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Copywrite Ich kann das nicht

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Ich kann das nicht

Der blaue Body schmiegt sich perfekt an meinen Körper. Ich kann nicht aufhören, über die kühle Seide zu streichen, mir im Spiegel dabei zuzuschauen und an den lose hängenden Strapsbändchen zu zuppeln. Er ist so schön! Spieglein, Spieglein an der Wand, ich drehe mich ein letztes Mal, streife ihn nur ungern vom Körper und auch nur, um das weiße Teilchen anzuprobieren. Unterhalb des BHs sind Fransen angesetzt, die bis über mein Höschen fallen. Wenn ich mich schnell genug drehe, fliegen sie hoch. Ich drehe mich, bis mir schwindelig wird und ich auf die kleine Bank niedersinke. Atemlos. Glücklich. Elegant schlage ich ein Bein über das andere, drücke mich ins Hohlkreuz, ziehe die Schulterblätter zusammen, hebe das Kinn und betrachte mein Profil. Ich weide im Spiegelbild, bis ich satt bin, lasse ein letztes Mal die Fransen fliegen und widme mich anschließend dem Zweiteiler, der wie eine Schuluniform daherkommt, wegen der Karos und dem angedeuteten Röckchen. Mit strenger Mimik hauche ich: »Nein! Denk nicht einmal dran. Ich bin ein anständiges Mädchen«, wackele mit dem Zeigefinger und muss über mich selbst lachen.
Irgendwann fragt eine der Verkäuferinnen durch den Vorhang, ob bei mir alles in Ordnung sei? Ob ich Hilfe brauche? Brauche ich nicht. Mir geht es so gut wie schon lange nicht mehr. Langsam, ganz langsam ziehe ich meine alten Sachen an, nehme die kleinen Schätze und trage sie zur Kasse, schiebe der Kassiererin meine Karte über den Tisch.
»Tut mir leid, aber da scheint es ein Problem zu geben.«
Ich schaue auf meine Eroberungen, blau, weiß und kartiert liegen sie vor mir und flehen mich an, sie nicht hier zurückzulassen, sie wollen mit, zu mir!
»Aber sie muss funktionieren«, stammele ich.
»Hier jedenfalls nicht. Haben Sie Bargeld dabei? Oder eine Kreditkarte?«
In diesem Augenblick erspähe ich meinen Chef. Was macht der hier? Im Kaufhaus? Ausgerechnet! Dass er sich zielstrebig in meine Richtung bewegt, macht die ganze Situation nicht besser.
»Ich komme später mit Bargeld wieder«, flüstere ich meinen Schätzen und der Verkäuferin gleichermaßen zu und flüchte hinter den nächsten Kleiderständer. Durch Nachthemden und Pyjamas hindurch beobachte ich Manfred Wiegand, der direkt auf mich zuläuft.
»Sollen wir die Sachen für Sie zurücklegen?«, ruft die Frau von der Kasse.
Ich ducke mich noch tiefer.
»Hallo? Haben Sie gehört? Ich habe ...«
Ich renne einfach los, senke den Kopf und starre konzentriert auf den Boden. Aber ich weiß genau, dass Manfred Wiegand mich entdeckt und erkannt hat. Ich spüre seinen Blick auf meiner Haut. Ein Gefühl wie Feuerquallen. Ich kenne dieses Gefühl gut. Es brennt und juckt und ekelt mich an.
Auf der Rolltreppe abwärts zähle ich zitternd mein Bargeld. 23,46 €. Im Erdgeschoss angekommen, steuere ich auf die Kosmetikabteilung zu. Nagellack und Lippenstift und Lipgloss gehören mir. Mir ganz allein. Während ich über den Platz zur Straßenbahn eile, drücke ich die Handtasche mit den Einkäufen fest an mich. Als ich an die zurückgelassenen Dessous denke, fühlt es sich an wie ein Tritt in den Magen. Ich muss sie haben.

Nach der Schule begann ich eine Lehre als Einzelhandelskauffrau, wurde jedoch gefeuert, als man in meiner Tasche ein rotes Kleid fand, mit Preisschild. Papa telefonierte mit seinem alten Schulfreund Manfred, dem lustigen, immer gut gelaunten Onkel Manfred meiner Kindheit. In seiner Apotheke sollte ich zur Pharmazeutisch-kaufmännischen Assistentin ausgebildet werden.
»Biste doch auch eine Art Verkäuferin«, versuchte mein Vater mich zu trösten. »Verkaufst halt Pillen statt Kleider. Hilfst den Menschen dabei, gesund zu werden. Ist doch was Gutes.«
Die Lehre bestand ich mehr schlecht als recht, trotzdem stellte Manfred mich ein. Ich sollte ihm wirklich dankbar sein. Aber Pillen und Tropfen haben keine Magie.

Ich stehe in Manfreds Büro und kaue auf meinen Lippen.
»Gesine, Gesine, Gesine«, sagt er. »Sollte ich mir vielleicht Sorgen um dich machen?«
Schnell schüttle ich den Kopf. »Nein.«
»Aber ehrlich gesagt, ich mache mir langsam Sorgen. Dir scheint häufiger das Geld auszugehen, bevor der Monat zu Ende ist.«
»Es tut mir leid. Wirklich. Aber in letzter Zeit lief alles ein bisschen verquer.«
»In letzter Zeit? So, so. Und in anderen Monaten, wo du ebenfalls nach einem Vorschuss gefragt hast, da etwa nicht?«
»Bitte. Ich brauche das Geld.«
»Warum fragst du nicht einfach deinen Vater?«
Wieder schüttle ich den Kopf, diesmal energischer. Erst im letzten Monat habe ich ihm erzählt, die Waschmaschine wäre kaputt und ich hätte eine neue kaufen müssen, und dass deswegen mein Geld für die Miete nicht reichen würde.
»Wie ich ihn kenne, hilft er dir bestimmt«, setzt Manfred noch einmal nach.
»Ja. Äh, nein! Ich will ihn nicht fragen.«
»Und da bist du dir ganz sicher?«
Ich nicke.
»Nun«, Manfred steht auf und umrundet den Schreibtisch, lehnt sich gegen die Tischplatte und verschränkt die Arme vor der Brust. »Du hast kein Geld mehr für diesen Monat, das ich dir noch auszahlen könnte.«
»Hab ich nicht?«
»Hast du nicht.«
»Oh.«
»Vielleicht magst du dich setzen?« Er deutet auf den Korbsessel in der Ecke. »Du solltest wirklich ...«
»Nein!«
»Okay, okay. Es geht mich ja auch nichts an. Aber halten wir noch einmal fest, dass ich dir keinen Vorschuss geben kann, weil ich dir dein Gehalt bereits vollständig im Voraus ausgezahlt habe.«
Ich nicke. Sein Tonfall klingt so dominant, so unwiderruflich und ich weiß, dass ich kein Geld bekommen werde. Der Versuch meine Tränen zurückzubehalten scheitert, wie so vieles.
»Ach, Mädchen, nun weine doch nicht. Das kann ja keiner mit angucken«, sagt Manfred und sein Ton ist wieder weich und nett und ich schniefe den Rotz hoch.
»Willst du mir nicht sagen, wo der Schuh drückt? Vielleicht finden wir ja gemeinsam eine andere Lösung.«
Nein. Ich kann es ihm nicht sagen. Er würde es nicht verstehen. Ich hebe meinen Kopf und sehe, wie Manfred zurück hinter den Schreibtisch geht, eine Schublade aufzieht und eine Tüte hervorholt, den Inhalt auskippt. Ich erstarre. Da liegen sie! Meine Dessous, die ich im Kaufhaus an der Kasse zurücklassen musste.
»Brauchst du das Geld dafür?«
Ich sterbe. Jetzt und hier und auf der Stelle. Mein Herz wummert, gleich explodiert es. Ich höre mein Blut rauschen und spüre das Trommeln, die Paukenschläge in meinem Inneren.
»Du wolltest die Sachen doch neulich kaufen. Bevor du weggerannt bist.«
»Ich habe sie für eine Freundin zurücklegen lassen. Die waren nicht für mich«, stammele ich.
»Oh. Das ist jetzt schade. Ich dachte, ... Aber wo die jetzt gar nicht für dich waren. Wirklich, zu dumm. Ich werde sie zurückbringen. Entschuldige bitte. Ich wollte dich nicht ..., ich wollte dir nicht zu nahe treten.«
Da liegen sie. Blau, weiß, kariert, zusammengeknautscht auf einem Haufen. Ich möchte sie glattstreichen, sie ordentlich hinlegen, sie berühren.
Manfred greift ein Teil nach dem anderen, betrachtet es kurz und stopft es zurück in die Tüte.
»Nein!«, rufe ich und erschrecke zugleich darüber.
»Nein?« Er schaut mich an.
Ich bringe kein weiteres Wort hervor. Die Tüte fest im Blick. Sie soll nicht wieder im Schreibtisch verschwinden. Sie gehört mir. Mir, mir, mir!
Feuerquallen treffen mich. Ich spüre sie auf meinem Körper. »Pass auf. Ich mache dir jetzt einen Vorschlag und du kannst in Ruhe darüber nachdenken. Du kannst ja oder nein sagen. Heute, morgen, nächste Woche, ganz egal.«
»Was?«
Er wedelt mit der Tüte. »Du ziehst das hier für mich an. Ich will dich nur anschauen. Wirklich. Ich verspreche dir hoch und heilig dich nicht zu berühren. Dann bekommst du die Sachen und zweihundert Euro obendrauf.«
Obwohl seine Stimme eher einem Rauschen gleicht, dringen die Worte klar und eisig in mich ein. Mir wird schlecht, ich muss mich übergeben. Mit der Hand vor dem Mund springe ich auf und renne zur Toilette. Schließe mich ein, bis meine Kollegin damit droht, die Tür einzutreten, wenn ich sie nicht endlich aufs Klo lasse.
Als ich die Tür öffne, schreit sie mich an. »Ja, tickst du noch ganz richtig? Seit einer Stunde bist du verschwunden und ich allein vorn am Tresen. Wiegand hat sich auch schon verpisst.«
»Er ist weg?«, frage ich.
»Wie ein Furz im Wind hat der sich aufgelöst und jetzt lass mich bitte endlich auf die Schüssel.«
»Ja, sorry«, sage ich und schiebe mich an ihr vorbei. »Ich glaub, ich hab Magen-Darm.«
»Auch das noch«, stöhnt sie und knallt die Tür hinter sich zu.

Zu meinem fünften Geburtstag schenkten Onkel Manfred und seine Frau mir einen goldenen Karton, darin ein rosa Prinzessinnenkleid. Ich zog es sofort an und gab es nicht wieder her. Nicht, als ich mir die Limonade überschüttete, nicht im Freibad und auch nicht, als ich zu Bett gehen sollte. In der Nacht riss eines der Schulterriemchen, eine Naht platze auf, das Kleid war hinüber. Ich heulte und bettelte, bis mein Vater mit mir in die Stadt fuhr, um ein neues zu kaufen. Dazu bekam ich ein Diadem und rosa Nagellack.
»Die schönste Prinzessin von allen«, sagte mein Vater. Mein König.
Für die Kinder auf dem Spielplatz war ich mit meinem rosa Tüllkleid keine Prinzessin. Für sie war und blieb ich: »Gesinelein, fett und klein wie ein Schwein.«
Mein Vater ließ sie einen nach dem anderen verstummen. Sie alle mussten früher oder später zum Zahnarzt, zu ihm in die Praxis.

»Du kannst dich auf der Toilette umziehen, wenn du möchtest«, sagt Manfred.
Ich atme erleichtert auf. Mich vor ihm umzuziehen, war mir die größte Angst, denn ohne Wäsche wäre ich nackt und nackt wollte ich auf keinen Fall sein.
Welches Teil zuerst? Hatte er dazu was gesagt? Nein, hatte er nicht. Ich wähle den blauen Body, er hat den meisten Stoff. Er macht mich heute nicht schön, heute fühle ich mich hässlich und dick. Ich zähle bis zehn. Die Apotheke ist seit zwei Stunden geschlossen. Niemand wird mich sehen. Niemand wird je erfahren, was ich hier tue. Als ich das Büro betrete, sitzt Manfred hinter seinem Schreibtisch, ein ganz alltägliches Bild. Alles ist wie immer. Es ist ganz normal. Er sitzt da und ich stehe vor ihm. In Gedanken trage ich Jeans und Shirt. Das alles ist komplett absurd. Sofort spüre ich die Feuerquallen auf meiner Haut. Kurz hebe ich den Kopf, sein Blick trifft mich unerwartet. Er starrt mir nicht auf den Busen, nicht auf den Körper. Er starrt mir ins Gesicht. Sofort schließe ich die Augen und senke den Kopf. Ich stehe da, wie ein Kind, das eine Bestrafung erwartet. Ich spüre meinen Puls, mein Herz wird von einem Leoparden gejagt. Es ist auf der Flucht. Alles in mir ist auf der Flucht.
»Ich habe hier einen Bademantel für dich«, sagt Manfred. »Du kannst ihn jederzeit überziehen. Allerdings müssen wir dann deine Gage neu verhandeln.«
Ich nicke. Der Gedanke an den Bademantel wird fast übermächtig. Ich muss ihn aus meinem Gedächtnis streichen. Es gibt keinen Bademantel. Es gibt ihn einfach nicht. Ich habe nie von einem Bademantel gehört.
»Soll ich mich irgendwie bewegen?«, frage ich leise und wundere mich zugleich, woher ich den Mut dafür fand?
»Mach, was du denkst.«
Ich bleibe wie angefroren stehen.
»Schämst du dich?«
Ich nicke. Nach einer Weile fragt er mich: »Sehr?«
Wieder nicke ich. Ich traue mich nicht, meinen Blick erneut zu heben, ihn anzuschauen. Viel zu sehr bin ich darauf konzentriert, dem Leoparden zu entkommen. Jeans und Shirt. Jeans und Shirt in der Endlosschleife.
»Das ist gut«, sagt er und seufzt. »Du machst das sehr, sehr gut.«
Das verwirrt mich, denn ich mache ja gar nichts. Aber es soll mir recht sein, denn zu mehr wäre ich auch kaum in der Lage. Der Leopard ist bereits sehr nah, der Bademantel ebenfalls. Ich fange an zu zittern, höre Atem, lauten, schnellen Atem, der nicht der meine ist.
»Du kannst jetzt gehen. Geld liegt in der Schublade unter der Kasse. Schließe die Tür hinter dir!«
Was? Ich kann es kaum glauben. Das war es schon? Er lässt mich gehen? Ich bin frei? Ich fliehe aus dem Büro, ziehe mich um, lasse die Unterwäsche in der Toilette zurück, greife mir das Geld und mache, dass ich hier rauskomme. Ich habe es geschafft! Ich habe es verdammt noch mal geschafft! Und ich lebe noch.
Auf dem Heimweg verliere ich mich in den Schaufenstern. Schuhläden, Boutiquen, Schmuck. Und in meiner Tasche steckt die Einladung für jedes dieser Paradiese hinter Glas. Zweihundert Euro. Die Zahl schmilzt auf meiner Zunge wie Eis an einem heißen Sommertag. Nur die Hälfte, schwöre ich mir. Einhundert Euro für Mahnungen, irgendeine. Handyrechnung wäre wichtig. Und Strom. Ja. Gleich heute noch. Die Schaufensterpuppe lächelt mir zu. Ich lächle zurück und öffne die Ladentür, stöbere durch die Kleiderstangen. Ich fühle, rieche, spüre. An der Kasse zahle ich 189,00 Euro für einen Mantel. Korallenrot leuchtend, wunderschön! Ich bin in Feierlaune, kaufe im Späti Sekt und Pizza und extra Käse.

Bei unserem sechsten Treffen trage ich einen String, einen knappen BH und Strumpfbänder. Manfred hat es für mich bereitgelegt, so wie er immer Sachen für mich aussucht. Mich störte es kaum, dass der Stoff immer weniger wurde, allerdings dauerte es auch von Mal zu Mal länger, bis er mich gehen ließ. In mir wütet kein Raubtier mehr, es ist eher ein bellender Hund an der Leine.
»Macht es dir etwas aus, dich für mich umzudrehen?«
Ich zucke mit den Schultern, drehe mich um. Präsentiere ihm meinen nackten Hintern mit einem Fädchen zwischen den Pobacken.
»Schämst du dich?«
Wieder zucke ich mit den Schultern. Ich denke an das Geld in der Schublade. Ich brauche es, dringend.
»Nicht mal ein bisschen?«
»Vielleicht. Etwas.« Ich warte darauf, dass sich sein Atem beschleunigt, warte auf den ersten Seufzer, denn dann ist meist das Ende nicht fern. Aber er scheint ganz ruhig zu sein.
»Ich glaube, es funktioniert nicht mehr«, sagt er.
Was? Was hat er da gerade gesagt? War es das? Will er mich nicht mehr anschauen? Nein! Das kann er nicht tun! Das kann er mir nicht antun!
»Nicht?«, frage ich und würge den Kloß in meinem Hals hinunter.
»Nein. So nicht.«
»Nicht so?«
»Vielleicht, wenn du den BH ausziehen würdest.«
»Den BH?«, frage ich.
»Ja, den BH.«
Zitternd suchen meine Hände nach dem Verschluss für meine Rüstung. Noch stehe ich mit dem Rücken zu ihm. Wird er wollen, dass ich mich umdrehe? Langsam streife ich die Träger von den Schultern. Jetzt bin ich nackt, abgesehen von dem kleinen Dreieck vor meiner Scham. Es ist nur ein Fetzen Stoff weniger. Ein klitzekleiner Fetzen. Nichts, was er nicht auch vorher hätte schon sehen können durch die Spitze.
»Und jetzt drehe dich um.«
Natürlich. Natürlich will er das. Ganz langsam drehe ich mich zu ihm, kreuze die Arme vor der Brust. Ich weiß, er wird es nicht lange dulden, aber ich brauche die Zeit, mich an die neue Situation zu gewöhnen.
»Oh, das ist gut. Das gefällt mir. Wir sind wieder auf Kurs.«
Ich bin froh, dass er das sagt.
»Ist es dir peinlich?«
Ich nicke. Sein Atem, ich kann seinen Atem hören! Es beruhigt mich. Die Feuerquallen brennen mehr als je zuvor.
Ich greife nach dem Geld aus der Schublade und haste nach Hause. Am ganzen Körper juckt, brennt und klebt es. Erst unter der Dusche beruhigt sich die Haut. Der Ameisenhaufen in meinem Kopf bleibt. Gedanken rennen von rechts nach links, von oben nach unten. Onkel Manfred damals, mit dem lustigen Gesicht. Sein: zieh dich aus, dreh dich um, heute. Der korallenrote Mantel; ungetragen, noch nicht einmal ausgepackt. Die Stiefel, die Ohrringe, die Handtasche, die Stromrechnung, das blanke Konto. Ich will, dass die Ameisen stillhalten, verschwinden. Sie sollen abhauen!
Als ich Bestellung absenden drücke, kehrt Ruhe ein. Süße Leere, in die ich hinein sinke wie in eine Daunenwolke.

Es ist Nacht. Durch meinen Kopf wandern Ameisen, marschieren wie Soldaten und knallen mit den Hacken. Sie sind so unendlich laut! Ich flehe, bettle, schreie sie an. Sie scheren sich einen Dreck darum. Ich bin müde. Ich will nicht mehr. Ich brauche Schlaf. Dringend. Ich rufe Manfred an. Es ist zwei Uhr am Morgen. Er kommt.
Mit gespreizten Beinen sitze ich auf dem Boden vor ihm und schiebe mein Höschen beiseite.
»Ist es dir peinlich?«
»Ja. Sehr.«
»Ich glaube dir nicht. Ich sehe es nicht.«
»Doch. Mir ist das wirklich unangenehm«, beteuere ich.
»Du lügst, wenn du den Mund aufmachst!« Er sieht wütend aus. Richtig wütend. »Du verarschst mich doch!«
»Bestimmt nicht. Ich schäme mich sehr.« Ich weiß, dass meine Stimme mich verrät, die Worte nicht überzeugend klingen. Weine!, versuch ich mir zu befehlen. Weinen ist immer gut. Weinen ist echt. Los! Flenne!
»Das werden wir gleich sehen.«
Erstaunt schaue ich zu ihm auf. Was hat er vor? Die Angst beginnt zu kribbeln. Ich habe ihn belogen und er weiß es und er ist wütend.
Er sucht nach etwas in seiner Tasche, wirft mir vier verschiedene Vibratoren und Gleitcréme vor die Füße.
»Such dir einen aus«, sagt er.
Ich schlucke, betrachte das Ensemble vor mir auf dem Teppich und beginne zu zittern.
»Ich soll mich? Vor dir?«
»Es wäre eine Möglichkeit. Die andere wäre, dass dies unser letztes Treffen ist.«
Das kann ich nicht, denke ich, greife aber zeitgleich nach dem kleinsten. Mir steigen die Tränen in die Augen, echte Tränen, während ich den Vibrator über meinen Körper streiche. Über meine Brüste, den Mund, über die Innenseiten der Oberschenkel. Meine Hand agiert völlig losgelöst, sie gehört nicht zu mir. Das bin nicht ich, die hier sitzt. Ich höre das Seufzen. Den Atem. Er soll mich gehen lassen, es reicht doch. Aber die Worte kommen nicht.
»Komm schon, näher an die Muschi mit dem Teil!«
»Ich kann das nicht«, flüstere ich. »Bitte nicht.«
»Ich habe vierhundert Euro dabei. Bist du dir sicher?«
Meine Hand führt das Teil an meine Scham. Lässt es auf und ab gleiten, Kreise zeichnen. Der Rest von mir wird gerade vom Leoparden gefressen.
»Großartig! Ganz großartig! Lass dir Zeit«, keucht er.
Auf, ab, auf, Kreis, Kreis. Ich weiß, dass er nicht hinschaut, dass er mein Gesicht fixiert. Das bin nicht ich. Es ist irgendjemand. Nicht ich. Auf. Ab. Kreis.
»Wunderbar!«
Der Vibrator wird immer schwerer in meiner Hand. Mir geht die Kraft aus, er gleitet aus meinen schwitzenden Händen, fällt zu Boden. Ich rapple mich auf und torkle ins Badezimmer, schließe mich ein, warte auf das Geräusch seiner Schritte im Flur, der zufallenden Wohnungstür. Eine Ewigkeit warte ich. Er klopft an die Tür.
»Bist du okay?«, fragt er.
»Hau ab!«, rufe ich. »Lass mich in Ruhe!«
»Es tut mir leid. Hörst du. Ich entschuldige mich.«
»Du sollst gehen! Jetzt!«
Er geht. Seine Vibratoren hat er mitgenommen. Überhaupt erinnert im Wohnzimmer nichts an die letzte Stunde. Als hätte es sie nie gegeben. Nur das Bild, wie er auf meinem Sofa sitzt, ist geblieben. Ich werfe eine Decke drüber. Es hilft nicht. Ich schiebe und trete es auf die Straße. Es ist schwer. Es poltert über die Treppenabsätze. Die Nachbarn regen sich auf. Es ist mir egal. Als ich zurück in die Wohnung komme, sitzt Manfred da, wo vorher mein Sofa stand.

Die Pakete, die der Postbote bringt, stapeln sich im Flur. Seit drei Tagen war ich nicht bei der Arbeit, habe mich nicht gemeldet. Mir geht es nicht gut. Die Ameisen stehen nicht mehr still. Sie arbeiten Tag und Nacht, emsig zerlegen sie mich wie Aas am Straßenrand.
Ich rufe meinen Vater an. Erzähle ihm, ich hätte gekündigt. Ich brauche Geld, bis ich einen neuen Job gefunden habe.
»Und warum hast du gekündigt?«, fragt er.
»Da war so ein Kunde, der hat mich belästigt. Ich halte das nicht mehr aus.«
»Ein Kunde, sagst du?«
»Ja, so ein widerliches Schwein.«
»Aber da hätte Manfred doch was tun müssen! Er hätte ihm Hausverbot erteilen müssen.«
Ich sage nichts. Schweige.
»Ich kläre das mal. Ich spreche mit Manfred. Verlass dich auf mich. Ich regel das.«
»Nein, bitte. Lass es einfach gut sein«, flehe ich meinen Vater an, aber er hat bereits aufgelegt.
Eine halbe Stunde später läutet das Telefon. Mein Vater. Ich gehe nicht ran, höre zu, wie er den AB bespricht.
»Prinzessin, du hättest Manfred von dem Schwein erzählen müssen. Er wusste davon ja gar nichts. Natürlich wird er ihm Hausverbot erteilen, du musst ihm nur sagen, wer es ist. Der Typ wird dich nie wieder belästigen. Es ist vorbei. Hörst du. Manfred kümmert sich darum. Du kannst wieder zur Arbeit gehen.«

 
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Liebe @Chutney

ich habe mich sehr über deinen Besuch gefreut. Vielen, lieben Dank für deine Zeilen.

Du hast diesen sehr kindlich geschriebenen Abschnitt, der auch für Irritation sorgt.
Ja, scheint so. Inzwischen habe ich ja drei Tage Abstand zum Text, und auch wenn ich das noch immer als gar nicht so verwirrend empfinde, werde ich den wohl ins "jetzt" holen. Was mir auch nicht weh tut. Ich selbst bin da 50/50.

Das Thema Kindesmißbrauch scheint da für mich schon durch, denn eigentlich ist es das verwöhnte unglückliche Mädchen, dass sie treibt und dass der Onkel ausnutzt.
Das will ich aber echt nicht drin haben. Wenn ich an den Absatz gehen, muss ich das mit weghauen. Viel schöner, wenn aus dem netten Onkel von früher ein Monster wird. Noch etwas, was aus den Fugen gerät.

Man hat das Gefühl, dass sie nicht wirklich erwachsen geworden ist, möglicherweise kaum soziale Kontakte hat, das hat was sehr Hermetisches. Sehr traurig, die Geschichte.
Ja. So habe ich sie auch gesehen.

Am Ende lässt du sie da nicht raus und das ist richtig so, denn sie wird den Schritt selber gehen müssen.
Auch hier bin ich ganz bei Dir oder Du bei mir :).

Das klingt auch nach einer Kränkung, danach, dass es nicht mehr nur um Geld geht, sondern, darum, dass jemand sie erregend findet und jetzt eben nicht mehr. Das passt durchaus zu ihren Komplexen. Aber ich frage mich, ob da nicht auch eine heimliche Erleichterung da ist. Und umgekehrt würde ich einen größeren Schaden davon erwarten, was sie tut. Dass sie noch mehr essen muss. Oder kaufen. Dass man merkt, oberflächlich wird sie cooler, aber nur indem sie was abtrennt in sich. Aber das ist nur eine Idee dazu.
In die Richtung geht @Peeperkorn s Kommentar ja auch. Ich bin da bei Euch. Mal gucken. Also, ich guck mir das auf jeden Fall genauer an, weiß nur noch nicht wann. Kann bald sein, kann aber auch dauern. Ich habe gerade so viel andere Dinge im Kopf, die mir Freude bereiten.

Dank Dir auch für die Kleinigkeiten, das habe ich natürlich sofort und gleich.

Puh, ein gelungenes Copywrite.
Merci!

Einen schönen Sommer dir, liebe Fliege!
Den habe ich. Und den wünsche ich Dir auch!


Lieber @Peeperkorn

auch Dir lieben Dank! Manchmal ist ja echt schräg, ich mein, als ich den Text fertig hatte, dachte ich so, irgendwie ... ich mein, ich war jetzt nicht unzufrieden oder so, aber ich habe am Ende auch nicht gedacht, ja, mega. Da schlummerte eine Spur Unsicherheit in mir, irgendwas, womit ich nicht zufrieden war, was ich aber erst mal gar nicht benennen konnte. Und dann kommst Du und sagt, gleichförmig, und ich denk so, ja genau. Und ich bin mir sicher, wäre der Text von jemand anderen, mir wäre das schon viel früher aufgefallen. Sag ich jetzt mal so, ob dem auch so wäre, bleibt natürlich im Unklaren. Was ich eigentlich sagen will: ja, ja und ja.

Damit betrachtest du die Arbeit aber, so mein Eindruck, als erledigt. Die Leser*innen wissen ja jetzt, wie hoch der Lustgewinn am Kleiderkauf für die Prota ist. Du hast danach eigentlich nur noch eine sehr kurze Online-Shopping-Szene und ein paar wenige Gedanken an Jeans und Shirt, die aber nicht einmal besonders positiv konnotiert sind.
Stimmt. Da ginge mehr. Eigentlich muss da mehr. und die Ambivalenz, dieses innere Tauziehen ist ja eigentlich auch sehr hübsch für die Figur. Ich geh da noch mal ran, nur weiß ich nicht, ob ich gerade die Muse dafür finde. Aber ich tue es. Irgendwann. Ganz sicher. Bin selbst viel zu neugierig, was es mit dem Text am Ende macht.

Du hast drei lange Sequenzen, blauer Body, String, Vibrator. Ich empfinde die insgesamt als psychologisch zu gleichförmig.
Gehe ich sofort mit Dir.

Dieser Übergang ins kindliche Erzählen hat bei mir überhaupt nicht funktioniert. Ich stelle mir eine erwachsene Frau vor, die auf einmal in Kindersprache erzählt und habe in der Folge Schwierigkeiten, die Prota weiterhin ernst zu nehmen.
Habe shcon früher geschrieben, ich mag das irgendwie, aber es tut mir auch nicht weh, dass zu ändern. Und da andere immer wieder auch den Onkel als Pädophilen herauslesen, was ich eigentlich gar nicht will, also an den Absatz geh ich demnächst ran. Und wenn ich shcon mal dabei bin ... die Tage halt irgendwann.

»Aber ehrlich gesagt, ich mache mir langsam Sorgen. Dir scheint häufiger das Geld auszugehen, bevor der Monat zu Ende ist.«
Mir war nicht ganz klar, woher Manfred das überhaupt weiss. Er sieht ja nur, dass sie die Kleider nicht bezahlt hat. Die Verkäuferin wird ja wohl nicht einem Fremden erzählen, die Karte einer anderen Kundin sei gesperrt. Die Prota kann tausend Gründe haben, (na ja, vielleicht vier oder fünf), die Kleider dort liegen zu lassen.
Weil sie sich öfter nen Vorschuss auszahlen lässt? Ich mein, das komplette Gehalt des Monats hat sie bereits vorab erhalten. Dachte das wird deutlich. Kann aber auch noch mal ein Halbsatz rein.

Erst im letzten Monat habe ich meinem Vater erzählt, die Waschmaschine sei kaputt und ich hätte eine neue kaufen müssen, und dass deswegen mein Geld für die Miete nicht reichen würde. Ihn kann ich auf keinen Fall schon wieder fragen.
Brauchts für mich nicht. Sehr erklärend. (Wenn du es streichst, kommt jemand und schreibt: Ich verstehe nicht, weshalb sie nicht einfach den Vater fragt.)
Du sagst es. Und das werde ich auf jeden Fall drin lassen. Ich möchte ja grundsätzlich auch gern für Leute schreiben, die nicht so zwischen den Zeilen, wie wir es hier in unserer kleinen Wohnstube tun. Und die an der Hand mitzunehmen, ist mir schon wichtig.

Dieser nahtlose Übergang zwischen grosszügigem Angebot und Bekanntgabe des Preises, den sie dafür zu zahlen hat, ist mir zu schnell. Ich finde, da kann man nur schon spannungstechnisch mehr rausholen, die Leser noch für einen Moment im Ungewissen lassen, das ist schon ziemlich verschenktes Potential, finde ich. Mir ist übrigens wie Isegrims Fräulein Else in den Sinn gekommen: Wenn ich mich richtig erinnere, druckst der Typ da schon eine Weile rum, bis sein Wunsch deutlich wird.
Auch, wenn ich jetzt nicht alle deine Anmerkungen im einzelnen aufgreife, ich guck mir die Stellen noch mal genau an.

Aber das ist doch für sie ganz anders, sie denkt an die schönsten Kleider, die sie sich nur vorstellen kann und daran, wie sie sie kaufen und anprobieren wird, oder nicht?
Aber doch nicht, während sie da nackt vor ihm steht. Da hat sie den Kopf voll mit der Situation. Da muss sie gucken, wie sie da durch kommt. Ich glaub nicht, dass sie da Platz hat für "schöne" Gedanken, auch, wenn die natürlich ein Ziel, einen Fluchtpunkt bilden könnten. Danach ja, aber während dessen? Hier gehe ich nicht so ganz mit Dir.

Auf sprachlicher Ebene sauber wie immer. Wie gesagt, habe ich das gern gelesen, der Text hat einen guten Konflikt, guten Drive und übt viel Druck auf die Leser*innen aus.
Das mit dem Druck gefällt mir gut :D.

Vielen Dank und auch für Dich einen grandiosen Sommer!

Liebe Grüße an Euch beide, Fliege

 
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Ich habe mal noch paar Zeilen draufgelegt und hoffe sehr, sie tun auch was, jedenfalls ein bisschen mehr, als diesen Text einfach nur länger zu machen.

 
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Ich habe mal noch paar Zeilen draufgelegt und hoffe sehr, sie tun auch was, jedenfalls ein bisschen mehr, als diesen Text einfach nur länger zu machen.
Und ob die Zeilen etwas tun, liebe @Fliege. Sie machen die Geschichte schön rund.
Es ist witzig, dass ich so etwas schreibe, weil sie ja auch vor der Überarbeitung für mich keine Ecken und Kanten hatte. Na ja, bis auf die Kleinmädchenstimme eben.
Dazu ist mir übrigens durch den Kopf gegangen, wenn man die originale Sprache Gesines unbedingt etablieren will, dann sollte man das nicht in einem Block tun, sondern mehrmals kurze Flashbacks einstreuen, am Besten noch durch kursive Schreibweise abheben. Diese Aufarbeitung würde der Leser möglicherweise eher akzeptieren und begreifen, dass Gesine eine Art Zeitreise erlebt, dass sie in solchen Momenten wieder zum Kind wird.
Aber egal, brauchts nun nicht mehr.

Auf dem Heimweg verliere ich mich in den Schaufenstern. Schuhläden, Boutiquen, Schmuck. Und in meiner Tasche steckt die Einladung für jedes dieser Paradiese hinter Glas. Zweihundert Euro. Die Zahl schmilzt auf meiner Zunge wie Eis an einem heißen Sommertag. Nur die Hälfte, schwöre ich mir. Einhundert Euro für Mahnungen, irgendeine. Handyrechnung wäre wichtig. Und Strom. Ja. Gleich heute noch. Die Schaufensterpuppe lächelt mir zu. Ich lächle zurück und öffne die Ladentür, stöbere mich durch die Kleiderstangen. Ich fühle, rieche, spüre. An der Kasse zahle ich 189,00 Euro für einen Mantel. Korallenrot leuchtend, wunderschön! Ich bin in Feierlaune, kaufe im Späti Sekt und Pizza und extra Käse.
Die Szene mag ich sehr, der korallenrote Mantel ist wie ein Symbol für Schwäche. Bei seinem Anblick werden alle guten Vorsätze vom Winde verweht. Das zeigt wirklich noch mal eindrücklich, welchen starken Zwängen Gesine unterliegt und warum sie sich Wiegand antut.

Und hier war ich irritiert.
Es ist Nacht. Durch meinen Kopf wandern Ameisen, marschieren wie Soldaten und knallen mit ihren Hacken. Sie sind so unendlich laut! Ich flehe, bettle, schreie sie an. Sie scheren sich einen Dreck darum. Ich bin müde. Ich will nicht mehr. Ich brauche Schlaf. Dringend. Ich rufe Manfred an. Es ist zwei Uhr am Morgen. Er kommt.
Ganz klar, sie kann nicht schlafen, ruft an, er kommt, ich lese zu ihr nach Hause.
Den Dreh fand ich genial, weil Gesine damit noch einen Schritt weiter Richtung Abgrund rückt. Sie bricht ihren eigenen Schutzmechanismus auf und lässt Wiegand in ihre heiligen vier Wände ein. Wahnsinn!
Aber das Nachfolgende passt nicht zu meiner Leseart, weil der Schreibtisch schließlich in der Apotheke steht.
Er sucht nach etwas in den Fächern seines Schreibtisches, wirft mir vier verschiedene Vibratoren und Gleitcréme vor die Füße.
Dann war das also nicht deine Absicht, Wiegand zu Besuch kommen zu lassen? Wenn nicht, dann sollte Er kommt klarer formuliert werden, zumindest wohin, und Gesine muss nachts um zwei ebenfalls durch die schlafende Stadt tigern. Sie kommen also beide. :Pfeif:

Dann hab ich noch ein bisschen Kleinvieh. Aber meine Vorschläge bitte nicht übernehmen, erst doppelt und dreifach prüfen, man kann mir nicht trauen, :lol: wie du weißt.

Glücklich. Elegant schlage ich ein Bein über das andere, drücke mich ins Hohlkreuz, ziehen die Schulterblätter zusammen,

Durch Nachthemden und Pyjamas hindurch beobachte ich Manfred Wiegand, der direkt auf mich zu läuft.
zulaufen ein Wort, denke ich
Ist doch was gutes.«
hätte ich so geschrieben: Ist doch was Gutes.
Süße Leere in die ich hinein sinke wie in eine Daunenwolke.
super Vergleich, KOMMA nach Leere
Ich wollte dich nicht ..., ich wollte dir nicht zu Nahe treten.«
zu nahe treten
stöbere mich durch die Kleiderstangen.
Bist du sicher, dass du das mich möchtest, ist irgendwie seltsam, jedenfalls ist es mir noch nie in dieser Kombination untergekommen.

So das wars. Das Copy hat auf jeden Fall durch die Ergänzungen gewonnen. Ich bin begeistert.

Liebe Grüße,
peregrina

 
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Liebe @peregrina

oh, welch eine Freude. Du kümmerst Dich wirklich ganz rührend um meine Copy. Ich danke Dir sehr dafür.

Dazu ist mir übrigens durch den Kopf gegangen, wenn man die originale Sprache Gesines unbedingt etablieren will, dann sollte man das nicht in einem Block tun, sondern mehrmals kurze Flashbacks einstreuen, am Besten noch durch kursive Schreibweise abheben. Diese Aufarbeitung würde der Leser möglicherweise eher akzeptieren und begreifen, dass Gesine eine Art Zeitreise erlebt, dass sie in solchen Momenten wieder zum Kind wird.
Ja, wahrscheinlich tatsächlich die bessere Methode. Aber hier bin ich jetzt erst Mal fertig. Vielleicht probiere ich das in einem anderen Text mal aus. Hoffe doch, dass dieser nicht mein letzter war.

Die Szene mag ich sehr, der korallenrote Mantel ist wie ein Symbol für Schwäche. Bei seinem Anblick werden alle guten Vorsätze vom Winde verweht. Das zeigt wirklich noch mal eindrücklich, welchen starken Zwängen Gesine unterliegt und warum sie sich Wiegand antut.
Das freut mich total.

Und hier war ich irritiert.
Jaaa, das verstehe ich gut. Für mich haben sie sich tatsächlich in der Apotheke getroffen, aber dein erster Gedanke hat so viel mehr Bums, ich habe den Abschnitt mal direkt daraufhin angepasst. Mega! Schönes Zusammenspiel von @Peeperkorn und Dir. Danke Euch.

Dann hab ich noch ein bisschen Kleinvieh. Aber meine Vorschläge bitte nicht übernehmen, erst doppelt und dreifach prüfen, man kann mir nicht trauen, :lol: wie du weißt.
Aber, aber ... Du hast doch recht! Glaub ich jedenfalls :D.
Danke auch dafür!

So das wars. Das Copy hat auf jeden Fall durch die Ergänzungen gewonnen.
Was habe ich mich gestern Abend über deine Zeilen gefreut. Ganz, ganz wirklich!

Liebe Grüße, Fliege

 
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Hallo @Fliege,
ich wollt mich gerne revanchieren für deinen schönen Kommentar, drum komm ich jetzt mal hier bei deinem CW vorbei. Deine Geschichte ist ja schon harter Tobak. Ich habe auch in einige der anderen Kommentare reingelesen, quergelesen. Und die Geschichte hat ja viel positives Feedback bekommen und ich verstehe auch warum und trotzdem hakelt was bei mir und ich weiß nicht genau, was es ist. Ich glaube, ich hadere ein wenig mit der Ich-Perspektive, obwohl du sie gut umgesetzt hast. Deine Prota wirkt auf mich sehr, nunja, einfältig oder einfach gestrickt oder eben auch: unreflektiert. Also emotional und kognitiv bewegt sie sich in der Geschichte vorwiegend zwischen zwei Polen: Kaufen - Glück und Onkelchef - Scham (die ja dann abnimmt und vielleicht nur noch Lästig ist). Das sind die beiden "Orte" an denen die Geschichte hauptsächlich spielt und dadurch wirkt Gesine eben sehr unreflektiert. Da kommt nie der Gedanke: SCheiße, wie komm ich hier raus? Die vielen Mahnungen machen ihr irgendwie auch nichts aus. Ich denke, ich verstehe, dass sie es natürlich mit dem Suchtverhalten wegmacht, aber ein kurzes Aufblitzen von Angst fehlt mir da irgendwie bzw. fehlt es mir auch wiederum nicht. Ich bin nicht sicher, manchmal scheint sie mir eine Erwachsene zu sein (zB wenn sie bestimmte Vergleiche verwendet, um die Situation zu beschreiben) und manchmal eine 12jährige im Körper einer Erwachsenen (zB in der Umkleide am Anfang, oder generell beim Kaufen oder auch beim Onkelchef im Büro). Vielleicht willst du das auch so, also quasi als eine Art Trigger, wo sie dann wieder die 12jährige ist, aber dann würde ich mir die Erwachsene noch etwas reflektierter wünschen, mit ein bisschen mehr Einsicht in die Problemlage. Also im Grund wünsche ich mir den Text etwas weniger fokussiert ;-), was ich wirklich noch nie unter eine Geschichte geschrieben habe, aber ich bin ja auch noch neu, wer weiß, was noch alles kommt ...
Dann mag ich zB sehr die Feuerquallen, aber die Ameisen mag ich nicht so gerne. Da hatte ich eher das Gefühl, hier machst du es dir zu einfach, vielleicht aber auch, weil ich sie nicht wirklich verstehe. Die Feuerquallen, die stehen für Scham, vor Schamesröte verbrannt, die stehen für ein Gefühl. Aber die Ameisen, die stehen irgendwie mehr für ungemein viele rasende Gedanken, aber Gedanken sind Worte und da würde ich doch schon gerne wissen, was geht ihr denn da genau durch den Kopf. Da kommt jetzt wieder die Reflektiertheit, vielleicht wäre es an der Stelle dann doch auch mal angebracht, ganz konkret die Gedanken zu benennen? So, sie das denn kann. Da bin ich, wie gesagt, immer noch nicht sicher, wie einsichtsfähig sie ist, nicht nur wegen der Sucht, sondern aus ihrem Wesen heraus, weil sie wirkt ja alles in allem wie eine entrückte und pummelige Fee, was als Kind noch so mittelgut funktioniert hat, mit Papa, der da alles regelt (der ja sogar immer noch alles regelt), aber irgendwie ist sie dem halt nicht entwachsen. Und da kommt dann wieder so ein wenig mein Hadern mit der Ich-Perspektive. Ich könnte mir die Geschichte auch gut aus der personalen Perspektive mit erlebter Rede vorstellen, aber vielleicht funktioniert das auch nicht, habe es ja nicht ausprobiert.

Jedenfalls zwei kleine Dinge noch:

Gleich zu Beginn, in der Umkleide, da hat mich etwas gestört, dass ich erst nicht orientiert war. Ich bin einfach gerne orientiert ;-) Ich weiß nicht, ob das so gewollt ist, wahrscheinlich schon, denn du könntest natürlich leicht früher einbauen, dass sie in einer Umkleidekabine ist, was mir tatsächlich besser gefiele, weil ich es noch aussagekräftiger finde, dass sie sich in der engen Umkleidekabine dreht, dass alles, was da gerade in Gesine und zwischen ihr und dem Spiegel passiert, in einem Kaufhaus stattfindet. Das wird mir aber erst klar, als die Verkäuferin sie fragt, ob alles in Ordnung sei, aber dann ist der Moment für mich ja schon vorbei, ich muss das quasi rückwirkend noch einordnen.

Das Ende finde ich super, das Papa wieder alles regelt, aber ganz und gar nicht in ihrem Sinne. Ich hoffe sehr, dass sie einen Weg da raus findet, aber sie wirkt so unglaublich hilflos und ja, auch einfältig, dass sie, glaube ich, keinen Weg heraus sieht. Die Erkenntnis, dass Scham nur ein Gefühl ist, dass man davon nicht stirbt, ist halt am Ende auch eine kognitive Leistung, oder so ...

Ich hoffe, ich war jetzt nicht gemein zu deiner Gesine und habe sie ganz falsch interpretiert und ich hoffe auch, dass du mit meinen wirren Zeilen etwas anfangen kannst und das du verstanden hast, dass ich deine Geschichte gerne gelesen habe (ich denke du weißt wie ich es meine), falls nicht, habe ich es just noch mal explizit geschrieben ;-)

Viele Grüße
Katta

 
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Ich kann das nicht
Grins, liebe @Fliege , hier wäre ich beinahe ausgestiegen, denn das sind so Redewendungen, die mir Menschen extrem unsympatisch machen. Aber a. sind wir ja bei den Wortkriegern und b. bin ich denn doch neugierig ... Und Deine Copy-Vorlage von Peregrina fand ich auch interessant, also lass mal schauen.

Er ist so schön! Spieglein, Spieglein an der Wand, ich drehe mich ein letztes Mal, streife ihn nur ungern vom Körper
Okay, ich sehe schon, das wird schwierig. Dieser "Mädchentyp" war mir schon immer suspekt, ich bin nie dahinter gekommen, wie die ticken, aber vielleicht kann ich ja was lernen ...

Ich weide (mich am?) im Spiegelbild, bis ich satt bin, lasse ein letztes Mal die Fransen fliegen und widme mich anschließend dem Zweiteiler, der wie eine Schuluniform daherkommt, wegen der Karos und dem angedeuteten Röckchen. Mit strenger Mimik hauche ich: »Nein! Denk nicht einmal dran. Ich bin ein anständiges Mädchen«, wackele mit dem Zeigefinger und muss über mich selbst lachen.
Fehlt da etwas durch Umbaumaßnahmen? Hier habe ich an mögliche sexuelle Varianten gedacht, jetzt bin ich doch neugierig, wie Du das angehst.

Mir geht es so gut wie schon lange nicht mehr. Langsam, ganz langsam ziehe ich meine alten Sachen an, nehme die kleinen Schätze und trage sie zur Kasse,
Warum sind die Sachen alt? Sie kauft doch ständig neues?

blau, weiß und kartiert liegen sie vor mir und flehen mich an, sie nicht hier zurückzulassen, sie wollen mit, zu mir!
:Pfeif:
Seltsam, dieses "Haben-müssen-Gen", aber jetzt hast Du mich an der Leine, ich will wissen, wie diese Person tickt und wie es ausgeht.

Ein Gefühl wie Feuerquallen. Ich kenne dieses Gefühl gut. Es brennt und juckt und ekelt mich an.
Ich glaube, für den Vergleich gab es schon häufiger "Blumen", ich schließe mich an. Mich hat es auch die ganze Geschichte über geschüttelt, allerdings hatte ich dazu noch chronisches Kopfschütteln, ich verstehe die Frau einfach nicht. Aber ich folge ihr.

Nagellack und Lippenstift und Lipgloss gehören mir. Mir ganz allein
Hier habe ich überlegt, ob das eine Abweichung, andere Dose, also ein anderes Problem noch zusätzlich zeigen soll. Die Kleider haben ja was mit Minderwertigkeitskomplex, schön sein wollen und sich gönnen zu tun. Dieses "mir, mir ganz allein" ist für mich schon wieder eher viele Geschwister, ewig getragene Sachen, ... Okay, meine Byschiologie-Dingsbums ist ewig her.

Aber Pillen und Tropfen haben keine Magie.
Interessante Sicht (und schön geschrieben)

Sein Tonfall klingt so dominant, so unwiderruflich und ich weiß, dass ich kein Geld bekommen werde. Der Versuch meine Tränen zurückzubehalten scheitert, wie so vieles.
Das ist eine der wenigen reflektierten Stellen. Sonst wirkt sie eher, als sein sie sich Ihres Zustandes/Problems überhaupt nicht bewusst. Ich glaube, das ist mein Problem mit Deiner Prota, auch wenn sie nicht die hellste Kerze auf dem Kranz ist, aber so ab und an mal mehr als stutzen ...

Ich bringe kein weiteres Wort hervor. Die Tüte fest im Blick. Sie soll nicht wieder im Schreibtisch verschwinden. Sie gehört mir. Mir, mir, mir!
okay, sie hat wohl doch mehr als ein Problem. Macht es aber auch schwierig, Ihr zu folgen, also mit Sympathie (oder mir fehlt es doch an Emphatie, möglich)

Wiegand hat sich auch schon verpisst.«
»Er ist weg?«, frage ich.
»Wie ein Furz im Wind hat der sich aufgelöst und jetzt lass mich bitte endlich auf die Schüssel.«
Auch wenn ich Deine Dialoge liebe, hier melde ich mal Zweifel an. Sie weiß doch, das unsere Modeverliebte Protagonistin mit dem Chef bekannt ist, würde sie da wirklich so abwertend über den Chef reden? Ansonsten ist die Zuspitzung super, ich habe echt mit ihr gelitten in der Szene und hier holst Du mich aus dem Tief.

Mir wird schlecht, ich muss mich übergeben. Mit der Hand vor dem Mund springe ich auf und renne zur Toilette
schon erwähnt, solche Mädchen machen mich nervös :-)

Ich heulte und bettelte, bis mein Vater mit mir in die Stadt fuhr, um ein neues zu kaufen. Dazu bekam ich ein Diadem und rosa Nagellack.
»Die schönste Prinzessin von allen«, sagte mein Vater. Mein König.
Siehste, ich war schon immer der Meinung, das dieses Einzelkind-Prinzessinnen-Ding ungesund ist ...

Für sie war und blieb ich: »Gesinelein, fett und klein wie ein Schwein.«
Mein Vater ließ sie einen nach dem anderen verstummen.
Dankeschön, Du gibst meinem Zweifel an solch verkorksten Typen wenigstens eine Krücke, alles hat Ursachen. Gekauft! Und das Moppen ist natürlich echt mies. Nur den Satz mit dem "verstummen" kriege ich nicht sortiert, er tut ihnen ja nichts, eigentlich müssten die sogar nach einem schlimmen Zahnarztbesuch erst recht auf ihr rumhacken, oder?
Okay, mir ist warm, mein Kopf ist schwammig, ignorier ich einfach!

Niemand wird mich sehen. Niemand wird je erfahren, was ich hier tue.
Ja, dieses Wertlegen auf das Fremdbild, das kaufe ich sofort!

Ich fange an zu zittern, höre Atem, lauten, schnellen Atem, der nicht der meine ist.
Gute Version um Bilder in meinem Kopf zu erzeugen, Mist, sogar mit Ton!

Was? Was hat er da gerade gesagt? War es das? Will er mich nicht mehr anschauen? Nein! Das kann er nicht tun! Das kann er mir nicht antun!
Brrr, echt jetzt! Was für ein Kreislauf ...


Ich nicke. Sein Atem, ich kann seinen Atem hören! Es beruhigt mich. Die Feuerquallen brennen mehr als je zuvor.
Ich mag das Feuerquallen Bild, gerade in der Wiederholung. Allerdings kriege ich den Leoparden nicht so damit zusammen, aber ich will es heute wohl gut sortiert, schaue ich morgen noch mal ...

Als ich Bestellung absenden drücke, kehrt Ruhe ein. Süße Leere, in die ich hinein sinke wie in eine Daunenwolke.
Mh, rauskopiert habe ich den Satz, weil mir ein Satz mehr zu dem erneuten Kaufrauschanfall gut gefallen würde. Andererseits, ich habe ja kapiert, was Du mir erzählst, also alles richtig.

Ich brauche Schlaf. Dringend. Ich rufe Manfred an. Es ist zwei Uhr am Morgen. Er kommt.
Okay, ich muss irgendwas überlesen haben, oder? Warum eskaliert das jetzt so?

Als ich zurück in die Wohnung komme, sitzt Manfred da, wo vorher mein Sofa stand.
Das finde ich richtig gut, zeigt wunderbar ihre schwindende Kontrolle. Jetzt tut sie mir dann doch leid, total verfahrene Situation.

Hörst du. Manfred kümmert sich darum. Du kannst wieder zur Arbeit gehen.«
Und irgendwie ist mir das als Auflösung dann sogar zu brav, aber Du hinderst mich ja nicht daran, mir den ersten Arbeitstag vorzustellen.
Also, liebe Fliege, ich habe jetzt ein ziemlich genaues Bild, was Du von mir erwartest, wenn Du sagst, ich soll meinen Protas mal so richtig weh tun. Das hast Du hier sehr gut gemacht.
"Schöne" Copyversion, sorry fürs erst so spät kommentieren, aber so hat man länger etwas davon ...
Liebe Grüße
witch

 
Team-Bossy a.D.
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Liebe Fliege,

anfangs habe ich noch nach Kommatafehlern gesehen, aber irgendwann war mir das egal.
Ich bin sehr begeistert von der Geschichte.
Jungfräulich bin ich ans Lesen, peregrinas Original schnappe ich mir zeitnah.
Du hast mich komplett mitgenommen und den Text auch gekonnt auf die Zeilen verdichtet, dass sie genau die richtige Länge hat. Ich habe zwar noch ein paar wenige Fragen an die Story, aber die sind nicht wirklich relevant für den Fortgang und das Ende.
Die Beziehung zwischen den Beiden hast du sehr gut herausgearbeitet, ein wenig vielleicht hat mir noch die Genugtuung von ihr gefehlt, wenn sie ihr Ziel erreicht hat. Es ging immer nur ums Erfüllen von Manfreds Träumen, jedoch womit sie dann den Stress kompensiert hat wird außer dem Besitz der Dinge nicht klar (oder reicht ihr das schon?)
Klasse finde ich auch den Wechsel der Perspektive von ihr. Erst fühlt sie sich unglaublich attraktiv in den Dessous, die sie sich anfangs kaufen wollte und mit dem Wissen, wer sie damit anschaut, sehr unattraktiv.

Inhaltlich mal abgesehen hast du die ganze Zeit eine konstante Erzählperspektive von ihr durchgehalten, was mich sehr gefesselt hat. Genau, das ist der Ausdruck.
Die Geschichte hat mich einfach von Anfang bis Ende gefesselt. Was will man mehr?

Liebe Grüße
bernadette

 

MRG

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Hi @Fliege,

was für ein Text! Sehr, sehr beeindruckend. Habe gar nicht gemerkt, wie die Zeit vergeht und auf einmal wars dann schon zu Ende. Das spricht dafür, dass mich der Text gut in seinen Bann gezogen hat. Woran lag das? Ich denke, es liegt vor allem an deiner zerrissenen Protagonistin. Auf der einen Seite hasst sie das, was Manfred mit ihr macht und das kommt auch gut raus, aber auf der anderen Seite hat sie diese Kaufsucht und ist irgendwo von ihm abhängig. Dieses Spannungsfeld fand ich hart. Funktioniert hat das für mich vor allem auch dadurch, wie du Manfred dargestellt hast. Ich habe es so gelesen, dass er diese absolute Macht über sie ausüben will und sich daran aufgeilt, dass er sie erniedrigt. Bin erstaunt, wie gut dir das gelungen ist, ich hab nicht einmal gedacht, dass sich das irgendwie konstruiert liest. Ich gehe im Detail auf meinen Leseeindruck ein:

Der blaue Body schmiegt sich perfekt an meinen Körper.
Direkt mit dem ersten Satz leitest du in dein Thema ein. Ich denke es ist sexualisierte Gewalt (habe den Text so gelesen, dass es sich um einen psychischen Missbrauch handelt). Für mich hat das gut funktioniert, ich konnte mir schon mit dem ersten Satz eine erste Erwartung bilden, was da auf mich als Leser zukommen wird.

Der blaue Body schmiegt sich perfekt an meinen Körper. Ich kann nicht aufhören, über die kühle Seide zu streichen, mir im Spiegel dabei zuzuschauen und an den lose hängenden Strapsbändchen zu zuppeln.
Ich finde das eine wichtige Stelle, du zeichnest hier ihre Erotik und das ist dann am Ende auch genau das, worum sich die Geschichte weiterdreht. Sie setzt ihre Erotik dafür ein, dass sie Geld bekommt, um damit ihre Kaufsucht zu befriedigen.

Atemlos. Glücklich. Elegant schlage ich ein Bein über das andere, drücke mich ins Hohlkreuz, ziehe die Schulterblätter zusammen, hebe das Kinn und betrachte mein Profil. Ich weide im Spiegelbild, bis ich satt bin, lasse ein letztes Mal die Fransen fliegen und widme mich anschließend dem Zweiteiler, der wie eine Schuluniform daherkommt, wegen der Karos und dem angedeuteten Röckchen.
Sie ist sich ihrer Anziehungskraft schon bewusst, denke ich. Wenn ich es richtig verstehe, dann ist genau das ihre Quelle ihres Glücks. Sie kauft sich neue Sachen, hat ein High und dann braucht sie neue Sachen. Bin mir bei dieser Interpretation allerdings nicht ganz sicher, denn später kauft sie sich ja den Mantel, den sie dann gar nicht trägt. Da kannst du mich vielleicht noch einmal abholen. Mein jetziges Verständnis sieht so aus, dass es Anfang genau dieses sich selbst betrachten in neuen Klamotten ist, was ihr Glücksgefühle beschert. Je weiter dann aber diese Erniedrigung von Manfred voranschreitet, desto mehr verliert sie die Freude daran. Was ja im Grund paradox ist: Denn sie geht ja auf den Deal ein, um ihren Wunsch nach neuen Sachen nachzugehen. Und am Ende führt dieser Wunsch dazu, dass sie selbst das nicht mehr genießen kann.

Ich spüre seinen Blick auf meiner Haut. Ein Gefühl wie Feuerquallen. Ich kenne dieses Gefühl gut. Es brennt und juckt und ekelt mich an.
Die Feuerquallen sind für mich das erste Anzeichen, auf was das möglicherweise hinauslaufen kann. Ich hatte an dieser Stelle kurz daran gedacht, dass sich der Text um eine Vergewaltigung dreht. Und in gewisser Weise dreht es sich ja wirklich darum, sie wird psychisch missbraucht.

Ich sollte ihm wirklich dankbar sein. Aber Pillen und Tropfen haben keine Magie.
Pillen und Tropfen haben keine Magie, bin mir nicht sicher, wie ich das deuten soll. Ich hatte als erstes den Gedanken, dass sie ziemlich egoistisch ist (vorher sagt ja der Vater, dass sie damit was Gutes tun würde).

Aber in letzter Zeit lief alles ein bisschen verquer.«
Ich bin hier kurz über das Wort "verquer" gestolpert.

»Ja. Äh, nein! Ich will ihn nicht fragen.«
Sehr guter Dialog, liest sich für mich echt und passend zu deiner Prota.

Ich sterbe. Jetzt und hier und auf der Stelle. Mein Herz wummert, gleich explodiert es. Ich höre mein Blut rauschen und spüre das Trommeln, die Paukenschläge in meinem Inneren.
Hier wieder dieses Spannungsfeld, der Konflikt wird hier schon angedeutet und liegt offensichtlich in der Luft. Finde ich interessant gemacht, wie sich das dann nach und nach weiterentfaltet.

Da liegen sie. Blau, weiß, kariert, zusammengeknautscht auf einem Haufen. Ich möchte sie glattstreichen, sie ordentlich hinlegen, sie berühren.
Diese extreme Anziehung liest sich für mich plausibel, weil du das schon am Anfang dargestellt hast, was für eine Wirkung neue Klamotten auf sie haben. Es ist ihre Quelle des Glücks und der Ekstase.

Mir wird schlecht, ich muss mich übergeben. Mit der Hand vor dem Mund springe ich auf und renne zur Toilette. Schließe mich ein, bis meine Kollegin damit droht, die Tür einzutreten, wenn ich sie nicht endlich aufs Klo lasse.
Ich mag, dass du nicht dabei bleibst, dass ihr einfach nur schlecht wird. Nein, sie muss sich wirklich übergeben. Hat bei mir dafür gesorgt, dass ich es nicht als Klischee empfunden haben, das liest sich frisch und das gefällt mir.

»Du kannst dich auf der Toilette umziehen, wenn du möchtest«, sagt Manfred.
Ich atme erleichtert auf.
Diesen Sprung kann ich nicht ganz nachvollziehen. Sie übergibt sich erst, kommt mit diesem Gedanken überhaupt nicht klar und dann auf einmal macht sie es doch? Hier fehlt mir noch ein Übergang, für mich kam das etwas zu plötzlich. Vielleicht übersehe ich hier aber auch etwas?

Der Gedanke an den Bademantel wird fast übermächtig. Ich muss ihn aus meinem Gedächtnis streichen.
Hier wieder diese Zerrissenheit. Ich habe mich gefragt, warum sie das macht. Und ich glaube, dass der Grund an diesem Kick liegt, den sie durch das Shoppen neuer Klamotten bekommt. Sie braucht das, um sich selbst zu fühlen und die Alternative wäre noch schlimmer und deshalb macht sie das mit. Das ist meine Interpretation und es hat für mich als Leser gut funktioniert.

Auf dem Heimweg verliere ich mich in den Schaufenstern. Schuhläden, Boutiquen, Schmuck. Und in meiner Tasche steckt die Einladung für jedes dieser Paradiese hinter Glas. Zweihundert Euro.
Hier wird das dann deutlich und verstärkt meine Interpretation. Hier ist ihre heile Welt, die glitzert und sie kurzfristig glücklich macht.

»Ja, den BH.«
Zitternd suchen meine Hände nach dem Verschluss für meine Rüstung. Noch stehe ich mit dem Rücken zu ihm.
Diese Entwicklung zeichnest du meiner Einschätzung nach sehr gekonnt. Sie wird immer tiefer in den Strudel gezogen, bis es irgendwann zu spät ist.

»Ist es dir peinlich?«
Ich nicke. Sein Atem, ich kann seinen Atem hören! Es beruhigt mich. Die Feuerquallen brennen mehr als je zuvor.
Hier kommt das raus, was ich ganz am Anfang zu Manfred geschrieben habe: Er genießt diese absolute Macht, die er über sie hat. Fand ich hart zu lesen, spricht dafür, wie gut du das hinbekommen hast.

Der korallenrote Mantel; ungetragen, noch nicht einmal ausgepackt. Die Stiefel, die Ohrringe, die Handtasche, die Stromrechnung, das blanke Konto. Ich will, dass die Ameisen stillhalten, verschwinden. Sie sollen abhauen!
Als ich Bestellung absenden drücke, kehrt Ruhe ein. Süße Leere, in die ich hinein sinke wie in eine Daunenwolke.
Hier ist der Mantel, den ich eben angesprochen habe. Jetzt ist er noch nicht einmal ausgepackt und sie hat nichts mehr, was ihr gegen die Ameisen hilft. Ach, die Arme!

Er sucht nach etwas in seiner Tasche, wirft mir vier verschiedene Vibratoren und Gleitcréme vor die Füße.
»Such dir einen aus«, sagt er.
Der Strudel wird immer stärker und sie stürzt immer weiter hinein. Ich musste hier an House of Cards denken und an die Szene mit Frank Underwood und der Journalistin. Kennst du die Szene?

Ich weiß, dass er nicht hinschaut, dass er mein Gesicht fixiert.
Hier kommt wieder diese Macht raus, die er haben will. Manfred hat mich echt an Frank Underwood erinnert. Sehe die Gemeinsamkeit darin, dass sie andere Menschen zerstören, um sich selbst mächtig zu fühlen.

Nur das Bild, wie er auf meinem Sofa sitzt, ist geblieben. Ich werfe eine Decke drüber. Es hilft nicht.
Sie wirft die Decke darüber, Mensch, das ist sehr traurig und plastisch beschrieben. Ich hab Mitgefühl für deine Prota.

Die Pakete, die der Postbote bringt, stapeln sich im Flur. Seit drei Tagen war ich nicht bei der Arbeit, habe mich nicht gemeldet. Mir geht es nicht gut.
Das ist der Rückbezug zum Anfang. Am Ende geht sie genau an dem Gefühl kaputt, was die neuen Klamotten am Anfang in ihr ausgelöst haben. Sie will dieses Gefühl immer wieder, braucht es, um sich gegen ihre Dämonen zu wehren und stürzt immer tiefer in den Strudel rein. Auch brutal, dass der Vater dann am Ende mit Manfred telefoniert und ihr sagt, dass sie wieder arbeiten kann.

Insgesamt eine sehr, sehr gute Geschichte, die mich gepackt hat. Ich lese deine Texte einfach gerne. Wünsche dir einen guten Start in die Woche.

Beste Grüße
MRG

 
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Hey @Katta

und vielen lieben Dank für deinen Kommentar. Ich hab Dir ja schon eine PM geschrieben, aber auch hoch offiziell nochmal sorry, dass ich erst jetzt antworte. Ist wirklich nicht meine Art, aber ja, das Leben und so.

... und trotzdem hakelt was bei mir und ich weiß nicht genau, was es ist.
Auch, wenn das jetzt vielleicht komisch klingt, aber ich kann das total gut verstehen. Klar freue ich mich total, dass die Geschichte für viele gut funktioniert, logisch, aber für mich stellt sich hier auch nicht so das Gefühl ein - mega Fliege, das hast Du super gemacht. Ja, manchmal kann ich das, auch, wenn das natürlich voll unbescheiden ist und so. Hier ist eher so, ja sie funktioniert, aber irgendwas ... aber was? Und ich kann da auch nicht den Finger drauf legen. Vielleicht ist es (für mich) dieses Suchtding. Das ist ein Thema, was mir persönlich so fremd ist, und ja, wahrscheinlich spürt man das. Deine Bedenken gehen ja auch in die Richtung, wenn auch etwas anders gelagert.

Da kommt nie der Gedanke: SCheiße, wie komm ich hier raus? Die vielen Mahnungen machen ihr irgendwie auch nichts aus. Ich denke, ich verstehe, dass sie es natürlich mit dem Suchtverhalten wegmacht, aber ein kurzes Aufblitzen von Angst fehlt mir da irgendwie bzw. fehlt es mir auch wiederum nicht.
Ja, denken Suchtkranke denn so? Reflektieren die wirklich ihr Suchtverhalten? Und wenn ja, wie oft? Wie viele Versuche scheitern (täglich, wöchentlich, haben sie sich schon aufgegeben) und wie lange halten Vorsätze vor? Meistens ja, bis zur nächsten Versuchung, das habe ich durch den Mantel versucht abzubilden. Vielleicht zu wenig, um dieses komplexe Verhalten abzubilden. Wie gesagt, kein Thema, wo ich groß Erfahrungen einbringen könnte. Und um da nicht mit Klischees um mich zu werfen, lass ich das Innenerleben eben einfach weg.

Ich bin nicht sicher, manchmal scheint sie mir eine Erwachsene zu sein (zB wenn sie bestimmte Vergleiche verwendet, um die Situation zu beschreiben) und manchmal eine 12jährige im Körper einer Erwachsenen (zB in der Umkleide am Anfang, oder generell beim Kaufen oder auch beim Onkelchef im Büro).
Okay. Das muss ich jetzt kaufen, aber so habe ich sie eigentlich nicht empfunden oder gedacht. Die Spiegelszene am Anfang, die würde ich Frauen bis ins hohe Alter zuschreiben, sprich, ich seh da keine 12jährige vor mir.

... aber dann würde ich mir die Erwachsene noch etwas reflektierter wünschen, mit ein bisschen mehr Einsicht in die Problemlage.
Verstehe ich. Aber eben genau das sehe ich bei Suchtkranken nicht. Vielleicht ne falsche Denke von mir, mag sein.

Also im Grund wünsche ich mir den Text etwas weniger fokussiert ;-), was ich wirklich noch nie unter eine Geschichte geschrieben habe, ...
Hehe

Aber die Ameisen, die stehen irgendwie mehr für ungemein viele rasende Gedanken, aber Gedanken sind Worte und da würde ich doch schon gerne wissen, was geht ihr denn da genau durch den Kopf.
Alles und nichts. Da kommt jedenfalls kein klarer Gedanke bei rum, den sie packen könnte, an dem sie sich abarbeiten könnte. Da ist nur Chaos. Worte, Halbsätze, die von den nächsten wieder zunichte gemacht werden. Für mich passt das Bild eigentlich ganz gut, wenn jedoch nicht das transportiert, was ich denke, ist schwierig, gebe ich zu.

... vielleicht wäre es an der Stelle dann doch auch mal angebracht, ganz konkret die Gedanken zu benennen? So, sie das denn kann. Da bin ich, wie gesagt, immer noch nicht sicher, wie einsichtsfähig sie ist, nicht nur wegen der Sucht, sondern aus ihrem Wesen heraus, ...
Ich sehe da ja eindeutig die Sucht, die das verhindert, Du eher die Persönlichkeit. Allerdings hat sie durch das Verhalten des Vaters auch nie gelernt, sich selbst kümmern zu müssen, das ist schon ein Punkt, der sie eindeutig schwächt und ja, selbstständig ist sie wirklich nicht.

... weil sie wirkt ja alles in allem wie eine entrückte und pummelige Fee, was als Kind noch so mittelgut funktioniert hat, mit Papa, der da alles regelt (der ja sogar immer noch alles regelt), aber irgendwie ist sie dem halt nicht entwachsen.
Eben. Jetzt verstehe ich, glaub ich, warum sie auf dich zeitweilig wie ein Kind wirkt. Also, ihre Unfähigkeit, sich um eigene Probleme zu kümmern, die ist schon so gedacht und beabsichtigt. Sie hat es halt nie lernen müssen. Da war immer Papa. Da ist immer noch Papa.

... denn du könntest natürlich leicht früher einbauen, dass sie in einer Umkleidekabine ist, was mir tatsächlich besser gefiele, weil ich es noch aussagekräftiger finde, dass sie sich in der engen Umkleidekabine dreht, dass alles, was da gerade in Gesine und zwischen ihr und dem Spiegel passiert, in einem Kaufhaus stattfindet.
Ja, das sollte kein Problem sein.

Das Ende finde ich super, das Papa wieder alles regelt, aber ganz und gar nicht in ihrem Sinne. Ich hoffe sehr, dass sie einen Weg da raus findet, aber sie wirkt so unglaublich hilflos und ja, auch einfältig, dass sie, glaube ich, keinen Weg heraus sieht.
Sie muss erst ganz unten ankommen, so dass auch Papa begreift, dass die Ausreden nicht mehr glaubhaft sind, dann vielleicht ...

Ich hoffe, ich war jetzt nicht gemein zu deiner Gesine und habe sie ganz falsch interpretiert und ich hoffe auch, dass du mit meinen wirren Zeilen etwas anfangen kannst ...
Doch, klar. Allerdings ist meine Motivation mich hier weiter in die Textarbeit zu begeben gerade nicht so hoch. Neue Projekte sind mir gerade näher und wichtiger. So Kleinzeug wie - Achtung! wir sind in einer Kabine - klar, gerne, aber so grundsätzliche Dinge eher nicht. Ich lebe auch ganz gut damit, wie sie da jetzt steht.

Nochmal Danke, Danke, Danke!


Liebe @greenwitch

... hier wäre ich beinahe ausgestiegen, denn das sind so Redewendungen, die mir Menschen extrem unsympatisch machen.
Das ist echt früh :D

Fliege: Ich weide (mich am?) im Spiegelbild, bis ich satt bin, ...
Fehlt da etwas durch Umbaumaßnahmen? Hier habe ich an mögliche sexuelle Varianten gedacht, jetzt bin ich doch neugierig, wie Du das angehst.
Ja, korrekt ist anders, aber ich mags :D

Warum sind die Sachen alt? Sie kauft doch ständig neues?
Gehört zum Suchtbild. Sie kauft, aber sie braucht das zeug ja nicht, deshalb packt sie es zu Hause auch nicht aus oder trägt die Sachen. Nur der Flash beim Kaufen zählt.

Seltsam, dieses "Haben-müssen-Gen", aber jetzt hast Du mich an der Leine, ich will wissen, wie diese Person tickt und wie es ausgeht.
Da bin ich aber doch froh.

Das ist eine der wenigen reflektierten Stellen. Sonst wirkt sie eher, als sein sie sich Ihres Zustandes/Problems überhaupt nicht bewusst. Ich glaube, das ist mein Problem mit Deiner Prota, auch wenn sie nicht die hellste Kerze auf dem Kranz ist, aber so ab und an mal mehr als stutzen ...
Das geht ja in die Richtung von @Katta - mh, ich weiß echt nicht, wo da die Grenze zwischen zu viel und zu wenig ist, halt immer schwierig, wenn man über Themen schreibt, von dem man eigentlich keine Ahnung hat. Wenn sie sich ihrer Probleme mehr bewusst wäre, dann wäre sie ja auch näher an der Lösung, ist sie aber nicht, sie zieht sich aus, sie prostituiert sich, sie ist ganz weit weg von Reflektion, für sie zählt bis hierhin nur die Befriedigung der Sucht. Mag sein, ich liege damit falsch. Kann gut sein.

okay, sie hat wohl doch mehr als ein Problem. Macht es aber auch schwierig, Ihr zu folgen, also mit Sympathie (oder mir fehlt es doch an Emphatie, möglich)
Mit Dir ist alles gut :D

Auch wenn ich Deine Dialoge liebe, hier melde ich mal Zweifel an. Sie weiß doch, das unsere Modeverliebte Protagonistin mit dem Chef bekannt ist, würde sie da wirklich so abwertend über den Chef reden? Ansonsten ist die Zuspitzung super, ich habe echt mit ihr gelitten in der Szene und hier holst Du mich aus dem Tief.
Ach doch, glaub das geht sich aus, wenn die beiden auch vorher gut über den Chef lästern können, Onkel hin oder her. Und man lästert immer über den Chef, das liegt in der Natur der Sache.

Nur den Satz mit dem "verstummen" kriege ich nicht sortiert, er tut ihnen ja nichts, eigentlich müssten die sogar nach einem schlimmen Zahnarztbesuch erst recht auf ihr rumhacken, oder?
Aber so ein Zahnarzt kann einem auch sehr, sehr weh tun, wenn ihm Dinge zu Ohren kommen ... So jedenfalls gedacht.

Gute Version um Bilder in meinem Kopf zu erzeugen, Mist, sogar mit Ton!
Danke für die Blumen!

Brrr, echt jetzt! Was für ein Kreislauf ...
Ich steh einfach total auf so Lesemitschnitte!

Okay, ich muss irgendwas überlesen haben, oder? Warum eskaliert das jetzt so?
Ja, vielleicht sind die Schritte zu dicht, aber die Sucht steigt, sie braucht innerhalb kürzerer Zeit ihre Dosis, sie überschreitet immer mehr Grenzen ... Soll halt als folge der Steigerung sein. Dir ging es zu schnell, muss ich kaufen.

Das finde ich richtig gut, zeigt wunderbar ihre schwindende Kontrolle. Jetzt tut sie mir dann doch leid, total verfahrene Situation.
Was für ein hin und her in deinem Kopf. Voll die Arbeit beim Lesen :). Aber weißt, ich finde das eigentlich richtig gut.

Und irgendwie ist mir das als Auflösung dann sogar zu brav, aber Du hinderst mich ja nicht daran, mir den ersten Arbeitstag vorzustellen.
Was??? Das ist doch so mies wie nur irgendwas. Sie will da nicht mehr hin, sie versucht einen Ausweg zu finden und durch die Notlüge versteht Papa natürlich das Problem nicht, löst es auf seine Art und sie ist eigentlich keinen Schritt weiter. Jetzt muss sie eine Entscheidung treffen. Ganz allein. Wahrheit und weiter im Sumpf, den sie nicht mehr aushält, wo der Punkt gekommen ist, an dem sie nicht weiter gehen kann. Also, ich finde das Ende toll :D. Sie muss sich irgendwie mit ihrem Problem beschäftigen. Muss, muss, muss! Wie auch immer sie entscheiden wird.

... sorry fürs erst so spät kommentieren, aber so hat man länger etwas davon ...
Alles gut! Stehe ja auch ganz tief in deiner Schuld mit meiner Antwort. Nochmal Entschuldigung an dieser Stelle. Und mega Dank für deinen Kommentar!


Liebe @bernadette

das war ja eine große Überraschung! Was hab ich mich gefreut. Und wenn ich seh, Komm von dir, dann denke ich auch immer gleich an eine Detailliste - aber diesmal blieb sie aus und das freut mich tatsächlich sehr, weil Du so schön am Lesen warst.
Entschuldige bitte auch die späte Antwort, ich war am Reisen und daher nicht wirklich online. Habe mich mal dem analogen Leben hingegeben und das war in der Tat sehr schön.

Ich bin sehr begeistert von der Geschichte.
Ich selbst hadere ja so bisschen mit mir, von daher ist so ein Satz natürlich ein Streicheln für die Seele. Wenn der Text für Leser funktioniert, dann kann das so falsch alles nicht sein.

Ich habe zwar noch ein paar wenige Fragen an die Story, aber die sind nicht wirklich relevant für den Fortgang und das Ende.
Siehste - hab ich es doch gewusst. Aber wenn sie nicht relevant für den Verlauf sind, weiß nicht, ob ich die dann haben will. Im Augenblick eher nicht :D.

Die Beziehung zwischen den Beiden hast du sehr gut herausgearbeitet, ein wenig vielleicht hat mir noch die Genugtuung von ihr gefehlt, wenn sie ihr Ziel erreicht hat.
Da habe ich doch schon ... also noch mehr Kohlen. Mal gucken, ob ich mich dem noch mal annehme. Irgendwie bin ich mit dem Text durch.

Es ging immer nur ums Erfüllen von Manfreds Träumen, jedoch womit sie dann den Stress kompensiert hat wird außer dem Besitz der Dinge nicht klar (oder reicht ihr das schon?)
Sie kann ihre Sucht befriedigen. Das ist dann aber doch wichtig, dieses Suchtding, mal gucken. Vielleicht doch irgendwann.

Klasse finde ich auch den Wechsel der Perspektive von ihr. Erst fühlt sie sich unglaublich attraktiv in den Dessous, die sie sich anfangs kaufen wollte und mit dem Wissen, wer sie damit anschaut, sehr unattraktiv.
Ja, so ändern sich Dinge ... Manchmal.

Die Geschichte hat mich einfach von Anfang bis Ende gefesselt. Was will man mehr?
:kuss:

Habe ganz vielen, lieben Dank! So schön.


Hey @MRG

auch Dir vielen lieben Dank für deine Zeit, deine Zeilen und Gedanken. Und dann fängt der Komm auch noch so schön an:

was für ein Text! Sehr, sehr beeindruckend. Habe gar nicht gemerkt, wie die Zeit vergeht und auf einmal wars dann schon zu Ende.
Das liest sich natürlich extrem gut.

Ich denke, es liegt vor allem an deiner zerrissenen Protagonistin. Auf der einen Seite hasst sie das, was Manfred mit ihr macht und das kommt auch gut raus, aber auf der anderen Seite hat sie diese Kaufsucht und ist irgendwo von ihm abhängig. Dieses Spannungsfeld fand ich hart.
Gut, wenn das rauskommt und auch funktioniert. Klar, darauf baut der ganze Text auf.

Ich habe es so gelesen, dass er diese absolute Macht über sie ausüben will und sich daran aufgeilt, dass er sie erniedrigt. Bin erstaunt, wie gut dir das gelungen ist, ich hab nicht einmal gedacht, dass sich das irgendwie konstruiert liest.
Da musste ich echt schmunzeln. Lesen ja alle die Macht in Manfreds Verhalten und am Ende läuft das natürich auch darauf hinaus. Ich hatte das Motiv beim Schreiben aber gar nicht so auf dem Schirm, ich habe ihm einfach die Perversion unterstellt, dass ihn Scham aufgeilt, keine Ahnung, ob es sowas überhaupt gibt, aber gibt ja kaum was in diesem Bereich, was es nicht gibt, insofern war das für mich nicht wirklich die Frage, die mir Bedenken bereitet hätte. Aber die Antwort auf die Frage, warum die Leser hier v.a. auf die Macht fokussiert sind. Ich wollt v.a. eine Antwort auf die Frage, warum Manfred nicht zu einer Professionellen geht, wäre ja billiger, aber das ginge für ihn nicht. Die schämen sich ja eher nicht. Er braucht also genau so eine wie Gesine und damit stehen die in einem schönen Abhängigkeitsverhältnis zueinander. Vielleicht war es genau der Ansatz von mir, der mich vor dem "konstruiert" bewahrt hat.

Ich gehe im Detail auf meinen Leseeindruck ein:
Danke auch dafür!

Direkt mit dem ersten Satz leitest du in dein Thema ein. Ich denke es ist sexualisierte Gewalt (habe den Text so gelesen, dass es sich um einen psychischen Missbrauch handelt). Für mich hat das gut funktioniert, ich konnte mir schon mit dem ersten Satz eine erste Erwartung bilden, was da auf mich als Leser zukommen wird.
Erster Satz und Thema scheint gerade voll wichtig zu sein, wenn ich die Kommentare im Forum lese. Beabsichtigt war das nicht wirklich. Eher Zufall.

Ich finde das eine wichtige Stelle, du zeichnest hier ihre Erotik und das ist dann am Ende auch genau das, worum sich die Geschichte weiterdreht. Sie setzt ihre Erotik dafür ein, dass sie Geld bekommt, um damit ihre Kaufsucht zu befriedigen.
Jipp. Obwohl Erotik? Eher ihren Körper. Weiß nicht, ob sie die "Modenschauen" für sich erotisch empfindet. Denke eher nicht.

Wenn ich es richtig verstehe, dann ist genau das ihre Quelle ihres Glücks. Sie kauft sich neue Sachen, hat ein High und dann braucht sie neue Sachen. Bin mir bei dieser Interpretation allerdings nicht ganz sicher, denn später kauft sie sich ja den Mantel, den sie dann gar nicht trägt.
Absolut. Und mit dem Mantel ist eben auch so. Es geht nur um den Kick des Kaufens, nicht um den Besitz der Dinge. Nach dem Kauf sind sie eigentlich wertlos.

Pillen und Tropfen haben keine Magie, bin mir nicht sicher, wie ich das deuten soll. Ich hatte als erstes den Gedanken, dass sie ziemlich egoistisch ist (vorher sagt ja der Vater, dass sie damit was Gutes tun würde).
Sie braucht "Mädchendinge" um ihre Sucht zu befriedigen. Schmuck, Klamotten, Schminke, Taschen ... das verschafft ihr Befriedigung. Pillen und Tropfen sind derart unsexy für Gesine, die tun ja nix für sie, daher haben sie auch keine Magie für sie.

Ich bin hier kurz über das Wort "verquer" gestolpert.
Oh, aber ich mag das gern. Das bleibt wohl.

Ich mag, dass du nicht dabei bleibst, dass ihr einfach nur schlecht wird. Nein, sie muss sich wirklich übergeben. Hat bei mir dafür gesorgt, dass ich es nicht als Klischee empfunden haben, das liest sich frisch und das gefällt mir.
Hehe, darüber habe ich echt noch nie nachgedacht oder wäre mir mal in einem Text aufgefallen. So unterschiedlich, wie wir Texte beurteilen. Immer wieder schön zu erfahren.

Diesen Sprung kann ich nicht ganz nachvollziehen. Sie übergibt sich erst, kommt mit diesem Gedanken überhaupt nicht klar und dann auf einmal macht sie es doch? Hier fehlt mir noch ein Übergang, für mich kam das etwas zu plötzlich. Vielleicht übersehe ich hier aber auch etwas?
Muss ich noch mal draufgucken.

Hier wieder diese Zerrissenheit. Ich habe mich gefragt, warum sie das macht. Und ich glaube, dass der Grund an diesem Kick liegt, den sie durch das Shoppen neuer Klamotten bekommt. Sie braucht das, um sich selbst zu fühlen und die Alternative wäre noch schlimmer und deshalb macht sie das mit. Das ist meine Interpretation und es hat für mich als Leser gut funktioniert.
Ja. Das ist doch alles sehr fein, wie der Text auf dich wirkt. Für mich macht der Text in dieser Hinsicht einen guten Job.

Hier ist der Mantel, den ich eben angesprochen habe. Jetzt ist er noch nicht einmal ausgepackt und sie hat nichts mehr, was ihr gegen die Ameisen hilft. Ach, die Arme!
Ja, Sucht ist echt fies. Und es wird nicht besser.

Der Strudel wird immer stärker und sie stürzt immer weiter hinein. Ich musste hier an House of Cards denken und an die Szene mit Frank Underwood und der Journalistin. Kennst du die Szene?
In Sachen Film bin ich ganz schlecht. Also nein, kenne ich nicht.

Sie wirft die Decke darüber, Mensch, das ist sehr traurig und plastisch beschrieben. Ich hab Mitgefühl für deine Prota.
Das freut mich total zu lesen.

Das ist der Rückbezug zum Anfang. Am Ende geht sie genau an dem Gefühl kaputt, was die neuen Klamotten am Anfang in ihr ausgelöst haben. Sie will dieses Gefühl immer wieder, braucht es, um sich gegen ihre Dämonen zu wehren und stürzt immer tiefer in den Strudel rein. Auch brutal, dass der Vater dann am Ende mit Manfred telefoniert und ihr sagt, dass sie wieder arbeiten kann.
Das ist voll der schöne Kommentar. Du bist der perfekte Leser für die Geschichte!

Ich lese deine Texte einfach gerne.
Mega! Danke für die Blumen. Stelle ich mir gleich in die Vase und gebe mit an :)


Danke nochmals! Ich habe mich total gefreut.
Liebe Grüße und ich wünsche Euch allen einen schönen Sommeraugust!

Fliege

 

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