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  • Macht bis zum 15.08.2020 mit bei der ersten jährlichen Sommer-Challenge für Kindergeschichten: Zielgruppe Krümel.

Nikolaus…. oder „Nicht wieder Opa Erwin“!

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06.12.2019
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Nikolaus…. oder „Nicht wieder Opa Erwin“!

Vorweihnachtszeit! Ich mag diese Zeit im Jahr.
Nikolaus, die Generalprobe für das Weihnachtsfest haben wir ja gerade hinter uns gebracht. Wie gut, das man bescheren immer schon mal am 6. Dezember üben kann.
Man verlernt ja so viel übers Jahr.
Aber nicht nur das Schenken üben gefällt mir an dieser Zeit im Jahr, sondern das ganze Drumherum. Es ist im günstigsten Fall knacke kalt. Abends wird’s früh dunkel. An Fenstern und Balkonen hat Vati im Schweiße seines Angesichts und unter Zuhilfenahme diverser kalter Hopfentees und kleinen Feiglingen die Weihnachtsbeleuchtung montiert. Aber nicht ohne das gesamte Repertoire der ihm bekannten Schimpfwörter aufzusagen und wenn’s klappt, wie jedes Jahr mindestens ein Rentier geköpft und eine Christkind Figur plattgesessen. Aber von draußen sieht’s nett aus.

Was ich hingegen gar nicht mag, sind Innenstädte zu dieser Zeit. Oder vielmehr, die Innenstädte mag ich schon, nur nicht deren Inhalt. Alles ist weihnachtlich geschmückt, überall hängt Weihnachtsbeleuchtung, es riecht lecker. Jedenfalls meistens. Nur da nicht, wo wieder mal ein als Nikolaus verkleideter Aushilfsschauspieler die 10 Bratwürste und 3 Liter Glühwein wieder zurückgebracht hat. Wäre das schön, wenn die Städte menschenleer wären. Was muss man sich stattdessen ansehen? Einkaufende Konsumjunkies die mit unzähligen Einkaufstüten bepackt, die Glühweinfahne schwenkend von einem Geschäft zum nächsten hetzen. Dann die unzähligen Weihnachtsmarktstände an denen es wie jedes Jahr was gibt? Nein, kein Kunstgewerbe aus dem Erzgebirge, oder handgelutschte Bonbons, auch kein Glas- oder Lederkünstler. Nichts dergleichen. Bratwurst, Champignons und Glühwein. Am Champignon Stand stehen schon mehr oder weniger vernebelte Gestalten, die mit sich und ihrem Magen ringen, was ihnen früher Guten Abend wünscht. Die aktuell zugeführten Champignons oder die Poffertjes von vor einer Stunde. Man will das Resultat nicht sehen und geht weiter, nur um an einen der 150 Glühweinstände zu kommen.

Glühweinstände !

Das Wacken aller Büroangestellten.

Das muss der brave Kuli-Akrobat einmal im Jahr mitgemacht haben. Der Hauptvorteil an diesem Getränk ist seine Hitze. Er macht sehr schnell runde Füße und der Konsument verschwendet ganz schnell keinen Gedanken mehr daran, wie scheußlich das Zeug eigentlich schmeckt. Vom Preis mal ganz abgesehen. Ich stell‘ mich dann meist ganz schnell ans Kinderkarussel und schaue zu wie ein Pferd hinter einem Feuerwehrwagen herläuft und dabei versucht einen Jumbo-Jet zu überholen. Das gleiche sehen die Glühweintrinker auch. Nur ohne Kinderkarussel. Anschließend noch schnell eine Tüte dieser leckeren Bonbons kaufen (das einzig genießbare) und dann schnell nach Hause.

Zu Hause. Da kommen wir nun zum eigentlich Thema meiner Geschichte. Nikolaus. Also nicht die Person, sondern das Ereignis. Also, schon die Person, aber in Verbindung mit dem Ereignis. Also der Nikolaus der sich ereignet…….Jetzt bin ich raus. Ich fang nochmal neu an.

Zum Nikolaus, seiner Figur und seinem Auftreten habe ich ein zwiespältiges Verhältnis. Und warum das so ist, erklärt folgendes eigentlich ganz gut.

In dem Haus in dem ich wohne, haben wir eine sehr gute Mietergemeinschaft. Wir kennen uns alle, wohnen schon viele Jahre dort, helfen uns wenn nötig, feiern zusammen usw. Wir sind eigentlich wie eine sehr große Familie, in der ich, zwar nur mit kleinem Abstand, aber eben doch, der Älteste bin. Ist jetzt nicht wichtig, aber mal merken für später.

Vor einigen Jahren saßen wir alle, wie jedes Jahr, zusammen beim Neujahrsfrühstück. Der aufmerksame Leser wird sich nun fragen, wer hat so große Räume für so viele Leute? Gut aufgepasst. Also in grauer Vorzeit saßen wir tatsächlich immer bei jährlich wechselnden Familien und verteilten uns gleichmäßig über die ganze Wohnung. Dieses sitzen über mehrere Zimmer förderte nicht gerade die Kommunikation und die Plätze nahe der Küche waren immer heißbegehrt. Teilweise sollen dafür sogar Schmiergelder geflossen sein. Die Angelegenheit ist bis heute ungeklärt. Jedoch kam immer häufiger das Gesprächsthema auf einen fehlenden Partyraum. Erst sollten einige Kellerbesitzer enteignet werden um daraus eine entsprechende Location zu basteln, was unter heftigem Protest einiger Heimlichtrinker schnell wieder fallen gelassen wurde. Das naheliegende fiel uns allen natürlich zuletzt ein. Der Trockenraum. Dort standen Wasch- und Trockenmaschinen und durch den ganzen Raum zogen sich Trockenleinen. Kurzerhand wurden die Leinen gekappt und der Raum von einer Horde Feierwütigen geentert. Schnell war ein Eimer Farbe besorgt. Die einzige im Haus befindliche Farbe war das pink aus dem Kinderzimmer der kleinen Lisa. Eine Diskussion über eine andere Farbe erübrigte sich, da keiner zum Baumarkt fahren wollte. Für Musik sollte in Zukunft die Stereoanlage des kleinen Robert sorgen, nachdem sein Vater diese kurzerhand konfisziert hatte. Natürlich musste dafür demnächst ein neuer MP3 Player her, spielte jedoch im Moment keine Rolle. Hauptsache Musik war da. Ich als Besitzer der meisten CDs wurde kurzerhand zum zukünftigen DJ erklärt und eine Sitzgruppe, mehrere Tische und Stühle sowie ein Kühlschrank fanden den Weg in unseren neuen Partykeller. Seitdem fanden alle möglichen und unmöglichen Fest- und Feieraktivitäten im neuen „Pink Panther Club“ statt. Wer für den Namen und das entsprechende Bild auf der Tür verantwortlich war, ließ sich nie klären. Fakt ist nur, das alle Beteiligten extrem besoffen waren.

Wir saßen also wie jedes Jahr im „PPC“ zum Neujahrsfrühstück zusammen und plauderten, nachdem alle ausreichend Kalorien zugeführt hatten, über das abgelaufene Jahr. Ich hatte mir nach dem Essen einen der gemütlichen Sessel aus der Sitzgruppe geschnappt, saß nun dort, rührte in meinem Kaffee und hörte der aktuell laufenden Diskussion zu. Sie drehte sich um den 6. Dezember vom vorletzten Jahr und über die allgemeine Unzufriedenheit darüber. Folgende Gesprächsfetzen sollten zum Verständnis ausreichen. ….das war ja wohl nix….. ….hätte man aber auch nicht ahnen können…...rausgeschmissenes Geld….. …machen wir nicht wieder….. „Wir brauchen für dieses Jahr einen neuen. Nicht so alt, aber doch im gesetzten Alter. Und seriös. Ja und Bart natürlich.“…. Und plötzlich war das einzige was ich hörte das Geräusch meines Löffels beim Kaffee rühren. Ich hörte auf zu rühren. Totenstille. Kein Wort mehr zu hören. Cool, dachte ich. Alle meine Nachbarn sind vermutlich soeben von Captain Kirk auf die Enterprise gebeamt worden und mich hat man vergessen. Ich schaute auf um meine Vermutung optisch zu bestätigen. Ahhhh….ich zuckte vor Schreck zurück und verschüttete beinahe meinen Kaffee. Ich schaute in 12 mich anschauende, erwartungsvolle, teilweise noch kauende Gesichter. „Was?“ fragte ich. „Hab‘ ich zu laut gerührt?“ „Nein, nein“, hörte ich alle schnell beschwichtigend sagen. „Ach ihr wollt mich hypnotisieren. Okay, ist gelungen. Quatscht weiter und einer kann mir noch einen neuen Kaffee bringen“ sagte ich, lehnte mich zurück und wollte den letzten Rest dieser scheußlichen, braunen Brühe trinken. „Ich weiß nicht warum ihr den Kaffee immer so stark macht. Der ist dermaßen bitter….“ Weiter kam ich nicht. Anna sprang auf, entriss mir fast die Tasse und rief im Rausgehen: „Ich hol dir von oben einen leckeren Cappuccino!“ Und weg war sie. Und mit ihr meine Kaffeetasse. „Äh?“ staunte ich mit offenem Mund. Anna hat mir noch nie einen Cappuccino geholt. Hier stimmt was nicht. Mein über Jahre mühsam entwickeltes Misstrauen kam hervor und ich sagte in die Runde: „Okay, ihr wollt was. Schon klar. Lasst hören“. Rudi rutschte mit seinem Stuhl in Richtung meines Sessels, beugte sich etwas vor und fragte. „Du hast gehört worüber wir gerade gesprochen haben?“ „Ja sicher“ sagte ich, „bin ja nicht taub“ „Ihr braucht für dieses Jahr wieder einen Nikolaus für die Kinder“. „Ja genau“ bestätigte Rudi schnell. „Ja und wo ist das Problem? Dritte Querstraße von hier, Haus Abendruh‘, der Seniorenstift. Wieder dort anfragen“. Plötzlich redeten alle durcheinander. Man verstand nicht viel, nur so viel dass mein Vorschlag nicht gefiel. Der Tenor der Diskussion war…….“nicht wieder
Opa Erwin….“.
„Was habt ihr gegen Opa Erwin?“ fragte ich. Daraufhin erklärte mir Rudi ausführlich, wieso Opa Erwin auf keinen Fall wieder in dieses Haus dürfe und schon mal gar nicht als Nikolaus. Ich fasse mal zusammen. Nikolaus vor 2 Jahren war Opa Erwin als Nikolaus engagiert worden. Er kam daraufhin mit dem (wie wir später feststellten) frisierten Elektrorollstuhl eines Mitbewohners. Was verwunderlich war, da Opa Erwin noch flink wie ein Wiesel war. Jedenfalls war er rein optisch ein prima Nikolaus. Er hatte sogar den Rollstuhl mit Lichterketten, Christbaumkugeln und Tannenzweigen geschmückt. Die Kinder bekamen ihre Geschenke, waren froh und alles war bis dahin prima. Nur die After-Show-Party gefiel dann den anwesenden Eltern nicht so. Nachdem die Kinder und Opa Erwin mit der geschenkten Carrera-Bahn gespielt hatten, waren sie im Geschwindigkeitsrausch mehrfach mit dem hochgezüchteten und mit mindestens jeweils 2 Kindern besetzten Elektrorollstuhl den Kellergang mehrfach rauf und runter geheizt. Was zur Folge hatte, das so ziemlich alles was im Gang stand und nicht aus Titan war, komplett zerstört wurde. Verletzte gab es nicht. Im Laufe der weiteren Veranstaltung vernichtete Opa Erwin den kompletten Bestand an Glühwein. Außerdem fehlten erhebliche Mengen Grillfleisch und Würstchen. Da er das unmöglich alles gegessen haben konnte, wurde vermutet er habe ein Geheimfach im Rollstuhl um seine Mitbewohner entsprechend zu versorgen. Zu guter Letzt bot ihm Hans, unser Whiskeysammler, noch einen Schluck seines sauteuren und steinalten in 1000 Jahre alten Eichenfässern gereiften Gesöffs an. Mehr wie ein Mini Glas voll bekam man von Hans nie davon angeboten. Opa Erwin sagte: „Zeig mal die Flasche“ und als Hans sie später wieder auf dem Tisch stehen sah, waren von 0,7 Liter noch 0,1 Liter drin. Opa Erwin war zu diesem Zeitpunkt schon wieder auf dem Heimweg. Seinen Rollstuhl schob er fröhlich pfeifend vor sich her, da durch das improvisierte Formel 1 Rennen die Akkus schon lange leer waren. Aus diesen Gründen also nächster Nikolaustag ohne Opa Erwin. „Okay, verstehe ich“, sagte ich zu Rudi. „Aber wer soll’s denn machen?“ Und plötzlich waren sie wieder da. Die 12 erwartungsvollen Gesichter, die mich anschauten. Eins dieser Gesichter hielt mir eine Tasse dampfenden, duftenden Cappuccino unter die Nase. Ui, dachte ich, plötzlich merkend in welche Richtung das ging. „Neiiiiiiin, nein, ich doch nicht. Sowas kann ich nicht“, versuchte ich mich recht hilflos aus dieser misslichen Situation zu befreien. Aber bei 12 gegen 1 hat man wirklich die A….karte gezogen. Ich wurde also zum diesjährigen Nikolaus auserkoren. Gut, dachte ich. Bis dahin haben die das eh vergessen. Ich erwähnte es sowieso nie wieder und hoffte alle anderen auch nicht. Zum Osterbrunch wurde ich dann nach dem Stand meiner Vorbereitungen gefragt. Von wegen vergessen. Also begann ich widerwillig mich mit dem Gedanken zu beschäftigen und Anfang November startete ich tatsächlich die schon im Ansatz zum Scheitern verurteilte Mission.

Die Zwangsverpflichtung und die damit verbundene Unlust wirkten sich negativ auf meine Kreativität aus. Ich sollte wie ein Nikolaus aussehen, reden, mich bewegen und möglichst eindrucksvoll die Kinder beschenken. Zurückblickend betrachtet habe ich mir nicht die geringste Mühe gegeben. Aber kann man’s mir übel nehmen? Nein, kann man nicht. Zwangsarbeit ist aus gutem Grund nicht mehr erlaubt. Ich begann mit dem Kostüm. Geld dafür wollte ich selbstverständlich keins ausgeben. Die Nachbarn hatten auch nichts von einem Trikot-Sponsoring gesagt, also improvisieren. Ich ging in den Keller. Dort war noch ein Koffer von Tante Elli. Tante Elli wohnte vor Jahren auch in unserem Haus, bis ihre Kinder sie zu sich in ihr neues Haus nahmen. Sie besucht uns regelmäßig. In diesem Koffer war ein wunderschöner, roter Bademantel von Tante Elli. Nun ja, wunderschön war er sicher mal. Vor geschätzten 50 Jahren. Aber er war rot und er passte mir. Dazu meine ausgemusterten, roten Bermuda-Shorts aus den 70er Jahren, die kniehohen schwarzen Gummistiefel vom letzten Hochwasser und eine löcherige (vermutlich Motten) rote Pudelmütze. Keine Ahnung wer die einst auf seinem Kopf spazieren trug und wie sie in meinen Altkleidersack kam. Sowas gibt’s heute gar nicht mehr. Aus Tierschutzgründen werden ja gar keine Pudelmützen mehr hergestellt. Alles unter den Arm geklemmt, im Hinausgehen noch den alten Kartoffelsack gegriffen und ab nach oben in die Wohnung, allen Nachbarn, denen ich begegnete, ein mächtiges Ho-Ho-Ho entgegen schmetternd. In der Wohnung bastelte ich mir noch einen weißen Bart aus einem Mundschutz den ich mit Unmengen von Watte beklebt und fertig waren meine Vorbereitungen. In den nächsten Wochen arbeitete ich noch an meinem Ho-Ho-Ho. Im Hausflur hallte es so schön. Die Nachbarn unterstützten mich, indem sie mir auch immer mit einem Ho-Ho-Ho antworteten.

Dann kam der 6.12. Seltsamerweise war ich aufgeregt. Ich wollte das zwar nicht machen, aber wenn schon dann auch gut. Ich stand in voller Montur in meiner Wohnung, der Kartoffelsack voll mit den Geschenken und ging im Geiste meinen Text mit den Verfehlungen oder guten Taten der Kinder durch. Ich hatte hierzu meinen alten Diercke-Weltatlas in Weihnachtsgeschenkpapier eingeschlagen um daraus vorzulesen. Wird schon klappen, dachte ich und machte mich auf den Weg in den Nikolaus-Party-Keller. Der Rest lief eigentlich ab, wie man sich einen typischen Nikolaus-Auftritt vorstellt. Anklopfen, eintreten…Ho-Ho-Ho….das große Buch….vorlesen….bescheren….Fertig! Hat doch gut geklappt, freute ich mich und wollte mich wieder verabschieden. Da löste sich meine zum Nikolausbart umgebaute Staubschutzmaske und fiel von meinem Gesicht. Das mich bisher keins von den Kindern erkannt hatte wunderte mich zwar, freute mich jedoch weil es zeigte wie perfekt mein Kostüm war. Nun ohne Bart war es doch etwas anderes. Alle Kinder fingen an zu lachen, zeigten mit dem Finger auf mich und riefen meinen Namen. Tja, als Nikolaus versagt. Irgendwie ärgerte mich das. Da gibt man sich die größte schauspielerische Mühe und dann sowas. Die Nachbarn trösteten mich und ich hoffte, dass dies mein erster und letzter Nikolaus hier war. Tage später fragten sie mich zwar, ob ich im nächsten Jahr nochmal antreten würde, ich lehnte jedoch dankend ab. Was auch widerspruchslos hingenommen wurde. Kein Wunder nach dem Reinfall.

Im folgenden Jahr hatten die Nachbarn tatsächlich einen neuen Nikolaus. Ich traf ihn an der Haustür als ich hinausging. Wohin? Später. Nun, dieser Nikolaus war jetzt nicht wirklich glücklich ausgewählt worden. Er war sehr klein und dünn, so um die 1,55 m und sah schon sehr asiatisch aus. Aber mit Bart sah das eh keiner und er könnte sich ja auf einen Bierkasten stellen. Ich wünschte ihm von ganzem Herzen viel Erfolg, er erwiderte ein hastiges „domo arigato“ und verschwand die Kellertreppe hinunter.

Ich hingegen machte mich auf den Weg zu meinem Nikolausauftritt. Ja ganz Recht. Seit dem Desaster Auftritt hatte mich doch irgendwie das Nikolausfieber gepackt. Ich kaufte mir ein professionelles Kostüm, ließ einige Zeit vor Nikolaus meinen Bart wachsen und am 1.12. beim Frisör grau färben und sah aus wie ein ordentlicher Nikolaus. Und seitdem gehe ich jedes Jahr am 6.12. zur Nikolausbescherung drei Querstraßen weiter ins Haus Abendruh‘, dem Seniorenstift von Opa Erwin. Wenn Sie, lieber Leser, mal schauspielerische Glanzleistungen sehen wollen, perfekte Bewegungen und Texte die auf den Punkt kommen und authentisch klingen, hören wollen dann kommen sie ins Haus Abendruh‘. Überraschtere Gesichter wenn es an der Tür klopft, ängstlichere Gesichter wenn aus dem großen Buch vorgelesen wird und freudigere Gesichter wenn die Geschenke überreicht werden kann man sich nicht wünschen. Nicht zu vergessen das Freudengeschrei wenn der Nikolaus sich den Bart abnimmt und seinen Mantel auszieht. Hätte nie gedacht, das Nikolaus sein so viel Spaß macht.

Nach der Bescherung gibt es dann immer ein kombiniertes Kaffetrinken-Abendbrot. Süße und herzhafte Schnittchen, Kaffee, Tee, Glühwein und für die eine oder andere Dame ein Sektchen. Beim ersten Mal rollte Opa Erwin im (immer noch geliehenen) Rollstuhl auf mich zu. Ich fragte ihn wieso er nicht zu Fuß ginge, er könnte es doch noch. Erstens sei es bequemer und zweitens schaute der Besitzer dieser frisierten Höllenmaschine in der Zeit immer Sky in Opa Erwins Zimmer und bräuchte dann das Ding sowieso nicht. Danach schüttete er mir etwas aus seiner Thermosflasche ein. Sah aus wie Pfefferminz- oder Kamillentee. Ich wollte jetzt zwar keinen Tee, nahm aber dankend an. Komisch, dachte ich. Kein Tee. Schmeckt nach Whiskey. Schmeckte wie der Whiskey von Hans unserem Whiskeysammler. In der Thermosflasche also. Opa Erwin sah mich an und kniff das linke Auge zu. Ich grinste und prostete ihm zu.

Nachdem sich alle gestärkt haben, wird meistens der Beamer angeworfen, die Leinwand herunter gezogen und die Wii Konsole gestartet. Auf zum Bowling, Kegeln oder Tennis. Habe ich ein paar Zeilen vorher geschrieben, das es Spaß macht ein Nikolaus zu sein? Stimmt auch. Was keinen Spaß macht, ist jedes Jahr in allen drei Disziplinen gegen Opa Erwin zu verlieren. Wieso kann der das so gut, der alte Fuchs? Heiligabend bin ich übrigens auch hier. Ohne Verkleidung.

Ich wünsche allen Lesern eine schöne Vorweihnachtszeit,
ein ruhiges und auch besinnliches Weihnachtsfest
und ein gesundes und glückliches Neues Jahr.
 
Senior
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10.09.2014
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Hola @Reinhold S.,

Deine Geschichte scheint nicht viele Leser zu interessieren, und nach dem ersten Drittel muss ich leider sagen: mich auch nicht. Trotzdem habe ich den Text noch bis zum Ende überflogen, doch mein insgeheimes Hoffen auf eine, wenn auch nach langer Vorrede, noch stattfindende Überraschung, auf einen Twist, auf irgendetwas, was nicht nur das Lesen, sondern auch das Schreiben rechtfertigt, hat sich nicht erfüllt.

Okay, das hätte ich auch für mich behalten können – wenn ich aber sehe, dass Du nicht nur fehlerfrei, sondern auch flüssig und gut formuliert schreibst, dann denk ich mir doch: Warum schreibt der Kerl nicht etwas Anspruchsvolleres? Auch wenn jeder unter A. etwas anderes verstehen mag, so wären wir uns doch einig, dass dieser Text zu flach und simpel ist.

Vielleicht kann ich in Dir verborgenen schriftstellerischen Ehrgeiz herauskitzeln?*)

Reinhold S.: schrieb:
Ich wünsche allen Lesern eine schöne Vorweihnachtszeit,
ein ruhiges und auch besinnliches Weihnachtsfest
und ein gesundes und glückliches Neues Jahr.
Sehr freundlich, vielen Dank. Meine guten Wünsche auch an Dich!
José

*)Deinen ‚Nikolaus’ hast Du passend am 6.12. eingestellt, leider präsentiert sich das Forum momentan etwas (winter)schläfrig. Keine Ahnung, woran das liegen mag. Aber bleib am Ball – hier kann es sehr munter zugehen!
 
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29.12.2013
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*)Deinen ‚Nikolaus’ hast Du passend am 6.12. eingestellt, leider präsentiert sich das Forum momentan etwas (winter)schläfrig. Keine Ahnung, woran das liegen mag. Aber bleib am Ball – hier kann es sehr munter zugehen!
Das lag wahrscheinlich an der laufenden Chellange im Dezember, da sind alle immer voll beschäftigt.

Hallo @Reinhold S.

ein spätes Herzlich willkommen hier.

Und damit Du auch noch einen lämgeren Kommentar auf Deine Geschichte bekommst, habe ich sie wieder ausgegraben ;)

Nikolaus, die Generalprobe für das WeihnachtsfestKOMMA haben wir ja gerade hinter uns gebracht.
Damit setzt du ja ein, und das Setting, bzw. der Zeitrahmen wird gesetzt. Leider verliere ich diesen Rahmen ziemlich schnell, weil der Text in Raum und Zeit - für mich als Leser nicht nachvolziehbar - rumspringt wie ein wildes Känguru.
Was meine ich damit:
zwei Beispiele:
1.
Vor einigen Jahren saßen wir alle, wie jedes Jahr, zusammen beim Neujahrsfrühstück.
In dem eingeleiteten Zeitpunkt kurz nach Nikolaus ist noch garnichts passieert und schwupp sind wir am Neujahrsmorgen unterwegs?
2.
An Fenstern und Balkonen hat Vati ...
...
Wir sind eigentlich wie eine sehr große Familie, in der ich, zwar nur mit kleinem Abstand, aber eben doch, der Älteste bin. Ist jetzt nicht wichtig, aber mal merken für später.
Zuerst ist er eher Kind mit Vati und plötzlich der Älteste.

Ich fand es eben schade, dass dadruch der Lesefluss nicht erhalten werden kann, da der rote Faden ständig verloren udn neu aufgesammelt werden muss. Ich hoffe, Du verstehst, was ich meine.

Dann etwas Kleinkram:
„Was?“ fragte ich. „Hab‘ ich zu laut gerührt?“ Zeilenwechsel
„Nein, nein“, hörte ich alle schnell beschwichtigend sagen. Zeilenwechsel
„Ach ihr wollt mich hypnotisieren. Okay,
Bin mir nicht sicher mit dem Zeilenwechsel, aber bei Perspektiv-Wechsel (was ein Sprecherwechsel ist) macht sich ein Zeilenumbruch für den Leser immer gut.

Nur da nicht, wo wieder mal ein als Nikolaus verkleideter Aushilfsschauspieler die 10 Bratwürste und 3 Liter Glühwein wieder zurückgebracht hat.
Zahlen bis Zwölf ausschreiben - liest sich besser.

Fakt ist nur, das alle Beteiligten extrem besoffen waren.
Eine persönliche Meinung: Ich finde Alkohol-Exesse nicht so witzig, wie sie eventuell manchen erscheinen. Daher hat der Text für mich viel an Sympatie verloren, als er anfing ursachen auf den Alkohol zu schieben.

Fazit: Für mich fehlt dem Text etwas Struktur, daher konnte ich mit ihm nicht warm werden.

vielleicht motiviert Dich mein Kommentar ja doch, hier etwas öfter reinzuschauen.
viele Grüße
pantoholli
 

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