Was ist neu

Jill aus Eis

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Anmerkungen zum Text

Danke @Maedy fürs Korrekturlesen.

Jill aus Eis

Julvanger liegt am Arsch der Welt, aber das ist es nicht, was Magne stört. Es sind auch nicht die verschneiten Kiefernwälder, die sich überall entlang des Fjords und der Berghänge erstrecken, nicht die Tatsache, dass der Sommer nie länger als sechs Wochen dauert. Magne stören die immergleichen Boote, die über das kristallklare Wasser schippern und zum Fischen auf das Meer hinausfahren, die bekannten Gesichter, wenn er nach der Schule im Bunnpris einkauft. Er hat das Gefühl, etwas zu verpassen, für das er noch gar keinen Namen gefunden hat. Wo er es finden kann, weiß er nicht; in Frankreich vielleicht. Saint-Denis, die Stadt stellt er sich groß und lebendig vor. Im Sommer macht er seinen Abschluss, dann will er weg.

In jeder Hand einen Becher Kaffee marschiert Magne über den Schulhof, die Knie immer hoch, um durch den Schnee zu kommen. Es ist irgendein Tag im Februar. Der Basketballkorb trägt einen Frostbart. Am Rand des Hofs steht der Hausmeister und schippt fluchend, sein Lehrling steht auf der Leiter und schlägt mit einem Hammer nach den Eiszapfen. Vor Magne erheben sich Beton und Glas. Langsam, um den Kaffee nicht zu verschütten, steigt er die Stufen hoch.
Vor der Tür wartet ein Mädchen aus tiefblauem Glas. Statt Winterkleidung trägt es einen luftigen Sommerpullover mit weiten Ärmeln und eine kastanienbraune Jeans. In der einen Hand hält es einen Regenschirm, in der anderen eine Tasche mit Aufnähern; ein Igel, ein Känguru und ein Warzenschwein. Er braucht einen Moment, um zu bemerken, dass es nicht aus Glas ist; es ist Eis. Im warmen Licht der Wandlampe schimmert der Körper wie ein Lapislazuli. Das Eis ist so transparent, dass Magne sich anstrengen muss, die Gesichtszüge klar zu erkennen. Sie ist hübsch, stellt er fest. Eine kleine Nase, dünne Lippen.
„Hi“, sagt das Mädchen. „Ist das der C-Flügel?“
„Ich bin Magne.“ Er streckt die Hand aus.
Sie starrt auf den Kaffee. „Danke, aber ich trinke keinen Kaffee.“
„Ich …“ Magne bricht ab. Er hat den Becher in der Hand ganz vergessen. „Du … magst sicher keinen Kaffee.“
„So kann man es auch sagen.“
Einen Augenblick lang starren sie sich an.
„Du hast keine Augenfarbe“, stellt Magne fest und beißt sich auf die Unterlippe. Warum hat er das gesagt?
„Natürlich“, sagt sie. „Hab ja kein Melanin im Körper.“
„Weil dein Körper vollkommen …“
„Aus Eis ist, ja.“
„Und das ist … normal.“
„Für mich? Schon immer.“
Magne nickt langsam und schweigt. Schneeflocken legen sich dem Mädchen auf den Eiskopf.
„Wird dein Kaffee nicht kalt?“, fragt sie.
„Was? Ah, klar. C-Flügel“, sagt Magne und deutet mit dem Kopf in Richtung Glastür. „Bist richtig …“
„Jill.“
„Ich hab beide Hände voll, könntest du …“
„Natürlich.“ Sie öffnet ihm die Tür. Magne tritt ins Warme, aber bevor er sie fragen kann, in welche Klasse sie geht, fällt die Tür hinter ihm ins Schloss.

Magne sieht sie beim Essen wieder. Zusammen mit Hooge stapft er den Weg zur Mensa hinauf und schmiedet Pläne, wie er Jill ansprechen könnte, als er sie bemerkt; sie sitzt allein auf einer verschneiten Bank, auf der Terrasse, wo im Sommer Pølser gegrillt werden. Auf dem Tisch steht kein Tablett; sie hat die Knie angewinkelt, Köpfhörer auf, und lehnt sich mit dem Rücken gegen die Glasscheibe. Dahinter geht es zu wie auf einem Rummelplatz; heute gibt es Fiskekaker.
Als sie vor der Mensa stehen, winkt Magne ihr zu. Jill reagiert nicht. Hooge streckt die Arme zu einem Kreis aus und tut, als hätte ihm jemand einen Basketball hineingeworfen.
„Arschloch“, murmelt Magne und zieht am Türgriff.

„Magne, von allen Mädels, die mit uns nach Julvanger verbannt wurden …“, sagt Hooge, während er seine Kartoffeln mit der Gabel zermantscht, „suchst du dir ausgerechnet sie aus? Ich meine, wie stellst du dir das vor?“
Magne löst den Blick von der Scheibe und zwingt sich, seinen Teller anzustarren. Er zuckt mit den Schultern. Zu seiner Erleichterung hält der Rest des Tisches die eigenen Gespräche für interessanter. Magne pickt nach den Erbsen.
„Keine Ahnung“, sagt er. "War ne Impulsentscheidung."
„Dann solltest du …"
„Alter, wenn es eine Person gibt“, sagte Magne und richtet die Gabel auf Hooge, „die mich nicht über Frauen belehren kann, bist das du.“
Sein Kumpel wird rot. „Aua.“
„Tschuldigung.“
„Arschloch.“
„Selbst.“
Hooge legt sein Besteck weg und schaut nach draußen. Er streckt sich. „Sie isst gar nichts.“
„Hab ich auch schon bemerkt.“
„Wovon sie wohl lebt?“
„Von Kaffee auf jeden Fall nicht. Den hat sie ausgeschlagen.“
Hooge legt den Kopf in den Nacken und lacht so laut, dass man ihm sogar vom Nachbartisch Blicke zuwirft. „Du hast ihr nicht wirklich einen Kaffee angeboten?" Er verschränkt die Arme. „Manchmal wäre ich gerne Chirurg, dann könnte ich einen Blick in deinen Kopf werfen.“
Magne widersteht dem Drang, Jill einen Blick zuzuwerfen; seine Gedanken können das nicht. Warum, grübelt er, hat sie nicht zurückgegrüßt.
„Weißt du, in welcher Klasse sie ist?“, fragt Hooge. Magne schüttelt den Kopf.
„Zwölf“, ruft jemand von der Seite. Ein hageres Mädchen aus der Stufe unter ihm, blonder Zopf, dicke Lippen. Magne kennt sie; Anna, wenn er sich richtig erinnert. „Bei uns.“
„Wie ist sie so?“, fragt Hooge.
„Keine Ahnung. Sie war kurz im Klassenraum und ist dann abgehauen. Länger als ein paar Minuten hält sie es in der Wärme nicht aus.“
„Und dann?“, fragt Magne.
„Dann ist sie nach draußen gegangen und hat auf der Fensterbank mitgeschrieben. Beim Schwimmen war sie gar nicht dabei.“
„Da hast du dir ja was vorgenommen“, sagt Hooge mit gesenkter Stimme und zerkleinert weiter seine Kartoffeln.

„Kann ich mich setzen?“
Jill schaut auf. Heute trägt sie ein weinrotes Top und eine lange Cordhose. Vor ihr steht ein Schachcomputer; weiß auf ihrer Seite, schwarz auf Magnes. Auf seinem Teller liegt irgendetwas mit Lachs. Ganz genau weiß Magne es selbst nicht.
Sie zuckt mit den Schultern. „Gerne.“
Magne legt das Tablett neben dem Schachbrett ab, wischt den Schnee von der Bank und nimmt Platz. Mit klammen Fingern zerlegt er den Fisch; Soße tropft ihm auf die Winterjacke.
„Du hast knallrote Ohren“, sagt Jill. „Drinnen ist es warm.“
„Alles gut.“
Er betrachtet das Schachbrett. Jill drückt zwei Knöpfe am Rand, bewegt dann den schwarzen Läufer nach vorne. Sie drückt einen anderen Knopf, bewegt die weiße Dame. Wenn sie eine Figur greift, kann Magne sie blass durch ihre Finger erkennen. Er betrachtet die schwarzen, die am Rand stehen und Zeuge werden, wie Jill ihre verbliebenen Kumpanen aus dem Spiel nimmt. Magne späht in ihren geöffneten Rucksack; Comics und Bücher bis zum Reißverschluss.
„Das ist diskriminierend“, sagt Magne. „Immer auf die Schwarzen.“
Sie schmunzelt. „Meinst du, es wäre gerechter, wenn ich die Farben gewechselt hätte?“
„Vielleicht.“
„Bullshit“, sagt Jill. „Es gibt keinen Unterschied zwischen beiden; gleich viele Figuren, gleiche Typen, gleiche Aufstellung. Keine Figur hat irgendeinen Nachteil wegen ihrer Farbe.“
„Aber weiss fängt immer an.“
Sie hält inne. „Hast Recht. Ist das jetzt rassistisch?“
„Keine Ahnung“, sagt Magne. Er zerteilt seinen Fisch und sieht Jill dabei zu, wie sie Schwarz den Rest gibt. Als nur noch der König übrig ist, fragt er: „Wollen wir eine Runde spielen?“
Jill nimmt die Figuren vom Brett und drückt auf den Aus-Knopf. „Warum nicht.“
„Ich nehme schwarz. Dann hab ich wenigstens die moralische Hoheit.“
Sie lacht. Magne isst zu Ende, dann spielen sie. Jill besiegt ihn in wenigen Zügen. Bis zum Ende der Mittagspause spielen sie vier Partien, die jeweils nicht länger als die erste dauern. Magne stützt den Kopf auf dem Arm und tut, als würde er nachdenken, während er Jill beobachtet. In der Mittagssonne strahlt sie wie ein Diamant. Irgendwann klappt sie den grünen Schirm auf und hält ihn so eng am Körper, dass Magne ihren Oberkörper nicht mehr erkennen kann; nur noch die Cordhose. Wie eine französische Adelige, denkt Magne. Oder zumindest, wie er sich eine vorstellt.
„Krieg ich deine Nummer?“, fragt Magne. „Du hast doch ein …“
„Handy?“
„Genau.“
„Warum sollte ich keins haben?“

Eine Woche lang sitzen sie jede Mittagspause im Schnee und spielen. Jill behauptet, sie hätte noch andere Gesellschaftsspiele, aber von Schach abgesehen, sind sie alle nur für einen Spieler. Sehr schnell merkt Magne, wie begrenzt sie in ihren Möglichkeiten sind. Für Kartenspiele ist der Tisch zu feucht, Monopoly dauert zu lange und bei Würfelpoker bekommt Jill schlechte Laune. Auf seine Nachrichten antwortet sie immer im Laufe der nächsten Stunde; schnell genug, damit es höflich ist, aber zu langsam für echtes Interesse.
Beim sechsten Mal fragt Magne, ob sie am Wochenende zusammen Schlittschuh laufen wollen. Jill zögert einen Moment, dann sagt sie ja.

Mittags kündigt sich Schnee an. Wind streicht um die Wipfel, pustet über den Fjord und in die Straßen von Julvanger; mit sich bringt er dunkle Wolken, schwere, zum Anschlag geladene Schiffe, die sich an den umliegenden Gipfeln und Tannenkronen die Bäuche aufkratzen. Schon schneit es.
Mit dem Rad fährt er hinab zum Hafen. Am Kai liegen zwei verlassene Lagerhallen, der Beton löchrig, die Fenster zerkratzt. Früher wurden hier Fische ausgenommen, aber seit sie im Süden die Lachsfarmen betreiben, sind die Arbeiter verschwunden. Jetzt kommt niemand her, der Schnee liegt unberührt bis unter die Fenster. Es riecht nach Tran und künstlicher Farbe. Eiszapfen hängen wie Fledermäuse kopfüber von den Regenrinnen. Magne kettet das Fahrrad am Geländer an, bricht mit Handschuhen einen der Zapfen ab und stapft durch den Schnee hinter die Lagerhalle. Auf der Rückseite, hinter morschen Paletten und einem rostigen Rollstuhl, ist er ungestört. Er zieht die Handschuhe aus und berührt den Eiszapfen; erst mit der Handfläche, dann mit den Fingern. Mit der anderen Hand zieht er sein Handy hervor, stellt einen Timer und misst, wie lange er das Eis berühren kann. Magnes Hand schließt sich um das Eis. Es ist massiv, aber glatt; die Kälte sticht ihm in die Haut, den Handballen hinab bis in die Finger. Die Kuppen werden taub. Es schmerzt viel mehr, als er es sich vorgestellt hat. Als hätte man ihm mit einem Hammer auf die Hand geschlagen. Bald spürt er seine Finger nicht mehr.
Nach einer Minute und siebenunddreißig Sekunden muss er die Hände wechseln. Magne zieht die Jacke aus. Mit dem flachen Ende des Eiszapfens fährt er über seinen Unterarm, über die Brust, dann übers Schlüsselbein. Er schüttelt sich; der Nacken ist schlimm, aber kein Vergleich zum Schritt.

Sie verabreden sich für halb elf. Obwohl Magne den Weg kennt, verläuft er sich zweimal. Die Schlittschuhe hat er an den Schnürsenkeln verknotet und sich über die Schulter gelegt. Trotz der Kälte schwitzen seine Hände. Immer wieder ertappt er sich dabei, dass er an den Fingernägeln knabbert; jetzt kommt er sich dumm vor, die Handschuhe absichtlich im Schrank gelassen zu haben, also vergräbt er die Fäuste in der Jackentasche. Von der Kälte schmerzt ihm der Kiefer, da, wo der Arzt im Sommer die Weisheitszähne entfernt hat.

Jill wohnt auf der anderen Seite des Fjords. Als er in die Straße biegt, sitzt sie im Schnee und winkt.
„Tut mir leid“, sagte Magne und blickt auf die Uhr. „Hab mich verlaufen.“ Einen Augenblick lang schauen sie sich an; Magne fällt es noch immer schwer, Emotionen aus ihrem Gesicht zu lesen. Die Sonne spiegelt sich im Eis, blendet ihn. Sie lächelt.
„Komm, lass weg hier“, sagt Jill. „Meine Schwester sitzt am Fenster und glotzt.“ Sie dreht sich zu einem heidelbeerblau getünchtem Haus um und zeigt den Mittelfinger; dann stapft sie davon. Magne betrachtet das Haus: rote Gardinen, Schornstein, verschneite Kunstblumen in den Fenstern.
„Ist deine Schwester … wie du?“, fragt er, als sie in die nächste Straße eingebogen sind.
„Natürlich.“
„Dachte nur.“
„Ich bin die Einzige in meiner Familie, falls du das wissen willst.“
Magne weiß nicht, was er darauf antworten soll. „Du trägst Schuhe“, stellt er fest.
„Natürlich“, sagt Jill und lacht. „Du nicht?“
„Es ist immer … ich muss mich noch daran gewöhnen, welche Dinge in deinem Leben anders laufen und welche nicht.“
Jill schweigt lange. „Eigentlich alles außer Schuhe.“

Als sie am See ankommen, verschränkt Jill die Arme. Die halbe Schule ist auf dem Eis. In der Ferne reibt Hooge seiner Schwester lachend den Schnee ins Gesicht.
„Ziemlich crowded“, sagt Magne. „Wenn es zu viele sind, können wir wieder gehen.“
„Ach was“, sagt Jill und streift ihre Schuhe ab. Barfuß macht sie einen Schritt auf den See. Sie grinst Magne an; dann beugt sie sich nach vorne und läuft los, schlüpft zwischen zwei Kindern hindurch, dreht sich, läuft weiter. Magne blickt ihr nach.
Sein Vater sagt immer, sein Sohn sei nicht dafür geboren, auf dem Eis zu laufen; er beugt sich nach vorne, winkelt die Knie an und stößt sich ab. Jill jagt an ihm vorbei und winkt, dann ist sie hinter einer Gruppe Erstklässler verschwunden. Magne will ihr hinterher, bremst ab, um keines der Kinder zu überfahren. Im Schneckentempo umkreist er die Gruppe.
Eine kalte Hand packt ihn an der Schulter. Jill kommt zum Stehen. „Fühlt sich gut an, wieder auf dem Eis zu sein", sagt sie. „Als Kind war ich jeden Tag in der Schlittschuhhalle.“
„Wegen der Kälte?“
„Um Laufen zu lernen.“ Sie zeigt auf seine Schlittschuhe. „Du hättest es auch gebrauchen können.“
„Noch bin ich nicht hingefallen.“
„Ich meinte, du bist langsam.“ Sie grinst und streckt ihm die Hand hin, zieht sie zurück. „Hast du Handschuhe?“
„Vergessen.“
„Ist das okay für dich?“
„Wegen der Kälte?“
„Auch.“
Magne greift vorsichtig nach ihrer Hand; sie ist hart und steif und verflucht kalt. Es fühlt sich nicht an wie eine Hand, eher wie ein geformter Stein, der zu lange im Fjord lag. Ihre Finger schließen sich; Magnes Herz klopft so laut, dass er Angst hat, es könnte ihm aus der Brust springen und davonhüpfen.
„Sag Bescheid, wenn es nicht mehr geht“, sagt Jill.
„Mach ich“, sagt Magne. Langsam laufen sie los.
Einmal angefangen, hört sie nicht auf zu reden; dass ihre Familie Dänemark für Norwegen verlassen hat, weil Jill hier ein halbwegs normales Leben führen kann. Dass ihre Schwester es leid ist, wenn Entscheidungen immer zu Jills Gunsten getroffen werden. Dass Jill sich manchmal fragt, ob sie mehr Mensch oder Eiszapfen sei; ein schwarzes Zebra mit weißen Streifen oder ein weißes Zebra mit schwarzen Streifen. Dass sie ihre Freunde vermisst.
„Vielleicht ziehen wir nochmal um, Papa sucht gerade nach einem Haus, das auch für mich passt. Dann könnte ich mit unter dem Dach wohnen.“
„Tust du das nicht?“
„Ne. Im Baumhaus.“ Sie sieht ihn an. „Komm, lach schon.“
„Warum sollte ich?“
„Weil … egal.“
Sie umkreisen eine Gruppe Eltern, die Jill unverhohlen anstarren. Sie drückt seine Hand fester. Magne beißt sich auf die Unterlippe.
„Deine Hand zittert“, stellt Jill fest und löst ihren Griff. „Du sollst doch Bescheid sagen, wenn es zu viel wird.“
„Alles bestens.“
„Wirklich?“
„Nur Zahnschmerzen.“

Ihren ersten Kuss haben sie unter einer stillgelegten Eisenbahnbrücke. Hier kommt nur her, wer keinen anderen Ort zum Knutschen hat. Kurze Küsse gehen; bei langen kann es passieren, dass seine Lippen an ihren festfrieren. Wenn Magne mit den Fingern über seine Lippen fährt, sind sie spröde von der Kälte; Jills fühlen sich an wie tiefgefrorene Glasmurmeln. Von Hooge leiht er sich Pulswärmer; die zieht er an, wenn er heimfährt. Seine Eltern sollen nicht sehen, wie blass seine Hände geworden sind. Von Jill erzählt er ihnen nicht; er will nicht, dass sie sich Sorgen machen.
Eigentlich will Magne ein Jahr nach Saint-Denis, als Kellner arbeiten und akzentfreies Französisch lernen. Als er Jill davon erzählt, nickt sie.
„Nach Frankreich würde ich auch gerne“, sagt sie. „Manchmal guck ich mir auf Pinterest Orte und Städte an, wo ich noch nicht war.“ Sie schweigt einen Moment. „Ich würde gerne mal nach Bordeaux. Und Havanna.“
Du kannst mich ja besuchen, möchte Magne sagen, aber er beißt sich auf die Zunge. Seine Zähne schmerzen.

Jills Eltern fahren für ein Wochenende runter nach Trondheim. An der Kasse nach Kondomen zu fragen, ist ihm peinlich, aber als er mit der Packung in der Hosentasche den Laden verlässt, ist er seltsam stolz auf sich.
Um sieben Uhr klingelt er an ihrer Tür. Jill reicht ihm zur Begrüßung einen Schlüssel. „Für den Keller“, sagt sie. „Meine Schwester hat dir ein Bett mit Decken und einer Heizung aufgebaut.“
Magne nimmt den Schlüssel und steckt ihn zu den Kondomen. Er sagt kein Wort, nickt nur und lächelt.
Mit Jills älterer Schwester Pauline backt er Pizza. Jill ist draußen und schaukelt. Pauline hat kastanienbraune Haare, die sie im Gegensatz zu Jill zum Zopf gebunden hat, lange Wimpern und Sommersprossen. Manchmal ertappt Magne sich dabei, wie er Pauline betrachtet und sich vorstellt, wie Jill aussehen würde. Braun, denkt er. Hätte sie Melanin im Körper, es wären braune Augen.

Jills Bett ist viel bequemer, als Magne es sich ausgemalt hat. Er hat sich einen Timer gestellt; zwölf Minuten draußen, dann aufwärmen. Es braucht Überwindung, Pullover und Shirt auszuziehen. Er schüttelt sich, ihm klappern die Zähne. Jill behält ihr Shirt an; Arm in Arm liegen sie im Bett. Das Mondlicht reicht nicht bis in das Baumhaus. Trotz der Dunkelheit kann Magne ihre tiefblauen Beine erkennen. Er greift nach seinem Gürtel.
„Warte“, sagt sie. Sie setzt sich auf, legt ihm die Hände auf die Brust und schließt die Augen; Magne holt Luft. Er schüttelt sich. Beinahe hätte er ihre Hände weggeschlagen. Er atmet zu schnell, stellt er fest, und zwingt sich, langsamer Luft zu holen. Die Schläfrigkeit, die er gerade noch hatte, ist verschwunden. Er legt die Arme hoch und schließt die Augen; sein Herz peitscht.
„Ich kann deinen Herzschlag spüren“, sagt Jill mit einem Lächeln. Eine Weile lang sagt sie nichts. „Magne?“
„Hm.“
„Kann ich dir was sagen?“
Magne öffnet die Augen. „Ist das eine Fangfrage?“
„Bitte. Sei ernsthaft.“ Sie flüstert.
Er wirft einen Blick auf den Timer. Noch sechs Minuten. Allmählich fühlt sich die Kälte schön an. „Was geht dir durch den Kopf?“
„Ich denke die ganze Zeit dran, aber … ich dachte, es wäre klüger, wenn ich es dir stattdessen zeige. Du hast doch mal gesagt, dass du dich immer fragst, was in meinem Leben alles anders sei. Wegen den Schuhen, vor unserem ersten Date.“
„Ich erinnere mich.“
„Ich bin ein Mensch, Magne. Wirklich.“ Sie greift ihr Shirt und zieht es sich über den Kopf, löst den schwarzen BH. „Und ich will es dir beweisen.“
Vorsichtig berührt Magne ihre Brüste, fährt mit dem Finger das Brustbein entlang. Er braucht einen Moment, bis er es sieht; hinter der Brust, tief im Eis, sitzt ein schwarzes Ding, groß wie eine Faust. Ein dicker, lebloser Klumpen.
„Ist das …“, er bricht ab, legt eine Hand auf ihre Brust, greift mit der anderen nach ihrer Hand, sucht die Pulsader. Alles, was er spürt, ist Kälte. Er nimmt die Hand weg; der schwarze Klumpen regt sich nicht.
„Jill“, flüstert er. Er setzt sich auf, sie zieht ihre Hände zurück. In der Dunkelheit fällt es Magne schwer, klare Gesichtszüge zu erkennen. Nur Eis, das sieht er.
„Was ist?“, flüstert sie.

„Und dann?“
Magne kann Hooges Vater aus dem Haus hören. Er ruft zum Abendessen. Sie liegen auf dem Steg, die nackten Füße im See. Die Sonne wärmt Magnes Gesicht, die erhitzten Bretter seinen Rücken. Es riecht nach selbstgebackenen Vanilleboller.
„Ich hab gesagt, ich brauche fünf Minuten. Den Kopf freibekommen“, sagt Magne.
„Und sie hat es falsch aufgenommen.“
„Es war keine Absicht.“
„Klar. Tut sicher trotzdem weh.“ Hooge nimmt einen Schluck vom Cidre. „Scheiße. Ein totes Herz.“
„Ja Mann.“
„Und dann war … vorbei?“
Magne nickt. „Das hat die Situation irgendwie ziemlich gekillt. Ich meine, zuerst. Auf dem Weg heim … keine Ahnung, da war der Gedanke schon normal. Eigentlich hätte ich es mir sogar denken können. Aber zu spät. Ich glaube, Jill ist verletzt. Sehr. Sie hat nicht damit gerechnet.“
„Seid ihr noch zusammen?“
„Keine Ahnung. Hab seit gestern Nacht nicht mehr mit ihr gesprochen. Sie geht nicht an ihr Handy.“
„Ganz schlechtes Zeichen.“
„Ich sollte bei ihr vorbei …“
„Auf keinen Fall, Alter. Das klappt nur in Filmen.“
Hooges Vater ruft erneut. Hooge beschimpft ihn und sagt, er wäre beschäftigt. Es wird still auf dem Steg.
„Kann ich ein paar Stunden bleiben?“, fragt Magne. „Ich will noch nicht nach Hause.“
„Klar, Mann.“ Hooge seufzt. „Vor morgen würde ich nicht bei ihr aufkreuzen. Sie muss sich wahrscheinlich erstmal sammeln.“
Magne starrt auf den See. „Wenn ich sie mag und sie mich, dann ist das doch Grund genug, oder? Alles andere muss sich doch lösen lassen. Irgendwie.“
Sein Kumpel schweigt.
„Hooge?“
„Hmm?“
„Lässt sich das …?“
„Ich weiß es nicht, Magne. Ich weiß es wirklich nicht.“

 
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Hi @Meuvind ,

da komme ich doch auch mal zu einem Gegenbesuch ^^.

Bei Deiner Geschichte geht es mir anders als den meisten bisherigen Kommentatoren. Für mich war es sehr schwer den Einstieg zu finden, dafür feiere ich das offene Ende!

Daher zuerst zum Ende: Tatsächlich begeistern mich offene Enden ausgesprochen selten - wenn es überhaupt jemals jemandem gelungen ist. Der Eindruck vom Ende ist für mich absolut entscheidend dafür, ob ich mich auf eine weitere Geschichte desselben Autors einlasse. Daher Daumen hoch für das dieses Ende!

Wie den meisten anderen Kommentatoren auch, gefällt mir die Idee. Sie ist aus Eis! Eat this. Und für mich käme es ebenfalls einer Entzauberung gleich, wenn Du erklären würdest, wie das sein kann. Da stimme ich Dir zu.

Doch gerade weil die Idee und das Ende mich so begeistern, hadere ich umso mehr mit dem Anfang. Anscheinend bin ich die einzige, die damit ein Problem hat und noch dazu bin ich neu hier. Sollte ich mich darüber also auslassen? Wäre wohl klüger es zu lassen- aber ich bin masochistischer veranlagt als mir lieb ist und mache es entgegen aller Alarmglocken ^^.

Hier also meine Thesen dazu, warum ich den Einstieg in die Geschichte so schwierig fand: Magne stört sich an seiner Umgebung (das Verb stören verwendest du sogar zweimal). Er will weg von dort. Dieses Unwohlsein könnte ich gut nachvollziehen ebenso wie den Drang weg zu wollen. Dennoch charakterisiert dieser Absatz Magne erst einmal als einen typischen Jugendlichen, in einer Umgebung, die ich kaum greifen kann und die somit kein weiteres Interesse weckt. Im Umkehrschluss heißt das: Meine Leseerwartung ist hier, dass ich eine - sorry - langweilige Geschichte über einen störrischen Jugendlichen erzählt bekomme. Nicht einmal die Umgebung weckt mein Interesse und dann ist auch noch „irgendein“ Tag - etwas viel des „I don‘t give a ***“. Wenn weder der Charakter noch die Umgebung noch die Zeit Spannung verspricht, bleibt nur der Titel.

Und der Titel „Jill aus Eis“ sagt mir tatsächlich, dass da mehr drin ist. Zu allem Übel muss ich nun aber Arbeit investieren, um die zweite zentrale Figur (Jill) überhaupt kennenzulernen. Denn alles, womit sie sich vorstellt sind zunächst ihre Klamotten. Da sie nicht zur Umgebung passen, fällt es mir an dieser Stelle so richtig schwer dem Text weiter zu folgen. Ich muss anhalten und mir das ausmalen. Das ist Arbeit, aber ich investiere sie. Jetzt löst sich aber der Spannungsbogen des Titels in Wohlgefallen auf: Da steht ein Mädchen namens Jill, die aus Eis ist. Jetzt bin ich enttäuscht und sogar ein kleines bisschen genervt. Ich erwarte eine Geschichte über einen typischen Jugendlichen, dessen einziger Konflikt darin liegt, dass er so schnell wie möglich von dem jetzigen Ort weg will und der im Folgenden vor der Entscheidung stehen wird, ob er nicht doch dort bleibt, weil ihn jetzt Jill lockt. Für Jugendliche ist das ein typischer Konflikt. Will heißen: Eine typische Figur mit einem typischen Problem in einer nicht weiter interessanten Umgebung... uff, jetzt muss ich wirklich weiterlesen? Ok, mach ich.

Und dann stellt sich wider Erwarten heraus, dass es sich so richtig, richtig gelohnt hat weiterzulesen! Die Arbeit vom Anfang wird belohnt. Die Geschichte bekommt interessante Twists und endlich kriege ich ein Gefühl für die beiden Charaktere und ihre Beziehung. Das ist spannend! Die Beziehung. Nun da für mich klar ist, dass die Beziehung das Spannungsmoment ausmacht, bleibe ich dabei und habe für mich zwar noch keinen Page-Turner, aber eine gute Geschichte gefunden.

Für meine Wenigkeit steht am Anfang also viel Arbeit und niedrige Leseerwartung dem Einstieg im Weg. Ein Anfang, bei dem die Beziehung als spannendes Element der Geschichte klar wird, könnte eventuell Abhilfe schaffen. Oder ein Anfang, der Magne für mich zugänglicher macht. Vielleicht fokussierst Du mehr auf sein inneres Unwohlsein als darauf, dass ihn alles stört? Dann fiele es mir leichter emotional anzudocken. Oder Du müsstest die Begegnung zwischen den beiden etwas umstellen, sodass hier erst etwas interessantes passiert und ich mir dann Jills Klamotten näher anschaue?!?

Ich kämpfe selbst damit Beziehungen als Spannungsmoment aufzubauen. In der Theorie ist mir schon klar, dass es dafür der hohen Kunst bedarf, den Leser mit einem spannenden ersten Eindruck zu füttern usw. Die Umsetzung ist das schwierige. Wie gesagt: Es überrascht mich sehr, dass der Anfang nur bei mir nicht funktioniert hat und ich frage mich, ob ich mich auf meiner Suche nach guten Geschichten nicht doch durch mehr sperrige Anfänge hätte durcharbeiten sollen ... vielleicht ist der Lohn ja wie hier umso größer? Tolkien lässt grüßen 😄.

Liebe Grüße
Die Chrio

 
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02.01.2011
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Moin @Meuvind,

mir hat die Geschichte gut gefallen. V.a. die Idee des Mädchens aus Eis finde ich sehr gut. Ich finde, das ist auch so schön metaphorisch, für ein faszinierendes, aber „kaltes“ Mädchen; die Schmerzen, die bei Magne in dieser Beziehung aufkommen, dass er sie nicht lange berühren kann etc. Also gerade diese metaphorische Bedeutung, mit einem „kalten Menschen“ zusammen zu sein, gefällt mir hervorragend.

Meinem Geschmack nach hättest du diesen Bogen der Metapher auch mit dem Ende der Geschichte zuende bringen müssen. Wie ist es, mit einem sehr kalten Menschen zusammen zu sein? Ich hätte es so geil gefunden, wenn dein Prot sich nach der Nacht mit Jill richtig krass erkältet hätte - wenn ihn praktisch ihr sehr nah zu kommen krank macht, aber gleichzeitig extrem glücklich bzw. er ist süchtig danach, ihr ganz nah zu kommen und kann nicht anders. Das wäre ein Dilemma gewesen, was mir hier gefallen hätte, weil es eben die Metapher zu Ende führen würde. Vllt. hat Magne am Ende deiner Geschichte super harte Erfrierungen überall und all seine Freunde und Familie sagen ihm, lass das!, aber er kann nicht anders, als weiter Jill zu treffen und sich weiter zu unterkühlen. Vllt müsste er es am Ende einsehen, dass er sich trennen muss, weil die Beziehung aus dem Grund einfach zu toxisch ist. Also ich will dir nicht sagen, was du hättest schreiben sollen, das ist irgendwie unschön, ich nehme nur deine vorhandene Metapher/Story und denke mir, das hätte man strikt zuende erzählen müssen, dann würde ich es hart abfeiern! ;) Ich hoffe, das ist nicht nur mein eigener »Geschmack«, ich möchte dir auch nichts aufdrücken, sondern ich sehe da einfach noch mal Potential, wenn du deine Metaphern und Konflikte, die du in deinen sehr fantasiereichen Storys zu Anfang aufwirfst, zuende führst.

Also, Hab ich wirklich gerne gelesen, das Ende ist OK, aber hier verschenkst du mMn etwas zu viel. Dein Prot hat noch nicht so viel gelernt, wie er aus dem Konflikt, der ihm widerfahren ist, lernen könnte. Oder anders: Der Konflikt, in den dein Prot geraten ist, hat deinen Prot noch nicht so sehr verändert, wie er es könnte. An der Stelle verschenkst du Potential.

Props gehen raus an deine Kreativität, die ich noch mal loben möchte. Das hab ich dir ja schon mal gesagt - das war bei Dschinn Tonic auch so, dass du so eine dir besondere Art der Fantasie mit «Realismus« vermischst, und heraus kommt dein ganz eigener Story-Stil, der deine persönliche Note trägt und der mir sehr gut gefällt.

Viele Grüße
zigga

 
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Hey @Chrio ,

Der Eindruck vom Ende ist für mich absolut entscheidend dafür, ob ich mich auf eine weitere Geschichte desselben Autors einlasse. Daher Daumen hoch für das dieses Ende!

Das klingt doch erstmal gut ;).

Und für mich käme es ebenfalls einer Entzauberung gleich, wenn Du erklären würdest, wie das sein kann. Da stimme ich Dir zu.

Schön, dass du das auch so siehst. Ich denke immer mehr, es steht und fällt mit der Erwartungshaltung. Ob man Antworten auf die eigenen Fragen bekommt, macht natürlich glücklich oder nicht.

Anscheinend bin ich die einzige, die damit ein Problem hat und noch dazu bin ich neu hier. Sollte ich mich darüber also auslassen? Wäre wohl klüger es zu lassen- aber ich bin masochistischer veranlagt als mir lieb ist und mache es entgegen aller Alarmglocken ^^.

Tja. Ich denke, meistens braucht es ein paar Dutzend Kommentare, bis Neuling sich confident genug fühlen, auch mal schwerere Kritik zu üben. Ganz davon abgesehen, dass das natürlich auch Übungssache ist. Wer mehr Kommentare schreibt, schärft den Blick. Und Texte von Forenmitgliedern, die vielleicht schon das ein oder andere Jahr da sind, schreiben natürlich nochmal anders. Da kann es einem sehr schwer fallen, gute Kritik zu üben, mit der man sich auch gut fühlt, sie gestellt zu haben.

Dennoch charakterisiert dieser Absatz Magne erst einmal als einen typischen Jugendlichen, in einer Umgebung, die ich kaum greifen kann und die somit kein weiteres Interesse weckt. Im Umkehrschluss heißt das: Meine Leseerwartung ist hier, dass ich eine - sorry - langweilige Geschichte über einen störrischen Jugendlichen erzählt bekomme. Nicht einmal die Umgebung weckt mein Interesse und dann ist auch noch „irgendein“ Tag - etwas viel des „I don‘t give a ***“. Wenn weder der Charakter noch die Umgebung noch die Zeit Spannung verspricht, bleibt nur der Titel.

Ist ja erst einmal nichts schlecht daran, ein typischer Jugendlicher zu sein. Was meinst du mit greifen? Greifst du die Umgebung nicht, weil sie dir nicht gut genug beschrieben wird, oder greifst du sie nicht, weil sie dir persönlich nichts bietet?
Ich überlege gerade, wie ich das bewerten soll. Vielleicht bist du einfach eine Leserin, die schnelle Einstiege braucht. Es freut mich natürlich, dass du die Geschichte zuende gelesen und kommentiert hast, aber wenn dich weder Charakter noch Umgebung noch Zeit ansprechen, warum hast du dann überhaupt zuende gelesen? Ich meine, du schuldest mir nichts, nur weil ich dir zwei Kommentare dagelassen habe :shy: lesen und kommentieren steht dir vollkommen frei, und wenn dir mein Anfang einfach ganz persönlich nicht zusagt, musst du ihn auch nicht lesen.
Den Tag nicht zu wissen war für mich kein Ausdruck von Rebellion, so schätze ich Magne nicht ein. Eher Desinteresse.

Denn alles, womit sie sich vorstellt sind zunächst ihre Klamotten.

Nein. Das erste, was vorgestellt wird, ist, dass sie einen Körper aus Glas hat; dann Klamotten und Tasche und Regenschirm, dann, dass das Glas eigentlich Eis ist. Ihre Andersartigkeit wird noch vor ihren Klamotten beschrieben.

Da steht ein Mädchen namens Jill, die aus Eis ist. Jetzt bin ich enttäuscht und sogar ein kleines bisschen genervt.
Für Jugendliche ist das ein typischer Konflikt. Will heißen: Eine typische Figur mit einem typischen Problem in einer nicht weiter interessanten Umgebung... uff, jetzt muss ich wirklich weiterlesen? Ok, mach ich.

Sry, aber das klingt mMn. nach einem Chrio-Problem und nicht nach einem Meuvind-Problem. Wenn der Titel "Jill aus Eis" heißt und ein Mädchen namens Jill aus Eis vorgestellt wird, was hast du dann erwartet? Eine besonders grausame Jill? Ich denke, der Haken liegt hier in Erwartungshaltung, denn du hast Recht: das hier ist mehr Romantik und mehr Jugend als Fantasy. Das hatte ich weiter oben schon MRG geschrieben. Wenn sich eine Geschichte um Jugendliche und den damit typischen Konflikten anbahnt und dann genau so eine Geschichte kommt, ist das eine Geschmacksfrage: Mag ich das oder mag ich das nicht? Es ist völlig okay, es zu mögen oder nicht zu mögen. Nur Ich-mag-das-nicht als Grund für Ich-mag-das-nicht anzuführen, hilft mir nicht weiter. Wenn ich dir Apfelkuchen serviere, aber du keinen Apfelkuchen magst, kommen wir beide einfach nicht auf einen Nenner, wenn du verstehst.

Ich bin auch deshalb ein wenig verwirrt, weil deine eigene Challenge-Geschichte doch auch von Jugendlichen gehandelt hat, und nicht nur das. Bei dir ging es sogar um ein ganz ähnliches Thema: Reue und Scham, weil man was verbockt hat. Ich behaupte einfach mal, dass die "typischen Jugendlichenkonflikte" bei dir ebenso Bestandteil des Textes sind wie bei mir.

Ein Anfang, bei dem die Beziehung als spannendes Element der Geschichte klar wird, könnte eventuell Abhilfe schaffen. Oder ein Anfang, der Magne für mich zugänglicher macht. Vielleicht fokussierst Du mehr auf sein inneres Unwohlsein als darauf, dass ihn alles stört? Dann fiele es mir leichter emotional anzudocken. Oder Du müsstest die Begegnung zwischen den beiden etwas umstellen, sodass hier erst etwas interessantes passiert und ich mir dann Jills Klamotten näher anschaue?!?

Findest du Magne unsympathisch? Falls ja, kannst du den Finger drauf legen und sagen, wie und warum?
Ich sehe auch nicht ganz, wo der Unterschied zwischen inneres Unwohlsein und "Magne stört alles" liegt. Zumindest so vom Lesen aus deinem Kommentar schätze ich es als dasselbe ein.

Nun da für mich klar ist, dass die Beziehung das Spannungsmoment ausmacht, bleibe ich dabei und habe für mich zwar noch keinen Page-Turner, aber eine gute Geschichte gefunden.

Naja, der Tag ist Romantik. Dass hier die Beziehung im Vordergrund steht, hätte ich dir auch sagen können und wird ziemlich schnell kommuniziert.

Tolkien lässt grüßen 😄.

Keine Sorge, ich schreibe keine 50 Seiten über Hobbits :D. Und um ehrlich zu sein, hab ich sie bei Tolkien ab Seite 20 auch übersprungen.

Ich hoffe, wir sind voneinender ein wenig schlauer geworden. Sry, falls wir beide mit unserer Kritik irgendwie aneinender vorbeigeschossen sind. Aber hey; das gehört eben auch dazu. Wichtig finde ich nur, dass man das aufklärt und nachher niemand verwirrt oder gekränkt ist.

Liebe Grüße
Meuvind

Hey @zigga ,

Mensch, ich hab mich richtig über deinen Kommentar gefreut :D hab sogar insgeheim gehofft, dass noch was von dir kommt, obwohl du dieses Mal nicht bei der Challange dabei bist.
Was mich mit am schönsten finde, ist, wie viele Leute ich mit Romantik abholen kann, bei denen ich nicht sagen würde, dass ich sie als typische Romantik-Autoren einordnen würde. Bin ja auch keiner. Ist vielleicht auch ein wenig unterrepräsentiert im Forum.

Meinem Geschmack nach hättest du diesen Bogen der Metapher auch mit dem Ende der Geschichte zuende bringen müssen. Wie ist es, mit einem sehr kalten Menschen zusammen zu sein?
Ich hätte es so geil gefunden, wenn dein Prot sich nach der Nacht mit Jill richtig krass erkältet hätte - wenn ihn praktisch ihr sehr nah zu kommen krank macht, aber gleichzeitig extrem glücklich bzw. er ist süchtig danach, ihr ganz nah zu kommen und kann nicht anders. Das wäre ein Dilemma gewesen, was mir hier gefallen hätte, weil es eben die Metapher zu Ende führen würde.

Um mal aus dem Nähkästchen zu plaudern: tatsächlich war das meine ursprüngliche Idee für das Ende. Ich ärgere mich gerade ein wenig, sie nicht doch irgendwie eingebaut zu haben, denn du hast Recht, dass würde das Dilemma auf eine neue Stufe heben. Die usprüngliche Idee war eine Stufenparty, nach der Jill und Magne es im Schnee treiben. Magne und Jill schlafen dabei ein, bis total besoffene Freunde von Magne ihn ganz blau finden und nen Krankenwagen rufen, damit er nicht erfriert. Hab mich aber doch dagegen entschieden, weil die Szene alleine so viel Platz gebraucht hat wie der Rest. Ich hab befürchtet, für das Forum wäre dieses Ende plus eigentliche Geschichte zu lange gewesen, gerade als Challenge-Beitrag, wo jeder bei jedem kommentiert. Da schrecken grausam-lange Texte ab.

Ich hoffe, das ist nicht nur mein eigener »Geschmack«

Im Gegenteil, wie gesagt, sehe ich auch so. Ich überlege gerade, wie ich das am besten mache. Link2fink hatte die Tage angestoßen, das mit den körperlichen Einschränkungen und Schmerzen ein wenig auszugleichen und Jill mitleiden zu lassen. Das will ich übernehmen, aber ich werde noch eine oder zwei Wochen warten und erst dann größere Änderungen am Text machen. A) weil er eben jetzt so Teil der Challenge ist und B), damit ich selbst ein wenig Abstand bekomme und nacher nicht Änderungen vornehme, die die ganze Geschichte zerschießen. Du hast mir auf jeden Fall auch noch einen Denkanstoß gegeben. Ich werde grübeln, wie ich deinen und l2fs Vorschlag umsetze.

Props gehen raus an deine Kreativität, die ich noch mal loben möchte. Das hab ich dir ja schon mal gesagt - das war bei Dschinn Tonic auch so, dass du so eine dir besondere Art der Fantasie mit «Realismus« vermischst, und heraus kommt dein ganz eigener Story-Stil, der deine persönliche Note trägt und der mir sehr gut gefällt.

Danke :D bisher hab ich ja einfach alles geschrieben, ganz von einem Genre unabhängig. Mittlerweile hab ich aber meine Nische gefunden, in der ich mich einfach wohlfühle: Reale Welt nach realen und dem Leser bekannten Regeln, dann aber fantastische Figuren und Dinge, die diese Regeln brechen.

Hat mich gefreut! Wir lesen voneinander.

Liebe Grüße
Meuvind

 
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05.09.2020
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Moin @Meuvind,

da bin ich, gespannt auf die Eis-Geschichte.

sein Azubi steht auf der Leiter und schlägt die Eiszapfen mit einem Hammer klein.
Ist nix falsch dran, bin aber kurz hängengeblieben. Wenn ich ihn mir auf der Leiter vorstelle, um die Eiszapfen vom Dach abzuhauen, dann passt "klein schlagen" irgendwie nicht so ganz. Wenn jemand was kleinschlägt, stelle ich mir vor, dass es auf einem Untergrund liegt und man draufhaut. Wenn Eiszapfen irgendwo runterhängen, stelle ich mir eher vor, dass man sie mit einem Schlag abhaut, sodass sie runterfallen.

Er hat den Becher in der Hand ganz vergessen „ Du … magst sicher keinen Kaffee.“
Da fehlt ein Satzzeichen und ein Leerzeichen hat sich reingemogelt.

Schnee legt sich dem Mädchen auf den Eiskopf.
Da du nicht ausdrücklich geschrieben hast, dass es schneit (oben nur "..verschneiten Schulhof.."), fänd ich hier vielleicht "Schneeflocken" besser als "Schnee". Oder es etwas umformulieren...so klingt es etwas sonderbar für mich.

„Manchmal wäre ich gerne Chirurg, dann könnte ich einen Blick in deinen Kopf werfen.“
:D

mit sich bringt er dunkle Wolken, schwere, zum Anschlag geladene Schiffe, die sich an den umliegenden Bergipfeln und Tannenkronen die Bäuche aufkratzen.
Beim ersten Lesen habe ich ein Bild von Schiffen im Fjord gehabt und war verwirrt. Dann hab ichs verstanden - ich würde vielleicht ein "wie" reinsetzen, also "...dunkle Wolken, wie schwere, ..." Dann wäre es zumindest sofort klar. Keine Ahnung, ob das schonmal jemand anderes angemerkt hat.

der Nacken ist schlimm, aber kein Vergleich zum Schritt.
Das ist witzig, und gut - du nutzt die Phantasie der Leser, ohne viel zu sagen.

Immer wieder ertappt er sich dabei, dass er an den Fingernägeln knabbert
Mein Kopf macht da "wie" draus..

Sie umkreisen eine Gruppe Eltern, die Jill unverhohlen anstarren.
Hier frage ich mich kurz: Müssten sie nicht eigentlich alle anstarren?

An der Schule stört ihn, dass Lehrer nie einen anderen Beruf hatten. Wie soll ihn jemand auf das Leben nach der Schule vorbereiten, der nie selbst außerhalb der Schule gearbeitet hat?
Verdammt guter Punkt, und generell ein Thema, das selbst viele Geschichten füllen könnte.

Die Schläfrigkeit, die er gerade noch hatte, ist verschwunden.
Klingt etwas seltsam, "Schläfrigkeit haben".

In der Dunkelheit fällt es Magne schwer, klare Gesichtszüge zu erkennen. Nur Eis, das sieht er.
Gibt es einen Grund für den extra Satz? Ich sehe ihn irgendwie nicht...könnte für mich auch sein, "...zu erkennen, er sieht nur Eis."

Habe gelesen, dass einige das Ende zu abrupt fanden, was ich verstehen kann. Allerdings finde ich es nicht schlecht, nur schade, denn ich hab die Geschichte gern gelesen und hätte einfach gern weitergelesen! Ich finds gut, dass du das Ende offen gelassen hast. Man fängt an nachzudenken, sich zu fragen, kann Liebe das, was auch immer mit Jill passiert ist, rückgängig machen? Super kitschig, mag man vielleicht denken, hab ich jedenfalls direkt gedacht - mir ist dann allerdings auch aufgefallen, dass bei Groundhog Day/Täglich grüßt das... eben genau das den Bann bricht. Und: ich liebe den Film... Aber trotzdem find ichs gut, dass man sich als Leser solche Gedanken machen kann und du es offen gelassen hast.

Hab ich gern gelesen, gut und flüssig geschrieben, du baust eine gewisse Spannung auf.

Viele Grüße,
rainsen

 
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Hey @Meuvind ,

vielen Dank für Deine Antwort.

Wenn ich dir Apfelkuchen serviere, aber du keinen Apfelkuchen magst, kommen wir beide einfach nicht auf einen Nenner, wenn du verstehst.
:lol: #Ab durch die Hecke: Aber ich mag doch den Keks.

Sry, aber das klingt mMn. nach einem Chrio-Problem und nicht nach einem Meuvind-Problem. Wenn der Titel "Jill aus Eis" heißt und ein Mädchen namens Jill aus Eis vorgestellt wird, was hast du dann erwartet?
Ja, kann schon sein, dass es ein Chrio-Problem ist. Das habe ich nach dem Lesen der Kommentare auch gedacht. Mein Problem ist aber nicht, dass Jill aus Eis ist. Mein Problem ist, dass hier der Anreiz die Geschichte weiterzulesen endgültig in die Brüche gegangen ist. Das mag sich auf ein Chrio-Problem reduzieren, ganz klar. Mein Versuch war es dies näher zu beschreiben und ich frage mich, ob dahinter möglicherweise ein handwerkliches Problem liegt. Anderen fehlte die nähere Beschreibung der Umgebung oder sie hätten sich mehr Infos zu Jills Entstehung gewünscht. Daher kann ich mir vorstellen, dass da noch 'irgendetwas' im Argen liegt, nur dass ich offenbar schwerlich den Finger drauf legen kann ... vielleicht gelingt das jemand erfahrenerem besser.

Findest du Magne unsympathisch? Falls ja, kannst du den Finger drauf legen und sagen, wie und warum?
Ich sehe auch nicht ganz, wo der Unterschied zwischen inneres Unwohlsein und "Magne stört alles" liegt. Zumindest so vom Lesen aus deinem Kommentar schätze ich es als dasselbe ein.
Hier gelingt mir das mit dem zeigen vielleicht besser. Ja, Magne finde ich unsympathisch, aber unsymphatische Charaktere finde ich grundsätzlich interessant. Mich überrascht, dass Du das wohl gar nicht intendiert hattest!?
Das entscheidende ist mE nicht der Unterschied zwischen innerem Unwohlsein und 'ihn stört alles'. Ich stelle die Vermutung in den Raum, dass möglicherweise ein Blick auf die Welt - so wie Magne sie sieht (von-innen-nach-außen: Also ein Blick auf seine Umgebung aus seiner Perspektive heraus) - den Einstieg in die Geschichte etwas ebnen könnte.
Es kann aber auch sein, dass die Hürden auf der sprachlichen Ebene liegen, nur gelingt es mir da leider nicht, Dir konkret aufzuzeigen, warum ich anfangs so viel Mühe hatte. Ich denke gerne noch einmal drüber nach, aber hoffe insgeheim darauf, dass Andere da weiterhelfen mögen. Falls nicht, auch gut, dann war es möglicherweise doch ein Chrio-Problem kein Meuvind-Problem :lol:.

Tja. Ich denke, meistens braucht es ein paar Dutzend Kommentare, bis Neuling sich confident genug fühlen, auch mal schwerere Kritik zu üben. Ganz davon abgesehen, dass das natürlich auch Übungssache ist. Wer mehr Kommentare schreibt, schärft den Blick. Und Texte von Forenmitgliedern, die vielleicht schon das ein oder andere Jahr da sind, schreiben natürlich nochmal anders. Da kann es einem sehr schwer fallen, gute Kritik zu üben, mit der man sich auch gut fühlt, sie gestellt zu haben.
Thanks a lot für Dein Verständnis! Stimmt wohl, beides unter einen Hut zu bringen: Gute Kritik üben und sich damit Wohlfühlen ist eine Herausforderung für sich. Immer wieder diese Übung ...

Liebe Grüße
die chrio

 
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Hallo @Meuvind

schön, dass du vorbeigeschaut hast. Was mache ich denn jetzt? Da war ja gar keine Kritik bei :D aber was, ist ja auch schön.

Gern geschehen.
In dem Fall hatte ich einfach nichts zu meckern :D Kommt ab und an mal vor.

Ne, schon Eis. War mir nicht sicher, wie das mit dem Glasvergleich ist. Ich dachte mir, gut möglich, dass da jemand motzt; wäre zu ähnlich, würde falsche Bilder erzeugen und so weiter. Hat sich aber bisher keiner dran gestoßen, also schätze ich, die Gedanken waren unbegründet.

Das ist doch schön.

Ich würde gar nicht sagen "trotz ihrer Andersartigkeit", sondern "gerade wegen ihrer Andersartigkeit"

Stimmt :)

Danke dir für den Kommentar! Dann warte ich mal aufs Wochenende, da lesen wir wieder voneina

Gern geschehen.

Ich wünsche Dir einen erholsamen Sonntag.

Ganz liebe Grüße,
Silvita

 
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Hey @rainsen .

danke für den Kommentar! Hab die ganzen Flusen direkt übernommen.

Wenn Eiszapfen irgendwo runterhängen, stelle ich mir eher vor, dass man sie mit einem Schlag abhaut, sodass sie runterfallen.

Ist gebongt.

Mein Kopf macht da "wie" draus..

Hab ich früher auch immer anstatt "dass" geschrieben, aber alle haben sich beschwert. Jetzt hab ich mir "dass" angewöhnt und dann das :D.

Müssten sie nicht eigentlich alle anstarren?

Dachte mir, dass die Kinder sie bereits aus der Schule kennen oder selbst gesehen haben. Außerdem ist für ein Kind was Fantastisches weniger unrealistisch als für die Erwachsenen, die sich mit den Regeln der Realität arrangiert haben.

Verdammt guter Punkt, und generell ein Thema, das selbst viele Geschichten füllen könnte.

Sehe ich auch so. Hast du Bock, mal zu einem Stammtisch zu kommen? Ich glaube, wir könnten uns interessant unterhalten :lol:.

Klingt etwas seltsam, "Schläfrigkeit haben".

Ja, jetzt wo du es sagst, sehe ich das. Mir fällt aber bei bestem Willen gerade keine Alternative ein, die besser klingt, deswegen lasse ich es für den Moment stehen.

Gibt es einen Grund für den extra Satz? Ich sehe ihn irgendwie nicht...könnte für mich auch sein, "...zu erkennen, er sieht nur Eis."

Wollte halt betonen, dass Jill ohne Menschlichkeit erscheint, halt nur als Eis. Also genau diese Angst, die sie nen Absatz zuvor Magne anvertraut hat.

Aber trotzdem find ichs gut, dass man sich als Leser solche Gedanken machen kann und du es offen gelassen hast.

Sehe ich auch so. Ich will einfach keine Antwort geben, das geht nicht, ohne da abzubrechen.

Danke dir für deinen Kommentar! Hat mir doch nochmal geholfen, den Text abzurunden.

Liebe Grüße
Meuvind

Hey @Chrio ,

schön, dass du nochmal vorbeigeschaut hast.

Mein Problem ist, dass hier der Anreiz die Geschichte weiterzulesen endgültig in die Brüche gegangen ist. Das mag sich auf ein Chrio-Problem reduzieren, ganz klar. Mein Versuch war es dies näher zu beschreiben und ich frage mich, ob dahinter möglicherweise ein handwerkliches Problem liegt. Anderen fehlte die nähere Beschreibung der Umgebung oder sie hätten sich mehr Infos zu Jills Entstehung gewünscht. Daher kann ich mir vorstellen, dass da noch 'irgendetwas' im Argen liegt, nur dass ich offenbar schwerlich den Finger drauf legen kann ... vielleicht gelingt das jemand erfahrenerem besser.

Ich denke, ich verstehe jetzt, was du meinst. Selbst sehen kann ich das aber auch nicht. Am besten dürfte es sein, wenn ich einfach auf andere Kommentare warte und schaue, ob noch jemand darüber stolpert. Und wenn nicht, hab ich festgestellt, dass man mit zeitlichem Abstand zur eigenen Geschichte Probleme nochmal deutlich leichter findet.

Ja, Magne finde ich unsympathisch, aber unsymphatische Charaktere finde ich grundsätzlich interessant. Mich überrascht, dass Du das wohl gar nicht intendiert hattest!?

Uhm ne :D nicht wirklich, ne. Wobei ich zugegebenermaßen nicht alzu viel Arbeit in Magnes Persönlichkeit gesteckt hab. Der ist ein wenig verpeilt und hat zwei Wünsche, die sich nur schwer unter einen Hut bringen lassen, mehr nicht.

Thanks a lot für Dein Verständnis! Stimmt wohl, beides unter einen Hut zu bringen: Gute Kritik üben und sich damit Wohlfühlen ist eine Herausforderung für sich

Gerne doch. Aber du hast recht, es ist nicht leicht. Besonders, wenn man dann doch mal eben anfängt, schärfer Kritik zu üben und entweder auf Unverständnis trifft oder über das Ziel hinaus schießt. Aber hey, alles Übungssache. Ich behaupte mal, 99% der Leute wird es dir nicht übel nehmen.

Liebe Grüße
Meuvind


Hey @Silvita ,

schön, dass du auch nochmal vorbeigeschaut hast.

Gern geschehen.
In dem Fall hatte ich einfach nichts zu meckern :D Kommt ab und an mal vor.

Ja, aber das ist dann surreal, wenn man den Kommentar durchgeht und sich denkt, wo bleibt dann jetzt das Gemotze? Das macht es natürlich nicht weniger schön :lol:.

Ich wünsche Dir einen erholsamen Sonntag.

Danke, dir auch!

Liebe Grüße
Meuvind

 
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Tach @Meuvind,

Hab ich früher auch immer anstatt "dass" geschrieben, aber alle haben sich beschwert. Jetzt hab ich mir "dass" angewöhnt und dann das :D.
Haha, interessant, wie einen das Forum prägt (ich merke das auch schon ordentlich)!

Dachte mir, dass die Kinder sie bereits aus der Schule kennen oder selbst gesehen haben. Außerdem ist für ein Kind was Fantastisches weniger unrealistisch als für die Erwachsenen, die sich mit den Regeln der Realität arrangiert haben.
Klingt plausibel. Es kommt wohl auch ein bisschen drauf an, wie lange sie schon in dem Ort ist, und klar hast du recht, Kinder sind ja oft viel toleranter bzw akzpetieren Dinge eher als normal.

Sehe ich auch so. Hast du Bock, mal zu einem Stammtisch zu kommen? Ich glaube, wir könnten uns interessant unterhalten :lol:.
Hehe, klar voll gerne :) Kann man da einfach mitmachen?

Ja, jetzt wo du es sagst, sehe ich das. Mir fällt aber bei bestem Willen gerade keine Alternative ein, die besser klingt, deswegen lasse ich es für den Moment stehen.
Es ginge zB
Die Schläfrigkeit, die ihn gerade noch im Griff hatte...
Plötzlich war die Schläfrigkeit von eben verschwunden. (finde ich ganz gut)

Wollte halt betonen, dass Jill ohne Menschlichkeit erscheint, halt nur als Eis. Also genau diese Angst, die sie nen Absatz zuvor Magne anvertraut hat.
Jo, das wird klar. Finde den Satz dennoch unnötig holprig. "Er sieht nur Eis." würde mir reichen, da würd ich den Effekt schon haben. Aber muss ja nicht :)

Danke dir für deinen Kommentar! Hat mir doch nochmal geholfen, den Text abzurunden.
Sehr gerne!

Gruß,
rainsen

 
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Hallo @Meuvind

Es sind auch nicht die verschneiten Kiefernwälder, die überall entlang des Fjords und der Berghänge stehen
Ungünstiges Verb. Bäume stehen, Wälder erstrecken sich vielleicht besser.
nicht der Sommer, der nie länger als sechs Wochen dauert.
Mit solchen Formulierungen habe ich immer meine Mühe, stehe aber häufig alleine damit da. Denn es ist ja nicht der Sommer, der Magne stört, sondern die Tatsache, dass der Sommer so kurz ist.
Magne stören die immerselben Boote, die über das kristallklare Wasser schippern und zum Fischen auf das Meer hinausfahren
Wiederum stören ihn nicht wirklich die Boote (ich habe tatsächlich zuerst gedacht, Magne sei ein Umweltschützer oder so und kämpfe gegen die Überfischung der Meere. Ihn stört, dass es immer die gleichen Boote sind.
Ich bin mir im Übrigen nicht sicher, ob es das Wort "immerselbe" wirklich gibt, auch wenn Google den einen oder anderen Treffer anzeigt. Ich würde "immergleiche" schreiben.

die vertrauten Gesichter
Das Adjektiv finde ich ungünstig gewählt, weil es positiv konnotiert ist.
Er hat das Gefühl, etwas zu verpassen, das er gar nicht benennen kann. Wo er es finden kann, weiß er nicht; in Frankreich vielleicht,
Also stört ihn eben doch, dass er am Arsch der Welt wohnt. Ich finde den Gedankengang hier nicht konsequent.
das stellt er sich spannend vor.
Vielleicht ist "spannend" das langweiligste Adjektiv auf Erden. Verwendet man ja auch, wenn man jemandem zuhört, das Gähnen unterdrücken muss und einem partout nichts einfallen will.
In jeder Hand einen Becher Kaffee marschiert Magne über den verschneiten Schulhof, die Knie immer hoch, um durch den Schnee zu kommen.
unnötige Doppelung. Ich würde "verschneit" streichen.
Der Basketballkorb trägt einen Frostbart.
Nice!
sein Azubi steht auf der Leiter und schlägt nach den Eiszapfen mit einem Hammer.
mit einem Hammer nach den Eiszapfen fände ich wesentlich natürlicher.
Vor Magne erheben sich Beton und Glas, der C-Flügel. Er eilt gerade die Treppen hoch, als er sie sieht.
Das finde ich nicht so gut gelöst. Schon das Komma nach Glas. Da würde ich eher einen Punkt setzen, weil man sonst C-Flügel mit "erheben" verknüpft. Und dann dieses Er tut gerade X, als er die zweite Hauptfigur im Text zum ersten Mal sieht. Und dann sieht er sie. Ich würde mir überlegen, wie du ohne dieses, Achtung, jetzt kommt's! arbeiten könntest.
Anstatt Winterkleidung
Statt würde mir besser gefallen.
Anstatt Winterkleidung trägt sie einen luftigen Sommerpullover mit weiten Ärmeln und einer kastanienbraunen Jeans.
eine kastanienbraune
mit Aufnähern von Punk-Bands, die Magne allesamt unbekannt sind.
Woher weiss er dann, dass es Punk-Bands sind? Lieber konkret: Wie sehen die Aufnäher aus?
Im warmen Licht der Wandlampe schimmert ihr Körper auf
streichen.
wie ein lapislazulifarbener Bernstein.
Das geht nicht. Es mag offenbar auch blauen Bernstein geben, aber das ist so stark mit der Farbe Gelb assoziert, das gibt sogleich einen Knoten beim Lesen. Und überhaupt: Eine Farbe mit der Farbe eines Steines zu vergleichen, der aber die Farbe eines anderen Steines hat. Ne.
Das Eis ist so transparent, dass Magne nur schwer ihre Gesichtszüge voneinander unterscheiden kann.
Für mich bezeichnet "Gesichtszüge" die Gesamtheit der Merkmale, also Nase, Mund etc inbegriffen. Man kann also nur die Gesichtszüge zweier Menschen miteinander vergleichen.
die Haare fallen ihr bis zur Schulter.
Ich finde es super, wie du Jill einführst und viele Kommentatoren haben dich zurecht dafür gelobt, wie du das gemacht hast. Aber hier wäre ich vorsichtig. Die Haare "fallen". Aber die sind ja auch aus Eis, das passt nicht gut. Vielleicht "reichen". Ich würde sogar ganz auf die Haare verzichten. Damit lenkst du bloss die Aufmerksamkeit der Leser*innen auf Details, die keinen Gewinn bringen, aber Anlass geben könnten, dein Setting zu hinterfragen.
Magne sieht sie beim Essen wieder. Zusammen mit Hooge stapft er den Weg zur Mensa hinauf und schmiedet Pläne, wie er Jill ansprechen könnte, als er sie bemerkt;
Finde ich eine etwas holprige Konstruktion.
auf einer verschneiten Bank, dort auf der Terrasse
streichen
und lehnt sich mit dem Rücken an die Glasscheibe an.
Unschön. Vielleicht einfach mit dem Rücken gegen die Glasscheibe lehnen?
In der Menge hebt sich eine Kinderhand; ein kleiner Junge, blonde Haare, krumme Nase. Kurt.
Ich würde Kurt kicken. Der kleine Bruder hat überhaupt keine Funktion im Text. Hier besonders. Der steht da bloss rum und die Leser wissen nicht, wer das ist.
Magne löst den Blick von der Scheibe und zwingt sich, seine Erbsen anzustarren. Er zuckt mit den Schultern. Zu seiner Erleichterung hält der Rest des Tisches die eigenen Gespräche für interessanter. Magne pickt nach den Erbsen.
Eines von beiden würde ich streichen.
Sein Kumpel wird rot. „Aua.“
„Tschuldigung.“
„Arschloch.“
„Selbst.“
Du arbeitest die Geschichte sehr stark über Dialoge ab. Da würde ich dann aber schauen, dass du schlank und beim Wesentlichen bleibst. Den Part hier würde ich streichen.
„Warum nicht?“
„Sie ist aus Eis, Magne! Aus Eis! Vermutlich schmilzt sie, wenn sie den Becher nur anfasst.“ Er verschränkt die Arme. „Manchmal wäre ich gerne Chirurg, dann könnte ich einen Blick in deinen Kopf werfen.“
Auch das. Das ist ja offensichtlich.
Ihr Blick fällt auf sein Essenstablett. Irgendetwas mit Lachs. Ganz genau weiß Magne es selbst nicht.
Ist er so schnell, dass er, wenn ihr Blick aufs Tablett fällt, sogleich glaubt, sie wolle wissen, was er isst, und sich auch sofort selbst die Antwort gibt?
Wenn sie eine Figur greift, kann Magne sie blass durch ihre Finger erkennen. Er betrachtet die schwarzen, die am Rand stehen und Zeuge werden, wie Jill ihre verbliebenen Kumpanen aus dem Spiel nimmt; wie im Sportunterricht, wenn ein Kind vom Ball getroffen wird.
Jill drückt Knöpfe und bewegt Figuren. Nacheinander verlassen die Schwarzen das Feld.
Die Szene war mir deutlich zu lang.
„Das ist diskriminierend“, sagt Magne. „Immer auf die Schwarzen.“
Sie schmunzelt. „Meinst du, es wäre gerechter, wenn ich die Farben gewechselt hätte?“
„Vielleicht.“
„Bullshit“, sagt Jill. „Es gibt keinen Unterschied zwischen beiden; gleich viele Figuren, gleiche Typen, gleiche Aufstellung. Keine Figur hat irgendeinen Nachteil wegen seiner Farbe.“
„Aber weiß fängt immer an.“
Sie hält inne. „Hast Recht. Ist das jetzt rassistisch?“
Schade, dass du hier nichts daraus machst. Die Andersartigkeit von Jill könnte ja hier Thema werden. Aber so hängt das etwas in der Luft. Alternativ könntest du die Stelle kicken und durch etwas Persönlicheres ersetzen.
Aber weiß fängt immer an.
Weiss ...
„Ich bin echt schlecht. Kurt hat mich bisher jedes Mal abgezogen.“
„Wer ist das?“
„Mein kleiner Bruder.“
Wie gesagt verstehe ich die Funktion von Karl nicht, ausser dass er den Text länger macht.
Jill besiegt ihn in unter fünf Minuten.
Das ist ja kein Kriterium, man kann ja schnell spielen. Ich würde eher sagen: In wenigen Zügen
spielen sie vier Runden
Schach spielt man in Partien. Runden gibt es nur an Turnieren.
Magne fällt es schwer, sich auf das Spiel zu konzentrieren; er stützt den Kopf auf dem Arm und tut, als würde er nachdenken, während er Jill beobachtet.
Tell und danach Show. Das passiert mir ständig. Ich leite einen Szene mit einem Satz ein, der besagt, was die Szene zeigen soll. Das sind Stützen und Hilfskonstruktionen, die man unbedingt zurückbauen sollte, nachdem die Szene für sich alleine stehen kann.
Auf der Rückseite, hinter morschen Paletten und einem rostigen Rollstuhl, ist er ungestört. Er zieht die Handschuhe aus und berührt den Eiszapfen; erst mit der Handfläche, dann mit den Fingern. Mit der anderen Hand zieht er sein Handy hervor, stellt einen Timer und misst, wie lange er das Eis berühren kann. Magnes Hand schließt sich um das Eis. Es ist massiv, aber glatt; die Kälte sticht ihm in die Haut, den Handballen hinab bis in die Finger. Die Kuppen werden taub. Es schmerzt viel mehr, als er es sich vorgestellt hat. Als hätte man ihm mit einem Hammer auf die Hand geschlagen. Bald spürt er seine Finger nicht mehr.
Tolle Stelle! Davon hätte ich gerne mehr gehabt. Da wird so indirekt gezeigt, was an der Beziehung schwierig sein könnte, welche Hindernisse da im Weg stehen.
aber kein Vergleich zum Schritt.
Ich glaube, mir hätte besser gefallen, wenn er sich das nur vorgestellt hätte.
Ist deine Schwester … wie ich?“, fragt er
"... wie du?" erscheint mir die natürlichere Frage.
Ich meinte, du bist langsam.“ Sie grinst und streckt ihm die Hand hin, zieht sie zurück. „Hast du Handschuhe?“
„Vergessen.“
„Ist das okay für dich?“
„Wegen der Kälte?“
„Auch.“
Könnte auch weg. Ich glaube, deine Dialoge haben insgesamt ein deutliches Kürzungspotential.
Dass Jill sich manchmal fragt, ob sie mehr Mensch oder Eiszapfen sei; ein schwarzes Zebra mit weißen Streifen oder ein weißes Zebra mit schwarzen Streifen. Dass sie ihre Freunde vermisst.
Sehr schön.
Ihren ersten Kuss
Das ging mit irgendwie zu schnell. In meinen Augen schöpfst du das Potential deiner Erzählung nicht so recht aus. Ich frage mich erstens, was Magne an Jill eigentlich findet. (Ich weiss sehr gut, wie es ist, wenn man diese Rückmeldung bekommt, da ich meinem Roman auf "Befehl" meines Lektors um fast fünfzehn zusätzliche Seiten ergänzen musste, um genau diese Frage zu beantworten. Und ich glaube auch zu wissen, weshalb man sich als Autor davor drückt: Die Aura, die das Mädchen ausstrahlt, dieses Je-sais-ne-quoi, das man im realen Leben ganz selbstverständlich erfasst und fühlt: Wie will man das in Worte fassen? Jeder Satz droht diese Aura zu zerstören)

Ich weiss auch nicht so recht, weshalb Jill Magne mag. Ich spüre seinen Konflikt ein wenig, ihren aber gar nicht. Sie sehnt sich nach körperlichem Kontakt zu Menschen, zu Magne, aber sie wird bestimmt schon schlechte Erfahrungen gemacht haben. Sie wird vielleicht Schuldgefühle haben, dass jeder, der sich auf sie einlässt, (auch) leiden muss. Also dieser Konstellation wird die Erzählung in meinen Augen noch nicht so ganz gerecht.

Jills fühlen sich an wie tiefgefrorene Glasmurmeln.
Sehr cool!
Es sind Kleinigkeiten, deren Veränderung er bemerkt; in der Tiefkühltruhe liegt Thunfisch jetzt weiter unten, Spinat dafür oben. Die Kaugummis sind nach Farbe, nicht nach Alphabet sortiert.
Das habe ich überhaupt nicht kapiert. Ich weiss nicht mal, welche Frage ich dazu stellen soll.
An der Schule stört ihn, dass Lehrer nie einen anderen Beruf hatten. Wie soll ihn jemand auf das Leben nach der Schule vorbereiten, der nie selbst außerhalb der Schule gearbeitet hat?
Eh. Kann weg.
Wie ein Vampir im Sarg.
Kann vielleicht auch weg. Das Bild kriegen die Leser*innen ja schon. Und ich finde es immer seltsam, seltsame Figuren mit anderen seltsamen Figuren zu vergleichen, die man bereits aus Film und Fernsehen kennt. :)
„Was ist?“, flüstert sie.
Ja, hier wird's schwierig und du blendest ab ...
„Und dann?“
... um dann die Sache in einem Dialog nachzuerzählen. Das fand ich schade.
Magne nickt. „Das hat die Situation irgendwie ziemlich gekillt. Ich meine, zuerst.
Das ist mir viel zu abgeklärt und passt in meinen Augen nicht zu Magne.
„Jetzt weiß ich, warum Facebook den Status Es ist kompliziert erfunden hat.“
Eh ja. Würde ich nicht vermissen, diesen Witz, der dazu auch noch erklärt, was du bereits gezeigt hast.

Ein schöner Text, du machst vieles richtig. Ich glaube aber auch, dass du die eine oder andere Chance verpasst, die die phantasievolle Konstellation bietet. Die Andersartigkeit Jills könnte mehr zum Thema werden, die Kräfte, die wirken, sowohl anziehende wie auch abstossende. Davon habe ich zu wenig gespürt. Platz dafür könntest du schaffen, indem du eine überflussige Figur (Karl) killst und die Dialogpassagen deutlich straffst. Ja, das wäre glaub noch so ein weiterer Schritt, den ich auch gerade zu machen versuche. Mir ist bewusst geworden, dass ich in meinem Roman und in anderen Texten sehr viele Probleme über den Dialog gelöst habe, bin damit nicht mehr so ganz glücklich und versuche nun, mehr mit Beschreibungen, Wahrnehmungen und auch Innenleben zu arbeiten. Ich finde das extrem anstrengend, vor allem, weil die Darstellung von Innenleben in meinen Augen sehr schnell tellig wirkt. Aber ich glaube, es lohnt sich, daran zu arbeiten. Nur so als Anregung, ich will dir da nicht reinreden.

Lieber Gruss
Peeperkorn

 
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Hey @rainsen ,

nur kurz:

Klingt plausibel. Es kommt wohl auch ein bisschen drauf an, wie lange sie schon in dem Ort ist, und klar hast du recht, Kinder sind ja oft viel toleranter bzw akzpetieren Dinge eher als normal.

Vielleicht würde der ein oder andere Satz doch nicht schaden. Ich denke drüber nach.

Hehe, klar voll gerne :) Kann man da einfach mitmachen?

Natürlich. Hau einfach Maedy an, die macht das. Heute um 6 ist der Virtuelle Stammtisch, vielleicht hast du ja Zeit.

Die Schläfrigkeit, die ihn gerade noch im Griff hatte...
Plötzlich war die Schläfrigkeit von eben verschwunden. (finde ich ganz gut)

Gute Idee. Ich warte mit dem Überarbeiten aber noch ab, Peeperkorns Kommentar enthält eine Menge. In seiner Rutsche nehme ich deins dann gleich mit. Hab dank!

Liebe Grüße
Meuvind

 
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Hey @Meuvind ,

sehr schön :) ich glaube, das ist bisher meine Lieblingsgeschichte von dir. Einfach süß irgendwie. Finde das auch gut, dass du es mit Fantasy getaggt hast. Den Roman würde ich lesen.

Er hat das Gefühl, etwas zu verpassen, das er gar nicht benennen kann.

"... , für das er nicht mal einen Namen hat." ?

Ihren ersten Kuss haben sie unter einer stillgelegten Eisenbahnbrücke.

zu schnell. Warum da so hinspringen. Gönn mir das doch als Leser. Ist doch ein besonderer Moment.

hinter der Brust, tief im Eis, sitzt ein schwarzes Ding, groß wie eine Faust

Schön.

Ja, Meuvind, damit hast du mich am Haken. Ich hab die übrigen Kommentare nicht gelesen. Muss ich mich hier in Details hineingraben? Nein. Charakterisierung ist gut. Die ganze Sache als Metapher ist gut. Und das Erzählttempo und Gewicht des Erzählten auch.
Bleib dran und mach weiter so.
Viele Grüße
Carlo

 
Monster-WG
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Hallo @Meuvind :-)

eine absurde Idee muss einfach alltäglich erzählt werden. Ist eben Fakt, dass es Mädchen aus Eis gibt. Deine Geschichte hat mir sehr gut gefallen, vor allem die Dialoge. Sie wirken lebensnah, sie wirken echt. Ich kaufe dir das Setting ab, das Mädchen aus Eis und die Probleme, die daraus entstehen. Unpassendes existiert in der Geschichte überraschend wenig. Vielleicht ein Text, der wirklich von seiner Idee lebt.

Was mir an Magne gefällt, ist sein Streben nach Rücksicht. Er agiert ja Jill gegenüber sehr rücksichtsvoll. Rücksicht heißt aber, sich in den anderen hineinzuversetzen. Das ist bei einem Mädchen aus Eis nicht leicht, da ja nicht klar ist, was sie im Alltag kann und was nicht. Magne fürchtet, er könne sie verletzen. Diese Rücksicht kann aber von Jill als Unterschätzung aufgefasst werden. Du glaubst, ich kann das nicht. Du denkst ich bin unfähig.

Die Geschichte folgt einem klassischen Schema des Datings, natürlich darf der beste Kumpel nicht fehlen, der bei irgendeiner Tätigkeit nebenbei die Dating-Lage einschätzt und kommentiert. Nicht wirklich verstanden habe ich Pauline. Zwischen Pauline und Jill deutest du ja eine gewisse Konkurrenz an, andererseits toleriert Jill ihre Schwester beim ersten "Hausbesuch", Ist das für das erste Date zu Hause realistisch? Ich weiß es nicht, mir wunderte es, wie unproblematisch Jill Paulines Anwesenheit toleriert. Aber das mag auch nur meine Brille sein.

Seltsam, die Geschichte könnte noch länger sein. Ich war über das frühe Ende überrascht. Als Ende einer Frühphasen-Beziehung habe ich das gar nicht gelesen. So abgeschlossen wirkt die Geschichte auf mich nicht. Dazu scheint mir Magne zu aktiv in der Story. Er suchte ja das Date, er wollte sie kennenlernen. Was passiert denn jetzt? Kontaktabbruch, Frankreich? Aber das nur als kleiner Kritikpunkt.

Inhaltliches:

Er hat das Gefühl, etwas zu verpassen, das er gar nicht benennen kann.
David Foster Wallace? Ist aber definitiv kein Plagiatsvorwurf, nein nein.
sein Azubi steht auf der Leiter und schlägt nach den Eiszapfen mit einem Hammer.
Vielleicht Lehrling statt Azubi? Ein Facility Manager leitet einen Azubi an, der Hausmeister hat einen Lehrling. Oder Kompromiss: Haustechniker? Das empfände ich passender zum C-Flügel und dem modernen Gebäude.
Sie starrt auf den Kaffee. „Danke, aber ich trinke keinen Kaffee.“
„Ich …“ Magne bricht ab. Er hat den Becher in der Hand ganz vergessen. „Du … magst sicher keinen Kaffee.“
Die Stelle hast du umgeschrieben, oder? Hm. In der alten Version fand ich sie witziger. Er bot ihr doch Kaffee an und merkt nach ihrer Reaktion, wie dämlich sein Angebot wirkt, oder?

Im warmen Licht der Wandlampe schimmert ihr Körper auf wie ein lapislazulifarbener Bernstein.
Kurz zurück im Text. Lapislazuli, Bernstein, Smaragd, das sind Mineralien, deren Farben als Bezeichnungen dienen, für mich beißt sich das. Du könntest aber schreiben, dass ihn die Struktur an Bernstein erinnert (Insekteneinschlüsse des Bernsteins -> Organe im durchsichtigen Eis), die tiefblau leuchtet. Das Ganze könntest du etwas ausbauen. Verdient hat es das Mädchen aus Eis!
Das Eis ist so transparent, dass Magne nur schwer ihre Gesichtszüge voneinander unterscheiden kann. Sie ist hübsch, stellt er fest.
Hm, aber die Gesichtszüge kann er kaum unterscheiden und trotzdem ist sie hübsch? Sie scheint also "vollkommen" zu sein, harmonisch. Ich geriet hier kurz ins Stolpern.

„Magne, von allen Mädels, die mit uns nach Julvanger verbannt wurden …“, sagt Hooge, während er seine Kartoffeln mit der Gabel zermantscht, „suchst du dir ausgerechnet sie aus? Ich meine, wie stellst du dir das vor?“
Ein schöner Szenenwechsel. Statt "sie" vielleicht "die"?

„Magne, von allen Mädels, die mit uns nach Julvanger verbannt wurden …“, sagt Hooge, während er seine Kartoffeln mit der Gabel zermantscht, „suchst du dir ausgerechnet sie aus? Ich meine, wie stellst du dir das vor?“
Magne löst den Blick von der Scheibe und zwingt sich, seine Erbsen anzustarren. Er zuckt mit den Schultern. Zu seiner Erleichterung hält der Rest des Tisches die eigenen Gespräche für interessanter. Magne pickt nach den Erbsen.
Hier könntest du die Szene ins Absurdere ziehen und die Erbsen näher beschreiben. Skandinavien ist ja bekannt für die "besten Erbsen der Welt" auf Grund des kühlen Klimas. Habe ich bei bo*frost gelernt.

Hooge legt sein Besteck weg und schaut nach draußen. Er streckt sich. „Sie isst gar nichts.“
„Hab ich auch schon bemerkt.“
„Wovon sie wohl lebt?“
^^
„Wie ist sie so?“, fragt Hooge.
„Keine Ahnung. Sie war kurz im Klassenraum und ist dann abgehauen. Länger als ein paar Minuten hält sie es in der Wärme nicht aus.
Vielleicht einen Absatz mehr?
Anna: Sie hält es nicht in der Klasse aus.
Hooge: Ich auch nie. Magne: Und warum?
Anna: Ähm ... wegen der Wärme?
Hooge: Magne, hier spielt die Realität, nicht irgendwo in Frankreich.

„Krieg ich deine Nummer?“, fragt Magne. „Du hast doch ein …“
„Handy?“
„Genau.“
„Warum sollte ich keins haben?“
Ich mag die Stelle sehr. Ein typischer Dialog, in der sich Schema und Sensibilität vermischen. Ich will ja nett sein, aber ich glaube, jemand wie Jill kann ein Handy nicht bedienen.

schwere, zum Anschlag geladene Schiffe, die sich an den umliegenden Bergipfeln und Tannenkronen die Bäuche aufkratzen
Hm, das war mir etwas too much.
„Es ist immer … ich muss mich noch daran gewöhnen, welche Dinge in deinem Leben anders laufen und welche nicht.“
Jill schweigt lange. „Eigentlich alles außer Schuhe.“
:-)
akzentfreies Französisch lernen.

Sprachliches:

Magne stören die immerselben Boote
Immerselben, existiert das Wort? Vielleicht immergleichen?
„Bist richtig, …“
Warum das Komma?
sie sitzt alleine auf einer verschneiten Bank,
allein
Auf dem Tisch steht kein Tablett; sie hat die Knie angewinkelt, Köpfhörer in den Ohren,
Bergipfeln
„Ich kann deinen Herzschlag spüren“, sagt Jill mit einem Lächeln. Eine Weile lang sagt sie nichts. „Magne?“
„Hmm.“
„Kann ich dir was sagen?“
Hm.
„Klar. Tut sicher trotzdem weh.“ Hooge nimmt einen Schluck vom Cider. „Scheiße. Ein totes Herz.“
Dein Text enthält viele norwegische Kulinarismen (gibt's das Wort), hier könnte auch Cidre stehen, vielleicht sogar mit Fruchtbezeichnung, die Satzsequenz enthält ja viele kurze Wörter.

Lg aus dem Umland der Stadt Leipzig,
kiroly

 
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Hej @Meuvind ,

für mich steht Jill für alle Mädchen, die ‚anders‘ sind. Dabei steht das Herz und ihre eisige Persönlichkeit nicht als Metapher für kalt und herzlos, nur für anders. Ich habe das von Anfang so gelesen. Der Name ist ein gleichgeschlechtlicher. Er steht für Schönheit und dunkle Macht.

Julvanger
Warum solltest du sie sonst in eine Gegend verrorten, wo Wünsche zu Weihnachten erfüllt werden können, eingebettet in ‚vangen‘. :D

„Hi“, sagt das Mädchen. „Ist das der Turmbau?“
Ihr erster Satz ließ mich darauf schließen, ihre ungewöhnliche Kleidung, der Schirm, sie tickt anders. Ja klar, du hast darauf hingewiesen, dass sie aus Eis ist, aber ich kann das so nicht hinnehmen. Nicht nur ihretwegen, sondern auch weil Magne sich etwas Besonderes wünscht, er will weg, nach Frankreich, sich nicht abfinden, dort zu leben, wo er seine Familie hat, er will etwas Besonderes sein, nimmt Kälte auf sich, probiert sich aus, lässt sich auf das ungewöhnlichste Mädchen des Ortes ein. Er benötigt sie für seine Identität. Klandre meg.

„Bullshit“, sagt Jill. „Es gibt keinen Unterschied zwischen beiden; gleich viele Figuren, gleiche Typen, gleiche Aufstellung. Keine Figur hat irgendeinen Nachteil wegen seiner Farbe.“
Vermutlich hat mich das noch getriggert, weil ich Damengambit gesehen habe, die Serie handelt ja auch von einem besonderen Mädchen/Frau, die durch ihre Gabe besonders ist und die Menschen um sich herum dadurch verändert.

„Krieg ich deine Nummer?“, fragt Magne. „Du hast doch ein …“
„Handy?“
„Genau.“
„Warum sollte ich keins haben?“
Jill ist sich ihrer Besonderheit sehr wohl bewusst, dennoch kokettiert sie damit ein Mädchen zu sein wie du und ich. Also für den Fall, dass du eins sein solltest. :D

Jill will nicht gefallen, macht sich nicht wichtiger als sie ist, besser oder ungewöhnlicher. Das wäre auch reizvoll in den Dialogen, wenn sie nicht aus Eis wäre. Magne würde sich auch sonst für sie interessieren. Ansonsten verhält er sich ja wie jeder verliebte Bursche, der einem Mädchen näher kommen will. Die Geschichte endet auch, wie viele enden: im Sommer, der Protagonist gereift. ;)

Es hat mir Spaß gemacht, diese beiden Teenager einen Winter zu begleiten und ich bin froh, dass alles beim Alten ist.

Eine Leseeindruck und freundlicher Gruß. Kanji

 
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Guten Abend @Meuvind

der Text lebt von der Idee des Eismädchens. Mange und Jill erleben ein Teenagermärchen, Verliebtheit, Küsse, all die Zutaten wie sie zB in den Twilight-Filmen vorkommen. Die verschobene Wirklichkeit - wenn es deine eine ist - wird nicht erklärt, was gut ist, so machen es ja schlechte SF-Autoren. Dennoch plätschert die Story so dahin, Tiefe kommt nicht zustande und bis auf einzelne Stellen wird auch nicht verstehbar, wie sich die Liebe zu einem Eismädchen anfühlt. Magne nimmt einfach hin, dass er eine Eisschönheit liebt und die Kondome kommen für den Leser unsichtbar zum Einsatz. Kurzum: ich glaube der Text würde mMN auch als Parabel (das kalte Mädchen) gewinnen, wenn wir näher an die Figuren herankämen, wenn ein klarer Konflikt aufgezeigt wird.
Interessanter Text, der mich gut unterhalten hat, der aber mehr zu bieten hätte, wenn du weiter dran arbeitest, einer Prämisse folgst, einiges kürzt und einen deutlicheren Fokus setzt.
Nichts als Vorschläge, Gedanken. Nimm's, wenn du was von gebrauchen kannst.
Hervorheben möchte ich auch die Dialoge; die klingen absolut natürlich.

Paar Stellen:

Er hat das Gefühl, etwas zu verpassen, das er gar nicht benennen kann. Wo er es finden kann, weiß er nicht; in Frankreich vielleicht, das stellt er sich spannend vor. Im Sommer macht er seinen Abschluss, dann will er weg.
witzige Einleitung, die aber mit dem, die nicht ahmen lässt, was folgt
Im warmen Licht der Wandlampe schimmert ihr Körper auf wie ein lapislazulifarbener Bernstein.
gute Beschreibung allerdings gibt es große Unterschiede zwischen Bernstein und Lapislazuli
Das Eis ist so transparent, dass Magne nur schwer ihre Gesichtszüge voneinander unterscheiden kann.
genau deshalb frage ich mich, warum er sich in sie verliebt
Einen Augenblick lang schauen sie sich an; Magne fällt es noch immer schwer, Emotionen aus ihrem Gesicht zu lesen. Die Sonne spiegelt sich im Eis, blendet ihn. Sie lächelt.
dasselbe: warum verliebt er sich in sie?

Ganz schön eisige Grüße aus dem Taunus, wird Zeit, dass es Frühling wird, statt dem Eisbahnwetter
Isegrims

 
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Hey @Meuvind,

ich habe das sehr gern gelesen. Die ganze Geschichte wirkt auf mich sehr fresh und das nicht, weil es darin so kalt zugeht, meterologisch gesehen. Klar, vom Setting bin ich ein Fan, und all die schönen Norwegen-Wörter erinnern mich an all die Urlaube und die waren immer toll. Insofern bin ich emotional total im Text, auf einer ganz persönlichen Ebene.

... wenn er nach der Schule mit Kurt im Bunnpris einkauft.
Das sind so die Wörter, die ich meine.

Er hat das Gefühl, etwas zu verpassen, das er gar nicht benennen kann. Wo er es finden kann, weiß er nicht; in Frankreich vielleicht, das stellt er sich spannend vor. Im Sommer macht er seinen Abschluss, dann will er weg.
Gibt halt nicht so viele Menschen da oben und man kennt sich. Ich glaub Dir sofort, das man in der Jugend vom Gefühl getrieben wird, etwas zu verpassen, dass irgendwo noch sehr viel mehr Leben ist und man dahin will.

Er braucht einen Moment, um zu erkennen, dass sie nicht aus Glas ist; es ist Eis. Im warmen Licht der Wandlampe schimmert ihr Körper auf wie ein lapislazulifarbener Bernstein. Das Eis ist so transparent, dass Magne nur schwer ihre Gesichtszüge voneinander unterscheiden kann. Sie ist hübsch, stellt er fest. Eine kleine Nase, dünne Lippen, die Haare fallen ihr bis zur Schulter.
Sehr cooler Moment. Und vollkommen logisch, ganz natürlich für mich in der Geschichte, es gibt da ein Mädchen und das ist aus Eis. Ich habe auch mal ein Märchen geschrieben, da war eine Prinzessin ganz aus Eis und sehr, sehr traurig und unter ihren Tränen ist sie geschmolzen. Und alle da in ihrem Eisland waren am Rudern, ihre Traurigkeit zu stoppen, damit die Prinzessin sich nicht komplett auflöst. Also, ich bin bei Dir. Die Eisladies gibt es eben einfach. Punkt. Ein bisschen Märchen ist immer schön.

... heute gibt es Fiskekaker.
Da bin ich ja kein Freund von. Zumindest nicht als Fertigprodukt aus dem Tiefkühlregal.

„Alter, wenn es eine Person gibt“, sagte Magne und richtet die Gabel auf Hooge, „die mich nicht über Frauen belehren kann, bist das du.“
Autsch!

Er zieht die Handschuhe aus und berührt den Eiszapfen; erst mit der Handfläche, dann mit den Fingern. Mit der anderen Hand zieht er sein Handy hervor, stellt einen Timer und misst, wie lange er das Eis berühren kann. Magnes Hand schließt sich um das Eis. Es ist massiv, aber glatt; die Kälte sticht ihm in die Haut, den Handballen hinab bis in die Finger. Die Kuppen werden taub. Es schmerzt viel mehr, als er es sich vorgestellt hat. Als hätte man ihm mit einem Hammer auf die Hand geschlagen. Bald spürt er seine Finger nicht mehr.
Das hat mir total gefallen und ich fand es sehr rührend, wie er da "trainiert" und testet, versucht sich ans Eis zu gewöhnen.

Mit dem flachen Ende des Eiszapfens fährt er über seinen Unterarm, über die Brust, dann am Schlüsselbein. Er schüttelt sich; der Nacken ist schlimm, aber kein Vergleich zum Schritt.
Sweet.

Magne weiß nicht, was er darauf antworten soll. „Du trägst Schuhe“, stellt er fest.
„Natürlich“, sagt Jill und lacht. „Du nicht?“
„Es ist immer … ich muss mich noch daran gewöhnen, welche Dinge in deinem Leben anders laufen und welche nicht.“
Jill schweigt lange. „Eigentlich alles außer Schuhe.“
Hier habe ich zum ersten Mal die Seltsam/Märchenebene verlassen und gedacht, Mensch, dass Mädel steht irgendwie für mehr, für alle Menschen mit Beeinträchtigung. Und wie man sich denen dann tatsächlich annähert, sich damit zu beschäftigen beginnt, wie deren Leben sich anfühlt.

„Als Kind war ich jeden Tag in der Schlittschuhhalle.“
„Wegen der Kälte?“
„Um Laufen zu lernen.“
Mochte ich!

Magne greift vorsichtig nach ihrer Hand; sie ist hart und steif und verflucht kalt. Es fühlt sich nicht an wie eine Hand, eher wie ein geformter Stein, der zu lange im Fjord lag.
Jaaaaaaa und da fängt es an, schwierig zu werden.

Kurze Küsse gehen; bei langen kann es passieren, dass seine Lippen an ihren festfrieren. Wenn Magne mit den Fingern über seine Lippen fährt, sind sie spröde von der Kälte; Jills fühlen sich an wie tiefgefrorene Glasmurmeln.
Oh, ich mag die Geschichte. Alles so zart und aufregend, wie sich die erste Liebe eben so angefühlt hat. Und immer dieses Eisding zwischen ihnen. Ich finde das wirklich gut gemacht.

An der Schule stört ihn, dass Lehrer nie einen anderen Beruf hatten. Wie soll ihn jemand auf das Leben nach der Schule vorbereiten, der nie selbst außerhalb der Schule gearbeitet hat?
Hehe, den Gedanken hatte ich selbst noch nie ... aber ja, irgendwie kann man den schon haben.

„Nach Frankreich würde ich auch gerne“, sagt sie. „Manchmal guck ich mir auf Pinterest Orte und Städte an, wo ich noch nicht war.“ Sie schweigt einen Moment. „Ich würde gerne mal nach Bordeaux. Und Havanna.“
Das ist so traurig. Wie klein die Welt wird, wenn man nicht so kann, wie man will, wie es für andere selbstverständlich ist.

An der Kasse nach Kondomen zu fragen, ist ihm peinlich, aber als er mit der Packung in der Hosentasche den Laden verlässt, ist er seltsam stolz auf sich.
Ach ja, ...

Vorsichtig berührt Magne ihre Brüste, fährt mit dem Finger das Brustbein entlang. Er braucht einen Moment, bis er es sieht; hinter der Brust, tief im Eis, sitzt ein schwarzes Ding, groß wie eine Faust. Ein dicker, lebloser Klumpen.
Das muss wirklich verstörend sein. Er nimmt ja vieles so hin, aber ein Herz, das nicht schlägt, während das eigene fast am Durchdrehen ist, das ist noch mal ne andere Nummer.

„Ich hab gesagt, ich brauche fünf Minuten. Den Kopf freibekommen“, sagt Magne.
„Und sie hat es falsch aufgenommen.“
...
„Und dann war … vorbei?“
Magne nickt.
Da, siehste! Ach, irgendwie traurig. Vor allem für Jill tut es mir gerade soooo leid.

„Wenn ich sie mag und sie mich, dann ist das doch Grund genug, oder? Alles andere muss sich doch lösen lassen. Irgendwie.“
Ich mag das Ende. Man weiß nicht, ob er damit klar kommen wird oder nicht, aber er will es, will es so gern und dann ist da dieses Kopfding das Grenzen setzt.

Ich habe die Geschichte wirklich gern gelesen. Und für mich muss da weder mehr noch weniger, sie ist, was sie ist, eine wunderschöne Erste-Liebe-Geschichte. Ganz zart und verwirrend und schön und Neuland ... das kommt alles bei mir an. Und das Jill anders ist, macht mir deinen Helden nur noch sympathischer, den ganzen Text.

Beste Grüße, Fliege

 
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Monster-WG
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Lieber @Peeperkorn ,

Mensch, hab ich dir schon mal gesagt, wie sehr ich dich als Kommentator schätze? Ich finde das krass; jedes Mal, wenn du mir deine Gedanken und Anmerkungen darlässt, habe ich das Gefühl, dass sie den Text eigenhändig auf ein ganz neues Niveau heben.

Du sprichst viele Punkt an, die auch schon l2f und Zigga angestoßen hatten. Insgesamt mehr zusätzlicher Fokus darauf, die Metapher ganz durchzuziehen; mehr erklärte Beweggründe für Jill und Magne, dafür Straffen durch z.B. Dialoge kürzen. Ich hab aber nach ein wenig Überlegen beschlossen, die Änderungen seperat in einer Offline-Version zu verfassen und erst nach der Abstimmung der Challenge einzubauen. Mir geht es einfach darum, dass Kommentatoren, die dann jetzt erst den Text lesen, einen womöglich ganz anderen lesen als die, die das am Anfang der Challenge getan haben und jetzt gar nicht mehr Zeit oder Motivation haben, ihn noch einmal zu lesen. Jill aus Eis ist jetzt eben Teil der Challenge in diesem Zustand. Nach Ablauf der Challenge kommt dann die Erweiterung oben drauf. Ich möchte einfach nicht, dass jemand, der jetzt seine Stimme abgegeben hat, sich dann denkt: "Oh, für den Text hätte ich gerne gewählt, jetzt, wo er überarbeitet ist" oder "Jetzt finde ich ihn kacke, hab aber schon für ihn gewählt". Ich hoffe, du verstehst meinen Gedankengang.

Kurt ist aus dem Text gefolgen, viele deiner angesprochenen Dialoge habe ich gekürzt, nicht alle. Das liegt daran, dass die Dialoge für mich einen Teil der Identität vom Text ausmachen, wenn du verstehst. Es ist aber auch nur ein vorübergehendes Bild: vielleicht fliegen sie in der späteren Version doch noch raus.

Zum Kleinkram:

Mit solchen Formulierungen habe ich immer meine Mühe, stehe aber häufig alleine damit da. Denn es ist ja nicht der Sommer, der Magne stört, sondern die Tatsache, dass der Sommer so kurz ist.

Jap, hast Recht. Hab es geändert. Ich bin mir nur nicht sicher, ob es jetzt auch besser klingt oder sperriger geworden ist.

Das Adjektiv finde ich ungünstig gewählt, weil es positiv konnotiert ist.

Auch gewechselt.

Also stört ihn eben doch, dass er am Arsch der Welt wohnt. Ich finde den Gedankengang hier nicht konsequent.

Ich glaube, ich hab es falsch ausgedrückt: Magne stört nicht die geographische Komponente, also dass Julvanger so weit abseits im Norden liegt. Ich meinte damit, dass ihn das typisch-Vertraute einer Kleinstadt nervt. Dass man eben alle kennt und alle einen selbst erkennen. Er will raus aus dieser Vertrautheit, am besten an einen Ort, wo alles fremd ist. Deswegen Frankreich. Wird es so ersichtlich? Ich denke, ich muss es anders ausdrücken.

Das finde ich nicht so gut gelöst. Schon das Komma nach Glas. Da würde ich eher einen Punkt setzen, weil man sonst C-Flügel mit "erheben" verknüpft. Und dann dieses Er tut gerade X, als er die zweite Hauptfigur im Text zum ersten Mal sieht. Und dann sieht er sie. Ich würde mir überlegen, wie du ohne dieses, Achtung, jetzt kommt's! arbeiten könntest.

Guter Punkt. Ist überarbeitet.

Woher weiss er dann, dass es Punk-Bands sind? Lieber konkret: Wie sehen die Aufnäher aus?

Auch geändert.

Das geht nicht. Es mag offenbar auch blauen Bernstein geben, aber das ist so stark mit der Farbe Gelb assoziert, das gibt sogleich einen Knoten beim Lesen. Und überhaupt: Eine Farbe mit der Farbe eines Steines zu vergleichen, der aber die Farbe eines anderen Steines hat. Ne.

Mir ging es vor allem darum, dass Bernstein so klar und durchsichtig ist. Das verbinde ich mit dem Lapislazuli nicht. Du hast aber recht, es ist verwirrend, und weil ich schon an mehreren anderen Stellen von dieser Transparenz gesprochen habe, hab ich es einfach übersetzt. No risk no fun.

Für mich bezeichnet "Gesichtszüge" die Gesamtheit der Merkmale, also Nase, Mund etc inbegriffen. Man kann also nur die Gesichtszüge zweier Menschen miteinander vergleichen.

Jap, auch gekauft.

Ich würde Kurt kicken. Der kleine Bruder hat überhaupt keine Funktion im Text. Hier besonders. Der steht da bloss rum und die Leser wissen nicht, wer das ist.

Kurt ist raus. Eigentlich ist er auch nur ein Relikt; anstatt der Eiszapfenszene wollte ich Magne üben lassen, die Hand möglichst lange in einer Spülschüssel mit Eiswasser zu halten, wo Kurt ihn dann mit der Absurdität der Szene konfrontiert hätte. Mir gefiel der Eiszapfen im Endeffekt aber besser. Kurt ist auf jeden Fall Geschichte, vielleicht erhält die Szene selbst aber ja ein Comeback.

Du arbeitest die Geschichte sehr stark über Dialoge ab. Da würde ich dann aber schauen, dass du schlank und beim Wesentlichen bleibst. Den Part hier würde ich streichen.

Boah schwierig. Ich glaube, ich hatte schon angemerkt, dass die Dialoge für mich irgendwie Magne und Hooge Charakter verleihen. Das ist eine dieser Stellen. Ich habe sie für den Moment drinnen gelassen, sie ist aber markiert. Sollte ich zu wenig Platz bekommen und eine andere Möglichkeit finden, Magne und Hooge nebenbei ein leicht-rauen Touch zu geben, fliegt sie.

Auch das. Das ist ja offensichtlich.

Jap, ist gekürzt.

Schade, dass du hier nichts daraus machst. Die Andersartigkeit von Jill könnte ja hier Thema werden. Aber so hängt das etwas in der Luft.

Ne ne, du sprichst es genau an. Die Andersartigkeit ist noch nicht ganz zuende gedacht. Das ist, was mich selbst stört; ich hab da einen Konflikt, aber hol nicht alles raus. Mir fällt aber ehrlich gesagt auch nicht auf die Schnelle was ein. Hab die letzten Tage drüber gegrübelt, aber eine brauchbare Idee habe ich noch nicht.

Die Szene war mir deutlich zu lang.

Den Zeugen brauche ich für die Wörterbörse, Die zwei Sätze danach sind geflogen.

Das ging mit irgendwie zu schnell. In meinen Augen schöpfst du das Potential deiner Erzählung nicht so recht aus. Ich frage mich erstens, was Magne an Jill eigentlich findet. (Ich weiss sehr gut, wie es ist, wenn man diese Rückmeldung bekommt, da ich meinem Roman auf "Befehl" meines Lektors um fast fünfzehn zusätzliche Seiten ergänzen musste, um genau diese Frage zu beantworten. Und ich glaube auch zu wissen, weshalb man sich als Autor davor drückt: Die Aura, die das Mädchen ausstrahlt, dieses Je-sais-ne-quoi, das man im realen Leben ganz selbstverständlich erfasst und fühlt: Wie will man das in Worte fassen? Jeder Satz droht diese Aura zu zerstören)

Ich glaube, ich hatte es noch gar nicht geschrieben, aber ich hab deinen Roman tatsächlich gelesen. Hat mir sehr gut gefallen. Steht in meinem Schrank zwischen "Imperial Commando: Die 501st." von Karen Traviss und "Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand" von Jonas Jonasson. Ein wilder Genre-Mix :D.
Dass das eine gute Idee von deinem Lektor war, kann ich dir deshalb sagen, weil ich mich noch an daran erinnere, wie dein Prot. diese Aura beschreibt. Es ist auch sau schwer, weil man schnell in Kitsch abrutscht. Dazu kommt, dass ich in dieser Geschichte einen recht nüchternen Ton angeschlagen habe, da passt blumiges gar nicht rein. Trotzdem ändert das nichts, du hast Recht: Diese Aura muss rein. Ich mache mir mal Gedanken, wie ich das am klügsten anstelle.

Ich weiss auch nicht so recht, weshalb Jill Magne mag. Ich spüre seinen Konflikt ein wenig, ihren aber gar nicht. Sie sehnt sich nach körperlichem Kontakt zu Menschen, zu Magne, aber sie wird bestimmt schon schlechte Erfahrungen gemacht haben. Sie wird vielleicht Schuldgefühle haben, dass jeder, der sich auf sie einlässt, (auch) leiden muss. Also dieser Konstellation wird die Erzählung in meinen Augen noch nicht so ganz gerecht.

Jap, hast Recht. Das war auch einer der Punkte, die ich selbst kritisch sah, bevor ich sie in das Forum gestellt habe (was aber witzigerweise außer von dir noch fast gar nicht angemerkt wurde). Jills Konflikt mit dem Herz aus Eis ist sehr übergestülpt. Da gibt es nur einen anderen Satz, der das vorbereitet, der mit dem Zebra beim Schlittschuhlaufen. Mir wird gerade klar, wo ich bei der Überarbeitung einen Fokus legen sollte: Magnes Wahrnehmung ihrer Aura, Jills innere Konflikte und die Eis-Metapher anstatt dem Herz ans Ende rücken.

Eh. Kann weg.

Hast ja Recht, Chef. Eigentlich wollte ich nur ein wenig motzen.

Die Andersartigkeit Jills könnte mehr zum Thema werden, die Kräfte, die wirken, sowohl anziehende wie auch abstossende. Davon habe ich zu wenig gespürt. Platz dafür könntest du schaffen, indem du eine überflussige Figur (Karl) killst und die Dialogpassagen deutlich straffst.

Ja, du sprichst es direkt an. Danke! Kurt ist raus, die Dialoge (größtenteils) gestrafft, jetzt hab ich ein wenig Platz für mehr.

Ich finde das extrem anstrengend, vor allem, weil die Darstellung von Innenleben in meinen Augen sehr schnell tellig wirkt. Aber ich glaube, es lohnt sich, daran zu arbeiten. Nur so als Anregung, ich will dir da nicht reinreden.

Ach was, im Gegenteil. Ich sehe jetzt, was du meinst. Vorher hatte ich gar nicht den Blick dafür. Es ist aber unglaublich sau schwer, ein Problem zu sehen und die Lösung dann auch so umzusetzen, dass sie genau den gewünschten Effekt erzielt. Bisher hab ich meistens blind in eine Richtung geschossen und dann grob nachjustiert, aber ich merke, dass ich jetzt an einem Punkt bin, wo das nicht mehr reicht. Gott, das heißt ja ... ich muss mir vor dem Schreiben ARBEIT MACHEN UND ÜBERLEGEN!

Lieber Peeperkorn, vielen, vielen Dank für deinen Besuch! Ich glaube, dank dir bin ich jetzt auf dem richtigen Weg.

Liebe Grüße
Meuvind


Hey @kiroly ,

schön, dass es dich herverschlagen hat.

eine absurde Idee muss einfach alltäglich erzählt werden. Ist eben Fakt, dass es Mädchen aus Eis gibt.

Wer kennt sie nicht?

Deine Geschichte hat mir sehr gut gefallen, vor allem die Dialoge. Sie wirken lebensnah, sie wirken echt.

Danke. Ich glaube, was Jugendsprache angeht, hab ich bei WK einfach einen Vorteil. Ich bin von Magne und Kurt ja nicht sehr weit weg.

Was mir an Magne gefällt, ist sein Streben nach Rücksicht. Er agiert ja Jill gegenüber sehr rücksichtsvoll. Rücksicht heißt aber, sich in den anderen hineinzuversetzen

Fand ich interessant, das es dir so aufgefallen ist. Für mich ist das vollkommen verständlich. Ich glaube, es liegt daran, dass ich in solchen Situationen stark auf die Komfortzone des anderen achte. MMn. verhalten sich gerade Männer gegenüber Frauen dreister als anders herum. Mit wenigen dummen Sätzen kann man die gesamte Intimität, dieses Vertrauen und Verständnis, das man gerade zwischeneinander aufgebaut hat, zerstören. Für mich war es immer normal, die Situation für andere so angenehm wie möglich zu machen.

Diese Rücksicht kann aber von Jill als Unterschätzung aufgefasst werden. Du glaubst, ich kann das nicht. Du denkst ich bin unfähig.

Damn, daran hab ich noch nie gedacht.

Zwischen Pauline und Jill deutest du ja eine gewisse Konkurrenz an, andererseits toleriert Jill ihre Schwester beim ersten "Hausbesuch", Ist das für das erste Date zu Hause realistisch? Ich weiß es nicht, mir wunderte es, wie unproblematisch Jill Paulines Anwesenheit toleriert. Aber das mag auch nur meine Brille sein.

Gute Frage. Ich wollte Jill gegenüber ein Konterpart stellen, der sie "in echt" ist. So hat Magne einen Moment zu Reflektieren, wie verrückt eigentlich das, was er da tut, ist. Vielleicht ist ein wenig Extra nicht schlecht, das diese Konkurrenz aufdröselt.

Seltsam, die Geschichte könnte noch länger sein. Ich war über das frühe Ende überrascht. Als Ende einer Frühphasen-Beziehung habe ich das gar nicht gelesen. So abgeschlossen wirkt die Geschichte auf mich nicht. Dazu scheint mir Magne zu aktiv in der Story. Er suchte ja das Date, er wollte sie kennenlernen. Was passiert denn jetzt? Kontaktabbruch, Frankreich?

Schön, dass du das so siehst. Hab Peeperkorn weiter oben schon geschrieben, dass ich nach Ablauf der Abstimmung noch einige Änderungen vornehmen möchte. Besonders Konflikte besser ausarbeiten, mehr Fokus auf romantische Aura und Wahrnehmung des anderen, Eis-Metapher und die Konsequenzen durchziehen. Ehrlich gesagt hab ich aber noch gar keine Idee, wie das faktisch aussehen soll.

David Foster Wallace? Ist aber definitiv kein Plagiatsvorwurf, nein nein.

Musste den Namen googeln :lol: noch nie gehört.

Vielleicht Lehrling statt Azubi? Ein Facility Manager leitet einen Azubi an, der Hausmeister hat einen Lehrling.

Guter Punkt, ist gekauft.

Die Stelle hast du umgeschrieben, oder? Hm. In der alten Version fand ich sie witziger. Er bot ihr doch Kaffee an und merkt nach ihrer Reaktion, wie dämlich sein Angebot wirkt, oder?

Ja, hab sie schon vor einer Weile gekürzt. Dachte aber, dieser Witz bleibt erhalten. Findest du, diese Erkenntnis, wie dämlich das Angebot ist, liest man jetzt nicht mehr heraus?

Hm, aber die Gesichtszüge kann er kaum unterscheiden und trotzdem ist sie hübsch? Sie scheint also "vollkommen" zu sein, harmonisch. Ich geriet hier kurz ins Stolpern.

Hab die Stelle schon auf Raten von Peeperkorn umgeschrieben, wenn auch aus anderen Gründen. Der Gedanke war, dass sich im Eis die Gesichtskonturen wegen der gleichen bläulichen Farbe wenig voneinander unterscheiden, man also auch einen Moment braucht, um sie zu begreifen. Deswegen auch noch einmal die Gegenüberstellung mit Pauline.

Hier könntest du die Szene ins Absurdere ziehen und die Erbsen näher beschreiben. Skandinavien ist ja bekannt für die "besten Erbsen der Welt" auf Grund des kühlen Klimas. Habe ich bei bo*frost gelernt.

Ach tatsächlich? :lol: Hab bofrost immer nur mit norwegischem Vanilleeis verbunden. Wobei, ich glaube, jetzt vertausche ich Firmen. Es gibt ein Nestlé-Unternehmen, die Vanilleeis in Norwegen vertreiben ( was ich btw. nicht mehr esse, weil ich Nestlé für einen Drecksladen halte. Wenn bei deiner Firma auf Wikipedia der Reiter "Kritik" größer ist als alle anderen, sollte man mal drüber nachdenken).

Die Flusen hab ich direkt übernommen, danke!

Immerselben, existiert das Wort? Vielleicht immergleichen?

Ne, gibts nicht. Hab ich schon übernommen.

Dein Text enthält viele norwegische Kulinarismen (gibt's das Wort), hier könnte auch Cidre stehen, vielleicht sogar mit Fruchtbezeichnung, die Satzsequenz enthält ja viele kurze Wörter.

Gut, dass du es sagst. Hab ich ganz vergessen. Der einzig-erschwingliche Akohol in Norwegen.

Lg aus dem Umland der Stadt Leipzig,

Lg aus dem Ruhrgebiet, dessen "Ruhrcharme" ich immer noch nicht ganz entdeckt habe.

Meuvind

Hey @Carlo Zwei ,

hatte deinen Kommentar ganz übersehen, deswegen hier mal zwischengeschoben. Freut mich, dein Gegenbesuch.

ich glaube, das ist bisher meine Lieblingsgeschichte von dir. Einfach süß irgendwie. Finde das auch gut, dass du es mit Fantasy getaggt hast. Den Roman würde ich lesen.

:bounce: jetzt brauche ich nur noch ein bedingungsloses Grundeinkommen, Kaffee als Lebensvorrat und das Wunder, dass alle Menschen ihre Erwartungen an mich einfach vergessen und mich schreiben lassen ...

"... , für das er nicht mal einen Namen hat." ?

Meinst du, das gibt sich so viel? Bin mir auch gar nicht sicher, was besser klingt. Kiroly hatte aber auch das angemerkt, also ist es vielleicht smarter. Habs angepasst.

zu schnell. Warum da so hinspringen. Gönn mir das doch als Leser. Ist doch ein besonderer Moment.

Ich hatte einfach Angst, dass der Text zu lang wird. Peeperkorn hat mir aber ein paar gute Stellen aufgezeigt, wo ich kürzen konnte. Ich will nach der Challange an einigen Ecken noch schrauben, ich merke mir das.

Muss ich mich hier in Details hineingraben? Nein. Charakterisierung ist gut. Die ganze Sache als Metapher ist gut. Und das Erzählttempo und Gewicht des Erzählten auch.

Freut mich! Was wünsche ich mir mehr :D. Danke dir für den Besucht. Jetzt hab ich also doch einen Kommentar von dir, an den ich mich erinnere.

Liebe Grüße
Meuvind

Hey @Kanji ,

komm, ich muss verrückt sein. Mein Chef feuert mich, wenn er davon erfährt! Vier Kommentare nehm ich heute mit, vier! ALLE LEITUNGEN FREI!

Kan du snakke norsk? Min norsk er veldig rusten. Kem kan eg ringe, la la la ...
Seit ich Französisch lerne, verwechsle ich die beiden Sprachen immer mehr. Das verwirrt meine Französischlehrerin mehr als mich, aber hey. Ein Ziel mehr auf der Bucket-List. Beide Sprachen (wieder) frei und sauber sprechen.

für mich steht Jill für alle Mädchen, die ‚anders‘ sind. Dabei steht das Herz und ihre eisige Persönlichkeit nicht als Metapher für kalt und herzlos, nur für anders. Ich habe das von Anfang so gelesen.

Ach ja, die lieben Interpretationen ...

Warum solltest du sie sonst in eine Gegend verrorten, wo Wünsche zu Weihnachten erfüllt werden können, eingebettet in ‚vangen‘. :D

Ich hab mich ja so gefreut, dass jemand es erkannt hat :bounce::bounce: "god jul" klingt auf Norwegisch auch einfach so viel besser.

Nicht nur ihretwegen, sondern auch weil Magne sich etwas Besonderes wünscht, er will weg, nach Frankreich, sich nicht abfinden, dort zu leben, wo er seine Familie hat, er will etwas Besonderes sein, nimmt Kälte auf sich, probiert sich aus, lässt sich auf das ungewöhnlichste Mädchen des Ortes ein. Er benötigt sie für seine Identität.

Ha, das war ein Gedanke, den du auch als einzige aufgegriffen hast. Ich war mir da dezent unsicher, ich hatte diese Idee auch schon vorher; denn wenn man diesem Gedanken folgt, degradiert das Jill auf ihre Andersartigkeit und macht Magnes Wunsch nach ihr weniger, weil er sie persönlich liebt, und mehr, weil er sich mit ihrer Adersartigkeit identifizieren will. Das sehe ich sehr kritisch, weil es Magne nicht nur zu einem riesigen Arschloch macht. Es passt vielleicht in den Wunsch nach Neuem, den Magne hegt, aber puuh.

Vermutlich hat mich das noch getriggert, weil ich Damengambit gesehen habe, die Serie handelt ja auch von einem besonderen Mädchen/Frau, die durch ihre Gabe besonders ist und die Menschen um sich herum dadurch verändert.

Mir sagen ständig alle, ich sollte die Serie sehen. Hab ihr bisher noch nicht ne Chance gegeben, vielleicht tue ich das mal. Ich stecke gerade noch in der dritten Staffel von "Disentchantment."

Jill ist sich ihrer Besonderheit sehr wohl bewusst, dennoch kokettiert sie damit ein Mädchen zu sein wie du und ich. Also für den Fall, dass du eins sein solltest. :D

Nope, da reihe ich mich zwischen Magne und Hooge ein.

Jill will nicht gefallen, macht sich nicht wichtiger als sie ist, besser oder ungewöhnlicher. Das wäre auch reizvoll in den Dialogen, wenn sie nicht aus Eis wäre. Magne würde sich auch sonst für sie interessieren.

Es freut mich echt, dass du das so gelesen hast. Wie gesagt; dieses Schlupfloch, dass Magne nur an ihrer Andersartigkeit interessiert ist, hatte ich mal gesehen und befürchtet, dass mir das jemand vorwerfen könnte. Aber wenn du es so siehst, um so besser!

Tusen takk for besøken. Ha det bra!

Meuvind

 
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Hey @Isegrims ,

freut mich, dass es dich hergeweht hat. Fantasy ist ja eigentlich nicht deine Baustelle.

Dennoch plätschert die Story so dahin, Tiefe kommt nicht zustande und bis auf einzelne Stellen wird auch nicht verstehbar, wie sich die Liebe zu einem Eismädchen anfühlt.

Ja, geb ich dir recht. Wurde auch vorher schon angesprochen, insbesondere von Peeperkorn, der hat mir ganz gut aufgezeigt, wo ich noch schrauben lässt. Ich warte das Ende der Challenge ab, dann möchte ich einige Szenen überarbeiten.

Magne nimmt einfach hin, dass er eine Eisschönheit liebt und die Kondome kommen für den Leser unsichtbar zum Einsatz.

Die Kondome kommen gar nicht zum Einsatz.

Hervorheben möchte ich auch die Dialoge; die klingen absolut natürlich.

Danke! Ich bin an der Jugendsprache einfach ein wenig näher dran :shy:.

witzige Einleitung, die aber mit dem, die nicht ahmen lässt, was folgt

Das hab ich nicht verstanden, was meinst du hier?

gute Beschreibung allerdings gibt es große Unterschiede zwischen Bernstein und Lapislazuli

Jap, ist bereits geändert.

Danke dir für den Kommentar! Hat mich in meiner Entscheidung nochmal bestärkt.

Liebe Grüße
Meuvind


Hey @Fliege ,

schön, dass du hergeschwirrt bist.

Klar, vom Setting bin ich ein Fan, und all die schönen Norwegen-Wörter erinnern mich an all die Urlaube und die waren immer toll. Insofern bin ich emotional total im Text, auf einer ganz persönlichen Ebene.

Geil, dass dich das abgeholt hat. Für mich macht es gerade den Charme von nicht-deutschen Texten aus, wenn diese fremde Alltäglichkeit, die für den Prot. so normal ist, einem selbst unbekannt war. Das mag ich, mich zieht das so rein. Und ich hab natürlich den Vorteil, dass ich den norwegischen Alltag zumindest teilweise kenne.

Ich habe auch mal ein Märchen geschrieben, da war eine Prinzessin ganz aus Eis und sehr, sehr traurig und unter ihren Tränen ist sie geschmolzen. Und alle da in ihrem Eisland waren am Rudern, ihre Traurigkeit zu stoppen, damit die Prinzessin sich nicht komplett auflöst. Also, ich bin bei Dir. Die Eisladies gibt es eben einfach. Punkt. Ein bisschen Märchen ist immer schön.

Jo wtf :lol: Tod durch die eigenen Tränen. Aber jetzt verstehe ich, du kannst auf allen Ebenen an die Geschichte anknüpfen. Macht sie für dich natürlich einzigartiger.

Da bin ich ja kein Freund von. Zumindest nicht als Fertigprodukt aus dem Tiefkühlregal.

Ich hab erst seit kurzer Zeit das Gespür für gute Lebensmittel entwickelt, was aber auch daran liegt, dass ich Zuhause immer gut gegessen habe. Kommt durch das eigene Kochen und Ausprobieren. Ich wüsste selbst gar nicht, ob ich noch Fiskekaker kaufen würde, vielleicht aus Nostalgiegründen. Hab sie aber auch mal mit meiner Mutter selbstgemacht.

Oh, ich mag die Geschichte. Alles so zart und aufregend, wie sich die erste Liebe eben so angefühlt hat. Und immer dieses Eisding zwischen ihnen. Ich finde das wirklich gut gemacht.

Danke :D reichte dir denn diese Passage für den ersten Kuss? Andere Kommentatoren hatten angemerkt, dass dies hier eine der Szenen wäre, wo sich das Ausschreiben lohnen würde.

Hehe, den Gedanken hatte ich selbst noch nie ... aber ja, irgendwie kann man den schon haben.

Ich hab irgendwann mal festgestellt, dass meine besten Lehrer die waren, die eigentlich etwas anderes gelernt und dann ohne Pädagogik eingestiegen sind. Haben wir auch beim letzten Stammtisch drüber gequatscht. Mein Mathelehrer war eigentlich Informatiker, mein Englischlehrer hatte nen Doktor in Philosophie.

Und für mich muss da weder mehr noch weniger, sie ist, was sie ist, eine wunderschöne Erste-Liebe-Geschichte. Ganz zart und verwirrend und schön und Neuland ... das kommt alles bei mir an. Und das Jill anders ist, macht mir deinen Helden nur noch sympathischer, den ganzen Text.

Finde ich super, dass das so bei dir ankommt :D bis zum Ende der Challenge wird erstmal alles so stehen bleiben. Ich denke aber, dass Peeperkorn und Co mir ganz gut aufgezeigt haben, dass noch mehr geht. Diese Aura, die die beiden haben und voneinander wahrnehmen, irgendwie beschreiben. Mal sehen, was sich draus machen lässt. Vielleicht verschlimmbessere ich ja auch :Pfeif:.

Danke dir für den Kommentar!

Liebe Grüße
Meuvind

 
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Meg igjen @Meuvind

Ich war mir da dezent unsicher, ich hatte diese Idee auch schon vorher; denn wenn man diesem Gedanken folgt, degradiert das Jill auf ihre Andersartigkeit und macht Magnes Wunsch nach ihr weniger, weil er sie persönlich liebt, und mehr, weil er sich mit ihrer Adersartigkeit identifizieren will. Das sehe ich sehr kritisch, weil es Magne nicht nur zu einem riesigen Arschloch macht. Es passt vielleicht in den Wunsch nach Neuem, den Magne hegt, aber puuh.
Mir fehlten, um es als eine Liebesgeschichte zu lesen, einfach Gefühle. Da schwappte nichts dergleichen auf mich über. Vielleicht hätte das gefunzt, wenn ich länger über die beiden hätte lesen können. Min feil.
Hab ihr bisher noch nicht ne Chance gegeben, vielleicht tue ich das mal.
Tut nicht Not, wennde mich fragst. Ich bringe nur gerne zu Ende, was ich angefangen habe. Kurz genug war sie ja.
Nope, da reihe ich mich zwischen Magne und Hooge ein.
Dachtichmir.
Wie gesagt; dieses Schlupfloch, dass Magne nur an ihrer Andersartigkeit interessiert ist, hatte ich mal gesehen und befürchtet, dass mir das jemand vorwerfen könnte. Aber wenn du es so siehst, um so besser!
Ich konnte es nicht anders lesen, weil du Magne als jemanden angekündigt hast, der sich nach Weite sehnte, nach Veränderung, aber im Grunde nur so oberflächlich, eben nach ihm in einem anderen Land. :D

Tusen takk for besøken. Ha det bra!
Ikke for dette - det var min glede. Ha det. Kanji

 
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Hallo @Meuvind ,
Ich möchte dir gern ein paar Eindrücke dalassen.
Erst mal finde ich die Grundidee deiner Geschichte spannend. Irgendwie entfaltet sich für mich daraus mehr als nur, dass sie aus Glas ist.
Einerseits könnte man das Interesse von Magne an diesem äußerst außergewöhnlichen Menschen, der so sehr anders ist, als er selbst, auch als Aufforderung bzw. Ermutigung deuten, keine Angst vor dem Andersartigen zu haben (Hautfarbe, Religion, Behinderung usw.). Ich finde es so sympathisch, wie er da ernsthaft interessiert ist an ihren Lebensumständen. Ich meine klar, ein Körper aus Eis, da ergeben sich zwangsläufig eine Meeeeenge Fragen, aber: er stellt sie auch und holt Jill damit ein Stück weit aus ihrer Andersartigkeit heraus, integriert sie.
Zum anderen ist es irgendwie auch diese Geschichte der ersten Liebe, der Scheu, der Angst, etwas falsch zu machen und letztendlich (der eisige Körper, das "tote" Herz als Symbol?) die vielleicht unterbewusste Erkenntnis, dass man noch nicht soweit ist? Dass es irgendwie nicht so ist, wie gedacht? Dass man sich nicht traut? Ach, was nicht alles schief gehen kann...

Und dennoch, ich hätte mir gewünscht, dass die beiden es schaffen. Aber vielleicht waren die Hürden dann doch zu hoch? Ist ja auch wichtig, sich so etwas eingestehen zu können. Nun ja: vielleicht schaffen sie es ja doch noch.

Ich finde, du schreibst sehr anschaulich, fängst die Stimmung gut ein, führst mich gut durch die Umgebung, durch seine Gedanken- und Gefühlswelt.

Julvanger liegt am Arsch der Welt, aber das ist es nicht, was Magne stört.
Guter Start ;-)

Er hat das Gefühl, etwas zu verpassen, für das er noch gar keinen Namen gefunden hat.
Gute Beschreibung einer diffusen Sehnsucht, die wohl jeder von uns kennt.

Es ist irgendein Tag im Februar.
Sowas meinte ich. Irgendein Tag im Februar, da habe ich sofort ein Bild im Kopf, eine Stimmung, eine Laune. Echt gut.

Vor der Tür wartet ein Mädchen aus tiefblauem Glas.
Na gut, der Titel hat es ja angedeutet. Ansonsten wäre das ein Satz, den man zwei Mal lesen müsste ;-)

„Ich bin Magne.“ Er streckt die Hand aus.
Sie starrt auf den Kaffee. „Danke, aber ich trinke keinen Kaffee.“
„Ich …“ Magne bricht ab. Er hat den Becher in der Hand ganz vergessen. „Du … magst sicher keinen Kaffee.“
DIese Stelle habe ich erst beim zweiten Lesen verstanden. Erst dachte ich, häh, wie kann er ihr denn die Hand geben, wenn er in beiden Händen einen Becher hält?
Hooge streckt die Arme zu einem Kreis aus und tut, als hätte ihm jemand einen Basketball hineingeworfen.
„Arschloch“, murmelt Magne und zieht am Türgriff.
Das mit dem Kreis und dem Basketball habe ich nicht verstanden.

Er zieht die Handschuhe aus und berührt den Eiszapfen; erst mit der Handfläche, dann mit den Fingern. Mit der anderen Hand zieht er sein Handy hervor, stellt einen Timer und misst, wie lange er das Eis berühren kann. Magnes Hand schließt sich um das Eis. Es ist massiv, aber glatt; die Kälte sticht ihm in die Haut, den Handballen hinab bis in die Finger. Die Kuppen werden taub. Es schmerzt viel mehr, als er es sich vorgestellt hat. Als hätte man ihm mit einem Hammer auf die Hand geschlagen. Bald spürt er seine Finger nicht mehr.
Nach einer Minute und siebenunddreißig Sekunden muss er die Hände wechseln. Magne zieht die Jacke aus. Mit dem flachen Ende des Eiszapfens fährt er über seinen Unterarm, über die Brust, dann am Schlüsselbein. Er schüttelt sich; der Nacken ist schlimm, aber kein Vergleich zum Schritt.
Süß, wie er sich hier vorbereitet.

„Es ist immer … ich muss mich noch daran gewöhnen, welche Dinge in deinem Leben anders laufen und welche nicht.“
Jill schweigt lange. „Eigentlich alles außer Schuhe.“
Das ist ehrlich.

Magne greift vorsichtig nach ihrer Hand; sie ist hart und steif und verflucht kalt. Es fühlt sich nicht an wie eine Hand, eher wie ein geformter Stein, der zu lange im Fjord lag.
Keine schöne Vorstellung. Denn ist es nicht das schönste Gefühl, warme Haut zu spüren, zu umschließen? Bemerkenswert, dass er dennoch dranbleibt.

„Du sollst doch Bescheid sagen, wenn es zu viel wird.“
„Alles bestens.“
„Wirklich?“
„Nur Zahnschmerzen.
Er kämpft sich durch.

Ihren ersten Kuss haben sie unter einer stillgelegten Eisenbahnbrücke. Hier kommt nur her, wer keinen anderen Ort zum Knutschen hat. Kurze Küsse gehen; bei langen kann es passieren, dass seine Lippen an ihren festfrieren. Wenn Magne mit den Fingern über seine Lippen fährt, sind sie spröde von der Kälte; Jills fühlen sich an wie tiefgefrorene Glasmurmeln.
Tja, und das sind so die Stellen, an denen ich denke: kann ja kein Vergnügen für ihn sein. Und mal ehrlich, diese ersten Küsse und das alles, das war ja auch etwas, dass man immer wieder haben wollte. Und warum? Weil es so schön war. Warme Lippen, weiche Haut etc. Spätestens hier frage ich mich, warum er weiter macht. Was erhofft er sich? Ist es Neugier? Will er sehen, wie weit er selbst gehen kann? Ich meine, es ehrt ihn, aber ich lese da wenig Wohlgefühl heraus.

„Warte“, sagt sie. Sie setzt sich auf, legt ihm die Hände auf die Brust und schließt die Augen; Magne holt Luft. Er schüttelt sich. Beinahe hätte er ihre Hände weggeschlagen. Er atmet zu schnell, stellt er fest, und zwingt sich, langsamer Luft zu holen.
Das grenzt hier schon an Masochismus ;-)

Ich glaube, Jill ist verletzt. Sehr. Sie hat nicht damit gerechnet.“
Weiß nicht. Womit hat sie denn gerechnet?

„Ich weiß es nicht, Magne. Ich weiß es wirklich nicht.“
Tja...

Ich habe die Geschichte gern gelesen, vor allem wegen des interessanten Ansatzes und der guten Schreibweise. Das körperliche Interesse von Magne an ihr lässt sich ab einem gewissen Punkt für mich nicht mehr ganz nachvollziehen, aber vielleicht ist es ja auch eine Art Symbol: gib nicht zu früh jemanden auf.

Beste Grüße,
Fraser

 
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Lieber Meuvind,

Ich mag deine Geschichte gerne. Sie hat etwas von einem Andersen-Märchen. An die kleine Meerjungfrau muss ich denken. Diese unmögliche Liebe von zwei Wesen aus verschiedenen Elementen. Es gibt diese Lieben, wo sich jemand entscheidet, obwohl das ein extremes Maß an Anpassungsbereitschaft erfordert.

„Hooge?“
„Hmm?“
„Lässt sich das …?“
„Ich weiß es nicht, Magne. Ich weiß es wirklich nicht.“
Am allerbesten kann ich mich ja mit dem Hooge identifizieren.

Es gab diese Vampirgeschichte "Twilight". Schon da fand ich die Kälte des schönen Vampirs Edward abschreckend und der war nur kühl, weil seine Stoffwechselprozesse fehlten. Trotzdem unangenehme Vorstellung. Wenn ich deine Geschichte lese, wird mir klar, wie sehr ich Kälte mit Tod und Wärme mit Leben verbinde und was für eine wichtige Rolle sie bei Berührungen spielt. Überhaupt finde ich das gut gemacht, wie du die Temperaturen als Figuren in deine Geschichte holst, mich frösteln und wieder aufwärmen lässt. Du schaffst so ganz merkwürdige Kontraste, einfach, indem du eine Figur wie Jill installierst, an der Magne sich abarbeitet.

sie sitzt allein auf einer verschneiten Bank, auf der Terrasse, wo im Sommer Pølser gegrillt werden.
tolle Kombination

Das Schachspiel und das Gespräch dabei zum Thema Rassismus, ich überlege, ob das was zu bedeuten hat für die beiden, aber ich denke, er will sie ein bisschen beeindrucken mit seinen Gedanken und sie steigt darauf ein. Wenn überhaupt, wäre das Thema gesellschaftlich betrachtet, vielleicht Diversity.


In der Mittagssonne strahlt sie wie ein Diamant. Irgendwann klappt sie den grünen Schirm auf und hält ihn so eng am Körper, dass Magne ihren Oberkörper nicht mehr erkennen kann; nur noch die Cordhose. Wie eine französische Adelige, denkt Magne. Oder zumindest, wie er sich eine vorstellt.
Ich habe das Gefühl, es ist schon etwas sehr Ästhetisches, was ihn fasziniert, zusammen mit dem Reiz der Unmöglichkeit und des Außergewöhnlichen. Er sehnt sich eigentlich sogar nach warmen Ländern. Aber bevor sie auftaucht, ist er vor allem gelangweilt und sie ist eine völlig neue Erfahrung. Ich finde sie auch als Person recht unterkühlt, vorsichtig, doch dann fasst sie Vertrauen. Ihr Verhalten ist eigentlich das eines normalen Mädchens.

Sehr schnell merkt Magne, wie begrenzt sie in ihren Möglichkeiten sind. Für Kartenspiele ist der Tisch zu feucht, Monopoly dauert zu lange und bei Würfelpoker bekommt Jill schlechte Laune.
Da gibt es bereits so etwas wie Alltagsprobleme.
Eiszapfen hängen wie Fledermäuse kopfüber von den Regenrinnen.
Schön. So viele Arten von Eis in deiner Geschichte.
Nach einer Minute und siebenunddreißig Sekunden muss er die Hände wechseln. Magne zieht die Jacke aus. Mit dem flachen Ende des Eiszapfens fährt er über seinen Unterarm, über die Brust, dann am Schlüsselbein. Er schüttelt sich; der Nacken ist schlimm, aber kein Vergleich zum Schritt.
Tolle Stelle. Sehr pragmatische Herangehensweise. Und dennoch behauptest du im weiteren Verlauf einfach sein Begehren, genauso, wie du behauptest, dass Jill aus Eis ist.
jetzt kommt er sich dumm vor, die Handschuhe absichtlich im Schrank gelassen zu haben, also vergräbt er die Fäuste in der Jackentasche. Von der Kälte schmerzt ihm der Kiefer, da, wo der Arzt im Sommer die Weisheitszähne entfernt hat.
Autsch. Sehr fühlbare Stelle.

„Ich bin ein Mensch, Magne. Wirklich.“ Sie greift ihr Shirt und zieht es sich über den Kopf, löst den schwarzen BH. „Und ich will es dir beweisen.“
Vorsichtig berührt Magne ihre Brüste, fährt mit dem Finger das Brustbein entlang. Er braucht einen Moment, bis er es sieht; hinter der Brust, tief im Eis, sitzt ein schwarzes Ding, groß wie eine Faust. Ein dicker, lebloser Klumpen.
„Ist das …“, er bricht ab, legt eine Hand auf ihre Brust, greift mit der anderen nach ihrer Hand, sucht die Pulsader. Alles, was er spürt, ist Kälte. Er nimmt die Hand weg; der schwarze Klumpen regt sich nicht.
„Jill“, flüstert er. Er setzt sich auf, sie zieht ihre Hände zurück. In der Dunkelheit fällt es Magne schwer, klare Gesichtszüge zu erkennen. Nur Eis, das sieht er.
„Was ist?“, flüstert sie.
Ach, wie traurig. Sie will ihm zeigen, dass sie auch ein Mensch ist und löst Entsetzen bei ihm aus. Das Herz ist schwarz und es schlägt nicht.

Ich habe das sehr gerne gelesen, bin aber auch gespannt, was du aus der Geschichte noch machst. Die Ideen von zigga fand ich dazu sehr gut.

Noch eine Kleinigkeit:

„Magne, von allen Mädels, die mit uns nach Julvanger verbannt wurden …“, sagt Hooge, während er seine Kartoffeln mit der Gabel zermantscht, „suchst du dir ausgerechnet sie aus? Ich meine, wie stellst du dir das vor?“
„Da hast du dir ja was vorgenommen“, sagt Hooge mit gesenkter Stimme und zermatscht weiter seine Kartoffeln.
Vielleicht für eins entscheiden?

Herzliche Grüße von Chutney

 

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