist. Ich würds einfach rausnehmen.

Von der Pippi – Langstrumpf – Frau kommt keine Reaktion.
Wenn das ein Wort sein soll, kommen da Bindestriche (also die kürzeren) dazwischen und keine Leerzeichen: Pippi-Langstrumpf-Frau

Mit großen, Augen schaut ihn das schmächtige Kind ängstlich an.
Das Komma muss raus.

Flip deutet auf den Fahrschein. Der Kopf des Kleinen senkt sich, schaut auf das rote Ding zwischen seinen Fingern. Langsam zieht er die Fahrkarte aus der verkrampften Hand.
Wer ist im letzten Satz gemeint - der Junge oder Flip? Es klingt, als würde der Junge sich den Chip selbst aus der verkrampften Hand ziehen.

Kein Lenkrad wird gedreht, die Hupe bleibt stumm, wie eine Puppe in einem Fahrzeug.
Der letzte Teil passt für mich nicht zum Rest des Satzes. "..., als säße eine Puppe.." ginge zB

Tatütata! Heiße Kiste hier! Tatü… Heiße Kiste hier!
Da ist ein Ausrufezeichen stur geblieben - das müsste auch noch kursiv formatiert werden.

Das Treffen mit den Drei war eine spontane WhatsApp Verabredung
Drei müsste "Dreien" sein. Und entweder "WhatsApp-Verabredung" oder "eine spontane Verabredung über WhatsApp"...

Flip steigt in den Opel. Er liebt es, Auto zu fahren, Gas zu geben. Ein Vergnügen, dass er seiner Chefin verdankte.
Warum hier Präteritum? Er verdankt es ihr doch immer noch.

„Hallo, ich bin Clara Winterstett und wenn Sie damit einverstanden sind, nehme ich Sie jetzt mit zu ihrem neuen Arbeitsplatz."
Ihrem groß.

Da war es ums Überleben gegangen, von einem Tag zum Nächsten.
Nächsten wird hier kleingeschrieben, da es sich direkt auf "Tag" bezieht: von einem Tag zum nächsten (Tag)

„Hallo, ich bin Clara Winterstett und wenn Sie damit einverstanden sind, nehme ich Sie jetzt mit zu ihrem neuen Arbeitsplatz."
Nur weg hier, von den alten Säufern, den täglichen Streitereien, dem Geruch von verpissten Hosen und ungewaschenen Körpern. Im Schlafsaal schnarchte ständig einer oder war auf Entzug und halluzinierte. Viele hatten Alpträume und schrien im Schlaf. Doch schlimmer war das Leben auf der Straße gewesen. Da war es ums Überleben gegangen, von einem Tag zum Nächsten.
Auf der Fahrt zu seinem ersten Arbeitsplatz erklärte ihm seine Chefin, was von nun an zu seinen Aufgaben gehörte. Karussell aufbauen, putzen, Chips einsammeln … und du wirst den Führerschein machen, beendete sie die Aufzählung. Mit großen Augen hatte er sie angeschaut. „Ich habe doch gar kein Geld." „Das lass mal meine Sorge sein. Ich brauche jemanden, der die Transporte fährt und damit werden wir deinen Führerschein verrechnen, wenn du einverstanden bist."
Und wie er einverstanden war.
Diese Rückblende finde ich etwas überflüssig. Bis auf die Info, dass er es im Heim nicht mochte, weiß man schon alles...dass die beiden sich gut verstehen etc. Das mit dem Führerschein könntest du in einem kurzen Satz oder einem Nebensatz erwähnen. Hier beginne ich zu denken, ich hätte lieber etwas mehr Handlung im Hier und Jetzt, denn eingeleitet hast du seine aktuelle Situation für mich schon ausreichend.

Wasserkocher, eine Mikrowelle.
Warum bekommt die Mikrowelle einen Artikel, der Wasserkocher aber nicht? Ich würde hier konsistent bleiben und den Artikel weglassen.

„Ich erwarte von Ihnen, dass Sie ihre Aufgaben ordentlich erledigen und Ehrlichkeit.
Ihre groß.
Nach "erledigen" würde ich einen Punkt setzen (oder ein Komma oder einen Gedankenstrich; sonst ist das glaube ich sogar grammatikalisch falsch), dann "Und Ehrlichkeit." Oder aber "...Sie Ihre Aufgaben ordentlich erledigen und ehrlich sind." wobei ich die erste Variante besser finde.

Mit lautem „Hallo" begrüßen Sie ihn.
Sie klein, ist ja keine direkte Anrede.

Die Stimme von Matze klingt schrill, blutunterlaufene Alkoholaugen stieren ihn an.
Ich würde einfach "Augen" schreiben, denn warum sie rot sind, das weiß man ja schon.

den ich gar nicht hätte, wenn der liebe Matze nicht ein bisschen an der Leiter gerüttelt hätte, auf dem der Arsch von Helmut war."
Das habe ich nicht kommen sehen :)

„Ja, natürlich redet der Blödsinn!" Mit einem Augenrollen und der abwinkenden Geste auf Matze deutend, versucht Bastian ebenfalls die Situation zu entschärfen.
Für mich würde seine Aussage reichen, denn alles was fett markiert ist, ist deine Erklärung zum Text, die es für mich als Leser nicht braucht.

und knallt mit der Faust auf dem Tisch.
auf den Tisch

Das laute Klirren der Flaschen und Gläser ruft die Wirtin hinter der Theke hervor.
Das Klirren ruft die Wirtin? Wie wäre es mit macht sie aufmerksam oder Durch das .... wird die Wirtin aufmerksam und kommt hervor..

Instinktiv spürt Flip, dass die Jungs zusammenhalten.
Für mich hat das hier nicht viel mit Instinkt zu tun - das ist ja mehr als eindeutig, dass sie zusammenhalten.

„Ich gehe. Tschüss"
Da fehlt ein Punkt.

Diese kurze ZeitspanneKOMMA in der sich das Bewusstsein verabschiedet.
Glaube ich...

Muss er das nicht seiner Chefin erzählen?
Wohl eher der Polizei...

Immer wieder die gleichen Gedanken und FragenKOMMA bis er endlich schläft.
Bin ich mir unsicher, fühlt sich aber richtig an.

Nun spürt er, wie es seine Kollegen sich fühlen.
Da stimmt was nicht.

Nach zwei Stunden einsammeln, ruft ihn die Chefin.
Einsammeln muss hier glaub ich groß geschrieben werden, ein substantiviertes Verb... und das Komma kann/muss denke ich raus.

Obwohl das Thermometer vier Grad Minus anzeigt, geht er nicht in die Kasse. Nun spürt er, wie es seine Kollegen sich fühlen. Sie müssen im Freien am Karussell bleiben.
Ich verstehe das nicht so ganz - er muss doch auch draußen am Karussell sein, um Chips einzusammeln...warum spürt er jetzt (plötzlich), wie sich seine Kollegen fühlen?

Was sollte er erwidern?
Warum die Vergangenheitsform?

Am Abend erzählt ihm die Chefin von einer Gerichtsverhandlung. Ihr Mann musste als Zeuge aussagen. Er war dazwischen gegangen, als Matze mit einem Schraubenzieher einen Kollegen angriff. Der verlor fast ein Auge, ihr Mann konnte Schlimmeres verhindern. Der Schausteller wurde verurteilt. In seiner Wut drohte er, irgendwann würde er sich dafür rächen.
Hier war ich kurz verwirrt, wusste nicht genau, wer jetzt gemeint ist. Dabei ist klar: Matze wurde verurteilt... Ich würde statt Der Schausteller Matze schreiben, denn wir kennen seinen Namen jetzt ja auch.

Ihr Blick streifte an Flip vorbei in weite Ferne, um dort etwas zu sehen, dass ihr hilft, die nächsten Worte zu sagen.
streift
...dieses/jenes... ;)

„Ich glaube nicht, dass er meinen Mann umbringen wollte, aber ihm eine Lektion erteilen. Es hätte ihn nicht wieder lebendig gemacht, wenn ich meinen Verdacht der Polizei mitgeteilt hätte. Doch für mich und meine Kinder wäre das Leben zur Hölle geworden.
Sehr weise und vorausschauend - finde ich bewundernswert!

Die Jungs sah Flip nur, wenn sie auf einem der großem Volksfeste standen.
Hier ist mir noch was aufgefallen: großen

Hat mir gut gefallen, gerne gelesen!

Liebe Grüße,
rainsen

PS: Der Titel klingt exakt wie der einer Folge Fünf Freunde - ich kann direkt die Titelmelodie hören (ich liebe das Lied von den alten Hörspielkassetten!) :) Für mich macht es das ein wenig zum Titel einer Kindergeschichte, aber das kann auch einfach an dieser Assoziation liegen... Er gefällt mir trotzdem (oder genau deswegen?).

 

CoK

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24.08.2020
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Lieber @rainsen

Super, du hast meine Geschichte gelesen und dir so viel Zeit fürs Korrigieren und Kommentieren genommen. Dafür vielen Dank.
Ich habe mich ja in meinem Mauseloch schon häuslich einrichtet.
Es ist mir peinlich, sogar nach dem Korrigieren neue Fehler zu machen.
(Hätte nie geglaubt, dass man in so einem kurzen Text so viele Fehler machen kann.)

Ist nur eine Kleinigkeit, aber du hast bei vielen wörtlichen Reden am Ende statt des Anführungszeichens ein Zollzeichen, manchmal auch am Anfang, wie hier:
Ich hab jetzt meine dicke LeseBrille👓 aufgesetzt und hoffentlich alle Anführungszeichen erwischt.
Weihnachten ist ja schon eine Weile her, aber die Temperaturen passen immer noch, ist also gut nachzuvollziehen :)
🙂

Über das "zugehen" bin ich etwas gestolpert, ich finde, das könnte besser formuliert sein. Bei zugehen denke ich daran, wie es möglich ist, dass die Klappe geschlossen werden kann. Wie wäre es mit "zufallen"? Oder "So kann sich die Klappe auch ... nicht schließen."
Ist aber auch nur eine Kleinigkeit.
Ich habe zufallen geschrieben.
Das klingt hier so allgemein und, wie soll ich sagen, abseits, unzugehörig (ich meine den ersten Teil). Ich fände so was wie "In dem Moment ertönt Musik aus den Lautsprechern des Kinderkarussells und es beginnt eine Proberunde." Oder: "In dem Moment erwacht das Kinderkarussell zum Leben: Zu einem Kinderlied (du könntest hier auch ein Lied nennen) beginnt es, sich zur Proberunde zu drehen."
Jetzt singt Rolf Zuckowski.
Diese unschöne Dopplung könntest du leicht umgehen, zB "... und seit eineinhalb Jahren obdachlos." (bei dir fehlt übrigens ein "n" bei Jahre)
Oder, wenn er jetzt nicht mehr obdachlos ist: "... und eineinhalb Jahre obdachlos gewesen."
Geändert
Ist laut Duden ein Wort.
Okay
Bei "baumeln" stelle ich mir vor, wie etwas irgendwo runterhängt, und hin und herschwingt.
Vielleicht gibt es ein besseres Verb? Schleudern? Fliegen?
Sie hat hohe Turnschuhe an.
Brauchst du hier das "er"? Man weiß ja, dass immer noch der Größere gemeint ist. Ich würds einfach rausnehmen.
Gestrichen
Wenn das ein Wort sein soll, kommen da Bindestriche (also die kürzeren) dazwischen und keine Leerzeichen: Pippi-Langstrumpf-Frau
Hatte Katta schon angemerkt.
Das Komma muss raus.
Ist raus
Wer ist im letzten Satz gemeint - der Junge oder Flip? Es klingt, als würde der Junge sich den Chip selbst aus der verkrampften Hand ziehen.
Habe „Er“ und „Flip“ getauscht
er letzte Teil passt für mich nicht zum Rest des Satzes. "..., als säße eine Puppe.." ginge zB
Das mit der Puppe habe ich gestrichen.
Da ist ein Ausrufezeichen stur geblieben - das müsste auch noch kursiv formatiert werden.
Danke
Drei müsste "Dreien" sein. Und entweder "WhatsApp-Verabredung" oder "eine spontane Verabredung über WhatsApp"...
Oh je so spricht doch kein Mensch.( Erst recht kein Schwabe)
Ihrem groß.
Okay
Diese Rückblende finde ich etwas überflüssig. Bis auf die Info, dass er es im Heim nicht mochte, weiß man schon alles...dass die beiden sich gut verstehen etc. Das mit dem Führerschein könntest du in einem kurzen Satz oder einem Nebensatz erwähnen. Hier beginne ich zu denken, ich hätte lieber etwas mehr Handlung im Hier und Jetzt, denn eingeleitet hast du seine aktuelle Situation für mich schon ausreichend.
Ich bin gerade dabei, die ganze Geschichte umzuschreiben und nur das Wichtigste zu lassen. Die Geschichte ohne Rückblenden und ohne Gerda und ohne …
Warum bekommt die Mikrowelle einen Artikel, der Wasserkocher aber nicht? Ich würde hier konsistent bleiben und den Artikel weglassen.
Frauen brauchen einfach mehr und ich sah die Mikrowelle als weiblich an. (Hab den Artikel gestrichen)
Für mich hat das hier nicht viel mit Instinkt zu tun - das ist ja mehr als eindeutig, dass sie zusammenhalten.
Ich habe den Satz gestrichen
Da fehlt ein Punkt.
Dankt
Wohl eher der Polizei...
Flip denk nur an seine Chefin nicht an die Polizei.
Da stimmt was nicht.
Ja.
Ich verstehe das nicht so ganz - er muss doch auch draußen am Karussell sein, um Chips einzusammeln...warum spürt er jetzt (plötzlich), wie sich seine Kollegen fühlen?
Seine Kollegen dürfen in keine Kasse.
Warum die Vergangenheitsform?
Hab ich mich jetzt auch gefragt. (Geändert)
Hier war ich kurz verwirrt, wusste nicht genau, wer jetzt gemeint ist. Dabei ist klar: Matze wurde verurteilt... Ich würde statt Der Schausteller Matze schreiben, denn wir kennen seinen Namen jetzt ja auch.
Ich habe Matze geschrieben.
streift
...dieses/jenes... ;)
Danke

Es freut mich sehr, dass dir die Geschichte gefallen hat.

Liebe Grüße
CoK

Meine Enkelkinder haben alle Kassetten von den Fünf Freunden ich fand die auch immer toll.

 
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05.09.2020
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178

Hey @CoK,

Ich habe mich ja in meinem Mauseloch schon häuslich einrichtet.
:D Peinlich sein muss dir gar nix!
Jetzt singt Rolf Zuckowski.
Finde ich super!
Sie hat hohe Turnschuhe an.
Okay, da lasse ich baumeln nochmal durchgehen :-P
Frauen brauchen einfach mehr und ich sah die Mikrowelle als weiblich an. (Hab den Artikel gestrichen)
:rotfl:
Meine Enkelkinder haben alle Kassetten von den fünf Freunden ich fand die auch immer toll.
Total cool! Meine Neffen hören nur Lego-City und Playmos und so einen Kram...vielleicht muss ich da mal eine Folge Fünf Freunde oder TKKG druntermischen!

Einen schönen Abend noch!
rainsen

 

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