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Oberammergau 2030

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Oberammergau 2030

Als Jesus feierlich in Jerusalem einzog, erklangen die Fanfaren und die Menschen jubelten. Es jubelten nicht nur die Schauspieler auf der Bühne, die Spalier standen, es gab Applaus auch im Zuschauerraum, ja ganz vorne rechts gab es sogar Standing Ovations. Das Erstaunliche dabei: Der Esel, auf dem Jesus ritt, ließ sich von dem ganzen Trubel nicht irritieren. Brav, wenn auch etwas hölzern, trug er den Gottessohn bis zu dem vorgesehenen Punkt mitten auf der Bühne. Dort blieb er wie angewurzelt stehen, ohne dass Jesus ihm sichtbar dazu den Befehl gegeben hätte.

Vor zehn Jahren war das noch anders: Das störrische Tier lief einfach weiter, der damalige Jesusdarsteller konnte es erst nach mehrmaligem Umrunden der Bühne zum Stehen bringen, leider mit dem Rücken zum Publikum. Doch damit nicht genug: Der Esel furzte laut, was wegen des dabei erhobenen Schweifs nicht nur hörbar, sondern auch sichtbar war.

Ganz anders jetzt: Dieser Esel stand nun mit dem rechten Vorderbein erhoben unbeweglich da, als wäre er das Pferd einer Reiterstatue und nicht das berühmteste Tier der ganzen Geschichte oder zumindest der, der Christenheit. Wobei, unbeweglich war er nicht ganz: Sein Schweif machte unregelmäßige Kreise, sein Kopf ging auf und ab und auch mal zur Seite. Stünde er noch länger da, wäre den Zuschauern sicher aufgefallen, dass diese Bewegungen des Schweifes und des Kopfes sich in immer gleichen Rhythmus wiederholten. Aber zum Glück stieg Jesus gleich schwungvoll ab, wohl um zu demonstrieren, dass er noch nicht zum alten Eisen gehörte. Er gab dem Tier einen Klaps auf den Hintern und siehe da, der Esel hob nun auch das linke Hinterbein, machte erst einen Schritt nach vorn, um dann elegant halbkehrt zu machen und durch eine Gasse, die die Schauspieler eilig gebildet hatten, in den Kulissen zu verschwinden.

Weil er dabei, anders als vor zehn Jahren, nicht geführt werden musste, gab es wieder Applaus aus dem Zuschauerraum, und ganz vorne rechts wieder Standing Ovations, was die Zuschauer hinter ihnen veranlasste, ebenfalls aufzustehen, so dass am Ende der halbe Saal stand und einem Esel applaudierte, bis dieser, majestätisch den Schweif kreiselnd, verschwand.

Währenddessen hatte Jesus etwas sagen wollen, aber niemand beachtete ihn, was noch am gleichen Abend im Netz zu Diskussionen führte, ob der Jesusdarsteller noch der richtige sei, wenn er sich nicht einmal gegen einen Esel durchsetzen könne. Es gab aber zum Glück auch genügend Befürworter, die nicht müde wurden, seine sonstigen Vorzüge herauszustellen. So zum Beispiel seinen kurzen und glänzenden, weil gewichsten Bart, seine Baritonstimme und nicht zuletzt seine Erfahrung als Jesusdarsteller, schließlich war das das ausschlaggebende Argument, ihn nach zehn Jahren noch einmal als solchen zu engagieren.

Es wurde dabei verschwiegen, dass Christian Stückl, der ewige Regisseur der Passionsspiele, ein Machtwort gesprochen, weil er die ewigen Querelen um den Jesusdarsteller satt hatte. Beim ersten Mal, sagte er, war dieser angeblich zu jung, und nun sei er zu alt, als müsste es immer ein Dreißigjähriger sein, der Jesus spielen darf. Christian durfte das sagen, schließlich hatte er auch durchgesetzt, dass Mariadarstellerin nicht mehr Jungfrau sprich ledig und nicht älter als fünfunddreißig sein musste, sondern von einer im echten Leben verheirateten Frau gespielt werden konnte. Aber nicht von der Hand zu weisen ist die Tatsache, dass viele Oberammergauer Familien ihren männlichen Nachwuchs so terminierten, dass der just zur Spielzeit das richtige Jesusalter hatte.

Doch am Ende der Diskussion offenbarte die Tierschutzorganisation PETA, dass sie die Idee hatte, den Esel durch einen Roboter darstellen zu lassen. Sie hätten eingesehen, sagte die Sprecherin der Organisation, dass ihre aus dem Jahr 2019 stammende Idee mit dem E-Roller als Eselersatz wirklich nicht gepasst hätte in ein historisches Spiel, das für viele nicht nur eine Theatervorstellung sei, sondern ein religiöses Erlebnis. Deswegen und um zu zeigen, dass sie Tierschutz wirklich ernstnähmen, habe man die Entwicklungskosten des Eselroboters übernommen. Zum Dank habe man vom Veranstalter Freikarten zur Premierenvorstellung bekommen, ganz vorne rechts habe man gesessen und den wirklich lebensechten Esel aus nächster Nähe bewundern können. Damit sei der Beweis erbracht, sagte die PETA-Sprecherin, dass heutzutage im Tierschutz viel mehr möglich ist, als gemeinhin gedacht.

Das brachte die alte Dame der Frauenemanzipation, Alice Schwarzer auf den Plan: Sie sagte, auch in der Sache der Gleichberechtigung sei viel mehr möglich, als gemeinhin gedacht. Vor allem solche, aus längst vergangenen Zeiten stammende Spiele seien ein Symbol für die Frauenfeindlichkeit, für die es heute keinen Platz mehr geben dürfe. Es sei ein Skandal ersten Ranges, dass es in diesem Passionsspiel achtzehn Männerrollen und nur drei für Frauen gebe, wo doch jede Frau und jeder Mann wisse, dass es auch vor zweitausend Jahren gleich viele Frauen wie Männer gab. Im Gegensatz zu PETA mit dem Esel denke sie, Alice, nicht daran, die Männer durch Roboter zu ersetzen, obwohl das einen gewissen Reiz gehabt hätte. Nein, ihr schwebe vielmehr ein weiblicher Jesus vor. Das wäre ein echtes Gegengewicht zu den restlichen siebzehn Männerrollen, da würde sie nicht mehr auf der vom Grundgesetz garantierte Parität bestehen.

Tja, was soll man sagen: Ganz Oberammergau war plötzlich auf den Beinen und der Pfarrer kündigte an, wieder eine Unterschriftenaktion dagegen starten zu wollen, wie damals sein Vorvorgänger, als es darum ging, verheiratete Frauen Maria spielen zu lassen. Das sei bis heute eine Ungeheuerlichkeit, zu der sich neuerdings eine weitere gesellte, nämlich einen Moslem den Judas spielen zu lassen, wo doch schon 1934 Kardinal Faulhaber bestimmte, dass die Rollen in einem katholischen Gelübdespiel nur an Katholiken zu vergeben seien. Gut, das alles habe er schlucken müssen, aber käme Jesus wirklich als Frau daher, würde das an der Grundfesten seiner Kirche rütteln, die unverständlicherweise sowieso nicht mehr so stabil stehe wie seinerzeit, als er als Kind im Internat des Klosters Ettal lebte und lernte und von Patres weder unsittlich angefasst, noch geschlagen wurde, obwohl er das schon verdient gehabt hätte.

Oberammergauer kannten ihren Pfarrer als einen herzensgütigen Mann, aber in manchen Dingen war er halt ein wenig altmodisch. Gut, ein wenig altmodisch waren sie alle in diesem, einst von der Pest heimgesuchten Ort, aber was tut man nicht alles, um alle zehn Jahre eine halbe Million Menschen nach Oberammergau zu locken und sie um zig Millionen Euro zu erleichtern. So ließen sie ihn gewähren, wohl wissend, dass auch eine negative Werbung Werbung ist. Sich wieder mal ins Gespräch respektive Medien zu bringen, ist das Alpha und Omega jeder Aktion: Wird nicht darüber geredet und geschrieben, findet sie nicht statt.

Das wusste vielleicht schon Jesus, als er sich einen Esel als Transportmittel auslieh: Beachtete man ihn nicht, konnte er zumindest darauf hoffen, dass sein störrischer Esel, weil eigentlich ein Fohlen, auf dem noch nie jemand ritt, beachtet würde. Was auch geschah: Der Esel ist das einzige Tier, das im neuen Testament an prominenter Stelle erwähnt werde – warum wohl?
 
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Wortkrieger-Team
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@Dion,

dein Text haut mich inhaltlich nicht wirklich vom Hocker, ich kann dir da auch gar nicht viel zu sagen, weil er mich kaum berührt, deshalb nur ein wenig Textkram:

ja ganz vorne rechts gab es sogar standing ovations.
Standing Ovations, da eingedeutscht ein feststehender Begriff?

der damalige Jesusdarsteller konnte erst nach mehrmaligen Umrunden der Bühne es zum stehen bringen
Würde das es vor dem erst platzieren.

und nicht das berühmteste Tier der ganzen Geschichte oder zumindest der, der Christenheit
ein der und das Komma sind zuviel

so dass am Ende halber Saal stand und einem Esel applaudierte
der halbe Saal

So zum Beispiel seinen kurzen und glänzenden weil gewichsten Bart
Komma vor weil?

als müsste (es?) immer ein Dreißigjähriger sein
aus der längst vergangenen Zeiten stammende Spiele
das der kann weg.

da würde sie nicht mehr auf die vom Grundgesetz garantierte Parität bestehen.
auf der?

dass auch eine negative Werbung Werbung ist.
… dass auch eine negative Werbung als solche wirkt? … dass auch eine negative Werbung wirksam ist?

Sich wieder mal ins Gespräch(Komma) respektive Medien zu bringen
Das wusste vielleicht schon Jesus(Komma) als er sich einen Esel als Transportmittel zulegte
Peace, linktofink
 
Wortkrieger-Team
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02.09.2015
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Hallo @Dion,

ob sich der Text einem Nicht-Bayern erschließt? Jedenfalls in seiner Aktualität? Die Idee find ich witzig, die Ausarbeitung noch ausbaufähig. Liest sich für mich gerade mehr als Glosse, denn als Kurzgeschichte.
Über das Ende stolpere ich ein wenig; da wird die biblische Symbolik von Ochs und Esel sehr weit ausgelegt.

Aber gut. Ich lese den Text noch einmal und überlege mir, wie genau er noch ausgebaut werden könnte, was mir noch fehlt. Heute nur ein erster Eindruck also.

Liebe Grüße
und bis bald
Mae
 
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Danke, linktofink, für die Verbesserungsvorschläge, die ich fast alle umgesetzt habe.

Und danke auch dir, Maedy, für den ersten Eindruck. Ich hoffe natürlich, dass sich die Geschichte auch den Nichtbayern erschließt, schließlich gibt es jedes 10. Jahr eine halbe Million Besucher, die sich dieses Passionsspiel live ansehen.

Zur weiteren Information sei dir und anderen diese Seite über die Historie des Spiels empfohlen: Historie - Passion 2020 .
 
Wortkrieger-Globals
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Salut Dion

Der Esel ist eines der wenigen Tiere, die im neuen Testament an prominenten Stelle erwähnt werden
prominenter Stelle / prominenten Stellen

Liegts an der medialen Dauerberichterstattung in Sachen Religion und Frauenrecht, jedenfalls konnte mich deine Geschichte nicht so recht einfangen. Möglicherweise ist es das etwas harmlose Beackern dieser omnipräsenten Gesellschaftsthemen.

Hier zum Beispiel spannst du ganz hübsch den satirischen Faden:
..., was noch am gleichen Abend im Netz zu Diskussionen führte, ob der Jesusdarsteller noch der richtige sei, wenn er sich nicht einmal gegen einen Esel durchsetzen könne.
um ihn dann aber gleich wieder zu lockern und die ganze Spannung in Erklärungen zu ersticken:

Es gab aber zum Glück auch genügend Befürworter, die nicht müde wurden, seine sonstigen Vorzüge herauszustellen. So zum Beispiel [...] gewichsten Bart, seine Baritonstimme und nicht zuletzt seine Erfahrung als Jesusdarsteller, schließlich war das das ausschlaggebende Argument, ihn nach zehn Jahren noch einmal als solchen zu engagieren.
Statt einer Rechtfertigung fürs erneute Engagement wünschte ich mir hier mehr Biss, eine Zuspitzung, z.B. sitzt der Bruder des Jesusdarsteller im Stadtrat und droht mit Kürzungen der Kulturfördergelder, o.ä.

Das brachte die alte Dame der Gleichberechtigung, Alice Schwarzer auf den Plan: Sie sagte, auch in der Sache der Gleichberechtigung sei viel mehr möglich, als gemeinhin gedacht.
Auch hier ist mir zuwenig Innovation in Sachen Satire vorhanden. Die Wiederholung eines altbekannten Schlagworts wirkt etwas ideenlos.
-> die Grande Dame in Sachen Genderisierung, Gleichstellung, o.ä.

Irgendwie gefällt mir die Idee, aber wie schon @Maedy anmerkte ist das Teil zuwenig ausgereift, es wird viel berichtet und eher wenig in Aktion gezeigt. Da prallen ja verschiedenste Interessen aufeinander, das könnte man doch so richtig auf der Bühne eskalieren lassen, Zuschauer stürmen die Spielstätte, werfen sich Polemik und faule Eier an den Kopf, vermischen die Themen mit Blut und Schweiss, machen die Genderfrage zur Religion und umgekehrt und ich kann als Leser genüsslich dem Treiben zuschauen.

Fazit: Ganz nett zu lesen, aber es reisst mich halt (noch) nicht vom Hocker.

Gruss,
dot
 
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Senior
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Danke, dot, für die Verbesserungsvorschläge, von denen ich 2 gleich umgesetzt habe.

Grundsätzlich finde ich das Ganze, obwohl nahe an der Realität, schon absurd genug, aber vielleicht könnte es wirklich nicht schaden, da und dort die Situation weiter eskalieren zu lassen – ich überlege da noch.
 
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Ich hoffe natürlich, dass sich die Geschichte auch den Nichtbayern erschließt,
Hier, das bin ich :D

Hallo @Dion

also ich kann sagen, ich hab das Setting auch als nichtBayer verstanden - irgendein Bergdorf macht eine Jesus-Aufführung... ;)
Den aktuellen Zusammenhang habe ich erst mit dem E-Roller begriffen, bzw. kam mir vage eine Schlagzeile in den Sinn, dass es sich wohl dabei um dieses Trumborium handelt. Insofern aus meiner Nicht-Bayer-Sicht: alles gut :)

Als Jesus feierlich in Jerusalem einzog, erklangen die Fanfaren und die Menschen jubelten.
Ich mag den Einstiegssatz, auch wenn erst im nächsten das Setting auf der Bühne gesetzt wird.
Wobei: Die Fanfaren sind ja schon "künstlerische Freiheit" von Oberammergau, oder? Ich würde auch das "die" vor den Fanfaren streichen - da sie sicher vom Band kamen/kommen.
... ja ganz vorne rechts ...
Das "ja" baut so eine Nähe zum Erzähler auf, die ich nicht mochte.
Das Erstaunlichste dabei: Der Esel, auf dem Jesus ritt, ließ sich von dem ganzen Trubel nicht irritieren.
Bei Tieren mit Bühnenerfahrung finde ich das gar nicht soo erstaunlich. Klar - du willst hier auf etwas anderes hinaus. Vielleicht muss ja ja nicht die superlative sein, sondern "Das Erstaunliche dabei ..." reicht aus?
Stünde er noch länger da, wäre den Zuschauern sicher aufgefallen, dass diese Bewegungen des Schweifes und des Kopfes sich in immer gleichen Rhythmus wiederholten.
Ich bin mir nicht ganz sicher, wie Du den Roboter anlegen wolltest. Sollte er ein wirklich gelungenes Exemplar einer Tiernachbildung sein, oder wolltest Du (mit dem Gedanken an den Satire-Tag) ein Schaukelpferd-ähnlichen Roboter haben?
Währenddessen hatte Jesus etwas sagen wollen, aber niemand beachtete ihn, was noch am gleichen Abend im Netz zu Diskussionen führte, ob der Jesusdarsteller noch der richtige sei, wenn er sich nicht einmal gegen einen Esel durchsetzen könne.
Auch als Amateur auf der Bühne kann man Applaus abwarten, schließlich ist er ja nicht neu in dem Job. Fand ich nicht plausibel.
Sie hätten eingesehen, sagte die Sprecherin der Organisation, dass ihre aus dem Jahr 2019 stammende Idee mit dem E-Roller als Eselersatz wirklich nicht gepasst hätte in ein historisches Spiel, das für viele nicht nur eine Theatervorstellung sei, sondern ein religiöses Erlebnis.
Ist die aktuelle Diskussion mit dem E-Roller schon durch?
Das brachte die alte Dame der Gleichberechtigung, Alice Schwarzer auf den Plan: ...
In 10 Jahren ist das immernoch so? Als Satire hätte ich bei dem Thema etwas mehr Absurdität erwartet. (Wobei bei dieser Diskussion immer außer Acht gelassen wird, dass - gerade bei den Katholiken - schließllich die Frau als Mutter Gottes eine überirdische Rolle einnimt.)
Sich wieder mal ins Gespräch respektive Medien zu bringen, ist das Alpha und Omega jeder Aktion: ...
Du beginnst ja mit der Schow selbst. Ist diese Stelle dann vor der Schow gewesen? Oder ist das erst danach, als Reaktion auf den "nichtssagenden" Jesus? Werbung macht ja eher vorher Sinn.
Der Esel ist eines der wenigen Tiere, die im neuen Testament an prominenten Stelle erwähnt werden – warum wohl?
"an prominenter Stelle" - denn außer beim Einzug Jesu nach Jerusalem habe ich keine weitere Stelle im neuen Testament gefunden.

Fazit: ich kann mich den Vorkommentatoren anschließen, es ist ganz nett. Aber mit dem Satire-Tag könnte der Text etwas mehr Biss vertragen, sei es die religiöse, Gender- oder kommerzielle Diskussion rund um das Speckktakel.

soweit mein kurzer Leseeindruck.

viele Grüße
pantohlli
 
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„Kabarette sich wer kann!“, hör ich den im Grab rotierenden Robert Gernhardt rufen und das diskreditierte, doch arbeitsame, wenn auch gelegentlich eigenwillig bis stur wirkende Grautier sagt auch ohne Till Eulenspiegels Trickserei nur seine zwo, vermeintlich zustimmenden Selbstlaute und zudem scheinstu,

lieber Dion,

dem Geist des Weines zugesprochen zu haben, was eine gewisse Schlampigkeit der Ausführung belegt, gelingt
Das Erstaunlichste …
noch, so misslingt
... zum stehen bringen, leider ...
"zu+dem" Stehen ..."

Vor zehn Jahren war das noch anders: …
Ja klar, früher war alles besser und zu Tiber Kaisers Zeiten konnte der Herr noch auf dem Grautier beim Einzug umjubelt werden ...

Das störrische Tier lief einfach weiter, der damalige Jesusdarsteller konnte es erst nach mehrmaligen Umrunden der Bühne mit dem Rücken zum Publikum. Doch damit nicht genug: Der Esel furzte laut, was wegen des dabei erhobenen Schweifs nicht nur hörbar, sondern auch sichtbar war.
Keine Sitte und kein Anstand mehr

Da wird dann auch mal ein Komma zu viel ,

und zum Ausgleich eines zu wenig (*) gesetzt

Dieser Esel stand nun mit dem rechten Vorderbein erhoben unbeweglich da, als wäre er das Pferd einer Reiterstatue, und nicht das berühmteste Tier der ganzen Geschichte oder zumindest der, der Christenheit.
So zum Beispiel seinen kurzen und glänzenden* weil gewichsten Bart, seine …
… Premierenvorstellung bekommen, ganz vorne rechts haben man gesessen und …
und ne Wortverwechselung
... wo doch jede Frau und jeder Mann wisse, dass es auch vor zweitausend Jahren gleichviele Frauen …
gleichviel = einerlei, gleichgültig u. a.

Wie wäre der Bundes-Verkehrsminister als "Esel". Wäre doch klassisch bescheuert.

So viel oder doch eher wenig zu diesem bunten Salatteller vom

Friedel
 
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01.05.2009
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Hallo @Dion ,

wie schön, eine neue Geschichte von dir zu finden. :gelb: Ich hab mir schon die Hände gerieben, haha, Kirchenspiel und Jesus auf dem störrischen Esel. Fing auch hübsch schräg an.
(...) so dass am Ende der halbe Saal stand und einem Esel applaudierte, bis dieser, majestätisch den Schweif kreiselnd, verschwand.
:D

Du gehst dann aber immer weiter aus dem Szenischen raus, und so richtig wird das Intro nicht mehr erzählend weitergeführt. Was folgt, ist eigentlich eine Glosse, keine KG. Nicht, dass ich nicht gerne eine Glosse von dir lesen möchte, aber du bist doch in der Lage, so bissig-pointierte, schön auserzählte Geschichten zu schreiben, sodass ich mich ein bissl betrogen fühle.

Doch am Ende der Diskussion offenbarte die Tierschutzorganisation PETA
Peta kills, diesem Todeskult würde ich keine Plattform geben, auch nicht ironisch.

Schwarzer, wie lustig. Ich hatte vollkommen vergessen, dass sie existiert - ist sie echt noch Thema im heutigen Deutschland? Inzwischen haben wir doch einen total überflüssigen weiblichen Doctor in Doctor Who (das mit dem Geschlechterwechsel ist Kanon, aber nur, wenn ein Timelord Suizid beginge), und eine 007 Agentin. Ian Fleming dreht sich im Grab um, und ich frage mich, wie wir uns in diese kulturpolitische Sackgasse manövrieren konnten. Gegen solche Auswüchse hat Schwarzer doch kein Gewicht; und die Beispiele gäben mehr Zündstoff für Satire her, als eine durchgeknallte Alt-68erin, der ich wirklich keinen kulturellen Einfluss mehr zugestehe.

Deine Themen - sowohl Religion wie auch destruktive Auswüchse des postmodernen Feminismus - sind hochaktuell. Ich hätte mir gewünscht, dass du die Problematiken in einer echten Geschichte erzählen würdest - oder einen Erzähler erfunden hättest, der das alles in einem verrückt-assoziativen stream of consciousness abhandelt. Deine Stimme hier ist zu offensichtlich die des Autors, nicht die einer auktorialen Perspektive.

Bitte mach da was draus. :deal::kaffee: Schreiben kannst du doch, das hast du ja schon bewiesen (ich denke an z.B. die tolle, wunderschön nah erzählte Paarszene auf dem Altar ... und nein, ich will dir keine Sexszene aufquatschen).

Klosters Ettal
P.S. Idyllische Landschaft entlang der wilden Ammer, und ein extrem leckerer Schnaps da. In drei Varianten. Gibt es den noch?

Liebe Grüße,
Katla
 
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Danke, @pantoholli, für das Verstehen samt den Vorschlägen, wie ich den Text verbessern könnte. Zu deinen Bemerkungen:

Die Musik kommt nicht vom Band, sondern immer live aus dem Orchestergraben.

Dem Roboteresel sieht man seine Künstlichkeit nicht sofort an, aber einem aufmerksamen Beobachter würde auffallen, dass er sehr abrupt (ein Vorderbein noch in der Luft) in seiner Bewegung verharrt, sobald er den vorgesehenen Punkt auf der Bühne erreicht hat. Und dann mach der Esel mit seinem Schweif und dem Kopf zwar unregelmäßige Bewegungen, die sich aber nach einigen Sekunden wiederholen, was auffallen würde, bliebe er dort länger stehen.

Klar kann man auch als erfahrener Amateurschauspieler das Ende des Applauses abwarten, aber der kam diesmal an einer unerwarteten Stelle, sprich der Jesusdarsteller wusste gar nicht, warum die Leute klatschten, denn der Abgang des Esels geschah hinter seinem Rücken.

E-Roller als Eselersatz anzubieten war natürlich nur eine Provokation der Peta, um sich wieder einmal ins Gespräch zu bringen, denn die Schauspieler und Statisten tragen immer historische Kostüme – oder das, was der jeweilige Kostümbildner dafür hält. Man darf nicht vergessen, dieses Passionspiel wird seit mehr als 350 Jahre alle 10 Jahre in jeweils bis zu 60 Aufführungen gespielt – daher die halbe Million Zuschauer pro Jahr.

Genderdiskussionen wird es auch in 10 Jahren noch geben – und wahrscheinlich in andere Richtung als jetzt, weil die Widerstände immer stärker werden, die ganze Gesellschaft wird immer reaktionärer: Die Freiheiten und die Lockerheit der 1970er Jahren sind schon lange passé.

Werbung ist: Sich oder etwas ins Gespräch zu bringen, egal wann: Dieser E-Roller-Vorschlag der Peta hat genau das bewirkt, und zwar sowohl für die „Tierschutzorganisation“ als auch für das Passionspiel.


Habe mir schon gedacht, @Friedrichard,

dass du dich melden wirst, denn wo ein bisschen Religion mitspielt, bis du nicht weit. Und wie immer mit scharfem Auge auf Unzulänglichkeiten eines Schreibenden, der trotz Korrekturlesens anderer noch genug übrig gelassen hat für dich. :D

Habe alles brav eingearbeitet, danke dafür.


Dir, @Katla, antworte ich etwas später, weil ich gleich weg muss.
 
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Hallo nochmal :)
Dem Roboteresel sieht man seine Künstlichkeit nicht sofort an, ...
Das hatte ich schon verstanden, finde ich aber zu unglaubwürdig. Man hat auf Bühnen jetzt schon ziemlich gute Tier-Imitate - sei es die Dinos bei den Giganten, oder die Pferde bei "Gefährten". Du stellst da einen Roboter hin, der selbstständig laufen kann, da wird es an einem Schwanzgewackel nicht schietern, das ist mir zuuuu plump. Sorry, falls das nicht rüberkam ;)
Klar kann man auch als erfahrener Amateurschauspieler das Ende des Applauses abwarten, aber der kam diesmal an einer unerwarteten Stelle, ...
Also laut meiner Bühnenerfahrung war es völlig egal, warum Leute Applaudieren - das merkt man. Auch wenn etwas in seinem Rücken passiert - vielleicht merkt man nicht was, aber man merkt, dass die Aufmerksamkeit gerade woanders ist. - Ah - sorry, jetzt geht mir nen Licht auf: Bayern! Die sind vielleicht so, dass die sowas nicht merken - Dann sei ihm der Medien-Shit-Storm gegönnt - und Du hast mit der Story recht :D
Genderdiskussionen wird es auch in 10 Jahren noch geben – und wahrscheinlich in andere Richtung als jetzt, weil ...
Genau das meinte ich ja. Deine Geschicht espielt in 10 Jahren, da würde ich mir was absurderes wünschen ;)

Das solls auch gewesen sein --> Du "darfst" ;) Deine Geschichte gern so belassen.
lieben Gruß
pantoholli
 
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Hallo @Dion ,
ich mochte den Anfang mit dem elektronischen Esel sehr und hatte mich schon gefreut, was da noch kommen wird. Leider hast du dieses beständige "Aufweichen" der Traditionen nicht weiter getrieben, dabei wäre so viel drin gewesen. Mir ist, wie auch einem Vorschreiber, aufgefallen, dass dein Text gegen Ende immer mehr Handlung verliert und kommentierend wird.
Schade. Vielleicht hängst du dich noch einmal ran. Ich würde mich freuen, denn der Anfang war echt vielversprechend.

man liest sich
huxley
 
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10.11.2003
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Fing auch hübsch schräg an.
(...)
Du gehst dann aber immer weiter aus dem Szenischen raus, und so richtig wird das Intro nicht mehr erzählend weitergeführt. Was folgt, ist eigentlich eine Glosse, keine KG.
Ja, das haben alle Kommentatoren bisher bemängelt, dann wird das wohl leider stimmen. :(


Peta kills, diesem Todeskult würde ich keine Plattform geben, auch nicht ironisch.
Da bin ich anderer Meinung. Aber die kommen zu gut weg; Ich muss sie mehr durch den Kakao ziehen und lächerlich machen, weil deren Aktivitäten meist tatsächlich lächerlich sind. Aber sie haben Macht, weil alle möglichen Leute auf sie hereinfallen und ihnen Vermögen hinterlassen, so dass die nicht wissen, wohin mit dem Geld. Für sie wäre es ein Klacks, ein paar Millionen für die Entwicklung eines Roboters auszugeben. Das wird in meiner Geschichte/Glosse nicht gesagt, ja nicht einmal angedeutet.

Schwarzer, wie lustig. Ich hatte vollkommen vergessen, dass sie existiert - ist sie echt noch Thema im heutigen Deutschland? Inzwischen haben wir doch einen total überflüssigen weiblichen Doctor in Doctor Who (das mit dem Geschlechterwechsel ist Kanon, aber nur, wenn ein Timelord Suizid beginge), und eine 007 Agentin. Ian Fleming dreht sich im Grab um, und ich frage mich, wie wir uns in diese kulturpolitische Sackgasse manövrieren konnten. Gegen solche Auswüchse hat Schwarzer doch kein Gewicht; und die Beispiele gäben mehr Zündstoff für Satire her, als eine durchgeknallte Alt-68erin, der ich wirklich keinen kulturellen Einfluss mehr zugestehe.
Stimmt alles, nur hat das Ganze mit ihr angefangen. Sie ist jetzt weniger im Fernsehen, füllt aber immer noch Säle, obwohl sie immer die gleichen 3 oder jetzt 4 Themen hat: Ist gegen Pornos und Prostitution, für totale Gleichberechtigung und gegen Kopftücher.

Schreiben kannst du doch, das hast du ja schon bewiesen (ich denke an z.B. die tolle, wunderschön nah erzählte Paarszene auf dem Altar ... und nein, ich will dir keine Sexszene aufquatschen).
Danke. Allerdings spielte die Szene nicht auf, sondern vor dem Altar.

Klosters Ettal
P.S. Idyllische Landschaft entlang der wilden Ammer, und ein extrem leckerer Schnaps da. In drei Varianten. Gibt es den noch?
Weiß ich nicht, war schon länger nicht mehr dort. Als ich vor etlichen Jahren dort war, habe ich von einem Mönch die Kunst des Wünschelrutengehens erlernt.

Diese Schnäpse werden meistens nicht mehr in eigener Regie hergestellt, sondern von sonstigen Herstellern produziert und dann exklusiv im Klostershop und in den örtlichen Souvenirläden verkauft.

Wenn du gern Schnaps trinkst, empfehle ich dir Marillenschnaps von Prinz Fein-Brennerei in Österreich. Es gibt kaum was Besseres.


Deine Geschicht espielt in 10 Jahren, da würde ich mir was absurderes wünschen
Wünschen kann man sich Vieles – aber das auch zu bekommen, das ist wesentlich schwieriger. :D


Vielleicht hängst du dich noch einmal ran. Ich würde mich freuen, denn der Anfang war echt vielversprechend.
Ja, Huxley, der Anfang gefiel einigen, dann aber verließ mich die Muse. Mal sehen, ob sich die Geschichte noch retten lässt.

Danke euch fürs Lesen und Kommentieren.
 
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Mitglied
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19.05.2006
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464
Das störrische Tier lief einfach weiter, der damalige Jesusdarsteller konnte es erst nach mehrmaligen Umrunden der Bühne zum Stehen bringen, leider mit dem Rücken zum Publikum.
mehrmaligem

Dass der falsche Kasus dem guten Friedl nicht aufgefallen ist? Ts ... ts...
 
Wortkrieger-Team
Beitritt
08.01.2002
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5.032
Hallo Dion,

ich habe deine Geschichte mit einem Schmunzeln gelesen. Dein Schreibstil ist angenehm zu lesen und das alles läuft locker daher. Doch am Ende kommt der Eindruck auf, dass es eher ein Bericht darüber ist oder sein könnte, wie es demnächst ablaufen wird. Viel zu brav ist es.

Du hast den Tag "Satire" gewählt und du weißt jetzt sicher was von mir kommt: Das ist noch keine!

Es könnte aber eine werden, ja, dann wird die Geschichte deutlich länger, aber es könnte ein feiner Kuddelmuddel oder wunderbarer Schlamassel draus werden. Und zwar ein Satirischer.

Der Roboteresel ist doch hoffentlich erst der Anfang der Aufführungskatastrophe oder? Wie wäre es, wenn du den Faden um das Thema Alice Schwarzer und Frauenquote noch mehr ins Absurde treiben würdest? Das würde mir sehr gefallen.
Vielleicht kann man sich am Ende auf gar nichts mehr einigen und natürlich gehört auch die Diskussion um eine queere Identität dazu, man gelangt am Ende zu dem Ergebnis, dass drei Personen den Jesus spielen sollen, wobei Peta sich dann weigern wird, noch zwei weitere Esel zu sponsern oder man wählt gar keine Person, eben, weil man sich nicht einigen kann. Wie wäre also ein Passionsspiel mal ohne einen Jesus, nur mit Esel?
Das sind so meine Gedanken dazu, wenn du es in Richtung Satire ernst meinst.

Nur Mut, Dion! Insoweit darf Satire viel! (wenn auch nicht alles).

Lieben Gruß
lakita
 
Senior
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10.11.2003
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Tja, lakita, was soll ich sagen? Wo du recht hast, hast du recht.

Ob und wann ich den Text noch überarbeite, weiß ich noch nicht. Hab viel um die Ohren derzeit.

Hab Dank fürs Lesen und Kommentieren.

Dion
 

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