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Monster-WG
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K

Sobald er nach Hause kam, warf er seine Tasche auf die Bank, zog Wanderschuhe und Wachsjacke über und lief los. Seine Füße berührten dabei nur kurz den Boden. Die übertriebene Eile ließ darauf schließen, er würde vor etwas davonlaufen, statt zu etwas hin. Im Schatten der ersten Bäume blieb er stehen und sog tief die Luft in seine Lungen. Mit jedem weiteren Atemzug spürte er, wie er sich aufrichtete und die Muße einließ, die im Schatten auf ihn wartete.
Je tiefer er in den Wald ging, desto leiser wurden die Stimmen in seinem Kopf, die Eindrücke des Tages verblassten. Bald waren sie nicht mehr als ein schwaches Echo, das vom Rauschen der mächtigen Baumkronen übertönt wurde. Er empfand es als großes Glück, dass er den Wald für sich wiederentdeckt hatte, als Ort, wo er zur Ruhe kam, und der ihm als Wesen entsprach.

Früher war er oft hier gewesen am Fuß der Kastanie, auch mit der, deren Namen er nicht mehr denken mochte. Er dachte an das Herz, das er an jenem Sommertag in die Rinde gekerbt hatte, mit ihrem K darin. Zunächst ein glücklicher Tag, an dem er am Fuß der Kastanie seine zitternde Hand unter ihren Rock wandern ließ. Auch deshalb glücklich, weil sie es dieses eine Mal geschehen ließ, und das vermutlich nur, weil die Kastanie ein wenig fernab der Wege stand. So dachte er jedenfalls, bis sie ihn wegstieß, ihren Rock glattstrich und ihre Hand auf seine Wange klatschen ließ. Ruhig stieg sie auf ihr Fahrrad und fuhr los, ohne sich noch einmal umzudrehen.
Zurück blieb das Herz in der Baumrinde und eine Taubheit, die ihn nicht mehr verließ. Saft quoll aus der Rinde hervor und erinnerte ihn an das Wundwasser nässender Sommerknie. Er wartete, bis das Herz angetrocknet war, dann fuhr er die grobe Kontur mit der Fingerspitze ab, stoppte bei dem Plus, zog die Kuppe über den senkrechten Strich und folgte dem waagerechten bis zu ihrem Buchstaben. Mit dem Fingernagel ging er unter den Rand des K, um die Rinde abzuheben und die Kerben unkenntlich zu machen. Als er fand, es sei undeutlich genug, ging er aus dem Wald und kehrte erst sieben Jahre später zurück.

Er folgte dem Weg, der ihn zur Kastanie bringen würde, damals wie heute eine mächtige Schönheit, deren Krone ihre Nachbarn weit überragte. Unverrückbar standen die Bäume an ihrem Platz wie Wahrheiten, die nicht angezweifelt werden. Der Gedanke gefiel ihm, schon als er in dem dünnen Waldführer in Sütterlin darauf gestoßen war, weil es diese Art Wahrheiten in seinem sonstigen Leben nicht gab. Was ihn anfangs zurückbrachte, konnte er nicht sagen. Vielleicht war es eine milde Neugierde oder ein erster wehmütiger Blick zurück, vielleicht wollte er etwas in sich wiederfinden, was er dort verloren zu haben glaubte. Das Herz hatte er schnell gefunden.

Monate war er nach der Arbeit durch den Wald gestreift, hatte gesehen, wie die Zeit den Wald verändert hatte und war zu dem zurückgekommen, was er schon damals geliebt hatte. Lange hatte er alles verdrängt und war überwältigt davon, wie stark ihn der Ort berührte. Die ersten Male, als er davorstand, rannen ihm Tränen die Wangen hinab. Das Gefühl der Rückkehr hielt eine Weile an, ebenso das Bedürfnis, die damalige Nähe wiederherzustellen.
Er begann, den Müll entlang der Wege einzusammeln und in Plastiktüten zu stopfen, die er mitbrachte und auf dem Rückweg am Tennisheim entsorgte. Dosen, feuchtes Toilettenpapier, Kronkorken und Zigarettenstummel aus dem Wald zu holen, gab ihm eine stille Befriedigung.
Als die Wege abgesucht waren, ging er tiefer ins Unterholz, scharrte mit Händen und Füßen unter dem Laub, zog jahrealte Plastiktüten und Flaschen aus dem weichen Boden und freute sich über jeden gefüllten Beutel, den er abends heraustrug.
Wenn er am Ende des Tages zum Tennisheim ging, standen sie dort in rosigen Polohemden an Stehtischen unter Sonnenschirmen mit bayrischer Bierwerbung, schüttelten erst unmerklich den Kopf und nickten ihm danach kurz zu.
Er wischte sich die zotteligen Haare aus dem Gesicht und grüßte zurück, sofern das, was aus seinem Bart drang, als menschliche Äußerung durchgehen konnte. Hinter seinem Rücken runzelten sie sonnengebräunte Stirnen und flüsterten komischer Kauz. Es störte ihn nicht, solange sie ihn gewähren ließen. Auf eine für ihn verdrehte Art und Weise schienen sie zu schätzen, was er tat.

Nachdem er allen Müll aus dem Wald herausgesucht hatte, begann er, tote Zweige, die gesunde Sprösslinge zu Boden drückten, herunterzuheben und ins Unterholz zu schichten. Er las Bücher über Flora und Fauna des heimischen Waldes, lernte Insekten zu unterscheiden, Bäume zu bestimmen und aus den Fährten zu erkennen, welche Nager und welches Rotwild ihre Spuren hinterließen.
Bäume kommunizierten miteinander, las er dort und wahrlich fühlte er sich vom Wald begrüßt. Aus dem Rascheln der Blätter hörte er geraunte Grüße. Dort, wo er ging, schwoll es an. Er antwortete, indem er höfliche Grußformeln murmelte und dazu leicht nach rechts und links nickte.
Immer wieder kehrte er zu der Kastanie zurück, nach Jahren der Abwesenheit war der Baum ins Zentrum seiner Existenz gerückt. Die Ruhe und die Schlichtheit des Wesens beeindruckten ihn, ebenso die enorme Standhaftigkeit und Größe. Es gab so vieles, was der Baum ihn lehrte, vor allem innere Haltung. Er übte einen festen, sicheren Schritt, hielt seinen Körper aufrecht, reckte die Arme wie Äste in die Luft und näherte sich seiner Lieblingsstelle mit neu erworbener Grandezza.

Das Herz, das er in einem lang vergangenen Leben in den Stamm geschnitzt hatte, war gewachsen. Die Kastanie hatte sich Mühe gegeben, die Wunde in ihrer Außenhaut zu überwalmen. Aus ihrem unkenntlich gewordenen Buchstaben war etwas Neues erwachsen. Ein ominöses Geheimzeichen, das er nicht zu entschlüsseln vermochte. Manche Dinge stachen schärfer betont hervor, andere traten in den Hintergrund. Wenn er blinzelte, was er bei grellem Licht zunehmend tat, sah er in den beiden aufrechten Herzbögen die Brust einer jungen Frau. Er konnte nicht verhehlen, dass ihn diese Momente berührten. Sie berührten ihn auf eine andere Art als die Erhabenheit des Baumes. Er dachte an eine Hand, die unter einen Rock wandert, und fühlte Regungen, die fordernd, jedoch nicht direkt unangenehm zu nennen waren.
Als er dieses Mal an den Stamm trat, spürte er, etwas war anders – als hätte eine Knospe ihre Spitze geöffnet und würde nun Frühlingsduft verströmen.
Durch das Blätterdach drang ein dunstig-mildes Zwielicht, das die Kontur der Rundungen glättete und bernsteinfarben erglühen ließ. Möglicherweise lag es an diesem Licht und seinen Effekten, dass er den Baum und seine gefurchte Borke anders sah als jemals zuvor. Flechten und Risse wirkten mit einem Mal wie ein gemustertes Kleid, das sich an die Lenden einer Frau schmiegt.
Das Herz hatte sich wulstig nach außen gedrückt, es wölbte sich nahezu obszön und doch unwiderstehlich aus dem Stamm, geschwollenen Brüsten gleich, die sich ihm darboten. Dort, wo das Herz in die mittige Spitze sank, war die Wulst besonders ausgeprägt, sie reckte sich ihm V-förmig entgegen.
Oft schon war er hier gewesen und hatte über das Herz nachgedacht, doch diese greifbare Anziehung spürte er zum ersten Mal und welchen Grund sollte er haben, ihr nicht nachzugeben? Er drückte seinen kratzigen Bart auf den Wulst und schmeckte den herben Baumsaft, Als er seine Zunge entlang der Mittelfurche des Herzens zog, nahm ihm der Geruch beinahe die Sinne. War es Einbildung oder erzitterte die Kastanie unter seiner Liebkosung? Mit Küssen folgte er der Kontur des Herzens, bedeckte die Rinde mit feuchten Zärtlichkeiten, bis er wieder zum Ausgangspunkt zurückkehrte. Er konnte nicht aufhören mit dem, was er tat, das Rascheln der Blätter erschien ihm mit einem Mal rhythmisch. Der Zauber des Moments sollte nicht enden und so tat er alles, um die Verbindung nicht zu verlieren.
Er verstärkte die Bemühungen seiner Zunge und wurde durch ein gefühltes Mehr des würzigen Safts belohnt. Endlich fand er eine Möglichkeit, dem einzigen Wesen, das ihm etwas bedeutete, nahezukommen. So nahe, wie sich Individuen nur kommen können.
Wie im Rausch entledigte er sich seiner Kleider und drückte den Körper an den Stamm. Die Berührung der rauen Borke führte auf seiner nackten Haut zu einem Reigen wohlig schmerzhafter Reize, als würde sein Körper von einem Funkenregen überzogen.
Endlich vollführte er die Vereinigung mit diesem bewundernswerten Wesen, nach dem er sich in seinem tiefsten Inneren gesehnt hatte. Vorsichtig rieb er seine Körpermitte am kühlen Stamm und bedachte das Herz mit weiteren sanften Küssen. Er wusste, es brauchte nicht viel, um diesen intimen Kontakt zu einem glücklichen Ende zu führen und befreit von allen Fesseln seines bisherigen Daseins ließ er es geschehen.
Wind fuhr in die Baumkronen ringsum und ließ sie heftig aufrauschen. Ermattet sank er am Fuß des Baumes nieder. Es dauerte einige Atemzüge, bevor er verstand, was mit ihnen geschehen war.

Nie zuvor hatte er seinen Körper derart intensiv gespürt und niemals war die Berührung eines anderen Wesens so erregend und erfüllend gewesen. Er war so glücklich, wie er in seinem Leben nicht gewesen war. Da war etwas zwischen ihnen, etwas Gewaltiges, das vorher schon schlummerte, doch der intime Kontakt hatte es hervorgebracht. Dunkel erinnerte er sich an die Verliebtheit, die er einst gespürt hatte, doch jetzt und hier war es anders. Eine Gewissheit nahm Platz in seinem Bewusstsein. Die Kastanie würde ihn nicht enttäuschen.
Er nahm sich Zeit, weil er wusste, wie schnell Liebe zerbrechen konnte, wenn er zu forsch vorging. Alles in ihm verlangte nach einer zeitnahen Wiederholung, doch auch seine wundgescheuerte Zungenspitze und andere Überempfindlichkeiten zeigten ihm, er musste sich behutsam an diese Form der Liebe gewöhnen. Er fand nicht, dass daran etwas falsch wäre, doch es erforderte gewisse Gewöhnungen und Justierungen.
Während dieses kleine Pflänzchen in ihm wuchs, hatte er ausreichend Zeit, sich weiter um den Wald zu kümmern.

Um die größeren Äste, die quer lagen, in kleinere Abschnitte zu sägen, stahl er die Bügelsäge seines Nachbarn aus der gemeinsam genutzten Garage. Er sägte, so lange er vermochte, bis er vor Schmerz den Arm sinken ließ. Dennoch mochte er die harte Arbeit und das Gefühl, etwas zu bewirken. Es fühlte sich an wie Körperpflege, wie das Entfernen einzelner borstiger Haare oder das Schneiden der Fingernägel – beides Tätigkeiten, die er an sich selbst nicht mehr ausführte, weil er sie als nicht mehr nötig erachtete. Vor Wochen hatte er Geldbörse und Telefon auf den Esstisch gelegt, war der Arbeit ferngeblieben und hatte nicht mehr in seiner Wohnung genächtigt. Er wusste, diese Art Leben lag hinter ihm, es bestand nur aus grauer Bedeutungslosigkeit. Bei seinem letzten Besuch ließ er den Schlüsselbund auf der Garagentür stecken, er würde ihn nie wieder benötigen.

Mit den Abschnitten der Äste blockierte er etwas entfernt den Weg, der in diesen Teil des Waldes führte, indem er sie zu einem Haufen auftürmte und mit allerlei stacheligem Gestrüpp bedeckte. Zusätzlich schob er Laub auf den Weg und verdeckte ihn, so gut es ging. Auch die Markierungen des Wanderwegs schabte er von den Stämmen und malte woanders neue. Er fand es erstaunlich, wie aufgeräumt und doch erfrischend natürlich der Wald danach auf ihn wirkte.
Mittlerweile konnte er die feinen Gerüche des Waldes unterscheiden, roch die Botenstoffe der Bäume, unterschied Zufriedenheit und Verlangen, aber auch Durst und Alarm. Seine Ernährung hatte er gänzlich umgestellt auf Beeren, aber auch Insekten, die über die Baumrinde liefen und nach einem wunden Punkt suchten, um in die Rinde einzudringen. Gerne folgte er den Hilferufen der Bäume. Es hatte etwas von Lausen, fand er. Der Gedanke gefiel ihm und brachte ihn zum Schmunzeln. Die Bäume dankten ihm seine Pflege mit Zuckerwasser, das sie aus den Blättern tropfen ließen, er musste nur den Mund darunter halten.

Symbiose las er in einem seiner Bücher, dem schimmelgrünen mit dem abgegriffenen Einband, mit dem er einst Fliegen totschlug bevor er anfing, sie zu essen. Zusammenleben zum gegenseitigen Nutzen. Er wusste, der Baum stand in Kontakt mit seinen Artgenossen und sein Wurzelwerk bildete mit dem Pilzgeflecht im Waldboden ebenfalls eine Symbiose. Diese Verbindung spürte er auch, wenn er die Zehen ins Laub grub, und sie war sinnvoll und wichtig. Doch an die tiefe Liebe, die ihn mit der Kastanie verband, konnte der Austausch im Wurzelwerk nicht heranreichen. Was sie verband, ging weit über eine Zweckgemeinschaft hinaus.

Mittagssonne brach sich den Weg durch das Blätterdach, tauchte das goldbraune Laub in Sprenkel gleißender Helligkeit. Ein Strahl fand den Weg vorbei an Ästen und Blattwerk und tunkte das Herz in der Kastanienrinde, das durch die fortwährende Zuwendung weiter aufgeblüht war, in warmes Himmelslicht. Wieder meinte er, es schwelle ihm entgegen, schmatze nahezu sehnsüchtig nach der Berührung seiner Zungenspitze. Länger schon und vor allem dauerhaft hatte er die Kleider abgelegt und mit ihnen alle Scham. Niemand war anwesend, der an seinem aufrechtstehenden Gemächt Anstoß genommen hätte oder daran, dass er sich an den Baum klammerte und die eine Stelle mit Küssen überdeckte, während er sich rhythmisch bewegte.
Heute war das Herz besonders gierig, wie ihm der eifrige Fluss des Baumsaftes verriet. Er hatte sich angewöhnt, schmutzige Dinge zu seiner Liebsten zu sagen, während er es tat. Und es schien ihr zu gefallen, wie er an den Säften spürte, die durch die Bastschicht schossen. Er roch den Kohlenstoff, der vom Baumwipfel zu den feinsten Wurzeln transportiert wurde, dort das symbiotische Pilzgeflecht speiste, das sich mit Nährstoffen revanchierte. Alles, was seiner Kastanie guttat, tat auch ihm gut. Und doch konnte es mit dem Kochen der Säfte, die er dem Baum durch seine Zuwendung bescherte, keinesfalls wetteifern.

Sein Schnäuzer und Kinnbart waren bretthart geworden vom getrockneten Baumsaft, wodurch es um einiges leichter wurde, seinen Mund an der aufgeworfenen Rinde zu platzieren und längere Zeit die Position zu halten.
Mit zunehmender Übung wuchs auch die Tiefe der gegenseitigen Befriedigung, das spürte er deutlich. Es war wie in einer guten Ehe und wie ein liebevoller Ehemann wich er fortan nicht mehr von ihrer Seite und las jeden Wunsch von den Lippen ab. Sein großes Vorbild waren die Buche und die Kiefer etwas den Taleinschnitt hinab. Sie wuchsen eng umschlungen, stützten sich gegenseitig, tranken dasselbe Wasser, teilten Wurzelgeflecht und Nährstoffe und waren glücklich miteinander. Sie würden gemeinsam altern und sterben, zu Boden sinken und verfallen. Mit allem, was sie jemals waren, würden sie ihrem Nachwuchs den Boden bereiten, ihn füttern, nähren und die Zukunft bereiten.
Wenn er nicht gerade aufräumte, die Vereinigung vollzog oder den Stamm nach Insekten absuchte, umarmte er den Stamm und grub seine Zehen in die Erde. Dort prüfte er den vom mächtigen Wurzelwerk durchzogenen Nährboden, dessen Ströme ein aufregendes Kribbeln in seine Fußsohlen aufsteigen ließ. Gesund, dachte er und lächelte, es fehlte ihnen an nichts.

Nach dem ersten Herbststurm fielen die stacheligen Kastanien auf den Waldboden. Aus denen, die aufplatzten, kullerten glänzende dunkelbraune Kugeln. Er freute sich über die Frucht seiner Lenden, sammelte händeweise ihrer gemeinsamen Nachkömmlinge und vergrub sie im ganzen Wald an vielversprechenden Stellen. Besonders geeignet erschienen ihm Lichtungen in Nähe von Wasseradern, die er unter der Humusschicht im Mineralboden wahrnahm.
Als die Blätter fielen und die Nächte kühler wurden, schmiegte er sich an den Stamm und half der Kastanie, zur Ruhe zu kommen. Der Baum dankte es ihm mit liebevoller Zuwendung und warf seine Blätter ab, mit denen er sich fortan nachts bedeckte. Er spürte das Ende des Wachstumszyklus, die Natur machte sich bereit für den nahenden Winter.
Von seiner einstigen Leibesfülle war ihm nicht viel geblieben. Mit jedem Tag verlor er mehr seiner Kraft und der andauernde Herbstregen ließ ihn ausgemergelt und zitternd zurück. Zugleich wusste er, wie wichtig Regen und Kälte für die Regeneration des Waldes und seinen Fortbestand waren. Aus seiner Erschöpfung wuchs der Wunsch zu schlafen. Er hatte alles erlebt und getan, was einen Menschen ausmacht, hatte Liebe und Gemeinschaft erfahren, Leben gezeugt und für reichlich Nachkommen gesorgt. Nun war es an der Zeit loszulassen.
Im nächsten Frühjahr sprossen auf vielen Lichtungen und Kahlstellen zarte Kastanienkeime aus dunkelbraunen Samen. Sie wanden sich wie weißliche Würmer aus der Frucht, reckten ihre Spitzen der Sonne entgegen und schlugen ihre feinen Wurzeln in den feuchten Waldboden, wo sie vom Pilzgeflecht begrüßt wurden, mit dem sie sich sogleich verwoben.
Am Fuße der mächtigen Kastanie lag ein Skelett, sauber abgefressen von allerlei Maden, Gewürm und Mikroorganismen. Friedlich lag es dort, zusammengekauert wie ein Embryo, eingesunken in ein Polster aus braunem, nassem Laub. Die Fingernägel waren lang, die Haare auf dem kahlen Schädel zottelig und die Zähne bleckten ein versonnenes Lächeln.

 

MRG

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Moin @linktofink,

eine abgefahrene Story. Du erzählst die Geschichte eines Mannes, der nach 17 Jahren zurück zu dem Baum kommt, wo er damals ein Herz für seine Frau eingeritzt hat. Dieses Herz weckt ihn ihm nach und nach romantische Gefühle und er verliebt sich in die Kastanie. Für ihn wird sie zu seiner Frau und auch seine Sexualität und seinen Wunsch, sich fortzupflanzen lebt er mit diesem Baum aus. Am Ende stirbt er an der Seite seines Baumes.

Muss schon sagen, dass ich gerade echt perplex bin. Du hast es wirklich geschafft, dass ich mich auf diese Welt eingelassen habe und am Ende habe ich mich gefragt, wieso dein Text funktioniert. Ich glaube es liegt daran, dass du sehr behutsam vorgehst und mir als Leser die Möglichkeit gibst, dem Erzähler zu vertrauen. Und dann langsam, ganz langsam entfaltet sich der Prozess, dass er sich in die Kastanie verliebt und sie begehrt. Abgefahren, dass der Text für mich funktioniert hat.

Ich gehe im Detail auf meinen Leseeindruck ein:

Mit jedem weiteren Atemzug spürte er, wie Last von ihm abfiel, die ewiggleiche Arbeit, das Kollegengeschwätz, das cholerische Geschrei des Vorarbeiters.
Je tiefer er in den Wald ging, desto leiser wurden die Stimmen in seinem Kopf, die Eindrücke des Tages verblassten.
Das ist so eine Sache, die ich gut nachvollziehen kann. Das ist ja noch sehr nah am "alltäglichen" Leben dran. Das meinte ich oben damit, dass du den Prozess ganz langsam startest und erst einmal diese Glaubwürdigkeit aufbaust.

Er fand es ein großes Glück, dass er den Wald für sich wiederentdeckt hatte, als Ort wo er zur Ruhe kam und der ihm als Wesen entsprach.
Hier deutest du es schon an, dass er eine besondere Beziehung zum Wald hat und jetzt, wo ich den Text gelesen habe, hat das mit dem "als Wesen entsprach" eine ganz andere Bedeutung. Vielleicht liegt es auch an diesem Satz, dass ich mich als Leser auf die Geschichte einlassen kann. Ich hatte nich einmal das Gefühl, abbrechen zu wollen.

Früher war er oft hier gewesen, auch mit der, deren Namen er nicht mehr denken mag.
Du verwendest am Ende des Satzes Präsenz; auf mich hatte das die Wirkung, dass es ihn noch immer unglaublich schmerzt. Auch das habe ich in gewisser Weise als Motiv verstanden, dass er sich um den Wald kümmert und eine Beziehung zum Kastanienbaum aufbaut.

Harz troff aus dem Baum, der auf die Verletzung seiner Außenhaut mit klebrigem Baumsaft reagierte.
Er wartete, bis die Sonne das Harz getrocknet hatte, dann fuhr er die grobe Kontur mit der Fingerspitze ab, stoppte bei dem Plus und ihrem Buchstaben. Mit dem Fingernagel ging er unter den Rand des K, um die Rinde abzuheben und die Kerben unkenntlich zu machen. Als er fand, es sei undeutlich genug, ging er aus dem Wald und kehrte erst siebzehn Jahre später zurück.
Das verstärkt diesen Schmerz, es muss ihn unglaublich hart getroffen haben. Erst nach 17 Jahren kommt er wieder.

Also begann er, den Müll entlang der Wege einzusammeln und in Plastiktüten zu stopfen, die er mitbrachte und auf dem Rückweg am Tennisheim entsorgte. Dosen, feuchtes Toilettenpapier, Kronkorken und Zigarettenstummeln aus dem Wald zu holen, gab ihm eine stille Befriedigung.
Ich finde ihn sympathisch, er räumt auf und kommt mir als eine liebenswerte Person vor. Das ist auch ein wichtiger Faktor, weshalb ich mich auf seine Geschichte einlassen kann.

Er wischte sich die zotteligen Haare aus dem Gesicht und grüßte zurück, sofern das, was aus seinem Bart drang, als menschliche Äußerung durchgehen konnte.
Hier dachte ich kurz, dass er möglicherweise kein Zuhause mehr hat, aber das löst du ja später auf (er liest Bücher und hat einen Nachbarn).

Er las Bücher über Flora und Fauna des heimischen Waldes, lernte Insekten zu unterscheiden, Bäume zu bestimmen und aus den Fährten zu erkennen, welche Nager und welches Rotwild ihre Spuren hinterließen.
Hier kommen dann die Bücher und das macht es für mich dann auch glaubwürdig, dass er teilweise so wissenschaftlich über seine Liebesbeziehung nachdenkt (denke hier vor allem an das Wort Oxytocin).

Aus ihrem unkenntlich gewordenen Buchstaben war etwas Neues erwachsen. Ein ominöses Geheimzeichen, das er nicht zu entschlüsseln vermochte.
Auch hier gehst du wieder sehr langsam und vorsichtig vor. Das ist eine der großen Stärken deines Textes, finde ich.

Er drückte seinen kratzigen Bart auf den Wulst und schmeckte den herben Saft, als er seine Zunge entlang der Mittelfurche des Herzens zog.
Wenn du damit angefangen hättest, dann wäre ich wahrscheinlich schnell abgesprungen, aber durch die Schilderung seines Charakters und seiner Welt, bleibe ich an Board. Ich frage mich, was wohl mit ihm passiert.

Endlich fand er eine Möglichkeit, dem einzigen Wesen, das ihm etwas bedeutete, nahe zu kommen.
Ist das eine Verschiebung? Also liebt er noch immer seine Frau und projiziert das auf den Baum? So habe ich es interpretiert, korrigiere mich da gerne.

Er war so glücklich, wie er nie zuvor in seinem Leben gewesen war und die Flutung seines limbischen Systems mit Oxytocin verlangte nach einer zeitnahen Wiederholung des auslösenden Stimulus.
Das meinte ich weiter oben mit seinem Wortschatz, aber durch die Erwähnung der Bücher finde ich das glaubwürdig und passend.

Es fühlte sich an wie Körperpflege, wie das Entfernen einzelner borstiger Haare oder das Schneiden der Fingernägel – übrigens beides Tätigkeiten, die er an sich selbst nicht mehr ausführte.
Er kümmert sich um den Wald, um seine Kastanie, aber nicht um sich selbst. Auch das ein Zeichen, dass er einen extremen Schmerz aushalten muss oder musste.

Ein Strahl stahl sich an Ästen und Blattwerk vorbei und tunkte das Herz in der Kastanienrinde, das durch die fortwährende Zuwendung weiter aufgeblüht war, in warmes Himmelslicht.
Hier bin ich über "Strahl stahl" gestolpert.

Sein großes Vorbild waren die Buche und die Kiefer etwas den Taleinschnitt hinab. Sie wuchsen eng umschlungen, stützten sich gegenseitig, tranken dasselbe Wasser, teilten Wurzelgeflecht und Nährstoffe und waren glücklich miteinander. Sie würden gemeinsam altern und sterben, zu Boden sinken und verfallen. Mit allem, was sie jemals waren, würden sie ihrem Nachwuchs den Boden bereiten, ihn füttern, nähren und die Zukunft bereiten.
Was für eine unglaublich abgefahrene Idee, also ich konnte das auch echt nachempfinden. Es ergibt total Sinn in seiner Welt. Unglaublich, dass du das geschafft hast.

Er freute sich über die Frucht seiner Lenden, sammelte händeweise ihrer gemeinsamen Nachkömmlinge und vergrub sie im ganzen Wald auf den kahlgeschlagenen Hängen der abgestorbenen Fichten.
Er lebt seinen Traum aus, Nachwuchs zu haben und fühlt sich möglicherweise mehr als ein Baum, als ein Mensch?

Er hatte alles erlebt und getan, was einen Menschen ausmacht, hatte Liebe und Gemeinschaft erfahren, Leben gezeugt und für reichlich Nachkommen gesorgt. Nun war es an der Zeit loszulassen.
Er hat alles erlebt. Das finde ich total faszinierend, ich bin sozusagen im Geist von jemandem, der die Welt ganz anders wahrnimmt als eine "normaler" Mensch. Und ich kann nachempfinden, wieso er so denkt und was ihn antreibt.

Am Fuße der mächtigen Kastanie lag ein Skelett, sauber abgefressen von allerlei Maden, Gewürm und Mikroorganismen. Friedlich lag es dort, zusammengekauert wie ein Embryo, eingesunken in ein Polster aus braunem, nassem Laub. Die Fingernägel waren lang, die Haare auf dem kahlen Schädel zottelig und die Zähne bleckten ein versonnenes Lächeln.
Er stirbt an der Seite seiner Geliebten. Am ergreifendsten finde ich sein "versonnenes Lächeln". Was nehme ich daraus mit? Erstens du kannst richtig gut schreiben. Zweitens es ist einfach andere Menschen zu verurteilen, aber möglicherweise leben sie ein friedliches Leben, das ich aus meiner Perspektive zunächst gar nicht verstehen kann.

Insgesamt ein Text, der anders ist und mich echt zum Nachdenken bringt.

Beste Grüße
MRG

 
Seniors
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Eine wahrlich seltsame Geschichte ... und hallo, lieber linktofink nach so langer Zeit.
Vorweg eine kleine Textanmerkung zum Beginn der Geschichte. Da hatte ich etwas Probleme mit der zeitlichen Verortung.

Übrig blieb das Herz, das er an jenem sonnigen Sommertag in die Rinde gekerbt hatte, mit ihrem K darin. (...)
Hier ist Vergangenheit, sein früheres Leben.
Das Herz, das er in die Rinde gekerbt hatte, war noch frisch, da war die Liebe schon vorbei. Harz troff aus dem Baum, der auf die Verletzung seiner Außenhaut mit klebrigem Baumsaft reagierte.
Hier auch noch.
Er wartete, bis die Sonne das Harz getrocknet hatte, dann fuhr er die grobe Kontur mit der Fingerspitze ab, stoppte bei dem Plus und ihrem Buchstaben. Mit dem Fingernagel ging er unter den Rand des K, um die Rinde abzuheben und die Kerben unkenntlich zu machen. Als er fand, es sei undeutlich genug, ging er aus dem Wald und kehrte erst siebzehn Jahre später zurück.
Aus irgendeinem Grund bin ich bei dem Fettgedruckten in seine heutige Zeit gerutscht, sah ihn also beim Wiederentdecken der Kastanie und des Herzens und war dann erstaunt, dass es siebzehn Jahre her war. Ist mir jetzt mehrfach beim Lesen so gegangen, kann trotzdem an meiner Unaufmerksamkeit liegen oder vielleicht auch daran, dass du einen Absatz gemacht hast zwischen "der auf die Verletzung ... reagierte." und
"Er wartete ..."
Du kannst ja mal schauen, ob das noch mehr Leuten so geht und ggf. was ändern , sonst schiebe es einfach auf meine Aufmerksamkeit.
Aber jetzt zu der eigentlichen Geschichte. Ich bin zeimlich hin und weg wegen der eigenartigen Wirkung, die sie entfaltet. Einerseits stehe ich vor dem Leben dieses Mannes und bestaune ihn, als sei er mir völlig fremd, ich erlebe eine große Distanz, weil das was ihm widerfährt oder wie er sich die Welt zurechtlegt und welche Schlüsse er aus seinem Leben zieht, einem so fremd ist. Und gleichzeitig entfaltet deine Erzählung einen starken Sog, dass man sich nicht entziehen kann und will. Alles ist so klar und fast meint man zu wissen, wie das ausgehen wird, dennoch kann man sich nicht lösen. Ich glaube, es liegt daran, dass du sehr gekonnt immer wieder kleine Lesehonigtöpfchen auslegst, kleine gut platzierte Fallstricke, die einen mit der Geschichte dieses Mannes verbinden.

Ja, eine sehr gute, fremdartige und sehr gelungene Geschichte mit einer großen Sogkraft. Danke dafür.
Viele Grüße an dich von Novak

 
Monster-WG
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10.07.2019
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Hallo @linktofink :-)

Eine definitiv sehr besondere und super interessante Story mit einem seltenen Thema. Motive von Weltabwendung, Hinwendung zur Natur, erotischer Erinnerung und Dendrophilie sind in ihr vermischt. Je tiefer ich in den Text einstieg, desto "größer" erschien mir seine Wirkmacht. Hat der Erzähler einen Fetisch? Oder nicht? Definitiv ein sehr guter Text, so dass die Kritik einen Text auf hohem Niveau bleibt.

Mir ist nicht ganz klar, ob der Erzähler dendrophil veranlagt ist, oder ob seine sexuelle Erregbarkeit aus einer Erinnerung an K resultiert. Die vielen Analogien zwischen weiblichen Geschlechtsorganen und die vorsichtige Entwicklung hin zu dendrophilen Handlungen lassen mich auf letzteres schließen. Aber sicher bin ich mir nicht.

Du schreibst sehr detailliert und mit Fluss, ich schätze deinen Schreibstil. Du führst den Leser von Szene zu Szene, ohne ihn zu verlieren, ohne Brüche - die Entwicklung ist da.

Ich habe drei große Auffälligkeiten:

1. Füllwörter - du verwendest Konstruktionen wie "etwas vom Weg ab", "zunehmend häufig", "mittlerweile ..." - ich bin mir unsicher, ob sie stilistisch sauber sind.

2. Die Vegetationsgesellschaften des Waldes. Du schreibst an einer Stelle, dass sich Buche und Kiefer fest umschlingen und ein Wurzelwerk teilen. Ist ihre räumliche Nähe realistisch? Beide beanspruchen ja sehr unterschiedliche Bodenarten. Aber, ich kenne mich hier nicht aus. Hilfreich zur sachlichen Festigung deiner Story könnte FloraWeb - Pflanzengesellschaften sein. Auch wenn der Erzähler in den Wald jenseits aller naturkundlichen Realität ein spirituelles Element hineininterpretiert, gibt es in deinem Text eine sichtbare Realität. Er ist Hobby-Botaniker mit großem Ehrgeiz, er wird sich sehr gut im Wald auskennen, er wird Kenntnisse der Waldökologie, Pflanzensoziologie, Botanik, Zoologie und Bodenkunde erworben und angewendet haben. Tatsächlich zeigst du das sehr wenig. Das könnte auch Auswirkungen haben, welche Nachkommen er wo wachsen lassen will - wird er Kastanien in den Boden abgestorbener Fichten einpflanzen?

3. Der dritte Punkt trifft nur zu, wenn du eine Story über einen dendrophilen Mann schreiben wolltest. Du arbeitest mit detaillierten Analogien zwischen weiblichen Geschlechtsmerkmalen und dem Auswuchs einer Kastanienrinde. Seine dendrophilen Handlungen (ist er dendrophil?) sind reine Nachahmungen eines heterosexuellen Akts. Das engt die Phantasie sexueller Handlungen ein und verletzt, meiner Ansicht nach, ein sehr wichtiges Motiv deiner Geschichte: Phantasie, Imagination, auch Offenheit für Sexualität und Respekt für Fetisch jenseits des heteronormativen Tunnels. Irgendwo ist deine Geschichte, und das schätze ich sehr an ihr, die eine schrägen Kauzes, der eine spezielles, aber liebevolles Verhältnis zu einer Kastanie entwickelt hat. Menschen, die einen Fetisch haben ... betreiben sie eine Form der Sexualität, die Eins-zu-Eins dem heterosexuellen Sex entspricht?
Ich alter Psychofreund lese in deiner Story gar was freudianisches ... der Spargel sieht wie ein Penis aus, also hat er erotische Kraft auf die Frau.

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Bald waren sie nicht mehr als ein schwaches Echo, das vom Rauschen der mächtigen Baumkronen übertönt wurde.
Hm, "übertönen" setzt das Rauschen der Kronen mit den Stimmen seiner Arbeit in Konkurrenz, der Wald will lauter als die Stimmen sein. Vielleicht reicht ein einfaches: Die Baumkronen rauschen vom Wind. Er hört ihnen zu.
Ist jetzt nicht optimal, aber du verstehst hoffentlich, was ich meine :-)
Er fand es ein großes Glück, dass er den Wald für sich wiederentdeckt hatte, als Ort wo er zur Ruhe kam und der ihm als Wesen entsprach.
Ist der Gang in den Wald Routine für ihn? Oder nicht? Also, braucht er den Wald, um sich von der Arbeit zu befreien?

Für mich ist das ein Kritikpunkt an der Story: In der Kürze des Textes blieb es mir unklar, inwiefern er in den Wald auf Grund seiner Erinnerung an K geht oder ob er den Wald als Fluchtpunkt von der Arbeit nutzt.

Harz troff aus dem Baum, der auf die Verletzung seiner Außenhaut mit klebrigem Baumsaft reagierte.
Kastanien sind Laubbäume. Aber schön, diese Parallele zwischen der Verletzung des Baumes und der seelischen Verletzung durch das Liebesende.
Er wartete, bis die Sonne das Harz getrocknet hatte, dann fuhr er die grobe Kontur mit der Fingerspitze ab, stoppte bei dem Plus und ihrem Buchstaben.
Du zoomst auf die Fingerspitze. Stoppt sie vor dem K? Auf dem Plus? Ich mag das Plus sehr, das ist ein Wort, dass diese Erinnerungs-Nostalgie-Wald-Stimmung wundervoll bricht. Die Liebe zu ihr reduziert auf eine Formel.
Er folgte dem Weg, der ihn zur Kastanie bringen würde, damals wie heute eine mächtige Schönheit, deren Krone ihre Nachbarn weit überragte.
Vielleicht besser "wird"? Er weiß ja, wohin er will.
Unverrückbar standen sie an ihrem Platz wie Wahrheiten, die nicht angezweifelt werden. Der Gedanke gefiel ihm, schon als er im Buch darauf gestoßen war, weil es diese Art Wahrheiten in seinem sonstigen Leben nicht gab.
Aber gibt es diese Wahrheiten in seinem jetzigen Leben? Was bedeutet für ihn das jetzige Leben? Ist keine Ich-will-unbedingt-was-finden-Frage, hat mich einfach interessiert, da ich zwischen sonstigem und jetzigem Leben nicht trennen konnte.

Später benötigte er einen erweiterten Grund, um seinem Tun einen Sinn zu geben. Also begann er, den Müll entlang der Wege einzusammeln und in Plastiktüten zu stopfen, die er mitbrachte und auf dem Rückweg am Tennisheim entsorgte. Dosen, feuchtes Toilettenpapier, Kronkorken und Zigarettenstummeln aus dem Wald zu holen, gab ihm eine stille Befriedigung.
Das klingt für mich nach einer Pflege seiner Erinnerung und nicht Pflege des Waldes. Aber hier bin ich mir unsicher! :-)
Bäume kommunizierten miteinander, las er dort und wahrlich fühlte er sich vom Wald begrüßt, besonders an seiner Lieblingsstelle.
Sieht er sich selbst als eine Art Baum? Die Bäume kommunizieren miteinander oder kommuniziert der Baum mit ihm?
Es gab so vieles, was der Baum ihn lehrte. Die Ruhe und die Schlichtheit seiner Existenz beeindruckten ihn, ebenso die enorme Standhaftigkeit und Größe.
Was lehrt der Baum?
Wenn er blinzelte, was er bei grellem Licht zunehmend häufiger tat, sah er in den beiden aufrechten Herzbögen die Brust einer jungen Frau.
Vlt zunehmend streichen?
Er sägte was das Zeug hielt,
klingt etwas abgenutzt
Dank seiner an den Stamm gekrallten Hände hielt er das Gleichgewicht und verschärfte den Rhythmus des Liebesspiels – bis sich die Spinne, deren Höhle er mit seinem Gemächt penetrierte, mit einem Biss in die Spitze seiner erregten Männlichkeit zur Wehr setzte.
Ab hier scheint die Story in eine groteskere Richtung zu gehen.
Ein Strahl stahl sich an Ästen und Blattwerk vorbei und tunkte das Herz in der Kastanienrinde, das durch die fortwährende Zuwendung weiter aufgeblüht war, in warmes Himmelslicht.
Hm, ein Strahl stahl.

Das war's!

Lg
kiroly

***
Nachtrag von 20:26 Uhr:

Lieber @linktofink, mir sind im Laufe des Wiederlesens eine hohe Zahl an Flüchtigkeitsfehlern aufgefallen, die sicher einer unsauberen Arbeitsweise geschuldet sind. Entschuldige - ich habe einige, wenige Stellen präzisiert und korrigiert. Lg kiroly

 
Monster-WG
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Moin @MRG,

danke für den ersten Komm., der ist ja nie einfach.

Muss schon sagen, dass ich gerade echt perplex bin. Du hast es wirklich geschafft, dass ich mich auf diese Welt eingelassen habe und am Ende habe ich mich gefragt, wieso dein Text funktioniert. Ich glaube es liegt daran, dass du sehr behutsam vorgehst und mir als Leser die Möglichkeit gibst, dem Erzähler zu vertrauen. Und dann langsam, ganz langsam entfaltet sich der Prozess, dass er sich in die Kastanie verliebt und sie begehrt. Abgefahren, dass der Text für mich funktioniert hat.
Warum der Text funktioniert, frage ich mich auch :Pfeif: und bin doch heilefroh, dass es für dich so ist. Schön auch, dass du dem Erzähler vertraust, das war für mich die größte Frage, weil die Haltung des Erzählers mäandert zwischen Verständnis, sezierender Beobachtung und punktueller Groteske, was man ihm auch vorwerfen kann. Mir war es wichtig, dabei den Protagonisten nicht der Lächerlichkeit preiszugeben, mal mit Verständnis nah ranzugehen an die Figur und dann wieder Abstand zu halten.

Das ist so eine Sache, die ich gut nachvollziehen kann. Das ist ja noch sehr nah am "alltäglichen" Leben dran. Das meinte ich oben damit, dass du den Prozess ganz langsam startest und erst einmal diese Glaubwürdigkeit aufbaust.
Ja, sehe ich auch so, der Startpunkt ist eine Situation, die viele kennen und bedingt auf sich anwenden können. Die Suche nach Ablenkung und Ausgleich nach der Arbeit ist für die meisten von uns Gewohnheit.

Hier deutest du es schon an, dass er eine besondere Beziehung zum Wald hat und jetzt, wo ich den Text gelesen habe, hat das mit dem "als Wesen entsprach" eine ganz andere Bedeutung. Vielleicht liegt es auch an diesem Satz, dass ich mich als Leser auf die Geschichte einlassen kann. Ich hatte nich einmal das Gefühl, abbrechen zu wollen.
Er assimiliert sich bereitwillig an den Wald, soweit das als Mensch möglich ist, weil er für sich dort etwas findet, eine Art Wesensverwandtschaft - wie real oder fantasiert die auch sein mag - die ihm sonst verwehrt bleibt.

Du verwendest am Ende des Satzes Präsenz; auf mich hatte das die Wirkung, dass es ihn noch immer unglaublich schmerzt. Auch das habe ich in gewisser Weise als Motiv verstanden, dass er sich um den Wald kümmert und eine Beziehung zum Kastanienbaum aufbaut.
Für mich war die Liebe zu K die einzig relevante in seinem Leben, die er lange verdrängt hat, weil es so schmerzte. Und als er den Wald für sich wiederentdeckt, kommt das unweigerlich hoch und findet Wege, sich anders wieder zu zeigen.

Ich finde ihn sympathisch, er räumt auf und kommt mir als eine liebenswerte Person vor. Das ist auch ein wichtiger Faktor, weshalb ich mich auf seine Geschichte einlassen kann.
Muss für mich auch sein, das Ranholen, die Sympathie, weil z.B. die derbe Baumsex-Geschichte eher gegenläufig wirkt.

Hier kommen dann die Bücher und das macht es für mich dann auch glaubwürdig, dass er teilweise so wissenschaftlich über seine Liebesbeziehung nachdenkt (denke hier vor allem an das Wort Oxytocin).
Das Wissenschaftliche kommt von außen, das ist ganz Erzähler, ich denke nicht, dass er selbst die Ausschüttung des Glückshormons reflektiert. Schwierig, ich habe lange überlegt und überlege noch, ob ich das alles so präsentieren kann.

Auch hier gehst du wieder sehr langsam und vorsichtig vor. Das ist eine der großen Stärken deines Textes, finde ich.
Mir war es wichtig, das langsam aufzubauen, quasi als schleichende Entwicklung, damit sich das eine aus dem anderen ergibt und nachvollziehbar bleibt.

Wenn du damit angefangen hättest, dann wäre ich wahrscheinlich schnell abgesprungen, aber durch die Schilderung seines Charakters und seiner Welt, bleibe ich an Board. Ich frage mich, was wohl mit ihm passiert.
Das meinte ich, das ist für manche schon harter Tobak, aber durch die Vorentwicklung und die Einbettung im Text fügt es sich ein.

Ist das eine Verschiebung? Also liebt er noch immer seine Frau und projiziert das auf den Baum? So habe ich es interpretiert, korrigiere mich da gerne.
Ja, zumindest zum Teil würde ich das auch als Projektion sehen. Aber vielleicht war K schon immer die Kastanie, nur so als eine Möglichkeit.

Er kümmert sich um den Wald, um seine Kastanie, aber nicht um sich selbst. Auch das ein Zeichen, dass er einen extremen Schmerz aushalten muss oder musste.
Für mich war das eher ein Anzeichen dafür, dass er seine menschliche Existenz vernachlässigt, weil sein Kopf und Herz schon ganz woanders ist.

Hier bin ich über "Strahl stahl" gestolpert.
Ja, da bist du nicht die einzige, wird geändert.

Was für eine unglaublich abgefahrene Idee, also ich konnte das auch echt nachempfinden. Es ergibt total Sinn in seiner Welt. Unglaublich, dass du das geschafft hast.
Tatsächlich habe ich genau das gesehen und die ersten Gedanken über diese Bäume, die sich umschlingen, haben zu dieser Geschichte geführt.

Er lebt seinen Traum aus, Nachwuchs zu haben und fühlt sich möglicherweise mehr als ein Baum, als ein Mensch?
Da ist natürlich die Frage berechtigt, ob das nicht alles Einbildung ist und der Typ einfach nur spinnt. Mir ging es jedoch darum, zu zeigen, dass er das wirklich lebt, mit aller Konsequenz und es eigentlich egal ist, ob das seine Nachkommen sind - was sie je nach Lesart sein können oder halt auf keinen Fall.

Er hat alles erlebt. Das finde ich total faszinierend, ich bin sozusagen im Geist von jemandem, der die Welt ganz anders wahrnimmt als eine "normaler" Mensch. Und ich kann nachempfinden, wieso er so denkt und was ihn antreibt.
Das empfinde ich als großes Lob, Danke dafür. Viele meiner Geschichten drehen sich um Menschen, die anders sind und bemühen sich, da einen Zugang zu schaffen. Dass du schreibst, du kannst nachempfinden, wieso er so denkt, finde ich echt mega.

Er stirbt an der Seite seiner Geliebten. Am ergreifendsten finde ich sein "versonnenes Lächeln". Was nehme ich daraus mit? Erstens du kannst richtig gut schreiben. Zweitens es ist einfach andere Menschen zu verurteilen, aber möglicherweise leben sie ein friedliches Leben, das ich aus meiner Perspektive zunächst gar nicht verstehen kann.
Wichtiger letzter Satz, der mir aus dem Herzen spricht, so sehe ich das auch: Schnelles Verurteilen ist viel einfacher und bequemer, als sich die Mühe zu geben, zu verstehen und jemand zu akzeptieren, auch wenn er anders ist.

Insgesamt ein Text, der anders ist und mich echt zum Nachdenken bringt.
Auch das freut mich sehr. Danke für deinen Kommentar, beste MRG, peace, l2f.

 
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Hallo @linktofink,

wow :D, echt abgefahrene Geschichte. Ich habe schon so lange nicht mehr kommentiert, weil ich gerade anderweitig so beschäftigt bin, und so bin ich sicher aus der Übung. Aber ich habe deinen Text gelesen und fand ihn ganz toll, auch wenn es sich jetzt gleich vielleicht nicht so liest. Aber nur weil ich ihn so gut fand, schreib ich überhaupt diesen Kommentar, denn mittendrin hast du mich dann voll erwischt. Aber der Reihe nach, weil aus der Übung muss ich dem Text folgen ...

Den Anfang fand ich ein bisschen zu lang. Mir war nicht klar, wo es hingeht. Dass er in den Wald ging, gefiel mir, weil ich Wald und Texte darüber mag, aber es war noch nicht so ganz klar, ob der Wald am Ende zentral und wichtig sein würde oder ob es um ein Problem auf der Arbeit ginge oder so. Aber ich sehe schon auch, dass es notwendig ist langsam vorzugehen und den Prot als Normalo einzuführen, weil es ja gerade die krasse Entwicklung ist, die deinen Text sonderbar macht bzw. dass man diese Entwicklung als Leser mitgeht. Darum weiß ich nicht, ob sich das anders lösen ließe, aber der Leseeindruck war schon ein bisschen, wo und warum sind wir jetzt hier. Dann wird ja diese unglückliche Liebesgeschichte angedeutet. Hier bin ich auch das erste Mal wegen der Zeiten rausgeflogen.

Früher war er oft hier gewesen, auch mit der, deren Namen er nicht mehr denken mag.
Ich hab hier kurz gegrübelt, ob das Präsenz korrekt ist, vermutlich ist es das, trotzdem hat es mich rausgeworfen. Es folgen zwei Absätze in der Vorvergangenheit. Am Ende gehst du zurück ins Präteritum, dass kann man ja machen, aber dann sollte man, glaube ich, den Absatz auch in der Vorvergangenheit abschließen (d.h. "Als er gefunden hatte, es sei undeutlich genug..." und dazwischen dann einfache Vergangheit.
Früher war er oft hier gewesen, auch mit der, deren Namen er nicht mehr denken mag. Lange hatte er alles verdrängt, die Kränkung, das Scheitern, den Schmerz. Übrig blieb das Herz, das er an jenem sonnigen Sommertag in die Rinde gekerbt hatte, mit ihrem K darin. Übrig blieb das Herz, das er an jenem sonnigen Sommertag in die Rinde gekerbt hatte, mit ihrem K darin. Ein glücklicher Tag, an dem er am Fuß der Kastanie seine Hand unter ihren Rock wandern ließ. Auch deshalb glücklich, weil sie es dieses eine Mal geschehen ließ und das vermutlich nur, weil die Kastanie ein wenig fernab der Wege stand.
Ich mag die Sprache deines Erzählers, wobei ich mich kurz gefragt hatte, was das "fernab des Wege" damit zu tun hat, dass sie dieses eine Mal hat geschehen lassen. Aber in diesem Teil bin ich klar in der Vorvergangenheit. Dann aber verwischt das was ...
Das Herz, das er in die Rinde gekerbt hatte, war noch frisch, da war die Liebe schon vorbei. Harz troff aus dem Baum, der auf die Verletzung seiner Außenhaut mit klebrigem Baumsaft reagierte.
Er wartete, bis die Sonne das Harz getrocknet hatte, dann fuhr er die grobe Kontur mit der Fingerspitze ab, stoppte bei dem Plus und ihrem Buchstaben. Mit dem Fingernagel ging er unter den Rand des K, um die Rinde abzuheben und die Kerben unkenntlich zu machen. Als er fand, es sei undeutlich genug, ging er aus dem Wald und kehrte erst siebzehn Jahre später zurück.
...Weil mir hier die zeitliche Verortung nicht ganz klar ist, ich musste das noch mal und sehr genau lesen, habe jetzt folgendes verstanden: Also die Liebe war dann schnell vorbei (zeitlich vage oder diffus, jedenfalls kein diskreter Zeitpunkt), aber dann "Harz troff aus dem Baum" = ein sehr diskreter Zeitpunkt. Dann: er wartete ... = auch ein sehr diskreter Zeitpunkt, aber wann? Er war mit ihr im Wald, dann war die Liebe vorbei ... dann war er wieder im Wald ... oder war die Liebe schon vorbei während sie noch im Wald waren und sie ist alleine nach Hause gegangen? Hoffe, du verstehst, was ich meine. Und dann: "kehrte erst siebzehn Jahre später zurück" das ist ja dann jetzt die einfache Vergangenheit, aber das klingt irgendwie verschwurbelt und ich denke, wie oben schon angemerkt, es wäre besser mit der Vorvergangenheit zu schließen = "war er aus dem Wald gegangen"
Unverrückbar standen sie an ihrem Platz wie Wahrheiten, die nicht angezweifelt werden. Der Gedanke gefiel ihm, schon als er im Buch darauf gestoßen war, weil es diese Art Wahrheiten in seinem sonstigen Leben nicht gab.
Ich finde, es gibt ein paar sehr schöne Sätze. Dieser hier zum Beispiel oder auch, der mit der Liebe, die schon vorbei war. Das mit dem Buch hätte ich an dieser Stelle nicht gebraucht, weil es bei mir eher wieder einen (nur sehr) kurzen Moment der Irritation ausgelöst hast im Sinne von: Er hat diesen Satz in einem Buch gelesen? Ok, nehm ich mal so hin, aber dann wäre es zumindest hilfreich gewesen zu wissen in welchem Buch, das war mir da irgendwie zu unspezifisch.
Monate war er nach der Arbeit durch den Wald gestreift, hatte gesehen, was neu war[KOMMA] und war zu dem zurückgekommen, was er schon damals geliebt hatte.
Auch das hätte ich nicht gebraucht, das ist sehr narrativ, wo ich nicht grundsätzlich etwas gegen habe, aber: Echt jetzt, der konnte sich nach 17 Jahren noch erinnern und nun abgleichen, was neu war? War er damals auch schon so waldverliebt gewesen? Ich finde, der Text verliert etwas Kraft an diesen "narrativen"(?) oder vielleicht besser "viel umfassenden" Stellen ...
Dieses Gefühl der Wiederkehr des verlorenen Sohnes hielt eine Weile an. Später benötigte er einen erweiterten Grund, um seinem Tun einen Sinn zu geben. Also begann er, den Müll entlang der Wege einzusammeln und in Plastiktüten zu stopfen, die er mitbrachte und auf dem Rückweg am Tennisheim entsorgte. Dosen, feuchtes Toilettenpapier, Kronkorken und Zigarettenstummeln aus dem Wald zu holen, gab ihm eine stille Befriedigung.
Die verlorener Sohn Metapher konnte ich irgendwie nicht so richtig mitgehen. Grundsätzlich fängst du mMn die Stimmung gut ein, also ich spüre das schon was Melancholisches, bei mir kommt an, etwas wieder gefunden zu haben, etwas, was Halt gibt und Stabilität (Der Baum ist für mich auch ein absolutes Symbol für Stabilität). Vielleicht haut das mit dem Sohn für mich nicht hin, weil er ja dann der Sohn wäre, ich das aber so gelesen habe als wäre der Baum der verlorene Sohn. Worauf bezieht sich später? Und um was für ein Tun handelt es sich? MMn könntest du den Satz weglassen, ohne etwas von deiner Aussage zu verlieren, ganz im Gegenteil ...
Dosen, feuchtes Toilettenpapier, Kronkorken und Zigarettenstummeln aus dem Wald zu holen, gab ihm eine stille Befriedigung.
Das war auch eine Stelle, die mir gut gefallen hat. Da komm ich ihm irgendwie nah ...

Nachdem er den ganzen Müll aus dem Wald herausgesucht hatte, begann er, tote Zweige, die gesunde Sprösslinge zu Boden drückten, herunterzuheben und ins Unterholz zu schichten. Er las Bücher über Flora und Fauna des heimischen Waldes, lernte Insekten zu unterscheiden, Bäume zu bestimmen und aus den Fährten zu erkennen, welche Nager und welches Rotwild ihre Spuren hinterließen.
Grundsätzlich könntest du vielleicht noch mal über den Text gehen mit der zeitlichen Verortung im Blick. Das scheint mir alles etwas unklar. Dabei finde ich die Unklarheit recht schön und auch passend, aber sie wirkt irgendwie nicht genügend intendiert, eher wie unüberlegt. Wann las er denn Bücher über Flora und Fauna, weil eigentlich ist er doch gerade durch den Wald gejoggt, um die Arbeit aus dem Kopf zu kriegen. Also vielleicht köntnest du mit dem zeitlichen Gefüge noch etwas mehr und vor allem bewusster spielen also diskreten Zeitpunkten und diffusen Zeiträumen ... Auch dürfte der Text für mich noch etwas konkreter sein in der Sprache was die Begriffe des WAldes angeht, also hier zB einen Nager benennen oder ein Rotwild ... zB zu erkennen ob es ein XY war oder ein Z und dann keine Überbegriffe wie Nager sondern eben einen konkreten Nager.
Bäume kommunizierten miteinander, las er dort und wahrlich fühlte er sich vom Wald begrüßt, besonders an seiner Lieblingsstelle.
Immer wieder kehrte er zu dem Baum zurück, nach Jahren der Abwesenheit war er ins Zentrum seiner Existenz gerückt. Es gab so vieles, was der Baum ihn lehrte. Die Ruhe und die Schlichtheit seiner Existenz beeindruckten ihn, ebenso die enorme Standhaftigkeit und Größe.
Tatsächlich hat mich das Lesen so einige Male rausgerissen, weil ich ihn doch im Wald verortet habe und das Lesen dann irgendwie zu hause stattfindet. Jedenfalls hast du bis hierher es supergut eingefädelt, wie er sich dem Wald insgesamt immer näher verbunden fühlt. Es ist klar, dass er sich dort zu Hause fühlt, das spürt man ganz deutlich. Durch die Tennisspieler hast du auch noch einen Blick von außen, der zeigt, ok, er ist schon ganz schön verschroben, sieht auch so aus, aber auf eine liebenswerte Art irgendwie, denn er kümmert sich ja ganz liebevoll um den Wald. Also die Nähe zum Wald hast du aufgebaut und jetzt ist es eigentlich nur folgerichtig und gar nicht komisch (also komisch schon, aber eben stimmig), dass er die Nähe zum Wald in Bezug auf einen Baum intensiviert.
Er konnte nicht verhehlen, dass ihn diese Momente berührten. Sie berührten ihn auf eine andere Art als die Erhabenheit des Baumes. Er dachte an eine Hand, die unter einen Rock wandert und fühlte Regungen, die fordernd, jedoch nicht direkt unangenehm zu nennen waren.
Super, dass kann jeder (behaupte ich jetzt einfach mal) mitgehen, denn wir wissen ja um seine unglückliche Liebe und der Baum erinnert ihn und diese Erinnerung erregt ihn. Soweit, so nachvollziehbar. Und dann geht's los ...Dann spielst du so schön mit erotischen Worten bzw. Worten die eine erotische Konnotation haben.
Durch das Blätterdach drang ein dunstig-mildes Zwielicht, das die Kontur der Rundungen glättete und bernsteinfarben erglühen ließ.
Also hier ist ja dann schon klar, was da erglüht im Zwielicht - nämlich die Leidenschaft ... bei den Rundungen ...
Manche Dinge stachen schärfer betont hervor, andere hingegen traten in den Hintergrund.
Das dürfte weg für meinen Geschmack ...

Ich finde deine erotischen Beschreibungen in Bezug auf den Baum echt gut gelungen, wobei es für mich an einigen Stellen auch weniger explizit sein dürfte. Aber so wie es ist, ist es schon auch witzig, ich hoffe, das darf es auch sein. Und auch, dass am Ende seine Zunge und sein Penis ordentlich wund sind ... dachte nämlich schon beim "Küssen" der Rinde: aua, aua, aua. Jedenfalls fand ich diese Erotik witzig und faszinierend zugleich und vor allem eben im Großen und Ganzen auch überzeugend.

bis sich die Spinne, deren Höhle er mit seinem Gemächt penetrierte, mit einem Biss in die Spitze seiner erregten Männlichkeit zur Wehr setzte. Unmittelbar kam es zu einer Entladung galaktischen Ausmaßes, die nicht nur die Spinne ertränkte, sondern auch dazu führte, dass sein Gehirn Unmengen diverser Glückshormone ausschüttete.
Er war so glücklich, wie er nie zuvor in seinem Leben gewesen war und die Flutung seines limbischen Systems mit Oxytocin verlangte nach einer zeitnahen Wiederholung des auslösenden Stimulus.
Allerdings stand dem zunächst der schmerzhafte Schaden an seinem besten Stück und seine wundgescheuerte Zungenspitze entgegen. Bis beides soweit wiederhergestellt war, würde es eine Weile dauern und derweil hatte er ausreichend Zeit, sich weiter um den Wald zu kümmern.
Dieser Abschnitt hat mir nicht so gut gefallen. Ich fand die Art der Beschreibung mit der Spinne zB zu klamaukig, galaktisch ... naja ... auch passt für mich diese wissenschaftliche Sprache mit dem Oxytocin und limbisches System nicht usw. MMn ist die nicht passend für die metaphysische Erfahrung die er mit dem Wald hat, auch wenn das jetzt eine etwas seltsame Situation mit dem Baum ist, aber es ist ja einfach nur eine Fortsetzung seiner Liebe auf ein bestimmtes Objekt des WAldes ... oder so ;-). Vielleicht war es dir oder dem Erzähler aber auch an dieser Stelle zu viel der Metaphysik? Wobei es ja eigentlich um astreine Penetration geht und nicht um Metaphysik, mMn musst du das nicht so betonen. Auch die weitere Entwicklung dann gefällt mir gut, wie er quasi immer weniger zu Hause ist, dann gar nicht mehr (hier hat das dann mit der Verortung außerhalb des Waldes funktioniert, warum auch immer), dann sich seiner Sachen entledigt und sich als Teil des Waldes begreift, ein Teil der irgendwie kein Mensch mehr ist, sondern mehr Baum als Mensch. Das finde ich toll beschrieben und wie er dann stirbt, weil er eben kein Baum ist, sondern ein Mensch und ein Mensch kein Baum sein kann.
Lieber l2f, vielen Dank für diese Geschichte, die ich berührend fand und seltsam und komisch und nachdenklich stimmend und die ich sehr gerne gelesen habe,

Viele GRüße
Katta

 
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Hallo @linktofink,

der Protagonist kehrt in den Wald zurück an die Stelle, wo er als Zeichen ihrer "ewigen Liebe" ihre Initialien in den Baum geritzt hat. So wie die Leute, die Schlösser an Brücken anbringen, doch die Welt interessiert sich nicht für die besten Wünsche und festesten Vorsätze. Das Leben passiert. Es gibt keine Garantie. Der Protagonist will das K zerstören, den Schwur zurücknehmen, aber es geht nicht so recht, die Verletzung wird nur größer und steht nun als Symbol des ewigen Verlustes. Das erfüllt mich mit Wehmut.

Doch dieses Herz wird nun zum Zentrum seiner neuen Liebe. Durch das Auslöschen des Ks aus dem Herzen bleibt nur "P + " übrig (ich improvisiere hier mal P für Protagonist), da ist sozusagen wieder Platz für was Neues. Er entdeckt die Liebe zur Kastanie und ich war echt gespannt, wo es hingeht. Ob er wohl im Baum stecken bleibt und mit ihm verwächst, ob er sich durch die Nähe zur Natur in einen Baummann verwandelt, später: ob nachher aus all den vergrabenen Kastanien irgendwelche Baum-Mensch-Mischlinge sprießen. Aber am Ende ist es realistisch geblieben und er ist über den Winter verhungert. Ich bin mir nicht sicher, was das heißen soll, hat er damit doch der Kastanie das Herz gebrochen und sie verlassen. Das Hauptanliegen scheint zu sein, dass er glücklich gestorben ist und seine Arbeit neues Leben hervorgebracht hat. Irgendwie erwarte ich noch einen Bezug zu den vorigen Ereignissen, um eine runde Aussage zu finden, aber sehe ich nicht.

Schön geschrieben, fand ich interessant.

Ein paar Kleinigkeiten:

Früher war er oft hier gewesen, auch mit der, deren Namen er nicht mehr denken mag.
Der Rest ist im Past, aber "mag" ist hier ins Präsenz gerutscht. "mochte" würde besser passen.

und wurde durch ein gefühltes Mehr des würzigen Safts belohnt.
Ich habe das Gefühl, dass hier stattdessen ein "Meer" gemeint ist.

Viele Grüße
Jellyfish

 
Monster-WG
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Das ist echt total schön, liebe @Novak, was von dir zu hören und dich hier unter meiner seltsamen Geschichte zu lesen.

Aus irgendeinem Grund bin ich bei dem Fettgedruckten in seine heutige Zeit gerutscht, sah ihn also beim Wiederentdecken der Kastanie und des Herzens und war dann erstaunt, dass es siebzehn Jahre her war. Ist mir jetzt mehrfach beim Lesen so gegangen, kann trotzdem an meiner Unaufmerksamkeit liegen oder vielleicht auch daran, dass du einen Absatz gemacht hast zwischen "der auf die Verletzung ... reagierte." und
"Er wartete ..."
Ups, erwischt. Das ist beim Schreiben alles so aus mir rausgeblubbert und ich hatte später gerade beim Einstieg Schwierigkeiten, die Zeitebenen ineinander zu schachteln und doch klar zu machen.
Habe jetzt den Absatz weggenommen und "Er wartete einige Tage ..." geschrieben und hoffe das tuts so.
Einerseits stehe ich vor dem Leben dieses Mannes und bestaune ihn, als sei er mir völlig fremd, ich erlebe eine große Distanz, weil das was ihm widerfährt oder wie er sich die Welt zurechtlegt und welche Schlüsse er aus seinem Leben zieht, einem so fremd ist. Und gleichzeitig entfaltet deine Erzählung einen starken Sog, dass man sich nicht entziehen kann und will.
So ging es mir beim Schreiben selbst auch, da war immer dieses Wechselspiel von imaginiertem Verständnis und Fremdheit (Kannst du das so machen?), deshalb auch der Wechsel zwischen Stellen, wo der Erzähler nah dran ist und anderen, wo er wieder auf Distanz geht und sehr nüchtern von außen schaut. Schön das mit dem Sog.
Alles ist so klar und fast meint man zu wissen, wie das ausgehen wird, dennoch kann man sich nicht lösen. Ich glaube, es liegt daran, dass du sehr gekonnt immer wieder kleine Lesehonigtöpfchen auslegst, kleine gut platzierte Fallstricke, die einen mit der Geschichte dieses Mannes verbinden.
Ich denke, ich weiß, was du meinst, das sind diese Stellen, wo der Erzähler sehr nah rangeht und Protas Gedankenwelt streift. Finde ich auch notwendig, um da mitzugehen. Ist auf jeden Fall gut zu lesen, dass es dich in die Geschichte gezogen hat und für dich funktioniert.
Ja, eine sehr gute, fremdartige und sehr gelungene Geschichte mit einer großen Sogkraft. Danke dafür.
:kuss:
gerne, liebe Novak, auf bald, linktofink

 
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Moin @linktofink

Der schlichte Titel hat mich angelockt. Die Tags machten Lust auf mehr. Also habe ich mich auf deine Geschichte gestürzt. Mensch, also ich habe das echt gerne gelesen und finde es grossteils sehr gekonnt formuliert. Das entwickelt einen schönen Sog, der mich immer tiefer in die Geschichte hineinzog. Du sprichtst alle Sinne an und es gibt ein paar tolle Sätze, die man sich als Leser auf der Zunge zergehen lassen kann! Was mir aber nicht so ganz gefallen hat, ist der Bruch zwischen feinfühliger Charakterisierung des Protas / der teilweise poetischen Schreibweise und den "Sexszenen" mit dem Baum. Du bemühst dich zwar, das handwerkliche Niveau zu halten, aber meiner Meinung nach schwächelt der Mittelteil der Story wo es mit der Kastanie zur Sache geht und fällt im Vergleich zum Rest des Textes etwas ab. Mein Tipp: Den Baumsex nur andeuten und weniger explizit machen. Aber Sex sells, ne? :D Ich verstehe schon, das ist so eine Art Gratwanderung, dass kann mMn aber sehr schnell schiefgehen, und ja, ich finde schon, dass da der ein oder andere Satz ziemlich drüber ist. Weiter unten etwas mehr dazu. Im letzten Drittel nimmt die Geschichte dann aber wieder an Fahrt auf und das Ende hat mir wirklich sehr gut gefallen! Also insgesamt eine lesenswerte Story, meiner Meinung nach.

Paar Textstellen:

Im Schatten der ersten Bäume blieb er stehen und sog tief die Luft in seine Lungen.
Erst gefiel mir das "und sog tief die Luft in seine Lungen" nicht so recht, weil es auf mich irgendwie schräg klang. Dachte mir, da klänge "und sog (die) Luft tief in seine Lungen" besser, aber jetzt, nach mehrmaligem Lesen, finde ich den Klang dieses Satzes doch schöner, so wie Du es geschrieben hast. Hat irgendwie so einen leicht poetischen Unterton und lässt anklingen, was später noch in der Geschichte kommt.

die ewiggleiche Arbeit, das Kollegengeschwätz
Das wirkte auf mich etwas klischeehaft, aber ist wohl schon so, dass dies einfach was Alltägliches ist und es vielen Menschen so geht. Auch mir manchmal!

Er fand es ein großes Glück, dass er den Wald für sich wiederentdeckt hatte, als Ort wo er zur Ruhe kam und der ihm als Wesen entsprach.
Mit dem Anfang des Satzes haderte ich etwas, sagt man das so? Ich würde vorschlagen: Er empfand es als großes Glück, [...]

sonnigen Sommertag
Ich weiß, Tage im Sommer können auch mal verregnet oder meinetwegen wolkenverhangen sein, aber auf mich wirkt das doppelt gemoppelt. Ein Sommertag schliesst für mich Sonnenschein mit ein, das Wort sagt quasi aus, dass die Sonne scheint.

Harz troff aus dem Baum, der auf die Verletzung seiner Außenhaut mit klebrigem Baumsaft reagierte.
Muss an dieser Stelle extra erwähnt werden, dass der Baum auf die Verletzung mit klebrigem Baumsaft reagiert? Finde, das klingt etwas gestelzt. Ich würde den Satz komprimieren: Klebriges Harz troff aus der verletzten Aussenhaut des Baumes.

Monate war er nach der Arbeit durch den Wald gestreift, hatte gesehen, was neu war und war zu dem zurückgekommen, was er schon damals geliebt hatte.
Vielleicht anstelle "was neu war" etwas in Richtung "wie sich der Wald verändert hatte"? Das möchtest Du doch damit aussagen, oder verstehe ich die Stelle falsch?

Also begann er, den Müll entlang der Wege einzusammeln und in Plastiktüten zu stopfen, die er mitbrachte und auf dem Rückweg am Tennisheim entsorgte. Dosen, feuchtes Toilettenpapier, Kronkorken und Zigarettenstummeln aus dem Wald zu holen, gab ihm eine stille Befriedigung.
Als die Wege abgesucht waren, ging er tiefer ins Unterholz, scharrte mit Händen und Füßen unter dem Laub, zog jahrealte Plastiktüten und Flaschen aus dem Waldboden und freute sich über jeden gefüllten Beutel, den er aus dem Wald trug.
Auf die Gefahr hin, dass ich jetzt etwas kleinlich wirke, aber in diesem und eigentlich im gesamten zweiten Abschnitt deines Textes ist mir der etwas inflationäre Gebrauch von Wörtern wie Wald und Weg aufgefallen. Diese Wiederholungen – auch wenn vielleicht nicht sofort erkennbar, da schön in den Text eingeflochten – brachten mich etwas aus dem ansonsten angenehmen Flow der Geschichte. Vielleicht magst Du ja noch etwas dran schrauben, um die eine oder andere Wiederholung zu eliminieren.

In seinen Rücken runzelten sie sonnengebräunte Stirnen und zischelten komischer Kauz.
Das klingt für mich falsch. Hinter seinem Rücken runzelten sie sonnengebräunte Stirnen und zischelten komischer Kauz.

Immer wieder kehrte er zu dem Baum zurück, nach Jahren der Abwesenheit war er ins Zentrum seiner Existenz gerückt. Es gab so vieles, was der Baum ihn lehrte. Die Ruhe und die Schlichtheit seiner Existenz beeindruckten ihn, ebenso die enorme Standhaftigkeit und Größe.
Wortwiederholung. Vielleicht strahlt der Baum Ruhe und Schlichtheit aus, anstatt dass Du das mit seiner Existenz verknüpfst? Oder ist das ganz bewusst so gewählt, weil Du erst die Existenz des Protas ansprichst und danach die des Baumes, ihre so gegensätzlichen Existenzen also in einen Kontrast zueinander stellen willst und der Prota deshalb so beeindruckt ist?

Die Kastanie hatte sich Mühe gegeben, die Wunde in ihrer Außenhaut zu überwalmen.
Meiner Meinung nach fehlt da ein in, sonst liest es sich so, als wäre die gesamte Außenhaut des Baumes eine Wunde (gewesen).

Wenn er blinzelte, was er bei grellem Licht zunehmend häufiger tat, sah er in den beiden aufrechten Herzbögen die Brust einer jungen Frau.
Ich finde, dass Durchgestrichene kann weg, es hat mich kurz Stocken lassen. Der Satz liest sich flüssiger und schöner ohne.

Möglicherweise lag es an dem Licht und seinen Effekten, dass er den Baum und die Besonderheiten seines Stamms anders sah als jemals zuvor. Manche Dinge stachen schärfer betont hervor, andere hingegen traten in den Hintergrund.
Das hier finde ich zu ungenau beschrieben: Welche Besonderheiten sieht er denn in anderem Licht? Die Beschaffenheit der Rinde? Manche Dinge stachen schärfer hervor, andere traten in den Hintergrund. Da kann ich mir irgendwie so rein gar nichts vorstellen. Welche Dinge meinst Du denn hier?

Er konnte nicht aufhören mit dem was er tat, das Rascheln der Blätter erschien ihm mit einem Mal rhythmisch, stoßartig.
Stoßartiges Rascheln? Neee, das passt nicht. Würde es einfach killen.

Er verstärkte die Bemühungen seiner Zunge und wurde durch ein gefühltes Mehr des würzigen Safts belohnt.
Mehr? Ich habe das Gefühl, Du wolltest Meer schreiben.

Unwillkürlich und vor allem schnell hatte er sich seiner Kleider entledigt und seinen Körper an den Stamm gedrückt.
Das Wort unwillkürlich steht für unbewusst, automatisch etc. aber auch für reflexartig. Ich finde deshalb, das ist wieder etwas gedoppelt. Vielleicht sehe ich das aber auch falsch ... Würde aber zumindest vorschlagen, da draus ein Unwillkürlich und schnell zu machen, das vor allem passt irgendwie überhaupt nicht rein und liest sich unschön.

Unmittelbar kam es zu einer Entladung galaktischen Ausmaßes, die nicht nur die Spinne ertränkte, sondern auch dazu führte, dass sein Gehirn Unmengen diverser Glückshormone ausschüttete.
Die Stelle finde ich komplett drüber. War erst etwas vor den Kopf gestossen und musste danach grinsen. Klar, die Geschichte driftet langsam in seltsame Gefilde ab, das kündigt sich schon zuvor an, aber die Stelle hier würde ich umformulieren und weniger explizit schreiben. Ich finde, zuvor hatte die Geschichte wirklich so was Poetisches (gerade zu Beginn), ich nahm auch die Gefühlswelt des Protas ernst, das hast Du einfühlsam formuliert. Und dann plötzlich – BÄÄÄMM! – das hier. :eek: Meiner Meinung nach passt die Stelle nicht zum restlichen Text, auch wenn sich das irgendwie vorher schon manifestiert. Vor allem das mit den galaktischen Ausmaßen hat mich rausgeworfen. Und die arme Spinne erst!

Er war so glücklich, wie er nie zuvor in seinem Leben gewesen war
Vorschlag: Er war so glücklich, wie nie zuvor in seinem Leben
Die Formulierung klingt allerdings in beiden Fällen etwas ausgelutscht (Mann, wenn ich mir überlege, was der Typ gerade gemacht hat, sehe ich definitiv abgefuckte Bilder vor meinem inneren Auge, wenn ich von ausgelutscht schreibe!)

Um die größeren Äste, die quer lagen, in kleinere Abschnitte zu sägen, stahl er die Bügelsäge seines Nachbarn aus der gemeinsamen Garage.
Warum zersägt er die nicht in kleinere Stücke oder sowas? Abschnitte klingt so ... unpassend. Auch wenn man das wohl tatsächlich Astabschnitte nennt, habe ich zumindest gerade von Google erfahren.

Er sägte was das Zeug hielt, bis er vor Schmerz den Arm sinken ließ.
Was das Zeug hielt. Verbrauchte Formulierung. Schon tausendmal gehört / gelesen.

Es fühlte sich an wie Körperpflege, wie das Entfernen einzelner borstiger Haare oder das Schneiden der Fingernägel – übrigens beides Tätigkeiten, die er an sich selbst nicht mehr ausführte.
Würde das Wort da rausstreichen.

Bei seinem letzten Besuch ließ er den Schlüsselbund auf der Garagentür stecken, er würde ihn nie wieder benötigen.
Lässt man einen Schlüssel nicht in der Tür stecken? Habe ich noch nie gehört, dass man einen Schlüssel auf der Tür stecken lässt ... ;)

Mit den Abschnitten der Äste blockierte er etwas entfernt den Weg, der in diesen Teil des Waldes führte, indem er sie zu einem Haufen auftürmte und mit allerlei stacheligem Gestrüpp bedeckte.
Ist es wichtig, dass er den Weg etwas weiter weg blockiert? Ich würde das entfernen.

Die Bäume dankten es ihm mit Zuckerwasser, das sie aus den Blättern tropfen ließen, er musste nur den Mund darunter halten.
Anstelle halten hätte ich vielleicht aufmachen gewählt.

Er wusste, der Baum stand in Kontakt mit seinen Artgenossen und ja, sein Wurzelwerk bildete mit dem Pilzgeflecht im Waldboden ebenfalls eine Symbiose.
Durchgestrichenes ja würde ich entfernen, klingt runder ohne.

Doch mit der tiefen Liebe, die ihn mit der Kastanie verband, konnte der Austausch im Wurzelwerk nicht mithalten.
Vorschlag: Doch die tiefe Liebe, die ihn mit der Kastanie verband, konnte vom Austausch im Wurzelwerk nicht erreicht werden. Sowas in die Richtung. Das klingt in meinen Ohren runder als das dreimal mit.

Mittagssonne brach sich freundlich den Weg durch das Blätterdach
Brechen und freundlich passt für mich nicht recht zusammen.

Ein Strahl stahl sich an Ästen und Blattwerk vorbei
Strahl stahl, beinahe schon ein Zungenbrecher :D

Mit allem, was sie jemals waren, würden sie ihrem Nachwuchs den Boden bereiten
Das ist irgendwie zu einfach formuliert.

Danke für's Teilen der Geschichte, hat mich gut unterhalten.

Beste Grüsse,
DM

Edit: Scheiße, ich hatte teilweise Tomaten auf den Augen, habe paar Dinge korrigiert/richtiggestellt.

 
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Das Herz, das er in die Rinde gekerbt hatte, war noch frisch, da war die Liebe schon vorbei.

Ja, so ist das mit der Liebe,

lieber linktofink

sie ist launisch und kommt und geht, wie es ihr gefällt.

Freundschaft ist da beständiger, und wie der Lieblingsköter mir die Füße im Bett warm hält, so kann der Wald zum Freund werden. Wenn ich mich recht erinnere, entscheidet sich der Simpel aus dem Simplicius Simplicissimus letztlich, als Einsiedler zu leben, was ich bei Deinem Helden nach „ewiggleicher Arbeit“ und „Kollegengeschwätz“, kurz: nach zivilisatorischem Überdruss nebst „gescheiterter“ Beziehung – unterstell ich mal - auch zuspreche.

Denn alles, was lebt, ist beseelt und kommuniziert auf seine Weise und so kehrt er an den Ort der Erinnerung zurück, wo Herz und in die Rinde geritzt sind – und auf jeden Fall wieder was dazugelernt hinsichtlich der Symbolik der Kastanie

+

wir lesen derweil ein paar Flusen auf

Er fand es ein großes Glück, dass er den Wald für sich wiederentdeckt hatte, als OrtKOMMA wo er zur Ruhe kamKOMMA und der ihm als Wesen entsprach.

Früher war er oft hier gewesen, auch mit der, deren Namen er nicht mehr denken mag.
Besser: „mochte“

Er dachte an eine Hand, die unter einen Rock wandertKOMMA und fühlte Regungen, die fordernd, jedoch nicht direkt unangenehm zu nennen waren.
(Relativsatz zu Ende und die Konjunktion „und“ setzt den Hauptsatz „Er dachte … und fühlte …“ fort

DortKOMMA wo das Herz in die mittige Spitze sank, war die Wulst besonders ausgeprägt, sie reckte sich ihm V-förmig entgegen.

Er konnte nicht aufhören mit demKOMMA was er tat, das Rascheln der Blätter erschien ihm mit einem Mal rhythmisch, stoßartig.
Endlich fand er eine Möglichkeit, dem einzigen Wesen, das ihm etwas bedeutete, nahe zu kommen.
„nahekommen“ auch als Infinitiv zusammen!

Unwillkürlich und vor allem schnell hatte er sich seiner Kleider entledigt und seinen Körper an den Stamm gedrückt.
Einmal reicht eigentlich das Possessivpronomen, denn wessen Kleidung oder Körper könnte da noch eine Rolle spielen?

Endlich vollführte er die Vereinigung mit diesem bewundernswerten Wesen, nach der er sich in seinem tiefsten Inneren gesehnt hatte.
„dem“, denn „das Wesen“ ist entscheidend, nicht die Frau

Er war so glücklich, wie er nie zuvor in seinem Leben gewesen warKOMMA und die Flutung seines limbischen Systems mit Oxytocin verlangte nach einer zeitnahen Wiederholung des auslösenden Stimulus.

Bis beides so[...]weit wiederhergestellt war, würde es eine Weile dauern und derweil hatte er ausreichend Zeit, sich weiter um den Wald zu kümmern.
Nur die Konjunktion "soweit" zusammen, alle anderen unbestimmten örtlichen/zeitlichen Angaben auseinander

Er sägteKOMMA was das Zeug hielt, bis er vor Schmerz den Arm sinken ließ.

Mittlerweile konnte er die Gerüche des Waldes bestens unterscheiden, roch die Botenstoffe der Bäume, unterschied Zufriedenheit und VerlangenKOMMA aber auch Durst und Alarm.
Hat nicht auch @Isegrims schon über die Kommunikation des Waldes erzählt?
Symbiose las er in einem seiner Bücher, dem schimmelgrünen mit dem abgegriffenen Einband, mit dem er einst Fliegen totschlug[] bevor er anfing, sie zu essen
Zur Abwexlung mal Komma weg, da es das komplexe Prädikat „zu essen anfangen“ zerschlägt

Diese Verbindung spürte er auch, wenn er die Zehen ins Laub grubKOMMA und sie war sinnvoll und wichtig.

Wie dem auch wird - gern gelesen und nach einem solchen Thema darf ich auch verraten, dass die Beziehungen zu ...ela (Du erinnerst Dich?) und ...ele stabiler sind als zuvor -

bis bald

Friedel

 
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Hey @kiroly,
jetzt weiß ich auch, was Dendrophilie ist ^^, im Ernst: der krasse Ausschlag der Sexualität könnte darauf schließen lassen, jedoch nicht beim Erzähler, wie du schreibst, sondern nur beim Protagonisten. Der auktoriale Erzähler beschreibt, was er sieht und schreibt, was er weiß, ist aber selbst nicht beteiligt. Von meiner Seite daher ein klares Nein auf die Frage, ob der Erzähler dendrophil veranlagt ist. Ich denke auch, dass der Prota keinen Fetisch hat, denn das würde seine spezielle Sexualität als Vorliebe eines ansonsten der Norm entsprechenden Menschen darstellen. Beim Prota geht es um mehr, um einen Prozess der Weltabwendung wie du schreibst, für mich entdeckt er eine andere Lebenswelt, in die er wechselt, weil sie ihm mehr gibt als das Menschentum mit seinen Enttäuschungen und Belastungen. Die Kastanie ist dabei mehr Partnerin als Fetisch.
Zu deinen Punkten, Füllwörter. Eine Zeitlang habe ich u.a. Füllwörter krampfhaft vermieden, auch weil es allerorts angemerkt wurde. Für mich persönlich hängt es stark vom Text und seinem Sound ab, ob sie mich stören, ich verteufele sie nicht grundsätzlich. Bei Petulia bspw. ging es für mich gar nicht ohne und bei stark deskriptiven Texten fügen sie sich oft gut ins Ganze, aber ich gehe nochmal mit dem Kamm durch.
Punkt zwei, Vegetationsgesellschaften. Die miteinander verwachsene Buche und Kiefer habe ich selbst gesehen, mein Wundern darüber war Ausgangspunkt der Geschichte. Mit deiner anderen Vermutung, dass er sich Fachwissen angelesen hat und die optimalen Wuchsbedingungen für seine Kastänchen kennen müsste, hast du sicher recht. Ob ein saurer Boden unter abgestorbenen Fichten geeignet ist, weiß ich nicht, wäre zu prüfen, doch es geht ja um seine Entwicklung, sein Lebenszyklus steht im Fokus, da weiß ich nicht, ob es so auf diese Details ankommt.
Punkt drei, Dendrophilie. Schrieb ich schon anfangs was zu, ich denke, das ist keine Fetischgeschichte, eher

die eine schrägen Kauzes, der eine spezielles, aber liebevolles Verhältnis zu einer Kastanie entwickelt hat
das trifft es für mich genau. Über die Art der Sexualität, ob sie zu heteronormativ und zu wenig fantasievoll ist, habe ich mir ehrlich gesagt, keine großartigen Gedanken gemacht. Für mich war eher die Überlegung, ob ich diese drastische Form so bringen kann.

Zu dem Rest schreibe ich morgen was ...
Liebe Grüße, l2f

So, geht weiter, mein Lieber ...

Hm, "übertönen" setzt das Rauschen der Kronen mit den Stimmen seiner Arbeit in Konkurrenz, der Wald will lauter als die Stimmen sein. Vielleicht reicht ein einfaches: Die Baumkronen rauschen vom Wind. Er hört ihnen zu.
Ist jetzt nicht optimal, aber du verstehst hoffentlich, was ich meine :-)
Sehe den Punkt, du liest: der Wald will aktiv lauter sein, das trifft es für mich aber nicht. Für mich geht es darum, dass die Stimmen in seinem Kopf verdrängt oder überlagert werden von einem Geräusch, das er angenehm findet. Dein Vorschlag "Er hört dem Rauschen der Baumkronen zu" ist mir an der Stelle zu schwach, weil es nicht erklärt, warum er die Stimmen nicht mehr hört, weißt?
Ist der Gang in den Wald Routine für ihn? Oder nicht? Also, braucht er den Wald, um sich von der Arbeit zu befreien?
Sagen wir mal so: An der Stelle ist er noch keine Routine, ich würde nicht sagen, dass er den Wald da schon braucht. Er spürt die positive Wirkung und erinnert sich daran, dass er früher auch schon den Wald sehr mochte, that´s it. Die enge Bindung entwickelt sich erst im Laufe der Zeit.
Für mich ist das ein Kritikpunkt an der Story: In der Kürze des Textes blieb es mir unklar, inwiefern er in den Wald auf Grund seiner Erinnerung an K geht oder ob er den Wald als Fluchtpunkt von der Arbeit nutzt.
Ich denke mal der Fluchtpunkt-Gedanke trifft es ganz gut, die Erinnerung an K kommt später dazu, zunächst als side effect.
Kastanien sind Laubbäume. Aber schön, diese Parallele zwischen der Verletzung des Baumes und der seelischen Verletzung durch das Liebesende.
Right, ich sollte es mit dem Harzen nicht übertreiben, da läuft bei Kastanien nicht so viel wie bei Tannen oder Kiefern. :D Ja, die Parallele finde ich auch schön, jetzt wo du es sagst ...
Du zoomst auf die Fingerspitze. Stoppt sie vor dem K? Auf dem Plus? Ich mag das Plus sehr, das ist ein Wort, dass diese Erinnerungs-Nostalgie-Wald-Stimmung wundervoll bricht. Die Liebe zu ihr reduziert auf eine Formel.
Du willst es aber genau wissen ^^. Ich habe das jetzt präzisiert: "... dann fuhr er die grobe Kontur mit der Fingerspitze ab, stoppte bei dem Plus, zog die Kuppe über den senkrechten Strich und folgte dem waagerechten bis zu ihrem Buchstaben."
Aber gibt es diese Wahrheiten in seinem jetzigen Leben? Was bedeutet für ihn das jetzige Leben? Ist keine Ich-will-unbedingt-was-finden-Frage, hat mich einfach interessiert, da ich zwischen sonstigem und jetzigem Leben nicht trennen konnte.
Das sonstige Leben ist die Lebenswirklichkeit in der der Prota verloren ist, oder sich verliert. Ich denke mal, viele Menschen neigen aus schlechter Erfahrung zum Misstrauen, bis hin zur zur Misanthropie. Da sehe ich den Prota ebenfalls angesiedelt. Sein jetziges/geändertes Leben bietet ihm da positive Ausblicke, da er in der Wald-Community Nähe-Erfahrung sammelt. Für ihn ist das wahr, auch wenn man den Vorwurf formulieren kann, das sei alles nur eingebildet.
Das klingt für mich nach einer Pflege seiner Erinnerung und nicht Pflege des Waldes. Aber hier bin ich mir unsicher! :-)
Würde ich so nicht sehen. Er ist ja dabei, die Erinnerung zu framen und durch die Liebschaft zur Kastanie zu ersetzen.
Sieht er sich selbst als eine Art Baum? Die Bäume kommunizieren miteinander oder kommuniziert der Baum mit ihm?
Denke nicht, dass Prota sich als Baum sieht, eher als anders und doch wesensverwandt, wenn er das überhaupt reflektiert. Ich denke auch, dass bei seiner speziellen Realität diese Definitionen keine Rolle spielen, Hauptsache er ist Teil dieser Gesellschaft und kann seine wie auch immer geartete Liebe ausleben.
Ab hier scheint die Story in eine groteskere Richtung zu gehen.
Ja, ich überlege wieder einmal, den expliziten und grotesken Teil zu kappen und hab schon Schiss davor, es zu versauen.
Zu den Formulierungsflusen, auf die du aufmerksam machst, werde ich mir am WE Gedanken machen.

Vielen Dank für deinen Kommentar und vor allem deine Denkanstöße, @kiroly, peace, l2f

 
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Hallo @linktofink :-)

der krasse Ausschlag der Sexualität könnte darauf schließen lassen, jedoch nicht beim Erzähler, wie du schreibst, sondern nur beim Protagonisten.
jaaaa, das habe ich auch gemeint - wo war nochmal der Deutschunterricht der achten Klasse? *asche auf meine acht häupter*
Die miteinander verwachsene Buche und Kiefer habe ich selbst gesehen, mein Wundern darüber war Ausgangspunkt der Geschichte.
Ich wollte dir auch nichts unterstellen, ich habe mich - same as you - gewundert. Mehr nicht :-)
Ob ein saurer Boden unter abgestorbenen Fichten geeignet ist, weiß ich nicht, wäre zu prüfen, doch es geht ja um seine Entwicklung, sein Lebenszyklus steht im Fokus, da weiß ich nicht, ob es so auf diese Details ankommt.
Detailanmerkung, aber: Er will das beste für seine Nachkommen, der Lebenszyklus soll optimal fortgesetzt werden.
Ja, ich überlege wieder einmal, den expliziten und grotesken Teil zu kappen und hab schon Schiss davor, es zu versauen.
Quak, da brauch'ste keinen Schiss zu haben. Vielleicht die Spinnenstelle herausnehmen?
bis sich die Spinne, deren Höhle er mit seinem Gemächt penetrierte, mit einem Biss in die Spitze seiner erregten Männlichkeit zur Wehr setzte. Unmittelbar kam es zu einer Entladung galaktischen Ausmaßes, die nicht nur die Spinne ertränkte, sondern auch dazu führte, dass sein Gehirn Unmengen diverser Glückshormone ausschüttete.
Er war so glücklich, wie er nie zuvor in seinem Leben gewesen war und die Flutung seines limbischen Systems mit Oxytocin verlangte nach einer zeitnahen Wiederholung des auslösenden Stimulus.
Mit der wissenschaftlichen Stelle tue ich mir schwer. Du schreibst ja selber, dass dein Text die metaphysischere Dimension betont: Vereinigung zweier Teile, die Einswerdung mit Natur im Allgemeinen und der Kastanie im Speziellen. Neurochemisches Gedankengut, das die passive Rolle des Protagonisten als Opfer der Gehirnchemie betont, steht dem 180° entgegen. Aber das nur als kleine Idee.

Ab hier scheint die Story in eine groteskere Richtung zu gehen.
Ja, ich überlege wieder einmal, den expliziten und grotesken Teil zu kappen und hab schon Schiss davor, es zu versauen.
Quak, da brauchst du keinen Sch*** zu haben. Vielleicht sehr einfach: Die Stelle kürzen.

Guten Morgen vom hellsten Stern in Dunkeldeutschland,
kiroly

 
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Hallo @Katta,
vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar. Ich finde es immer toll, wenn jemand konkret wird.

Den Anfang fand ich ein bisschen zu lang. (...) aber der Leseeindruck war schon ein bisschen, wo und warum sind wir jetzt hier. Dann wird ja diese unglückliche Liebesgeschichte angedeutet. Hier bin ich auch das erste Mal wegen der Zeiten rausgeflogen.
Es war schwierig, die Geschichte anzuschubsen, quasi aus dem Ergebnis, das ich vor Augen hatte, die Entwicklung nach vorne hin zu konstruieren. Da gebe ich dir recht, auch mit den Zeiten, das kommt noch etwas holprig daher. Heute Morgen habe ich überarbeitet, vllt. ist das Ärgste jetzt raus.
Früher war er oft hier gewesen, auch mit der, deren Namen er nicht mehr denken mag.
Ich hab hier kurz gegrübelt, ob das Präsenz korrekt ist, vermutlich ist es das, trotzdem hat es mich rausgeworfen. Es folgen zwei Absätze in der Vorvergangenheit. Am Ende gehst du zurück ins Präteritum, dass kann man ja machen, aber dann sollte man, glaube ich, den Absatz auch in der Vorvergangenheit abschließen (d.h. "Als er gefunden hatte, es sei undeutlich genug..." und dazwischen dann einfache Vergangheit.
Ja, da das in der Gegenwart Bestand hat, dass er ihren Namen nicht mehr denken mag, ist mMn das Präsens richtig. Das darauf Folgende ist neu formuliert, ich arbeite daran.
Was ich grundsätzlich versuche zu vermeiden ist das PQP, weil es zwar grammatikalisch vllt. korrekt wäre, aber den Lesefluss oft durch die nötige Wortakrobatik brutal bremst. Ich mache das aus dem Gefühl heraus, wie es sich für mich richtig liest, das "Als er gefunden hatte, es sei undeutlich genug" widerstrebt mir da, das liegt mir beim Lesen quer.
Ich mag die Sprache deines Erzählers, wobei ich mich kurz gefragt hatte, was das "fernab des Wege" damit zu tun hat, dass sie dieses eine Mal hat geschehen lassen. Aber in diesem Teil bin ich klar in der Vorvergangenheit. Dann aber verwischt das was ...
Ja nun, das fernab der Wege bedingt schon eine Abgeschiedenheit, die es am Weg so nicht unbedingt gibt, wie jeder weiß, der schon mal im Wald aufs Töpfchen musste und just genau in dem Moment, wo man sich freigemacht hat, kommt ein neonfarbener Trupp mit klackernden Schneckenspießen um die Ecke ...
...Weil mir hier die zeitliche Verortung nicht ganz klar ist, ich musste das noch mal und sehr genau lesen ...
An der Stelle ist Novak auch gestolpert, ich hab da nachgebessert, ist aber noch nicht ganz da, wo ich hinwill. Ich denke, genau da muss ich den zeitlichen Ablauf klarer gestalten.
Ok, nehm ich mal so hin, aber dann wäre es zumindest hilfreich gewesen zu wissen in welchem Buch, das war mir da irgendwie zu unspezifisch.
Verstehe ich, vllt. denke ich mir da noch was aus. Ich wollte das solo so nicht stehen lassen, das geht ohne Einbettung schnell in Richtung Kalenderspruch.
Auch das hätte ich nicht gebraucht, das ist sehr narrativ, wo ich nicht grundsätzlich etwas gegen habe, aber: Echt jetzt, der konnte sich nach 17 Jahren noch erinnern und nun abgleichen, was neu war? War er damals auch schon so waldverliebt gewesen? Ich finde, der Text verliert etwas Kraft an diesen "narrativen"(?) oder vielleicht besser "viel umfassenden" Stellen ...
Mag sein, dass der Text dort, wo ich weit aushole, an Kraft verliert, da muss ich schauen, ob ich das eine oder andere kürzen kann. Andererseits muss ich eine gewisse Nähe und Nachvollziehbarkeit herstellen, damit der Lesende mitgeht und das geht nur über eine gewisse Strecke, die diese Entwicklung vorbereitet. Hm, bezgl. der Längen warte ich mal auf weitere Stimmen dazu.
Die verlorener Sohn Metapher konnte ich irgendwie nicht so richtig mitgehen. Grundsätzlich fängst du mMn die Stimmung gut ein, also ich spüre das schon was Melancholisches, bei mir kommt an, etwas wieder gefunden zu haben, etwas, was Halt gibt und Stabilität (Der Baum ist für mich auch ein absolutes Symbol für Stabilität). Vielleicht haut das mit dem Sohn für mich nicht hin, weil er ja dann der Sohn wäre, ich das aber so gelesen habe als wäre der Baum der verlorene Sohn. Worauf bezieht sich später? Und um was für ein Tun handelt es sich? MMn könntest du den Satz weglassen, ohne etwas von deiner Aussage zu verlieren, ganz im Gegenteil ...
Okay, habe das jetzt zusammengestrichen und begradigt: "Das Gefühl der Heimkehr hielt eine Weile an, ebenso das Bedürfnis nach Wiedergutmachung. Er begann den Müll entlang der Wege einzusammeln und in Plastiktüten zu stopfen, die er mitbrachte und auf dem Rückweg am Tennisheim entsorgte." Heißt das Gleichnis vom verlorenen Sohn ist raus und das "Später ... ", sowie das "Tun" auch. ^^
Wann las er denn Bücher über Flora und Fauna, weil eigentlich ist er doch gerade durch den Wald gejoggt, um die Arbeit aus dem Kopf zu kriegen.
Nee du, da ist deutlich Strecke zwischen, das wird durch solche Sätze klar: "Monate war er nach der Arbeit durch den Wald gestreift, hatte die Spuren der Zeit gesehen und war zu dem zurückgekommen, was er schon damals geliebt hatte. Die ersten Male, als er davorstand, rannen ihm Tränen der Rührung die Wangen hinab."
Da ist eine zeitliche Abfolge drin, die nicht konkret die Anzahl der Tage oder Wochen misst, aber es ist klar genug, dass das nicht an einem Tag passiert, sondern eine Entwicklung darstellt.
Dennoch hast du recht damit, dass ich in Hinblick auf die zeitliche Verortung überarbeiten sollte, werde ich tun.
... Auch dürfte der Text für mich noch etwas konkreter sein in der Sprache was die Begriffe des WAldes angeht, also hier zB einen Nager benennen oder ein Rotwild ... zB zu erkennen ob es ein XY war oder ein Z und dann keine Überbegriffe wie Nager sondern eben einen konkreten Nager.
Das ist witzig, weil mir oft geschrieben wurde, ich sei detailverliebt und würde Fachtermini benutzen, die nicht geläufig sind (grmph). Ich schau mal, ob und wo ich da in spezifischeren Benennungen einen Mehrwert für die Geschichte sehe.
Tatsächlich hat mich das Lesen so einige Male rausgerissen, weil ich ihn doch im Wald verortet habe und das Lesen dann irgendwie zu hause stattfindet.
Das ist so in der Übergangsphase, bevor er gar nicht mehr nach Hause geht. In meiner Vorstellung geht er noch in seine Wohnung, wenn er etwas braucht, wie z.B. Bücher. Wo er dann liest, fand ich nicht so wichtig.
Jedenfalls hast du bis hierher es supergut eingefädelt, wie er sich dem Wald insgesamt immer näher verbunden fühlt. Es ist klar, dass er sich dort zu Hause fühlt, das spürt man ganz deutlich.
Also die Nähe zum Wald hast du aufgebaut und jetzt ist es eigentlich nur folgerichtig und gar nicht komisch (also komisch schon, aber eben stimmig), dass er die Nähe zum Wald in Bezug auf einen Baum intensiviert.
Oh, wow, das ist gut zu wissen, die Glaubwürdigkeit, oder besser das mögliche Verständnis sind schon enorm wichtig, merci.
Super, dass kann jeder (behaupte ich jetzt einfach mal) mitgehen, denn wir wissen ja um seine unglückliche Liebe und der Baum erinnert ihn und diese Erinnerung erregt ihn. Soweit, so nachvollziehbar. Und dann geht's los ...Dann spielst du so schön mit erotischen Worten bzw. Worten die eine erotische Konnotation haben.
Erotik ist Kopfkino, da tun Andeutungen schon einen guten Job und der Moment der Anbahnung ist denke ich ganz gut gelungen, das hat noch Leichtigkeit.
Ich finde deine erotischen Beschreibungen in Bezug auf den Baum echt gut gelungen, wobei es für mich an einigen Stellen auch weniger explizit sein dürfte.
Dieser Abschnitt hat mir nicht so gut gefallen. Ich fand die Art der Beschreibung mit der Spinne zB zu klamaukig, galaktisch ... naja ... auch passt für mich diese wissenschaftliche Sprache mit dem Oxytocin und limbisches System nicht usw.
Ja, der Baumsex ..., das ist der Absatz, wo ich heute Morgen am Meisten gestrichen und umformuliert habe, Spinne und Oxytocin sind weg. Ebenso alles Groteske. Ich habe es jetzt weniger explizit, weil ich denke, das es den Text verbessert.
Und auch, dass am Ende seine Zunge und sein Penis ordentlich wund sind ... dachte nämlich schon beim "Küssen" der Rinde: aua, aua, aua. Jedenfalls fand ich diese Erotik witzig und faszinierend zugleich und vor allem eben im Großen und Ganzen auch überzeugend.
Das ist schade, denn vieles davon ist im Rahmen der Überarbeitung aus dem Text geflogen. Bin gespannt, was du zu der geänderten Beschreibung des Aktes und der Nachwehen sagst.
Auch die weitere Entwicklung dann gefällt mir gut, wie er quasi immer weniger zu Hause ist, dann gar nicht mehr (hier hat das dann mit der Verortung außerhalb des Waldes funktioniert, warum auch immer), dann sich seiner Sachen entledigt und sich als Teil des Waldes begreift, ein Teil der irgendwie kein Mensch mehr ist, sondern mehr Baum als Mensch. Das finde ich toll beschrieben und wie er dann stirbt, weil er eben kein Baum ist, sondern ein Mensch und ein Mensch kein Baum sein kann.
Schön, dass es verständlich bleibt und funktioniert. Der Schluss ergab sich für mich iwie zwangsläufig, sonst wäre es ein Märchen geworden oder er würde Deus ex Machina-mäßig entdeckt und eingewiesen oder sowas, was ich als Auflösung schrecklich fände.
Lieber l2f, vielen Dank für diese Geschichte, die ich berührend fand und seltsam und komisch und nachdenklich stimmend und die ich sehr gerne gelesen habe,
Vielen Dank für deinen coolen Kommentar, du hast den Finger auf manche Schwachstelle gelegt. Ich denke, einen guten Teil habe ich beseitigt und so den Text verbessert.

Peace, l2f

 
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Hat nicht auch @Isegrims schon über die Kommunikation des Waldes erzählt?
ja, ich habe mal eine Text geschrieben, der einen Teil der Edda-Sage aufnimmt, und von Nidhögr und Yggdrasil, dem Weltenbaum erzählt, der alles Leben miteinander verbindet.

Was übrigens ein mMn recht guter Spin für den Text wäre, der hier vorliegt.
Und wenn man dann noch an der allzu realistischen Darstellung des Aktes zwischen dem Kastanienbaums und dem Protagonisten drehen würde, dann, ja dann...

viele Grüße aus den Schatten der Taunuswälder
Isegrims

 
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Hey @linktofink,

Es war schwierig, die Geschichte anzuschubsen, quasi aus dem Ergebnis, das ich vor Augen hatte, die Entwicklung nach vorne hin zu konstruieren.
Mir würde der Einstieg besser gefallen, ohne den dritten Satz. 1. weil ich nicht gedanklich auf die Arbeit versetzt werde und kurz denke, ob es um irgendeinen blöden Konflikt dort geht. 2., weil ich den Satz, ich weiß nicht genau wieso, als Geplappere empfand und empfinde und das in Verbindung mit 1. als ungutes Omen für den Text ankam. Also, wenn du einfach irgendwo einfügst, dass er nach der Arbeit losläuft, dann kann man sich diesen dritten Satz denken, denn wenn er tief die Luft in seine Lungen saugt - tiefe Bauchatmung = Versuch der Entspannung, Lösung von der Arbeit für mich.
Das ist aber nur eine klitzekleine Kleinigkeit, denn es geht ja ganz schnell gut weiter ;-).
Früher war er oft hier gewesen, auch mit der, deren Namen er nicht mehr denken mag.
Ja, da das in der Gegenwart Bestand hat, dass er ihren Namen nicht mehr denken mag, ist mMn das Präsens richtig.
Da hab ich noch mal überlegt. Ist Präsenz nicht doch falsch? Weil er doch im Präsenz tot ist. Die Geschichte ist ja in der Vergangenheit erzählt: Sobald er von der Arbeit nach Hause kam , nicht: kommt. Also müsste es doch richtigerweise: nicht mehr denken mochte heißen, oder?

Das darauf Folgende ist neu formuliert, ich arbeite daran.
Was ich grundsätzlich versuche zu vermeiden ist das PQP, weil es zwar grammatikalisch vllt. korrekt wäre, aber den Lesefluss oft durch die nötige Wortakrobatik brutal bremst. Ich mache das aus dem Gefühl heraus, wie es sich für mich richtig liest, das "Als er gefunden hatte, es sei undeutlich genug" widerstrebt mir da, das liegt mir beim Lesen quer.
Ja, ich weiß, das PQP mögen viele nicht, ich irgendwie schon, aber klar, auch nur in Maßen. Aber ich liebe: gewesen war. Das klingt so schön in meinen Ohren mit der Alliteration. Aber egal, ich weiß schon, was du meinst und auch hier bin ich nicht sicher, aber ich meine irgendwann mal gelernt zu haben, dass man diese PQP-Konstruktionen so vermeidet, in dem man eine Textstelle in der Vorvergangenheit eben im PQP einleitet, dann ins Prät. wechselt und am Ende wieder im PQP ausleitet. Deine Überarbeitung ist mMn immer noch nicht ganz sauber.
Früher war er oft hier gewesen, auch mit der, deren Namen er nicht mehr denken mag. Lange hatte er alles verdrängt, die Kränkung, das Scheitern, den Schmerz. Übrig blieb das Herz, das er an jenem Sommertag in die Rinde gekerbt hatte, mit ihrem K darin. Ein glücklicher Tag, an dem er am Fuß der Kastanie seine Hand unter ihren Rock wandern ließ. Auch deshalb glücklich, weil sie es dieses eine Mal geschehen ließ und das vermutlich nur, weil die Kastanie ein wenig fernab der Wege stand.
Der unterstrichene Satz ist mMn eine nachgeschobene Erklärung, die du nicht brauchst. Das steht doch schon im ersten Satz: deren Namen er nicht mehr denken mag/mochte. Da steckt doch Verdrängung drin und Schmerz und Scheitern. Auch müsste oben erst die Verortung bei der Kastanie kommen, bevor du das Herz in der Rinde erwähnst, weil wir Leser ja noch mit dem Wort hier=Wald assoziieren und da ist es doch recht schwer, dass Herz unterzubringen. Die Zeiten sind aber mMn ok ...
... aber im nächsten Absatz (unten) holperts dann wieder bzw. immer noch, zumindest in meinen Ohren. Ich finde es ganz schwierig, dass das zurückkehren nicht näher definiert ist. Das muss ja am selben oder nächsten Tag gewesen sein? Oder vielleicht im Rahmen von einer Woche? Oder wie lange quillt so Baumsaft, bis es dann "verheilt" ist? Darf ich mal ganz ketzerisch fragen, wozu du bzw. die Geschichte das alles überhaupt brauch(s)t?
Das Herz, das er in die Rinde gekerbt hatte, war noch frisch, da war die Liebe schon vorbei. Er kehrte zurück, weil es ihm leid tat, den Baum verletzt zu haben. Baumsaft quoll aus der Rinde hervor und erinnerte ihn an das Wundwasser der nässenden Sommerknie seiner Kindheit. Er wartete, bis das Herz getrocknet war, dann fuhr er die grobe Kontur mit der Fingerspitze ab, stoppte bei dem Plus, zog die Kuppe über den senkrechten Strich und folgte dem waagerechten bis zu ihrem Buchstaben. Mit dem Fingernagel ging er unter den Rand des K, um die Rinde abzuheben und die Kerben unkenntlich zu machen. Als er fand, es sei undeutlich genug, ging er aus dem Wald und kehrte erst siebzehn Jahre später zurück.
Darf ich mal versuchsweise nur als Gedankenexperiment in dem Text rumfuhrwerken?
Früher war er oft hier gewesen, auch mit der, deren Namen er nicht mehr denken mochte. [weil du hier ins Prät also die Erzählzeit zurückgehst, muss der nächste Satz mMn wieder PQP sein, damit klar ist, dass es wieder zurück in die Vorvergangenheit geht] Ein glücklicher Tag war es gewesen, als er am Fuß der Kastanie seine Hand unter ihren Rock wandern ließ. Auch deshalb glücklich, weil sie es dieses eine Mal geschehen ließ und das vermutlich nur, weil die Kastanie ein wenig fernab der Wege stand. Das Herz mit ihrem K darin, das er an jenem Sommertag in die Rinde gekerbt hatte, war noch frisch, da war die Liebe schon vorbei. Er war mit ihr/ohne sie aus dem Wald gegangen [PQP um die Vorvergangenheit auszuleiten] und kehrte erst siebzehn Jahre später zurück.

Ich mag die Sprache deines Erzählers, wobei ich mich kurz gefragt hatte, was das "fernab des Wege" damit zu tun hat, dass sie dieses eine Mal hat geschehen lassen.

Ja nun, das fernab der Wege bedingt schon eine Abgeschiedenheit, die es am Weg so nicht unbedingt gibt, wie jeder weiß, der schon mal im Wald aufs Töpfchen musste und just genau in dem Moment, wo man sich freigemacht hat, kommt ein neonfarbener Trupp mit klackernden Schneckenspießen um die Ecke ...
Ich weiß ja auch, was du meinst und habe es auch genauso verstanden, aber wenn ich Korinthen kacke und es genau nehme, dann lese ich es so (und vielleicht lese ich es falsch und darum kacke ich Korinthen, die es gar nicht gibt), dass sie eigentlich, ganz grundsätzlich nicht interessiert daran war, seine Hand unter ihren Rock wandern zu lassen. Und dann denke ich mir, der Grund, dass sie es geschehen ließ, war sicher nicht, dass die Kastanie fernab der Wege stand (eine vermutlich notwendige, aber doch nicht hinreichende Bedingung - so lese ich es derzeit aber raus), denn wenn sie grundsätzlich interessiert gewesen wäre, dann hätten sich sicher auch andere unbedenkliche Orte gefunden ... Keine Ahnung was die K überkommen hat, ihn gerade an diesem Tag Zugang zu gewähren ... die Abgeschiedenheit allein war es mMn nicht ... aber wie gesagt: Korinthen.
Verstehe ich, vllt. denke ich mir da noch was aus. Ich wollte das solo so nicht stehen lassen, das geht ohne Einbettung schnell in Richtung Kalenderspruch.
Finde ich gar nicht, wobei ich dir deine Meinung natürlich nicht absprechen will. Ich fand es eine gute Charakterisierung des Prots, hatte es zumindest als Teil des Prots und nicht des Erzählers gelesen, quasi als erlebte Rede und darum hat mich dann das explizite: Der GEdanke gefiel ihm ... irritiert und dann noch die Erklärung dazu: Weil es sonst solche Wahrheiten in seinem Leben nicht gab. Ja genau, dass hatte ich mir vorher auch schon so ähnlich gedacht und dann schreibst du es noch mal explizit auf. Ist mMn nicht nötig. Ich finde, dass macht es nicht weniger kalenderspruchig, sondern lässt den Erzähler/Autoren eher etwas zögerlich und unsicher wirken.
Mag sein, dass der Text dort, wo ich weit aushole, an Kraft verliert, da muss ich schauen, ob ich das eine oder andere kürzen kann. Andererseits muss ich eine gewisse Nähe und Nachvollziehbarkeit herstellen, damit der Lesende mitgeht und das geht nur über eine gewisse Strecke, die diese Entwicklung vorbereitet. Hm, bezgl. der Längen warte ich mal auf weitere Stimmen dazu.
Ich schätze, ich war etwas missverständlich. Es gibt halt Sätze, die versuchen mir etwas zu erklären oder erklären nachträglich oder vorsorglich und sind oft redundant oder halt auch einfach nicht nötig in ihrer Explizitheit. Was du mit den Längen meinst, weiß ich gerade nicht ...
Okay, habe das jetzt zusammengestrichen und begradigt: "Das Gefühl der Heimkehr hielt eine Weile an, ebenso das Bedürfnis nach Wiedergutmachung. Er begann den Müll entlang der Wege einzusammeln und in Plastiktüten zu stopfen, die er mitbrachte und auf dem Rückweg am Tennisheim entsorgte." Heißt das Gleichnis vom verlorenen Sohn ist raus und das "Später ... ", sowie das "Tun" auch. ^^
Auch wenn es eigentlich nicht von Belang ist: Mir gefällt es so besser ... auch die Wiedergutmachung
Endlich vollführte er die Vereinigung mit diesem bewundernswerten Wesen, nach der er sich in seinem tiefsten Inneren gesehnt hatte. Dank seiner an den Stamm gekrallten Hände hielt er das Gleichgewicht und verschärfte den Rhythmus des Liebesspiels. Er rieb seine Körpermitte vorsichtig am kühlen Stamm und bedachte das Herz mit weiteren sanften Küssen. Er wusste, es brauchte nicht viel, um diesen intimen Kontakt zu einem glücklichen Ende zu führen und befreit von allen Fesseln seines bisherigen Daseins ließ er es geschehen. Ein heftiges Rauschen der Baumkronen ringsum erschien ihm wie eine wohlmeinende Zustimmung. Matt kauerte er am Fuß der Kastanie. Es dauerte einige Atemzüge, bevor er realisierte, was mit ihnen geschehen war.
Jetzt lässt du es etwas offener, schreibst von Vereinigung, nicht genau, wie die vonstatten geht. Finde ich gut. Dadurch erschließt sich mir dann aber nicht, was das mit dem Gleichgewicht soll und dem Rhythmus des Liebesspiels. Seine Körpermitte vorsichtig an einer Borke zu reiben, erscheint mir ehrlich gesagt ein unsinniges Unterfangen. Ich denke, wenn du es so offen lässt, was mir gut gefällt, dann passt das unterstrichene nicht so gut. Das heftige Rauschen ringsum - heftig ist gut - könnte auch mehr sein als wohlmeinende Zustimmung. Wenn dein Sexpartner beim Sex heftig rauscht, ist das doch sicher was anderes als wohlmeinende Zustimmung, obwohl ich glaube, du meinst die anderen Bäume, die zugeschaut haben, aber mit Beobachtern wirds dann irgendwie wirklich skurril :D
Das ist witzig, weil mir oft geschrieben wurde, ich sei detailverliebt und würde Fachtermini benutzen, die nicht geläufig sind (grmph).
Naja, wie halt sonst auch im Leben: Die Dosis macht das Gift. Und Marder oder Dachs oder so sind ja nun auch nicht gerade Fachtermini.

Ich gehe jetzt mal weiter an meinem Outline für den NaNoWriMo arbeiten, da war dein Text eine willkommene Abwechslung :-)

Viele Grüße
Katta

 
Monster-WG
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Ob er wohl im Baum stecken bleibt und mit ihm verwächst, ob er sich durch die Nähe zur Natur in einen Baummann verwandelt, später: ob nachher aus all den vergrabenen Kastanien irgendwelche Baum-Mensch-Mischlinge sprießen.
Hallo @Jellyfish, da habe ich gedanklich auch mit gespielt, das so aufzulösen, dass er zum Baum wird, doch das wäre dann Fantasy und eine andere Story. Mir war es aber wichtig, das offenzuhalten, ob das wirklich alles genau so passiert, oder nur in seiner Vorstellung. Denn es wäre ja zumindest möglich, dass er sich das alles nur einbildet und die Story ganz auf seiner Seite läuft, während die Kastanie völlig unbeeindruckt einfach nur Baum, bzw. Projektionsfläche ist. Bei Fantasy wäre das weg.
Aber am Ende ist es realistisch geblieben und er ist über den Winter verhungert. Ich bin mir nicht sicher, was das heißen soll, hat er damit doch der Kastanie das Herz gebrochen und sie verlassen. Das Hauptanliegen scheint zu sein, dass er glücklich gestorben ist und seine Arbeit neues Leben hervorgebracht hat. Irgendwie erwarte ich noch einen Bezug zu den vorigen Ereignissen, um eine runde Aussage zu finden, aber sehe ich nicht.
Verlassen hat er sie nicht, das Leben hat einen Kreis gebildet, würde ich sagen. Er ist glücklich gestorben, weil er alles gefunden hat, was in seinem vorherigen Leben fehlte, vor allem Erfüllung und Sinn. Darin liegt auch der Bezug zu dem, was vorher passiert.
Der Rest ist im Past, aber "mag" ist hier ins Präsenz gerutscht. "mochte" würde besser passen.
Stimmt, mochte passt.

Vielen Dank für deinen Kommentar, peace, l2f

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Servus @DissoziativesMedium und Danke für deinen Hammerkommentar, du bist sehr ins Detail gegangen und hast sehr viel Zeit investiert. Ich weiß das sehr zu schätzen, zum einen weil ich den enormen Zeitaufwand dahinter abschätzen kann, zum anderen gibt ein präzises Benennen (... geiles Wort) auch die Möglichkeit, den Text konkret zu verbessern.

Das entwickelt einen schönen Sog, der mich immer tiefer in die Geschichte hineinzog. Du sprichtst alle Sinne an und es gibt ein paar tolle Sätze, die man sich als Leser auf der Zunge zergehen lassen kann!
Das habe ich natürlich gerne gelesen, doch interessanter wird es ab hier:
Was mir aber nicht so ganz gefallen hat, ist der Bruch zwischen feinfühliger Charakterisierung des Protas / der teilweise poetischen Schreibweise und den "Sexszenen" mit dem Baum. Du bemühst dich zwar, das handwerkliche Niveau zu halten, aber meiner Meinung nach schwächelt der Mittelteil der Story wo es mit der Kastanie zur Sache geht und fällt im Vergleich zum Rest des Textes etwas ab. Mein Tipp: Den Baumsex nur andeuten und weniger explizit machen.
Die Zweifel, die ich selbst hatte, wurden bestätigt, Asche auf mein Haupt. Ich habe mit den letzten Überarbeitungen beim Baumsex die Spitzen gekappt und hoffe, dass ich dabei alle Sätze, die drüber waren, erwischt habe.
Hat irgendwie so einen leicht poetischen Unterton und lässt anklingen, was später noch in der Geschichte kommt.
Das ist spannend, weil ich viele Satzstellungen aus dem Sprachgefühl schreibe und oft im Nachhinein beim erneuten Lesen nochmal umstelle.
die ewiggleiche Arbeit, das Kollegengeschwätz
Das wirkte auf mich etwas klischeehaft, aber ist wohl schon so, dass dies einfach was Alltägliches ist und es vielen Menschen so geht. Auch mir manchmal!
Katta hatte das gestern Abend auch angemerkt, ich habe das heute Morgen gekillt, bzw. ersetzt durch Beschreibungen seiner Befindlichkeit.
Mit dem Anfang des Satzes haderte ich etwas, sagt man das so? Ich würde vorschlagen: Er empfand es als großes Glück, [...]
gekauft.
Ein Sommertag schliesst für mich Sonnenschein mit ein, das Wort sagt quasi aus, dass die Sonne scheint.
das auch.
Harz troff aus dem Baum, der auf die Verletzung seiner Außenhaut mit klebrigem Baumsaft reagierte.
Muss an dieser Stelle extra erwähnt werden, dass der Baum auf die Verletzung mit klebrigem Baumsaft reagiert? Finde, das klingt etwas gestelzt. Ich würde den Satz komprimieren: Klebriges Harz troff aus der verletzten Aussenhaut des Baumes.
Nach @kiroly s Hinweis ist das Harz komplett weg, weil es fast nur bei Nadelbäumen vorkommt, was ich hätte wissen müssen (grrr), und überhaupt ist die ganze Stelle erweitert.
Vielleicht anstelle "was neu war" etwas in Richtung "wie sich der Wald verändert hatte"? Das möchtest Du doch damit aussagen, oder verstehe ich die Stelle falsch?
Nee, das verstehst du genau richtig, ich habe es jetzt so: "Monate war er nach der Arbeit durch den Wald gestreift, hatte gesehen, wie die Zeit den Wald verändert hatte und war zu dem zurückgekommen, was er schon damals geliebt hatte."
Auf die Gefahr hin, dass ich jetzt etwas kleinlich wirke, aber in diesem und eigentlich im gesamten zweiten Abschnitt deines Textes ist mir der etwas inflationäre Gebrauch von Wörtern wie Wald und Weg aufgefallen.
Nein, das ist nicht pingelig, sondern wichtig zu sagen, wenn es auffällt, weil Autor das oft nicht sieht. Habe einige Doppelungen geixt.
Das klingt für mich falsch. Hinter seinem Rücken runzelten sie sonnengebräunte Stirnen und zischelten komischer Kauz.
Genommen.
Wortwiederholung. Vielleicht strahlt der Baum Ruhe und Schlichtheit aus, anstatt dass Du das mit seiner Existenz verknüpfst? Oder ist das ganz bewusst so gewählt, weil Du erst die Existenz des Protas ansprichst und danach die des Baumes, ihre so gegensätzlichen Existenzen also in einen Kontrast zueinander stellen willst und der Prota deshalb so beeindruckt ist?
Guter Punkt, aber nein, das war nicht bewusst, das zu verknüpfen wäre für mich auch nicht sauber, ich habe die zweite Existenz einfach gestrichen.
Meiner Meinung nach fehlt da ein in, sonst liest es sich so, als wäre die gesamte Außenhaut des Baumes eine Wunde (gewesen).
von mir aus ^^.
Wenn er blinzelte, was er bei grellem Licht zunehmend häufiger tat, sah er in den beiden aufrechten Herzbögen die Brust einer jungen Frau.
Ich finde, dass Durchgestrichene kann weg, es hat mich kurz Stocken lassen. Der Satz liest sich flüssiger und schöner ohne.
Sollte sagen, dass er durch seine langen Aufenthalte im Wald die Helligkeit nicht mehr gewöhnt ist. Hab mal das "häufiger" rausgenommen.
Das hier finde ich zu ungenau beschrieben: Welche Besonderheiten sieht er denn in anderem Licht? Die Beschaffenheit der Rinde? Manche Dinge stachen schärfer hervor, andere traten in den Hintergrund. Da kann ich mir irgendwie so rein gar nichts vorstellen. Welche Dinge meinst Du denn hier?
Das habe ich zerpflückt, den zweiten Satz nach oben verschoben und eine konkrete Beschreibung ergänzt. "Möglicherweise lag es an diesem Licht und seinen Effekten, dass er den Baum und seine gefurchte Borke anders sah als jemals zuvor. Flechten und Risse wirkten mit einem Mal wie ein gemustertes Kleid, das sich um die Lenden einer Frau windet." Hoffe, das tut es so.
Stoßartiges Rascheln? Neee, das passt nicht. Würde es einfach killen.
okay.
Mehr? Ich habe das Gefühl, Du wolltest Meer schreiben.
Nö. :D
Das Wort unwillkürlich steht für unbewusst, automatisch etc. aber auch für reflexartig. Ich finde deshalb, das ist wieder etwas gedoppelt. Vielleicht sehe ich das aber auch falsch ... Würde aber zumindest vorschlagen, da draus ein Unwillkürlich und schnell zu machen, das vor allem passt irgendwie überhaupt nicht rein und liest sich unschön.
Folge deinen Überlegungen. Hab es jetzt so: "Wie im Rausch entledigte er sich seiner Kleider und drückte seinen Körper an den Stamm."
Die Stelle finde ich komplett drüber. War erst etwas vor den Kopf gestossen und musste danach grinsen. Klar, die Geschichte driftet langsam in seltsame Gefilde ab, das kündigt sich schon zuvor an, aber die Stelle hier würde ich umformulieren und weniger explizit schreiben. Ich finde, zuvor hatte die Geschichte wirklich so was Poetisches (gerade zu Beginn), ich nahm auch die Gefühlswelt des Protas ernst, das hast Du einfühlsam formuliert. Und dann plötzlich – BÄÄÄMM! – das hier. :eek: Meiner Meinung nach passt die Stelle nicht zum restlichen Text, auch wenn sich das irgendwie vorher schon manifestiert. Vor allem das mit den galaktischen Ausmaßen hat mich rausgeworfen. Und die arme Spinne erst!
Nun gut, die arme Spinne ist gerettet und die arme Galaxis wird auch nicht mehr belästigt. Ich habe es eigentlich auch selbst schon gewusst, dass das aus dem Text fällt. Gerade im Folgenden habe ich sehr viel ergänzt, bzw. geändert und neu geschrieben. MMn hat der Mittelteil dadurch gewonnen.
Vorschlag: Er war so glücklich, wie nie zuvor in seinem Leben
Die Formulierung klingt allerdings in beiden Fällen etwas ausgelutscht (Mann, wenn ich mir überlege, was der Typ gerade gemacht hat, sehe ich definitiv abgefuckte Bilder vor meinem inneren Auge, wenn ich von ausgelutscht schreibe!)
:rotfl:nehme ich mir mal Zeit für. Vllt. finde ich was knackiges Neues.
Was das Zeug hielt. Verbrauchte Formulierung. Schon tausendmal gehört / gelesen.
Auch das, änderungswürdig, aber nicht oberste Prio.
Warum zersägt er die nicht in kleinere Stücke oder sowas? Abschnitte klingt so ... unpassend. Auch wenn man das wohl tatsächlich Astabschnitte nennt, habe ich zumindest gerade von Google erfahren.
Als jemand, der sehr viel sägt, kann ich da leider nix anderes nehmen als das richtige "Abschnitte". :)
Es fühlte sich an wie Körperpflege, wie das Entfernen einzelner borstiger Haare oder das Schneiden der Fingernägel – übrigens beides Tätigkeiten, die er an sich selbst nicht mehr ausführte.
Würde das Wort da rausstreichen.
Is fott, wie der Kölner sagt.
Lässt man einen Schlüssel nicht in der Tür stecken? Habe ich noch nie gehört, dass man einen Schlüssel auf der Tür stecken lässt ... ;)
Also ich würde den Schlüssel im Schloss stecken lassen oder auf der Tür. :Pfeif:
Ist es wichtig, dass er den Weg etwas weiter weg blockiert? Ich würde das entfernen.
Nun, er möchte bei seinem Treiben ja möglichst ungestört sein, also darf er die Barrikaden nicht zu nah setzen. Ob das im Text stehen muss weiß ich nicht, ich lass das erstmal.
Die Bäume dankten es ihm mit Zuckerwasser, das sie aus den Blättern tropfen ließen, er musste nur den Mund darunter halten.
Anstelle halten hätte ich vielleicht aufmachen gewählt.
Ich frage mal provokativ ^^: Den Mund unter den Wasserstrahl halten oder den Mund unter dem Wasserstrahl aufmachen?
Durchgestrichenes ja würde ich entfernen, klingt runder ohne.
Yes, done.
Vorschlag: Doch die tiefe Liebe, die ihn mit der Kastanie verband, konnte vom Austausch im Wurzelwerk nicht erreicht werden. Sowas in die Richtung. Das klingt in meinen Ohren runder als das dreimal mit.
Da gehe ich mit dir mit (höhö). Aktuell: "Doch an die tiefe Liebe, die ihn mit der Kastanie verband, konnte der Austausch im Wurzelwerk nicht heranreichen."
Mittagssonne brach sich freundlich den Weg durch das Blätterdach
Brechen und freundlich passt für mich nicht recht zusammen.
Das freundlich ist weg.
Strahl stahl, beinahe schon ein Zungenbrecher :D
Da bist du schon der Dritte, der das anmerkt, ist schon länger umformuliert.
Mit allem, was sie jemals waren, würden sie ihrem Nachwuchs den Boden bereiten
Das ist irgendwie zu einfach formuliert.
Hmpf, das erlaube ich mir zu lassen, weil mir das sehr gut gefällt.
Edit: Scheiße, ich hatte teilweise Tomaten auf den Augen, habe paar Dinge korrigiert/richtiggestellt.
Äh *grins*, hab nix davon gemerkt, also NP.

Vielen, vielen Dank für deine "Paar Textstellen", hat viel bewirkt.
Peace, linktofink

 
Monster-WG
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Nabend @Friedrichard,

sorry für die späte Antwort, time is fleeting, madness takes its toll.

Freundschaft ist da beständiger, und wie der Lieblingsköter mir die Füße im Bett warm hält, so kann der Wald zum Freund werden.
sei froh, dassten Köter hast, getz wo die Tage nasser und kälter werdn.
Denn alles, was lebt, ist beseelt und kommuniziert auf seine Weise und so kehrt er an den Ort der Erinnerung zurück, wo Herz und in die Rinde geritzt sind
schön gesprochen, das.
und auf jeden Fall wieder was dazugelernt hinsichtlich der Symbolik der Kastanie
ups, + ist doch nur ein plus ...

deine Liste habe ich brav und folgsam abgearbeitet, bzw. das, was davon nach der Überarbeitung noch anwendbar war, danke dafür.

Wie dem auch wird - gern gelesen und nach einem solchen Thema darf ich auch verraten, dass die Beziehungen zu ...ela (Du erinnerst Dich?) und ...ele stabiler sind als zuvor -
Freut mein Chamäleon und die fahrradschubsende Dame. :D

Bis in bälde, peace, l2f

----------------------

Hey @kiroly,

danke für dein Nachhaken, die kahlen Fichtenhänge sind jetzt raus.

Ob ein saurer Boden unter abgestorbenen Fichten geeignet ist, weiß ich nicht, wäre zu prüfen, doch es geht ja um seine Entwicklung, sein Lebenszyklus steht im Fokus, da weiß ich nicht, ob es so auf diese Details ankommt.
Detailanmerkung, aber: Er will das beste für seine Nachkommen, der Lebenszyklus soll optimal fortgesetzt werden.
Ich hab das jetzt so: "Er freute sich über die Frucht seiner Lenden, sammelte händeweise ihrer gemeinsamen Nachkömmlinge und vergrub sie im ganzen Wald an vielversprechenden Stellen. Besonders geeignet erschienen ihm Lichtungen in Nähe von Wasseradern, die er unter der Humusschicht im Mineralboden wahrnahm."
Ja, ich überlege wieder einmal, den expliziten und grotesken Teil zu kappen und hab schon Schiss davor, es zu versauen.
Quak, da brauch'ste keinen Schiss zu haben. Vielleicht die Spinnenstelle herausnehmen?
Hab nicht nur die Spinne gerettet und das Explizite zum Großteil entschärft, sondern schon
auch viel drumherum geändert und neu geschrieben.
Mit der wissenschaftlichen Stelle tue ich mir schwer. Du schreibst ja selber, dass dein Text die metaphysischere Dimension betont: Vereinigung zweier Teile, die Einswerdung mit Natur im Allgemeinen und der Kastanie im Speziellen. Neurochemisches Gedankengut, das die passive Rolle des Protagonisten als Opfer der Gehirnchemie betont, steht dem 180° entgegen. Aber das nur als kleine Idee.
Ja, auch der Schlenker ist weg, das war ein Fremdkörper im Text, weil das so von ganz weit oben draufschaut.
Guten Morgen vom hellsten Stern in Dunkeldeutschland
Fünf Tage weiter eine Gute Nacht zurück an die Insel im Blauland, halt die Ohren steif, peace, l2f

---------------
Hallo @Isegrims,

Was übrigens ein mMn recht guter Spin für den Text wäre, der hier vorliegt.
Und wenn man dann noch an der allzu realistischen Darstellung des Aktes zwischen dem Kastanienbaums und dem Protagonisten drehen würde, dann, ja dann...
Na, das ist ja mal ein ultraknapper und doch so vielsagender und hilfreicher Kommentar:Pfeif: Taunuswald, schlaf gut, peace, l2f

 
Monster-WG
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Hallo @Katta,
schon wieder eine Woche alt, dein Komm., Wahnsinn. Dabei sind da Punkte bei, die dringend bearbeitet gehören, aber in der Woche schaffe ich das oft nicht, sorry.

Mir würde der Einstieg besser gefallen, ohne den dritten Satz. 1. weil ich nicht gedanklich auf die Arbeit versetzt werde und kurz denke, ob es um irgendeinen blöden Konflikt dort geht. 2., weil ich den Satz, ich weiß nicht genau wieso, als Geplappere empfand und empfinde und das in Verbindung mit 1. als ungutes Omen für den Text ankam.
Bin deiner Argumentation gefolgt und habe den dritten Satz gestrichen. Überhaupt habe ich viel geglättet, auch zeitlich und den Anfang vereinfacht.
Da hab ich noch mal überlegt. Ist Präsenz nicht doch falsch? Weil er doch im Präsenz tot ist. Die Geschichte ist ja in der Vergangenheit erzählt: Sobald er von der Arbeit nach Hause kam , nicht: kommt. Also müsste es doch richtigerweise: nicht mehr denken mochte heißen, oder?
Ja, das mochte habe ich genommen.
aber ich meine irgendwann mal gelernt zu haben, dass man diese PQP-Konstruktionen so vermeidet, in dem man eine Textstelle in der Vorvergangenheit eben im PQP einleitet, dann ins Prät. wechselt und am Ende wieder im PQP ausleitet. Deine Überarbeitung ist mMn immer noch nicht ganz sauber.
So mache ich das meistens auch, nur das Ausleiten im PQP ist mMn nicht notwendig. Zwischenzeitlich habe ich erneut überarbeitet, ich denke, der zeitlichen Ablauf ist jetzt klarer.
Früher war er oft hier gewesen, auch mit der, deren Namen er nicht mehr denken mag. Lange hatte er alles verdrängt, die Kränkung, das Scheitern, den Schmerz. Übrig blieb das Herz, das er an jenem Sommertag in die Rinde gekerbt hatte, mit ihrem K darin. Ein glücklicher Tag, an dem er am Fuß der Kastanie seine Hand unter ihren Rock wandern ließ. Auch deshalb glücklich, weil sie es dieses eine Mal geschehen ließ und das vermutlich nur, weil die Kastanie ein wenig fernab der Wege stand.
Der unterstrichene Satz ist mMn eine nachgeschobene Erklärung, die du nicht brauchst. Das steht doch schon im ersten Satz: deren Namen er nicht mehr denken mag/mochte. Da steckt doch Verdrängung drin und Schmerz und Scheitern.
Auch der Satz ist weg, da hast du recht, der war zu erklärend. Sein Innenleben habe ich jetzt versucht, durch weitere Beschreibungen darzustellen.
Auch müsste oben erst die Verortung bei der Kastanie kommen, bevor du das Herz in der Rinde erwähnst, weil wir Leser ja noch mit dem Wort hier=Wald assoziieren und da ist es doch recht schwer, dass Herz unterzubringen.
Schön, dass du das gesehen hast, jetzt kommt die Verortung zu Beginn des Absatzes.
.. aber im nächsten Absatz (unten) holperts dann wieder bzw. immer noch, zumindest in meinen Ohren. Ich finde es ganz schwierig, dass das zurückkehren nicht näher definiert ist. Das muss ja am selben oder nächsten Tag gewesen sein? Oder vielleicht im Rahmen von einer Woche? Oder wie lange quillt so Baumsaft, bis es dann "verheilt" ist? Darf ich mal ganz ketzerisch fragen, wozu du bzw. die Geschichte das alles überhaupt brauch(s)t?
Auch das ein guter Hinweis, der dazu geführt hat, dass ich den ganzen Absatz auf ein Ereignis zusammengefasst habe. Es gibt nur diesen einen Tag und was an dem passiert ist und die jetzige Gegenwart. Denke mal, das ist jetzt klarer. Deinen Vorschlag habe ich da als Anregung genommen, auch wenn ich das so nicht umgesetzt habe. Vllt. magst du nochmal schauen, ob es jetzt besser funktioniert?
Ich weiß ja auch, was du meinst und habe es auch genauso verstanden, aber wenn ich Korinthen kacke und es genau nehme, dann lese ich es so (und vielleicht lese ich es falsch und darum kacke ich Korinthen, die es gar nicht gibt), dass sie eigentlich, ganz grundsätzlich nicht interessiert daran war, seine Hand unter ihren Rock wandern zu lassen. Und dann denke ich mir, der Grund, dass sie es geschehen ließ, war sicher nicht, dass die Kastanie fernab der Wege stand (eine vermutlich notwendige, aber doch nicht hinreichende Bedingung - so lese ich es derzeit aber raus), denn wenn sie grundsätzlich interessiert gewesen wäre, dann hätten sich sicher auch andere unbedenkliche Orte gefunden ... Keine Ahnung was die K überkommen hat, ihn gerade an diesem Tag Zugang zu gewähren ... die Abgeschiedenheit allein war es mMn nicht ... aber wie gesagt: Korinthen.
Guter Punkt. Habe das geändert und anders eingeordnet:
"Zunächst ein glücklicher Tag, an dem er am Fuß der Kastanie seine zitternde Hand unter ihren Rock wandern ließ. Auch deshalb glücklich, weil sie es dieses eine Mal geschehen ließ, und das vermutlich nur, weil die Kastanie ein wenig fernab der Wege stand. So dachte er jedenfalls, bis sie ihn wegstieß, ihren Rock glattstrich und ihre Hand auf seine Wange klatschen ließ. Ruhig stieg sie auf ihr Fahrrad und fuhr los, ohne sich noch einmal umzudrehen."
Ich fand es eine gute Charakterisierung des Prots, hatte es zumindest als Teil des Prots und nicht des Erzählers gelesen, quasi als erlebte Rede und darum hat mich dann das explizite: Der GEdanke gefiel ihm ... irritiert und dann noch die Erklärung dazu: Weil es sonst solche Wahrheiten in seinem Leben nicht gab. Ja genau, dass hatte ich mir vorher auch schon so ähnlich gedacht und dann schreibst du es noch mal explizit auf. Ist mMn nicht nötig. Ich finde, dass macht es nicht weniger kalenderspruchig, sondern lässt den Erzähler/Autoren eher etwas zögerlich und unsicher wirken.
Ich finde nicht, dass der Satz den Erzähler schwächt, für mich ist das eine weitere Gelegenheit zur Charakterisierung: der Prota liest und wendet das Gelesene auf seine Wirklichkeit an. Das kommt später ja nochmal.
Es gibt halt Sätze, die versuchen mir etwas zu erklären oder erklären nachträglich oder vorsorglich und sind oft redundant oder halt auch einfach nicht nötig in ihrer Explizitheit.
Mag am Stil liegen, den ich für diesen Text gewählt habe, diese auktoriale Draufsicht.
Jetzt lässt du es etwas offener, schreibst von Vereinigung, nicht genau, wie die vonstatten geht. Finde ich gut. Dadurch erschließt sich mir dann aber nicht, was das mit dem Gleichgewicht soll und dem Rhythmus des Liebesspiels. Seine Körpermitte vorsichtig an einer Borke zu reiben, erscheint mir ehrlich gesagt ein unsinniges Unterfangen. Ich denke, wenn du es so offen lässt, was mir gut gefällt, dann passt das unterstrichene nicht so gut. Das heftige Rauschen ringsum - heftig ist gut - könnte auch mehr sein als wohlmeinende Zustimmung. Wenn dein Sexpartner beim Sex heftig rauscht, ist das doch sicher was anderes als wohlmeinende Zustimmung, obwohl ich glaube, du meinst die anderen Bäume, die zugeschaut haben, aber mit Beobachtern wirds dann irgendwie wirklich skurril :D
Der erste Satz ist rausgeixt, der Rest passt für mein Empfinden, liest sich rund.
"Endlich vollführte er die Vereinigung mit diesem bewundernswerten Wesen, nach dem er sich in seinem tiefsten Inneren gesehnt hatte. Vorsichtig rieb er seine Körpermitte am kühlen Stamm und bedachte das Herz mit weiteren sanften Küssen. Er wusste, es brauchte nicht viel, um diesen intimen Kontakt zu einem glücklichen Ende zu führen und befreit von allen Fesseln seines bisherigen Daseins ließ er es geschehen.
Wind fuhr in die Baumkronen ringsum und ließ sie heftig aufrauschen. Ermattet sank er am Fuß des Baumes nieder. Es dauerte einige Atemzüge, bevor er verstand, was mit ihnen geschehen war."

Vielen Dank für dein Nachhaken, Katta, und viel Spaß beim NaNoWrMo. Peace, l2f.

 
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Hallo @linktofink ,

zum Glück geht es bei deiner Geschichte nicht um die K-Frage :) Die scheint ja fast geklärt, falls das Ampel-Parteientrio nicht wie beim letzten Mal alles wieder abbricht.

Auch aus meiner Sicht entwickelt die Erzählung einen Sog, ausgehend von einem Erlebnis des Protagonisten mit einem Mädchen, das gerade erst begonnen hatte und dann schon vorbei war. Vielleicht hat er auch danach kaum noch Erfahrungen gemacht und so kommt alles wieder hervor.

Vor dem Lesen hätte ich auch nicht geglaubt, dass das jemand erzählen kann, ohne dass ich beim Lesen denke "wie abwegig, so würde sich doch nie jemand entwickeln, im Wald mit einem Baum ...". Aber es ist dir m.E. sehr gut gelungen, es wirkt alles andere als konstruiert.

Sehr interessanter und gut formulierter Text, in dem Fall ja tatsächlich in einer "erzählenden" Art, die mir sonst bei Geschichte eher nicht so gefällt.

Noch ein paar Details:

Sobald er nach Hause kam, warf er seine Tasche auf die Bank, zog Wanderschuhe und Wachsjacke über und lief los.
m.E. müsste es heißen:
"Sobald er zu Hause ankam, warf er ..."
oder
"Als er nach Hause kam, warf er ..."

Die übertrieben Eile ließ darauf schließen, er würde vor etwas davonlaufen, statt zu etwas hin.
übertriebene

Früher war er oft hier gewesen am Fuß der Kastanie, auch mit der, deren Namen er nicht mehr denken mochte.
"an" vor "deren" (?)

Er war so glücklich, wie er in seinem Leben nicht gewesen war.
Der Nebensatz klingt für mich nicht ganz passend, ggf. fehlt ein "bisher".
Oder du ersetzt "nicht" durch "noch nie"?

Er fand nicht, dass daran etwas falsch wäre, doch es erforderte gewisse Gewöhnungen und Justierungen.
"war" statt "wäre" ;
"Justierungen" klingt seltsam sachlich in diesem Zusammenhang ...

Symbiose las er in einem seiner Bücher, dem schimmelgrünen mit dem abgegriffenen Einband, mit dem er einst Fliegen totschlug bevor er anfing, sie zu essen.
totgeschlagen hatte ; danach kommt m.E. ein Komma

Mittagssonne brach sich den Weg durch das Blätterdach, tauchte das goldbraune Laub in Sprenkel gleißender Helligkeit.
Vielleicht "bahnte" statt "brach"?

Mit allem, was sie jemals waren, würden sie ihrem Nachwuchs den Boden bereiten, ihn füttern, nähren und die Zukunft bereiten.
Wortwiederholung

Friedlich lag es dort, zusammengekauert wie ein Embryo, eingesunken in ein Polster aus braunem, nassem Laub.
Bin mir nicht sicher, aber ggf. kann es auch "nassen" Laub heißen.

Die Fingernägel waren lang, die Haare auf dem kahlen Schädel zottelig und die Zähne bleckten ein versonnenes Lächeln.
Nicht dass ich davon Ahnung habe ... aber sind die Fingernägel und die Haare dann noch da?

Gerne gelesen!

Viele Grüße,
Rob

 
Seniors
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Sobald er nach Hause kam, warf er seine Tasche auf die Bank, zog Wanderschuhe und Wachsjacke über und lief los. Seine Füße berührten dabei nur kurz den Boden. Die übertrieben Eile ließ darauf schließen, er würde vor etwas davonlaufen, statt zu etwas hin.

Er hat es übertrieben eilig, zieht aber vorher noch brav Wanderschuhe und Wachsjacke an. Und warum ließ diese Eile darauf schließen, dass er vor etwas davon läuft? Woran erkennt man diese Flucht? Du startest diesen Text mit einer Art Raunen, das mir ein wenig zu bedeutungsschwanger daher kommt. Das brauchst du doch gar nicht.
Im Schatten der ersten Bäume blieb er stehen und sog tief die Luft in seine Lungen. Mit jedem weiteren Atemzug spürte er, wie er sich aufrichtete und die Muße einließ, die im Schatten auf ihn wartete.

Der erste Satz wäre mein Beginn. Da steckt alles drin, Bewegung, Atmossphäre. Dann der zweite Satz. Er spürt mit jedem Atemzug, wie er sich mehr aufrichtet? Oder richtet er sich mit jedem Atemzug mehr auf? Geht hier ja sicher um diese Befreiung, oder Freiheit, die er spürt. Das steckt aber doch alles im ersten Satz schon drin. Dann lässt er die Muse ein, die im Schatten auf ihn wartet. Wirklich?, dachte ich beim ersten lesen. Da wartet die Muse auf ihn. Ich weiß nicht, mir klingt das alles zu aufgeladen, zu konstruiert. Das ist so ein Fingerzeig: Achtung, irgendetwas ist oder wird wichtig. Natürlich Geschmackssache, aber hier wird die Figur beziehungsweise ihre Motivation schon einführend sehr erklärt. Ich bekomme immer das Gefühl, dass ein Text so weniger Wirkung entfalten kann.
Je tiefer er in den Wald ging, desto leiser wurden die Stimmen in seinem Kopf, die Eindrücke des Tages verblassten.
Du stellst hier Stimmen im Kopf haben gegen die Eindrücke des Tages. Vielleicht ist das nur übertragen gemeint, aber sollte er wirklich Stimmen im Kopf hören, empfände ich das doch als eindeutig stärker als irgendwelche generalisierten Eindrücke des Tages. Das ist auch dann zu unpersönlich, was sind denn seine Eindrücke? Wenn er ein spezieller Protagonist ist, bemerkt er vielleicht Dinge, sieht Dinge, die niemand anders sieht, die niemandem anders so auffallen. Kleine Dinge, die in einer Nische passieren, und von denen er sich lösen muss, die er vergessen muss.
Bald waren sie nicht mehr als ein schwaches Echo, das vom Rauschen der mächtigen Baumkronen übertönt wurde.
Die Baumkronen rauschen ja nicht, es ist der Wind in den Baumkronen.
Er empfand es als großes Glück, dass er den Wald für sich wiederentdeckt hatte, als Ort, wo er zur Ruhe kam, und der ihm als Wesen entsprach.
Er hat den Wald wiederentdeckt, also vorher mal vergessen gehabt. Das ist sehr interessant, da lese ich auch direkt eine Spannung aus der Figur heraus. Das mit der Ruhe wird doch vorher schon klar. Er atmet durch, in seinem Kopf wird es ruhiger. Entspricht das dann seinem Wesen? Ist er ein ruhiger Typ? Oder sucht er Ruhe? Der Wald entspricht ihm als Wesen. Was für ein Wesen hat der Wald? Fressen und gefressen werden? Der Kreislauf der Dinge? Vielfalt? Das ist schon auch sehr unspezifisch. Das klingt erstmal irgendwie gut, aber wenn du genau hinliest, entstehen für mich mehr Fragen als Antworten. Ich bekommen auch kein Bild von deinem Protagonisten, der bleibt unbestimmt.

Früher war er oft hier gewesen am Fuß der Kastanie, auch mit der, deren Namen er nicht mehr denken mochte.
Das hier ist ein Hammersatz. Ich glaube, DAMIT würde ich anfangen. Präzise, voll ohne konstruiert zu sein, wahrhaftig. Ein echter Hemingway-Satz, chapeau.

Er dachte an das Herz, das er an jenem Sommertag in die Rinde gekerbt hatte, mit ihrem K darin. Zunächst ein glücklicher Tag, an dem er am Fuß der Kastanie seine zitternde Hand unter ihren Rock wandern ließ. Auch deshalb glücklich, weil sie es dieses eine Mal geschehen ließ, und das vermutlich nur, weil die Kastanie ein wenig fernab der Wege stand. So dachte er jedenfalls, bis sie ihn wegstieß, ihren Rock glattstrich und ihre Hand auf seine Wange klatschen ließ. Ruhig stieg sie auf ihr Fahrrad und fuhr los, ohne sich noch einmal umzudrehen.
Guter Absatz. Doch alles wirkt irgendwie unentschlossen. Zunächst. Auch deshalb. Ein wenig. Er dachte jedenfalls. Vermutlich. Schwierig zu beschreiben, es wirkt, als wüsste der Protagonist nicht genau Bescheid, als gäbe es immer noch mehrere Varianten, die aber nicht durchgespielt werden. Warum auch deshalb glücklich - weswegen noch? Und sie lässt es dieses eine Mal geschehen, weil der Baum vermutlich fernab des Weges lag. Ich denke, du kennst doch dein Personal wirklich am allerbesten. Warum dann so unentschieden? Das ist ja eine Urangst - wie weit kann man gehen, ohne eine Abfuhr zu risikieren? Was passiert, wenn ich eine Abfuhr kassiere? Warum passiert das? Du lässt das unbeantwortet, das Mädchen mit K fährt einfach weg, und das ist doch ein gutes Ende für diesen Absatz. Da braucht es keine Erklärung mehr, ihre Handlung ist Eklärung genug. Vorher ist es aber ein Hin und Her, und sollte das daran liegen, dass der Protagonist sich diese Szene im Rückblick versucht zu erklären, müsstest du die Perspektive wechseln. Dann müsste er sich das aktiv fragen: Ich weiß, ich glaube, sie hat das nur gemacht, sie hat das nur zugelassen, weil es so weit vom Weg war, weil uns niemand sehen konnte.
Zurück blieb das Herz in der Baumrinde und eine Taubheit, die ihn nicht mehr verließ. Saft quoll aus der Rinde hervor und erinnerte ihn an das Wundwasser nässender Sommerknie.
Das ist ein guter Absatz. Ich würde den aber eher später bringen. Da liegt doch auch eine ungemeine Spannung drin, was mit diesem Baum jetzt ist, K, das ist der Titel der Geschichte, ich würde da nicht sofort alles verraten. Dass er erst sieben Jahre später wieder zurückkommt, das ist so ein brachialer Fakt, das wirkt auch so.
Was ihn anfangs zurückbrachte, konnte er nicht sagen. Vielleicht war es eine milde Neugierde oder ein erster wehmütiger Blick zurück, vielleicht wollte er etwas in sich wiederfinden, was er dort verloren zu haben glaubte. Das Herz hatte er schnell gefunden.
Er konnte nicht sagen, warum er zurückkehrte. Dann wird es mir aber doch irgendwie gesagt, milde Neugierde, wehmütiger Blick. Warum nicht auslassen? Warum nicht ganz nah beim Personal bleiben. Wir wissen es nicht. Jetzt ist er da und findet das Herz schnell wieder.
Monate war er nach der Arbeit durch den Wald gestreift, hatte gesehen, wie die Zeit den Wald verändert hatte und war zu dem zurückgekommen, was er schon damals geliebt hatte. Lange hatte er alles verdrängt und war überwältigt davon, wie stark ihn der Ort berührte. Die ersten Male, als er davorstand, rannen ihm Tränen die Wangen hinab. Das Gefühl der Rückkehr hielt eine Weile an, ebenso das Bedürfnis, die damalige Nähe wiederherzustellen.
Er säubert penibel dieses Umgebung dieses Ortes, dann dringt er durch die ersten Schichten, um auch dort den Unrat zu finden und zu entsorgen. Das ist eine tolle Szene, die auch symbolhaft ist. Du schickst dann aber diesen Absatz davor, der mir die Motivation erklärt. Dass ihn der Ort und was er damit verbindet, stark berührt, wird doch klar. Ich glaube, du nimmst deinem Text auch hier die Wirkung. Für mich wirkt eine Handlung stärker als eine Nacherzählung. Ein Dialog mit einem Spaziergänger oder sonstigen Unbeteiligten wäre auch gut, weil du seine Besessenheit, oder besser: Ernsthaftigkeit zeigen könntest.
Wenn er am Ende des Tages zum Tennisheim ging, standen sie dort in rosigen Polohemden an Stehtischen unter Sonnenschirmen mit bayrischer Bierwerbung, schüttelten erst unmerklich den Kopf und nickten ihm danach kurz zu.
Er wischte sich die zotteligen Haare aus dem Gesicht und grüßte zurück, sofern das, was aus seinem Bart drang, als menschliche Äußerung durchgehen konnte. Hinter seinem Rücken runzelten sie sonnengebräunte Stirnen und flüsterten komischer Kauz. Es störte ihn nicht, solange sie ihn gewähren ließen. Auf eine für ihn verdrehte Art und Weise schienen sie zu schätzen, was er tat.
Warum geht er zum Tennisheim? Was macht er da? Ein Doppel spielen? Das kommt total aus dem Nichts. Und hier könntest du doch reingehen. Der verliert immer mehr seine Sprache, und das könntest du doch zeigen, wie er da im Gespräch herumstammelt und nach Worten sucht, wie er sich immer weiter vernachlässigt und die anderen sich irgendwie Sorgen machen, aber ihn irgendwie auch bewundern. Das hat so was Britisches, wo Exkzentriker und Käuze geschätzt werden. Nur hier kommt dieses Skurrile nicht zum Tragen, weil du da rasch drübererzählst, als hättest du keine Zeit. Da könnte man was Wes Anderson-mässiges draus machen.

Bäume kommunizierten miteinander, las er dort und wahrlich fühlte er sich vom Wald begrüßt.
Peter Wohlleben lässt grüssen! Er fühlte sich wahrlich vom Wald begrüßt. Wie äußert sich das? Welche Erlebnisse hatte er, dass er das so konstatieren kann? Ich glaube, der Wald ist doch erstmal ein ursprünglicher und auch metaphysischer Ort. Die Deutschen haben sowieso eine eigene Beziehung zum Wald, die leider oft verklärt und romantisiert wird. Da raunt und flüstert es überall. Alleine im Wald, das ist erstmal, wenn du dich nicht auskennst, ein Gefühl der Beklommenheit. Stille, Ruhe, alles ist gedämpft. Jedes Geräusch wird verstärkt. Es ist klar, warum viele Horrorfilme im und um den Wald spielen. Natürlich gibt es auch viele Momente, die absolut friedlich sind: Greife beobachten, Marder, Rehwild etc, aber ich denke, erstmal ist es ein mythisch aufgeladener Ort, der auch eine Urangst bedient, besonders nachts. Will sagen: Mir geht die Entwicklung zum Waldmenschen, der quasi als verdrehter Eremit beginnt, mit den Bäumen zu kommunzieren, ein wenig schnell.
Die Ruhe und die Schlichtheit des Wesens beeindruckten ihn, ebenso die enorme Standhaftigkeit und Größe. Es gab so vieles, was der Baum ihn lehrte, vor allem innere Haltung.
Da steckt das drin, der alte germanische Mythos der Baumverehrung. Aber wie lehrt ihn der Baum innere Haltung? In dem er einfach da ist? In dem er ist, wie er ist?
Er übte einen festen, sicheren Schritt, hielt seinen Körper aufrecht, reckte die Arme wie Äste in die Luft und näherte sich seiner Lieblingsstelle mit neu erworbener Grandezza.
Wenn du sagst, er will wie der Baum werden, wäre das etwas anderes. Er will sich transformieren, dann imitiert er den Baum und erwirbt sozusagen dadurch eine andere Körperhaltung. Und dann: Wortwahl. In einem solchen Text Wörter wie Lieblingsstelle und Grandezza zu lesen, das passt für mich nicht. Lieblingsstelle klingt so wie eine Boutique. Das ist wie Lieblingsmensch. Der Ort bedeutet ihm doch viel mehr, das hat fast metaphyische Qualität, da fällt ein solches Wort einfach auf. Das ist leicht und flüchtig. In deinem Text entscheidet sich aber ein Mensch für etwas Großes, und ich denke auch, wenn du wie ein Baum auftrittst, ist es doch eben nicht Grandezza, nicht leicht und elegant, sondern eben standhaft, breit und bestimmt. Oder sehe ich das vollkommen falsch?

@linktofink , ich mach nachher weiter, muss grade mal was malochen, bis gleich.

Sie berührten ihn auf eine andere Art als die Erhabenheit des Baumes. Er dachte an eine Hand, die unter einen Rock wandert, und fühlte Regungen, die fordernd, jedoch nicht direkt unangenehm zu nennen waren.
Ich weiß nicht, was mich stört. Ich glaube, ich empfinde die Sprache manchmal als irgendwie altertümlich, verkomplizert. Wie dieses: nicht direkt unangenehm. Außer, du wolltest so klingen.

Das Herz hatte sich wulstig nach außen gedrückt, es wölbte sich nahezu obszön und doch unwiderstehlich aus dem Stamm, geschwollenen Brüsten gleich, die sich ihm darboten. Dort, wo das Herz in die mittige Spitze sank, war die Wulst besonders ausgeprägt, sie reckte sich ihm V-förmig entgegen.
Geschwollene Brüste sind demnach obszön. Das ist vielleicht etwas drastisch, oder? Also er sieht diesen Baum als Frau, bzw als weiblichen Körper. Das finde ich interessant. Warum gerade jetzt? Was ist passiert? Brauchte er diesen Vorlauf, die Entdeckung des Sprituellen, das Wahrnehmen und Aufnehmen des Waldes als Ganzes? Oder will er das so gar, will er das so sehen, ist es eine bewusst unbewusste Entscheidung? Das kommt etwas plötzlich aus der Hüfte geschossen.

Oft schon war er hier gewesen und hatte über das Herz nachgedacht, doch diese greifbare Anziehung spürte er zum ersten Mal und welchen Grund sollte er haben, ihr nicht nachzugeben?

Das ihn jemand dabei beobachtet und ihn vollkommen für irre erklärt. Ich würde mich auch selbst fragen, wo dieser plötzliche Drang herkommt, da schaltet sich doch irgendwann der letzte Rest Ratio ein, oder meinst du nicht?

Mit Küssen folgte er der Kontur des Herzens, bedeckte die Rinde mit feuchten Zärtlichkeiten, bis er wieder zum Ausgangspunkt zurückkehrte.

Tree-Sex, alles cool. Ich bin bei Sex-Szenen eher zurückhaltend. Ganz ehrlich: feuchte Zärtlichkeiten und so, für mich geht das gar nicht. Ich finde, auch wenn das hart klingt, das ist unfreiwillig komisch. Mag sein, dass ich jetzt hier den Spielverderber gebe, aber da muss ich ehrlich sein, ich denke, du kannst das ab.

Mit den Abschnitten der Äste blockierte er etwas entfernt den Weg, der in diesen Teil des Waldes führte, indem er sie zu einem Haufen auftürmte und mit allerlei stacheligem Gestrüpp bedeckte.
Was da wohl der Förster sagt?


Er hatte alles erlebt und getan, was einen Menschen ausmacht, hatte Liebe und Gemeinschaft erfahren, Leben gezeugt und für reichlich Nachkommen gesorgt. Nun war es an der Zeit loszulassen.

Ist auch insgesamt eine sehr anthropzentrische Sicht der Dinge. Der Mensch tut dies und denkt dies für die Natur, das ist irgendwie eine Übertragung von menschlichem Empfinden auf die Natur. Die dankt es ihm mit Sex. Oder Liebe. Oder beidem. Auf den Sex und diesen ganzen Liebesakt hätte ich verzichten können. Warum? Bringt das mehr? Ist es nur dann eine Symbiose, wenn man sich irgendwie penetrativ vereinigt? Wäre auch interessant zu sehen, wenn du die Geschichte aus der Perspektive einer Frau geschrieben hättest. Also, das war mir rein vom Narrativen her too much. Diese Idee, dass er in den Wald geht und dort ein anderes Leben findet, das ist eine tolle Idee. Ich bekomme aber nie erzählt, was genau dieses mystische Leben für ihn ausmacht, was ist so faszinierend und erfüllend, dass er sein komplettes altes Leben verlässt? Liebe und Gemeinschaft? Aber durch was zeichnet sich das aus? Wie gibt ihm die Natur das? Die Natur benötigt ihn ja nicht. Er benötigt die Natur. Das wird nicht immer so ganz klar. Im Grunde ist er fast ein Störenfried. Er dringt einfach in eine fremde Sphäre ein, er nistet sich da fast ein, entnimmt der Natur Dinge, zwingt dem Baum sein Gemächt auf mehr oder weniger - da könnte man auch sagen, das ist aber ein ganz schön respektloser Typ, der mißbraucht die Natur, beutet sie für seinen Zweck aus. Gut, am Ende stirbt er zwar, aber vorher hat er sein Ideal erfüllt.

Mir nicht klar, wie er von diesem Mädchen K, die ihn nur einmal so fast rangelassen hat, zu diesem heftigen Baumfetisch kommt. Was sublimiert sich da? Mich erinnert dein Text an so Sachen von Gerard de Nerval, 19 Jahrhundert, Novellen, wo minutiös nachgezeichnet wird, wie ein Mensch wahnsinnig wird. Wie es sich immer weiter um ihn zuzieht, und er in seiner Tragik nicht mehr anders kann. Das fehlt mir hier. Da verschenkst du Potential. Ich bekomme auch nie die andere Seite von ihm gezeigt, die in seiner "normalen" Welt, wie funktioniert er denn da? Wie verhält er sich denn da? Und was ist dann das Momentum, in dem er sich entscheidet, diesen krassen Schritt zu tun? Einfach in die Wälder gehen. Erinnert mich an diesen Eremiten Chris Knight, der 25 Jahre in Maine in den Wäldern gelebt hat.

Ja, das sind so meine Gedanken.

Gruss, Jimmy

 

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