Leben ohne dich
Leben ohne dich
Sand unter meinen Füßen, zwischen meinen Zehen. Der Wind weht vom Meer her und fährt durch meine Haare, zerrt an ihnen, lässt sie wie Flammen um mein Gesicht wallen. Meine Augen sind geschlossen.
Das Rauschen der Wellen tönt in meinen Ohren. Ich höre wie sie näher kommen und im feinen Sand verebben und dann von neuem heran rollen.
Meine Gedanken schweifen ziellos umher, sind den Wellen so ähnlich. Ich kann sie nicht halten, sie kommen heran und werden groß, verebben und kommen erneut. Sie zerren an mir wie der Wind an meinen Haaren. Immer wenn ich denke, dass ihre Schwere mich erdrückt, nimmt das Meer sie mit fort. Weit hinaus, wo kein Horizont mehr zu sehen ist und nichts weiter, als Wasser das Blickfeld rahmt.
Ich will in die Tiefe fallen und ganz darin versinken, will auf den sandigen Boden liegen und über mir die Wellen auf das Land zustreben sehen und doch selbst tief unten in der blauen Kälte bleiben.
Alles in mir sehnt sich nach Stille. Vielleicht setzt dort unten die Melodie des Lebens aus und wird zu eben dieser tiefen Leere, die ich mir momentan so sehr wünsche. Wie ein andächtiges Schweigen soll es sein, hoch und doch in seiner Lautlosigkeit voller Schönheit.
„Die Welt schweigt für dich.“, möchte ich dann sagen, oder nein besser noch: „Die Welt schweigt wegen dir.“. Und du würdest lächeln, den Kopf schütteln und die blonden Haare würden dein Gesicht umgeben, als wären sie ein Schleier aus gelbem Licht.
Früher haben wir aus unserem Leben ein Lied gemacht. Unsere Herzen waren sein Takt, unser Lachen seine Melodie und unser Schritte sein Rhythmus. Vorwärts, immer weiter, immer mehr sehen, genießen, leben.
Wie laut und taktlos diese Melodie jetzt ist. Besteht nur noch aus mir und den Tönen des Alltags. Die Hälfte von ihr fehlt und sie hämmert laut in meinen Ohren. Ich möchte sie verschließen und dann die Fäuste gegen meine Augen pressen, um die Tränen zurück zu halten.
„Weine nicht um mich.“, sagt deine Stimme in meinem Kopf und ich weine ja auch nicht. Es gibt nicht genug Tränen, um dich zu betrauern, nicht genug Schmerz, um deinen Verlust zu spüren.
Ich öffne die Augen und sehe die Wellen. Im Wasser spiegelt sich glitzernd etwas Sonnenlicht, während kreischende Möwen darüber hinweg gleiten.
Stille. Ich wünsche mir Stille.
