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Kaffeehauselegie (Wienerisch)

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Kaffeehauselegie (Wienerisch)

Wos warat Wean ohne seine Kaffeeheisa. I steh drauf im Kaffeehaus z`gnotzn.
De sogenaunnte Kaffeehausatmosphäre........

„geh Oba, waunn kriag i endlich mein Tee?“
..
.....de Kaffeehausatmosphäre gfoit ma hoit amoi. Jo i steh voi drauf so ruhich
duach de Gegend zu lahna, vua mi hin zu sennian, aun meina Zigan z`nuckln
und nix tuan. Sennian und nix tuan. Wos fia Gedaunkn.

„Vaflixt no amoi, waunn kriag i endlich mein Tee?“

„Jo glei“ sog i und geh in de Kuchl. I stö`s Wossa auf`s Feia. Es gfoit ma das
nix verendat haum. Nau jo...,....in da Kuchl brennt jetzt a Hoizfeia.
I geh z`ruck auf mein Plotz im Gostraum kana tät se traun, auf mein Plotz
zum setzn. Wäu es is mei Staummplotz. I sitz imma do.
I bin do scho g`sessn bevua…..,…..bevua…..

“Jo, jo” seifz i….

….denk i,….

“Des Wossa wiad woi jetzt scho kochn”.

....denk i...

Es wiad sicha boid koid wern, daunn werns sicha de Hazung aufdrahn, auf das de Gäst net gfrian. I heb de Haund und wink den Oba zuwe.

„Bin scho do“ sog i.

„Und waunn kriag i mein Kaffee“? frog i.

„I hob glaubt se haum an Tee bestöd“?

„Ah so? Äussa, waunn kriag i mein Tee“?

„I denk, des Wossa wiad scho Haas gnua sei“ auntwuat i ma „Sofuat“.

I steh auf und geh wida in de Kuchl. Unta de vühn Blechdosn, suach i ma ane aus und moch ma drin an Tee. De Teeblaln muaß i afoch so einegeb`n, wäu i hob ka Seichal. Oba ma gwehnt se jo aun ollas. Vuasichtig hoid i de hasse Dosn und geh z`ruck zu mein Staummtisch.

„Bittschee da Herr“, i stöh de Konservndosn voi hassn Tee auf`n Tisch.

„Is oba a scho Zeit wuan“ muarmel i, de klane Lokn wisch i mit meina Schneizgatte weg. Wäu i hob beim histöhn a biss`l aus`gschitt. Daunn setz i mi wida nida. I nimm ma a neich`s Zigarl, an`s von da Trafik um`s Eck. Do gibt’s in an Nebnzimma no a gaunzes Loga voi Tschik und Zigarln. Oba des varrod i natirle niemaund. Vuasichtig heb i mei Blechdosn auf und schlürf von dem Gebräu zu den i Tee sog, schau ausse durch de zasprungane Fenstascheibn.
Da Wind wiabelt den Staub iba den zarissanen Asphalt. De Tia gwitscht und hängt so schief in de Aungln ois tät`s jedn moment aussefoin.
I ziag ma mein Mauntl enga um de Schuitan, nipp no amoi vuasichtig von mein Tee.
Frira,.....jo frira do haum`s a a scheens Gschia do ghobt:

“An neichn Plafond kenntn`s a eiziagn, waunn da oide scho obegfoin is.“

Beschwea i mi leise. Oba de Bedienung hots trotzdem g`head.

„Mia tan unsa meglichstes.“ gib i ma söba de Auntwuart aun dem neblichen
Septemba im Fünfavierzgajoah.
 
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18.04.2002
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Hallo poopsy,

eine schöne Elegie hast Du geschrieben (so weit eine Elegie schön sein kann, aber in Wien...). Die Teezubereitung, die fast schon zu einer Variante der Teezeremonie
wird, das kleine `sich gegen das Schicksal stemmen´ („Do gibt’s in an Nebnzimma no a gaunzes Loga voi Tschik und Zigarln. Oba des varrod i natirle niemaund´), die Resignation, ist gut beschrieben, man spürt, trotz allem wird es weiter gehen, irgendwie - „Mia tan unsa meglichstes.“

Gefehlt hat mir in dieser Situationsgeschichte eine stärkere Fokussierung auf z.B. eine tief erlebte Selbsterfahrung.

Insgesamt aber eine schöne Elegie, so weit eine Elegie...

LG,

tschüß... Woltochinon

PS. Editiere doch den Hinweis auf den Dialekt aus dem Titel.
 

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