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Nudeln mit Tomatensauce

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15.02.2021
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Nudeln mit Tomatensauce

Es war Feiertag und es war ein Montag also wurde das Wochenende etwas gestreckt. Und Nina war heute stiller als sonst, versunken in immergleichen Gedanken, die meiste Zeit den schweren Kopf in die Hand gelegt, mit einer Decke um die Nieren gegen die fehlende Wärme, die der Körper stattdessen für die Entgiftung all des Ethanols der letzten Nacht zu brauchen schien. Und sie war froh als irgendwann Susann und Holger fragten ob jemand mit zum See kommen wolle, an diesem vielleicht letzten warmen Spätsommertag. Susann, mit diesem bedingungslosen Lächeln in ihrer Herbst-Frauen-Jacke und dem Tuch im Haar stand da und unterbrach Ninas Gedanken an diesem Tisch wo all die Menschen nach diesem Wochenende langsam aus ihren Wägen und Ateliers und Zimmern kamen um dreizehn Uhr zu frühstücken.

Nina war heute Mutter für zwei Kinder, eines davon war nicht ihres aber sie fühlte sich gut und sinnvoll wenn sie die Kinder anderer hatte und heute war ja Feiertag, auch in der Kita, und Tillmanns Mutter musste aber arbeiten also Kinderprogramm.



Und als die Einladung zum See wie durch Watte in ihre kaltgesessenen Nieren drang entschied sie sich einfach ihr zu folgen, dankbar für einen Moduswechsel, und steckte kurzerhand die zwei Kinder ins Auto und fuhr mit Holger und Susann inklusive Susanns Kind mit zum See, nördlich der Stadt neben dem Wald an dem stillgelegten Kiestagebau, drei Erwachsene und drei Kinder. Holger wirkte heute länger und hagerer als sonst, aber auch glücklicher, zumindest lachte er oft. Nina mochte seine tiefen Augenhöhlen und wie er es beherrschte seinem runtergerockten Aussehen immer so einen guten Stil zu verleihen. Und es war beruhigend Holger und Susann zu sehen wie sie gerade im Begriff waren sich kennen zu lernen, ihnen dabei zuzuschauen wie sie sich mochten, wie sie zusammen im Auto fuhren, wie sie aneinander interessiert waren, und daß der Rest der Welt daran teilhaben durfte, so er denn wollte. Und Nina fühlte sich wohl mit diesem Paar, was wahrscheinlich noch keines war, und es war da an diesem Montag zu dritt einfach alles so geregelt, so geklärt, ein drittes Rad am Wagen zu sein, das passt mir heute gut, dachte Nina und stieg in den alten Opel Omega, die Kinder auf die Rückbank, immer hinter dem Paar her was wahrscheinlich noch keines war.

Auf dem Weg zum See war die Welt noch so still, weil ja Feiertag war, nur ein paar Bäcker waren geöffnet und die meisten Menschen lagen wahrscheinlich noch im Koma der Vornacht und der Herbst kündigte sich an und das Licht hatte diese Farbe bei der man gleich nochmal Photographie studieren wollte, der Herbst mit all seiner Würde, diese Wandeljahreszeit ist, so viel Übergang und doch so eine Ruhe und die Kinder schwiegen die erste Zeit im Auto und saugten die bewegten Bilder hinter den Autofenstern auf. Dann begann Sara ein Lied zu singen und sagte zu Tillmann er solle sich festhalten weil wir gleich ganz schnell fahren, ja ja, halt dich fest Tillmann, festhalten, ja? sie schrie den Satz irgendwann mit ihrer glockenhellen Kinderstimme einfach in das Auto hinein.

Ninas Kopf war schwer und sie fühlte diese Unwachheit noch im Kopf, wie Brei alles und unklar aber sie hatte ja eine Aufgabe jetzt und diese zwei Kinder da hinten auf der Rückbank für die es ja noch keine Ferien gab oder Freizeit, für die ja alles in jedem Moment der pure Ernst ist und das völlig reale Leben, jede Stunde. Und dann von der Autobahn runter, immer hinter Susanns Auto hinterher und da wurde es dann bald so waldig und grün und duftend, selbst bei geschlossenem Fenster duftete schon der Anblick, und dann parken und raus die Kinder und so schön planlos einfach an den See, Holger kannte ja den Weg; durch ein Stückchen Wald, dann an dem Tagebau vorbei mit meterlangen Förderbändern, wie der Herbst, trägt hunderte von Kieskörnern einfach immer weiter, oder trug mal, wer weiß das schon, er sah zumindest stillgelegt aus, der Tagebau. Und auf jeder Erwachsenenschulter ein Kinderpo und keines der Kinder beschwerte sich über irgendwas, vielleicht weil es nichts zu beschweren gab und weil die Eltern sich ja auch über nichts beschwerten und selbst Tillmann mit seinem Tom-Sawyer-Haarschnitt, nur ungekämmt, ließ sich einfach mittragen von Holger, den er ja gar nicht kannte und obwohl Tillmann von der Mutter weg war und zum ersten Mal mit Nina unterwegs und alles wieder mal neu und anders war, ließ er sich wie ein Cowboy durch die Kieslandschaft tragen als gäbe es keine Mutter und kein Heimweh.



Und dann schon alles ausgepackt kamen die Angler und meinten, daß der See gepachtet sei und sie hier Geld bezahlten und also den ganzen Kladderadatsch wieder rein in den Korb, die Kinder waren schon nackt und am Erkunden aber irgendwie waren alle drei Erwachsenen noch zu müde und zu matt um irgendein Aufheben zu machen und dann war es nicht so weit wie es aussah und beim zweiten Versuch fanden sie noch einen Platz wo die Decken ausgebreitet werden konnten und die Kinder wieder runter von den Schultern und weiter wie schon angefangen die kleinen Füße in das kalte Wasser. Und dort gab es dann sogar Obst und Handtücher und keine Angler und keine Pacht.



Und dann meldete sich Ninas Körper und wollte aufs Klo und Nina hatte noch nie gelernt ihren Körper zu bezwingen und hatte auch nicht vor das zu tun, also nahm sie sich ein Taschentuch, weil das in einem Muttergepäck ja selten fehlt, und ließ ihre zwei Kinder ungefragt bei bei den anderen. Und ihr Kopf fühlte sich immer noch wie verschleiert an und so stieg sie schuhlos durch die Zweige und über den Waldbolden, nur in T-Shirt und Schlüpfer, und fühlte sich ein wenig wie damals, als sie auch barfuß über Waldböden gelaufen ist, vielleicht schon damals nur in T-Shirt und Schlüpfer, und der Duft jetzt direkt in die Nase tat gut und wärmte. Und dann fand sie einen guten Platz und grub dort ein kleines Loch mit einem Ast in den weichen mit Moos und Tannennadeln bedeckten Boden, so tat sie es immer, ein Loch in den Boden, damit kein Hügel liegenblieb. Und sie hockte sich hin in diesem lichtgetränkten Wald voller staubig-glitzernder Spinnweben und kackte in diese friedvolle Herbstnatur hinein, und dann betrachtete sie ihre Wurst wie ein kleines Kind und traf das gegrabene Loch genau in der Mitte und freute sich über die Gleichgültigkeit zu fast allem in diesem Moment. Und dann bedeckte sie den Haufen mit Erde, Moos und Tannennadeln und steckte den Zweig wie eine Kolonialisierungs-Fahne auf den kleinen Mooshügel und musste schmunzeln einfach über die Situation. Und dann ging sie zurück, schuhlos, durch die Zweige und über den Waldboden, in T-Shirt und Schlüpfer, konnte die Kinder schon hören, und dabei dachte sie so könnte das Leben immer mal sein, so ein bisschen gleich und ein bisschen gültig und ein bisschen Frühherbst und ein bisschen rausgestreckte Kinderbäuche und Apfel mit ohne Schale.

Und zurück bei der kleinen Ausflugsgruppe redeten Holger und Susann über Kineosologie und Traumata, weil Holger gerade so einen Kurs machte, und darüber ab wann ein Trauma zu einem Trauma wird und dann redeten Susann und Nina übers Stillen und auch darüber wie die Zeit vergeht und die Kinder plötzlich richtige kleine große Menschen sind und sprechen und streiten und die Welt begreifen. Und dann sprangen die Großen nochmal in den See, erst Holger und Susann, dann auch noch Nina. Und der See war kalt und gut und passte zu dem Herbst und sogar irgendwie zu den Traumata und der Zeit, die vergeht, und die drei Kinder standen wie ein kleines Rudel am Ufer und beobachteten die Großen und staunten, und keines der Kinder fragte warum sie nicht auch ins Wasser gehen könnten, vielleicht weil keiner der Erwachsenen hoffte, daß sie nicht fragen würden.



Und dann ging es zurück über die Kieswege und durch den Wald zum Auto, wieder ein Kinderpo je Erwachsenenschulter und auf der Hälfte der Strecke fing Sara bitterlich zu weinen an, wegen des am See vergessenen Zauberstocks, und sie wollte nicht aufhören, den ganzen Weg bis zum Auto und auch noch bis sie auf der Autobahn waren und Nina sagte sich, daß dies wohl der Schmerz ist wenn man etwas loslassen muß, ohne die Möglichkeit gehabt zu haben Tschüß zu sagen. Und sie versuchte das Geschrei einfach hindurch zu lassen, durch den heute recht lärmempfindlichen Kopf.

Aber mit der Monotonie der Autobahn wurden auch die Kinder ruhiger und dann trafen sich alle wieder bei den Bänken im Garten wo die Leute immer noch saßen und frühstückten und rauchten und die ersten Biere wurden schon wieder geöffnet und es herrschte Wochenendausklangstimmung und dann gab es noch Nudeln mit Tomatensoße für die Kinder die wieder wie ein kleines Rudel am Tisch saßen und denen die Tischkante bis knapp unter das Kinn reichte. Und Nina übergab das temporär zweite Kind zurück an seine Mutter und blieb mit ihrer Tochter noch dort, bei den immer noch Frühstückenden, und redete hier und da und wusch noch Geschirr ab und fühlte sich etwas heimisch unter all den Heimatlosen und es kostete sie ein wenig Überwindung aber sie fuhr nach Hause dann, mit dem müden aber glücklichen Kind auf der Rückbank. Und zu Hause angekommen trug sie ihre Tochter aus dem Auto ins Bett, der ganze Körper schlaff und warm und ergeben. Sie zog ihr die Hose aus, deckte sie zu und öffnete das Fenster, und betrachtete ihre Tochter, die so voller Schönheit und Gottvertrauen in bedingungsloser Solidarität mit dem Plüschhamster auf dieser großen Matratze lag und sich mit ihrem gesamten Körper der Ohnmacht des Schlafes hingegeben hatte.

Und dann ließ sie alle Sachen samt dem feuchten Handtuch und der Windel von Tillmann im Auto und öffnete sich eine Flasche Wein, und ging nochmal zum Briefkasten weil sie ja seit Freitag nicht zu Hause war. Und dann machte sie leise das Radio an und im Briefkasten waren drei Briefe. Das eine war Werbung von ihrem Telefonanbieter, das zweite war ein Bußgeldbescheid über hundertdrei Euro und fünfzig Cent in einem gelben Briefumschlag für zu schnelles Fahren innerhalb geschlossener Ortschaften und der dritte Brief war ein Zettel in einem unfrankierten orangen Umschlag und auf dem Zettel stand: Liebe Nina, mach Dir keine Sorgen wegen Freitag Nacht, nichts wird so heiß gegessen wie's gekocht wird. Ich wollte fragen ob Du mir vielleicht Deine Bohrmaschine leihen kannst und mit mir morgen ins Theater gehst. Lieben Gruß, P.
 
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Hallo @Martha Laux
und zuallererst ein herzliches Willkommen hier.

Ich fange mal mit meinem Fazit bzw. mit einem Tipp an: Bitte lies Deinen Text selbst mal laut vor (mit oder ohne Publikum - ist eigentlich egal).
Überall, wo du stockst, "Äh" sagst, oder den Satz nochmal von vorne liest, solltest Du den Text
überarbeiten.

Damit Du verstehst, wie ich dazu gekommen bin, hier meine Gedanken im Detail:

Die Überschrift muss nicht doppelt sein, am Anfang die Leerzeilen stören auch - Formal-Kram.
ABER: Ich habe hier im Forum gelernt: Wenn die Form nicht stimt, wird kaum jemand mit Dir über den Inhalts des Textes reden. Daher mein zweiter Tipp: Du kanst den Text bearbeiten - auch hier im Forum. Nutze das ;)

gut. Endlich zum ersten Satz:
Es war Feiertag und es war ein Montag also wurde das Wochenende etwas gestreckt.
Im ersten Satz fällt das fehlende Komma vor "also" sofort auf. Schade - hoffentlich geht es nicht so weiter.
Das doppelte "es war" fällt auf - ich habe das erstmal als Dein "Stilmittel" abgehakt. Aber "schön" ist anders.
Das "etwas" ist ein unnützes Füllwort - das kannst du getrost streichen. (getrost hätte ich in meinem Satz auch streichen sollen - es wäre der gleiche Inhalt)

Und Nina war heute stiller als sonst, versunken in immergleichen Gedanken, die meiste Zeit den schweren Kopf in die Hand gelegt, mit einer Decke um die Nieren gegen die fehlende Wärme, die der Körper stattdessen für die Entgiftung all des Ethanols der letzten Nacht zu brauchen schien.
Oops - was für ein Satz-Ungetüm. Also Stück für Stück:
"Und" - warum fängst Du den Satz mit "Und" an? Ist Grammatisch nicht falsch (vielleicht), aber es ist ungewöhnlich. Ich würde so einen Satzanfang nur machen, wenn es zwingend zum Vorgängersatz dazu gehört. Vom Satzbau her kannst Du das erste "und" auch streichen,
"Nina war ..." Da Du im ersten Satz schon zwei mal "war" hattest, wird es etwas inflationär und es fängt an zu nerven.
"... heute stiller als sonst, ..." Im ersten Satz sagts du schon, was für ein Tag ist, daher denke ich, kannst du auf den Wort "heute" verzichten.
"... , versunken in immergleichen Gedanken, ..." Diese Erklärung kommt so aus dem allwissendem Off, dass sie unpassend wirkt. Woher weiß der Erzähler, dass es "immergleiche Gedanken" sind. Sie ist still und der Kopf liegt in ihren Händen - traue dem Leser ruhig zu selbst zu interpretieren, dass sie wohl über irgendetwas zu grübeln scheint. Oder man kann die Gedanken "mitlesen" - aber so erzählst Du die Geschichte ja nicht.

Und sie war froh als irgendwann Susann und Holger fragten ob jemand mit zum See kommen wolle, an diesem vielleicht letzten warmen Spätsommertag.
"Und sie war" - fing der Satz vorher nicht schon mit "Und Nina war" an?
Dazu noch fehlende Komma vor "als", "ob", "vielleicht" und "warmen".

Susann, mit diesem bedingungslosen Lächeln in ihrer Herbst-Frauen-Jacke und dem Tuch im Haar stand da und unterbrach Ninas Gedanken an diesem Tisch wo all die Menschen nach diesem Wochenende langsam aus ihren Wägen und Ateliers und Zimmern kamen um dreizehn Uhr zu frühstücken.
Dieser Satz soll mir wohl das Setting vermitteln, dass da eine Truppe ein verlängertes Wochenende abfeiert. Ist mir an der Stelle aber entgangen - ich habe das nur als Rückschluss mit dem Ende "begriffen". Davon abgesehen wirkt auch dieser Satz umständlich.
Nina war heute Mutter für zwei Kinder, eines davon war nicht ihres aber sie fühlte sich gut und sinnvoll wenn sie die Kinder anderer hatte und heute war ja Feiertag, auch in der Kita, und Tillmanns Mutter musste aber arbeiten also Kinderprogramm.
"war", "war" - Es nervt nicht mehr, es fängt an weh zu tun ;)
Komma vor "aber", "wenn". Vor Also würde ich ein Doppelpunkt setzen.

Hier höre ich mal auf - denn es wird wohl deutlich, was ich immer wieder sagen würde.

Zum Deinem Schluß-Absatz noch:
Und dann ließ sie alle Sachen samt dem feuchten Handtuch und der Windel von Tillmann im Auto und öffnete sich eine Flasche Wein, und ging nochmal zum Briefkasten weil sie ja seit Freitag nicht zu Hause war.
Zum einen hab ich nicht gleich begriffen, warum sie seit Freitag nicht zu Hause war und vor allem, warum es wichtig war, dass sie zum Briefkasten geht - es war schließlich Wochenende und Feiertag - da kommt doch sowieso keine Post.
Jaa - Samstag kommt doch Post - ooook ;)
Aber schlendert sie da mit ner Weinpulle hin, oder nur mit einem Glas - oder kommt sie da vorbei, weil der Korken dahingeploppt ist? - Mit wird nicht klar, warum das Weinflasche öffnen und zum Briefkasten tappern so in einem Satz verbunden sein muss.
Und dann machte sie leise das Radio an und im Briefkasten waren drei Briefe.
"und dann" - war doch grad eben schonmal.
Also sie tappert zum Briefkasten - macht dann das Radio an - und dann sind da Briefe? Waren die nicht vorher schon drin?

Zum Abschluss noch ein Tip: Mach einfachere Sätze.

Das ist nur meine subjektive Lesermeinung ;) Nimm was Du gebrauchen kannst! und lass das andere sein. Es ist (und bleibt) Dein Text - Du darfst ihn verbessern, musst aber nicht (es sei denn, er kommt wegen zu vielen Schreibfehler ins Korrekturcenter - das ist was anderes ;))

Also, ich hoffe, Du kannst mit meinem Kommentar was anfangen und wünsche Dir ganz viel Spaß hier.
Man liest sich
pantoholli
 
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18.02.2021
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Hallo @Martha Laux
selbst noch ganz neu hier versuche ich mich mal mit einem Feedback zu deinem Text.
Es war Feiertag und es war ein Montag also wurde das Wochenende etwas gestreckt.
Das fehlende Komma wurde ja oben schon erwähnt.

Was mir beim mehrfachen Lesen aufgefallen ist: du beginnst sehr viele Sätze mit "Und" oder Und dann":
Und Nina war heute stiller als sonst
Und sie war froh als irgendwann
Und als die Einladung zum See
Hier ein paar Beispiele, das würde ich mir mal ansehen, da kannst du sicher noch optimieren.
Druck dir den Text mal aus und markiere dir jeden Satzanfang mit "und".

Du hast immer wieder schöne Bilder und ich verstehe, welche Atmosphäre du aufbauen möchtest, die Sätze sind aber oft zu lang und verwirrend.
Und sie war froh als irgendwann Susann und Holger fragten ob jemand mit zum See kommen wolle, an diesem vielleicht letzten warmen Spätsommertag. Susann, mit diesem bedingungslosen Lächeln in ihrer Herbst-Frauen-Jacke und dem Tuch im Haar stand da und unterbrach Ninas Gedanken an diesem Tisch wo all die Menschen nach diesem Wochenende langsam aus ihren Wägen und Ateliers und Zimmern kamen um dreizehn Uhr zu frühstücken.

Das "und" kannst streichen "Sie war froh, als irgendwann Susann und Holger fragten, ob jemand mit zum See kommen wolle..."
Ist Susanns bedingungsloses Lächeln in ihrer Jacke? Nicht böse gemeint, aber so liest es sich.
Du könntest schreiben: Susann stand da in ihrer Herbst-Frauen-Jacke und dem Tuch im Haar und unterbrach Ninas Gedanken. Das geht sicher auch noch besser, ist nur ein Vorschlag.
Was ich mich gefragt habe: warum erwähnst du mehrfach, dass es ein Feiertag ist? Ist das für die Geschichte relevant ? An einem ganz normalen Sonntag sind die Leute auch etwas verschlafen, gehen spät frühstücken, haben die Nacht zuvor vielleicht gefeiert, die Kitas sind geschlossen -
Ich frage deshalb, weil du es direkt im ersten Satz erwähnst und ich beim Lesen erwartet habe, dass das eine Rolle spielen würde.
Ich will aber nicht nur kritisieren, sondern dir auch das sagen, was mir gefallen hat.

Holger wirkte heute länger und hagerer als sonst, aber auch glücklicher, zumindest lachte er oft. Nina mochte seine tiefen Augenhöhlen und wie er es beherrschte seinem runtergerockten Aussehen immer so einen guten Stil zu verleihen.
Wie oben schon erwähnt, gefallen mir die Bilder, die benutzt. Statt "beherrschte" hätte ich hier "wie er es schaffte" geschrieben.

Und auf jeder Erwachsenenschulter ein Kinderpo und keines der Kinder beschwerte sich über irgendwas, vielleicht weil es nichts zu beschweren gab und weil die Eltern sich ja auch über nichts beschwerten und selbst Tillmann mit seinem Tom-Sawyer-Haarschnitt, nur ungekämmt, ließ sich einfach mittragen von Holger, den er ja gar nicht kannte und obwohl Tillmann von der Mutter weg war und zum ersten Mal mit Nina unterwegs und alles wieder mal neu und anders war, ließ er sich wie ein Cowboy durch die Kieslandschaft tragen als gäbe es keine Mutter und kein Heimweh.
Ein Mammutsatz - lies ihn dir mal selber laut vor, dann verstehst du was ich meine. Und dennoch kommt die Szene bei mir an. Es lohnt sich also, hier Struktur rein zu bringen!
Wenn iich einen Wunsch frei habe, dann wünsche iich mir dass du mehr feilst an den langen Sätzen und versuchst, das wegzulassen, was nicht wesentlich ist . Mach mehr aus den starken Teilen, wo Atmoshäre entsteht, in dem du die Schachtelsätze entwirrst.
Ich würde gerne eine überarbeitete Version lesen!
Das spiegelt jetzt alles mein subjektives Empfinden wieder, nimm, was für dich taugt, wenn du magst.
Liebe Grüße!
Perisade
 

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