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  • Macht bis zum 15.08.2020 mit bei der ersten jährlichen Sommer-Challenge für Kindergeschichten: Zielgruppe Krümel.

In diesem Lichte besehen

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13.04.2020
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Anmerkungen zum Text
Leider gab es diesen Text schon, als ich erfuhr, dass in KGs keine Perspektiven gewechselt werden. Aber Meinungen über den Text würden mich doch interessieren.

In diesem Lichte besehen

Ein Schwarm Stare, hunderte Vögel. Sie wogen hin und her und auf und ab, einem geheimen Befehl folgend. Ihr Flug wird zu einem Tanz im Himmel, geleitet von einem unsichtbaren Taktgeber, der sie alle gleichzeitig und präzis koordiniert die einzig richtige Kurve nehmen lässt, nämlich jene, die nicht zu einer Kollision führt. Für eine Betrachterin oder einen Betrachter ist ein Zusammenstoß von zwei der auf engstem Raum dahin jagenden Vögel völlig unvorstellbar. Zu perfekt, zu selbstverständlich mühelos ist die Darbietung der Akrobaten der Lüfte. Der beeindruckende Effekt ist auf einen simplen Umstand zurückzuführen. Jeder Vogel orientiert sich nur an den sechs neben ihm fliegenden. So lang sie immer auf denselben Impuls reagieren, kann ihnen nichts geschehen. Sie sind in der riesigen homogenen Masse von Artgenossen vollkommen sicher. Niemals würden sie in der Nähe eines anderen Schwarms fliegen.

Darüber wären sie auf Sanri sehr erstaunt gewesen. Dass es möglich sein könnte, zu fliegen, ohne auf andere Gruppen, Schwärme, Winzlinge oder Riesen achten zu müssen, hätte dort niemand geglaubt. Am Himmel Sanris war hoffnungslose Überfüllung der Normalzustand. Man schwebte, glitt, stürzte, stieg und flatterte aufeinander zu, aneinander vorbei, steil nach oben, unten, links oder rechts und fand dies nicht im geringsten problematisch. Jeder Star wäre unter diesen Bedingungen völlig überfordert gewesen. Ein Millionen zählender Schwarm der winzigen Riblis, der in Sekundenschnelle heran, vorüber und auch schon verschwunden war, hätte ihn – den Star - ebenso erschreckt, wie das Nahen eines majestätischen Barttrosses, mit seinen bis zu zwanzig Metern Flügelspannweite. Glücklicherweise gab es auf Sanri keine Stare. Diese lebten allsamt 13,5 Lichtjahre entfernt auf einem Planeten mit weit weniger bevölkertem Luftraum. Es zeigt sich die große Weisheit von Mutter Natur.

Und doch gab es eine Gemeinsamkeit bei Staren und all den Wesen, die sich in den Lüften Sanris herumtrieben – niemals stießen zwei von ihnen zusammen. Selbige Lüfte strahlten tagsüber im zartorangen Licht des Sternes Ir. Da die verschiedenen Flugwesen unterschiedliche Tageszeiten bevorzugten, hielt sich der Grad der Überfüllung zumeist einigermaßen in Grenzen. Der Ribli und die Unzahl seiner Schwestern und Brüder waren immer in der klaren Morgenluft unterwegs. Außer in der Zeit vor dem Lichtbad, dann verlegten sie ihre Aktivität in den späten Nachmittag. Ganz im Gegensatz zum Barttross, dem es gefiel, in der Abenddämmerung Sturz- und Steigespiralen zu fliegen, manchmal in Gruppen von bis zu dreißig Mitgliedern. In baldiger Erwartung des Lichtbades jedoch, wandelten sich die Kollosse zu Frühaufstehern. Oft und oft war der eine oder andere schon vor Sonnenaufgang gesehen worden.

Das Lichtbad war für das Leben auf Sanri von großer Wichtigkeit, und dies der Tatsache zum Trotz, dass es keinerlei Funktionen oder Auswirkungen hatte. Es ereignete sich in unregelmäßigen Abständen, die allen Lebewesen Sanris einprogrammiert zu sein schienen. Jedes von ihnen wusste genau, wann und wo das Phänomen auftreten würde und erwartete es mit großer Vorfreude.

Die orange Riesensonne Ir wurde von dreizehn Planeten umkreist. Zwei davon waren vom Zentralgestirn so weit entfernt wie Jupiter von der irdischen Sonne. Irs Hitze hielt sie jedoch seit Jahrmillionen in zähflüssigem Zustand. In einer Entfernung, die jener des Neptun zur Sonne des Starenplaneten entsprach, umkreiste der Planet Asn seinen Stern. Ein Gasriese, der das Licht seiner Sonne in strahlendem Blau reflektierte. Asn besaß siebzehn Monde, die je nach Konstellation der drei Himmelskörper im Licht der Sonne oder des Planeten lagen. Zwei der Monde kamen in unregelmäßigen Abständen in eine Position, an der sich die Lichtströme von Orange und Blau mischten und eine in unzähligen Violetttönen schimmernde Pracht in den Himmel zauberten. Wenn es auf Sanri soweit war, taten alle das Gleiche. Sie landeten und beobachteten die Veränderung des Lichts. Wenn diese abgeschlossen war, schwangen sie sich wieder in die Lüfte und tauchten ein. Der Flug im Mischlicht war für sie ein Hochgenuss.

Der einzige Barttross, der seit dem letzten Lichtbad zur Welt gekommen war, hatte erst eine Spannweite von knapp vier Metern, als ihm seine Sippe erklärte, dass das unbestimmte Gefühl, welches ihn so beunruhigte, auf das kommende Ereignis zurückzuführen sei. Die vielen Fragen, die der Kleine seinen Altvorderen stellte, wurden schnell beantwortet, da sie wussten, dass ihm ein Schock bevor stand. Sehr behutsam brachten sie ihm bei, dass er wegen des Lichtbades zum ersten Mal in seinem Leben würde landen müssen. In der Luft geboren, nach wenigen Sekunden und einem Fall von mehreren hundert Metern voll flugfähig, hatte er noch keine Vorstellung, dass neben dem wunderbaren Medium in dem er zu gleiten gewohnt war, etwas gänzlich andersartiges existierte, undurchsichtig und fest – der Boden. Er brauche jedoch keine Angst zu haben, versicherten die Altvorderen, sie würden ihm zeigen, wie und wo man landete. Einer nach dem anderen gingen sie auf einem weiten, flachen Berghang nieder und blickten hinauf, wo ihr Jüngster kreiste, nur noch von der Sippenältesten begleitet.

Seine Verunsicherung war ihm deutlich anzusehen. Er wackelte, er flatterte, er schaute hilfesuchend zu seiner Begleiterin. Schließlich nahm er all seinen Mut zusammen und glitt hinab. Mit ausgebreiteten Schwingen setzte er auf – sanft, wie eine Feder. Grenzenlose Erleichterung machte rasch großem Erstaunen Platz. Er blickte nach unten und verstand. Seinen Füßen hatte er bisher kaum Beachtung geschenkt. Die Erkenntnis, dass diese eine wichtige Funktion erfüllten, beeindruckte ihn zutiefst. Er hopste zweimal und machte einige vorsichtige Schritte. Der Boden fühlte sich angenehm an und roch gut. Eine genauere Untersuchung schien angebracht, wurde aber von den Altvorderen verhindert.

Diese schauten konzentriert in Richtung Horizont, was die Neugier des Jungen eben dorthin lenkte. Er drängte sich an den Alten vorbei, folgte ihren Blicken und wurde enttäuscht. Am Horizont und dem gesamten einsehbaren Gebiet, das dieser begrenzte, ereignete sich nichts. Verwundert schaute er sich um, in der Hoffnung, eine Erklärung zu erhalten, doch niemand wandte sich ihm zu. Irgend etwas beanspruchte ihre ungeteilte Aufmerksamkeit. Um sich die Zeit zu vertreiben, hopste der Kleine noch einmal. Das gefiel ihm. Nicht so gut wie das Fliegen, aber auch nicht schlecht. Ganz und gar nicht schlecht! Hops, hops! Eigentlich ziemlich gut!
„Tolle Füße hab’ ich!“, dachte er.

Im nächsten Moment war all das vergessen, denn er hatte das Licht bemerkt. Ein schmaler blauer Streifen loderte zwischen Himmel und Erde. Der junge Barttross war aufs höchste entzückt und brachte dies durch weitere Hopser und und heftiges Flügelschlagen zum Ausdruck. Dies trug ihm sanfte aber bestimmte Rüge ein. Er lernte eine Regel, die ganz besonders genau zu beachten war. Wenn das Licht sich änderte, war nicht nur vom Fliegen abzusehen, sondern auch alles zu unterlassen, was an dieses erinnerte. Nur kurz war er zerknirscht, denn er bemerkte, dass der blaue Streifen breiter geworden war. Wieder wurde ein genaues Studium des Phänomens verunmöglicht, da die Odler, die Kermarine und die bartlosen Trosse zur Landung ansetzten. Als sie alle auf dem Berghang Platz gefunden hatten, war das Blau am Horizont weiter angewachsen und hatten begonnen, sich zu verändern. Durch die Mischung mit dem orangen Sonnenlicht, war ein leuchtendes Violet entstanden, welches schnell an Intensität gewann. Überall wurde gelandet. Auf den niedrigen Gipfel über dem Hang der Barttrosse, auf den Bäumen in den darunter liegenden Wäldern. In Sümpfen und auf Wiesen und sogar auf Seen und Meeren, wo sich die tollkühnen Kelipane wie Steine vom Himmel fallen ließen, um gleich darauf gemächlich auf dem Wasser zu treiben. Zuletzt kamen die Riblis, womit das seit Ewigkeiten unveränderte Ritual abgeschlossen wurde. Milliarden Riblis fanden Platz, wo keiner mehr zur Verfügung stand, und der Himmel jener Seite Sanris, die vom Licht gebadet werden würde, war leer. Der junge Barttross hatte größte Mühe, unter dieser Lawine von neuen Eindrücken nichts zu tun, was ans Fliegen erinnerte. Mit eng angelegten Schwingen stand er da und schaute sich interessiert um.

++

Das Häscherschiff erwachte zum Leben. Es wittertete in die unendliche Dunkelheit und roch frisches Genmaterial, weniger als zwei Lichtstunden entfernt. Die beiden Totenhirne, die das Schiff steuerten, stritten gerade und bemerkten den Fund ihres Riechorgans zunächst nicht. Das kam unter Totenhirnen nicht allzu selten vor.„.. und wer hat den Container mit den Riesenschleichern und Muskelmähnen falsch programmiert? Na, wer? Ich etwa?“, kreischte Hirn 1.„Nein, das warst du, du angegammelter Haufen cerebraler Windungen. Die Lieferung ist nicht zu Hause angekommen, und jetzt sind wir am Arsch. Wenn wir nicht bald was Ordentliches liefern, werden sie uns die Jadgzeit verlängern.“Hirn 2 rechtfertigte sich empört. „Hättest mir ja helfen können, du perverses Stück. Aber du musstest ja mit den Humoidenweibchen herumspielen. Außerdem, die Sprungtaucher und die Beutelsegler habe ich ganz allein gefunden. Die waren sehr erfolgreich daheim. Wir standen kurz vor einer Jagdzeitverkürzung. Aber warum rede ich überhaupt mit dir? Ist ja völlig sinnlos!“
Zwei bis drei gesunde Exemplare von zwei bis drei möglichst unterschiedlichen Arten, das war ihr Ziel. Bisher hatten sie noch jedes Wesen in kürzester Zeit gefangen, eingefroren und in Containern auf die Reise zu ihrem Heimatplaneten geschickt, wo diese gierig erwartet wurden. Das Erbmaterial der Gefangenen wurde umgehend geklont und vermischt, mit dem Ziel, selbstständig lebensfähige Körper zu erzeugen, denen Totenhirne eingepflanzt werden konnten. Ihren eigenen Gen-Pool hatten die technisch hochentwickelten Hirne schon vor langer Zeit selbst ausgelöscht.

„Na, du bist vielleicht eine Pfeife!“ Hirn 2 wähnte sich in der Offensive und wollte keine Gelegenheit auslassen, dem anderen eins auszuwischen.
„Ach lass mich doch in Ruhe. Übe lieber das Programmieren. Wahrscheinlich würdest du gar nicht mehr nach Hause finden.“
„Dort komme ich sowieso nicht mehr hin, weil ich mit einem Unfähigen unterwegs bin, der nichts findet. Riechst du nichts?“
Hirn 1 stutzte. „Nein! Äh, doch! Verdammt, wo sind die?“
„Kreisen wahrscheinlich um den orangen Riesen dort. Mal sehen, dreizehn Planeten. Nur zwei kommen in Frage. Los!“

Das Häscherschiff jagte in das Sonnensystem Ir in der Hoffnung auf fette Beute, die seinen Insaßen baldige Heimkehr und einen eigenen neuen Körper bescheren sollte. Für die Dauer des Fluges schwelgten die beiden Hirne in Fantasien. Hirn 1 träumte von einer Existenz als Humoidenmännchen, während Hirn 2 sich schon als Beutelsegler segeln sah.

++


Die Veränderung war fast abgeschlossen. Ein gutes Drittel der Oberfläche Sanris war in violettes Licht getaucht. Alle anderen Farben verschwanden, dafür traten sämtliche Konturen extrem deutlich hervor. Der junge Barttross erschrak heftig, als er das Gesicht der Sippenältesten im Mischlicht erblickte. Erst als sie sich zu ihm herab beugte, konnte er sie verstehen. Er erhielt von der Ältesten die Anweisung, ihr auf dem kommenden Flug dicht zu folgen.
„Wir fliegen als Letzte!“, teilte sie ihm noch mit, und: „Schau zum Horizont!“
Kurz danach leuchtete dort für wenige Sekunden ein schmaler blauer Bogen auf – der Planet Asn. Kaum war er wieder verschwunden, erfüllte ein Rauschen die Luft. Die Riblis stiegen hoch und tauchten als erste in das violette Licht ein. Ihnen folgten die Keisen und Latzen.
„Wer kommt wohl als nächstes?“, fragte die Älteste und der junge Barttross antwortete: „Wamsen, Fosseln, Tink und Var!“
„Tinken und Vare!“, korrigierte die Älteste sanft.

Schließlich waren alle anderen in der Luft, und die Bartrosse konnten abheben. Der junge Tross hielt sich genau an die Anweisung der Ältesten und folgte dieser in knappem Abstand. Erstaunt stellte er fest, dass am Himmel eigentlich kein Platz war. Zwei Odler kamen über die Älteste hinweg auf ihn zu. Sie wichen im letzten Moment aus, einer nach oben, der andere nach rechts, wo er einen Kermiran gerade noch unterflog. In dem violetten Schein war alles besonders genau zu erkennen.

Die Barttrosse stiegen langsam durch das Chaos hinweg hoch. Sie waren die einzigen, die nicht ausweichen mussten. Riesige Schwärme, einzelne Flieger und auch kleinere Gruppen, jagten auf allen erdenklichen Bahnen in alle Richtungen und wieder retour, getrieben von Daseinsfreude in ihrer reinsten Form. Die Bartrosse erreichten eine große Höhe und formierten sich zu einer Reihe. Sie glitten ohne Flügelschlag horizontal dahin, bis die erste von ihnen sich in eine Abwärtskurve kippen ließ. Die anderen, siebenunddzwanzig an der Zahl, folgten ihr. In dem wilden Treiben der unzähligen Flieger entstand ein perfekter Kreis von Riesen, der enger wurde und sich immer schneller drehte. Die Abwärtspirale der Bartrosse.

++

„Womit habe ich das verdient?“, jammerte Hirn 1, „du bist wirklich das Letzte. Das ist ein Gasplanet! Dort gibt es sicher kein Leben. Außerdem ist er viel zu groß! Die müssen auf dem anderen Planeten sein. Alles muss ich alleine machen! Wir fliegen jetzt zu dem anderen Planeten, und du machst gar nichts mehr, außer auf meine spezielle Anordnung!“
Hirn 2 blieb bemerkenswert ruhig.
„Ich bin also entmachtet?“
„Wenn du so willst, ja!“
„Und warum?“
„Weil du eine kolossale Niete bist, die nichts, aber auch schon gar nichts richtig macht.....“
„Und warum weiß ich dann als einziger auf dem Pot hier, wo unsere Beute ist? Nicht auf dem anderen Planeten übrigens! Absurde Idee!“
„Häh?“ Hirn 1 blickte sich verunsichert um.
„Na, wo könnten sie denn sein?“, fragte Hirn 2 mitleidig. „Gar nicht so schwer, wenn man ein bisschen nachdenkt. Vorausgesetzt, man ist dazu in der Lage, was offenbar nicht bei allen an Bord der Fall ist.“

Hirn 1 wurde vorsichtig. Es hatte diesen freundlichen Tonfall seines verhassten Partners schon öfters vernommen. Er war ein sichers Zeichen dafür, dass Hirn 2 ein As im Ärmel hatte.
"Na, keine Idee?"
„Halt die Schnauze!“
„Ach richtig, ich bin ja entmachtet! Gut, während du versuchst, die Beute zu finden, von der ich schon weiß, wo sie ist, suche ich die Regelungen raus, die eindeutig belegen, dass du mich gar nicht entmachten kannst....“
„Ein Mond?“, fauchte Hirn 1 triumphierend.
„Na, wer sagt’s denn? Sehr schlau! Richtig! Und welcher von den siebzehn ist es? Du wirst es sicher bald heraus gefunden haben. Wir könnten übrigens schon dort sein, sind wir aber nicht! Und du bist schuld! Ich werde mir erlauben, im Logbuch zu vermerken, wie lang du jetzt noch brauchst.“

Mit Hirn 1 ging eine bemerkenswerte Veränderung vor. Es reagierte versöhnlich.
„Sei doch nicht immer gleich beleidigt. Du kennst mich doch....“
„Ja, eben!“
„... ich bin halt so impulsiv...“
„Mhm!“
„... aber ich meine es doch nicht so...“

"Wie lang wirst du noch labern?"
„Also, ja, ähm... wo ist die Beute?“
„Sprich mir nach!“
„Ja!“
„Ich, Hirn 1 an Bord von Jäger Gen-Vamp 361 erkläre hiermit,... Los!“
„Ich Hirn 1 an Bord von Jäger Gen-vamp 361 erkläre hiermit,..“
„.. dass mir bekannt und bewusst ist,...“
„.. dass mir bekannt und bewusst ist,...“
„...dass ich nicht das Recht habe, meinem Flugpartner irgendwelche Befehle zu....“
„Arrrrrh! Ich will wissen wo die Beute ist, du As. Sage es mir, oder....“
„Na, jetzt bin ich aber neugierig!“
„Arrrrrrrrh!“
„Ich schreibe jetzt meinen Logeintrag. Unterschreibe, und du erfährst, wo die Beute ist!“
„Arrrrrh!“

Hirn 1 tobte in seiner Nährflüssigkeit und stieß mehrmals gegen die Wand des Behälters. Auch an der Stelle, wo sich ein kleines Sichtfenster befand, durch welches ein merkwürdiges violettes Licht fiel. Das Hirn war an sich blind, konnte aber die Veränderung erfühlen, und lenkte deshalb sofort eine Kamera in die entsprechende Richtung. Nach wenigen Minuten hatte es die Ursache für die besondere Färbung des Lichtes ergründet und untersuchte sie mit großem Interesse.
„Was machst du?“, fragte Hirn 2 besorgt, erhielt aber keine Antwort.

Hirn 1 ließ das Schiff auf den Mond zugleiten, der gerade im Mischlicht der Sonne und des blauen Gasriesen lag.

++


Schneller und schneller drehte sich die Spirale der Barttrosse. Sie bestand aus drei Kreisen, die einander im Abwärtsflug immer wieder mit minimalem Abstand passierten. Am Ende der Reihe hatte der Jüngste von ihnen ein wenig den Anschluss verloren. Die Sippenälteste bemerkte dies sofort und ließ sich zurückfallen. Sie hatte damit gerechnet, dass der Kleine bei seiner ersten Spirale im Lichtbad überfordert sein würde. Sie schaute sich nach ihm um und erkannte, dass er das Tempo der Gruppe nicht würde halten können. Offenbar war er von den anderen Eindrücken abgelenkt. Das Licht und das dichte Schwirren aller, die dazu in der Lage waren, beanspruchten seine ganze Aufmerksamkeit. Dazu kam ein Geräusch, das auch der Sippenältesten unbekannt war - ein häßliches Jaulen.

++

„Du Tölpel! Ungeschickter Idiot! So erwischen wir nie etwas! Lass mich fliegen!“, röhrte Hirn 1.
„Viel Spaß!“, meinte Hirn 2 und übergab das Steuer.
Hirn 1 war hoch motiviert: „Hä, hä! Hab dich! Nein! Verdammt! Aber den! Jetzt! Na? Neiiin! Gibt’s ja nicht! Noch mal! So, der Dicke dort!“
Der Kugelubaram, das mit Abstand behäbigste Flugwesen auf Sanri, bedachte das Totenschiff mit einem flüchtigem Blick aus dem Augenwinkel, erkannte die Gefahr, die es darstellte und war in dem Moment, in dem das Schiff ihn erreichen wollte, vom Ort seiner fehlgeschlagenen Gefangennahme gute zweihundert Meter entfernt. Ansonst wurde das Schiff, das über den Himmel jaulte, kaum beachtet. Nur ein Odler fülhte sich veranlasst, seinen Spieltrieb auszuleben. Er schwenkte auf eine Flugbahn vor dem Schiff und täuschte Ahnungslosigkeit vor.
„Na, endlich!“ quakte Hirn 1 und machte die Fangtentakel des Schiffes bereit. Der Odler begann, kaum merklich zu sinken.
„Was für ein Prachtexemplar! Der wird uns hoch angerechnet werden! Verdammt!“
Hirn 2 mahnte zur Vorsicht und erhielt ein barsches „Ach was!“ als Antwort.

Ohne Vorwarnung war der Odler in den Sturzflug übergegangen. Hirn 1 quittierte dies mit einer Schimpfwortkanonade und setzte zur Verfolgung an.
„Mistvieh, verfluchtes! Aber ich krieg dich und frier dich ein!“
„Kritische Gravitationsbelastung! Zieh hoch!“, rief Hirn 2.
„Nichts da!“
„Du bringst uns um!“
In einem eleganten Bogen fing der Odler seinen Sturz ab und glitt wenige Meter über einem Wald dahin.
„Zieh hoch! Das schaffen wir nicht!“, kreischte Hirn 2 in Todesangst.
„Arrrrh!“ antwortete Hirn 1, als das Schiff einige Baumspitzen abrasierte. Mit Mühe gelang es, die Flugbahn zu stablilisieren.
„Aber ich bin ein Tölpel!“, lautete der Kommentar von Hirn 2. Vor ihnen teilten sich die Massen der fliegenden Wesen und blieben für die strammen Häscherhirne unerreichbar.
„Versuchen wir es mit einem der beiden Riesen da. Die kannst nicht einmal du verfehlen!“ riet Hirn 2 in spöttischem Ton.


++


Der junge Barttross folgte seiner Altvorderen, die darauf bedacht war, den Sichtkontakt mit der Gruppe nicht zu verlieren. Deshalb musste sie ihren Schützling ab und an aus den Augen lassen. Der fand sich mit den Flugbedingungen während des Lichtbades immer besser zurecht und wurde übermütig. Er begann auszuscheren, um Ausweichmanöver zu provozieren und die Entgegenkommenden zu beobachten. Kurz war er von einer Wolke Riblis umgeben. Zwei der Winzlinge landeten auf seiner Nase, tanzten darauf herum und stürzten sich danach wieder ins Licht. Dann bemerkte er ein seltsames Geräusch. Er wandte sich um und sah ein riesiges Etwas auf sich zukommen. Es hatte keine Flügel, war aber sehr schnell. Auf den Gedanken, dass das Ding nicht ausweichen könnte, kam der junge Bartross erst, als es zu spät war. Fast wäre es ihm gelungen, trotzdem zu entkommen, doch eines der Tentakel erwischte sein linkes Bein. Instinktiv schlug er seine Flügel eng um sich, um diese zu schützen. Zwei weitere Tentakel erfassten ihn, richteten aber keinen Schaden an. Einige Momente lang sah er noch das violette Licht, dann schloss sich eine Klappe und er wurde einen dunklen Gang entlang geschleift. Die Tentakel verschwanden und ein gedämpftes Licht ging an.

++

„Hähähähähääää! Hast du gesehen, wie den eingesackt habe?“ Hirn 1 war bester Dinge, sein Jagdtrieb entfacht.
„Das war doch reines Glück! Fast wäre dir auch der entkommen. Muss wohl noch sehr jung sein.“
„Typisch! Alles musst du schlecht machen!“
„Ich mache gar nichts schlecht. Wozu auch? Alles ist schon schlecht genug! Wir sind keinem anderen der Viecher auch nur annährend so nahe gekommen, wie dem, das du – mit Glück - erwischt hast. Dabei sind wir fast abgestürzt. Es kann nur besser werden. Wir sollten den, den wir haben einfrieren und abschicken und dann von hier verschwinden. Ich habe keine Lust, Kopf und Kragen zu riskieren.“

„Du feige Memme!....


++


Der junge Barttross sah sich um. Nichts von dem, was er wahrnahm, machte für ihn Sinn. Er konnte nicht verstehen, wie der Himmel hatte verschwinden können. Und wo waren alle Fliegdenden geblieben? Die Odler und Kelipane. Wamsen, Flosseln, Tinken und Vare. Sie mussten doch irgendwo sein. Nur wo? Plötzlich flatterte etwas im diffusen Licht des Gefängisses und der junge Barttross schöpfte Hoffnung. Er war also doch nicht ganz alleine. Ein zweites winziges Flügelpaar begann zu schwirren. Zwei Riblis kreisten im Verließ des jungen Barttrosses.

++

„Warte, warte! Dich hol’ ich mir! Arrrrrrrh!
Der Kermiran wechselte ansatzlos die Richtung und die Fangtentakel zischten ins Leere.
Mit einem lauten und langezogenen „Arrrrrrrrrh!“, verlieh Hirn 1 seiner Enttäuschung Ausdruck.
„Gib’s auf!“, riet Hirn 2.
„Was heißt, gib’s auf? Hast du die Vorschriften vergessen? Wie sollen wir erklären, dass wir nur ein einziges Exemplar mitgenommen haben, obwohl es Unmengen von anderen gab?“
„Indem wir genau sagen, wie es wirklich war. Der eine Fang war reines Glück, alle anderen fliegen einfach zu gut.“
„Wir riskieren eine Jagdzeitverlängerung!“
“Besser als ein Absturz!“
„Einmal versuch’ ich es noch!“

Das Häscherschiff jagte im Tiefflug über dem Meer dahin, flog dann eine weite Kurve und wieder auf das violette Licht zu. In der Ferne waren unzählige fliegende Wesen zu erkennen. Der Anblick ließ die Hirne ihren Streit vergessen.
„Schön!“, sagte Hirn1, und Hirn 2 antwortete mit einem emphatischen „Häh?“
„Na, der Himmel“, präzisierte Hirn 1.
„Aha!“, machte Hirn 2 ehrlich erstaunt.


++


Millionen Riblis waren in der Lage eine enorme Schwarmintelligenz zu entwickeln. In Notfällen genügten auch zwei von ihnen. Diese saßen auf der Nase des jungen Bartrosses und dachten nach. Dann begann einer zu tanzen und der andere verstand. Der junge Barttross fasste ein wenig Hoffnung.

++

„Was ist mit dir?“
„Häh?“
„Du bist so ruhig, meckerst gar nicht.“
„Hmhm.“
„Alles in Ordnung?“
„Äh....“ Hirn 1 war verwirrt. Es konnte sich nicht erinnern, wann es das letzte Mal über seine Befindlichkeit befragt worden war.
„Pass auf, eine Wolke!“, warnte Hirn 2
„Wa...? Verdammt!“


++


Die Riblis wussten, dass eine ihrer Schwestern und einer ihrer Brüder in dem jaulenden Etwas verschwunden waren, welches seit kurzem – sinnloserweise - das Lichtbad störte. Auch, dass der junge Bartross sich darin befand, war dem riesigen Schwarm nicht entgangen. Der Entschluss nachzusehen, lag nahe. Nur wenige Sekunden reichten ihnen, um herauszufinden, wie man in das Ding hinein kommen konnte.

++

„Wo ist die Wolke hin?“ Hirn 1 wurde von Panik ergriffen, als es bemerkte, dass es das Schiff nicht mehr steuern konnte. Gleichzeitg vernahm es ein seltsames Geräusch. Ganz so, also ob tausende winzige Füßchen auf seinem Behälter herumtanzen würden. Das Hirn zog einen naheliegenden Schluss: „Was hast du jetzt wieder gemacht?“
Als Hirn 2 nicht antwortete, brüllte Hirn 1: „Ich habe dich was gefragt! Antwort, los!“
„Gut! Ich beantworte deine Fragen der Reihe nach. Erste Frage: Wo ist die Wolke? Antwort: Die Wolke ist im Schiff und zwar zur Gänze. Ich nehme an, das ist der Grund dafür, dass ein System nach dem anderen ausfällt. Zweite Frage: Was habe ich gemacht? Antwort: Ich habe nachgedacht und deshalb machte ich jetzt alle Schleusen auf......“
„Bist du wahnsinnig? Neiiiin!“
„Schon geschehen!“
„Es kommt nichts raus! Die Systene sind weiterhin tot. Wir sind zu nieder für ein stablies Orbit. Das Zeug muss aus dem Schiff raus, oder wir verlieren die Kontrolle!“ Hirn 1 war ratlos, Hirn 2 ebenfalls: „Ich habe angenommen, dass die Wolke durch die offenen Schleusen raus geblasen wird. Der Durchzug ist ziemlich stark.“
Die beiden Hirne schrien entsetzt auf, als das Schiff ruckartig gute hundert Meter absank.


++


Wäre es an dem jungen Bartross gelegen, hätte sich die Hoffnung von Hirn 2 schnell erfüllt. Als sich die Klappen öffneten, wäre er am liebsten sofort hinaus gesprungen. Dies war jedoch umöglich, da die Riblis keine Anstalten machten, den unheimlichen Ort zu verlassen. Mit jeder heftigen Bewegung hätte der Barttross viele von ihnen gefährdet. Die Verzögerung war auf die ausgezeichneten Umgangsformen der Riblis zurückzuführen. Für sie war es undenkbar, sich nicht korrekt vorzustellen. Natürlich war ihnen klar, dass sich nich jedes einzelne Mitglied des Schwarmes vorstellen konnte, weshalb eine dreißigköpfige Vorstellungsabordnung beauftragt wurde.

„Sehr erfreut! Ich bin Riblinindri.“, begann die Leiterin der Abordnung. „Wir alle...„ sie breitete ihr Flügelchen weit aus und wurde von der Nase des jungen Barttrosses geschubst.
„Sehr erfreut, Ich bin Rinidribli! Ja, wir alle sind sehr erleichtert, dich unversehrt aufgefunden zu haben..." Schubs!
"Sehr erfreurt. Inribaldronia, mein Name! Schon bald bist du frei! Und dann..."
„Sehr erfreut! Ich bin Dribblinski!. Ein häßliches Etwas, nicht wahr? Es jault und stinkt. Wo es wohl herkommt?"
„Sehr erfreut, Dirbblinski! Könntest du bitte entweder nach links oder nach rechts gehen. Ich bekomme Kopfschmerzen vom Schielen!“
„Weg da! Sehr erfreut! Ich bin Insdrinliriba.“Lieber rieisger Freund! Auch ich möchte die Gelegenheit.... Was?"
Die Ribli hielt ein und lauschte in sich hinein.
"Verstanden!", rief sie.

Er wusste nicht, wie es zugegangen war, aber plötzlich konnte er den Himmel wieder sehen. Um ihn herum schlugen abertausende Flügelchen. Er bemerkte instinktiv, dass er Höhe gewinnen musste. Seine Schwingen fassten die Luft und er genoss das Gefühl des Steigens. In einiger Entfernung sah er die Riblis. Sie bildeten einen riesigen Kreis, der sich über einer Stelle drehte. Als er sich ihnen näherte, hörte er ihr fassungloses Schweigen. Riblinindri, Inribaldronia und Dribblinski landeten auf seiner Nase. Diesmal aber ohne jegliches Geschubse.
"Da unten liegt es", erklärte Inbaldronia.
"Ja!", quakte Dribblinski verzweifelt.
"Es ist.... es muss...", ließ Riblinindri unvollendet. Die Wesen von Sanri verfügten keine Vorstellung davon, was der Begriff 'Absturz' bedeutet und hatten natürlich auch kein Wort dafür.

Der junge Barttross schaute hinab, dorthin wo das jaulende, stinkende Etwas jetzt lag und kam kurz ins Torkeln, was seine drei Passagiere von seiner Nase katapultierte.
"Es ist gebodnet!" stammelte er ergriffen. Die drei Riblis wechselten ob des Ausdrucks skeptische Blicke und schüttelten ihre winzigen Köpfchen.

++

Das Häscherschiff lag in einem Moor. Es hatte sich mehrmals überschlagen und war in zwei Teile zerbrochen. Eine Kamera funktionierte noch. Hirn 2 ließ sie kreisen und erschrak heftig, als es den Behälter von Hirn 1 erkannte, oder besser, das, was davon übrig war. Obwohl Hirn 1 für seine missliche Lage verantwortlich war, empfand Hirn 2 keinen Hass und keine Genugtuung, worüber es sich wunderte. Es verzichtete auf eine weitere Inspektion des Inneraumes, hauptsächlich deshalb, um nicht die sterblichen Überreste von Hirn 1 sehen zu müssen, und richtete die Kamera nach außen. Was das Hirn erblickte, ließ es verstummen. Der violette Schein war im Begriff zu verblassen. Im rosa-orangen Dämmerlicht wogten die Schwärme der Flugwesen. Fasziniert verfolgte das Hirn, das Treiben am Himmel. Es nahm eine tüchtigen Schluck der Nährlösung und schaute in alle Richtungen. Im Falle eines Absturzes konnten sich Häscherhirne darauf verlassen, innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre gerettet zu werden. Vorausgesetzt natürlich, sie sandten eine Hilferuf.

Das Hirn wollte gerade daran gehen, eine solchen zu verfassen, als seine Aufmerksamkeit von einer erstaunlichen Erscheinung am Himmel erregt wurde. Eine Spirale, bestehend aus riesigen fliegenden Wesen senkte sich aus großer Höhe herab.
"Das müssen ja fast dreißig sein", murmelte das Hirn erstaunt und vergaß die Sache mit dem Hilferuf.
 
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Hallo @lerner ,

da hast du dir auch diesmal viel ausgedacht, ähnlich wie beim "Schöpfmärchen", und ich finde auch hierbei, dass du grundsätzlich einen guten und einfallsreichen Schreibstil hast.

Insgesamt liest sich auch diese Geschichte jedoch eher wie ein Aufsatz, diesmal über Vögelschwärme. Das ist vielleicht für jemanden interessant, der sich allgemein hierfür interessiert, aber eignet sich so m.E. nicht für eine Geschichte. Die ein oder andere Szene mit den "Hirnen" rettet es dann auch nicht mehr.

Außerdem hast du keine Protagonisten, die du dem Leser näher bringst und weiterentwickelst.

Also trotz der Arbeit, die du dir bei diesem Text gemacht hast, war das für mich leider nichts.

Viele Grüße nach Wien, ich war schon lange nicht mehr da, aber tolle Stadt! :)

Rob
 

MRG

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Hallo @lerner ,

ich steige direkt ein. Nimm' dir raus, was du brauchen kannst.

Der beeindruckende Effekt ist auf einen simplen Umstand zurückzuführen.
Ich frage mich als Leser, um was es geht? Du beginnst mit einer ausführlichen, detaillierten Beschreibung, aber mir ist nicht genau klar, warum das für mich als Leser relevant ist.

Am Himmel Sanris war hoffnungslose Überfüllung der Normalzustand.
Vielleicht kannst du damit einsteigen, damit hast du einen spannenderen Einstieg, der für mich zugleich den Rahmen vorgibt. Wenn die Beschreibung danach kommt, dann ist es für mich relevanter, weil ich mich schon mit der Frage beschäftige, wie Sanris aussieht und als Welt funktioniert.

Ein Millionen zählender Schwarm der winzigen Riblis, der in Sekundenschnelle heran, vorüber und auch schon verschwunden war, hätte ihn – den Star - ebenso erschreckt, wie das Nahen eines majestätischen Barttrosses, mit seinen bis zu zwanzig Metern Flügelspannweite.
Muss mich hier erst einmal zurecht finden, nach meinem Geschmack ist das zu beschreibend. Also ich bin als Leser irgendwie noch nicht in deiner Geschichte, bzw. Welt angekommen.

Und doch gab es eine Gemeinsamkeit bei Staren und all den Wesen, die sich in den Lüften Sanris herumtrieben – niemals stießen zwei von ihnen zusammen.
Interessant, also deine Welt kommt mir spannend vor und mir kommt es auch so vor, dass du deine eigene Welt sehr gut kennst. Hier sehe ich Potential, Herausforderung ist, dass die Welt noch nicht richtig präsent ist. Ich als Leser kann nicht eintauchen, mich überfordern die vielen Details. Spannend fände ich hier eine Szene, die in der Welt spielt, aber diese Schritt für Schritt aufdeckt. Also ein Protagonist muss sich sozusagen selbst in der Welt zurechtfinden und dabei entschlüsselt er allmählich die Gesetzmäßigkeiten deiner Welt.

Der einzige Barttross, der seit dem letzten Lichtbad zur Welt gekommen war, hatte erst eine Spannweite von knapp vier Metern, als ihm seine Sippe erklärte, dass das unbestimmte Gefühl, welches ihn so beunruhigte, auf das kommende Ereignis zurückzuführen sei.
Es wird für mich immer anstrengender in deinem Text zu bleiben, weil zu viele Details genannt werden und zu wenig Handlung passiert. Der einzige Barttross kommt mir auch leider nicht als Protagonist vor? Es ist noch zu weit entfernt und ich verliere immer mehr den Bezug zu deiner Geschichte.

Das Häscherschiff erwachte zum Leben.
Und ich bin auch wieder erwacht und bin bei dir, das liest sich spannender als zuvor.

und wer hat den Container mit den Riesenschleichern und Muskelmähnen falsch programmiert? Na, wer? Ich etwa?“
Dein Dialog liest sich gut, mir gefällt er. Warum nicht mit einem Dialog in deine Geschichte am Anfang starten?

Riesige Schwärme, einzelne Flieger und auch kleinere Gruppen, jagten auf allen erdenklichen Bahnen in alle Richtungen und wieder retour, getrieben von Daseinsfreude in ihrer reinsten Form. Die Bartrosse erreichten eine große Höhe und formierten sich zu einer Reihe. Sie glitten ohne Flügelschlag horizontal dahin, bis die erste von ihnen sich in eine Abwärtskurve kippen ließ.
Hier verlierst du mich, es liest sich beschreibend und ich komme immer wieder raus, muss Sätze zweifach lesen. Sorry.

Ich brauche eine Geschichte, einen Konflikt, einen Protagonist, der Spannung erzeugt. Deine Welt ist interessant, voller Potential und Details, aber es fehlt an dem roten Faden, der die Welt zum Leben erweckt und den Leser mit auf die Reise nimmt. Ich fühle mich in deiner Geschichte, wie auf einem riesigen Bahnhof, in dem ich mich total verlaufen habe.

Was willst du mit deiner Geschichte aussagen? Wer ist dein Protagonist? Kannst du ganz am Anfang mit einem Knall starten, vielleicht direkt mit einem Konflikt. Ich kann mich mit deiner Geschichte leider nicht anfreunden. Ich versinke in den Beschreibungen und sehe keinen roten Faden, bzw. Charakter, der mich durch die Welt führt.

Grüße,
MRG
 
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Hallo Rob,

danke für das Lesen meines Textes.

Eine kurze Frage: Warum ist der junge Barttross kein Protagonist, der entwickelt wird?

Herzlichen Gruß

lerner


Hallo MRG,

danke für deine Analyse meines Textes.

Herzlichen Gruß

lerner
 
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Hallo @lerner,

da war mein Kommentar wohl ein wenig zu knapp bezogen auf den Protagonisten.

Du widmest dem jungen Barttross schon Aufmerksamkeit und beschreibst ihn gut. Für mich bleibt nur leider nach dem Lesen nicht viel davon übrig, da ich ihn durch die Informationsflut der Geschichte kaum wahrnehme. Daher hatte ich zuvor auch geschrieben "Protagonisten, die du dem Leser näher bringst", es ist mir insgesamt zu viel drumherum, der kleine Barttross wird hiervon ziemlich "erdrückt".

Die Kommentare zu deinen bisherigen drei Geschichten gehen ja doch alle in eine ähnliche Richtung. Ich fände es gut, wenn du mit deinem Ideenreichtum und Erzählstil mal eine Geschichte schreibst mit dem Schwerpunkt auf den Personen und der Handlung, aber auch nach dem Motto "weniger ist mehr". Also keine ausschweifenden aufsatzartigen Erklärungen, sondern den Leser von Beginn an erleben lassen, wie @MRG es in seinem Kommentar ja ausführlich beschrieben und vorgeschlagen hat. Und alles eher etwas detaillierter, als möglichst viele Ideen reinzupacken.

Viele Grüße!
Rob
 

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