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Konsequenzen

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Konsequenzen

Im einen Moment war noch alles normal, er war zwar angespannt, vielleicht etwas ängstlich, aber es ging ihm gut und die Situation war durchaus normal. Und plötzlich waren seine Handknöchel zerschunden, kaum wiederzukennen, sein Atem wie nach einem Marathonlauf und die Frau tot neben dem Auto, von dem warmes Blut langsam über den roten Lack in ihr geöffnetes Auge tropfte.
Auf der Innenseite der Windschutzscheibe, dem Beifahrersitz, der Fußmatte und sogar dem Reifen klebte Blut und zeugte von einer eindeutigen Tat, zu der auch schnell ein Täter gefunden werden konnte, sah man sich nur seine Hände und sein verschmiertes Hemd an. Überall Blut. Noch nie hatte er so viel Blut gesehen.

Dabei hatte sie nur ihren Job gemacht. Wie konnte ihm das nur passiert sein?
Er schaute sich um. Noch hatte niemand etwas gemerkt, das Parkgelände war vollkommen leer. Was sollte er also tun? Wegrennen? Spuren verwischen und sich eine gute Geschichte ausdenken? Nein, dafür war es blutig und zu eindeutig. Dies war jetzt ein Tatort und er der offensichtliche Täter.

Dabei war alles so schnell gegangen. So wie einem etwas runterfällt und man sonst etwas kaputt machte. Es konnte nicht aktiv wahrgenommen werden und erst danach konnte man sich zusammenreimen, was geschehen sein musste. Sein Herz klopfte noch immer wie verrückt.
Genau wie vor seinem Ausbruch auch schon. Seine Beine und Hände hatten so sehr gezittert und sein Herz so stark geschlagen, dass er meinte es würde ihm gleich aus dem Körper fallen. Auf eine gewisse Weise war es das sogar, aber erst einige Minuten später. Die Angst, er könne so gar nicht Auto fahren, war ein wenig gewichen, nachdem er festgestellt hatte, dass es doch irgendwie ging. Er war vorsichtig und langsam gefahren, aber trotzdem nervös gewesen. Dann war es passiert. So plötzlich und so schnell, dass er es erst nicht verstanden hatte. Beim rückwärts Einparken. Ihm war ganz kalt geworden und die Frau hatte ihm gesagt er solle den Motor ausschalten, hatte etwas gekritzelt, etwas unterschrieben und ihm dann den Kugelschreiber gereicht. Er war durchgefallen. Sie hatte so gelangweilt, so ganz ohne jede Emotion, zu ihm gesprochen, dass plötzlich sein zuvor eiskaltes Gesicht feuerrot wurde. Dabei war es die extreme Gleichgültigkeit und Ignoranz in ihrer Stimme gewesen, die ihn so aufgeregt hatten. Und dann war es einfach passiert.

Er hatte den Kugelschreiber genommen und ihn ihr in die geistlose Fresse geschmissen, so wütend war er gewesen. Und als ihr Gesicht erschrocken und empört zusammengefahren war, hatte er sie geboxt. Wieder ins Gesicht. Mitten in diese dümmliche, ignorante Fratze.
Ihre Brille war zerbrochen und ihr heruntergerutscht, sie hatte gejapst und er hatte einfach weiter gemacht. Dann hatte er sich richtig auf sie gestürzt, sie nach unten gedrückt und auf sie eingeschlagen, wobei es ihr dabei gelungen war den Türknauf zu ertasten und die Beifahrertür zu öffnen. Er hatte ihr Klemmbrett gepackt und es immer wieder auf sie geknallt. Papiere und Dokumente waren umhergeflogen und Blut hatte überall hin gespritzt. Auch auf ihn. Warm und klebrig war es es auf seiner Haut gelandet, was ihn noch aggressiver gemacht hatte. Hass und Wut waren in ihm losgebrochen. Wie ein loderndes Feuer war es in ihm gewachsen, hatte sein ganzes Denken, den ganzen Körper übernommen und alles, was geblieben war, war glühender Zorn gewesen.

Immer und immer wieder hatte er auf sie eingeschlagen. Auf ihre Ohren, ihre Nase, in ihren Bauch, auf das Kinn und auch in den Hals. So sehr, dass sie erstickende Würgegeräusche von sich gegeben und er kurz innegehalten hatte. Noch hatte er nicht ganz verstanden, was passiert war, denn er war noch voller Energie und Wut, vielleicht sogar schon Angst, mitten im Rausch, dass er aus dem Auto gestiegen, um es gelaufen, den zuvor mit dem Auto berührten und damit für das Durchfallen ursächlichen Pfahl gegen das Rückfenster gedonnert und dann bei der aus dem Wagen kriechenden Frau angelangt war und auf sie eingeschlagen hatte. Wie lange, wusste er nicht mehr, aber irgendwann war ihr Hemd rot geworden und ihr Gesicht völlig entstellt und nicht mehr identifizierbar. Ein leichter, aber doch markanter Eisengeruch war aufgestiegen. Da hatte er von ihr abgelassen. Das Geschrei und Gejammer waren verstummt. Der Schmerz in seinen Händen hatte erst gut getan, wie ein Muskelkater, dann aber war ein Beißen eingetreten und er hatte die Glassplitter von der blöden Brille der Frau in seinem Fleisch stecken gesehen. In dem Augenblick realisierte er, was er gerade getan hatte.

Tränen kamen in ihm hoch. Er setzte sich neben die Frau ans Auto. Dann setzte die Angst ein. Gleich würde jemand kommen, ihn sehen, die Polizei rufen und man würde ihn festnehmen. Man würde ihn ins Gefängnis stecken, irgendwann anklagen, verurteilen und wegsperren. Für eine sehr lange Zeit.
Irgendwo dazwischen würde er seinen Eltern und seinem kleinen Bruder erklären müssen, was passiert war. Wenn sie überhaupt noch mit ihm sprechen würden.

Er war nicht der Typ fürs Gefängnis. War es nie gewesen. Er war dünn, schüchtern, freundlich, konfliktscheu, eher interessiert an guten Romanen als an Autos, hatte ein tolles Abitur und freute sich schon auf sein Studium. Nur der Führerschein fehlte und dann hätte er sein zuhause verlassen und sein Leben begonnen.

Weil er es nicht länger aushielt zu sitzen, zu warten, stand er auf. Noch immer rasten tausende Gedanken durch seinen Kopf und Tränen überströmten sein Gesicht. Warum war noch niemand gekommen? Hatte es wirklich noch niemand bemerkt? Sollte er also wegrennen? Wohin? Von seinem Fahrlehrer Tom, der im nahegelegenen Gebäude auf ihn wartete, würden sie sofort seinen Namen und Beschreibung bekommen. Die Tat war eindeutig und man würde ihm mit Hubschraubern und Hunden nachjagen, während er sich nur durchs Dickicht schlagen konnte. Schnell und weit. Vermutlich würde er bei irgendeiner Autobahn enden, welche zu überqueren er sich nicht trauen würde und dann festsitzen und schließlich doch verhaftet würde. Wenn nicht, was sollte er dann tun? Neue Identität und neues Leben? Dieser Gedanke war absurd und lächerlich, dachte er. Zugegeben genauso absurd wie der Gedanke, dass er heute jemanden umgebracht hatte. Wie verdammt noch mal, war das nur geschehen? Er war nie gewalttätig gewesen, hatte nie Anfälle oder Wutausbrüche gehabt, sondern war eher zurückhaltend und schüchtern. Hätte jemand ihm am Morgen gesagt, dass er heute einen anderen Menschen tot prügeln würde, hätte er mit ganzer Ehrlichkeit gelacht, wie es jeder tun würde.

Da hörte er Schritte. Ein Mädchen in seinem Alter, vermutlich die nächste Geprüfte, und ein Fahrprüfer kamen angelaufen. Da schrie sie plötzlich laut auf. Sie hatte die Frau am Boden gesehen und dann ihn angesehen. Der Mann trat näher, während sie weglief als wäre der Teufel hinter ihr, und beäugte die Situation. Seine Augen weiteten sich, als er das Blut sah. Dann sagte er etwas. Vielleicht war es auch eine Frage, das wusste er nicht, aber als seine Antwort ausblieb, trat der Mann wieder langsam zurück mit wachsamen Augen auf ihm. Mit einer Hand griff er in seine Tasche und holte sein Handy heraus. Er ging noch immer weiter, dann zurück ins Gebäude und verschloss die Tür. Er würde jetzt die Polizei rufen und in ein paar Minuten, vielleicht waren es fünf, vielleicht sogar 15, würden sie hier sein und ihm Handschellen anlegen.

Was sollte er also tun und was würde passieren? Um diese Frage kreiste sich jetzt alle seine Gedanken. Er würde alle seine Freunde und vor allem seine Familie verlieren. Wieviele Jahre gab es nochmal auf Totschlag? Er meinte sich zu erinnern, dass es zwar nicht lebenslänglich aber doch sehr lange war. Wenn er in vielleicht zehn Jahren wieder freikäme, wäre sein Leben ein völlig anderes.
Zwar mit Abi, aber ohne Studium, ohne Führerschein, ohne Geld, ohne Freunde und Familie, aber mit einem Gefängnishintergrund. Niemand würde ihn je einstellen, er würde obdachlos werden und sein restliches Leben damit verbringen irgendwo rumzusitzen, Müll aufzusammeln und zu betteln. Das war nicht das Leben, das er wollte.

Eigentlich musste er nur noch seinen Führerschein machen, hatte es lange vor sich hergeschoben aufgrund seiner Prüfungsangst und wollte dann zum Wintersemester Filmwissenschaft studieren, vielleicht irgendwann Drehbuchautor, eventuell sogar Regisseur werden, berühmt werden, eine Frau finden, mit ihr glücklich werden und Kinder kriegen. Doch diese Möglichkeit war von heute an ausgeschlossen. Für immer.

Weglaufen war auch keine Option. Und etwas anderes zu tun, fiel ihm nicht ein. Ratlos und verzweifelt setzte er sich ins Auto. Kurz überlegte er was er jetzt tun könnte, das ihn vor Gericht normaler aussehen lassen würde und ihm vielleicht ein paar Jahre im Gefängnis ersparen könnte. Ein Täter, der sich danach beim Tatort bleibt und ganz ruhig auf die Polizei wartet? Wirkt das wie eine angemessene Reaktion eines vernünftigen Täters, der verstanden hat, was passiert ist und was ihm noch bleibt, auf ein so brutales Verbrechen oder wie ein Psychopath, der glaubt, nichts mehr verlieren zu können? Weil er es nicht wusste, blieb er einfach sitzen. Sah sich noch einmal um. Er hörte noch immer keine Sirenen. Da kam in ihm plötzlich wieder Hoffnung auf. Vielleicht würde die Polizei nie kommen. Vielleicht würde morgen irgendwie alles wieder sein wie gestern. Das musste doch sein. Dies konnte nicht echt sein. Gleich würde er aus einem Traum aufwachen. Da hörte er sie.

Sie waren noch leise, kamen aber immer schneller, wurden lauter. Vielleicht würden sie ja an ihm vorbei fahren und waren garnicht seinetwegen da, hoffte er. Bis zu dem Punkt, wo er die Blaulichter tatsächlich sah, die Pistolen der Polizisten auf ihn zeigten und man ihm bedeutete aus dem Wagen zu steigen und die Hände hochzuhalten, sich hinzuknien und keinen Widerstand zu leisten, hatte er gehofft, dass noch alles normal sein würde. Dass sein Leben normal sein würde. Doch da traf ihn die Einsicht so hart, das jede Hoffnung auf ein besseres Leben ganz schnell und für immer verloren ging. Er war jetzt ein Schwerverbrecher, er verdiente kein besseres Leben. Seiner so plötzlichen Wut und anschließenden Verzweiflung war jetzt tiefer Angst gewichen.

 
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Hey @Max88,

ich steige direkt in den Text ein:

Im einen Moment war noch alles normal, er war zwar angespannt, vielleicht etwas ängstlich, aber es ging im gut und die Situation war durchaus normal.
Das ist ein sehr allgemeiner und nicht unbedingt elegant geschriebener erster Satz. Du erwähnst zweimal, dass alles normal war, dabei frage ich mich dann sofort: Was ist denn eine normale Situation? Was ist die Situation? Was hat er denn in der Situation gemacht? Andererseits eröffnest du so natürlich die Frage danach, was passiert ist.
im=ihm

in ihr geöffnetes, zerfetztes Auge tropfte.
Macht es noch einen Unterschied, ob ein Auge geöffnet ist oder nicht, wenn es doch eh zerfetzt ist? Oder anders gefragt: Kann es noch geschlossen sein, wenn es zerfetzt ist?

Nein, dafür war es blutig und zu eindeutig und er nicht der Typ für.
Der Satz ist verkorkst, es scheint auch etwas zu fehlen (...es blutig..), den würd ich nochmal umformulieren.

Es ging zu schnell um aktiv wahrgenommen zu werden, erst danach kann man sich zusammenreimen, was geschehen sein musste.
Warum zwischendurch Präsens? Müsste wohl "konnte man" heißen.


Dabei war alles so schnell gegangen. So unglaublich schnell, wie einem etwas runterfällt und man sonst etwas kaputt machte. Es ging zu schnell um aktiv wahrgenommen zu werden, erst danach kann man sich zusammenreimen, was geschehen sein musste.

Genau wie vor seinem Ausbruch auch schon.
Brauchst du diese Füllwörter? Ich finde sie überflüssig, da kannst du präziser formulieren, es knackiger machen.

sein Herz so stark geschlagen, dass er meinte es würde ihm gleich aus dem Körper fallen.
Finde ich irgendwie witzig, diese Formulierung.

hatte etwas gekritzelt, etwas unterschrieben und ihm dann den Kugelschreiber gereicht.
Okay, er ist also durch seine Fahrprüfung gefallen. Und wozu reicht sie ihm den Kugelschreiber? Muss er unterschreiben, dass er durchgefallen ist?

Sie hatte so gelangweilt, so fremd, ja ganz ohne jede Emotion, zu ihm gesprochen, dass plötzlich sein zuvor eiskaltes Gesicht feuerrot wurde.
Fremd passt hier irgendwie nicht für mich rein.

Dabei war es die extreme Gleichgültigkeit und Ignoranz in ihrer Stimme gewesen, die ihn so aufgeregt hatten. Und dann war es einfach passiert.
Das ist hier sehr viel tell, bzw alles. Ich komme in die Situation gar nicht rein, bzw an die Situation heran. Das wird erzählt, auch mit Adjektiven und Beschreibungen wie Gleichgültigkeit und Ignoranz, aber ich kann so überhaupt nicht nachvollziehen, warum er jetzt so aufgeregt ist. Vielleicht kommt es ja noch, aber ich weiß ja gar nicht, warum er so reagiert - ist er schon fünfmal durch die Prüfung gerasselt? Hat sie ihn schon so oft durchfallen lassen? Da fehlt mir auch das Lebendige, vielleicht Dialoge, bzw Kommentare von ihr während der Prüfung....hat sie ihn immer wieder zurechtgewiesen? Ihn so aufgeregt, ihn auf die Spitze getrieben?

Er hatte den Kugelschreiber genommen und ihn ihr in die geistlose Fresse geschmissen, so wütend war er gewesen. Und als ihr Gesicht erschrocken und empört zusammengefahren war, hatte er sie geboxt. Wieder ins Gesicht. Mitten in diese dümmliche, ignorante Fratze.
Und so erscheinen mir diese Beschreibungen, diese Aktionen einfach nur befremdlich und unverständlich, nicht nachvollziehbar, übertrieben.

Ihre Brille war zerbrochen und ihr heruntergerutscht
Ich denke wenn man ins Gesicht geboxt wird, dann rutscht eine Brille nicht nur runter...

Dann hatte sich richtig auf sie gestürzt, sie nach unten gedrückt und auf sie eingeschlagen, wobei es ihr dabei gelungen war den Türknauf zu ertasten und die Beifahrertür zu öffnen. Er hatte ihr Klemmbrett gepackt und es immer wieder auf sie geknallt. Papiere und Dokumente waren umhergeflogen und Blut hatte überall hin gespritzt. Auch auf ihn. Warm und klebrig war es es auf seiner Haut gelandet, was ihn noch aggressiver gemacht hatte. Hass und Wut waren in ihm losgebrochen. Wie ein loderndes Feuer war es in ihm gewachsen, hatte sein ganzes Denken, den ganzen Körper übernommen und alles, was geblieben war, war glühender Zorn gewesen.
Auch das kommt für mich sehr unglaubwürdig rüber, und holprig geschrieben.
Im ersten Teil fehlt etwas "hatte er sich"
Ich frage mich auch: Saß sie auf dem Beifahrersitz? Ich dachte, dass Prüfer immer hinten sitzen. Und außerdem muss doch ein Fahrlehrer dabei sein - man ist doch nie nur mit einem/einer Prüfer/in unterwegs.
Blut war gespritzt
Frisches Blut ist nicht klebrig

Noch hatte er nicht ganz verstanden, was passiert war, denn er war noch voller Energie und Wut, vielleicht sogar schon Angst, mitten im Rausch, dass er aus dem Auto gestiegen, um es gelaufen, den zuvor mit dem Auto berührten und damit für das Durchfallen ursächlichen Pfahl gegen das Rückfenster gedonnert und dann bei der aus dem Wagen kriechenden Frau angelangt war und auf sie eingeschlagen hatte.
Das ist ein sehr langer, schwer verständlicher Satz.
Hier wirds mir auch langsam etwas viel mit dem Einschlagen.

Wie lange, wusste er nicht mehr, aber irgendwann war ihr Hemd rot geworden und ihr Gesicht völlig entstellt und nicht mehr identifizierbar.
Paradoxerweise klingt das sehr harmlos; die Beschreibung kommt so entfernt rüber, ich kann sie nicht so richtig ernst nehmen.

Der Schmerz in seinen Händen hatte erst gut getan, wie ein Muskelkater, dann aber war ein beißender Schmerz eingetreten und er hatte die Glassplitter von der blöden Brille der Frau in seinem Fleisch stecken gesehen.
Das ist nicht besonders ansprechend formuliert, besonders der letzte Teil des Satzes, blöden Brille...Fleisch stecken gesehen..

Irgendwo dazwischen würde er seinen Eltern und seinem kleinen Bruder erklären müssen, was passiert war und was er damit zu tun hatte.
Das Fettmarkierte ist überflüssig.

Wenn sie überhaupt noch mit ihm sprechen würden.
Warum sollte seine Familie plötzlich nicht mehr mit ihm sprechen? Das ist so unglaubwürdig, wie die ganze Aktion, die er da vollbringt.

Er war nicht der Typ fürs Gefängnis. War es nie gewesen.
Gibt es einen Typ fürs Gefängnis? Besteht die Möglichkeit, dass er es einmal war und jetzt nicht mehr ist? (das impliziert der zweite Satz)

Er war dünn, schüchtern, freundlich, konfliktscheu, eher interessiert an guten Romanen als an Autos, hatte ein tolles Abitur und freute sich schon auf sein Studium. Nur der Führerschein fehlte und dann hätte er sein zuhause verlassen und sein Leben begonnen.
Das klingt für mich leider sehr oberflächlich, du haust hier ein paar Charaktereigenschaften raus, als Leser soll/muss man die dann glauben. Eher interessiert an Romanen als an Autos, das klingt als gäbe es Romane und Autos, sonst nichts. Und braucht man einen Führerschein, um sein Zuhause (groß geschrieben übrigens) verlassen zu können? Sein Leben hat vorher nicht begonnen?

Ab hier habe ich nur noch überflogen - da reizt mich leider nichts, noch weiterzulesen. Und auch beim Überfliegen konnte ich nichts finden, was mich wieder reingebracht hätte. Das hat mir leider gar nicht gefallen, da kommt bei mir nichts an. Die Geschichte hat null Tiefgang, du berichtest von einem Wutanfall der tödlich endet, ein paar Gefühle/Gedanken und das war's. Ich weiß nichts über den Prot oder das Opfer, die paar Eigenschaften, die du reingestreut hast, kommen bei mir nicht an. Da fehlt mir jeder Bezug zum Text, ich kann nichts damit anfangen.

Vielleicht könnte es funktionieren, wenn man den Prot kennenlernt, versteht, was seine Beweggründe sind, diese Frau anzugreifen, erst dann bestünde die Möglichkeit, dass ich seine HAndlung nachvollziehen kann, eine gewisse Beziehung zur Geschichte aufbauen kann. So ist mir das alles viel zu flach, da komme ich nicht rein. Sorry, dass ich nichts Positiveres erwähnen kann, aber ich hoffe, dass dir mein Eindruck trotzdem hilft!

Viele Grüße und ein schönes Wochenende,
rainsen

 
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Hallo Max!

Vorneweg: Es geht mir nicht darum, dein Werk zu verreissen und/oder es niederzumachen. Alles, was ich im Folgenden von mir gebe, tue ich im besten Wissen und Gewissen dafür, dass du für die Zukunft lernst und sich deine Arbeiten verbessern.

Ich kann rainsens Kritik teils sehr gut nachvollziehen. Denn man muss es leider ganz hart auf den Punkt bringen: Dein Text ist langweilig. Auch ich war versucht, bereits vor der Hälfte zumindest teils geistig auszusteigen und den "Überflugsmodus" zu starten. Ich blieb aber beim Text, weil ich dir - so hoffe ich - wertvolles Feedback geben wollte.

Warum ist dein Text meines Erachtens langweilig? Ich glaube nicht wie rainsie, dass es hauptsächlich daran liegt, dass man zu wenig über den Protagonisten erfährt. In einer Kurzgeschichte ist eine fundierte Charakterentwicklung eine ganz eigene Sache. Klar, eine Geschichte lebt davon, wie viel man über deren handelnden Personen weiß. Und der Mensch merkt sich eher Menschen und nicht Inhalte.
Aber, weshalb die Geschichte meines Erachtens nicht zündet ist der, dass du "schwafelst". Du erklärst und du beschreibst. Das ist viel zu viel.

Und wenn du mal nur andeutest und damit den Leser vor eine Aufgabe stellst, erklärst du die Andeutung in den folgenden zehn Sätzen erneut. Das ist für das Publikum nicht interessant. Weißt du, Leser sind nicht dumm. Du musst ihnen nicht alles und jedes vorkauen, damit sie verstehen was du meinst. Und selbst, wenn der Leser mal auf einen anderen Schluss kommt als du: Was solls? So lange du einen Effekt damit erreichst.

Ich geb dir mal ein Beispiel:

Was sollte er also tun und was würde passieren? Um diese Frage kreiste sich jetzt alle seine Gedanken. Er würde alle seine Freunde und vor allem seine Familie verlieren. Wieviele Jahre gab es nochmal auf Totschlag? Er meinte sich zu erinnern, dass es zwar nicht lebenslänglich aber doch sehr lange war. Wenn er in vielleicht zehn Jahren wieder freikäme, wäre sein Leben ein völlig anderes.
Zwar mit Abi, aber ohne Studium, ohne Führerschein, ohne Geld, ohne Freunde und Familie, aber mit einem Gefängnishintergrund. Niemand würde ihn je einstellen, er würde obdachlos werden und sein restliches Leben damit verbringen irgendwo rumzusitzen, Müll aufzusammeln und zu betteln. Das war nicht das Leben, das er wollte. Eigentlich musste er nur noch seinen Führerschein machen, hatte es lange vor sich hergeschoben

DAS ist meines Erachtens vollkommen überflüssig. Den ganzen Absatz kannst du streichen. Wenn da jetzt stehen würde:

"Was sollte er also tun und was würde passieren? Eigentlich musste er nur noch seinen Führerschein machen, hatte es lange vor sich hergeschoben........"

Damit würdest du die Geschichte straffen. Ziemlich viel Geschwurbel und Ballast über Bord werfen und den Leser nicht mit Infodump langweilen. Glaub mir, derjenige, der deine Geschichte liest, kann sich gut vorstellen, was die Konsequenzen wären, wenn der Protagonist gefasst würde. Das musst du ihm nicht lang und breit vorkauen.
Und: Es wird für den Leser zum Erlebnis, wenn er es sich selbst zusammenreimt.

Dieses Beispiel war nur exemplarisch. Deine Geschichte ist über und über und über voll mit solchen Überladungen. So etwas musst du noch ins Gefühl bekommen.
Teilweise auch noch Sätze kürzen und straffen. Und ein paar umgangssprachliche Formulierungen ausmerzen.

Die Idee deiner Geschichte an sich fände ich ja nicht schlecht. Wenn du die ordentlich aufbereitest, kann das den Leser richtig mitreissen. Wenn er in die Haut deines Protagonisten schlüpft, erlebt er die ausweglose Situation am eigenen Leib. Lass sie ihn fühlen - und erzähle sie ihm nicht!

 
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Hallo @rainsen,

Vielen lieben Dank für deinen Kommentar! Es tut mir leid, dass du meinen Text nicht mochtest, aber umso dankbarer bin ich fürs Lesen und dein ehrliches Feedback! Die Fehler, die Du markiert hast, habe ich natürlich verbessert.

Finde ich irgendwie witzig, diese Formulierung.
Verstehe nicht genau, wie das gemeint ist, aber ich nehme das mal als was Gutes.

Muss er unterschreiben, dass er durchgefallen ist?
Ich musste das...

Fremd passt hier irgendwie nicht für mich rein.
Stimmt

Ich frage mich auch: Saß sie auf dem Beifahrersitz? Ich dachte, dass Prüfer immer hinten sitzen.
Bei mir war das der Beifahrersitz, aber vielleicht ist das in Deutschland anders.

Dass die Figur und ihre Handlung nicht nachvollziehbar ist, verstehe ich. Vermutlich ist der Text einfach zu schnell entstanden.

Danke nochmal für dein Kommentar!

@Manfred_Riegler,

Danke auch an Dich fürs Lesen und die konstruktive Kritik! Ich bin hier um mein Schreiben zu verbessern und dein ehrlicher Kommentar hilft mir dabei!
Sätze zu streichen, tut immer weh, aber hier wäre es sicherlich notwendig gewesen. Den Tipp Show dont Tell werde ich ab jetzt noch besser versuchen zu berücksichtigen.
Ich werde mit gleich nochmal an die Geschichte setzen und probieren die Kritik von Dir und @rainsen als Vorbild nehmen und hoffentlich so noch “retten“, was zu retten ist. Mal gucken.

Eigentliches Ziel meiner Geschichte war es gewesen, dass man sich kurz in diese Situation begibt und sich vorstellt, wie schnell sich ein Leben verändern kann und man die eigene Wut oder Aggression vielleicht hinterfragt. Hat nicht funktioniert, dank euch, weiß ich zumindest warum. Dafür Danke!

Eine schöne Woche wünsche ich euch beiden!

Viele Grüße!
Max

 
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Hey @Max88,

finde ich sehr sympathisch, wie du die Kritik annimmst; das ist sicherlich die beste Voraussetzung, um diese umzusetzen und sich zu entwickeln. Außerdem motiviert das, auch in Zukunft deine Texte (oder schon hochgeladene) zu lesen und dir Feedback zu geben.

Verstehe nicht genau, wie das gemeint ist, aber ich nehme das mal als was Gutes.
Ja, das ist positiv gemeint :)

Ich musste das...
Ah okay, das wusste ich nicht, dass das so läuft.

Bei mir war das der Beifahrersitz, aber vielleicht ist das in Deutschland anders.
Kann gut sein (würde mich interessieren, wo du sie gemacht hast), außerdem ist meine Prüfung schon ein Weilchen her, kann sich auch geändert haben. Ich hatte in der Geschichte nur deshalb anfangs Probleme, ihre Position zu verstehen (also wo sie sitzt).

Vermutlich ist der Text einfach zu schnell entstanden.
Grundsätzlich ist es sicherlich sinnvoll (etwas, das auch ich gelernt habe), einen Text mehrmals zu überarbeiten, ihn dann eine Weile liegenzulassen, und sich dann nochmal dran zu setzen. Dann fallen einem viele Dinge auf, die man vorher evtl nicht gesehen hat, man hat nochmal eine frische Perspektive. Das hilft sehr, finde ich, und es ist ja auch im Interesse des Autors/der Autorin, den Text erst anderen zu präsentierene, wenn man das Bestmögliche rausgeholt hat.

Danke nochmal für dein Kommentar!
Kein Ding, sehr gerne :)

Beste Grüße,
rainsen

 
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17.04.2021
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Hallo @Max88 !

Wir sitzen hier alle im selben Boot. Ich glaube, dass keiner von uns "besser" oder "gescheiter" als der andere ist.

Brauchst dir nur anzusehen, wie meine erste hier eingestellte Kurzgeschichte "Rock the Night" gerade "auseinandergenommen" wird. Also ich habe keineswegs das Gefühl, in irgendeiner Form über dir zu stehen.

Es ist nur oft einfacher, einen Text, mit dem einen emotional (noch) nicht so viel verbindet, zu beurteilen, als seinen eigenen. In den man oft Herzblut und viel Zeit und Liebe gesteckt hat.

 
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Hallo @rainsen,

Kann gut sein (würde mich interessieren, wo du sie gemacht hast)
Ich habe den in Südafrika gemacht, bin erst durchgefallen, aber dann doch bestanden, bin jetzt ganz froh ;)
Ich hatte in der Geschichte nur deshalb anfangs Probleme, ihre Position zu verstehen (also wo sie sitzt).
Ich hatte da garnicht berücksichtigt, dass in Deutschland der Fahrer ja links im Auto sitzt.

Ich habe die Geschichte neu geschrieben mit großem Fokus auf der Figur, aber die ist denke ich zu langweilig geworden und zieht sich irgendwie, deswegen lade ich sie nicht hoch und so. Aber alle Tipps und Anmerkungen merke ich mir natürlich für die nächste, hoffentlich bessere Geschichte.

Liebe Grüße und schöne Woche noch!
Max

 

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