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Thema des Monats Mutterkuchen

Beitritt
06.06.2005
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984
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Mutterkuchen

Piep ...
„Wir müssen es töten, sonst sehe ich keine Chance!“ Der Spezialist, soweit es auf diesem Gebiet einen geben kann, blickt besorgt über seinen Mundschutz. Ausgeliefert liege ich im Stuhl, die Schmerzmittel helfen nicht.
Ich höre sie tuscheln. Sie glauben, ich schlafe.
„Wir können nichts tun Doktor, die Organe sind bereits zu stark beschädigt.“
Piep ...
Ich schlafe nicht, ich sehe ... Ich sehe, was vor sich geht.
Ich sehe es auf dem Monitor. Ich sehe, wie es mich frisst und mir dabei in die Augen schaut, als wüsste es, dass ich es beobachte ... Leerer Blick, voller Mund.
Ich höre es schmatzen, lauter noch als unseren Herzschlag, lauter noch als unseren Atem.
„Holt einen Priester!“
Piep ...
Ich sehe, was du da tust. Warum machst du das?
„Ich habe Hunger, du hast mir nichts gegeben.“
Ich wollte, aber ich durfte nicht. Ich wollte ... ehrlich.
Piep ...
„Stoppt die Blutung!“ Das Tuscheln haben sie aufgegeben.
„Wo bleibt der verdammte Priester?“ Türen fallen ins Schloss und werden wieder geöffnet.
Telefone klingeln, endlos.
PiepPiep ...
Es wird nicht leicht sein für dich in dieser Welt, ohne Mutter.
„Beatmung!“
PiepPiepPiep ...
Ein letzter Bissen, ein letzter Stoß.
Sein blutverschmiertes Gesichtchen zwängt sich durch meinen Nabel und grinst mich kauend an.
„Da mach dir mal keine Gedanken, ich komme schon klar.“

Ganz der Vater ...

 

„Wir müssen es töten, sonst sehe ich keine Chance!“
Den ersten Teil finde ich in Ordnung, weniger den zweiten, denn ich frage mich: Chance für wen, für es? Kann der Tod eine Chance sein für den, der getötet wird? Idee: „Entweder, wir töten das Ding oder es tötet sie.“

Sonst ein ganz "nettes" Häppchen für zwischendurch. Gut gemacht.


FLoH.

 

uups, ganz übersehen.

hallo FLoH,

kommt das tatsächlich so missverständlich? meinte ja, sonst keine Chance für sie. das wort ding wollte ich eigentlich nicht benutzen, ist ja schließlich ein vernachlässigtes Baby und kein Monster. ich nehm das nochmal unter die Lupe.

freut mich, dass dich mein häppchen zwischendurch unterhalten konnte

besten Gruß
krilliam Bolderson

 

das wort ding wollte ich eigentlich nicht benutzen, ist ja schließlich ein vernachlässigtes Baby und kein Monster.
Das Baby frisst doch genüsslich seine Mutter auf, korrekt? Daraus folgere ich, dass es ein abnormales Verdauungssystem hat, das schon im biologischen Alter von neun Monaten Fleisch zu verdauen vermag. Ich befürchte, das "vernachlässigte Baby" ist hier unhaltbar. :shy:


FLoH.

 

ohje, die logik. jetzt kann ich mich entscheiden, ob entweder das baby ein abnormales verdauungssystem hat und somit eigentlich guten gewissens als "ding" bezeichnet werden könnte, oder dass, und so halte ich es schon fast für wahrscheinlicher, die mutter komplett aus gemüse besteht.

lassen wir das, ein horrormässiger schnellschussschocker, ohne anspruch auf logische nachvollziehbarkeit. mehr ist es ja eigentlich nicht.

gruß
krilliam

 
Zuletzt bearbeitet:

Hi krill,
verpasse dir hiermit den wohlverdienten "goldenen Umschlag" für diese kg

lassen wir das, ein horrormässiger schnellschussschocker, ohne anspruch auf logische nachvollziehbarkeit. mehr ist es ja eigentlich nicht.
Ist es auch nicht, aber das was es neben diesem nicht doch ist, ist einfach nur genial!
Kurz, böse, blutig, gewaltig...

grüßlichst
weltenläufer

 
Zuletzt bearbeitet:

vielen dank weltenläufer!!!

einen goldenen umschlag habe ich noch nie bekommen. EDIT: jetzt weiß ich auch warum nicht. :drool:

freut mich sehr, dass sie dir gefällt.


besten gruß
krilliam

 

Hallo Krilliam,

Alien lässt grüßen. Ha Ha

Ich finde den Titel Mutterkuchen genial. Dass Kinder ihre Mütter irgendwie auffressen ... steckt doch auch ein Körnchen Wahrheit drin. :D :D
LG
Goldene Dame

 

Hey Goldene Dame,

tut gut, nachdem du von den letzten nicht so angetan warst. :D

der vergleich mit Alien ist berechtigt, war aber eigentlich nicht beabsichtigt. hatte komischerweise eher andere inspirationsquellen. aber da werde ich wohl durch müssen.

Danke dir fürs lesen

gruß
krilliam Bolderson

 

Super Kurzgeschichte, gefällt mir.

Viel Interpretationsspielraum und übertragbar auf andere Ebenen des Lebens

 

Eine recht erfreuliche Kürzestgeschichte, die du hier produziert hast krilliam. Bemerkenswert finde ich bei vielen Geschichten von dir (und auch bei dieser) wie du es bei aller Knappheit und ohne große Ausschmückungen schaffst den Leser (oder vielleicht ja nur mich :D ) einen ganzen morbiden Mikro-Kosmos hinter dem Geschriebenem erahnen zu lassen. Da fragt überhaupt niemand, warum das Kind die Mutter frisst oder warum es dazu in der Lage ist, das sind halt die unangenehmen Dinge am Leben. :D


Gruß,
Abdul

 

Hi Abdul,

eine ebenso erfreuliche kritik, die du mir da geschrieben hast.

ein morbider mikrokosmos, das geht runter wie Öl.

danke dir!

krilliam Bolderson

 

Bitte verzeih, Krill, dass ich das wieder ans Tageslicht zerre, aber ich reagiere hier auf Moechtegerns Reklame.
Die Geschichte ist ebenso witzig wie fuerchterlich - ein feines und schwarzes Gebraeu. Beeindruckend, wie Du es in so wenigen Zeilen schaffst, mir saemtliche Horrorkinder von Rosemaries Baby bis Acid House heraufzubeschwoeren. Ich weiss jedenfalls schon, wovon ich heute Nacht traeumen werde. Schoenen Dank auch!
Dass man das Fressen der Mutter auch als Metapher lesen kann, hat Goldene Dame ja schon gesagt. Da stimme ich zu und finde es gut. Und ja, der Vater, auch so ein Parasit, wenn nicht gar der Leibhaftige - kann man auch gesellschaftskritisch sehen.
Der Titel ist extraklasse. Ohne den waere ich Moechtegerns Link vielleicht gar nicht gefolgt, obwohl man ihm fuer die Erweiterung "Mutterkuchen Rezept" auch Respekt zollen muss.
Weisst Du uebrigens, wie Mutterkuchen riecht?

Doch heute back ich lieber selbstgepflueckten blackberry crumble.

lg
feirefiz

 

"Mutterkuchen Rezept" könnte ich mir gar nicht ausdenken, das hast du selbst gerade getan. Ich hatte die story als "Krilliams Mutterkuchen" verlinkt.
(Aber du darfst mir jederzeit soviel Respekt für deine Ideen zollen wie du magst :D)

 

Oh, verflixt, das stimmt. Aber die Assoziation lag nahe: "Krilliams Mutterkuchen" klingt eben wie "Lafers Hackbraten", zumal du den Titel nicht gegaesefusst hast. Da hab ich mich wohl von ausserliterarischen Infos zu Krills Berufsstand verwirren lassen. Ich war ausserdem hungrig. :D

 

hhhhhhhhhhmmmm Blackberry Crumble ...

hallo feirefiz,

bin dir nicht böse ;), wenn ich gerade auch mit allem anderen gerechnet habe, als mit der Wiederbelebung des Mutterkuchen.
Die metaphorische Ebene blende ich mal aus, weiß gar nicht mehr, ob sie beabsichtigt war. Ich hpffe natürlich, dass du trotzdem gut schlafen wirst (Nach dem Crumble sollte eigentlich alles wieder gut sein)

Weisst Du uebrigens, wie Mutterkuchen riecht?
Das ist jetzt fast 36 Jahre her, hab ich schlicht und ergreifend vergessen ...

Freut mich, dass dir das Gebräu "gefallen" hat.

Hey Möchtegern,

danke für die Schleichwerbung, hab sie grad entdeckt ;)

Gruß
krilliam

 

Die Geschichte war für sich ganz gut, nur etwas unlogisch: Warum isst ein Kind seine Mutter und unterhält sich gedanklich mit ihr wie ein Erwachsener

Sein blutverschmiertes Gesichtchen zwängt sich durch meinen Nabel und grinst mich kauend an.
„Da mach dir mal keine Gedanken, ich komme schon klar.“
Sonst aber top. :thumbsup:

 

Warum verwandeln sich Menschen in unsterbliche Fledermäuse, die sich vom Blut anderer ernähren?

Nee, im Ernst: War ein Schnellschuss und nicht auf die Einhaltung logischer Denkweisen ausgerichtet. Ein Häppchen für zwischendurch, ein Amuse Bouche, oder was auch immer.

Freut mich aber, dass du es sonst aber top fandest.

Gruß
krilliam Bolderson

 

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