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Im Schatten des Berges

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Im Schatten des Berges

Originaltitel : The Mountain Shadow
Autor: Gregory David Roberts
Herausgeber : Goldmann Verlag (16. Juli 2018)
Sprache : Deutsch
Taschenbuch : 992 Seiten
ISBN-10 : 3442487668
ISBN-13 : 978-3442487660

Ich habe das Buch der Vollständigkeit halber gekauft und gelesen, weil ich zuvor schon Shantaram kannte. Nunmehr erscheint es mir, als hätte Roberts den ohnehin zu lang geratenen Erstband mit dem Nudelholz auf zweitausend Seiten ausgewalzt.
Mich hat schon Shantaram nicht von den Socken gerissen, ab der Mitte erschien mir die Lektüre wie die Abenteuer Old Shatterhands in Bombay und Afghanistan, nur, dass Karl May literarisch mehr drauf hatte als Roberts.
Aber den Vogel abgeschossen hat der gute Lin, wie ihn seine indischen Freunde nennen, erst so richtig mit dem Nachfolgeband. Hier reiht sich ein Joint an den nächsten, eine Plattheit an die andere, eine kitschige Formulierung an die nächste, ein pseudophilosphischer Quatsch an den anderen. Es gibt kein Klischee, kein Stereotyp, in das er nicht hineintappt. Vollgestopft mit Adjektiven und Adverbien, redundant, vorhersehbar, dialoglastig bis zum Geht-nicht-mehr. Der skurrile Mord an seiner Freundin Lisa und die seltsame Wandlung eines ihrer Mörder, quasi vom Saulus zum Paulus, dazu die geradezu abstrake Liebesgeschichte mit seiner götzenhaft angebeteten Karla, die bereits in Shantaram beginnt, um letztendlich, nach rund 2000 Seiten, endlich ihr Finale zu erreichen. Und dann noch die pathologische Beziehung zu seinem Motorrad, die er offenbar erst in den rund acht Jahren bis zur Fertigstellung des Fortsetzungsromans entwickelte.
Was ist dir da eingefallen, Shantaram? Was muss man einnehmen, um einen derartigen Schmonzes zu produzieren? Oder, in Richtung Goldmann, so etwas zu verlegen?
2000 Seiten "Handlung", angesiedelt rund ums berühmte Cafe Leopolds, mitten in Colaba, gespickt mit fiktiven Mafiaklans, Bandenkriegen, Anschlägen, Morden und Bränden, die es dort nie gab. Das alles auf einem Schauplatz, der nicht größer ist, als ein paar Dutzend Fußballplätze. Ich kenne das Colaba der 80er in- und auswendig. Shantaram, der Friedvolle, was für ein Wortwitz, ist mir leider nirgendwo begegnet, auch nicht im Leopolds, in dem ich damals Stammgast war.
Ich kann meinen Lesefrust nicht verbergen, hab mich rund 1000 Seiten lang durch deinen Bergschatten gequält. BITTE, schreib keinen dritten Teil!
Du kannst nur noch mehr verlieren, als du ohnehin schon verloren hast. - Yaar!

 

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