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Grundsicherung

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23.01.2026
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Grundsicherung

Der Brief war gestern Mittag im Briefkasten. Das Gesetz haben sie heute früh verabschiedet. Wer Grundsicherung will, muss arbeiten.

Ich schaue zu meiner Mutter. Ihr Blick wie immer selig an die Decke geheftet. 30 Jahre gearbeitet. Dann plötzlich Alzheimer. Sie bräuchte eigentlich ein Pflegeheim. Wenn es denn Plätze geben würde. Zum Glück bekommt sie das nicht mehr mit. Hoffe ich.

Ich nehme die Kleine auf den Schoß. Sie schaut mich seltsam an und tatscht mir mit ihren nassen Händen ins Gesicht. Ich schau’ mich um. Es liegt nichts Nasses auf dem Boden. Ihr Mund und ihre Windel sind auch trocken. Ich drücke sie ganz fest an mich.

Was soll aus ihr werden? Der Kindergarten geschlossen. Kein Geld da, heißt es.

Ihr Papa. Tot. Zusammengeschlagen, weil er da war.

Wie soll es weitergehen?

Ich blicke aus dem Fenster. Der Blick über der Stadt. Achter Stock. Wenigstens sind wir zusammen.

 
Zuletzt bearbeitet:

Hallo @Jacob Zimmermann ich bin wegen des Titels an deinem Text hängengeblieben. Erst mal will ich vorausstellen, dass das Thema, welches du hier aufmachst, auf jeden Fall wert ist, dass darüber geschrieben wird!
Dein Text ist allerdings für mich keine Kurzgeschichte, sondern allenfalls eine Skizze. Es liest sich, als hättest du den ganz groben Handlungsablauf heruntergeschrieben (ohne die einzelnen Elemente zu verbinden). Vieles tust du in einem Halbsatz ab (der Vater wurde totgeschlagen, aha). Als Leser kann mich das aber gar nicht erreichen, weil ich die Personen (den Vater, die Mutter mit Alzheimer, die Erzählerin) nicht kenne. Wie auch, sie wurden mir im Text ja nicht vorgestellt. Ich konnte keine Bindung aufbauen, weil ich ihre Charaktere gar nicht greifen kann.
Um es kurz zu machen: Das Thema ist super, jetzt würde es darum gehen, aus deiner Idee eine Geschichte zu machen, mit nachvollziehbarem Konflikt und handelnden, sich entwickelnden Personen. Ein Tipp: Lies (und kommentiere!) andere Geschichten hier im Forum, such dir Texte (von erfahreneren Autorinnen und Autoren hier), die dir zusagen, und orientiere dich ein wenig am Aufbau. Dadurch kann man wirklich viel lernen.

Nachtrag: Falls dich generell solche Themen beschäftigen und du Bücher darüber suchst, kann ich dir Ein Mann seiner Klasse von Christian Baron (das Buch, nicht der Film!) oder zB. auch Als wir träumten von Clemens Meyer oder Die Lage von Mesut Bayraktar ans Herz legen.

Beste Grüße und noch viel Spaß bei den Wortkriegern
Habentus

 

Hallo Habentus,

vielen Dank für deine Kritik. Ich sehe, woher du kommst und ich verstehe dich gut.
Dass es so "kurz" ist und man zu dem Schicksal keine wirkliche Verbindung aufbauen kann hat aber seinen Grund und scheint ihn auch gut zu erfüllen. Ich sehe aber, dass diese Intention nicht gut genug herüberkommt.

Der Text ist kurz, weil es die Aufmerksamkeit widerspiegeln sollte, die die Gesellschaft solcher Schicksale zuteilwerden lässt. Für die Gesellschaft sind das nur gesichtslose Personen ohne Bezugspunkt. Einzelschicksale, die wir nicht zu verantworten haben. Dass man es also liest, mit den Schultern zuckt und selbst die suizidalen Tendenzen am Ende einfach ignoriert, ist gewollt.
Denn das ganze als Kurzgeschichte oder Novelle auszuarbeiten würde dem ganzen eine verlogene Bedeutung geben, die dem Leser zwar ein besseres Gewissen al a "Ich habe was Gutes getan, weil ich es gelesen habe" geben würde, aber darüber hinaus nichts bewirkt. Wie bei allen so bedeutenden sozialkritischen Werken die den Mainstream bekannt sind.

Halt dieses "Wir haben es gelesen/gesehen, haben erschrocken mit den Köpfen geschüttelt, bedeutungsvoll mit dem Finger gemahnt, dass jemand, nicht man selber, etwas ändern muss und jetzt ist aber auch mal wieder genug gejammert"

Verstehe mich bitte nicht falsch. Ich halte meinen Text nicht für sehr ausgereift und tiefgründig. Aber für mich spiegelt es sehr gut die Gleichgültigkeit der Masse wider.

Ich werde aber deine Kritik zu Herzen nehmen und mir die Werke einmal anschauen!

 

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