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Kanes Unterredung

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15.01.2026
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Kanes Unterredung

Kanes Unterredung

Sein Herz schlug höher, als er den Griff der Glastür packte und ihn mühelos nach hinten zog, so dass die Tür ihm den Weg in das Gebäude freigab. Kühle Luft schlug ihm entgegen und jagte ihm einen Schauer über den Rücken, den er jedoch kaum bemerkte. Er hielt den Blumenstrauß mit jedem Schritt fester und für einen Augenblick konnte er sich das vorfreudige Grinsen nicht mehr verkneifen.

Es war ihm immer so wichtig, souverän und abgebrüht aufzutreten, aber hier, kurz bevor er Julia endlich wieder sehen würde, hielt er es beinahe nicht mehr aus, seine Gefühle zu verstecken.

Eine letzte Tür, die ihm den Weg versperrte. Für einen Moment blieb er stehen, zupfte sein Hemd gerade, begutachtete noch einmal den Blumenstrauß und fuhr sich mit der Zunge über die Schneidezähne. Dann drückte er gegen die Tür und sofort drang das Rauschen hunderter Stimmen an sein Ohr. Doch Kanes Fokus galt einzig und allein dem, was seine Augen wahrnahmen.

Sein Blick raste durch die Menge, während er den Raum nach den blonden Haaren und dem strahlenden Lächeln seiner Frau absuchte. Langsam drängte er sich zwischen den dicht an dicht stehenden Menschen hindurch, ohne auch nur eine der Personen anzusehen, die er vorsichtig bei Seite schob.

Endlich erkannte er Julias Hinterkopf. Sie stand an der Wand in der Hälfte des Saals und unterhielt sich mit zwei anderen Frauen. Kane legte einen Schritt zu. Nur noch acht Meter.

Die zwei Frauen, mit denen Julia sprach, erkannten ihn schon aus einiger Entfernung. Doch anstatt Julia darauf hinzuweisen versteinerten ihre Gesichter schlagartig. Unweigerlich kniff Kane die Augen zusammen. Was war da los? Warum reagierten sie so, bei seinem Anblick?

Zwei Meter, bevor er Julia erreicht hatte und seiner Frau endlich wieder in den Armen liegen durfte, tuschelten die zwei Freundinnen kurz miteinander und verschwanden dann ohne Vorwarnung in der Menge.

In dem Moment drehte sich Julia in Kanes Richtung und noch bevor sie ihn ausgemacht hatte, sah Kane schon die blau-lila Färbung, die sich um ihr Auge zog und ihr komplettes linkes Augenlied umschloss. Kane biss sich auf die Zähne. Was war passiert? Wurde sie geschlagen? Augenblicklich schossen ihm tausend Szenarien durch den Kopf, was mit dem Auge seiner Frau passiert sein konnte. Doch im nächsten Moment stand er schon vor ihr und Julia umarmte ihn. Es fühlte sich gut an seine Frau nach so langer Zeit wieder in den Armen zu haben.

Der blaue Rahmen um ihr Auge, ein Bild, das sich wie ein heißes Eisen in Kanes Gedächtnis eingebrannt hatte, übertönte jedoch die Freude sie wieder zu sehen.

„Ich bitte dich,“, nachdem die beiden sich voneinander gelöst hatten blickte Julia ihn aus ihrem angeschwollenen Auge heraus an. „Ich weiß, dass ich dir nicht verheimlichen kann, was passiert ist. Und ich weiß, dass du tun musst, was auch immer du tun musst. Aber ich bitte dich. Sei nicht zu hart zu ihm.“

Wut kochte in Kane hoch. Das konnte nur eins bedeuten. Es gab keine andere Möglichkeit. Kane schloss für einen Augenblick die Augen, ballte die Fäuste und musste sich vorstellen, dass irgendjemand in diesem Raum seine Frau geschlagen hatte. Der Gedanke, die Vorstellung, wie die Hand eines anderen Mannes auf das Gesicht seiner Frau traf, entfachte ein Feuer in ihm, das beinahe in Vergessenheit geraten war.

Bevor er etwas sagte, atmete er tief ein. „Wer war es?“, brummte er zwischen zusammengebissenen Zähnen hindurch, während er versuchte ruhig zu bleiben.

Ihr Blick wanderte von ihm auf einen jugendlichen, der vielleicht 17 Jahre alt war und sich in der Menge mit fünf anderen Jungs in seinem Alter unterhielt.

„Mach ihn nicht kaputt!“ Kane wandte sich von ihr ab. Unsanft steuerte er durch die Menge auf den Jugendlichen zu.

„Hey!“, rief ihm ein Mann hinterher, den er mit der Schulter zur Seite gestoßen hatte.

Noch fünf Meter. Der Unmut, den er auf seinem Weg zu dem Jungen hinterließ, wuchs. Schließlich bemerkten auch die Jungs, dass Kane direkt auf sie zu lief.

Noch drei Meter. Der Junge, der seine Frau geschlagen hatte, fixierte seine Augen auf Kane. Interessiert musterte er den Mann, der direkt auf ihn zusteuerte. Eine dünne Goldkette hing über seinem schwarzen T-Shirt und ein beinahe vorfreudiges Grinsen trat auf sein Gesicht.

Noch zwei Meter. Breitbeinig wartete der Schläger auf Kane, während er seine Hände hinter dem Rücken verschränkte, seine Schultern nach vorne drückte und so seine Nackenmuskeln präsentierte. Der junge Mann war gut gebaut und Kane war sich auf den ersten Blick sicher, dass er Boxer war. Die anderen fünf Jugendlichen stellten sich hinter ihrem Kumpel auf und blickten Kane gespannt entgegen.

Selbstsicher stand der Junge da und kurz bevor Kane bei ihm angekommen war, wurde ihm klar, dass er viel zu lange weg gewesen war. Dieser Junge hatte überhaupt keine Ahnung, wer er war.

„Weißt du, was du getan hast?“, drangen Kanes Worte durch den Lärm der Menschenmenge hindurch. Kane war vor der Gruppe Jugendlicher stehen geblieben und starrte dem Jungen direkt in die Augen. Heiße Wut pulsierte durch sein Herz und er musste sich konzentrieren um den Schläger nicht vor den Augen aller Anwesenden in den Boden des Saals hinein zu prügeln.

Schweigend schüttelte der Junge den Kopf und zuckte mit den Schultern, ohne sein erwartungsvolles Grinsen vom Gesicht zu wischen.

„Dann werde ich es dir erklären.“, begann Kane und machte einen Schritt zur Seite, so dass er den Blick auf die Schneise freigab, die er in die Menschenmenge geschlagen hatte.

Langsam beugte er sich zu dem Jungen vor und zeigte auf Julia. „Siehst du diese wunderschöne blonde Frau da hinten?“ Der junge nickte, drehte sich dann wieder zu Kane und erwiderte seinen Blick, ohne mit der Wimper zu zucken.

„Diese Frau hast du geschlagen. Weißt du, was das Problem an der Sache ist?“, ohne auf eine Antwort zu warten, fuhr Kane fort: „Das ist meine Frau. Das ist die Liebe meines Lebens und nichts auf dieser Welt bedeutet mir so viel, wie diese Frau. Und jetzt komme ich heute hier her, nachdem ich sie viel zu lange nicht mehr gesehen habe und muss feststellen, dass du meine Frau geschlagen hast.“

„Dann wärst du besser nicht so lange weg gewesen!“, warf der Junge ein.

Feuer entfachte in Kanes Augen, bevor er diese eine Sekunde lang schloss und einen Atemzug verstreichen ließ. Er musste sich zusammen reißen!

„Aus diesem Grund werden wir zwei jetzt diesen Saal verlassen.“, entschied Kane und auf dem Gesicht des Jungen erschien ein Grinsen, das Kane am liebsten an Ort und Stelle in seinen Rachen hineingeprügelt hätte. Doch er konnte nicht. Er wollte den Jungen nicht so leicht mit einer Tracht Prügel davon kommen lassen.

Ohne auf die Bewegung des Jugendlichen zu warten, packte ihn Kane am hinteren Kragen seines T-Shirts und schob ihn durch die Menge, bis zu dem Notausgang, der auf den Parkplatz vor dem Saal führte.

Die Freunde des Jungen waren ihnen gefolgt und standen immer noch wortlos hinter ihrem Anführer. „Ihr habt hier nichts verloren!“, befahl Kane. „Geht wieder rein!“

Skeptisch blickten die Freunde zu dem Schläger, der ihnen nur zunickte. „Ich werde schon alleine mit dem alten Mann hier fertig.“, lachte er und die anderen Jungs verschwanden wieder in den Saal.

„Du hältst dich wohl für sehr gut.“, stellte Kane fest, als sie zu zweit auf dem ehemaligen Parkplatz standen und der Junge ihn immer noch anlächelte, während er langsam seine Schultern kreisen ließ.

„Schon.“, lachte der Junge und tänzelte ein paar Schritte hin und her, nur um im nächsten Moment seinen Kopf von Seite zu Seite zu bewegen.

„Du hast wirklich keine Ahnung, wer ich bin, oder?“, brummte Kane in die drückende, schwüle Sommerluft hinein.

„Mir doch egal, alter Mann. Du wirst deinen Namen eh gleich nicht mehr aussprechen können. Mit dir werde ich nicht so zaghaft umgehen, wie mit deiner Frau.“

„Ich weiß, ich war jetzt wirklich lange weg.“, überlegte Kane laut, ohne auf die Drohung seines Gegenübers einzugehen.

Er stand still neben dem immer noch tänzelnden Jungen und blickte in die Büsche, die den Parkplatz überwucherten. „Aber damals, als ich noch in diesem Ort gelebt habe, da gab es einen Namen, der etwas bedeutet hat. Ein Name dem Respekt gezollt wurde. Der in mancher Munde sogar gefürchtet wurde.“

„Meinst du Kane?“, lachte der Junge, blieb jedoch ein wenig überrascht von dieser Erwähnung stehen.

„Ja.“, bestätigte Kane und blickte ihm zum ersten Mal, seit die Tür hinter ihnen ins Schloss gefallen war, direkt in die Augen. „Ich meine meinen Namen!“

Augenblicklich ließ der Junge seine Fäuste fallen. Seine Mundwinkel sackten nach unten und mit ihnen wich jegliche Farbe aus seinem Gesicht.

„Also kennst du mich doch.“, stellte Kane fest, während er dem Jungen dabei zusah, wie aller Kampfgeist aus seiner Brust entwich. „Jetzt gehst du noch einmal im Kopf durch, was du mit meiner Frau gemacht hast und ich hoffe für dich, dass es eine wirklich gute Erklärung dafür gibt, dass du zu dem Entschluss gekommen bist sie zu schlagen.“

Kane sah, wie eine Träne über die Wange des Jungen rollte. Er sah, dass sein Kopf krampfhaft nach einer Antwort suchte. Doch der Junge blieb still.

„Offensichtlich sind wir uns einig, dass es diesen Grund nicht gibt.“ Kane legte ein Pause ein und beobachtete die zweite Träne, die an der Goldkette des Junge zerbarst und in das T-Shirt einsickerte.

„Worüber wir uns mit Sicherheit auch einig sind, ist dass ich wieder da bin. Und wenn du auf die Idee kommst noch einmal jemanden zu schlagen, dann denk ganz kurz an diesen Moment. An die Angst, mir noch einmal zu begegnen und überlege dir sehr gut, was du tun wirst. Denn ich werde davon hören und ich werde dich finden. Und wenn ich dir das nächste Mal gegenüberstehe, wird es nichts mehr geben, was ich dir noch zu sagen habe.“

 

Hi DripsDrops,

erstmal sorry vorweg: Ich mache das Gegenlesen zum ersten Mal, und ich merke gerade, wie sehr mein Kopf dabei aufdreht. Was du gleich bekommst, ist deshalb nicht „cooles, glattes Profi-Feedback“, sondern ein echter Einblick in meinen Gedankenstrom, an dem ich seit heute Morgen um 07:00 Uhr sitze. Ich schreibe das nicht, um dich zu zerlegen, sondern weil ich beim Lesen so stark im Kopfkino bin, dass mir sofort Logik, Raumregeln und soziale Dynamik anspringen, wenn irgendwo die Statik wackelt.

Wichtig: Ich arbeite am Text, nicht an dir. Wenn etwas sehr direkt klingt, ist es meine Radar-Sprache, nicht Abwertung.


Was an der Geschichte sofort gut funktioniert (damit ich nicht nur „mecker“):

  • Einstieg mit Körper + Sinneseindruck statt Vorrede: „Sein Herz schlug höher…“, „Kühle Luft schlug ihm entgegen“ zieht mich direkt rein.
  • Nervöse Mikrohandlung als echtes Mensch-Moment: „fuhr sich mit der Zunge über die Schneidezähne“ wirkt ungeschönt.
  • Blumenstrauß vs Hämatom ist ein starker emotionaler Kontrast, das „blau-lila“ Auge ist ein echter Trigger.
  • Vorwärtsdruck durch Suche/Bewegung: „Sein Blick raste durch die Menge“, Meterzählung („Nur noch acht Meter“) treibt.
  • Setup mit den zwei Frauen (Gesichter versteinern, verschwinden) erzeugt Vorgeschichte in der Luft, ohne dass du sie erklären musst.
  • Grundenergie: Das Ding hat Wut, Impuls, Dominanzspiel. Man merkt: hier ist ein Motor, kein Leerlauf.

Kernfragen: Wo sind die, was ist das für ein Ort, was ist der Anlass?

  • Was ist das konkret für ein Setting: Disco/Party, Vereinsfeier, Familienfeier, Hochzeit, offizielles Event, Saalvermietung, Gemeindezentrum?
  • „Glastür außen“ + „eine letzte Tür“ + dann „Saal“: ist da ein Foyer/Garderobe/Empfang dazwischen, oder ist das eine doppelte Türanlage?
  • Türlogik: Die zweite Tür wird „gedrückt“: Öffnet sie nach innen? Passt das zu Saal/Fluchtweg-Logik und zum späteren Notausgang?
  • Wenn „hunderte Stimmen“ rauschen: Ist das wirklich „hunderte“ oder eher „viele“? Die Zahl wirkt sehr gesetzt, wenn der Raum nicht klar ist.
  • Wie voll ist es wirklich: „dicht an dicht“, aber Kane bahnt sich ohne echte Reibung eine Schneise. Was ist hier realistisch gemeint?

Zeitachse und Abwesenheit: warum „so lange weg“?

  • „nach so langer Zeit“: reden wir von Wochen, Monaten, Jahren? Das ändert Kanes Rolle komplett.
  • Warum war er weg: Job, Einsatz, Trennung, Tour, irgendwas, das die Szene färbt? (Ein Halbsatz reicht, aber ohne bleibt es Nebel.)
  • Warum bringt er Blumen: Romantik nach Streit, Wiedergutmachung, Versöhnung, „ich hab Mist gebaut“, oder einfach Zuneigung? Im Moment ist es eher Requisite, es könnte aber Bedeutung tragen.

Julia: Verletzung, Motiv, Dynamik, „Warum“

  • Warum wurde Julia geschlagen? Nicht „wie schlimm“, sondern: Was war der Auslöser? Streit, Übergriff, Provokation, Verteidigung, Versehen, gezielte Gewalt? Ein Mini-Anker würde reichen.
  • Wie frisch ist das Hämatom: Stunden/Tage? Das entscheidet, ob Kane eine „heute passiert“-Wut hat oder eine „lange geschluckt“-Wut.
  • Julias Satz „Sei nicht zu hart zu ihm“: Warum schützt sie ihn?
    • Angst vor Eskalation?
    • Schuldgefühl?
    • Beziehung/Verwandtschaft?
    • Sie kennt Vorgeschichte zwischen Kane und dem Ort?
  • Warum reagieren die zwei Frauen so: Sie „versteinern“ und verschwinden, statt Julia zu helfen oder Kane zu informieren. Das wirkt wichtig, aber ohne Hinweis bleibt es ein großes Fragezeichen.

Täterzuordnung: Wer genau war’s?

  • Der Text suggeriert „der Jugendliche“ war’s, aber: War es wirklich genau dieser eine? Die Szene setzt „sie blickt zu ihm“, aber ich brauche, dass es eindeutig ist (oder bewusst uneindeutig, dann als Stilentscheidung).
  • Was wissen die Begleiter: Decken die ihn, feiern die ihn, haben die Angst vor Kane? Im Saal wirken sie teils wie Kulisse, draußen verschwinden sie sehr glatt.

„Physikalisch“ / Bildlogik: Wo stolpere ich ganz praktisch?

  • „Endlich erkannte er Julias Hinterkopf“ obwohl sie „an der Wand“ steht: Von welchem Winkel sieht er das, wenn es dicht ist? Ein Mini-Detail würde reichen (Wandnische, leicht abseits, Blick über Schultern, etc.).
  • Kane schiebt Menschen beiseite, stößt jemanden mit der Schulter, ruft wird „Hey!“ hinterhergerufen, aber es gibt keine Konsequenz im Raum. Das wirkt wie: Umwelt kurz stummgeschaltet.
  • Er packt den Jungen am Kragen und schiebt ihn durch die Menge bis zum Notausgang: In einem real vollen Saal wäre das ein großer Eskalationsanker (Blicke, Zurufe, Security, Freunde, Gastgeber).
  • Draußen: „ehemaliger Parkplatz“, überwuchert: starkes Bild, aber aktuell ohne Funktion. Warum „ehemalig“? Warum Büsche? Ist das Gelände verlassen, abgesperrt, Hinterhof?

Machtstruktur: Welche Hierarchie gilt hier eigentlich?

Im Saal:

  • Wer hat Autorität: Veranstalter, Familie, Security, Barkeeper, Türpersonal, ältere Verwandte, Vereinsvorstand? Ohne diese Instanz wirkt es wie „freie Bühne für Dominanzspiel“.
  • Warum kann eine 6er-Jugendgruppe so offen Status spielen, ohne Gegenwind aus dem Raum?
  • „Alter Mann“: Wie alt ist Kane wirklich? 30 wirkt für 17-Jährige schon „alt“, aber der Text spielt es wie Generationenkampf. Ein Altersanker (Ende 20/Mitte 30/40+) würde das sofort stabilisieren.
Auf dem Parkplatz:

  • Kane übernimmt die Kontrolle, weil er isoliert: Er setzt Regeln („Ihr habt hier nichts verloren!“) und es funktioniert. Frage: Ist das Absicht (Kane als Mythos/Instanz) oder soll es realistisch wirken?
  • Der Gegner kippt, sobald der Name fällt: Macht kommt als Reputation-Schalter, nicht als sichtbare soziale Realität.

Status-Theater und „Babo“-Dynamik (ohne Klischee, aber mit Klartext)

  • Die Clique wirkt wie Status-Theater: Grinsen, Nacken präsentieren, Goldkette, „alter Mann“-Sprüche.
  • Kane beansprucht den Raum wie ein Patriarch ohne sichtbaren Thron: Er wird zur Instanz, weil der Text es setzt, nicht weil das Umfeld es zeigt.
  • Kernfrage: Warum sollte Kane in seinem Alter noch „den Thron“ beanspruchen, und warum akzeptiert die Umgebung das? Das braucht nicht viel Text, aber eine Spur Weltlogik.

Dialog/Ton: Warum klingt es an manchen Stellen „gesetzt“?

  • Der Parkplatzdialog wirkt wie eine Ansage-Szene: stark, aber sehr kontrolliert.
  • „Name fällt → Gegner bricht“ hat etwas Legendenhaftes: Kane steht als „Name“, nicht als Mensch. Das erzeugt Wirkung, aber auch das Gefühl: die Dynamik lebt mehr von Setzung als von sichtbarer sozialer Reibung.
  • Wenn das bewusst ist: cool, dann müsste die Welt vorher kurz zeigen, dass dieser Ruf real ist (Blicke, Reaktionen, Flüstern, eine kleine Andeutung).
  • Wenn es unbewusst ist: dann fehlt der Zwischenraum (Ausreden, Trotz, Gesichtsrettung, Lügen, Ablenkung), also menschliche Stufen, bevor Tränen kommen.

Polizeibericht-Brille (nüchtern, nicht moralisch)

  • Ort: Veranstaltung mit Saal, Gedränge, Notausgang, Außenbereich.
  • Beteiligte: Kane, Julia (Hämatom), mutmaßlicher Täter (ca. 17), fünf Begleiter, Unbeteiligte.
  • Ablauf: Kane betritt, findet Julia, erkennt Verletzung, Julia weist auf Jugendlichen, Kane konfrontiert, führt ihn ab, trennt Begleiter, draußen Drohgespräch, Täter zeigt Angstreaktion.
  • Was fehlt (und deshalb springt mein Radar an): Tatzeitpunkt, Motiv, Zeugenreaktion, Autorität am Ort, Konsequenzen der Eskalation (drinnen und draußen).

Psychologie-Brille (ohne Diagnose, nur Lesewirkung)

  • Kane wirkt wie jemand, der Wut als einzige zulässige Emotion hat, weil Wut Kontrolle gibt.
  • Julia wirkt wie jemand, der Schadenbegrenzung betreibt und Eskalation schon kennt.
  • Das ist als Konstellation stark, braucht aber einen Mini-Anker im Text, damit Julias Bitte nicht nur Plot-Satz, sondern Geschichte wird.

Die eine Sammelfrage, die alles bündelt (damit es nicht 1000 Einzelhiebe sind)

  • Soll die Szene realistisch-sozial wirken (Umfeld reagiert, Regeln, Autoritäten, Konsequenzen), oder soll sie mythisch/legendenhaft wirken (Kane als Name/Instanz, Schalter-Momente, Gegner bricht)?
    Beides ist okay, aber die Geschichte muss sich entscheiden, damit mein Kopf nicht dauernd „Welt an, Welt aus“ schreit.
Wenn du willst, kann ich aus dem Ganzen auch noch eine kurze „Top 5“-Liste machen, aber ich wollte dir erstmal die vollständige Innenansicht geben, weil das die ehrlichste Form meines ersten Lektorats ist. Das ist nur meine Sicht der Dinge :)

LG
Ella

 

Vielen Dank auf jeden Fall für das Feedback @Ella Sommerhain. Ich bin jetzt hin und hergerissen, zwischen dem Drang in mir mich zu rechtfertigen, und das einfach so stehen zu lassen. Aber ich glaub das geht jedem so, wenn er Kritik bekommt:lol:.

Zunächst einmal zur Klarstellung, ich war schon immer von diesem John Wick Effekt fasziniert und wollte etwas schreiben, was diesen Legendenstatus widerspiegelt. Dabei hat mein Kopf tatsächlich angefangen eine kleine Welt drum herum zu bauen und du hast recht, das hätte ich entweder weglassen, oder es weiter erläutern müssen.

Den Hinweis mit dem Alter von Kane und wie lange die Verletzung von Julia schon existiert nehme ich gerne an, das wäre wirklich eine wichtige Information gewesen.
Auch die Frage nach den Türen am Anfang und der Füllmenge des Saals sind gute Punkte.

Grundsätzlich war die Veranstaltung wie ein großes Nachbarschaftsfest angedacht, so dass es kein Programm oder besonderen Anlass für das Fest gibt.

Ich dachte eigentlich, dass die Reaktion von den Freundinnen und von Julia ausreichen um klarzustellen, dass Kane in diesem Kreis eine Institution ist, mit der man sich nicht anlegt. Daher hat auch niemand etwas dagegen gesagt, als er sich durch die Menge zu den Jugendlichen gedrängt hat. Nur die Jungs waren noch zu jung, um ihn zu erkennen.

So viel mal zu meinen Gedanken. Ich werde deine Vorschläge in den Text einfließen lassen. Aber grundsätzlich wollte ich einfach versuchen einem Menschen so einen Ruf zu verleihen, dass jeder vor ihm zurückschreckt, ohne dass er tatsächlich etwas tun muss.

 
Zuletzt bearbeitet:

das klingt gut , nur weiß der Leser deine Gedanken leider nicht . Da ist es gut dem Leser zu erzählen wer der sogenante "Protagonist" ist ,um ihn ein bischen aufbauen und einzuführen . Es geht mir ja auch so , in meinem Kopf ist alles klar aber der ist Leser da ja vollig im Dunkeln . Ich kenn ja auch die ganzen "Helden" und Legendenfilme . Für eine Kurzgeschichte ist das völlig ok aber für etwas größeres müsste dem Leser auch ein bischen "History" erzählt bekommen . Geht mir bei meiner Geschichte "Sinnliches Gewitter" genauso. :)

 

Ja klar, für eine größere Story reicht das nicht. Aber ich finde gerade bei Kurzgeschichten die Idee so interessant, dass der Leser sich einiges selbst nach seiner Vorstellung formt und wenn man diese Szene verfilmen würde, würdest du das wahrscheinlich ziemlich anders tun, als ich.

 

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