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Serie Lütte und Lars ... und der einsame Cowboy

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03.03.2020
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Lütte und Lars ... und der einsame Cowboy

Lütte konnte es kaum erwarten. Die Sonne war gerade erst aufgegangen, trotzdem lief er schon eine gefühlte Ewigkeit vor dem Haus von Lars' Eltern auf und ab. Sein Stock klapperte am Gartenzaun entlang.
Endlich ging die Tür auf. Lars war noch im Schlafanzug. Mit verschlafenem Blick und struppigen Haaren blinzelte er seinem Freund entgegen.
»Du hast mich geweckt.«
»Beeil dich. Du hast Lagerdienst.«
»Ich kann nicht. Ich geh mit Papa zum See.«
»Echt?«
»Willst du mit?«
»Spinnst du? Da gibt’s Krokodile.«
»Stimmt nicht.«
»Doch.«
»Du lügst.«
»Lass dich halt auffressen. Tschüss.«
Lars war doof. Natürlich gab es Krokodile im See. Und nicht nur Krokodile. Es gab auch Tintenfische. Und Seeigel. Lütte hatte jedenfalls besseres zu tun, als sich mit Tinte vollspritzen zu lassen und den ganzen Tag Stachel aus seinen Füßen zu ziehen.

***
Die Straßen fühlten sich an wie ausgestorben. Die meisten Kinder waren zum Schwimmen gegangen, und viele mit ihren Eltern im Urlaub. Nur der Georg war noch da und spielte Jojo.
»Darf ich auch mal?«
»Nee. Geh weg. Die Mama hat gesagt, dass du gemein bist.«
Georgs Mama war Lüttes Lehrerin. Einmal hatte er im Unterricht seine Hand unter die Achsel gehalten und Furzgeräusche gemacht, und zwar immer genau dann, wenn sie sich umdrehte, um etwas an die Tafel zu schreiben. Alle Kinder in der Klasse fanden es lustig und lachten. Nur die Frau Siebsand verstand keinen Spaß und verpetzte ihn beim Direktor.
»Jojos sind eh doof.«
Georg ignorierte Lüttes Bemerkung. Trotzdem wollte er ihm zeigen, dass er unrecht hatte. Hochkonzentriert, mit der Zunge zwischen den Lippen, packte er alle Tricks aus, die er kannte: Den Powerbomber. Den Supersurfer. Und sogar den Alienmaster, obwohl er den bis jetzt erst ein einziges mal hinbekommen hatte. Als er den Jojo gerade ganz nah über den Boden gleiten ließ, blickte er kurz zu Lütte hinauf. Bestimmt bekam er vor Staunen den Mund nicht mehr zu, dachte sich Georg.
Aber Lütte hatte genug von Georgs Angebereien. Er schlug mit seinem Stock gegen die Schnur, der Jojo tanzte wie wildgeworden im Kreis, schlug aus und wickelte sich um den Stock wie eine Riesenspinne, bevor sie ihr wehrloses Opfer verspeiste. Damit hatte selbst Lütte nicht gerechnet.
»Mama!«
»Halt die Klappe! Petze!«
So schnell er konnte, rannte Lütte davon.
Jetzt fühlte er sich wie ein Schwerverbrecher. Er stellte sich vor, dass er aus dem Gefängnis ausgebrochen war, und überall in der Stadt hingen Fahndungsplakte mit seinem Gesicht drauf: Gesucht! Lütte, der verrückte Jojomörder – tot oder lebendig!
Er musste dringend untertauchen, so viel stand fest.

Das Lager hatten er und Lars erst vor ein paar Tagen entdeckt. Es lag gut getarnt hinter einer dichten Hecke, und um hineinzugelangen, musste man über den Boden kriechen. Falls sie doch jemand finden sollte, hatten Lütte und Lars überall Stachelstöcke ausgelegt. Damit ihre Feinde verbluteten, bevor sie eindringen konnten.
Weil Lars nicht da war, übernahm Lütte den Lagerdienst selbst. Viel gab es nicht zu tun. Eigentlich war der Lagerdienst ja auch erst für später gedacht gewesen, wenn die Bande größer war. Zwei von ihnen müssten dann Wache schieben und ein anderer für Ordnung sorgen, während der Rest Nahrung und neue Waffen heranschaffte. Jetzt überlegte Lütte, ob er die Bande einfach auflösen sollte. Mit Lars wollte er jedenfalls nicht mehr befreundet sein.
Früher hatte er auch immer alleine gespielt. Oder mit Opa. Als er in die Schule kam, kannten die meisten Kinder sich schon aus dem Kindergarten. Lars wurde erst einen Monat nach allen anderen eingeschult, er hatte eine Hirnhautzündung gehabt, erklärte die Frau Siebsand. Das klang cool, fand Lütte. Weil ihn eine Zecke gebissen hatte. Das klang noch cooler, fand er, und so wurden sie zuerst Sitznachbarn und dann Freunde.

Weil es im Lager alleine langweilig war, wagte Lütte sich wieder nach draußen. Die Luft schien rein zu sein.
Da lief ihm die Katze vom Doktor Wollknecht über den Weg. Sie war ganz weiß, nur unter der Nase hatte sie einen lustigen, schwarzen Punkt.
»Komm her, Miezi.«
Lütte kraulte ihr den Rücken und die Katze genoss es sichtlich, sie schnurrte und rieb sich an der Innenseite seiner Knöchel. Eigentlich waren Katzen cooler als Menschen, fand Lütte. Die konnten wenigstens nicht petzen. Und Wasser mochten sie auch nicht. Schwimmen war nämlich was für Babies. Ja, Lütte hatte sich entschieden: Ab jetzt war die Katze vom Doktor sein neuer bester Freund.
»Komm mit.«
Aber die Katze blieb stehen. Kurz schaute sie Lütte an, als ob sie ihn verstanden hätte, dann lief sie in die andere Richtung, schlüpfte durch einen Gartenzaun und war verschwunden.

Lütte wusste nichts mit sich anzufangen. Normalerweise würde er jetzt mit Lars durch die Gegend ziehen, und dabei fielen ihm immer ganz automatisch Sachen ein, die man machen konnte. Er könnte Lars zeigen, wie man am besten auf Bäume kletterte oder wie man beim Wettrennen am schnellsten startete. Oder ihn zum Lachwettbewerb herausfordern: Wer zuerst lachte, dürfte den Rest des Tages nur noch rückwärts sprechen. Stattdessen saß er einsam unter dem dicken Kastanienbaum am Waldrand und grub mit seinem Stock die Erde um.
Verliebt, verlobt, verheiratet, geschieden …
Auf der anderen Straßenseite spielten die Mädchen Seilspringen. Eine von ihnen war die Susi. Lütte kannte sie aus der Schule. Einmal hatten ihre Freundinnen Susi plus Lütte gerufen, als er mit dem Lars an ihnen vorbeiging, und die Susi bekam rote Wangen und winkte ihm zu. Aber Lütte streckte ihr nur die Zunge raus. Obwohl er sie eigentlich mochte. Auch jetzt fiel es ihm schwer, nicht ständig zu ihr hinüberzusehen.
Wie viele Kinder Kinder wirst du kriegen?
Überall blühte Löwenzahn, und kurz überlegte er, Susi einen zu pflücken. Jetzt, im Frühling, war er knallgelb, und später wurde er dann weiß und man konnte ihn wegpusten. Löwenzahn. Das klang gefährlich, fand Lütte. Nicht wie Rose oder Gänseblümchen. Lütte wäre gerne ein Löwe. Dann hätten alle Angst vor ihm.
Neben seinem Ohr brummte es. Eine dicke Hummel sauste vorbei und landete auf einer der Blumen, der Löwenzahn schwang vor und zurück und im Kreis und bog sich fast bis zum Boden hinab, und die Hummel musste sich richtig festklammern, um nicht herunterzufallen. Wie beim Rodeo, dachte Lütte. Ein Cowboy wäre er auch gerne. Dann könnte er den ganzen Tag in Saloons sitzen und Limo trinken und Mau-Mau spielen.
Aber mit den Mädchen würde er bestimmt nicht spielen. Mädchen waren nämlich noch doofer als Georg und Lars zusammen, fand Lütte. Er spuckte auf den Boden, weil Cowboys das so machten, stand auf und ging weiter.

Die Sonne brannte auf die Straße hinab. Lütte war schon seit dem Morgengrauen unterwegs. Sein Pferd brauchte dringend Wasser.
Die Frau, die er vor den Bösewichten gerettet hatte, hatte ihm verraten, dass es in der Nähe eine Tränke gab. Danke, Lady Susi, hatte er gesagt und war, ohne sich noch mal umzusehen, weitergeritten.
Irgendwo mähte jemand seinen Rasen. Aber Lütte war sich sicher, Pistolenschüsse zu hören. Peng peng – peng peng – peng peng. Sechs Schuss. Das ganze Magazin. Das konnte nur einer sein … Ein Streuner schlich mit gesenktem Kopf über die Straße. Die Luft flimmerte vor Hitze. Und da, wie eine Fata Morgana, stand er plötzlich vor ihm: Der Petzengeorg. Die größte Petze im ganzen wilden Westen.
Lütte war so weit. Mit breitem Schritt trat er seinem Gegner entgegen. Die Sporen seiner Stiefel klapperten bedrohlich auf dem glühenden Asphalt. Der Revolver steckte im Holster. Griffbereit.
»Mama! Der Lütte ist wieder da!«
Georg, der Blödmann! Wieder musste Lütte wegrennen, aber er kannte sich nicht aus, er war im Feindrevier, und so bog er falsch ab und landete in einer Sackgasse – ein hoher Lattenzaun versperrte ihm den Weg. Wenn der Lars jetzt da wäre, könnte er ihm eine Räuberleiter machen. Doofer Lars! Warum musste er auch unbedingt an den See gehen? Was war denn so toll am See? Selbst wenn es da wirklich keine Ungeheuer gab, was sich Lütte kaum vorstellen konnte, dann verstand er beim besten Willen nicht, was so spaßig daran war, Arschbomben zu machen und toter Mann zu spielen und nach Steinen zu tauchen und … Aber das glaubte er sich ja selber nicht. Wenn er nur wüsste, wie er dem Lars sagen sollte, dass er nicht schwimmen konnte! Wahrscheinlich würde der ihn auslachen, und dann müsste er ihm eine runterhauen, und das wollte er eigentlich nicht, weil der Lars ja sein Freund war. Sein bester Freund. Und eigentlich haben Cowboys ja keine Angst. Und eigentlich kann man besten Freunden ja alles erzählen, dachte Lütte.
Aber erst heute Abend. Jetzt musste er sich erst mal verstecken. Damit der Petzengeorg ihn nicht erwischte und zum Sheriff brachte …

***
Als Lars vom See zurückkam, sah er aus wie eine Tomate. Nur um die Augen konnte man deutlich den Abdruck der Taucherbrille erkennen, die er fast den ganzen Tag getragen hatte.
»Hallo Lütte. Was hast du da?«
Lütte lehnte am Zaun und kaute auf einem Plastikstrohhalm herum, den er extra von daheim geholt hatte.
»Netug Dneba, Sral.«
»Was?«
»Egal.«
»Hm. Und, wie geht's?«
Lütte spuckte aus. Damit Lars auch wirklich bemerkte, dass er ein Cowboy war. Sein Revolver war ihm nämlich beim Wegrennen aus dem Holster gerutscht.
»Super. Ich hab mit dem Georg gespielt und …«
»Mit dem Georg?«
»Ja. Jojo.«
»Warst du im Lager?«
»Ja. Der Georg auch. Morgen gehen wir wieder hin.«
Das würde ihn bestimmt ärgern, dachte Lütte. Einfach so den Georg ins Lager mitzunehmen.
»Hm. Ich geh wieder mit Papa an den See.«
»Viel Spaß mit den Krokodilen.«
»In Seen gibt’s keine Krokodile. Nur in Flüssen.«
»Stimmt nicht.«
»Doch. Hat Papa gesagt.«
»Aber …«
Zwecklos. Papas lügen nicht. Das wusste Lütte.
»Lars?«
»Was?«
»Zeigst du mir, wie man schwimmt?«
Wenn Lars jetzt etwas Falsches sagte, musste Lütte ihm eine runterhauen. Cowboyregel Nummer Sieben.
»Ja oder nein?«
»Ja.«
»Echt?«
»Klar. Aber jetzt muss ich abendessen.«
»Lars?
»Hm?«
»Der Georg ist 'ne Petze.«
»Wie seine Mama.«
»Genau! Und im Lager war er auch nicht. Das hab ich nur erfunden, weil …«
»Lütte?«
»Was?«
»Bis morgen. Baby.«
Lars konnte wirklich froh sein, dass Lütte seine Pistole verloren hatte.
Und Lütte konnte froh sein, einen Freund wie Lars zu haben.
 
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24.01.2009
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Hey @Akka,

noch ein Lars und Lütte Text, wie schön! habe auch deinen ersten gelesen, mal schaune, was dieser uns nun bringt. Ich schreibe direkt beim Lesen mit, mach ich selten, aber si ein ganz frischer Leseeindruck, schadet ja auch nicht :).

»Heute bist du dran mit Lagerdienst.«
»Ich kann nicht. Ich geh mit Papa zum See.«
»Echt?«

Da ja jeder Serienteil für sich stehen soll, habe ich schon hier das erste Problem. Wer sagt was zu wem? Wer sind die? Die ersten Sätze einer Geschichte haben ja eine Funktion, außer in den Text zu ziehen und neugierig zu machen. Wer und wo? Mit wem habe ich es zu tun? Wo befinde ich mich? Und selbst, wenn ich weiß, das es sich bei den Dialogpartnern um Lütte und Lars handelt, wer spricht da zu wem? Lagerdienst ... was den für ein Lager frage ich mich auch.

»Spinnst du? Da gibt’s Krokodile.«
:D

Lütte hatte jedenfalls besseres zu tun, als sich mit Tinte vollspritzen zu lassen und den ganzen Tag Stachel aus seinen Füßen zu ziehen.
Auch nice.

Die Straßen waren wie ausgestorben. Die meisten Kinder waren schwimmen, und viele waren mit ihren Eltern in den Urlaub gefahren.
Kreativer Sprachgebrauch sieht anders aus ;).

Jetzt fühlte er sich wie ein Schwerverbrecher. Er stellte sich vor, dass er aus dem Gefängnis ausgebrochen war, und überall in der Stadt hingen Fahndungsplakte mit seinem Gesicht drauf: Gesucht! Lütte, der verrückte Jojomörder – tot oder lebendig!
Er musste dringend untertauchen, so viel stand fest.
Sweet!

Das Lager hatten er und Lars erst vor ein paar Tagen entdeckt. Es lag gut getarnt hinter einer dichten Hecke, und für die Leute, die vorbeigingen, waren sie hier drinnen unsichtbar. Um hineinzugelangen, musste man über den Boden kriechen. Falls sie doch jemand finden sollte, hatten Lütte und Lars überall Stachelstöcke ausgelegt, damit ihre Feinde verbluteten, bevor sie eindringen konnten.
Jetzt kommt die Antwort auf die Lagerfrage. Das mit den Stachelstöcken ist allerliebst. Aber die hast ja die Szene mit dem Georg dazwischen, mal schauen, wofür die noch gebraucht wird. Ich bin gespannt.
Das durchgestrichene ist Erklärbär und darauf kann man gut verzichten. Gut getarnt meint ja - unsichtbar. Das wissen auch die Kids schon.

Jetzt überlegte Lütte, ob er die Bande einfach auflösen sollte. Mit Lars wollte er jedenfalls nicht mehr befreundet sein.
Sehr schöner Konfliktpunkt! Nur, warum? Weil der zum doofen See fuhr, anstatt mit ihm zu spielen? Vielleicht verrätst Du es mir später ja noch.

Weil es im Lager alleine langweilig war, wagte Lütte sich wieder nach draußen. Die Luft schien rein zu sein.
wagte- schein mir hier nicht das richtige Verb. Wartet ja keine Gefahr da draußen auf ihn?

Lütte kraulte ihr den Rücken und die Katze genoß es sichtlich, sie schnurrte und rieb sich an der Innenseite seiner Knöchel.
genoss

Eigentlich waren Katzen cooler als Menschen, fand Lütte. Die konnten wenigstens nicht petzen. Und Wasser mochten sie auch nicht. Schwimmen war nämlich was für Babies. Ja, Lütte hatte sich entschieden: Ab jetzt war die Katze vom Doktor sein neuer bester Freund.
Tatsächlich wegen der Absage. Okay. Kauf ich an dieser Stelle.

Aber die Katze blieb stehen. Kurz schaute sie Lütte an, als ob sie ihn verstanden hätte, dann lief sie in die andere Richtung davon, schlüpfte durch einen Gartenzaun hindurch und war verschwunden.
Das sind Füllsel. Und ohne die ist der Sound einfach so viel besser.

Ein Cowboy wäre er auch gerne. Dann könnte er den ganzen Tag in Saloons sitzen und Limo trinken und Mau-Mau spielen.
Hehe. Cool!

Okay. In dieser Szene erklärt sich, wozu es den Georg braucht. Hatte schon ein wenig Angst, der steht da am Anfang als Füllmaterial rum. Gut, dass er es nicht tut.

Sein Pferd brauchte dringend Wasser. Die Frau, die er vor den Bösewichten gerettet hatte, hatte ihm verraten, dass es in der Nähe eine Tränke gab. Danke, Lady Susi, hatte er gesagt und warKOMMA ohne sich noch mal umzusehenKOMMA weitergeritten.
Ich mag diese Kinderspielfantasien!

Und da, wie eine Fata Morgana, stand er plötzlich vor ihm: Der Petzengeorg. Die größte Petze im ganzen wilden Westen.
LOL

Aber das glaubte er sich ja selber nicht. Wenn er nur wüsste, wie er dem Lars sagen sollte, dass er nicht schwimmen konnte! Doch wahrscheinlich würde der ihn auslachen, und dann müsste er ihm eine runterhauen, und das wollte er eigentlich nicht, weil der Lars ja sein Freund war. Sein bester Freund. Und eigentlich haben Cowboys ja keine Angst. Und eigentlich kann man besten Freunden ja alles erzählen, dachte Lütte.
Ganz feiner Zug! Ich mein, dem Lütte hier eine Schwäche zuzuschieben und Scham. Und irgendwo noch reinbringen, dass er ja beschlossen hatte, dass der Lars jetzt nicht mehr sein Freund ist. Das hatte er doch so beschlossen. Und wie er den Beschluss wieder zurücknimmt.

Wenn Lars jetzt etwas Falsches sagte, musste Lütte ihm eine runterhauen. Cowboyregel Nummer Sieben.
Super!

»Was?«
»Ja oder nein?«
»Ja.«
...
Ist für mich schon anstrengend am Ball zu bleiben, wer da jetzt spricht, obwohl es ja völlig klar ist. Für Kids kaum machbar, behaupte ich jetzt einfach mal so.

Ja, zauberhaft! Eine sehr schöne, runde Geschichte. Hat mir sehr gut gefallen.

Wünsche Dir noch einen schönen Tag und Willkommen bei den Wortkriegern! Schön, dass Du hergefunden hast.

Beste Grüße, Fliege
 
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Beitritt
03.03.2020
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35
Hallo @Fliege,

noch ein Lars und Lütte Text, wie schön! habe auch deinen ersten gelesen, mal schaune, was dieser uns nun bringt. Ich schreibe direkt beim Lesen mit, mach ich selten, aber si ein ganz frischer Leseeindruck, schadet ja auch nicht

Wie schön, dass du das schön findest, und auch, dass du den ersten Teil gelesen hast.

Da ja jeder Serienteil für sich stehen soll, habe ich schon hier das erste Problem. Wer sagt was zu wem? Wer sind die? Die ersten Sätze einer Geschichte haben ja eine Funktion, außer in den Text zu ziehen und neugierig zu machen. Wer und wo? Mit wem habe ich es zu tun? Wo befinde ich mich? Und selbst, wenn ich weiß, das es sich bei den Dialogpartnern um Lütte und Lars handelt, wer spricht da zu wem? Lagerdienst ... was den für ein Lager frage ich mich auch.

Ja, das macht Sinn, und wenn du noch mal drüberschaust, wirst du sehen, dass ich dem Anfang einen … Voranfang vorangestellt habe, der die Ausgangssituation deutlich macht.

Kreativer Sprachgebrauch sieht anders aus

Erwischt … Auch das habe ich überarbeitet.

Jetzt kommt die Antwort auf die Lagerfrage. Das mit den Stachelstöcken ist allerliebst. Aber die hast ja die Szene mit dem Georg dazwischen, mal schauen, wofür die noch gebraucht wird. Ich bin gespannt.
Das durchgestrichene ist Erklärbär und darauf kann man gut verzichten. Gut getarnt meint ja - unsichtbar. Das wissen auch die Kids schon.

Ich hoffe, dass die Antwort nicht zu spät kommt. Die Lagerfrage habe ich ja bewusst heraufbeschworen, um neugierig zu machen. Blöd wäre es aber, wenn jemand sich da denkt, hä, wat fürn Lagerdienst, ich kapier das nicht, ich bin raus.

wagte- schein mir hier nicht das richtige Verb. Wartet ja keine Gefahr da draußen auf ihn?

Könnte aber – also zumindest habe ich mir das so vorgestellt, Lütte ist ja »auf der Flucht«. Aber mal schauen, möglicherweise fällt mir eine Alternative ein.

genoss

Klar.

Ganz feiner Zug! Ich mein, dem Lütte hier eine Schwäche zuzuschieben und Scham. Und irgendwo noch reinbringen, dass er ja beschlossen hatte, dass der Lars jetzt nicht mehr sein Freund ist. Das hatte er doch so beschlossen. Und wie er den Beschluss wieder zurücknimmt.

Ah, ja, guter Hinweis, auch da schaue ich noch mal drüber. Und schön, dass du hier Lüttes Schwäche und Scham rauslesen kannst, ich hatte noch überlegt, das … psychologisch deutlicher zu machen, also dass er es nur sehr schwer ertragen könnte, ausgelacht zu werden. Lütte ist sehr darauf bedacht, der "Starke", der "Große" zu sein.

Ist für mich schon anstrengend am Ball zu bleiben, wer da jetzt spricht, obwohl es ja völlig klar ist. Für Kids kaum machbar, behaupte ich jetzt einfach mal so.

Auch das ist ein guter Hinweis, und auch hier habe ich die Sache schon geradegebogen.

Ja, zauberhaft! Eine sehr schöne, runde Geschichte. Hat mir sehr gut gefallen.

Ich habe ziemlich gehadert mit dem Einstellen der Geschichte, obwohl ich echt Spaß mit den Jungs habe und am liebsten noch hundert weitere Geschichten über sie schreiben würde. Aber ich hatte auch Sorge, dass der zweite Teil nicht an den ersten anknüpfen kann, dass er so wirken könnte, als wollte da noch mal jemand eine Kuh melken, die eigentlich schon leergemolken war. Und deshalb hat mich dein Kommentar auch riesig gefreut! Auch oder ganz besonders, dass du kleine Stellen rausgezogen hast, die dir offenbar besonders gefallen haben. Vielen, vielen Dank dafür, das motiviert mich ungemein!

Liebe Grüße,
Akka
 
Wortkrieger-Team
Senior
Monster-WG
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03.07.2017
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Hallo @Akka,

in die erste Lütte und Lars Geschichte hatte ich nur kurz reingeschaut, so richtig gepackt hat es mich nicht. Jetzt beim zweiten Teil will ich aber doch wissen, was es damit auf sich hat.
Ich finde, du hast sehr viele süße Ideen dadrin. Das lässt sich gut lesen. Es macht Spaß den kindlichen Gedanken und Fantastereien zu folgen.

Was mir ein bisschen fehlt, ist so ein Ziel/ Konflikt-Aufbau und ich glaube, das ist auch das Problem, das ich mit dem ersten Teil habe (ich habe da gerade nochmal genauerer reingeschaut). Das plätschert alles so vor sich her, aber was ist das Thema, das mich bei der Stange hält, das die Spannung ausmacht?

In diesem Teil könnte es der Streit mit Lars sein, der die Spannung ausmacht. Allerdings tut Lütte ja erstmal nichts dafür, dass sie sich wieder vertragen. Er spielt und streunert durch die Gegend, zwischendurch vermisst er Lars. Aber um was geht es? Ich glaube, die Geschichte könnte einen anderen Drive entwickeln, wenn du den vielen schönen Ideen einen Rahmen verpasst.

Was hast du eigentlich gegen Inquitformeln? Klar, sie sind nicht sonderlich hübsch, aber sinnvoll sind sie schon. Machen dem Leser das Leben leichter. Und stören tun sie auch nicht, wenn man sie gezielt einsetzt, da der Leser das einfach so mitnimmt. Fliege hatte ja auch schon darauf hingewiesen, dass man bei den Dialogen schon mal durcheinander kommen kann.

Liebe Grüße und viel Spaß noch bei uns,
Nichtgeburtstagskind
 
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Beitritt
10.09.2016
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511
Hey @Akka ,

wieder sehr süß. Hat mir auch diesmal gefallen. Am Anfang gab es für meinen Geschmack etwas viel "lazy"-Formulierungen, aber das hat sich dann gelegt oder ich habe es nicht mehr so sehr mitgeschnitten. Sehr spannend mal eine Episode aus Lüttes Perspektive zu verfolgen. Etwas komisch fand ich, dass du dann auch in Georgs Perspektive gestiegen bist und der Erzähler damit irgendwie allwissend war, aber auch nicht so ganz. Ich denke, das mit Georgs Perspektive (zitiere dir gleich entsprechende Stellen) würde ich sein lassen. Ich finde, du könntest hier ruhig bei Lütte bleiben. Da machst du dir die Perspektive unnötig unklar. Sonst finde ich wieder die Details wunderbar gewählt. Ich habe mich wieder an so viele Kindheitsschnipsel erinnert, danke dafür! Einfühlsam fand ich es auch erzählt. Und einfach fantasievoll. Lütte hat witzige Ideen, aus denen sich für mich als Leser spannende Bilder und treffende Details ergeben. Die Idee mit Georg dem Lehrerinnensohn hat mir auch gut gefallen. Der war wunderbar als Gegenspieler aufgebaut. Und Lütte ist echt ein toller Kerl. Der hat Haltung und von dem will man mehr lesen. Trotzdem auch gut, wie du Georg auch nochmal im Jojo-Spielen vorgestellt hast, als er ein bisschen angeben will mit "Alienmaster" etc. 😂 Es gibt auch so etwas wie eine Spannungskurve und ein Problem, eben das Lars nicht da ist und Lütte die Zeit irgendwie allein totschlagen muss. Da konnte ich mich gut in ihn hineinversetzen.
Mal zwei drei Anregungen, was man, finde ich, anders lösen könnte. Da wäre erstmal der Anfang. Der ist einfach etwas lasch. Gut, "Lütte konnte es kaum erwarten" – da mit der Spannung loszulegen, ist wirklich nicht verkehrt. Aber dann so dieses "Die Sonne ist gerade aufgegangen ... gefühlte Ewigkeit ...
Den Stock am Gartenzaun wiederum finde ich gut. Ich denke, du könntest da gerade am Anfang einfach nochmal mit etwas Power rübergehen. In einem ausgeruhten Moment da mal eine knackige Einleitung finden. Vielleicht auch etwas breiter. An den genannten Sätzen habe ich wie gesagt nichts auszusetzen. So richtige Überraschungsmomente habe ich hier auch etwas vermisst. Das gabs in der letzten Version. Hier ist auch das mit den Krokodilen und Tintenfischen eigentlich klar, wenn auch wirklich kreativ und schön. Im Nachhinein ist das vielleicht etwas schwierig, aber die ein oder andere Stelle, in der etwas ganz Unerwartetes eintritt, das auch mal etwas aufweckt beim Lesen, ist nie verkehrt. Zu der Perspektive hatte ich ja schon was geschrieben.
Ansonsten: Gern gelesen.

Mit verschlafenem Blick und struppigen Haaren blinzelte er seinem Freund entgegen.

diese Formulierung finde ich irgendwie zu müde. Damit meine ich nicht den Inhalt, sondern die Wahl der Formulierungen, die schon so oft gehört sind, wo du, finde ich, an anderen Stellen viel origineller bist.

Lars war doof. Natürlich gab es Krokodile im See. Und nicht nur Krokodile. Es gab auch Tintenfische. Und Seeigel. Lütte hatte jedenfalls besseres zu tun, als sich mit Tinte vollspritzen zu lassen und den ganzen Tag Stachel aus seinen Füßen zu ziehen.

In gewisser Weise ist das für mich dann doch auch überraschend ... Ich hätte einfach nicht gedacht, dass Lütte an seine eigenen Märchen wirklich auch glaubt.

Die Straßen fühlten sich an wie ausgestorben.

auch so ein bisschen müde, finde ich.

owerbomber. Den Supersurfer. Und sogar den Alienmaster

haha. Das ist klasse!!

Trotzdem wollte er ihm zeigen, dass er unrecht hatte.
dachte sich Georg.

das sind mal so zwei Stellen, wo du Georgs Perspektive einnimmst. Das würde ich erstmal in Zweifel ziehen, weil es sich fast auch wie ein Perspektivfehler anfühlt.

Er schlug mit seinem Stock gegen die Schnur, der Jojo tanzte wie wildgeworden im Kreis, schlug aus und wickelte sich um den Stock wie eine Riesenspinne, bevor sie ihr wehrloses Opfer verspeiste.

heheh, die Stelle hat mir auch gut gefallen.

»Halt die Klappe! Petze!«

vielleicht eher sowas wie: »Sei still, Petze!"
?

Er stellte sich vor, dass er aus dem Gefängnis ausgebrochen war
überall Stachelstöcke ausgelegt. Damit ihre Feinde verbluteten, bevor sie eindringen konnten.
Sein Pferd brauchte dringend Wasser.

Das sind so Details, die mich wirklich in meine Kindheit zurückkatapultieren. Wunderbare Details.

Lars wurde erst einen Monat nach allen anderen eingeschult, er hatte eine Hirnhautzündung gehabt, erklärte die Frau Siebsand. Das klang cool, fand Lütte. Weil ihn eine Zecke gebissen hatte. Das klang noch cooler, fand er, und so wurden sie zuerst Sitznachbarn und dann Freunde.

schön, dass du da nochmal so ein bisschen Backstory einflechtest. Gerade genug. Es ist ja eine Serie und da kann ja peu à peu mehr kommen.

Sechs Schuss. Das ganze Magazin.

Bei Revolvern nennt man das Trommel.

Doofer Lars! Warum musste er auch unbedingt an den See gehen?

Diesen Satz finde ich ernorm wichtig. Personaler Erzähler. Bringt Lüttes Frage, Befinden, Problem, Konflikt auf den Punkt. Da wird die Abwesenheit Lars wirklich fühlbar und ich als Leser wünsche mir irgendwie, dass die beiden wieder zusammen sind und gemeinsam eine Episode erleben.

sah er aus wie eine Tomate.

hehe, schön.

»Aber …«
Zwecklos. Papas lügen nicht. Das wusste Lütte.

Das war mir irgendwie zu glatt. Das klingt so nach gutem Benehmen und auch so nach nettem Elternsprech. Passt für mich nicht so rein. Würde es ihn anders erkennen lassen, dass es zwecklos ist. Vielleicht wirkt Lars in diesem Moment besonders entschlossen und Lütte hat keinen Bock, sich mit ihm anzulegen, weil er auch einfach gerade heimlich so froh ist, ihn wiederzuhaben.

Das wärs erstmal.
Lieben Gruß
Carlo
 
Mitglied
Beitritt
03.03.2020
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35
Hallo @Nichtgeburtstagskind,

freut mich, dass du den beiden Geschichten zumindest ein bisschen etwas abgewinnen konntest. Deine Kritik kann ich gut nachvollziehen, besonders bei dieser Geschichte hier habe ich mich nämlich auch gefragt, ob das irgendwie lesenswert ist.
Ursprünglich sollte die Geschichte "Lüttes langweiliger Tag" heißen und das hab ich mir auch zur Herausforderung gesetzt: Einen langweiligen Tag, an dem nichts passiert, interessant gestalten. Der Tag durfte ja nicht spannend sein, damit Lütte merkt, dass es ziemlich toll ist, einen Freund zu haben. Offenbar habe ich es mir dadurch aber unnötig schwer gemacht, denn ja, was bleibt dann für den Leser?
Mein Bestreben war es, mich von einer netten, "süßen" Kleinigkeit zur nächsten zu hangeln, also das Dahinplätschern, wie du es nennst, als unumstößlich hinzunehmen und das beste daraus zu machen. Gut möglich, dass das nicht genug ist, das sehe ich ein. Mal schauen, ob ich das noch verdichtet bekomme, ob ich den Konflikt mehr in den Vordergrund rücken kann.

Was hast du eigentlich gegen Inquitformeln? Klar, sie sind nicht sonderlich hübsch, aber sinnvoll sind sie schon. Machen dem Leser das Leben leichter. Und stören tun sie auch nicht, wenn man sie gezielt einsetzt, da der Leser das einfach so mitnimmt. Fliege hatte ja auch schon darauf hingewiesen, dass man bei den Dialogen schon mal durcheinander kommen kann.

Im Grunde hab ich gar nichts dagegen. Nur ist die erste Geschichte quasi aus einem solchen Dialog entstanden, und ich mochte es total, wie das so Schlag auf Schlag ging, gar nicht groß zu überlegen, was der andere jetzt wohl antworten würde – sondern einfach zu antworten. Bevor man überhaupt zum Überlegen kommt. Das fühlte sich … harmonisch, authentisch an, und deshalb habe ich das dann beibehalten, weniger bewusst, sondern einfach, weil es Spaß gemacht und mir das Ergebnis gefallen hat. Aber ich sehe natürlich das Problem, dass das mit sich bringt.

Vielen Dank für deine Auseinandersetzung mit dem Text, obwohl er nicht dein Ding ist, das hilft mir sehr viel weiter!

Hallo @Carlo Zwei,

meine Fähigkeit, Wörter zu Sätzen zu formen, ist immer mal wieder großen Schwankungen ausgeliefert, deshalb schaffe ich es gerade leider nicht, auf deinen sehr wertvollen Kommentar zu antworten. Hole ich aber postwendend nach, sobald wieder Schreibflut herrscht!

Bis dahin frohe Ostern und liebe Grüße,
Akka
 

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