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Herr Klemm

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Herr Klemm

Wenn Walter Klemm schon um sieben seine Sendungen abholte, sah er zuerst nach, ob etwas für Roswitha Schubert dabei war. Falls ja, fuhr er schnell nach Hause, um nachzusehen, womit sie behelligt wurde. Walter Klemm war Briefträger. Seine tägliche Runde bereitete ihm solche Freude, dass der Sonntag gar nicht schnell genug herum sein konnte.

Es machte ihm nicht direkt Spaß, Roswithas Post zu lesen, er konnte auch gar nicht sagen, wann und warum er damit angefangen hatte. Und es war ja auch ein gewisser Aufwand mit der Sache verbunden, schließlich musste er die Briefe vorsichtig öffnen und wieder akkurat verschließen, damit er Roswitha nicht beunruhigte. Roswitha Schubert erhielt seit Monaten Rechnungen von drei Dating-Plattformen. Dabei war sie eine sehr ansehnliche Frau, wie Walter fand. Die anonymen Briefe, die er ihr zustellte, machten ihr die Komplimente, die Walter ihr gerne persönlich gemacht hätte, weil er glaubte, dass sie jedes davon verdient hatte. Er schrieb von dem atemberaubenden Duft, der sie umgab, von ihrem Lächeln, das einen sofort verzauberte, und von allerlei Details, die er nur erraten konnte, weil er sie leider nie zu sehen bekam.

Jeden Sonntag schrieb er vorsorglich ein oder zwei Briefe für die Woche. Heute aber brannte seine Leidenschaft für die einsame Frau seiner Träume ganz besonders in ihm. Und so schrieb er ihr nur, sie möge eine rote Schleife an ihre Tür hängen, wenn sie ihn endlich kennen lernen wolle und sie könne ja auch eine Anstandsperson ihres Vertrauens hinzuziehen, wenn sie das beruhige, auch wenn sie ganz sicher nichts zu befürchten habe, denn er führe ja nur Gutes im Schilde.

Am Dienstag hatte Walter einen Katalog für sie dabei, der ihm dick genug erschien, bei ihr zu klingeln. Sie nahm den Brief an sich und riss ihn auf, ohne Walter von dem Katalog zu befreien. Er legte ihn ihr hin, machte kehrt und beeilte sich, in Richtung Haustür zu gehen.
„Herr Klemm?“
Er fuhr herum, fiel beinahe die Treppe herunter und hielt sich am Geländer fest.
„Ich habe leider keine rote Schleife zur Hand, aber vielleicht möchten Sie ja mal einen Kaffee mit mir trinken gehen?“
„Woher ...“
„So, wie Sie mich immer anlächeln, habe ich einfach gehofft … wer sollte sonst ...?“
„Liebend gern! Gleich heute? Um drei?“
Sie nickte eifrig und schloss lächelnd die Tür.

Das Podest, auf das er die Schubert gehoben hatte, zerfiel binnen Tagen zu Staub, der zwischen Klemms Zähnen knirschte, wenn sie miteinander sprachen. Nicht alles, was sie sagte, klang verlockend und auch ihr Lächeln war nicht immer bezaubernd. An einem Samstag hielt Klemm ihr vor, wie wenig sie dem Eindruck entsprach, den sie vermittelt hatte. Er zählte ihr auf, wie viel Geld sie für Unnützes ausgab und womit sie ihre Zeit verschwendete. Sie schrie ihn an, nachdem ihr klar geworden war, woher er das alles wusste. Es dauerte Minuten, bis sie aufhörte, zu schreien und nach ihm zu schlagen und zu treten. Mit ihrem letzten Atemzug verdrängte sie alle Befangenheit, die noch in Walter Klemm verblieben war. Klemm blieb bis zum Sonntagabend in ihrer Wohnung, nahm die Handschuhe, die Schwämme und Putzlappen mit und zog die Wohnungstür hinter sich zu.

Die Post stapelte sich zehn Tage lang in ihrem Briefkasten und vor ihrer Tür. Dann endlich rief jemand die Polizei. Es dauerte einige Wochen, bis die DNA-Proben aller Herren ausgewertet waren, mit denen sich die Schubert in den letzten Monaten getroffen hatte. Eine Übereinstimmung war nicht darunter.

Wenn Walter Klemm seine Sendungen abholte, sah er zuerst nach, ob etwas für Elke Westermann dabei war. Falls ja, fuhr er schnell nach Hause, um nachzusehen, womit sie behelligt wurde.
 
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Hallo @joycec,

ein Postbote, der aus Einsamkeit einer Flamme Liebesbriefe schreibt und sich dann dazu durchringt, sich mit ihr zu treffen, und im Zuge dessen zum Totschläger wird, halte ich grundsätzlich für eine gute Idee für eine Geschichte.
Leider muss ich dir ehrlich sagen, und ich hoffe, du nimmst das nicht persönlich, dass der Text bei mir nicht so recht zünden wollte. Das liegt eigentlich fast ausschließlich an der erzählerischen Art, wie er verfasst ist. Passagen wie:
Es machte ihm nicht direkt Spaß, Roswithas Post zu lesen, er konnte auch gar nicht sagen, wann und warum er damit angefangen hatte.
Heute aber brannte seine Leidenschaft für die einsame Frau seiner Träume ganz besonders in ihm.
Das Podest, auf das er die Schubert gehoben hatte, zerfiel binnen Tagen zu Staub, der zwischen Klemms Zähnen knirschte, wenn sie miteinander sprachen. Nicht alles, was sie sagte, klang verlockend und auch ihr Lächeln war nicht immer bezaubernd.
An einem Samstag hielt Klemm ihr vor, wie wenig sie dem Eindruck entsprach, den sie vermittelt hatte. Er zählte ihr auf, wie viel Geld sie für Unnützes ausgab und womit sie ihre Zeit verschwendete. Sie schrie ihn an, nachdem ihr klar geworden war, woher er das alles wusste. Es dauerte Minuten, bis sie aufhörte, zu schreien und nach ihm zu schlagen und zu treten.
Das ist mir viel zu erzählend, zu "tell", als dass es mich berühren oder irgendwie emotional erreichen könnte, obwohl da eine durchaus erzählenswerte Geschichte drin steckt. Ich denke, du bist lange genug bei uns, dass dir show don't tell geläufig ist. Hier erzählst du mir im Groben, was passiert ist, und der Leser muss sich dann die Geschichte vorstellen. Es gibt wenige Texte, meiner Meinung nach, die so einen Reiz und andere, starke Elemente haben, dass sie auch im "Tell"-Modus funktionieren. Es klingt sehr technisch und nach Schreibratgeber, aber ich finde, das ist schon so, dass ich nur wirklich mitfühlen kann und von Emotionen und Spannung gepackt werde, wenn ich in der Geschichte direkt drin stecke und Szenen vor meinem inneren Auge gezeigt bekomme. Beispielsweise
Heute aber brannte seine Leidenschaft für die einsame Frau seiner Träume ganz besonders in ihm.
Wie sieht das aus? Was macht er? Schenkt er sich nach der Arbeit Rotwein ein und holt sich einen auf der Couch runter? Steht er nachts im Wagen vor ihrem Haus und beobachtet, wie ihr Licht ausgeht und weint dabei? Das wäre szenisch erzählt; so muss ich mir die Bilder, die ich mir vor meinem inneren Auge vorzustellen habe, selbst ausdenken, und von einer Geschichte erwarte ich, dass sie mir diese Bilder zeigt.
Das ist ein ähnlicher Effekt wie wenn du in der Zeitung liest: "Kind totgeprügelt. Der Vater misshandelte das Mädchen über mehrere Tage und blieb zwei Monate unbehelligt" oder wenn du in einer Reportage die genaue Rekonstruktion des Tathergangs liest (oder meinetwegen in einem Roman oder einer filmischen Nachstellung). Sobald man im Geschehen ist, dreht sich einem der Magen um. Ich denke, das liegt u.a. daran, dass das Stammhirn oft nicht zwischen Fiktion und Realität unterscheiden kann, und auf beides gleich mit Angst, Ekel, Lust, Wut usw. reagiert.

Das Potential des Textes wird hier meiner Meinung nach deswegen nicht ausgeschöpft, da du sehr Tell-lastig erzählst und dem Leser keine Szenen zeigst, wo er der Beobachter eines grausigen Geschehens werden kann.

Nichts für ungut und ich freue mich auf deine Nächste,

Viele Grüße,
zigga
 
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Hallo joycec,

Das Grundkonzept finde ich brauchbar und dein Text liest sich schnell runter, was ich durchaus positiv finde. Das Szenario ist spannend und Du könntest sicherlich noch etwas mehr draus machen.

Ich würde an der Tonalität arbeiten. Was möchtest Du beim Leser bewirken? Soll die Geschichte gruselig sein oder eher amüsant? Oder eine Kombination aus beidem? Da gibt es noch einiges an Ausbaupotential.

Die anonymen Briefe, die er ihr zustellte, machten ihr die Komplimente, die Walter ihr gerne persönlich gemacht hätte, weil er glaubte, dass sie jedes davon verdient hatte.

>>> sehr gut

Er schrieb von dem atemberaubenden Duft, der sie umgab, von ihrem Lächeln, das einen sofort verzauberte, und von allerlei Details, die er nur erraten konnte, weil er sie leider nie zu sehen bekam.

Die Kombi atemberaubender Duft und Lächeln, das verzaubert hat man schon zu oft gelesen. Entweder würde ich ironischer damit umgehen, indem Du ein kontrastierendes, überraschendes Adjektiv einsetzt oder atemberaubend einfach streichen.

Die Details, die er nur erraten konnte.... finde ich hingegen richtig gut.
Das Podest, auf das er die Schubert gehoben hatte, zerfiel binnen Tagen zu Staub, der zwischen Klemms Zähnen knirschte, wenn sie miteinander sprachen.
>>> das gefällt mir, mehr davon!!! hier kommt Humor mit ins Spiel, gerade im Krimi oder in Horrorgeschichten gern gesehen.
Er zählte ihr auf, wie viel Geld sie für Unnützes ausgab und womit sie ihre Zeit verschwendete.
>>> Logik: woher soll er das wissen?

Fazit: ein durchaus gelungener Text mit Ausbaupotential.

viele Grüße, Petdays
 
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08.01.2018
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Hi @zigga und vielen Dank fürs Lesen und Kommentieren!
Das ist mir viel zu erzählend, zu "tell"
Die Ansicht teilst du mit Papyrus ...
Stimmt auch. Es war ein Versuch, einen Krimi in maximal 600 Wörter zu fassen (das war die Vorgabe). Jetzt ist mehr Platz und ich habe mir die von dir angemerkten Stellen mal vorgemerkt. Vielleicht wird ja eine echte Kurzgeschichte draus.

Heute aber brannte seine Leidenschaft für die einsame Frau seiner Träume ganz besonders in ihm.
Wie sieht das aus? Was macht er?
Die zum Beispiel.


Hi @petdays und auch dir Dank fürs Lesen und Kommentieren!
Ich würde an der Tonalität arbeiten. Was möchtest Du beim Leser bewirken? Soll die Geschichte gruselig sein oder eher amüsant? Oder eine Kombination aus beidem? Da gibt es noch einiges an Ausbaupotential.
Sehr richtig und gute Frage(n). Amüsant eher nicht, wobei das vielleicht einen Versuch ... Nein, eher nicht. "Gruselig" trifft es eher.

Die Kombi atemberaubender Duft und Lächeln, das verzaubert hat man schon zu oft gelesen. Entweder würde ich ironischer damit umgehen, indem Du ein kontrastierendes, überraschendes Adjektiv einsetzt oder atemberaubend einfach streichen.
Wird überarbeitet, weil ich dir da zustimmen muss. Sollte aus seiner Sicht erzählt sein, das macht es aber nicht besser.

Das Podest, auf das er die Schubert gehoben hatte, zerfiel binnen Tagen zu Staub, der zwischen Klemms Zähnen knirschte, wenn sie miteinander sprachen.
>>> das gefällt mir, mehr davon!!! hier kommt Humor mit ins Spiel, gerade im Krimi oder in Horrorgeschichten gern gesehen.
Echt? Horror ist ja so gar nicht mein Genre, aber Humor ... gerne. ;-)

Er zählte ihr auf, wie viel Geld sie für Unnützes ausgab und womit sie ihre Zeit verschwendete.
>>> Logik: woher soll er das wissen?
Er liest ihre Post.

Fazit: ein durchaus gelungener Text mit Ausbaupotential.
Das ist ja im Grunde das, was ich wissen wollte.

Ich danke euch für die konstruktive Kritik und das Feedback. Dann lohnt die Überarbeitung ja vielleicht doch. Die hatte ich bisher eher ausgeschlossen.

Liebe Grüße von der Joyce
 
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03.07.2017
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Hallo @joycec,

auf jeden Fall zu viel Tell. Das liest sich dadurch leider einfach nur langweilig, was ja bestimmt nicht der Sinn eines Krimis ist. Ich denke, aber auch, dass du da auf jeden Fall etwas rausholen kannst. Bin gespannt was du draus machst.

Was ich noch einmal ansprechen wollte ist die Leserführung. Das fand ich ja auch schon im Landgang etwas schwierig. Auch wenn in deinem Kopf alles Sinn macht und logisch ist, gibt es doch bestimmte Stellen, an denen du den Leser an die Hand nehmen könntest, um den Lesefluss zu verbessern.

Ich geh dazu mal auf den Anfang ein.

Wenn Walter Klemm schon um sieben seine Sendungen abholte, sah er zuerst nach, ob etwas für Roswitha Schubert dabei war. Falls ja, fuhr er schnell nach Hause, um nachzusehen, womit sie behelligt wurde.
Ich folge Herrn Klemm nach Hause, um die Briefe zu lesen.

Walter Klemm war Briefträger. Seine tägliche Runde bereitete ihm solche Freude, dass der Sonntag gar nicht schnell genug herum sein konnte.
Achso. Du zerrst mich aus dem Haus und nimmst mich mit auf die tägliche Runde, ach nee, jetzt haben wir schon Sonntag und wir fahren gar nicht.
Und eigentlich ist es doch gar nicht die Runde, die ihm so Spaß macht, sondern Roswithas Briefe zu lesen und sie danach zu sehen, oder?

Es machte ihm nicht direkt Spaß, Roswithas Post zu lesen, er konnte auch gar nicht sagen, wann und warum er damit angefangen hatte.
Ach, jetzt sind wir doch wieder bei den Briefen. Und es macht ihm doch keinen Spaß ...?

Es ist nicht so, dass ich das beim Lesen nicht verstanden hätte. Das ist nicht das Problem. Aber es holpert. Versuche, das Erzählte oder die Handlungen organischer miteinander zu verknüpfen. Wenn etwas nicht reinpasst, dann lass es weg. Überlege auch, welche Informationen du an welcher Stelle an den Leser gibst. Warum gerade dann, warum überhaupt?

Ich hoffe, du kannst damit es anfangen und ich konnte einigermaßen klar machen, was mich stört.

Viele Grüße,
NGK
 
Wortkrieger-Globals
Wortkrieger-Team
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Hey joycec,

schöne Aufgabe, einen Krimi mit max. 600 Wörtern zu schreiben. Ich mein, fürs Forum ist egal, ob da nun mehr oder weniger Wörter, aber im Allgemeinen leben die Kurzkrimis von einem Twist oder einer Pointe und wenn man das lang und breit auserzählen wollte, käme man schnell an die Grenze zum machbaren, weil einem die Logik ins Gehege kommt. Ein Witz wird auch nicht besser, wenn er lang und breit erzählt wird. Und diese Kurzkrimis funktionieren ja ähnlich.
Ich fand die Idee gar nicht so übel und mich störte auch das »tell« nicht, die Umsetzung war eher ... na ja, ich sag mal holpernd. Jedenfalls habe ich das so empfunden.

Wenn Walter Klemm schon um sieben seine Sendungen abholte, sah er zuerst nach, ob etwas für Roswitha Schubert dabei war. Falls ja, fuhr er schnell nach Hause, um nachzusehen, womit sie behelligt wurde. Walter Klemm war Briefträger. Seine tägliche Runde bereitete ihm solche Freude, dass der Sonntag gar nicht schnell genug herum sein konnte.
Es machte ihm nicht direkt Spaß, Roswithas Post zu lesen, er konnte auch gar nicht sagen, wann und warum er damit angefangen hatte. Und es war ja auch ein gewisser Aufwand mit der Sache verbunden, schließlich musste er die Briefe vorsichtig öffnen und wieder akkurat verschließen, damit er Roswitha nicht beunruhigte. Roswitha Schubert erhielt seit Monaten Rechnungen von drei Dating-Plattformen.
Da sind so Wörter drin, die Du an anderer Stelle besser gebrauchen könntest. Ich pinsel mal frisch und frei umher:
Walter Klemm liebte seinen Beruf. Wenn er in der Früh seinen Postbotendienst antrat, sah er zuerst nach, ob etwas für Roswitha Schubert dabei war. Falls ja, öffnete er ihre Briefe fachgerecht, las, womit man sie behelligte und verklebte die Briefe anschließend akurat. Es machte ihm nicht direkt Spaß, Roswithas Post zu lesen, er konnte auch gar nicht sagen, wann und warum er damit angefangen hatte, aber etwas beunruhigte ihn doch: Roswitha Schubert erhielt Rechnungen von Dating-Plattformen. Dabei war sie eine sehr ansehnliche Frau. usw. usw.

Ich muss mich schon wieder zusammenreißen, mich nicht eines fremden Textes zu bemächtigen, aber manchmal juckt es mich so verdammt in den Fingern. Lass ich Sprache also mal außen vor und guck nur noch auf den Inhalt.

Die anonymen Briefe, die er ihr zustellte, machten ihr die Komplimente, die Walter ihr gerne persönlich gemacht hätte, weil er glaubte, dass sie jedes davon verdient hatte. Er schrieb von dem atemberaubenden Duft, der sie umgab, von ihrem Lächeln, das einen sofort verzauberte, und von allerlei Details, die er nur erraten konnte, weil er sie leider nie zu sehen bekam.
Ja, das kann man mit Details viel hübscher und näher beschreiben. Nicht bezauberndes Lächeln und atemberaubender Duft - das ist allgemein - also Duft konkret, ihren Mund - konkret, mach halt Komplimente á la Klemm.

Jeden Sonntag schrieb er vorsorglich ein oder zwei Briefe für die Woche. Heute aber brannte seine Leidenschaft für die einsame Frau seiner Träume ganz besonders in ihm.
Sechs Füllwörter! Das ergäbe an anderer Stelle einen neuen tollen Satz. Upps, ich wollt ja nicht mehr :sealed:

Und so schrieb er ihr nur, sie möge eine rote Schleife an ihre Tür hängen, wenn sie ihn endlich kennen lernen wolle und sie könne ja auch eine Anstandsperson ihres Vertrauens hinzuziehen, wenn sie das beruhige, auch wenn sie ganz sicher nichts zu befürchten habe, denn er führe ja nur Gutes im Schilde.
Ich tue es doch.

„Ich habe leider keine rote Schleife zur Hand, aber vielleicht möchten Sie ja mal einen Kaffee mit mir trinken gehen?“
„Woher ...“
„So, wie Sie mich immer anlächeln, habe ich einfach gehofft … wer sollte sonst ...?“
„Liebend gern! Gleich heute? Um drei?“
Sie nickte eifrig und schloss lächelnd die Tür.
Sehr gut!

An einem Samstag hielt Klemm ihr vor, wie wenig sie dem Eindruck entsprach, den sie vermittelt hatte. Er zählte ihr auf, wie viel Geld sie für Unnützes ausgab und womit sie ihre Zeit verschwendete.
Hehe, was für ein Typ. Den braucht man echt nicht.

Sie schrie ihn an, nachdem ihr klar geworden war, woher er das alles wusste.
Da würde ich die zuvor gesparten Wörter einsetzen. Immerhin ist das ja auch das Motiv, warum sie sterben muss.

Klemm blieb bis zum Sonntagabend in ihrer Wohnung, nahm die Handschuhe, die Schwämme und Putzlappen mit und zog die Wohnungstür hinter sich zu.
Gut.

Wenn Walter Klemm seine Sendungen abholte, sah er zuerst nach, ob etwas für Elke Westermann dabei war.
:thumbsup: Und reicht auch als letzten Satz.

Doch, ich mags von der Idee her. So Kurzkrimis sind ja was für die S-Bahn oder den Bus und unterhalten täte es mich schon. Nur finde ich es eben nicht unbedingt sooo sauber ausgearbeitet.

Nimm was Du magst, den Rest lass zu Staub zerfallen.
Beste Grüße, Fliege
 
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08.01.2018
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Hallo @Nichtgeburtstagskind und vielen Dank für dein Feedback!
auf jeden Fall zu viel Tell.
jepp

Was ich noch einmal ansprechen wollte ist die Leserführung.
[...]
Es ist nicht so, dass ich das beim Lesen nicht verstanden hätte. Das ist nicht das Problem. Aber es holpert.
Da gebe ich dir diesmal sogar recht :D
Wird aufgeräumt und ausgeschmückt.

Ich hoffe, du kannst damit es anfangen und ich konnte einigermaßen klar machen, was mich stört.
ja und (ich denke) ja
Vielen Dank für die Anstöße!

Hi Fliege und auch dir vielen Dank fürs Feedback!
Ich muss mich schon wieder zusammenreißen, mich nicht eines fremden Textes zu bemächtigen, aber manchmal juckt es mich so verdammt in den Fingern.
Willkommen im Club :lol:
Aber du hast ja ein bestechendes Angebot am Ende, also bediene ich mich einfach beim Vorgeschlagenen. ;)

kann man mit Details viel hübscher und näher beschreiben.
Wird gemacht.

Wenn Walter Klemm seine Sendungen abholte, sah er zuerst nach, ob etwas für Elke Westermann dabei war.
:thumbsup: Und reicht auch als letzten Satz.
Stimmt

Doch, ich mags von der Idee her. So Kurzkrimis sind ja was für die S-Bahn oder den Bus und unterhalten täte es mich schon. Nur finde ich es eben nicht unbedingt sooo sauber ausgearbeitet.
Dann lohnt die Überarbeitung. Das mit der Portionierung für die Öffis sehe ich auch so. Und die nächsten 600er kommen bestimmt.

Aber erst mal ist der Klemm reif.
Danke für die Anregungen!
 
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Hi Joycec,

Die Überarbeitung von Fliege find ich super. Diese lakonische Kürze, diese Verknappung passt zu dem Krimi. Denn die Geschichte ist wirklich gut. Kam aber in der alten Verpackung nicht so ganz rüber. Um beim Bild zu bleiben: Da war zu viel Papier drumrum, so dass man gar nicht mehr das Eigentliche gesehen hatte....

Die Geschichte vom Fett befreit, und an späterer Stelle etwas ausgebaut und voilà: du hast einen Kurzkrimi, auf den du stolz sein kannst.

LG Petdays
 
Wortkrieger-Team
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Monster-WG
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16.03.2015
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Hallo joycec,

du hast schon viel gesagt bekommen.
Ich hoffe, ich habe Neues im Paket:

Wenn Walter Klemm schon um sieben seine Sendungen abholte, sah er zuerst nach, ob etwas für Roswitha Schubert dabei war.
Warum "schon"? Ist das viel früher als üblich?

Klemm blieb bis zum Sonntagabend in ihrer Wohnung, nahm die Handschuhe, die Schwämme und Putzlappen mit und zog die Wohnungstür hinter sich zu.
Klasse.

Es dauerte einige Wochen, bis die DNA-Proben aller Herren ausgewertet waren, mit denen sich die Schubert in den letzten Monaten getroffen hatte. Eine Übereinstimmung war nicht darunter.
Fanden sie seine Spuren nicht, weil er den Tatortreiniger gespielt hat?

Also ich kann nur sagen, dass mir die kleine Flash Fiction echt super gefallen hat. Und zwar genau so, in ihrer Kürze, mit ihrem Tell-Überhang.

Kann ich mir prima vorstellen bei einer Krimi-Lesung als letztes Stück vor der Halbzeit-Pause, so als Auflockerung, als Kontrast zu den anderen, umfangreichen, plotgetriebenen Show-Stories.
Brauche ich auch, so ein Stück in meinem Repertoire :shy:

Schönen Abend und liebe Grüße,
GoMusic
 
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08.01.2018
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Hallo @GoMusic und vielen Dank fürs Lesen und Kommentieren!
Wenn Walter Klemm schon um sieben seine Sendungen abholte, sah er zuerst nach, ob etwas für Roswitha Schubert dabei war.
Warum "schon"? Ist das viel früher als üblich?
Berechtigte Frage, kommt weg.

Es dauerte einige Wochen, bis die DNA-Proben aller Herren ausgewertet waren, mit denen sich die Schubert in den letzten Monaten getroffen hatte. Eine Übereinstimmung war nicht darunter.
Fanden sie seine Spuren nicht, weil er den Tatortreiniger gespielt hat?
Das beinhaltet die gewagte Unterstellung, dass sich die Ermittlungen auf die Dates konzentrieren, also haben sie seine DNA nicht ... :D

Also ich kann nur sagen, dass mir die kleine Flash Fiction echt super gefallen hat. Und zwar genau so, in ihrer Kürze, mit ihrem Tell-Überhang.
Das ist doch auch mal schön, so ein Lob. :herz:
Trotzdem gehts dem Klemm an den Kragen. Einige der Anmerkungen finde ich nachvollziehbar und sehr hilfreich.
Danke dir und liebe Grüße
Joyce
 

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