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(Nicht) Nichts

VvA

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04.03.2026
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(Nicht) Nichts

Ich drehe mich. Immer schneller. Über mir: Schwarz. Die Sterne verschwimmen. Der kalte Nachtwind streift mein Gesicht. Meine Füße setzen kleine Schritte, immer um die eigene Achse. Und doch fühlt es sich an, als würde sich die Welt um mich drehen – nicht ich mich in ihr.

Michael steht an der Mauer. Die Hände in den Taschen. Als hätte er alle Zeit der Welt. Er versteht es nicht, aber urteilt auch nicht. Er schaut einfach nur zu.

Mir ist es egal. Heute ist mir alles egal. Ich habe die Welt und sie hat mich, das reicht für den Moment.

Ich drehe mich weiter.

Langsam senke ich meinen Kopf. Es ist schwer, das Gleichgewicht zu halten. Schemenhaft sehe ich Michaels helle Jacke.

Ich wünschte, meine Probleme würden sich genauso auflösen.

Ich strauchle, stolpere und falle ins nasse Gras. Ein Schauer läuft mir über den Rücken, die Feuchtigkeit dringt durch meine Kleidung und in meine Haare. Trotzdem bleibe ich liegen, spüre meinen Atem, höre mein Herz schlagen. Schon lange habe ich mich nicht mehr so klar gespürt.

Wann hat das eigentlich angefangen? Die Unruhe – das Ziehen in zwei Richtungen. Am lautesten werden solche Gedanken bei Menschen, die anscheinend alles richtig machen.

Michael zum Beispiel.

Wir sind nicht zusammen und doch weiß ich, dass er mich mag. Ich könnte mir keinen besseren Freund vorstellen, er ist einfach … „gut“ vermutlich. Und das macht mich wütend. Manchmal, und im Stillen.

Bei Michael wirkt alles leicht. Studium, Freunde, Hobbies. Ein richtiges Erwachsenenleben. In solchen Momenten werde ich sauer, sauer über seine Gutmütigkeit, darüber, dass er mir nie böse ist, alles verzeiht und dabei auch noch so gelassen wirkt, als stünde er über allen Dingen.

Neben ihm wirken meine eigenen Schwächen immer viel größer. Vielleicht macht mich genau das so ungehalten.

Ich weiß, dass ich unfair bin, dass ich ihm Unrecht tue und doch kann ich nicht anders.

Manchmal ertrage ich seine Ruhe einfach nicht und das Gefühl wird dann so laut, dass ich am liebsten ausrasten würde.

Nur einmal, ein einziges Mal, habe ich bei ihm quasi eine Reaktion ausgelöst.

Ich weiß bis heute nicht, ob es Absicht war, als ich sein neues Modellflugzeug umgestoßen habe. Ich bilde mir irgendwie ein, es war ein Versehen. Nur hat es sich dafür erstaunlich richtig angefühlt … Wie sehr es ihn aber getroffen hat, habe ich sofort in seinem Blick gesehen. Da war etwas Neues. Keine blinde Wut. Aber etwas, das bei für seine Verhältnisse fast daran herankam.

Für einen Sekundenbruchteil.

Danach?: Die gleichmütig wohlwollende Gelassenheit – wie immer: „Ist ok, vielleicht kann man das kleben. Oder ich bau ein neues. Nicht schlimm!“

Ich habe ihn stehenlassen, mich mit einem Vorwand verabschiedet und bin gegangen. Wütender als je zuvor auf mich.

Wie schon gesagt, ich tue ihm Unrecht.

Ich öffne langsam die Augen. Das Bild ist wieder klar, dreht sich nicht mehr. Der schwarze Himmel mit seinen vielen Sternen wirkt wie ein leuchtender Teppich. Fast unecht. Meine Gedanken sind plötzlich weit weg. So weit, dass ich sie nicht mehr fassen kann.

Michael steht jetzt neben mir, meine Jacke in seiner Hand. Aufmunternd streckt er sie mir entgegen.

Er sagt nichts.

Über uns die Sterne – ruhig, als wäre nichts gewesen.

 

Willkommen bei den Wortkriegern, @VvA

Dein Einstand ist für mich eigentlich keine richtige Geschichte, mehr so eine Szene, ein Tagebucheintrag, eine Befindlichkeit. Aber keine Angst, jede/r hat mal klein angefangen und wenn du dich hier umliest, findest du auf jeden Fall genug Geschichten, die dir als Beispiel dienen, wie man Konflikt und Handlung miteinander verknüpft.

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Jeder Austausch bringt dich auf deinem Weg zum Schreiben weiter und du erhälst damit auch Leser und Kommentare zu deinen Texten.

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1. Der Titel bleibt für mich rätselhaft.

Ein Nichtnichts?​
Kein Nichts?​
Es ist eben nicht nichts?​
Der Versuch einer Interpretationen ergibt für mich am Ende – nichts. :D

2. Es passiert einfach zu wenig. Ein möglicher Konflikt zwischen den Protagonisten wird nur angedeutet.

Die Erzählerin ist frustriert, dass ihr bester Freund zu wenig Kontra gibt. Anscheinend versucht sie ihn ständig aus der Reserve zu locken, wie hier mit der egoistischen Tanzeinlage oder auch der angeblich "unabsichtlichen" Zerstörung seines Modellflugzeugs.
Eigentlich bietet diese Konstellation einen prima Hintergrund für eine Beziehungsgeschichte, aber du deutest die Spannung zwischen den beiden eben nur an, verlierst dich in Behauptungen, die mich als Leser aussen vor lassen.

Hier ein paar Beispiele zur Verdeutlichung:

Mir ist es egal. Heute ist mir alles egal. Ich habe die Welt und sie hat mich, das reicht für den Moment.
Warum ist ihr gerade heute alles egal? Da fehlt mir der Zugang, weil ich deine Erzählerin und ihre Vorgeschichte nicht kenne. Der letzte Satz ist dann so allgemein gehalten, dass er überhaupt nichts aussagt.

Schon lange habe ich mich nicht mehr so klar gespürt. Wann hat das eigentlich angefangen? Die Unruhe – das Ziehen in zwei Richtungen. Am lautesten werden solche Gedanken bei Menschen, die anscheinend alles richtig machen.
Auch hier wieder rätselhafte Behauptungen. Da lese ich drüber ohne dass es etwas bei mir auslöst.

Ich könnte mir keinen besseren Freund vorstellen, er ist einfach … „gut“ vermutlich. Und das macht mich wütend. Manchmal, und im Stillen.
Okay. Sie ist wütend, weil sie insgeheim neidisch ist auf seine – in ihren Augen – perfekte Art. Zeig mir das anhand einer Szene, eines Dialogs, pack Leben rein.
Die Abschwächung am Schluss brauchts nicht.

Neben ihm wirken meine eigenen Schwächen immer viel größer. Vielleicht macht mich genau das so ungehalten.
Auch hier wieder: Was sind denn ihre Schwächen? Zeige es mir, denn so ist es wiederum nur eine Behauptung.

Ich hoffe, meine Anmerkungen helfen dir weiter.
Liebe Grüsse, dotslash

 

Hobbies
Hobbys (deutsche Schreibweise)

Ich weiß noch nicht, wie alt die beiden sind. Zeitweise hatte ich ein Kinderbuch im Kopf. Es fiel aber das Wort "Studium" sowie "Hobbys". Sie haben Gefühle füreinander. Das könnte sowohl zu Jugendlichen als auch zu jungen Erwachsenen passen. Ich weiß auch nicht, wo die Geschichte stattfinden könnte. Es ist sehr vage gehalten.

Der Höhepunkt ist eigentlich das Missgeschick mit dem Modellflugzeug, dass sie ihm die ruhige Reaktion nicht verzeiht und weggeht, oder? Danach passiert nicht so viel bei ihr. Er steht bei ihr und sie betrachtet die Sterne. Das einzig ist eventuell, dass anstrengende Gedanken nun verschwunden sind, aber hier lohnt es sich mehr zu erzählen. Es gibt eine Veränderung bei ihr, bei ihm nicht. Sonst wäre der Text quasi immer derselbe Ton.

Der Anfang erinnert mich leicht an ein Gedicht. Es gibt viele Halbsätze.

 

Herzlich Willkommen, @VvA!
Auch ich lasse dir mal ein paar Eindrücke zu deinem Einstand hier.
Zunächst der Titel, der sich möglicherweise in "(Vielleicht) Etwas" auflösen lässt. Es geht scheinbar darum, dass die Ich-Person auszuloten versucht, ob es mehr zwischen Michael und ihr/ihm gibt. Also nicht Nichts. Das ist keine Geschichte, eher eine Episode, ein Augenblick, an dem wir teilnehmen.
Beim Lesen bin ich flüssig durchgekommen, das ist schon viel wert, dennoch hat mich der Gedankenlauf der Ich-Person (ich weiß nicht ob es eine Sie oder ein Er ist) ein ums andere Mal verloren, daher werfe ich ein paar meiner Gedanken beim Lesen hier hinein.

Ich drehe mich. Immer schneller. Über mir: Schwarz. Die Sterne verschwimmen. Der kalte Nachtwind streift mein Gesicht. Meine Füße setzen kleine Schritte, immer um die eigene Achse. Und doch fühlt es sich an, als würde sich die Welt um mich drehen – nicht ich mich in ihr.
Schöner Einstieg, ich drehe mich mit. Der letzte Satz eine schöne Beobachtung, und spiegelt ein wenig die juvenile Weltsicht der Ich-Person, den heimlichen Wunsch, dass sich die Welt doch bitte auch nach dem Ende der Kindheit noch ein wenig länger um einen drehen möge.
Michael steht an der Mauer. Die Hände in den Taschen. Als hätte er alle Zeit der Welt. Er versteht es nicht, aber urteilt auch nicht. Er schaut einfach nur zu.
Woher weiß Ich-Person das? Das ist eine unbelegte Behauptung. Der Satz davor ("Als hätte ...") kein Ding, das ist eine Annahme, der nächste Satz ist Gedankenlesen, und genau das kann Ich-Person ja nicht.
Mir ist es egal. Heute ist mir alles egal. Ich habe die Welt und sie hat mich, das reicht für den Moment.
Was genau ist egal?
Ich wünschte, meine Probleme würden sich genauso auflösen.
Und was für Probleme? Ich finde dazu nichts weiter im Text. Es scheint am Ende nur um das Verhältnis zu Michael zu gehen.
Ich strauchle, stolpere und falle ins nasse Gras. Ein Schauer läuft mir über den Rücken, die Feuchtigkeit dringt durch meine Kleidung und in meine Haare. Trotzdem bleibe ich liegen, spüre meinen Atem, höre mein Herz schlagen. Schon lange habe ich mich nicht mehr so klar gespürt.
Zugegeben ist es eine Weile her, dass ich mich wie ein Kreisel gedreht habe, aber bestimmt habe ich mich danach nicht bei mir gefühlt, sondern äußerst dissonant - der Körper ruht, aber es fühlt sich an, als würde man sich weiter drehen. Ich kann das nicht so ganz mitspüren. Aber ich werde auch sehr leicht seekrank.
Wann hat das eigentlich angefangen? Die Unruhe – das Ziehen in zwei Richtungen. Am lautesten werden solche Gedanken bei Menschen, die anscheinend alles richtig machen.
Auch dieser Satz ist mir nicht ganz klar. Welche zwei Richtungen. Gerade haben wir uns noch im Kreis gedreht. Und der letzte Satz ist ein Rätsel ... was für Gedanken? Und wer macht schon alles richtig?
Wir sind nicht zusammen und doch weiß ich, dass er mich mag. Ich könnte mir keinen besseren Freund vorstellen, er ist einfach … „gut“ vermutlich. Und das macht mich wütend. Manchmal, und im Stillen.
Here we are. Michael ist der beste Freund, aber nicht mehr (?). Warum steht "gut" in Anführungszeichen? Was bedeutet gut in diesem Kontext. Gut für Ich-Person? Gut im Sinne der Definition eines Freundes? Und warum dann Wut? Warum nicht Traurigkeit, Sehnsucht, Einsamkeit? Und wütend auf wen?
Bei Michael wirkt alles leicht. Studium, Freunde, Hobbies. Ein richtiges Erwachsenenleben. In solchen Momenten werde ich sauer, sauer über seine Gutmütigkeit, darüber, dass er mir nie böse ist, alles verzeiht und dabei auch noch so gelassen wirkt, als stünde er über allen Dingen.
Auch das kann ich nicht nachvollziehen. Wer wünscht sich denn nicht Verständnis, Geduld, Nachsicht, Gelassenheit? Worum geht es hier? Dass Michael nicht (an)erkennt, dass das Leben ein ständiger Kampf für Ich-Person ist, weil ihm alles zufällt oder leicht von der Hand geht? Das ist alles sehr wolkig und lässt mich ratlos im Text zurück.
Neben ihm wirken meine eigenen Schwächen immer viel größer. Vielleicht macht mich genau das so ungehalten.
Ach so, darum geht es! Ich-Person hat kein Problem mit Michael, sondern mit sich selbst?
Ich weiß, dass ich unfair bin, dass ich ihm Unrecht tue und doch kann ich nicht anders. Manchmal ertrage ich seine Ruhe einfach nicht und das Gefühl wird dann so laut, dass ich am liebsten ausrasten würde.
Definitiv ein Problem mit sich - und es gilt, was im ersten Absatz stand: Dieser Ärger entsteht aus der Erkenntnis, dass die Welt sich nicht um Ich-Person dreht.
Nur einmal, ein einziges Mal, habe ich bei ihm quasi eine Reaktion ausgelöst. Ich weiß bis heute nicht, ob es Absicht war, als ich sein neues Modellflugzeug umgestoßen habe. Ich bilde mir irgendwie ein, es war ein Versehen. Nur hat es sich dafür erstaunlich richtig angefühlt … Wie sehr es ihn aber getroffen hat, habe ich sofort in seinem Blick gesehen. Da war etwas Neues. Keine blinde Wut. Aber etwas, das bei für seine Verhältnisse fast daran herankam. Für einen Sekundenbruchteil. Danach?: Die gleichmütig wohlwollende Gelassenheit – wie immer: „Ist ok, vielleicht kann man das kleben. Oder ich bau ein neues. Nicht schlimm!“
Die Existenz dieses gesamten Parts ist mir nicht klar. Worum geht es hier? Warum ist es so wichtig, Michael zu provozieren? Was gewinnt man damit? "Quasi eine Reaktion ausgelöst" ist sehr schräg. Was fühlt sich "richtig" an? Dass Michael sich verletzt fühlt?
Ich habe ihn stehenlassen, mich mit einem Vorwand verabschiedet und bin gegangen. Wütender als je zuvor auf mich.
Wütendsein hat Ich-Person drauf.
Ich öffne langsam die Augen. Das Bild ist wieder klar, dreht sich nicht mehr. Der schwarze Himmel mit seinen vielen Sternen wirkt wie ein leuchtender Teppich. Fast unecht. Meine Gedanken sind plötzlich weit weg. So weit, dass ich sie nicht mehr fassen kann.
Zurück im Gras. Wann wurden die Augen geschlossen? Und hier hat es aufgehört, sich zu drehen, aber vorher hat das Bild sich nicht gedreht. Davon steht vorher gar nichts.
Michael steht jetzt neben mir, meine Jacke in seiner Hand. Aufmunternd streckt er sie mir entgegen.
Zu Beginn hatte Michael die Hände in den Taschen, wo kommt die Jacke her und warum ist die Jacke hier eine Erwähnung wert wichtig? Streckt Michael die Jacke entgegen, oder die Hand? Ich persönlich fände eine Hand hilfreicher, wenn ich im nassen Gras liege.
Er sagt nichts.
Was sollte er denn sagen? Warum ist das eine Erwähnung wert?
Über uns die Sterne – ruhig, als wäre nichts gewesen.
Es war ja auch nichts. Es ist ja tatsächlich nicht groß etwas passiert.

Du liest heraus, dass ich mit den Gedanken von Ich-Person fremdele. Ich bin mir sicher, dass dir die Innenwelt von Ich-Person vor Augen steht, aber ich habe nicht das Gefühl, dass du sie mir nahebringen konntest.
Für mich ist die Wut nicht anschlussfähig, nicht deutbar, gegen wen richtet sie sich, wodurch wird sie ausgelöst, und was hat Michael damit zu tun?
Schön wäre auch, wenn diese kurze Episode mit einer Auflösung aufwarten könnte, einer (Selbst-)Erkenntnis, die einen Ausweg aus diesem Wutreflex aufzeigt und beiden eine Perspektive bietet, die zu Beginn nicht da war.
Im Endeffekt hat sich (Absolut) Nichts zwischen Anfang und Ende verändert.
Und das wäre doch eine Überarbeitung wert.
Lieben Gruß,
bvw

 

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