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Kathrins Tag

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Anmerkungen zum Text
Durch diese Kurzgeschichte versuche ich auf das Thema "Leben mit einer Hörbeeinträchtigung im Alltag" Aufmerksam zu machen.

Kathrins Tag

Bzz, bzz, bzz. Bzz, bzz, bzz. Das ganze Kopfkissen und ihr Kopf beben. "Nein, bitte noch nicht …" Kathrin schließt noch mal kurz ihre Augen. Wenn, nach vier Minuten schlummern, ihr Kopfkissen und ihr Kopf erneut stark beben, ergibt sie sich in das Unvermeidliche und steht langsam auf. Sie zieht ihren Wecker unter ihrem Kopfkissen heraus und stellt ihn ab.
Katze Mauzi springt aufs Bett und Kathrin sieht, dass Mauzi miaut. "Ich bin gleich bei dir Mauzi, aber ich muss erst mal ins Badezimmer", sagt sie.
Nach Dusche und Gesichtspflege zieht sie sich an. Ganz zum Schluss ihres morgendlichen Rituals öffnet sie die Trockenbox ihrer Hörgeräte und steckt sie in ihre Ohren. Die Hörgeräte sind noch ein bisschen warm von der Nacht in der Trockenbox, ein gutes Zeichen. Erst dann fühlt sie sich komplett und bereit, den Tag anzugehen.

Mauzi miaut ihr in der Küche schon vorwurfsvoll zu. Ihr Futternapf ist ganz leer. "Na, verhungern wirst du wohl nicht, gell?", spricht Kathrin Mauzi zu und streichelt die Katze liebevoll, ehe sie den Futternapf wieder auffüllt.
Für sich selbst macht sie ein Frühstück und einen Kaffee, um weiter wach zu werden. Als Kathrin nach ihrem Frühstück auf ihr Handy schaut, sieht sie, dass jemand versucht hat, sie anzurufen. Leider sieht sie nur eine Nummer und keinen Name. Kein Bekannter also. Die würden sie aber auch nicht anrufen, sondern eine App schicken, weil sie wissen, dass sie nur selten und ungern telefoniert, trotz ihrer neuen Hörgeräte mit eingebautem Bluetooth. Gekoppelt mit ihrem Handy kommen Stimmen und Töne jetzt direkt in’s Hörgerät und das macht das Telefonieren schon besser und entspannter. Aber sie ruft immer noch nicht gern an, nur wenn es nicht anders geht. Warum gibt es sonst Apps und E-Mail?

Kathrin entscheidet sich, den Anruf zu ignorieren, und steckt ihr Handy in ihre Tasche.
In Gedanken versunken, packt sie die Tasche weiter ein. Das meiste hat sie schon am Vorabend eingepackt, es sind nur noch die letzten Sachen wie ihr Handy und ihre Schlüssel. Die Schlüssel steckt sie besonders gut weg, denn sie hat sie schon einmal verloren, ohne zu hören, dass sie aus der Manteltasche auf den Boden gefallen sind.
Mauzi meint inzwischen, sie solle auch eingepackt werden und mitkommen, und versucht in ihre Tasche zu klettern. Lachend packt sie Mauzi wieder aus ihrer Tasche. "Nein Mauzi, heute kannst du nicht mitkommen, Frauchen muss zur Arbeit. Heute Abend bin ich wieder für dich da, versprochen!" Beleidigt geht Mauzi auf ihren Kratzbaum zu und zeigt, was sie von Kathrins Worten hält. Manchmal schleicht sich Mauzi in einen Schrank oder ein Zimmer ein und fängt dann nach einer Weile laut an zu miauen, weil sie wieder raus will. Leider hört sie das nicht immer und dann muss Mauzi warten, bis sie auf die Suche geht und Mauzi in ihrem Versteck findet. Deshalb kontrolliert sie immer, wo Mauzi ist, bevor sie ihr Haus verlässt.
"Sorry Mauzi, hab einen schönen Tag und bis heute Abend", verabschiedet sie sich und geht hinaus.

Am Bahnhof sieht Kathrin, dass ihr Zug Verspätung hat. Schon wieder versteht sie die Durchsage nicht. Sie prüft die App auf ihrem Handy und liest, dass ihr Zug etwa zehn Minuten Verspätung hat. Gut, dass sie in der heutigen Zeit der Handys und Apps lebt, findet sie. Früher wäre man als Hörbeeinträchtigter so abhängig gewesen!
Neben ihr steht eine Frau mit halblangem Haar, schmalen Jeans und einem schönen Wollmantel. "Entschuldigen Sie, können Sie mir bitte sagen, was gerade durchgesagt wurde?", fragt Kathrin die Frau. "Leider nicht, solche Durchsagen sind meist unverständlich, vor allem, wenn gerade ein Zug einfährt", sagt die Frau. "Ja, ich glaube, Sie haben Recht. Ich bin schwerhörig und denke meistens, dass nur ich ein Problem damit habe", sagt Kathrin zu ihr. "Das glaube ich nicht", meint die Frau und lächelt ihr freundlich an. "Sie sehen nicht schwerhörig aus", sagt die Frau und mustert sie kritisch. Gerade noch rechtzeitig stoppt Kathrin ihre Gegenfrage: "Wie sollte ein Schwerhöriger aussehen?", schiebt aber ein paar Haare zur Seite und zeigt einfach nur auf ihre Hörgeräte. Die Frau nickt, als ob sie verstehen würde.

Dank der Apps, ihrer Hilfsmittel und der neuen Hörgeräte hat Kathrin in letzter Zeit tatsächlich weniger Probleme als früher. Nur wenn sie in ein Restaurant oder eine Bar geht, ist es zu laut, um etwas zu verstehen. Obwohl sie gut von den Lippen ablesen kann, ist es wegen der Hintergrundgeräusche oft schwierig, Gesprächen zu folgen. Auch wenn sie die anderen immer wieder daran erinnert, die Stimmung, die Umgebung und meist auch der Alkohol lassen sie vergessen, langsam und deutlich mit ihr zu sprechen.
"Hey Kathrin, kommst du mit aufs Klo?", fragt eine Freundin Kathrin. "Ja, klar", sagt sie und steht schon auf. Alle am Tisch schauen sie fragend an. "Was ist los?", fragt sie ihre Freundin, "Du wolltest doch aufs Klo, oder?" Jetzt fangen alle an, laut zu lachen. "Nein, ganz und gar nicht! Ich habe gefragt, ob du mit in den Zoo kommst", sagt ihre Freundin und lacht immer noch. Sie lacht herzhaft mit.
Aber ab und zu hat sie auch keine Lust, sich so sehr um Verständnis zu bemühen, sitzt sie lieber einfach nur da und schaut sich ihre Umgebung an. Sie hatte so ein Abend vor zwei Wochen. Ihre Freundin fragte sie: Warum bist du so still und ungesellig? In solchen Momenten wünscht sie sich einfach, sie wäre zu Hause auf der Couch, eingekuschelt mit Mauzi.
In der Regel ist die Stimmung jedoch gut und versteht sie sich mit einigen Tischnachbarn in Einzelgesprächen gut, manchmal auch mit Händen und Füßen.
Unter der Woche kosten solche Dinge sie viel zu viel Energie, aber am Wochenende gönnt sie sich ab und zu einen solchen Ausflug. Am nächsten Morgen kann sie ausschlafen und vereinsamen will sie auf gar keinen Fall!

Endlich kommt ihr Zug. Sie ist froh, schon einen Zug früher genommen zu haben. Jetzt muss sie sich nicht stressen.
Ihr Tag im Büro ist wie immer anstrengend, aber befriedigend. Den Termin mit einem ihrer Kunden hat sie dank ihres Hörgeräts und ihrer Vorbereitung gut hinbekommen. Das Mikrofon, das über Bluetooth mit ihren Hörgeräten gekoppelt ist, hilft ihr tatsächlich, ihr Gegenüber besser zu verstehen.
Im Übrigen hat sie für den heutigen Tag hauptsächlich administrative Aufgaben geplant, damit sie noch in relativer Ruhe arbeiten kann. Ihre Kollegen wissen, dass sie maximal ein bis zwei Termine pro Tag wahrnehmen kann, und das respektieren sie. Trotzdem spürt sie, dass ab und zu über sie geredet wird, wenn ihre Kollegen miteinander reden und manchmal in ihre Richtung schauen.

Sie ist, wie so oft, so sehr mit ihrer Arbeit beschäftigt, dass sie es nicht bemerkt, wenn die anderen zum Mittagessen gehen. Heute hat Sabine, ihre Freundin, vergessen, ihr zu sagen, wann die Kollegen zum Mittagessen gehen, und Kathrin bemerkt zu spät, dass alle gegangen sind.
Sie geht nun alleine in die Kantine. Als sie die Gruppe dort am Tisch sitzen sieht, fröhlich diskutierend, sinkt ihr der Mut in die Schuhe. Aber Sabine hat sie schon gesehen und winkt ihr zu. "Sorry Kathrin, ich hätte dich warnen müssen", sagt Sabine. Kathrin kämpft damit, die aufsteigende Träne zu unterdrücken. Zum Glück haben weder Sabine noch die anderen etwas bemerkt. Hör auf, dich selbst zu bemitleiden, ermahnt sie sich und setzt sich zu den anderen an den Tisch. Morgen fragt sie Sabine einfach selbst nach der Mittagspausenzeit, und sie bemüht sich, mitzumachen.

Am Nachmittag wird sie durch das Klingeln ihres Telefons aufgeschreckt. Mit Herzklopfen nimmt sie ab. "Kathrin Beecke hier. Können Sie bitte ruhig und deutlich sprechen, denn ich bin schwerhörig und habe sonst Schwierigkeiten, Sie zu verstehen", beginnt sie das Gespräch. "Herr K**** hier, ich hätte gerne einige Informationen über M*****." "Könnten Sie bitte Ihren Namen wiederholen, ich habe ihn nicht richtig verstanden", fragt sie höflich. "Herr Knoblauch hier", wiederholt der Anrufer, schon etwas irritiert. "Sagten Sie, Herr Knoblauch, habe ich recht?", fragt sie zur Sicherheit noch mal nach. "Du verarschst mich doch, oder?" Der Ton im Apparat ist schon gereizter. "Nein, im Gegenteil, ich möchte nur Ihren Namen richtig verstehen", sagt sagt, immer noch geduldig. "Mein Name ist Klosbauer", schreit der Anrufer jetzt fast ins Telefon. Als ob das Schreien ihn besser verstehen ließe …. Im Gegenteil, Schreien macht das Verstehen eher schlechter, aber das wissen die meisten Normalhörenden nicht. "Nun, danke für Ihre Geduld, Herr Klosbauer", antwortet sie gelassen. "Über wen wollen Sie Informationen? Und darf ich Sie nochmals bitten, ruhig, nicht zu laut und deutlich zu sprechen." Plötzlich hört sie ein "tut tut" und Herr Klosbauer hat bereits aufgelegt.

Jetzt weiß sie wieder genau, warum sie nicht gern telefoniert! Sie spürt, wie sich die Muskeln in ihrem Nacken und ihren Schultern anspannt haben und ihr Kopf schwer geworden ist.
Sie versteht zwar, dass normal hörende Menschen nicht immer wissen, wie sie mit hörbeeinträchtigten Menschen umgehen sollen, und so nimmt sie es auch nicht übel, aber nach solchen Unverschämtheiten fühlt sie sich hilflos und erniedrigt.
Kämpferisch, wie sie jedoch ist, will sie trotzdem positiv bleiben und versucht, das Telefonat mit Herrn Klosbauer für den Rest des Nachmittags zu vergessen, was ihr nicht ganz gelingt.

Sie kann bekannte Stimmen nun mal besser verstehen als unbekannte. So wie sie zum Beispiel mit Sabine oder ihrer Mutter spricht, könnte sie nicht mit völlig Fremden reden. Leider wird das oft nicht verstanden, genauso wie sie sich bei jeder neuer Bekanntschaft an Stimme und Mimik gewöhnen muss.
Weil sie erst später im Leben schwerhörig wurde, hat ihre Aussprache eine Intonation und ihre Stimme klingt nicht so monoton, wie es bei Menschen, die von Geburt an gehörlos sind, oft der Fall ist, aber das macht auch ihre Einschränkung für die Außenwelt fast unsichtbar.
Aber es ist, wie es ist, und sie hat gelernt, damit umzugehen. Sie fühlt sich nicht behindert, weil eine Behinderung für sie eine negative Bedeutung hat, aber manchmal stößt sie an ihre Grenzen.
Ich habe eine Hörbehinderung, aber ich bin viel mehr als das, denkt Kathrin und versucht, sich wieder auf ihre Arbeit zu konzentrieren.

Am Ende des Tages will Kathrin nur noch nach Hause, zu Mauzi und ihrem Abendessen.
Mauzi begrüßt sie mit lautem Miauen, als ob sie ihr Frauchen vermisst hätte. "Ja, ja, du hast bestimmt fast den ganzen Tag geschlafen, ich beneide dich", begrüßt sie ihre Katze. "Oh, dein Napf ist schon leer gegessen! Ehrlich ist ehrlich: ich mein Abendessen, du dein Futter." Sie füllt Mauzis Napf zuerst, weil sie weiß, dass Mauzi dann nicht mehr um ihr Essen betteln wird. Da sie gestern für zwei Tage gekocht hat, muss sie ihr eigenes Essen nur noch aufwärmen.
Weil sie einmal eine gute Pfanne ruiniert hat - sie war "nur" ins Wohnzimmer gegangen und hatte den Kochwecker vergessen - bleibt sie jetzt beim Kochen in der Küche. Sie nutzt die Wartezeit oft, um mit Mauzi zu spielen, der ihr gerne in der Küche Gesellschaft leistet, und beide betrachten dies nun als eine Win-Win-Situation.

Sie hat gerade fertig gegessen, als ihre Mutter anruft. "Hallo Kathrin, wie geht es dir?", fragt ihre Mutter. "Mir geht's gut, danke, Mama. Wie geht's euch?" Sie plaudern noch ein wenig weiter und sie ist immer noch überrascht, wie gut sie ihre Mutter am Handy verstehen kann. Ihre Gedanken gehen zurück zu dem unhöflichen Herrn Klosbauer vom Nachmittag, der einfach aufgelegt hat.
Um sich ein wenig von diesen Gedanken abzulenken, schaut sie noch eine Weile fern, zusammen mit Mauzi auf ihrem Schoß. Dann schiebt sie die Katze auf die Couch und steht auf.
"Ein letztes Mal Mauzi", ruft sie die Katze, und Mauzi lässt sich nicht lange bitten.
Als sie endlich ins Bett geht, stellt sie ihren vibrierenden Wecker und legt ihn unter ihr Kopfkissen, damit sie morgen aufwacht.

Neuer Tag, neue Chancen, denkt Kathrin und schläft ein.​
 
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Hallo Schwerhörig,
zunächst einmal ganz herzlichen Dank für deine Geduld. Jetzt hast du ganz schön lange warten müssen, was denn nun mit dem Text passiert. Das tut mir Leid.
Und ansonsten natürlich auch herzlich Willkommen bei den Wortkriegern.
Dein Text weist leider sehr viele Fehler auf, die das Lesen sehr erschweren. Aus diesem Grund verschiebe ich ihn in unser Korrekturcenter. Dort hast du genügend Zeit, ihn zu verbessern. Du findest dort einige Bereiche, die dir die Regeln für Zeichensetzung, Groß- Kleinschreibung usw. erläutern. Ich werde aber auf jeden Fall schon mal anfangen, dir einen Teil der Geschichte zu verbessern. Sozusagen als Hilfe und Wiedergutmachung für das lange Warten.
Du kannst den verbesserten Text über den "Bearbeiten"-Button einfügen.
Genügend Zeit, das sind genau genommen vier Wochen. Wenn du es geschafft hast, schreibst du an Tserk eine PM, der verschiebt deinen Text dann wieder zurück. Tserk ist der Moderator unseres Korrekturcenters.
Falls du doch nicht mehr an dem Text arbeiten möchtest, würde der Text nach vier Wochen gelöscht werden.

Und jetzt folgt die Korrektur:
Alles, was ich verbessert habe, ist markiert. Ich habe nicht nur Rechtschreib- und Zeichenfehler verbessert, sondern auch offensichtliche Grammatikfehler.
Die Regeln zur Kommasetzung solltest du dir mal anschauen. Insbesondere solche Fälle: Kathrin wird sich bewusst, dass ihr Wecker vibriert. Also warum man da ein Komma setzen muss und wie man es von dem anderen "das" abgrenzen kann. sie sieht, weiß, hört, fühlt, dass - das machst du eigentlich immer falsch. Und das ist gar nicht so schwer. Damit bekämst du schon mal eine große Zahl an Fehlern weg.
Das Wort "Natel" musste ich erst nachschlagen. Habe es als speziellen Schweizer Ausdruck für Mobiltelefon gefunden. Ich denke, das meintest du auch.
Vielleicht sind ein paar Formulierungen, die du gebraucht hast, wie zum Beispiel im App auch Schweizer Deutsch. Da ich das nicht sicher weiß, habe ich das trotzdem mal korrigiert. Das Schweizer ss habe ich natürlich nicht korrigiert. Kam aber sowieso kaum mal vor.

Kathrins Tag

Langsam wird Kathrin sich bewusst (Komma) dass ihr Wecker vibriert und sie ermuntert aufzuwachen. Dazu hat sie überhaupt noch keine Lust und schließt die Augen noch mal kurz. Als nach vier Minuten Schlummern ihr Wecker erneut vibriert, ergibt sie sich in das Unvermeidliche und steht langsam auf.
Nach Dusche und Gesichtspflege (kein Komma) zieht Kathrin sich an. Ganz zum Schluss ihres morgendlichen Rituals (kein Komma) öffnet sie die Trockenbox ihrer Hörgeräte und steckt sie in ihre Ohren. Erst dann fühlt sie sich komplett und bereit (Komma) den Tag anzugehen.
Katze Mauzi miaut ihr schon vorwurfsvoll zu. Ihr Futternapf ist ganz leer. «Na, verhungern wirst du wohl nicht, gell?» (Komma) spricht Kathrin Mauzi zu und gibt der Katze liebevoll eine Streicheleinheit, ehe sie den Futternapf wieder auffüllt.
Für sich selbst macht sie ein Frühstück und einen Kaffee, um weiter wach zu werden. Als Kathrin nach ihrem Frühstück auf ihr Natel schaut, sieht sie Komma dass jemand versucht hat Komma sie anzurufen. Leider sieht sie nur eine Nummer und keinen Name. Kein Bekannter (kein Komma) also. Die würden sie aber auch nicht anrufen, sondern eine App schicken, weil sie wissen (Komma) dass sie nur selten und ungern telefoniert, trotz ihrer neuen Hörgeräte mit eingebautem Bluetooth. Gekoppelt mit ihrem Natel (kein Komma) kommen Stimmen und Töne jetzt direkt in ihrem Hörgerät und das macht das Telefonieren schon besser und entspannter. Aber sie ruft immer noch nicht gern an, nur wenn es nicht anders geht. Warum gibt es sonst Apps und E-Mail?

Mit diesen Gedanken packt Kathrin ihre Tasche ein. Das meiste hat sie schon am Vorabend gepackt, es sind die letzten Sachen wie ihr Natel und Schlüssel. Mauzi meint, sie soll auch eingepackt mitkommen … Lachend packt Kathrin Mauzi wieder aus ihrer Tasche. «Nein Mauzi, heute kannst du nicht mitkommen, Frauchen muss zu einem Termin. Heute Abend bin ich wieder für dich da, versprochen.» Beleidigt geht Mauzi auf ihren Kratzbaum zu und zeigt (Komma) was sie von Kathrins Worten hält. «Sorry Mauzi, hab einen schönen Tag und bis heute Abend» (Komma) verabschiedet sich Kathrin und geht hinaus.

Am Bahnhof sieht Kathrin (Komma) dass ihr Zug Verspätung hat. Die entsprechende Durchsage versteht sie abermals nicht. Sie schaut auf ihrem Natel in der App und liest (Komma) dass ihr Zug etwa zehn Minuten Verspätung hat. Nur gut (kein Komma) dass sie im heutigen Zeitalter der Natels und Apps lebt, denkt Kathrin. Früher wäre man als Hörbeeinträchtigter so abhängig gewesen! Dank Apps und ihrer Hilfsmittel hat sie eigentlich weniger Probleme. Nur wenn sie ins Restaurant oder in eine Bar geht, dann ist viel zu viel Lärm (Komma) um etwas verstehen zu können. Auch wenn sie gut Lippenlesen kann, ist es manchmal schwierig (Komma) den Gesprächen zu folgen. Aber meist ist die Stimmung gut und sie kommt mit ein paar Tischgenossen eins-zu-eins, mit Händen und Füssen, schon zurecht. In der Woche kostet sie so was zu viel Energie, aber am Wochenende gönnt sie sich ab und zu solchen Ausgang. Den Morgen danach kann sie ja ausschlafen!

Endlich kommt der Zug. Kathrin ist froh, schon einen Zug früher genommen zu haben. Jetzt muss sie sich nicht stressen.
Ihr Tag im Büro ist wie immer, anstrengend aber befriedigend. Ihren Termin mit einem ihrer Kunden hat sie gut gemeistert, dank ihrer Hörhilfe und ihrer Vorbereitung. Das Mikrofon, über Bluetooth gekoppelt und verbunden mit ihren Hörgeräten, hilft ihr tatsächlich (Komma) ihr Gegenüber besser zu verstehen.
Ansonsten hatte sie vor allem administrative Aufgaben geplant, damit sie auch noch in relativer Ruhe arbeiten konnte. Zum Glück hat die Planung auch so geklappt. Ihre Kollegen wissen (Komma) dass sie höchstens ein oder zwei Termine am Tag bewältigen kann und respektieren das. Statt herum zu telefonieren, schreibt sie meistens sehr viele E-Mails und bekommt auch relativ schnell Antwort.
Zum Feierabend will sie nur noch nach Hause, zu Mausi und ihrem Abendessen.

Mauzi begrüßt sie mit lautem Miauen, als hätte sie ihr Frauchen vermisst. «Ja, ja, du hast bestimmt fast den ganzen Tag geschlafen, ich beneide dich» Komma begrüßt Kathrin ihre Katze. «Oh, dein Napf ist schon leer gegessen! Ehrlich ist ehrlich: ich mein Abendessen, du dein Futter.» Kathrin füllt zuerst den Napf, weil sie weiß Komma dass Mauzi dann nicht um Kathrins Abendessen betteln wird. Da sie gestern für zwei Tage gekocht hat, muss sie ihr Essen nur noch aufwärmen.
Kaum hat sie fertiggegessen, da ruft ihre Mutter an. Sie unterhalten sich nicht zu lange und Kathrin ist noch immer erstaunt KOMMA wie gut sie ihre Mutter verstehen kann, obwohl sie doch hochgradig schwerhörig ist. Bekannte Stimmen kann sie besser verstehen als unbekannte Stimmen. So wie sie mit ihrer Mutter plaudert, würde sie mit einem kompletten Fremden nicht telefonieren können. Leider wird das oft nicht verstanden, ebenso Komma dass sie sich in jeder neuen Bekanntschaft zuerst an dessen Stimme gewöhnen muss. Aber es ist halt so und sie hat gelernt Komma damit umzugehen.

Nach etwas Fernsehen und einer Spielzeit mit Mauzi macht Kathrin sich auf KOMMA ins Bett zu gehen. Da sie einen normalen Wecker nicht hört, wenn die Hörgeräte aus sind, hat sie schon seit Jahren einen Wecker KOMMA der vibriert. Sie stellt ihren Wecker ein und legt ihn unter ihr Kopfkissen.
Morgen wieder ein Tag, denkt sie, ehe sie einschläft.

Jetzt ist es doch der ganze Text geworden. Kriegst du als nachträgliches Geschenk für die Wartezeit. Hoffe, ich habe nichts übersehen.

Viel Spaß bei den Wortkriegern und viel Erfolg beim Verbessern.
 
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28.12.2009
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Hallo,

über auditive Beeinträchtigung zu schreiben, sehr anspruchsvoll. Gibt wenige Texte sowie Filme, die sich damit auseinandersetzen; spontan fällt mir Gottes vergessene Kinder ein, da geht es aber eher um Gehörlose, das ist noch mal ein anderes Thema. Prinzipiell also finde ich solche Texte gut und mutig, bzw den Impuls, solche zu schreiben.

Leider erfahre ich, bzw der Leser, und damit natürlich auch der mitgemeinte Normalhörende, nicht viel über die Situation, oder über Situationen in denen eine Hörminderung eine Rolle spielt, positiv wie negativ. Das beginnt damit, dass den Vibrationswecker, den du meinst, der unter dem Kopfkissen oder sonst wo liegt, dass den ein Normalhörender in den allermeisten Fällen gar nicht kennt. Der denkt da gar nicht drüber nach, der wird einfach durch den normalen Alarm seines Weckers wach: das funktioniert aber bei einem Hörgeminderten nicht. Das bedeutet, du hast hier ein sehr spezielle Situation, dessen Wirkung und Bedeutung du klar machen solltest. Man kann hier mit dem klassischen show, don't tell argumentieren: einen Sachverhalt oder eine Emotion in einem Text nicht einfach behaupten, sondern zeigen. Peter hat Angst vs Peter hat schweißnasse Hände, sein Puls schlägt ihm bis in den Hals. Der Leser müsste erfahren, wie das ist, durch eine Vibration wachwerden zu müssen, da er diese Erfahrung nicht kennt.

Nur wenn sie ins Restaurant oder im Bar geht, dann ist viel zu viel Lärm um etwas verstehen zu können. Auch wenn sie gut Lippenlesen kann, ist es manchmal schwierig die Gespräche zu folgen.

Das ist eine klassische Situation: Störgeräusche. Stell dir mal vor, wie du so eine Szene in einem Film sehen würdest. Frau geht in Bar, trifft andere Menschen, sie reden, und dann? Dann versteht diese Frau aufgrund ihrer Hörminderung und trotz Hörgeräten nicht alles, oder sie versteht falsch: Ball anstatt Knall, oder deins anstatt meins. Da entsteht ein ungeheuer großer Druck, keinen Fehler machen zu müssen. Ganz abgesehen davon, wie das vielleicht im Job für sie läuft, wo man das nicht einfach wegwischen kann, wo es Konsequenzen haben kann. Dann auch die psychologische Komponente: in der Gruppe wird gelacht, und sie hat den Witz eventuell nicht mitbekommen und denkt, alle lachen über sie. Das sind ja deine Erfahrungen, die ich im Text aber nicht lese, über die ich nichts erfahre. Du hast hier die kurze Zusammenfassung eines Tages geschrieben, alles bleibt an der Oberfläche, nichts wird vertieft, und über dich selbst, oder über einen Charakter, der in irgendeiner Weise unter seiner Hörminderung leidet, sich beeinträchtigt fühlt (oder auch nicht), der damit lebt, erfahre ich nichts. Das liegt daran, dass du keine Geschichte erzählst, dass du keine Szenen hast, keine Dialoge.

Ich würde dir raten, dich mit den Grundlagen des Erzählens zu beschäftigen: Was ist das Wesen einer Geschichte, was ist Story, was Plot, wie baue ich einen Charakter glaubwürdig auf, etc. Das ist wichtig, weil es dich dein Handwerk lehrt. Viele Geschichten lesen, du kannst hier in den Empfehlungen beginnen oder sonstwo, schauen, wie machen das die Autoren, die ich lese, und dranbleiben, das wird schon.

Gruss, Jimmy
 
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28.12.2020
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Hallo Jimmy, ganz herzlichen Dank für deine ausführliche Rückmeldungen!! Damit kann ich sicher etwas anfangen.
Ja, in dieser Art zu schreiben ist wesentlich anders als in einem Blog, aber ich bleibe bestimmt dran, weil das Schreiben mir einfach viel Spaß macht.
Da die Deutsche Sprache nicht meine Muttersprache ist, ich bin gebürtige Niederländerin und wohne seit 11 Jahre in der Schweiz, werde ich wohl nie ganz Fehlerfrei auf Deutsch schreiben, aber hoffentlich wird es noch besser.
Seit langem bin ich hochgradig Schwerhörig und Hörgeräteträgerin und schreibe daher aus eigener Erfahrung.
Zum Glück habe ich in der Schule Fremdsprachen gelernt, ehe mein Gehör sich verschlechterte. Merkwürdigerweise, hat das Reden immer besser geklappt als Grammatik :-(
In meinem Blog wird mir das verziehen, hoffentlich hier auch, wenn es nicht zu schlimm ist ;-). Ich werde mich auf jeden Fall bemühen.
Mein Text werde ich erarbeiten und nehme deinen Rückmeldungen darin mit!

Herzliche Grüsse, Renee
 
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28.12.2009
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Hallo Jimmy, ganz herzlichen Dank für deine ausführliche Rückmeldungen!! Damit kann ich sicher etwas anfangen.

Nichts gegen dich, aber bevor du mir dankst, würde ich lieber Novak danken, die dir deinen kompletten Text redigiert und verbessert hat. So eine Selbstlosigkeit und Hilfsbereitschaft ist eben NICHT selbstverständlich.
 
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28.12.2020
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Ok, dann ganz vielen herzlichen Dank an Novak! Ich bin total neu hier und muss mich noch zurecht finden. Und ganz bestimmt ist für mich eine solche selbstlose und hilfsbereite Geste NICHT selbstverständlich.
 
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Monster-WG
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20.01.2018
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Hey @Schwerhörig ,

du brauchst deine Überarbeitung nicht in einem Kommentar-Fenster posten. Wenn du bei deinem Text oben einmal schaust, wirst du unten einen Button mit Bearbeiten finden. Da kannst du deinen ganzen Text sofort anpassen oder ersetzen, dann sehen neue Leser sofort deine aktuellste Version. Mit einem @ und dann dem Username kannst du übrigens andere User "pingen". Dann bekommen die eine kleine Benachrichtigung in Form der Glocke, wie du sie sicher auch schon gesehen hast. Ist ganz nützlich, um einen Überblick zu behalten, in welchen Texten man wo erwähnt wird.

Liebe Grüße und Willkommen hier

Meuvind
 
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28.12.2020
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Hallo Meuvind! Das war leider ein Fehler ... aber vielen Dank für den Hinweis und danke fürs Willkommen heißen!
 
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