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La vie en rose: Meine Entdeckung von Bitterkeit und Masochismus

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10.12.2007
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La vie en rose: Meine Entdeckung von Bitterkeit und Masochismus

Dieser Sonntag ist ein Sonnentag wie man ihn sich schöner nicht ausmalen kann. Kein Wölkchen am Himmel, und dennoch sind die wärmende Strahlen nicht mehr stark genug, als dass man in den Schatten hätte flüchten müssen. Ein Septembertag der feinsten Sorte.

Am Abend treffe ich mich mit Tim, Phil und Martin zum Pokern im Taxisgarten. Ein kleiner lauschiger Biergarten in Neuhausen. Es läuft gut, ich gewinne 70 Cent und habe etwa anderthalb Maß Bier intus, als Sie schon wieder auftaucht. Schon wieder Johanna. Zwei Begegnungen an einem Tag, nach Wochen ohne jeglichen Kontakt. Gegen Mittag war ich ihr bereits am Eisbach begegnet. Sie ist immer noch in Begleitung ihrer Freundin.

„Dürfen wir uns zu euch setzen?“

Sie schaut mich fragend und etwas ängstlich an. Ich erinnere mich an meine gelungene Lässigkeit vom Nachmittag.

„Ja klar! Setzt euch halt. Haben doch genug Platz hier.“

Mein Gott bin ich lässig.
Ich kann ihr offenbar tatsächlich begegnen. Zwar spiele ich jetzt mit Konzentration null, mein Herz schlägt wesentlich schneller als normal und ich zittere etwas. Zustand labil, aber doch recht stabil. Und total lässig. Sie ist immer noch ziemlich hübsch. Etwas blass für die Jahreszeit. Sie setzt sich direkt neben mich und eröffnet das Gespräch.

„Wow Tim! Siehst du heute SEXY aus! SEEEEXXYYYY!!!“

Ich würde am liebsten meine Schneidezähne in die Tischplatte schlagen. Meine geliebte Johanna. Ich verspüre das innige Verlangen, ihr mit einem Fausthieb die Nase zu brechen.
Stattdessen beiße ich mir auf die Lippe, dass mir das Blut in den Mund läuft und spiele Poker. Ich spiele 3 und 8 off-suit und gehe den saftigen Raise vor dem Flop locker mit.
Sie fasst mir an den Arm.

„Also Simon, ich bin schon sauer auf dich!“

Geliebte Johanna. Ich verspüre jetzt dass Verlangen ihr die Arme zu brechen und den Hals umzudrehen.

„Warum würdest DU wohl sauer auf MICH sein?“, presse ich irgendwie hervor.

„Nicht hier, Ole!“

Sie tätschelt mich wie einen Hund. In einem von vornherein zum Scheitern verurteilten Versuch, meine Lässigkeit aufrecht zu erhalten, willige ich ein, mich irgendwo abseits mit ihr zu unterhalten. Auf dem Spielplatz zwischen Müttern und Kindern.

„Sooo, warum bist du denn wohl sauer auf mich, JOHANNA?“

Ich zittere am ganzen Körper und fühle bereits, dass ich mal wieder aus reinem Masochismus hier sitze, auf dem Holzbalken des Sandkastens. Sie legt los. Ich habe ihr doch diese gemeine SMS geschickt, dass ich ihr niemals hätte körperlich treu sein können, gerade so, wie sie niemals nur einem Manne im Herzen treu sein könne. Was mir wohl einfalle, so etwas zu schreiben!
Ich erinnere mich. Ich habe ihr tatsächlich so einiges geschrieben, was sicher nicht dazu gedacht war, ihr zu ihrem neuen Schwanz zu gratulieren.

„Wie kannst du nur so etwas Gemeines schreiben?“

Mir schwindelt. Sie sitzt tatsächlich da und erzählt mir, dass sie sauer auf mich ist. Weil ich ihr damals meine Wut und Enttäuschung nicht in Form von Rosenduft hatte zukommen lassen. Mein Atem geht schwer. Dann gehe ich in vollständigem Kontrollverlust und reiner Entmenschlichung in Flammen auf. Entsetzte Ausdrücke in den Gesichtern der Eltern und Kinder als ich ihr klar und deutlich – weil brüllend – zu verstehen gebe, was für eine erbärmliche Hure sie sei, dass sie im Bett eine Katastrophe ist, was wiederum erstaunt, in Anbetracht ihrer Dauergeilheit und Schwanzessucht, erkläre ihr im Detail wie oft ich sie betrogen habe, und dass sie im nackten Zustand die Form einer Bulette habe.
Sie gibt mir eine Ohrfeige. Ich antworte mit Beleidigungen, deren kreative Fießheit ich mir selbst niemals zugetraut hätte.

***

Zum ersten Mal außerhalb meines Gastrojobs traf ich Johanna vor der Staatsbibliothek. Sie ging besonders langsam, um dem Kerl, den sie drinnen mit ihrem typischen „Mit-uns-könnte-was-gehen-Blick“ irritiert hatte, die Gelegenheit zu geben, sie auf ein Date einzuladen. Ich war mit Markus auf dem Weg zum Eisbach-Surfen. Sie präsentierte uns ihre gerade erstandene Bettwäsche. Weiß mit einzelnen einfarbigen Blumen darauf.

„Und was hast jetzt damit vor? Soll da jetzt zu Hause dein Pony drauf weiden?“ sagte ich nicht. Ein erstes Indiz, dass ich mich wohl für sie zu interessieren schien.

Es lag etwas sonderbar Wundervolles in ihrer Art. Wenn man ihr in die Augen sah, so zeigte sie einem ihr reines und sanftes Wesen. Wenn sie von Liebe sprach, so hörte man den schönen Traum der glücklichen Ehe Kittys mit Lewin aus Anna Karenina. Ihre Liebe war absolut und rein. Ihr Singledasein wollte sie unbeirrt weiter führen, bis sie ihrer wahren Liebe begegnet sei.

***

Ich eroberte sie durch aufrichtiges Desinteresse. Sie war bereits seit zwei Wochen Single und nun hatte sie endlich ihre große Liebe gefunden. Also so hätte es nach dem von ihr fortgesetzt verkündeten Selbstverständnis wohl sein müssen. In der dritten Woche unserer zart erblühenden Romanze schlief sie allerdings mit ihrem Exfreund. Der hatte sich von ihr getrennt, da sie ihn über Monate hinweg betrogen hatte, und ihn, nachdem er ihr vergeben hatte, erneut über Monate hinweg betrog. Da Johanna aber ein reines Wesen im Geiste der wahren Liebe ist, betrog sie ihn nicht nur sexuell mit irgendeinem gut aussehenden Superhengst. Nein. Sie betrog ihn aus Liebe, respektive, sie betrog sein Herz. Im Namen der Liebe natürlich. Ihre streng katholische Mädchenschulenerziehung verhinderte auf diese abstruse Weise der Liebesinterpretation, dass man sie als ordinäre Schlampe hätte bezeichnen können.

Dieser Seitensprung jedenfalls, der nach ihrem Verständnis keiner war, da wir ja noch nicht richtig zusammen und die beiden ja erst so kurz getrennt waren, verstörte mein Bild von ihr ein erstes Mal. Ich war ohnehin schon von mir selbst verstört. Warum war ich eigentlich auf ihr komisches Spiel eingestiegen? Wollte ich einer in ihrer Sammlung der ihr nachweinenden Spackos sein? Eigentlich nicht unbedingt. Elegant sah sie aus, im Hosenanzug. Exaktes Äquivalent zum eleganten Herrn im Anzug, der ohne den weltbekannten Schneider für Business-Uniformen kein stilvolles Äußeres auf die Wege bringt.

Wir arbeiteten mittwochs zusammen. Als Kontrast zur Verehrung, die ihr von meinem über beide Ohren in sie verknallten Barkollegen Tim entgegengebracht wurde, beachtete ich sie nicht über das geschäftlich notwendige Maß hinaus. Ihr Spiel mit dem männlichen Geschlecht beobachtete ich allerdings genau. „Liebe mich!“ wirft sie einem jeden mit Kusshand zu, verliebte Äuglein blinzeln.
Meine anfängliche Resistenz gegen ihr Geblinzel forderte sie heraus. Sie gab sich zunehmend mehr Mühe. Tänzelte um mich herum, wie versehentlich streifte sie im Vorbeigehen meinen Po und wenn ich sie zusammenschiss, weil ihre Tische aussahen wie ein von den Amerikanern befreites irakisches Bergdorf, schaute sie mir so innig in die Augen, dass ich mich fragte ob sie eigentlich gerade noch etwas hörte oder vielleicht im Stehen eingeschlafen war und von leidenschaftlichen romantischen Küssen auf irgendeiner Blumenwiese auf der Hochalm träumte.

Das Mannsein als solches impliziert unglücklicher Weise einige grundsätzliche Intelligenzbarrieren. Sieht man zum Beispiel ein Madel wie Johanna, die mit allem und jedem flirtet, ihre Opfer aber nur verlacht, so bewirkt das bei uns nicht etwa, dass der ursprüngliche Gedanke ‚Was n das für ne kaputte Alte?’ irgendeine handlungsleitende Relevanz bekommt. Vielmehr denkt man sich ‚Na das sind halt alles Spacken, is ja logo, dass sie die nicht will, wenn da so einer wie ICH im Raume ist.’ Ihre Flirtereien mit den anderen sind nämlich eigentlich Versuche, MIR zu zeigen, wie begehrenswert sie ist, und dass ich mich mal endlich bissal mehr um sie kümmern sollte. Diesen schlüssigen Gedanken gilt es dann in guter naturwissenschaftlicher Manier mit empirischen Belegen zu bestätigen.
Mitten drin. Eingefädelt, auf dem besten Wege ins Verderben zu stolpern.

Nach einigen durchflirteten Abenden beschloss ich zur Tat zu schreiten. Ich rief sie an, fragte ob sie daheim sei, ich hätte da etwas Schönes für sie. War sie. Ich ging zu ihr. Also zunächst nur die Treppen hinauf, bis vor ihre Tür und überdachte noch etliche Male meine Strategie, bis endlich der 'Ach was soll's' Gedanke gesiegt hatte. Klingeln, Klopfen, sich öffnende Tür. Ich ging direkt auf sie zu, nahm ihren Kopf in beide Hände und küsste sie auf den Mund.

„Nein Simon, nein, ich mag doch gar niemanden haben!“

Ihre Lippen waren sehr weich und sie küsste sehr leidenschaftlich. Ihre Hände zerwühlten meine Frisur, für die ich bestimmt 2 Stunden vor dem Spiegel gestanden hatte.

„Ich kann nicht, Simon… Ich will nicht, lass mich!“

Ihre Finger gruben sich in meinen Rücken, sie zog mich fest an sich. Ich drückte sie gegen die Zimmerwand, sie legte ihr Bein um mich. Ich spürte ihren Busen beben und wir küssten uns, als stehe eine gewaltige sexuelle Explosion bevor. Sie stieß mich von sich.

„Du musst jetzt gehen!“

Ist ok, ich ging, taumelnd vor Glücksgefühlen. Durch die Tür, die Treppe hinunter.

„Simon, du hast etwas vergessen…“

Sie stand in der Tür. Ich ging wieder hoch, sie fasste fest in mein Haar und drückte mir einen sinnlichen Kuss auf die Lippen. Dann schloss sie die Tür. Ich schaute durch den Türspion und sah, dass sie durch den Spion schaute.

Am nächsten Tag hatte sie keine Zeit. Dann trafen wir uns auf einen Spaziergang. Bussal auf die Wange. Sie erzählte mir von dem südländischen Typ, der sie am Tag zuvor ausgeführt hatte, wie romantisch es gewesen sei, und dass er ihr diese tolle CD mit Arabischem Pop geschenkt habe. Ich versuchte das Gespräch auf uns zu lenken. Sie erzählte mir von diesem charmanten Kerl, der sie morgen ins Konzert ausführen würde, und wie sehr sie es genieße, wie galant er sie umwirbt.
Meine Laune wurde zunehmend schlechter.

„Du Hanna, ich dachte eigentlich da wär was zwischen uns… Jetzt komm ich mir gerade vor wie irgendein x-beliebiger Typ.“

„Ja so ist das ja auch. Simon, ich mag mich da gar nicht entscheiden.“

Ein Moment erstaunlicher, aber gänzlich überflüssiger Ehrlichkeit. Der Spaziergang war für mich beendet, ich bog ab. Sie schlenderte mir langsam hinterher. Ich rief meine Schwester an, so was ist doch echt schwer zu fassen. Sie holte mich ein.

„Jetzt hab dich doch nicht so. Komm, wir gehen auf den Spielplatz.“

Es war der Spielplatz ihrer Kinderjahre, und sie wollte spielen, wie sie mir eine Szene macht, weil ich sie betrüge.

„Du Schwein! Simon! Und ich hab dir vertraut!“

Sie warf sich ins Gras. Ich hatte keine Lust mich neben sie zu legen.
Bei unserem nächsten gemeinsamen Arbeitsabend war die Stimmung beschissen. Trotzdem begleitete ich sie am Ende nach Hause und wir knutschten leidenschaftlich vor ihrer Haustür. Die Stimmung wurde wieder besser. Ich begleitete sie öfters nach Hause und fühlte mich immer jünger. Petting ohne Sex und ein bisschen aneinander reiben, genau wie damals zwischen Clerasil, den Ärzten und dem Doktor Sommer Team.

„Siomn, ich glaub wir müssen schon mal miteinander schlafen.“

Fand ich auch. Von da an waren wir dann waren wir dann auch zusammen. Nicht offiziell allerdings. Sie wollte es lieber geheim halten. Denn da sie keinerlei andere Interessen oder Fähigkeiten besaß, die ihr Bestätigung hätten verschaffen können, blieb die Anerkennung der Männer ihr größter Quell der Freude. Dieser war ihre Obsession und Leidenschaft, ihre Seelennahrung. Die Männer, die vor ihr auf die Knie fallen und ihr unter Tränen ihre Liebe gestehen. Diese Liebe nahm sie entgegen, wohlig warm lässt sie das Herzchen werden. Balsam für die Seele. Sie könne ja nichts dafür, dass diese Typen sich in sie verlieben, nur weil sie mal eine Weile mit ihnen flirtet.

Ich gewöhnte mich daran. Ich gewöhnte mich sogar daran, dass selbst meine Gegenwart an diesen Umständen nichts änderte. Lud ich sie in die Sauna ein, so verbrachte sie die Zeit damit, mit dem Bademeister zu flirten. Nahm ich sie zum Eisbach-Surfen mit, so lud sie ihre heimliche neue Eroberung eines ihr nachheulenden Kollegen dahin ein und flirtet mit ihm auf der Brücke, während ich mich mit dem Transport ihrer neuen C&A-Surfkollektion beschäftigen darf. Ich dachte, sie kann halt nicht anders, aber ihr Herz wird schon bei mir sein und vergab ihr diese Charakterschwäche. Treue sei das Wichtigste, bläute sie mir ein. Emotionale Leichenteile säumten ihren Weg.

***

Sie war gerade unter der Dusche und ich nutzte die Zeit mich bei ihr umzusehen. Eigenartig zusammen gewürfelte Möbel in ihrer an und für sich mit Wohlfühlpotential ausgestatteten Wohnung. Ein antiker Schrank und ein Plastikmännerbüste ohne Kopf, dafür aber mit Penis und Innenbeleuchtung. Stilistisch etwas unglücklich: die Gartenmöbel im Essbereich. An ihrer Fotowand diverse männlichen Eroberungen und ein verstörendes Bild, auf welchem sie von zwei Typen gehalten wird, die ihre Beine weit spreizen und sie somit ihre Muschi direkt in die Kamera richtet. Weit aufgerissen, dem Betrachter nur durch weißen Hosenstoff vorenthalten. Ihr Bett ist eingerahmt von einem überdimensionalen James Dean Poster auf der einen Seite und einem Fotokalender antiker Puppen auf der andern Seite. Die Puppen waren in gespenstiger Weise dunkel in Szene gesetzt. Wann immer ich bei ihr übernachtete, konnte ich sie im Halbdunkeln nicht ansehen ohne zu befürchten, sie würden dem Kalender entsteigen, mit ihren riesigen toten Augen ihr Opfer fixierend, dieses hypnotisieren, um ihm die Seele auszusaugen.
Eigentlich ein bisschen so wie Johanna selbst. Der schöne Traum der großen Liebe auf der einen Seite, das kalte, Herzen stehlende Vampirwesen auf der anderen. Ich war fasziniert von ihr.

***

Sie verschwand immer wieder spurlos. Nach 6 Wochen Beziehung war sie das erste Mal weg. Es war Wies’n Zeit in München und eigentlich hatten wir viel vorgehabt. Sie ging nicht ans Telefon, rief nicht mehr zurück, antwortete auf keine Sms. Ich war damit noch nicht vertraut. Nach fünf Tagen ohne jeglichen Kontakt ging ich davon aus, sie habe wohl eine andere wahre Liebe getroffen. Ich war stocksauer, weil sie das offenbar nicht einmal kommuniziert bekam. Meine romantischen Verliebtheitsgefühle zerbarsten in kleine, irreparable Stücke. Ich erkannte, dass ich selbst, auch wenn ich es bis in eine Art Kurzbeziehung mit ihr geschafft hatte, nur einer von all diesen Typen war, deren Zuneigung ihre Seelennahrung war. Ich betrank mich im Ysenegger und flüchtete in die Arme einer meiner verflossenen Bettgespielinnen.

Als Johanna schließlich wieder auftauchte, war sie fürchterlich beleidigt. Dass ich meine Zeit nicht damit verbracht hatte, ihr nachzutrauern! Wenn ich sie wirklich lieben würde, würd ich mich von so etwas nicht so leicht aus der Bahn werfen lassen.

Ich war noch verstörter. Ihrer Meinung hätte ich Verständnis für ihr Verhalten haben müssen. Sie habe halt auf der Wies’n wieder mal ihren Ex-Freund getroffen. Rein zufällig natürlich. Und nun musste sie halt ein paar Tage mit ihm verbringen, weil die Sache mit ihm in ihrem Herzen halt noch nicht abgeschlossen war. Deshalb konnte sie sich nicht bei mir melden.

Ich dachte darüber nach, wie ich eigenständig auf diesen Zusammenhang hätte kommen können. Und inwiefern das angemessene Verhalten nun gewesen wäre, sie mit Liebenswürdigkeiten zu überhäufen, so wie sie sich das vorstellte. Ich kam zu keinem schlüssigen Ergebnis. Trotzdem waren wir ab nun wieder zusammen, allerdings auf einem beiderseits erschütterten Fundament. Ich wusste nun, dass sie im Herzen nicht bei mir war, sie hielt mir von nun an vor, ich hätte sie betrogen. Das tat ich von nun an auch tatsächlich in regelmäßigen Abständen, jedes Mal wenn ihre Tiefschläge zu hart wurden, oder sie sich mal wieder aus unerklärlichen Gründen in Luft aufgelöst hatte.

Monate vergingen. Ich gewöhnte mich an den Gedanken, in einer Beziehung zu sein. Langsam gewöhnte ich mich sogar an den Gedanken, in einer Beziehung mit ihr zu sein. Obgleich sie immer wieder verschwand oder schon auch mal meine Mutter als Schlampe bezeichnete.

***

Die Abendsonne fiel durch das Dachfenster auf ihr langes dunkles Haar, das ihr über die Schultern und den Rücken fiel. Ihre Silluette zeichnete sich deutlich gegen das Sonnenuntergangsposterlicht ab. Während sie mit einem Holzlöffel die - wie immer - verbrannte Soße vom Boden des Topfes abzukratzen suchte, erwachte in mir Begierde und Leidenschaft. Mein Puls begann schneller zu schlagen und ich näherte mich ihr langsam. Meine Hände wanderten über ihren Hals, und ich küsste diesen zärtlich, zeichnete sanft ihre Konturen nach und drückte sie an mich. Während ich ihre Brust ertastete, fuhr ich mit der anderen Hand über ihren Bauch hinunter zum Bund ihrer Wohlfühltrainingshose.

„Simon, behandele mich nicht als Sexobjekt!“

Trockenreis mit aufgetauten Erbsen ohne Soße.

***

Johanna musste um 8 Uhr aufstehen. Ich war todmüde und drehte mich wieder auf die Seite. Sie riss die Musik so laut auf wie es nur ging und als sie schließlich gehen musste, wurde sie sehr ungeduldig und gab mir fünf Minuten fertig zu werden und zu verschwinden.

„Wieso? Ich bin total müde. Lass mich doch einfach weiterschlafen.“

„Ich will nicht dass du alleine hier bist.“

„Warum das denn jetzt?“

„Na mein Exfreund hat auch in meinen Tagebüchern rumgeschnüffelt als ich nicht da war.“

Ich erinnerte mich. Auf diesem Wege hatte er ja herausgefunden, dass er nicht ihr einziger dauerhafter Sexualpartner war. Aber warum darf ich jetzt nicht hier bleiben? Warum glaubt sie ich würde hier herumschnüffeln? Gäbe es Anlass? Bin ich vielleicht auch nicht der einzige? Was gibt es denn hier zu entdecken in dieser Wohnung? Und was zum Teufel hat sie eigentlich immer bei mir gemacht, wenn ich besonders leise gegangen bin um sie ausschlafen zu lassen?

Ich hätte den ganzen Tag nur kotzen können und war total fertig. Die Selbstkasteiung war indes offenbar noch immer nicht beschämend genug. Wie immer versuchte ich ihr zu erklären, was ihre Handlungen bei mir bewirkten. Überraschender Weise war sie in diesem Falle einsichtig. Ihr Vater hatte ihr erklärt, dass ein solch offenkundiger Fall von Misstrauen die Grundlagen einer Beziehung untergräbt. Einen schönen Dank an den Herrn Papa, ich hätte nun in Zukunft sogar in ihrer Abwesenheit bei ihr schlafen dürfen. Immerhin ließ es in diesem Fall mein Stolz nicht zu. Erstaunlich, dass es den überhaupt noch gab.

***

Ich wollte eine Beziehung. Aber wollte ich diese Beziehung? Na, sie ist doch wunderbar! Also zumindest wenn sie da ist. Dann war sie wieder weg. Ich wusste nicht wohin und wieso. Offiziell auf einem Lehrgang. So anstrengend, dass sie unter keinen Umständen eine kleine „Ich denk an Dich“ Sms hätte schreiben können. Sie erklärte es mir. Sie hatte keine Zeit an mich zu denken.
Nach sechs Tagen bekam ich die Kriese und fuhr nach Würzburg. Zu Anna, eine alte Bekannte, auf einige leidenschaftliche Nächte. Sehr zärtlich war sie, die Anna. Und einfühlsam. Mein Körper, wie meine Seele waren seit meinem Ausflug zu Claudia nicht mehr so gut behandelt worden. Ein Tropfen und Moment der schönen Liebe erinnerte mich daran, wie es sein kann.

Ich rief Johanna an und erklärte ihr, dass es so nicht weitergehen kann. Wie noch viele Male später setzte sie in diesem Moment, in dem sie spürte, dass es Ernst werden könnte, ihre säuselige ‚Ich bin doch nur ein kleines Mädchen, Simon hab mich doch einfach lieb’ Stimme ein. Es funktionierte, wie noch viele Male später, und ich ließ mich weiterhin schlecht behandeln. Wer hätte gedacht, dass vergeben, vergessen und verzeihen über Gewohnheit zu so etwas wie einer generellen Verhaltensdisposition werden kann. Ich redete mir immer offensiver ein, dass es da auf jeden Fall einen schönen Kern in dieser Johanna geben müsse. Der scheint nur sehr schüchtern tief verborgen zu sein. Eine Aufgabe ihn zum Vorschein zu bringen. Meine Aufgabe. Dafür muss man Opfer bringen.

Auf dem Heimweg von der Arbeit klaut sie des Nachts noch den Heimkindern das Gemüse aus ihrem Projektgarten.

***

Ich gehe zu ihr. Sie öffnet. Kein Kuss. Sie dreht sich um und setzt sich wieder an ihren Gartenmöbeltisch.

„Du Simon, ich habe gestern beim Arbeiten geflirtet. Sorry.“

„Ja… na das machst du doch immer. Was ist jetzt daran so besonders?“

„Na ich wollt nur nicht, dass es dir die anderen erzählen.“

„Was erzählen?“

„Na das ich geflirtet hab. Sonst nichts.“

Hmmm. Irgendwie seltsam.

„Du ich hab grad mit meinem Freund Tobi telefoniert. Du weißt schon, der mit dem Surfcamp in Frankreich. Er hat mir ein tolles Angebot gemacht. Wenn ich bei ihm im Zelt schlafe, kann ich umsonst dorthin. Und einen Surfkurs bekomme ich auch!“

„Ja… und wo schlafe ich dann? Auch bei Tobi im Zelt?“

In diesem Augenblick hätte ich es eigentlich schon wissen können. Sie plante gerade statt mit mir, mit Tobi Urlaub zu machen.

„Ach Simon, ich hab dir doch erzählt, dass der Tobi schon so lange auf mich steht. Ich glaub nicht, dass das gut wäre, wenn du auch da bist. Außerdem glaub ich nicht, dass es gut für dich wäre. Du weißt ja nicht wie der Tobi ist! Der packt mich und wirft mich in den Sand und so.“

„Sag mal, erklärst du mir gerade, du möchtest unseren Urlaub canceln und dich lieber mit Tobi im Sand wälzen?“

„Na das ist doch viel billiger! Ich muss nur den Flug zahlen! Und außerdem ist das mit dir ja auch überhaupt noch nicht fest geplant gewesen.“

Da hatte sie Recht. Es war alles noch offen, da sie ja noch nicht wusste, wann sie Urlaub haben würde.

„Vielleicht denkst du mal an was anderes als immer nur an deine scheiss Euros.“

„Oh man, ich hab ja noch nicht fest zugesagt. Komm jetzt, wir müssen lernen. Das besprechen wir später.“

Resignierend setze ich mich an den Tisch und schlage mein Buch auf.

„OOaaahhhh… kannst du bitte auf’s Bett gehen?“

„Was? Warum das denn?“

„Ich mag das nicht, wenn du mir gegenüber sitzt.“

Wir sitzen uns immer gegenüber.

„Was … ist … los?“

„NICHTS ist los. Und jetzt lass uns endlich lernen!“

„Was ist los Hannah? Hier stimmt doch irgendwas überhaupt nicht.“

„NIIHHIIICHTS ist los, man! Sei doch nicht so misstrauisch.“

Misstrauisch? ‚Ich habe gestern geflirtet’ echot es in meinem Kopf.

„Sag mal Johanna, hast du jemand anderen kennen gelernt?“

„Oh man, NEIN. Verstehst du? NEIN.“

Ich stehe auf, stelle mich hinter sie und lege ihr die Hände auf die Schultern. Sie schiebt sie sofort weg. Ok. Kein Kuss. Kein Urlaub. Ich darf ihr nicht gegenüber sitzen. Ich darf sie nicht berühren. Bisschen viel für einen bloßen „Sie hat ihre Tage“ Verdacht.
Ich nehme meine Bücher und gehe.
Daheim.
Ich kann nicht lernen.
Am Abend rufe ich sie an.

„Johanna, du musst mir sagen, was los ist. Ich versteh überhaupt nicht was hier läuft.“

Endlich redet sie. Sie kann es nicht ertragen, dass ich den Klodeckel immer so fallen lasse.

In zwei Wochen sind meine Abschlussprüfungen. Ich habe keine Lust mich über solche Sachen zu streiten.

„Warum machst du jetzt so einen Stress? Es ist doch grad voll schön mit uns. Genieß es doch einfach.“

Ein Moment Pause.

„Ich kann das schon genießen. Es ist so schön mit dir. Aber ich glaube nicht, dass du jemals genug Geld verdienen wirst.“

„Was? Genug Geld für was?“

„Na ich möchte schon jemanden, der viel Geld verdient. Das erfolgreiche Pärchen.“

Ein weiterer Moment Pause. Ich muss nachdenken. War das jetzt wieder nur ein Versuch unsere Nähe nicht zu innig werden zu lassen, ein sadistischer Anfall, oder meint sie das tatsächlich ernst?

“Hannah, in zwei Wochen sind meine Abschlussprüfungen. Ich habe keine Zeit für so eine Scheisse.“

Wieder einen Moment Pause.

„Ach weißt du, ich möchte nicht jemanden aus solchen Verhältnissen.“

Was war jetzt das?

„Sag mal Johanna, versuchst du gerade mit mir Schluss zu machen?“

„Neeeiiiinn, man.“

„Was dann, zum Kuckuck? Hast du einen anderen?“

„Nein Simon, man, so was würde ich nicht machen, dass weist du doch.“

„Hast du jemanden anderen kennen gelernt?“

„NEIN!!! Man Simon, hast du doch vorhin schon gefragt.“

Aha. Also wieder nur mal Stress machen.

„Also Johanna. Ich weiß ja, dass du Harmonie nicht besonders gut erträgst. Aber ich habe in zwei Wochen meine Abschlussprüfungen. Könnten wir bis dahin vielleicht mal Ruhe haben?“

Ein weiterer Pausenmoment.

„Na aber ich will schon, dass meine Kinder Oma und Opa haben.“

„Ja… und?“

„Na deine Eltern sind doch geschieden. Ich will nicht so jemanden aus `ner kaputten Familie.“

Stille.
Aus irgendeinem Grund klebt mein Ohr immer noch an der Hörmuschel. In meinen Kopf rotieren geschiedene Eltern um einen Klodeckel, während sich mein Universitätsabschluss einen aussichtslosen Kampf mit meiner Mittellosigkeit liefert. Oma und Opa wohnen nicht im selben Haus und meine Mutter ist eine Schlampe. Es formiert sich keine Konstellation von Gedanken, die einen Weg nach draußen hätte finden können.
Sie beendet die Stille.

„Simon, ich möchte schon mit dir zusammen sein. Aber ich muss mich halt trotzdem nach jemand anderem umsehen. Weist du, jemand, der gut verdient und aus einer richtigen Familie kommt. Aber bis dahin können wir doch einfach unsere Zeit genießen. Es darf halt nur nicht zu eng werden!“

Mir fällt nichts ein, was ich noch sagen könnte. Die Hand legt den Hörer auf die Gabel. Sehr langsam.

Es klingelt.
Die Hand nimmt den Hörer wieder auf.
Eine wütende Stimme.

„Simon, hast du aufgelegt? NIEMAND legt einfach auf, wenn ich telefoniere.“

Ich lege wieder auf.
Was ist sie nur für ein Mensch. Ich hatte immer Recht gehabt und mir selber nicht geglaubt. Aus dem dumpfen Nebel meines Gefühlseintopfs schreibe ich ihr eine SMS.

„Es ist aus“

„Ok, aber lass uns Freunde bleiben! Ich möchte doch mit dir Surfen lernen!“

Jetzt ist es nicht nur aus. Es ist, was auch immer es mal war, vernichtet.

***

Angeblich hat Johanna den Abend nach meiner Rache im Taxisgarten weinend im Arm ihrer Freundin verbracht.
Mir hingegen ging es zu meinem Erstaunen drei Tage lang extrem gut, ob der gelungenen Rache. Ich begann zu glauben, Nietzsche liege da wohl mit seiner diesbezüglichen Ansicht gar nicht so verkehrt. Rache ist gesund!
Anschließend ging es mir jedoch extrem beschissen, mindestens so sehr wie in den Wochen nach dem Ende unserer romantischen Liebesgeschichte. Nietzsche widerlegt. Oder nicht genug Rache? Ich wollte es nicht herausfinden.
Ich schämte mich.
Egal wie sie ist. Was sie ist. Egal. Ich wollte nicht sein, was ich an diesem Abend gewesen bin. Freunde und Verwandte zeigten Verständnis für meinen Ausraster. Es sei doch das Normalste auf der Welt, sich unter solchen Umständen zu vergessen.
Ich wollte mich trotzdem bei ihr entschuldigen. Natürlich versuchte ich ihr auch zu erklären, was mich soweit getrieben hat. Das hätte ich mir allerdings genauso gut sparen können. Sie hat sich schon aus Prinzip nichts vorzuwerfen. Sie ist die Johanna. Die Verkörperung des Wesens der reinen Liebe.
Meine Entschuldigung hatte ich als Vorwand für eine Versöhnung inszeniert. So hat sie das auch verstanden. Und in ihren Augen haben wir uns dadurch auch tatsächlich versöhnt, dass ich mich für meine schlimmen Entgleisungen entschuldigte. Sie entschuldigte sich nicht.
Sie verstehe allerdings nicht, wie man so unbeherrscht sein kann. Von einem richtigen Kerl würde sie mehr Standfestigkeit erwarten. Es sei schon richtig, dass diese Farce unserer Beziehung jetzt endlich vorbei ist. Aber sie verzeiht mir. Sie ist mir nicht böse. Ich bin halt ein kleiner Löwe und die sind halt so, sie kenne das ja schon von ihrem letzten Freund.

In mir stieg diese Übelkeit auf, die ich zuletzt als Beifahrer bei der Mitfahrgelegenheit mit dem pedophilen Dieter verspürt hatte. Ich kleiner unbeherrschter Löwe. Wieso brenne ich nicht ihr Haus nieder? Oder schleife sie an einem langen Seil hinter einem Motorrad durch die Stadt? Mit einem Schild „Teuflisches Sadistenpack“ um den Hals.

Ich … gehe … einfach.

Einige Wochen später überkam es mich dann doch. Ich übergoss sie mit Benzin und verbrannte sie im Garten. Also ihre Sachen. Und eigentlich war das auch gelogen. Das war nur, was ich ihr erzählte.

Saftig hast du es ihr nun heimgezahlt, Simon! Hahahahahaa! Super. Sie wird sich jahrelang nur grämen. Oder sich einfach einen neuen Bikini kaufen.
 
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Eine gute Geschichte ist das, Banana Jones, allerdings viel zu lang. Hast du wohl einiges gemeinsam mit dem Prot, oder? Ich meine, es ist reiner Masochismus, immer wieder das Gleiche zu schreiben. Denn wie diese Johanna tickt, das weiß man ziemlich schnell. Und was für ein Typ dieser Prot ist, auch.
Insofern ist der Titel schon treffend gewählt. Obwohl ich dahinter eher eine Frau als Autor vermuten würde. Als Autorin - und natürlich mit vertauschten Rollen – hättest du alle Chancen, bei Frauenzeitschriften veröffentlicht zu werden.
Die stehen auf Geschichten, bei denen der Mann schlecht wegkommt. Entsprechendes gibt es für die Männerwelt kaum oder höchstens bei den Schwulen. Eine Marktlücke, schätze ich.
Aber das musste ja so kommen. Ich meine, nachdem uns Männern Jahrzehnte eingetrichtert worden ist, dass wir in Frauen nicht nur Sexualobjekte sehen dürfen, muss man sich über solche Geschichten nicht wundern. Vom Nichts kommt nichts, nicht wahr?
Ich meine, früher würden Männer solche Schlampen durchficken und sich keine weiteren Gedanken machen. Und sie waren sicher froh gewesen, dass sie gleich wieder einen Macker gefunden hatte, da mussten sie sich wenigstens nicht mit ihren Tränen auseinandersetzen!
Und heute?
Heute wird gejammert und sich hinterfragt, was man falsch gemacht haben könnte! Wie Weiber früher. Nichts auszuhalten, sowas. Echt.
 
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Hey Sirius,
danke für den Kommentar. Da magst recht haben, dass die Geschichte zu lang ist. Das "Hätt ich diese Schlampe halt durchgefickt, und dann vergessen" ist ja gerade das, was der selbsternannte Macho vermutlich hinterher denkt. Das ist die katastrophale Natur des Johanna Charakters. Sie signalisiert das reine Wesen, jene, die man lieben möchte, während ihr inneres Wesen vielleicht weniger dem entspricht, was MANN sich da so vorgestellt hat.
Muss ich wohl noch mal schauen wie sich das besser darstellen lässt :)

Gruss
 
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Hallo Banana Jones,

erstmal vorweg: Ich mag die Story.
Ich mag das sie nicht so läuft wie sirius vorgeschlagen hat "finde raus wie die schlampe tickt und fick sie dann mal durch" (habe ich das grade geschrieben?)

Ende und Anfang bereiten mir Schwierigkeiten.
Zum Anfang: Er wirkt holperig. Durch die Rahmenhandlung ist die Geschichte sowieso schon "invertiert." Dieses Statement am Anfang verwirrte mich etwas, erschwerte den Einstieg.
Vielleicht doch etwas schlichter halten?

Zum Ende: Wieso nicht die Schlussfolgerung dem Leser überlassen?
Der letzte Abschnitt erhebt einen Zeigefinger wo längst keiner mehr benötigt wird.
Der selbstironische vorletzte Absatz zeigt für sich genommen (in meinen Augen) viel mehr die Bitterkeit von der der Prot berichtet: Rache ist sinnlos, da sie im Luftleeren Raum verpufft. Es bleibt nur die Hoffnung das es dem Prot nun reicht und er auf eine weitere Reaktion von Johanna nicht mehr warten muss/will?

Nur so ein Gedanke.

Ansonsten bleibt nurnoch zu sagen: HERZLICH WILLKOMMEN. :) Und auf weitere gute Geschichten
 
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10.12.2007
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Hallo hallo Blue_Eyes!

Hast mich völlig überzeugt, was den Zeigefinger am Ende angeht. Der ist wohl unnötig, da werd ich gleich mal was dran machen. Die Sache mit dem Statement am Anfang hab ich heute schon mal gehört. Ich mach mich mal ans Werk :)

Danke und Gruss
 

sim

Senior
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Hallo Banana Jones,

aus der Ichperspektive darf deine Geschichte natürlich so subjektiv sein, wie sie ist. Auch wenn das ein bisschen die Gefahr birgt, dass Leser wie ich gern mal die Sichtweise der beschriebenen Frau kennengelernt hätten.
Zu lang fand ich deine Geschichte auch, nicht, wegen des Umfangs, da gibt es längere Geschichten hier, sondern weil sie diesen Umfang nicht nutzt und sich über weite Strecken wiederholt. Ein Teil der Wiederholungen sind allerdings nötig, damit ein Muster deutlich wird. Dein Icherzähler scheint an ein Wesen geraten zu sein, das ihn mit Paradoxien gleichzeitig bindet und überfordert, ihn sozusagen doublebinded. Da mag man beklagen, dass er jammerlappig klagt, anstatt sie einfach zu vögeln, ein bisschen Emanzipationsverunsicherung steckt auch sicherlich mit drin, aber sich von solchen Paradoxien zu lösen ist selbst dann schwer, wenn man sie durchschaut. Dein Prot hat ja wenigstens durchschaut, dass sie mit zweierlei Maß misst (sich und ihn), weniger aber, dass er diesen Widerspruch nicht auflösen kann, sie lieben zu müssen, aber nicht zu dürfen. Natürlich macht diese Dauerüberforderung, etwas Unmögliches bewerkstelligen zu müssen und das daraus entstehende Gefühl, es der Dame nie recht machen zu können, nicht mal, wenn man tut, was sie verlangt, weil das morgen schon wieder ganz anders sein kann, wütend und aggressiv. Und natürlich entsteht daraus das Verlangen, doch ein bisschen mehr Macho der alten Schule zu sein, rücksichtslos ihr schaden, anstatt sich selbst. Dabei agiert die Frau ja noch nicht mal emanzipiert, sondern erpresst mir Hilflosigkeit. Das macht ja gerade so wehrlos.
In dieser Darstellung hat mir deine Geschichte gut gefallen.
Sprachlich und technisch allerdings ist sie gelinde gesagt in einem erbärmlichen Zustand, als hättest du sie nie noch einmal gegengelesen oder lesen lassen.
Nach Seite 10 des unter Details angehängten Worddokuments hatte ich keine Lust mehr, saß da ja schon seit drei Tagen (natürlich mit Unterbrechungen) dran.
Vor allem in den Tempi bist du heillos durcheinander geraten.
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Lieben Gruß
sim
 
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Hallo Sim!

Danke für die Mühe und die Vorschläge! Werd da noch mal korrigieren. Was die Tempi angeht, so erfolgen die Wechsel eigentlich vorsätzlich. Die Idee war, das Vor und Nach der Beziehung auf diese Weise sauber zu trennen. Muss noch mal sehen, ob das immer geschickt ist.

Es wundert mich, dass du das Verlangen, ein Macho alter Schule zu sein hier hineinließt. Mir ist klar, dass ich den Prot offenbar noch schärfer charakterisieren müsste. Die zugrunde liegende Idee war, einen Charakter zu schaffen, der gerade diesem Klischee und der selbstverschriebenen emotionalen Überlegenheit gegenüber den Frauen zu entkommen versucht und ja auch gerade von diesem Traum der wahren Liebe in seine unvorteilhafte Position gelockt wird. Er gibt den Macho auf, gerät dabei aber, wie du sagst, an eine unemanzipierte Frau, die bei einem solchen wohl besser aufgehoben wäre... Na gut. Ich schau heute abend die Geschichte noch mal durch.

Gruß und Danke!
 

sim

Senior
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13.04.2003
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Hi Banana Jones,
diese Form von sauberer Trennung wäre in der Tat gut gewesen, ich fürchte aber, du bist darin sowohl vor, als nach der Trennung ab und zu durcheinander gekommen.
Das Verlangen nach dem Macho alter Schule bezog sich weniger auf die Geschichte als auf den Kommentar von Sirius. ;)

Lieben Gruß
sim
 
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10.12.2007
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oha... na da sag ich noch mal danke sim! Da hast ja doch ganz schön Aufwand reingesteckt in meine Geschichte... ich hab mal versucht Deine Korrekturen zu implentieren und zudem die Geschichte zu verdichten. Hoffentlich haben sich dadurch nicht wieder allzu viele neue Fehler eingeschlichen. ;)

Gruß
 
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22.05.2006
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Hallo,
zuerst fand ich die Geschichte nicht besonders, aber ich gebe zu, dass ich dann hineingekommen bin und sie immer interessanter fand. Es ist gut zu erkennen, wie machtlos und etwas unbegreifbar der Prot der jungen Dame gegenübersteht und dann kommt doch auch sehr stark eben ein männliches Problem zutage. Das Ego, und dass Mann eben nicht alles kontrollieren kann und nicht alle Menschen nach einem Schema x funktionieren. Sondern auch frei sein können. Und wie kommen wir dann damit zurecht? Gekränkt, enttäuscht? Verletzt? Wie auch immer, mir hat die Geschichte dann doch gut gefallen.
 

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