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Meisterin der Demotivation

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Meisterin der Demotivation

„Meister der Demotivation gesucht“. Conny konnte nicht glauben, was sie las. Die Anzeige war sexy minimalistisch: eine Zeile, eine Telefonnummer. Da wusste jemand, was er wollte. Noch mehr war sie von der unauffälligen Effizienz beeindruckt. Frech oder ein Versehen im sonst üppigen Online-Dschungel des Stellenmarkts? Mehrmals am Tag kämpfte sie sich durch.

Wer hatte diese Anzeige aufgegeben? Ein Dominastudio, das den ambitionierten Gast nicht mehr in die analoge, bizarre Fantasiewelt locken wollte? Und dabei nicht auf ein Virtual Studio setzte, wo hinter einer Paywall Videos und Session-Pics auf den solventen Herrn warteten? Ging es um ein neues erotisches Geschäftsfeld: Die Kunst der psychologischen Demoralisierung?

Conny liebte alles, wofür sie nicht aus dem Haus gehen musste. Sie konnte sich vorstellen, fremde Männer von der Couch aus zu beleidigen, oder was immer man von ihr wollte. Oder vielleicht steckte hinter der Anzeige ein Sachbuchautor, der einen Businessratgeber über Motivation schreiben und erst einmal die Gegenseite beleuchten wollte: Wie demotiviere ich richtig?

Conny wollte weder die psychologische Billig-Domina „machen“, noch ein Argumente lieferndes Versuchskaninchen spielen, für jemanden, der die Kosten für einen Ghostwriter sparen wollte.
Fest ging sie davon aus, dass es hier wie immer das Gleiche war. Die Freiberufler sollten mal wieder umsonst arbeiten.

Doch jetzt war sie entschlossen, geradezu fiebrig, nachdem das Studium der restlichen Inserate wieder einmal nichts gebracht hatte. Außer Demotivation. Ja, anders konnte sie es nicht benennen. Es gab keine „attraktiven Jobs in Ihrer Nähe“. Jedenfalls nicht für sie. Da brauchte sie sich nichts vorzumachen, die Kombination Ende 30, mit einem kürzlich erworbenen Master brauchte niemand und in dieser Stadt schon gar nicht.

Sie kannte sich mit der Selbstdemotivation bestens aus und wusste, dass erfahrungsgemäß immer alles schief ging. Als optimistische Pessimistin wusste sie mittlerweile, dass ein Leben als frugaler Kontrollfreak besser war, als sich von unnützen Hoffnungen positiv denkend einlullen zu lassen. Lieber rationierte sie schon ab dem Frühstück ihr Essen, als sich von anderen für wenig Euros fertigmachen zu lassen.

Am besten fing sie gar nicht erst an mit dem Bewerbungsschreiben. Wenn man ihr eine regressive Antihaltung vorhalten wollte, nur zu. Es war nicht so, dass sie immer contra war. Manchmal liebte sie auch das Pro wie in Prokrastination. Aber heute siegte Neugier über Aufschieben. Was hatte es mit dem Inserat auf sich?

Sie wählte die angegebene Handynummer. Ihre langjährige Expertise als Spaßbremse in unterschiedlichsten Job-Kontexten sprach für sich. Denn sie war nicht nur die absolute Motivationskillerin, die Herrscherin in der Hölle negativer Gedanken, sondern beherrschte auch die Kunst der gemeinsten Wenn-Dann-Szenarios, die jeden Flow aus der Teamarbeit verbannten. Nachhaltig und tränenreich. Nicht umsonst hatte man sich immer schnell von ihr wieder „verabschiedet“. Die defizitäre Brille konnte sie nicht mehr absetzen, die war mittlerweile fest eingewachsen und übersah nicht die kleinsten Schwächen beim anderen. Und das würde ihr Gegenüber gleich merken!
 
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Wortkrieger-Team
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Hallo @petdays

habe deine kleine Geschichte gern gelesen, aber ein wenig rüffeln muss ich dich doch.
Du baust prima die Spannung auf.
Ich wollte unbedingt wissen, was nun läuft, was also jetzt hinter dieser Anzeige steckt. Etwas Skurriles oder Harmloses oder was dazwischen.
ABER, menno...das ist echt fies dies als letzten Satz zu schreiben:

Und das würde ihr Gegenüber gleich merken!
Da muss ein pfiffiges Ende hin!!!! Unbedingt!
Du kennst doch diesen Effekt. Oft kann man ihn mit diesen Geschichten erleben, die spannend bis zum Ende hin sind und man fiebert und giert nach der Auflösung und dann wacht der Protagonist aus seinem Traum auf. Pah...reingelegt, lieber Leser, alles nur Schaum und Traum.
Mach das hier bitte nicht. Satire darf da echt hinlangen und mehr sein.

Ich wünschte, ich könnte dir jetzt einen heißen Tipp für das Ende geben, aber ich kann dir statt dessen eine Wunschliste dessen geben, was ich gerne am Ende lesen möchte.
Ich möchte natürlich überrascht werden! So richtig! Nicht die Domina meldet sich, nicht die Studierende, die für ihre Doktorarbeit ein paar Probanden benötigt. Vielleicht meldet sich ein 10Jahre alter Nerd, der immer wieder Vorwürfe erhält, weil er so hochmotiviert ist und immer auf Achse, immer in Aktion ist und so weiter. Und der nun demotiviert werden soll, damit er vernünftiger wird oder so. Ach, nee, so richtig doll gefällt mir das nicht.
Wie wärs mit einem von diesen Typen, die immer als Controller in die Firmen geschickt werden, um zu ermitteln, wo was nicht reibungslos läuft. Meist wird dann erstmal kräftig entlassen. Und der benötigt nun jemanden, den er in die Firmen schicken kann, damit dort schön demotivierende Situationen geschaffen werden, um dann diese Leute entlassen zu können? Der hat es nämlich zufällig mal mit einer Abteilung oder ganzen Firma zu tun, bei der die Leute alle hochmotiviert sind und klasse arbeiten und um selbst Erfolg zu haben, benötigt er nun Gründe. So in dieser Richtung vielleicht.
Sicherlich fällt dir was noch Zündenderes ein. Aber bitte was Überraschendes! Denke einfach mal so quer du nur kannst. :dozey:

Es war immer das Gleiche: Die Leute waren geizig wie noch nie, besonders gegenüber Freiberuflern.
An dieser Stelle hab ich kurz gestutzt, weil man das ja aus der Anzeige nicht erlesen kann, ob es umsonst sein sollte. Wenn du damit den Charakter der Protagonistin darstellen möchtest, würde ich es noch ein wenig mehr auf sie beziehen, so etwa in der Art: Ich ging fest davon aus, dass es hier wie immer das Gleiche war. Wir Freiberufler sollten mal wieder umsonst arbeiten.


„attraktiven Jobs in Ihrer Nähe“.
ihrer

Diese kleine Leichtsatire kann echt noch gewinnen, nur Mut.


Lieben Gruß
lakita
 
Senior
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Hallo lakita,

lieben Dank für Deinen hilfreichen Kommentar und Deine vielen Ideen!

Da muss ein pfiffiges Ende hin!!!! Unbedingt!
Ja!!! Da bin ich ganz mit Dir. Ich hoffe, mir fällt noch etwas Gutes ein!
Ich wünschte, ich könnte dir jetzt einen heißen Tipp für das Ende geben, aber ich kann dir statt dessen eine Wunschliste dessen geben, was ich gerne am Ende lesen möchte.
>>> Wunschliste ist auch eine hilfreiche Sache. :)
Wie wärs mit einem von diesen Typen, die immer als Controller in die Firmen geschickt werden, um zu ermitteln, wo was nicht reibungslos läuft. Meist wird dann erstmal kräftig entlassen. Und der benötigt nun jemanden, den er in die Firmen schicken kann, damit dort schön demotivierende Situationen geschaffen werden, um dann diese Leute entlassen zu können? Der hat es nämlich zufällig mal mit einer Abteilung oder ganzen Firma zu tun, bei der die Leute alle hochmotiviert sind und klasse arbeiten und um selbst Erfolg zu haben, benötigt er nun Gründe. So in dieser Richtung vielleicht.
>>> Das Szenario finde ich schon mal sehr gut! Danke Dir.
Sicherlich fällt dir was noch Zündenderes ein.
>>> mal schauen. Dies ist einer der Texte, den ich "einfach mal so drauf los" geschrieben habe, vielleicht in einer Stunde ... Und das sind dann erfahrungsgemäß die Texte, bei denen es nach einem furiosen Schnellstart nur noch im frustrierenden Schneckentempo vorangeht. Meist geh ich anders vor, plane und plane und plane, dass sind dann die Texte, die vielleicht viel anspruchsvoller sind, aber leider nie fertig werden ....;)
Denke einfach mal so quer du nur kannst. :dozey:
Yepp.
Wenn du damit den Charakter der Protagonistin darstellen möchtest, würde ich es noch ein wenig mehr auf sie beziehen, so etwa in der Art: Ich ging fest davon aus, dass es hier wie immer das Gleiche war. Wir Freiberufler sollten mal wieder umsonst arbeiten.
>>> sehr guter Tipp. Das werde ich so übernehmen. Danke schön.
An dieser Stelle wollte ich schon mit "Ihrer" arbeiten, weil es ein Zitat aus dem Inserat ist.

liebe Grüße, petdays
 
Wortkrieger-Team
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Hallo @ petdays,


freut mich, dass du es auch so siehst, dass da noch ein fulminantes Ende folgen muss. Und glaub mir, wenn du immer mal wieder ein paar Ideen durchkaust in Gedanken, irgendwann kommt die richtige Idee und bei der weißt du dan genau: das isses!
Aber wenn dir von meinen Vorschlägen war gefällt, sie gehören dir.
An dieser Stelle wollte ich schon mit "Ihrer" arbeiten, weil es ein Zitat aus dem Inserat ist.
Kiekmol, genau das war auch meine Idee, weil ich mir dachte: komisch, sonst ist alles fehlerfrei, aber hier dieser Klopper, passt eigentlich nicht ins System. Dann habe ich mir die Stelle extra nochmals durchgelesen und fand grad nicht, dass es als ein Zitat aus einem Inserat gemeint war.
Bin mal gespannt, ob noch wer drüber stolpert oder nur ich es so falsch gesehen habe.
Und klar, als Zitat aus Inserat ist es natürlich völlig korrekt.

Lieben Gruß und zündende Funken wünsch ich
lakita
 
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Hallo @petdays,

ich schreibe mal einfach mit, was mir so aufgefallen ist.

Die Überschrift lautet "Meisterin ..." und der erste Satz "Meister ..." Ist das Absicht? Ich hatte eigentlich gedacht, dass es einheitlich "Meisterin ..." heißen müsse, da du danach schreibst

Ein Dominastudio, das den ambitionierten Gast nicht mehr in die analoge, bizarre Fantasiewelt locken wollte? Und dabei nicht auf ein Virtual Studio setzte, wo hinter einer Paywall Videos und Session-Pics auf den solventen Herrn warteten?
Hab gedanklich verortet, dass eine Frau gesucht würde. Jetzt wo ich über diesen Punkt nachdenke, finde ich es eigentlich ganz spannend, dass ich sofort an eine Frau denke. Hätte nur noch (m/w/d) hinter der Anzeige stehen müssen :-)

„Meister der Demotivation gesucht“. Conny konnte nicht glauben, was sie soeben las.
Wofür ist das relevant, dass sie die Anzeige soeben las?

Conny liebte alles, wofür sie nicht aus dem Haus musste.
Bin echt nicht sicher, aber fehlt hier ein Verb? "Aus dem Haus gehen musste".

Conny wollte weder die psychologische Billig-Domina „machen“, noch ein Argumente lieferndes Versuchskaninchen spielen, für jemanden, der die Kosten für einen Ghostwriter sparen wollte.
Conny ging fest davon aus, dass es hier wie immer das Gleiche war. Die Freiberufler sollten mal wieder umsonst arbeiten
Reine Kosmetik. Für mich etwas viel "Conny". Vllt. als Vorschlag: "Fest ging sie davon aus, ..."

Doch jetzt war sie neugierig, nachdem das Studium der restlichen Inserate wieder einmal nichts gebracht hatte.
Hm, versteh ich nicht so auf Anhieb. Sie ist doch die ganze Zeit neugierig und fragt sich, wer die Anzeige verfasst hat. Außerdem ein sehr erklärender Teil ...

Als optimistische Pessimistin
Die Formulierung hat mir gefallen ...

Am besten man fing gar nicht erst an mit dem Bewerbungsschreiben. Wenn man ihr eine regressive Antihaltung vorhalten wollte, nur zu.
Warum benutzt du hier jetzt "man"? Hört sich für mich nach einem Perspektivwechsel an. Zumindest hat es mich rausgeworfen und den Lesefluss gebremst.

Kurzentschlossen wählte sie die angegebene Handynummer.
Würde ich beides streichen.

Ihre langjährige Expertise als Spaßbremse in unterschiedlichsten Job-Kontexten sprach für sich und ihren Killerargumenten würde niemand widerstehen können. Denn sie war nicht nur die absolute Motivationskillerin,
Auf alle Fälle hab ich deine Geschichte gerne gelesen. Sie ist mir noch etwas zu zahm für eine Satire, aber das kann ja noch werden. In diesem Sinne bin ich gespannt ...

Liebe Grüße
Aurelia
 
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Hallo Aurelia,

Vielen Dank für Deine sehr präzisen Beobachtungen und Anmerkungen, die mir sehr weiterhelfen bei der nächsten Korrekturschleife.

Liebe Grüße, petdays, die gleich mal bei Dir vorbeischaut ...
 
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Mein J,

weißtu eigentlich,

liebe Conny,

dass ich weiß, wo unsre Familie Prokrasti haust – und, so ganz nebenbei, Du doch auch: Berlin,Kanzleramt, innen, mit der sanften Domina (eigentlich reicht „Frau“, ein Wort, das - wie schon die Domina vom Dominus abgeleitet ist – wie auch die ahd. frouwe [Herrin, Dame] vom ahd. „fro/n“, dem „Herrn“, der noch im Frondienst und zu Fronleichnam weiterlebt, wenn auch nicht mehr ganz so lebhaft.
Gelernte Pfuisikerin, sollte also auch was von Natur und deren Gesetzen wissen, Ziehtochter und Musterschülerin von Birne, von dem die Anektote berichtet, dass er einmal mit der Iron Lady im Pub zu London ein Bier getrunken hätte und auf ein “to your health“ antwortete mit „to your Dunkles“.

Aber,

liebe petdays,

Witz, Scherz und Ironie beiseite, Satire ist viel zu ernst, als dass das Lachen nur im Halse stecken bleibt und einen ersticken kann. Eckhard Henscheid wusste schon, dass es eine Strafe sein müsse, Satiriker oder Theoretiker über Satire zu sein. Selbst Schiller hat sich in den ästhetischen Schriften („über naive und sentimentalistische Dichtung“) darüber ausgelassen, in der Satire werde „die Wirklichkeit als Mangel dem Ideal als der höchsten Realität gegenübergestellt“, was manchem Heutigen selbst wie eine Satire klingen mag. Stimmt aber, wenn man bisschen nachdenkt.

Im Kanzleramt wie jetzt zu Davos und den oberen zehntausend Dominanten wird Aufschiebung bis zu nächsten Generation betrieben.

Solche Abschweifungen kann man sich nu leisten, wenn zwo Vorrednerinnen schon alles gesagt haben. Und da bin ich sicher, der Biss wird kommen. Aber die Flusenlese haben die zwo mal wieder mir überlassen! Aber es ist so wenig und dann noch nur in einem Satz

Oder vielleicht steckte hinter der Anzeige ein Sachbuchautor, der einen Businessratgeber über Motivation schreiben und erst[...]mal die Gegenseite beleuchten wollte: [W]ie demotiviere ich richtig?
„erst mal“ auseinander, weil es eigentlich ein verkürztes „erst einmal“ ist und das „Wie“ besser mit Majuskel, weil es einen vollständigen Satz einleitet.

Gern gelesen vom

Friedel
 
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Hallo @petdays

da komme ich doch gleich mal zum Gegenbesuch :)
„Meister der Demotivation gesucht“. Conny konnte nicht glauben, was sie las. Die Anzeige war sexy minimalistisch: eine Zeile, eine Telefonnummer.
Ein Schöner Anfang. Es macht gleich Neugierig - es ist ungewöhnlich.

Ich schließe mich der Meinung de Vorkommentatoren an - Du baust Spannung auf, man kann die Gedanken nachvollziehen. Man merkt die Unsicherheit: "Soll ich da anrufen??" duch den Text durch.

Da muss ein pfiffiges Ende hin!!!! Unbedingt!
Ja!!! Da bin ich ganz mit Dir. Ich hoffe, mir fällt noch etwas Gutes ein!
Oh ja - vielleicht schaffe ich es, Ideen zu streuen. Die Anzeige zieht Aufmerksamkeit, insofern kann sie von einer Werbe-Agentur "entwickelt" worden sein. Wer würde da überhaupt anrufen? Jemand, der darüber nachdenkt. Also ein "anders denkender" - ein Querdenker. Querdenker kommen ja oft als Demotivierer rüber, weil die "Normalen" das Querdenken nicht verstehen und damit demotiviert werden. Daher könnte es sogar sein, dass die WerbeAgentur diese Anzeige nicht für einen Kunden, sondern für sich selbst entwickelt hat.
^^Nur mal so als Gedanke

Gruß
pantoholli
 
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Lieber Friedel,

Witz, Scherz und Ironie beiseite, Satire ist viel zu ernst, als dass das Lachen nur im Halse stecken bleibt und einen ersticken kann. Eckhard Henscheid wusste schon, dass es eine Strafe sein müsse, Satiriker oder Theoretiker über Satire zu sein. Selbst Schiller hat sich in den ästhetischen Schriften („über naive und sentimentalistische Dichtung“) darüber ausgelassen, in der Satire werde „die Wirklichkeit als Mangel dem Ideal als der höchsten Realität gegenübergestellt“, was manchem Heutigen selbst wie eine Satire klingen mag. Stimmt aber, wenn man bisschen nachdenkt.
>>> Da schreibst Du so viel Wahres und ich werde noch mal in mich gehen ... Das Geschichtchen war ein Schnellschuss, ohne rechte Überlegung, mehr aus Spaß beim Formulieren [so lockerleicht und vor allem wie von selbst schreibe ich sonst nie ... ;)], aber wie es bei solchen Texten ist, die man ohne Probleme "raushaut", kommt die Quittung später.
Aber langsam erkenne ich das Ausbaupotential der Idee und Dein Kommentar hilft mir sehr weiter.

Liebe Grüße, petdays
 
Senior
Beitritt
01.10.2002
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Hallo @pantoholli,

Danke für Deinen inspirierenden Gegenbesuch! :)
Ein Schöner Anfang. Es macht gleich Neugierig - es ist ungewöhnlich.
Freut mich.
Oh ja - vielleicht schaffe ich es, Ideen zu streuen. Die Anzeige zieht Aufmerksamkeit, insofern kann sie von einer Werbe-Agentur "entwickelt" worden sein. Wer würde da überhaupt anrufen? Jemand, der darüber nachdenkt. Also ein "anders denkender" - ein Querdenker. Querdenker kommen ja oft als Demotivierer rüber, weil die "Normalen" das Querdenken nicht verstehen und damit demotiviert werden. Daher könnte es sogar sein, dass die WerbeAgentur diese Anzeige nicht für einen Kunden, sondern für sich selbst entwickelt hat.
^^Nur mal so als Gedanke
Eine tolle, intelligente Idee!!! Mal schauen, was ich aus Deiner und den anderen guten Ideen zusammenbastele. Noch warte ich auf weitere Eingebungen.

liebe Grüße, petdays
 
Wortkrieger-Team
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04.03.2018
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Hey @petdays,

du willst es wissen. Bei den Geschichten, die du zu Hauf einstellst, ist die Auswahl ja nicht klein.
Ich möchte dir da nicht reinreden, sondern nur den Hinweis geben, dass fünf Geschichten ungefähr das Jahrespensum eines regen WK-Mitglieds bedeuten. Die Frage ist halt, inwiefern du die Aufmerksamkeit so splitten kannst, dass du der nötigen Textarbeit bei jeder Geschichte gerecht wirst. Ich könnte das nicht, aber das musst du selbst wissen.

Zum Inhalt: Ich komme nicht rein in deinen Text und das hat einen Grund: Der Text ist leider reines Tell, von vorne bis hinten, die einzige direkte Handlung besteht darin, dass die Conny ein Inserat liest und eine Telefonnummer wählen will. Der Rest besteht aus Fragen und Mutmaßungen der Prota, alles als "was wäre wenn?" formuliert. Es gibt kein Setting, ich weiß nicht, scheint die Sonne, trinkt sie ein Bier, sitzt sie oder läuft sie rum, riecht es nach dem Essen aus der Etage drunter, war sie Brötchen und Zeitung kaufen, weil Samstag ist oder liest sie online in der Badewanne? Leider nix, auch kein Plot, kein Twist, meh.
Du lässt nicht die Prota sprechen, der Text redet über sie, liefert Festlegungen und Behauptungen wie Schilder, die du an die Wand hängst, wo Schlagwörter draufstehen: Motivationskillerin, Antihaltung, Prokastrination, Kontrollfreak, Pessimistin, usw. Du zeigst mir als Leser diese Eigenschaften nicht, ich bekomme sie mit der Kelle verpasst. Dabei wäre es richtig schön, diesen Cocktail mal live zu erleben. Weißt?
Für mich wäre es viel spannender zu lesen, wie die Conny sich anhört, wenn sie den Mund aufmacht, was sie tut und wie sie etwas tut, warum du mir von ihr erzählst, wie sich ihr Leben anfühlt, in welchem Umfeld sie lebt und in welchem Rhythmus. Sonst plätschern die Gedanken an mir vorbei, ohne mich persönlich zu berühren. Lass sie interagieren, von mir aus mit einer Freundin, die zu Besuch kommt. Ich nehme mir mal einen beliebigen Absatz raus als Beispiel:

Doch jetzt war sie entschlossen, geradezu fiebrig, nachdem das Studium der restlichen Inserate wieder einmal nichts gebracht hatte. Außer Demotivation. Ja, anders konnte sie es nicht benennen. Es gab keine „attraktiven Jobs in Ihrer Nähe“. Jedenfalls nicht für sie. Da brauchte sie sich nichts vorzumachen, die Kombination Ende 30, mit einem kürzlich erworbenen Master brauchte niemand und in dieser Stadt schon gar nicht.

Szenisch aufgelöst würde sich das so lesen, mal ganz aus der Hüfte geschossen:

Conny hatte beide Hände um die Kaffeetasse gefaltet, dennoch zitterten die Finger.
"Ich weiß nicht, was ich noch machen soll, es gibt einfach keinen Job für mich, ich hab echt alles versucht."
Beate legte eine Hand auf Connys Unterarm. "Weiß ich doch, Mädel, aber du darfst nicht aufstecken."
"Das sagst du so einfach, du bist auch nicht Ende dreißig und hast gerade erst deinen Master", sagte Conny.
"Nein, aber ich bin auch Frau", sagte Beate, "und wie du weißt, habe ich meine Stelle nur bekommen, weil ich dafür gekämpft habe wie eine Löwin."
Beate zieht an ihrer EVE 120. Durch den Qualm verschwimmen die Bäume hinter dem Fenster.
"Als Frau musst du immer mehr tun und besser sein als die Männer – aber wem erzähle ich das?"

Versteh mich nicht falsch, ich will dich nicht belehren oder runterputzen, ich will dir nur aufzeigen, warum ich persönlich ein Problem mit dem Text in dieser Form habe, warum er für mich nicht funktioniert. Nimm es als subjektive Meinung eines Lesers und mach damit, was du willst. ;)

Peace, linktofink
 
Senior
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01.10.2002
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Hallo linktofink,

Vielen Dank für Deine Eindrücke und Überlegungen.

Die Frage ist halt, inwiefern du die Aufmerksamkeit so splitten kannst, dass du der nötigen Textarbeit bei jeder Geschichte gerecht wirst.
>>> Bei vielen Geschichten widme ich mich der Textarbeit sehr intensiv, wie z.B. zuletzt bei "Haarrisse", wo ich schon bei der 18. Überarbeitung angekommen bin.... Andere Texte brauchen länger, um fertig zu werden, weil sie konzeptuell stärker überdacht werden müssen. Dieser hier gehört dazu.
Zum Inhalt: Ich komme nicht rein in deinen Text und das hat einen Grund: Der Text ist leider reines Tell, von vorne bis hinten, die einzige direkte Handlung besteht darin, dass die Conny ein Inserat liest und eine Telefonnummer wählen will. Der Rest besteht aus Fragen und Mutmaßungen der Prota, alles als "was wäre wenn?" formuliert.
>>> Ich glaube, dass nicht jeder Text in die Kategorien Tell oder Show einzuordnen ist... Show ist nicht immer das Bessere. Oft besser, aber nicht immer. Hier mochte ich das Tell, weil der Fokus tatsächlich mehr auf dem Was-wäre-Szenario liegen sollte.
Es gibt kein Setting, ich weiß nicht, scheint die Sonne, trinkt sie ein Bier, sitzt sie oder läuft sie rum, riecht es nach dem Essen aus der Etage drunter, war sie Brötchen und Zeitung kaufen, weil Samstag ist oder liest sie online in der Badewanne?
>>> Ein Setting hätte sich für mich zwischen Conny und das Thema gedrängt. Ich sehe einen Raum, wo Conny dicht vor dem Laptop hängt. Es gibt nur Conny und das Inserat. Das sind die beiden Pole. Da ist es unwichtig, ob die Sonne scheint oder sie ein Bier trinkt... Ich wollte bewusst eine minimalistisch settinglose Geschichte schreiben.... Aber vielleicht versuche ich eine Alternativversion mit den "üblichen, szenischen Zutaten".
Du lässt nicht die Prota sprechen,
>>> interessante Anmerkung. Vielleicht ändere ich die Erzählperspektive.
Für mich wäre es viel spannender zu lesen, wie die Conny sich anhört, wenn sie den Mund aufmacht, was sie tut und wie sie etwas tut, warum du mir von ihr erzählst, wie sich ihr Leben anfühlt, in welchem Umfeld sie lebt und in welchem Rhythmus.
>>> Grundsätzlich wichtige Hinweise. Probiere ich vielleicht in einer Alternativversion aus. Hier wollte ich es minimalistisch pur. Der Text sollte eher in Richtung Satire gehen, da gibt es auch oft kein Setting.
Versteh mich nicht falsch, ich will dich nicht belehren oder runterputzen, ich will dir nur aufzeigen, warum ich persönlich ein Problem mit dem Text in dieser Form habe, warum er für mich nicht funktioniert.
>>> Ich find es gut, dass Du begründest, warum für Dich ein Text nicht funktioniert und ich kann Deine Argumentation nachvollziehen.

Vielen Dank für Deine Zeit, die Du dem Text gewidmet hast.

liebe Grüße, petdays
 

AWM

Mitglied
Beitritt
26.03.2018
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Hallo @petdays ich habe die anderen Kommentare nicht gelesen. Wundere dich also nicht, falls sich etwas doppelt.

Ein Dominastudio, das den ambitionierten Gast nicht mehr in die analoge, bizarre Fantasiewelt locken wollte? Und dabei nicht auf ein Virtual Studio setzte, wo hinter einer Paywall Videos und Session-Pics auf den solventen Herrn warteten? Ging es um ein neues erotisches Geschäftsfeld: Die Kunst der psychologischen Demoralisierung?
Diesen Absatz finde ich unnötig kompliziert ausgedrückt. Er ist meiner Meinung nach auch unnötig abstrakt und ich musste ihn mehrere Male lesen, bis ich ihn verstanden habe. Eine Weder-noch-Konstruktion könnte vielleicht helfen: das den Gast weder in einen Folterkeller mit Lack und Latex noch in ein virtuelles Studio locken wollte, das sich hinter ....
Lies das bitte nur als Beispiel, wie du es konkreter und weniger umständlich ausdrücken könntest.
Fest ging sie davon aus, dass es hier wie immer das Gleiche war. Die Freiberufler sollten mal wieder umsonst arbeiten.

Doch jetzt war sie entschlossen, geradezu fiebrig, nachdem das Studium der restlichen Inserate wieder einmal nichts gebracht hatte.
Ich finde, das kippt zu schnell. Zuerst ist sie sich sicher, dass es Ausbeutung ist, dann ist sie regelrecht fiebrig, sich dort zu melden. Und anschließend kommt erst ein Absatz, der ihre Motivation dazu erklärt. Würde den nach oben umstellen.
Da brauchte sie sich nichts vorzumachen, die Kombination Ende 30, mit einem kürzlich erworbenen Master brauchte niemand und in dieser Stadt schon gar nicht.
Nach Ende 30 kommt kein Komma.
als sich von unnützen Hoffnungen positiv denkend einlullen zu lassen.
finde positiv denkend hier unnötig. Ohne klingt der Satz besser.
Aber heute siegte Neugier über Aufschieben. Was hatte es mit dem Inserat auf sich?
Und hier lieferst du die zweite Motivation für die Bewerbung. Ist es jetzt die Neugierde oder die Verzweiflung, dass es sonst keine Jobs für sie gibt oder beides?
Das Ende finde ich enttäuschend.
Gruß!
AWM
 
Senior
Beitritt
01.10.2002
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721
@AVM

Vielen Dank für Deine konstruktive Kritik und Deine konkreten Anmerkungen, mit denen ich etwas anfangen kann! Werde mich die Tage an die Überarbeitung/ Einarbeitung machen.

schöne Grüße, petdays
 

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