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Ihr Name war Emma

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23.02.2026
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Ihr Name war Emma

Ich habe in den letzten zehn Jahren an etlichen Schauplätzen mit mir selbst gekämpft. Habe dabei Schlachten gewonnen und Kriege verloren. War mal Krieger mal Narr. Habe lange im Schatten gelebt. Doch am Ende siegt immer das Licht. Egal wie dunkel es um dich herum ist. Mit einem Licht an deiner Seite kommst du durch die Nacht. Licht ist immer da. Wir sehen es nur manchmal nicht.

Über Jahre hinweg hab ich eine schizophrene Ader entwickelt, während ich mich auf Reisen begeben habe dieses Licht zu finden. Stets die Hoffnung etwas oder jemandem zu begegnen, der es in sich trägt. Ein Mensch, der mir zeigen kann wie man leuchtet. Doch waren sämtliche Reisen eine Odyssee in die Irre gewesen. Während ich im Wechselschritt Mal Gott und Mal dem Teufel buchstäblich an den Versen hing. Ich habe Antworten erfahren und Gespräche geführt, die einem normalen Verstand im Leben verborgen bleiben. In meinen Hochphasen habe ich das Göttliche auf Erden in den Augen der Menschen gesehen und das Erblinden in der Hölle erlebt. Doch bis dahin kein Licht.

Als ich nach mehreren Jahren im Stil des Alchimisten wieder am Ursprung meiner Reise ankam, landete ich nach geraumer Zeit in einem Krankenhaus. Nicht als Patient sondern als Mitarbeiter. Um genauer zu sein, war ich dafür verantwortlich, die Patienten zu den Untersuchungen zu bringen und sie wieder abzuholen. Ich arbeitete in einem Team. Hauptsächlich Männer aber auch ein paar Frauen. Eine Mitarbeiterin war umgeben von einer ganz besonderen Aura. Diese sollte ich in den nächsten Jahren kennenlernen.

Ihr Name war Emma.

Eine junge Asiatin, die ihr Herz auf der Zunge trägt. Deren gute Laune das Krankenhaus erhellt und die für jeden ein offenes Ohr hat. Dieses Mädchen brachte mir bei, wie ich mein inneres Licht entfachen kann. Doch um das genauer zu erklären, müssen wir einen Sprung in die nähere Vergangenheit machen.

Es war ein üblicher Arbeitsmontag. Ich hatte einen starken mentalen Schub, da ich meine Anti-Depressiva nicht eingenommen hatte. Die Folgen daraus waren unangenehm. Mein Verstand konnte keinen klaren Gedanken fassen. Mich auf eine Sache zu fokussieren war eine Unmöglichkeit. Wir saßen zum Dienstbeginn im Aufenthaltsraum und Emma war mir zugeteilt als Partnerin.

Das Telefon klingelte und der erste Auftrag kam herein. Ein Patient musste mit dem Bett in das CT gebracht werden. Ich notierte die Daten, trank meinen Kaffee aus und Emma checkte noch eben ihre Emails. Anschließend nickte ich ihr zu und wir gingen los. Auf dem langen Korridor des Krankenhauses herrschte ein ruhiges Treiben. Um diese Zeit sind hauptsächlich nur die Schwestern und Pfleger auf den Gängen zu sehen. Emma ist eine Frohnatur. Sie redete auch schon fleißig. Man muss an der Stelle erwähnen, dass es fast unmöglich ist bei Emma zu Wort zu kommen, wenn sie nicht gerade eine ihrer Fragen stellt. Und Emma stellt viele Fragen. Was denkst du gerade? Was meinst du, ist die Rolle der Frau in der modernen Familie? Kennst du schon die neue Klasse in Baldur‘s Gate 3? Ist nur ein Auszug aus ihrem Repertoire an Fragen. Sie erzählte also, vom Judo, wie man seine Gegner richtig wirft und was das besondere an asiatischen Kampfkünsten ist. Während sie von ihren Abenteuern sprach, bemerkte ich, wie sich in meinem Kopf eine dunkle Gedankenwolke anbahnte. Ich wusste genau: Das wird ein Schub. Solche Schübe sehen in der Regel so aus, dass ich langsam beginne Wahrheit und Fiktion nicht mehr voneinander trennen zu können.

Wir fuhren also unseren ersten Patienten in das CT und im weiteren Verlauf des Tages stiegen Emma‘s Erzähldrang und mein Realitätsverlust Hand in Hand bergauf. Ich weiß nicht mehr genau wann es war aber es gab diesen einen Moment, als Emma mich lächelnd fragte, was los sei. Ich sähe so niedergeschlagen aus. Ab diesem Moment war ich, paranoid wie ich bei einem Schub bin, überzeugt davon, dass Emma der personifizierte Teufel sein muss. Der mich mit seinem schelmischen Lächeln verspottet. Der mir bewusst Fragen stellt, die mich wie Nadelstiche treffen und der meine Hilflosigkeit genießt. Und Er, der Teufel, weiß, dass er mir überlegen ist, weil er meine Antworten schon kennt und mir nur Fragen stellt, um mich zu lehren, dass ich falsch liege. Mir Fragen stellt, um mich in Widersprüche zu verknüpfen. Um mich bloßzustellen. Auf diese Kampfansage wollte ich kontern. Scheiterte aber. Ihr Lächeln, der Frieden den sie ausstrahlte, blockte meine verbalen Attacken gegen sie einfach ab. Es schien fast, als würde sie garnicht realisieren, dass ich gerade versuchte, sie auf meine dunkle Seite zu zerren. So dass sie verstünde, welche emotionale Talfahrt ich gerade durchmachte. Sie lächelte. Und erzählte weiter.

Die nächsten Tage verliefen gleich. Jeglicher Versuch ihr Lächeln zu zerschlagen, um ihr vermeintlich die Augen zu öffnen, schlug fehl. Vergebens war die Mühe, ihr zu erklären, dass das Leben nunmal kein Ponyhof sei. Sie nahm sich meiner Probleme an wie immer. Mit einem Lächeln.

Es sollte die gesamte Woche dauern, bis ich schließlich kapitulierte. Ich realisierte, dass nicht ich ihr die Augen öffnete, sondern sie mir. Nicht sie war es, deren Realität verzerrt war. Die eine heile Scheinblase ihre Welt nannte. Sondern ich war das Problem. Meine Welt war ein dunkles Verlies, in das ich mich zurückgezogen hatte. In dem nichts und niemand einen Platz finden konnte. Schon gar kein Licht.

Durch Emma habe ich gelernt was Licht ist und wie du es in dir erleuchten kannst.

Die Formel ist so einfach wie genial. Versuche positiv zu sein. Denke optimistisch. Selbst wenn die Aussichten noch so düster sind. Nutze Worte, die für etwas sprechen anstatt dagegen. Und wenn du das Gefühl hast, das Licht blendet dich jetzt zu sehr, dann wechsel für eine Zeit die Seiten. Spiel für das andere Team. Setz dich im Schatten ab. Wer zu lange in der Sonne steht bekommt einen Sonnenbrand. Es sei denn, man heißt Emma und ist Asiatin. Der passiert das nicht. Aber wir normal Sterblichen müssen ab und an auch mal im Schatten parken, um ein bisschen abzukühlen. Aber vergiss nicht daraus wieder herauszutreten bevor du unterkühlst. Balance ist das Gleichgewicht des Lebens.

 

Willkommen @Sam O. bei uns Wortkriegern,

vorweg noch ein kleiner Hinweis: Sicherlich hast du dich schon etwas hier umgeguckt und gemerkt, dass wir keine reine Leseseite sind, immerhin steht ja auch in deinem Profil, dass du gerne Feedback zu deinen Geschichten haben möchtest.
Genau darum geht es hier. Wir geben uns gegenseitiges Feedback und da kann sich jeder einbringen, der Geschichten schreibt, denn bevor man einen Text aufsetzt, macht man sich ja Gedanken darüber, was eine gute Geschichte ausmacht.
Du hast hier gleich zwei Geschichten reingesetzt, was mich schon ein wenig überrascht, denn du wirst deine Zeit schon für eine Geschichte benötigen, um sie zu verbessern und ausserdem wirst du ja sicherlich auch anderen etwas durch deine Feedbacks zurückgeben wollen.

Und nun geht's los:
Ich finde deine Geschichte hat Potential. Sie ist jedoch, so wie sie da jetzt steht, noch ziemlich im Rohbau.
Und das hat mit der Gewichtung zu tun.
Mir gefällt die Idee, zu beschreiben, wie jemand, der völlig charakterlich anders gestrickt ist, einen anderen Menschen quasi mitreißen kann in eine verbesserte Version seiner selbst. Das ist ein angenehmer Grundgedanke in deiner Geschichte.

Und da dies für mich der wichtige Kern deiner Aussage ist, solltest du dem Protagonisten und seiner quasi Gegenspielerin deutlich mehr Raum geben.
Mir fehlt mehr Innenleben deines Protagonisten. Was fühlt er, wenn diese Emma alles weglächelt, was denkt er und was genau tut Emma? In diesen Punkten würde ich mich weiter ausbreiten und das zeigen, mir Leser also die Bilder zeigen und die Gedanken schildern.

In deiner Geschichte wird ganz viel einfach nur im Rückblick zusammengefasst und dem Leser wie ein dickes Paket vor die Tür geschoben. Aber als Leser würde ich gerne zusammen mit den Figuren in das Paket reingucken wollen.
Sei also deutlich detaillreicher, um den Vorgang zu schildern, wie es Emma gelingt, den Protagonisten zu verwandeln.
In deinen Schilderungen ist Emma eigentlich nur diejenige, die lächelt. Sollte das so bei dem Leser ankommen oder mogelst du dich um das genauere Aufzeigen herum? Hat sie nur das getan und damit den Protagonisten überzeugt? Oder hatte sie auch verbale Argumente?Ich würde diese interessante Frau gerne besser kennenlernen wollen.

Dann bereitest du die Geschichte recht umständlich vor, in dem du eine Art Vorspann schreibst und obendrein eine Art Nachspann. So hat man um 1900 geschrieben, aber heute macht man das nicht mehr und du verlierst garantiert auch einige Leser gleich am Anfang, weil die sich fragen, was jetzt die ganzen Ausführungen sollen und sie werden dir am Ende aussteigen, weil ja die Geschichte auserzählt ist und nur noch der resümierende Nachspann kommt.
Ich würde diese beiden Teile restlos streichen, weil die Geschichte auch ohne sie lässig auskommt.

So und nun komme ich zu dem, was mir innerhalb des Textes aufgefallen ist.

Zunächst, ich habe mir die Zeit dafür nicht genommen, ist anzumerken, dass du jede Menge Kommas nicht gesetzt hast. Ich lasse dir symbolisch ein ganzes Kilo Kommas da, bitte geh selbst nochmals genauer drüber, nutze Schreibprogramme, den Duden, du weißt schon.

Es war ein üblicher Arbeitsmontag. Ich hatte einen starken mentalen Schub, da ich meine Anti-Depressiva nicht eingenommen hatte.
Exakt hier wäre für mich der Anfangssatz. Alles, was du vorher geschrieben hast, ist komplett überflüssig.
. Auf dem langen Korridor des Krankenhauses herrschte ein ruhiges Treiben.
Ruhiges Treiben? Das Wort "Treiben" ist für mich ein Begriff von Aktion, Bewegung, Mobilität und somit passt es nicht in Kombination mit "ruhig". Würde ich ändern.
Emma ist eine Frohnatur.
Das behauptest du. Und damit zwingst du den Leser in eine Situation, die er nicht möchte, du übrigens auch nicht. Du befiehlst mir sozusagen, es entweder zu glauben und dann ist es Fakt oder ich lasse es mir nicht befehlen und suche dann innerhalb der Geschichte laufend nach Beweisen, dass deine Behauptung stimmt. So entsteht aber zwischen dir als Autor und mir als Leserin ein recht kritisches Verhältnis.
Das kannst du umgehen, indem du es nicht einfach behauptest, dass Emma eine Frohnatur ist, sondern indem du mir lauter Bilder beschreibst, woran ich das erkennen kann.
was das besondere an
das Besondere
Ich wusste genau: Das wird ein Schub.
Ab hier erfährt der Leser, dass es ein Schub wird, oben beim Beginn der Geschichte, also wo sie aus meiner Sicht überhaupt erst beginnt, kündigst du ihn bereits so an, als steckte der Protagonist schon in einem Schub. Ich würde ihn da am Anfang vielleicht noch gar nicht erwähnen, sondern es wirklich erst hier zeigen.
Das Vorwegnehmen von Geschehnissen ist leider ein häufiger Anfängerfehler, haben wir also alle schon mal gemacht.
Aber stell dir mal vor, du wüsstest z.B. bei einem Märchen bereits am Anfang das, was am Ende passiert.

Auf diese Kampfansage wollte ich kontern. Scheiterte aber.
Auch hier schreibst du narrativ. Deine Leser möchten aber genauer wissen, was für eine Kampfansage das gewesen ist und wie der Protagonist scheiterte. Die beiden Sätze sind nur Behauptungen, sie mögen stimmen, aber das möchte ich als Leser selbst erkennen und nicht vorgeschrieben bekommen. Ich hoffe, du verstehst, was ich zu bemängeln habe.
Vergebens war die Mühe, ihr zu erklären, dass das Leben nunmal kein Ponyhof sei.
Will ein Leser das lesen? Es ist so ein ausgelutschter Satz, der zudem, als er das erste Mal aufkam, noch nicht einmal gut war. Erfinde eine neue Formulierung, wie dein Protagonist der Emma klarmacht, dass das Leben hart ist und bitter.
. Sie nahm sich meiner Probleme an wie immer.
Wie muss ich mir das vorstellen? Wie nimmt sich jemand der Probleme anderer an? Behaupte es nicht einfach, schildere es im Detail. Sind es tröstende Worte, erklärende gar oder sind es Lebensweisheiten, ein liebevolles Streicheln über die Wange, den Kopf, ist es Mut zusprechen, mit welchen Worten? Du hast unendlich viele Möglichkeiten, deine Version als Autor zu erschaffen, wie so ein Verhalten aussieht.
Durch Emma habe ich gelernt was Licht ist und wie du es in dir erleuchten kannst.
Ein salbungsvoller Satz, der bereits komisch wirkt, weil er in seinem Fazit, obwohl sicherlich richtig, so abgehoben wirkt. Für meinen Geschmack wirkt er sogar peinlich kitschig. Bitte streichen.
Die Formel ist so einfach wie genial. Versuche positiv zu sein. Denke optimistisch. Selbst wenn die Aussichten noch so düster sind. Nutze Worte, die für etwas sprechen anstatt dagegen. Und wenn du das Gefühl hast, das Licht blendet dich jetzt zu sehr, dann wechsel für eine Zeit die Seiten. Spiel für das andere Team. Setz dich im Schatten ab. Wer zu lange in der Sonne steht bekommt einen Sonnenbrand. Es sei denn, man heißt Emma und ist Asiatin. Der passiert das nicht. Aber wir normal Sterblichen müssen ab und an auch mal im Schatten parken, um ein bisschen abzukühlen. Aber vergiss nicht daraus wieder herauszutreten bevor du unterkühlst. Balance ist das Gleichgewicht des Lebens.
Sicherlich wirst du dir bereits denken können, weshalb ich diesen Absatz zitiert habe. Er kann komplett verschwinden und gelöscht werden, er ist überflüssig. Die Geschichte ist schon längst zu Ende, wer will das jetzt noch lesen? Entweder habe ich Leser bereits diese Erkenntnisse, die du da noch aufzeigst, bereits durch deine Geschichte selbst erworben oder aber ich konnte es nicht, warum auch immer. Dann würdest du mich an dieser Stelle auch nicht vom Gegenteil überzeugen können.

Ich hoffe, ich habe dich mit meiner Kritik nicht restlos entmutigt, an dieser Geschichte noch intensiv zu arbeiten. Es gibt dazu übrigens den Bearbeitungsbutton unten links.
Viel Erfolg!

Lieben Gruß

lakita

 

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