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Paradies oder -das, kurz: Æden ist überall

Senior
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Paradies oder -das, kurz: Æden ist überall

Paradies oder -das, kurz: Æden ist überall

„Verflucht seistu auf Erden und mach dich vom Acker,
der sein Maul aufgetan, um deines Bruders Blut aus
deiner Hand zu empfangen.“ Moses 1, 4, 11​

„Hm, wie das duftet!“, murmelt der Herr und Richter zu Göbekli Tepe im Lande Anatol, dem heil‘gen Ort der Ahnen und Hort des Rechtes, wenn schon nicht aller, so doch der meisten Stämme, Clans und Sippschaften der Welt der Jäger und Sammler, der Fleisch-, Müsli- und Allesfresser, „wie angenehm doch ein gegrillter Sündenbock riechen kann!“, als die Gerichtsschreiberin in eins mit dem Kläger Ziefer in den Saal des Gebetes und des Urteils tritt mit den Worten: „Ei, zum Deibel aber auch, wie seht Ihr denn aus –

und das an einem Gerichtstag!, Richter Götz! -
Sagt frisch heraus: Was ist geschehn!?“

„Ja, schaut, liebe Lucy, zu straucheln brauchts doch keines Strauchs - nur nackter Füß‘ und schlüpfrigen Parketts. Da lenkt die gutgemeinte Spende Mets so gut ab wie der Gaumen und der die Nase kitzelnde Rauch des Grillwerks. Heißt es nicht schon bei Jesaja, dass der Stein des Anstoßes und Fels des Ärgernisses in einem selber ruhe, Fallstrick und Schlinge zugleich für jede arme Seele!“

„Kleist und Adam!“, wirft Ziefer ein, dass die Schriftgelehrte korrigiert: „Dem Adam wirds verfeinert und ergänzt ins Maul gelegt durch Kleist, lange nach der anstöß‘gen Schöpfung durch Jes...“, dass der Richter dazwischen fährt.

„Genug, genug!, geplaudert. Bunt geht‘s mir zu und ich fürcht‘ Ungemach, denn schwer ist mir der Kopf ...“, dass Ziefer einwirft: „Habt wohl zu viel Met genossen trotz reichlicher Grundlage im Opfertier“, der Richter aber widerspricht, die Sache sei‘s, denn die Akte komme bekannt ihm vor und bereite Kopfschmerz, denn er wisse nicht warum.

Publikum betritt den Saal, Jäger und Hirten aus allen acht Richtungen von Nord und Süd, aus dem Osten wie dem Westen, von den Bergen und aus den Tälern, aus der Nachbarschaft und vom Rande der Welt.

Ihnen folgen Bauern und Handwerker aus der Umgebung, Nachkommen des Kajin. Als der Saal voll ist, befiehlt der Richter den Wachleuten, den Eingang zu sperren, und nimmt den Richterthron ein neben der Gerichsschreiberin, schaut in die Runde und wendet sich an die Gerichtsschreiberin und flüstert: „Gute Lucy, vielleicht täuscht mich der schwere Kopf – aber den Kläger, Ziefer, erkenn ich – doch keinen Beklagten ...“

„Wartet nur ein Weilchen, Richter Götz, der Name des Beklagten wird Ihm nicht fremd sein!“

Und Ziefer hebt an, verliest laut und deutlich die Klageschrift mit einer Einleitung, die ein jeglicher kennt auf seine Art bis zu dem entscheidenden Punkt: „Nach Verlauf des Tages war‘s, dass die Brüder Ihm eine Spende brachten, Er wird sich erinnern trotz des schweren Kopfes: Kajin brachte von den Früchten des Feldes und Habel von den Erstlingen seiner Schafe. Ihm aber kitzelte es Gaumen und Nase, so aber sei es niedergeschrieben und protokolliert, dass Er achtete auf Habels Spende und in der Folge nicht auf Kajins.

Was ist denn schon ein trocken Brot gegen ein gut gegrilltes Lämmchen!

Er wird sich erinnern, wie Kajin sich erzürnte und wider Habel erhob und ihn tötete, und Er wird sich erinnern, wie Er scheinheilig fragte, ‚Kajin, wo ist Habel, dein Bruder?‘, und der ertappt stotterte, er wüsst‘ es nicht. Ob er denn seines Bruders Hüter wär‘!

Was hastu getan!, die Stimme des Geblüts deines Bruders schreit zu mir aus dem Acker‘ und so hat Er Kajin verflucht. ‚Willstu den Acker bedienen, schwanke der und verweigere dir fortan seine Kraft, auf dass du schweifen musst auf Erden von Acker und Acker bis hin zum Gottesacker, die düngende Kraft der Begrabenen zu nutzen.

Und als Kajin in seiner Not und des Jammers, vogelfrei zu sein, Ihn dauerte, ergänzte Er das Urteil: Wer denn nun Kajin tötete, werde siebenfach geahndet ...“, dass ein Raunen durch den Saal geht und der Herrichter zu Göbekli Tepe einen roten Kopf bekommt und einwirft: „Was hat das verjährte Zeug mit mir zu tun?“

„Mehr als Er glauben mag“, murmelt Lucy, die Gerichtsschreiberin und Schriftgelehrte.

„Nun“, fährt Ziefer fort, „ist das Gebot, du sollst nicht morden, eines der wichtigsten, aber gleichwertig gilt das der Gleichbehandlung, denn wenn alle Menschen gleich und frei geboren sind, da ist offensichtliche Benachteiligung – und sei‘s von Spendern – ein Verstoß gegen die Gebote ...“

Da lacht der Richter gereizt auf, aber Ziefer fährt unbeirrt fort: „Ihr, Richter Götz von Göbekli Tepe und Herr der Welt und des Himmels, werdet hiermit der Anstiftung zum Mord angeklagt ...“

„Gutes Ziefer“, grummelt Richter Götz, „verjährt und fast vergessen ...“

„So wenig Mord verjährt, so wenig verjährt seine Anstiftung und ist mit dem gleichen Maß zu beurteilen wie die üble Tat ...“

Des lachet Götz, der Herr und Richter zu Göbekli Tepe im Lande Anatol: „Dem ich nicht lach! -
Wills Menschen Recht sich über göttlich‘, in Stein gehauen‘ Recht erheben?

Nicht wert ist‘s des Papieres, auf dem es steht, und tauget nicht einmal, den Hintern abzuwischen, solange es nicht durchgesetzt.
Schon dass kein Verteidiger gewährt wird, widerspricht dem eignen Rechtsanspruch. Und komme mir keiner mit dem Weichei von Söhnchen!
Drum, Leute, singen wir den mozärtlichen Kanon ‚Leck mich im Arsch!‘ und schicken allerwerteste Grußkarten!“
 
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Natürlich erkennt jeder sofort Heinrich von Kleist und den zerbrochenen Krug – wenn auch jenseits von Eden und in der nächsten Generation. Aber die Änderungen fangen schon an im Eingangszitat, das zusammengeklaubt ist aus der Lutherbibel von 1545 und der Übersetzung von 1929 durch Buber und Rosenzweig

„Vnd nu verflucht seistu auff der Erden / die jr maul hat auffgethan / vnd deines Bruders blut von deinen henden empfangen." Luther 1545
+
„Und nun, verflucht seist du hinweg vom Acker, der seinen Mund aufmachte, das Geblüt deines
Bruders aus deiner Hand zu empfangen.“ 1. Mose 4, 11 nach Buber/Rosenzweigs, 1929

+++

„Göbekli Tepe“ wurde hunderte von Jahren vor Stonehenge errichtet und ist heute eine archäologische Fundstätte in Anatolien unweit der Quellen von vier Flüssen (die bekanntesten sind natürlich Euphrat und Tigris) und man vermutet darin das Vorbild für den Garten Eden in der Übergangszeit der Jäger und Sammler zum Ackerbau und der Sesshaftwerdung, wodurch „Arbeit“ im Schweiße des Angesichts in die Welt kam.
 
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Werter @Friedrichard,

Ihr seid ein Freund von wohlgesetzter Rede, und Euren Kleist habt Ihr studiert.

Der Mord des Bruders an den Bruder, gerächt durch Mord als Strafe, der den Mord als Strafe fordert. Eine endlose, sinnlose Kette. Von Xirabresk bis heute.

Ich liebe dazu eine Stelle aus einem banaleren Werk:
„Viele, die leben, verdienen den Tod. Und manche, die sterben, verdienen das Leben. Kannst du es ihnen geben? Dann sei auch nicht so rasch mit einem Todesurteil bei der Hand.“ Gandalf

Oder auch im Zusammenhang mit deinem Text:

"Es öffnet sich nicht nur der Mund beim Lachen sondern das Gehirn. Und ins Gehirn können die Nägel der Vernunft eintreten." Franca Rame

Sehr gern gelesen!

Viele Grüße

Willi
 
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Ihr seid ein Freund von wohlgesetzter Rede, und Euren Kleist habt Ihr studiert.
So ist es wohl formuliert,

geehrte willi,

und wie wahr die Aussage
Der Mord des Bruders an den Bruder, gerächt durch Mord als Strafe, der den Mord als Strafe fordert. Eine endlose, sinnlose Kette. Von Xirabresk bis heute.
, doch ist ein Regelwerk, das für alle gilt (oder doch zumindest gelten soll) allemal besser als das alte Institut der Blutrache, der ja jederman folgen musste, um Ehre und Ansehn der eigenen Sippe und des Clans zu "heilen". Was haben sich die Theoderiche der Terwinger wie der Ostorogoten - die doch eine Sprache sprachen - geschämt, dass sie sich 451 gegenseitig den Schädel einschlugen. Nicht auszuschließen, dass Walthari und Ildico auf Rachefeldzug waren, kamen doch Attila und Aetius im gleichen Jahr zu Tode, dass ich sie gerne als (gem)Etzel zusammenfass.

"Gandalf" kenn ich nicht, werde aber mal schauen. Aber tatsächlich hat doch Gott/Götz kein Auge um Auge gegenüber Kain verhängt, wobei der Ackerbauer sicherlich mehr an seiner Heimat hängt als der nomadisierende Jäger, Sammler und Viehhirte, der ja noch in den amerikanischen Mythen Hollywoods und Marlboros fortlebt.

„Viele, die leben, verdienen den Tod. Und manche, die sterben, verdienen das Leben. Kannst du es ihnen geben? Dann sei auch nicht so rasch mit einem Todesurteil bei der Hand.“
Gandalf
Und das Zitat von Franca Rame trifft buchstäblich den Nagel auf den Kopf. Auf dem Kopf wäre allerdings schlecht ...

Beide Namen sind notiert und ich dank Dear besonders fürs
Sehr gern gelesen!

Mindestens ebenso viele Grüße zurück vom

Friedel
 
Wortkrieger-Team
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Hey Friedel,

Natürlich erkennt jeder sofort Heinrich von Kleist und den zerbrochenen Krug
leider muss ich da passen. Ich habe den zerbrochenen Krug nicht gelesen und auch von allen anderen Dingen keine Ahnung, auf die du verweist. Jenseits von Eden kenne ich nur als Film, Kulturbanause, der ich bin. :Pfeif:
Von daher kann ich leider nicht viel zu deinem Text sagen, außer, dass er gut geschrieben ist. Könnte mir jetzt natürlich irgendetwas aus den Fingern saugen, aber das will ich dir - und mir - nicht antun.
Bei deiner nächsten Geschichte bin ich sicher wieder dabei - insofern es meine Bildungslücken erlauben. Sorry.

Trotzdem liebe Grüße und viele Kommentare wünscht Chai
 
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Hey Chai,

schön dass Du den heiligen Ort und das Vorbild des Garten Eden besuchst.
Aber es ist kein Makel, den zerbrochenen Krug nicht zu kennen. Man kann und muss nicht alles kennen und um alles wissen, selbst wenn ich den zerbr. Krug für die die erste klassische Kommödie deutscher Zunge halte (andere halten Minna von Barnhelm dafür, ich halt's für ein erstes emanzipatorische Stück).

Der Banause bin ich eher ... der nicht mal Vorderindien kennt und auch nicht Hinter... und West... und über Indianer mehr weiß als über Inder ...

Aber weiß denn jeder, der vor Gericht kommt, um die rechtlichen Grundlagen?

Siehstu!

Deshalb fällt auch nicht ein einziges Wort und Artikel der Menschenrechte, kein Paragraph des Strafgesetzbuches oder gar der Prozessordnung. Nur die Anstandsregel, dass man nicht "morden" solle - vor allem aber, niemanden dazu anstiften.

Von daher kann ich leider nicht viel zu deinem Text sagen, außer, dass er gut geschrieben ist.
Mehr braucht es auch nicht,

liebe Chai,

und schon allein dafür dank ich Dear!

Bei deiner nächsten Geschichte bin ich sicher wieder dabei - insofern es meine Bildungslücken erlauben. Sorry.
Bei mir ist (fast) alles erlaubt, zumindest in Schriftform.

Tschüss, schönes Wochenende aus'm Pott vom

Friedel,
der sich sehr über Deinen Besuch freut!
 
Wortkrieger-Team
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Lieber Friedel,
ich versuche mich an deinem Text, durch den ich mich gerne gerätselt habe. Möglicherweise habe ich nicht alles und manches falsch verstanden, aber hier sind meine Gedanken dazu:

Paradies oder -das, kurz: Æden ist überall
Paradies/Paradas? Schönes Wortspiel

„Ja, schaut, liebe Lucy, zu straucheln brauchts doch keines Strauchs - nur nackter Füß‘ und schlüpfrigen Parketts.
Da ist Lucy, die älteste gefundene Frau oder Lucy, als ersten Teil von Luzifer ...

„Kleist und Adam!“, wirft Ziefer ein
Und hier haben wir den zweiten Teil, Ziefer, den Kläger, der Adam/Gott anklagt, weil er durch seine Verachtung gegenüber Kains Opfer eine Mitschuld an dessen Wut auf Abel und dessen Ermordung trage. Kann ich übrigens gut nachvollziehen. Ich fand das schon als Kind gemein, dass Adam sich gegenüber Kain so mies verhält. Schön, dass du diesen Aspekt mal zeigst.

„Nun“, fährt Ziefer fort, „ist das Gebot, du sollst nicht morden, eines der wichtigsten, aber gleichwertig gilt das der Gleichbehandlung, denn wenn alle Menschen gleich und frei geboren sind, da ist offensichtliche Benachteiligung – und sei‘s von Spendern – ein Verstoß gegen die Gebote ...“
Hier frage ich mich, ob es da einen aktuellen Bezug gibt, den ich nicht kapiere. Bei Spenden muss ich gerade an die AFD denken, aber das passt irgendwie nicht.

„So wenig Mord verjährt, so wenig verjährt seine Anstiftung und ist mit dem gleichen Maß zu beurteilen wie die üble Tat ...“
Also wird dem Richter nicht nur Ungleichbehandlung und Scheinheiligkeit, sondern sogar Anstiftung vorgeworfen. Und sein Brummschädel vom Mettrinken (Hat auch was von Zeus, dein Götze.) und Sündenböcke essen, bringt weder bei Lucy noch bei Ziefer Mitleidspunkte. Gut so.

Am Ende wird Richter Götze in die Wüste geschickt? Nicht als Sündenbock, sondern als Strafe für Anstiftung zum Mord. Gott ist schuld und Ziefer wird zum Richter. Und was dann? ;)

Ich habe das gerne gelesen. Den zerbrochnen Krug musste ich eben per Google nochmal auffrischen. Wenn du mal was zur "Minna von Barnhelm" machst, würde ich mich freuen, denn die hatte ich immerhin in der Schule.

Herzliche Grüße von Chutney, die schon gespannt ist, was ihr alles entgangen ist, an deiner kleinen Komödie.
 
Senior
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Liebe Chutney,

Du sagst
ich versuche mich an deinem Text, durch den ich mich gerne gerätselt habe. Möglicherweise habe ich nicht alles und manches falsch verstanden, aber hier sind meine Gedanken ...
und die sind messerscharf, wenn ich es mal so sagen darf, umso mehr, als ich davon ausgehe, dass ein Hühnerhof – und wäre es ein noch so kluges „Geflügel“ (lt. Duden ist übrigens Ziefer“ ein anderes Wort für „Geflügel“; bekloppt, was es für Zusammenhänge gibt) - da eher keine Hilfestellung geben kann. Es ist überhaupt interessant, wie Du das Personal siehst, denn das Wortspiel mit Luzi(e)fer (eigentlich, „Lichtbringer“, egal ob der, die, das), sicherlich nicht, weil‘s in der Hölle so heiß und wg. des lodernden Feuers so grell ist. Denn das war schon vor meiner Zeit als Presbyter (1984 ff.) meine Frage, warum ein Allmächtiger eines Teufels bedarf als Gegenspieler. Zumindest die Pfarrer wussten, dass ich ein irrelegiöser Mensch bin und – um nur ein Beispiel zu nennen – das Abendmahl für (symbolischen) Kannibalismus halte.

Du merkst, der Text rüttelt an den Grundlagen des Abendlandes. Nicht das ich ein Einreiseverbot ins bayrische bekomme ...

Das Zwote, Luzifer wird gespalten – dabei hat ich gar nicht an Lucy als die durch Ostafrika wandernde hominide Frau gedacht, sondern eher an eine immer wieder mal ausbüchsende Hündin. Was kein Mensch außer mir - und jetzt Du - wissen kann.
Aber die äthiopische Lucy wird nun diesen Rang einnehmen.

Der Teufel wird also zwiegespalten, indem Ziefer die Klage vertritt und und Lucy die (Gerichts)Schreiberin. Man muss sich dabei vorstellen, welche Macht die Schriftkundigen in den frühen Gesellschaften hatten …
... und sie kommt, ist fast zu befürchten, mit der SMS- und 140-Zeichen-Kultur wieder zurück, besonders aber mit der lustig gemeinten schlichten Ikonographie mit kindsgerechten Rundköpfen. Brecht hat wenigstens noch Spitzköpfe gekannt.
Wer aus meinem Bekanntenkreis versteht auch nur näherungsweise Steuergesetze, um mal ein Beispiel zu nennen zu der zunehmenden Spezialisierung.

Sozusagen Teufelsweiber also, LucyZiefer. Kommt hinzu, dass lt. Duden „Ziefer“ aus dem „Geziefer“ abgeleitete wurde und es schwingt der Gegensatz des Ungeziefers mit. Der/die Kläge/rin - sicherlich ein Fall für den bayrischen Verfassungsschutz.

„Nun“, fährt Ziefer fort, „ist das Gebot, du sollst nicht morden, eines der wichtigsten, aber gleichwertig gilt das der Gleichbehandlung, denn wenn alle Menschen gleich und frei geboren sind, da ist offensichtliche Benachteiligung – und sei‘s von Spendern – ein Verstoß gegen die Gebote ...“
Da schlägst jetzt den großen Bogen, indem Du fragst
Hier frage ich mich, ob es da einen aktuellen Bezug gibt, den ich nicht kapiere. Bei Spenden muss ich gerade an die AFD denken, aber das passt irgendwie nicht.
Um Gotteswillen! Knapp dem „Petry heil!“ entkommen, schon die nächste Gefahr. Aber schön, dass Du auch die Wedelsche (darauf werden Gauland & Co. den Fall reduzieren) Spendenaffäre ansprichst. Ist übrigens erstaunlich, wie viele Anwälte rechts ausgerichtet sind.

Aber hier wird Spende synonym fürs Opfer verwendet ...

„So wenig Mord verjährt, so wenig verjährt seine Anstiftung und ist mit dem gleichen Maß zu beurteilen wie die üble Tat ...“
Daraus schließtu korrekt
Also wird dem Richter nicht nur Ungleichbehandlung und Scheinheiligkeit, sondern sogar Anstiftung vorgeworfen.
Dabei sollte nicht vergessen werden, dass Konkurrenz unter den Beschäftigten der kleinsten Fitsche bis zum weltumspannenden Konzern von dem/den Chef/s gefördert wird …
Bestimmt nicht zum Wohle der Beschäftigten.

Hat auch was von Zeus, dein Götze.
In indoeuropäischen Sprachen zieht sich die Silben/Klangfolge von deo bis ziu für Gott durch, der vorm Monotheismus (mit dem die Toleranz gegenüber verschwägerten Götterfamilien erheblich nachließ wie auch zwischen der Vaterreligion und ihren Ablegern)

Am Ende wird Richter Götze in die Wüste geschickt?
Darf man so sehn

Ich habe das gerne gelesen.
Das freut mich!

Den zerbrochnen Krug musste ich eben per Google nochmal auffrischen. Wenn du mal was zur "Minna von Barnhelm" machst, würde ich mich freuen, denn die hatte ich immerhin in der Schule.
Kann ich nicht versprechen, aber den zerbrochenen Krug werd ich auf jeden Fall besprechen (@Chai soll ja nicht leer ausgehen), weil kaum einer begreift, dass es die Fortführung des Sündenfalls, also die vermeintlich üble Tat VOR dem ersten Mord ist. Der Mythos betritt eigenwillige Wege, um das Aufkommen des Bewusstseins drzustellen, dabei hatte doch Lucy schon "höllisch" aufpassen müssen ...

Herzliche Grüße von Chutney, die schon gespannt ist, was ihr alles entgangen ist, an deiner kleinen Komödie.
Wird nicht mit jedem Mord – ob zu Hause oder in sicherer Entfernung des Schützenstandes - ob auf festem Boden oder schwankendem Wasser oder in der Luft und demnächst durch Roboter Bruder oder Schwester umgebracht – womit die Frage der Verantwortung sicherlich auf den Hersteller und vor allem den Programmierer zurückfallen wird.

Bliebe noch der Titel
Paradies oder -das, kurz: Æden ist überall
Neben und mit dem Wortspiel ist Aden genannt, ein Kriegsschauplatz im Jemen, wo Araber über Araber herfallen. Möglich, dass zu Zeiten des Hauses David die Königin von Saba aus Sanaa stammte ...

Kurz: Was soll Dear da entgangen sein?

Tschüss und einen schönen Sonntag noch (zu der Weihnachtsgeschichte hab ich übrigens auch einen anderen Standpunkt als der Rest der Welt).

Friedel
 
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Lieber @Friedrichard ,

"Erst nach längerer Lagerung von zwei bis drei Wochen werden die Plätzchen (Springerle) weich. Bis zum Verzehr ist die Lagerung in einer Blechbüchse zu empfehlen." (Wikipedia)

So ein hartes, aber köstliches Springerle zur Weihnachtszeit hast du uns gebacken. Ich musste es erst einmal ruhen lassen. Denn wie beim Spekulatius hast du eine vielfältige Bilderwelt geschaffen, von der vorantiken Zeit über das (deutsche) Bildungsbürgertum bis zur globalen Gegenwart, wo Anstiftung zum Mord in den nobelsten Kreisen toleriert wird.

„Hm, wie das duftet!,“ murmelt der Herr und Richter zu Göbekli Tepe im Lande Anatol, dem heil‘gen Ort der Ahnen und Hort des Rechtes, wenn schon nicht aller, so doch der meisten Stämme, Clans

In diesem Fall ist es nicht der lockende Anisduft, sondern der Lammbraten, der dem obersten Richter in die Nase sticht.
Sündenbock oder Osterlamm, diese Symbole finden sich auch auf den Springerleformen, Model genannt, ursprünglich kirchlichen Ursprungs. Später liebt man mehr weltliche Motive mit den Themen Glück, Liebe und Fruchtbarkeit, aber auch abstraktere Motive. Die heutigen modernen sind oft verkitscht (finde ich), infantil. Aber noch immer sind Springerle in den Bäckereien vor Ort zu kaufen.

Wie immer ein lehrreiches Stückchen, das ich zum Glühwein genossen habe

Fröhliche Adventszeit, auch als Lichterfest in zunehmend dunklen Zeiten wünscht
wieselmaus
 
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Hallo @Friedrichard

ich kann mit deinem Text leider nicht so viel anfangen. Er kommt mir nicht wie eine Kurzgeschichte vor, sondern eher wie ein Rätsel, ein Wortspiel nach dem anderen, alles mehrdeutig, mit versteckten Botschaften. Es ist mir ganz ehrlich, einfach zu mühselig. Vielleicht gibt es Leser denen das Rätseln Spaß macht oder denen es einfach leichter fällt, den Code zu entschlüsseln. Mir bereitet das nur Kopfzerbrechen und ich fühle mich dumm ... und das ist kein Gefühl, das ich beim Lesen in meiner Freizeit haben möchte.

Von daher fühle ich mich auch nicht dazu in der Lage, auf Details des Textes einzugehen, und lasse dir nur diesen kurzen Eindruck hier.

Viele Grüße,
Nichtgeburtstagskind
 
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"Erst nach längerer Lagerung von zwei bis drei Wochen werden die Plätzchen (Springerle) weich. Bis zum Verzehr ist die Lagerung in einer Blechbüchse zu empfehlen." (Wikipedia)

So ein hartes, aber köstliches Springerle zur Weihnachtszeit hast du uns gebacken. Ich musste es erst einmal ruhen lassen. Denn wie beim Spekulatius hast du eine vielfältige Bilderwelt geschaffen, von der vorantiken Zeit über das (deutsche) Bildungsbürgertum bis zur globalen Gegenwart, wo Anstiftung zum Mord in den nobelsten Kreisen toleriert wird.

Das ist ein schönes Wort,

liebe wieselmaus,

dass ich mich glatt zur Ruhe setzen könnte, wobei mir besonders gefällt, dass das Wort "Springer" sich schön verniedlichen lässt im Gegensatz zum Springerverlag und Du setzt dem Kapitel der Genesis ein anderes entgegen, ist das Springererbe doch rasch mit Sündenböcken bei der Hand, um sich in der Welt wieder weltmännisch offen zu geben.
Wie immer ein lehrreiches Stückchen, das ich zum Glühwein genossen habe

Und als fröhliche Retourkutsche:
Fröhliche Adventszeit, auch als Lichterfest in zunehmend dunklen Zeiten wünscht

Het Dante Friedchen, der Friedel und nicht zu vergessen Vroidenreich Weinsteg am Steinweg,
die mal so nebenbei die Hoffnung aussprechen, dass nach dem Tiefpunkt langer Nacht die Sonne minütchen für minütchen wieder zurückkömmt, sowie Isis mit dem Horuskind, pardon, Madonna mit Kind in die gute Stube einziehn.


Hallo Nichtgeburtstagskind,

das tut mir leid, dass das Leben Du mit dem Text nix anfangen kannst. Dabei setzt er nichts voraus, außer was man schon in der Kinderstube hört (selbst im Islam ist die Genesis bekannt, wie das so in Geschwisterreligionen und Kinderstuben ist, ohne dass man die Geschichte unbedingt nachspielen sollte, ob im Großen oder eben im Kinderzimmer). Eigentlich setz ich nix voraus, außer wahr- oder zur Kenntnis zu nehmen, dass da jemand totgeschlagen wurde, weil ein anderer Neid aufkommen ließ. Und das ist einfacher erzählt als jedes Gesetz mit seinen Wortschöpfungen sein wird.

Niemand sollte sich "dumm fühlen", weil er was nicht weiß (ich weiß auch nicht alles, will auch gar nicht alles wissen, es brächte nur schlaflose Nächte), dass ich glatt eine knapp zuvor formulierte Antwort übernehmen kann.

Es ist kein Makel, den zerbrochenen Krug oder auch die Genesis nicht zu kennen. Weiß denn jeder, der vor Gericht kommt, um die rechtlichen Grundlagen?

Siehstu!

Deshalb fällt auch nicht ein einziges Wort und Artikel der Menschenrechte, kein Paragraph des Strafgesetzbuches oder gar der Prozessordnung. Nur die Anstandsregel, dass man nicht "morden" solle - vor allem aber, niemanden dazu anstiften und dann seine Hände in Unschuld waschen. Es wird halt eine bekannte Sache mit anderen Worten und anderem Ende erzählt, denn alle Vergangenheit holt einen irgendwann ein. Man weiß nur nicht Tag noch Stunde.

Aber das ist sicherlich kein Trost für einen schmerzenden Kopf.

Wie dem auch sei,
ich dank Dir für den Besuch und die ehrlichen Worte und wünsch auch Dir noch schöne Tage in diesem schmelzenden Jahr!

Friedel
 
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Wurde aber auch Zeit, lieber @Friedrichard , dass einer den lieben Gott anklagt, den Richter der Welt vor Gericht zerrt (praktischerweise befindet er sich ja schon dort und praktischerweise ist er gerade etwas angeschickert vom Met).
Ziefers Gerechtigkeitssinn lässt sich nicht blenden durch den Mord Kains. Er forscht nach den Ursachen und findet die eklatante Ungerechtigkeit, das Opfer (Spende) des einen dem Opfer des anderen vorzuziehen, können die beiden doch nichts dafür, dass der eine Viehzüchter, der andere Ackerbauer ist.
Dass du die klassische Deutung (Abel opfert die erstgeborenen Lämmer, glaub ich, und legt damit sein Schicksal in Gottes Hände, weil er ja danach keine Garantie mehr aufs Überleben hat, während Kain bloss etwas Korn abgibt und selbst weiterhin genug davon hat) ins Gegenteil verkehrst und die Bevorzugung durch den lieben Gott auf dessen Egoismus und Vorlieben (Ach, wie duftet das gut gegrillte Lämmchen!) zurückführst, finde ich alleine schon eine Geschichte wert. Das ist die jüdisch-christliche Tradition vom Kopf auf die materialistischen Füsse gestellt! Grossartig.

Witzig, dass du die Anklage von Ziefer führen lässt, der Lucy quasi braucht, zur Vervollständigung. Ja, insgesamt muss man doch Partei ergreifen für Luzifer, wenn du das so wendest, aber was würde das bedeuten? Wo findet sich denn noch das Gute?

denn die Akte komme bekannt ihm vor und bereite Kopfschmerz, denn er wisse nicht warum.

Er hat also Kopfschmerzen davon, dass er nicht weiss, wovon er Kopfschmerzen hat? Ein sehr schönes Stück Selbstbezüglichkeit!

Auffällig allerdings, wie schludrig der Text verfasst ist. Ganze drei Fehler habe ich gefunden, sag mal!

derFleisch-

der Fleisch-

Er wird sich erinnern, wie Kajin sich erzürnte und wider Habel erhob und ihn tötete und Er wird sich erinnern

Komma nach "tötete"

Als der Saal voll ist befiehlt der Richter

Komma vor "befiehlt".

Das ist ein wunderbarer Text, den ich sehr gerne gelesen habe. Wenn du den Anfang etwas weniger sperrig machen würdest, vielleicht? Die zweite Hälfte ist flüssig und zugänglich. Aber hey, es lohnt sich, auch durch das Sperrige zu gehen.

Lieber Gruss
Peeperkorn
 
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Hallo Friedrichard,

Mir geht es ein wenig so wie dem Nichtgeburtstagskind. Wie ich schon einige Male feststellen durfte, gehöre ich wohl schlicht nicht zu deinem Zielpublikum :aua: normalerweise würde ich es dabei und keinem Kommentar belassen, aber da du dich immer wieder durch meine Geschichten kämpfst, mühe ich mich, doch noch etwas zu finden, was ich dir dalassen kann.
Was mir gefallen hat, ist diese Metaebene mit der Namenspielerei. Gleich zu Beginn der Herr, die Anspielung auf Lucifer, Abel, Kaine ... doch das hat ... was. Es will sich nur kein Lesegenuss einstellen, da ich mich verkrampfe, um hier nicht auf der Strecke zu bleiben. Und irgendwie bleibe ich es dann doch. Habe ich (das - oder kein) Gefühl (?).
Ich will dem Text nicht seine Klasse absprechen, zumindest erkennnt man hier ganz eindeutig deinen Duktus und das muss man ja auch erstmal hinbekommen.
Davon ab bleibt mir der Text zu sehr Text, ich finde keinen rechten Zugang, sodass er mich berührt oder Freude am Enträtseln auslöst, für mich ist er schlicht sperrig. Das da Witz ist, ja, das erkenne ich, aber nur auf Verstandesebene, da wird kein Reflex ausgelöst in mir und kein Oho, weil zu viel Stirnrunzeln in dem Prozess steckt, die „Erleuchtung“ nur eine spärliche ist und ich am Ende nur einen Text wegklicke, aber durch keine Geschichte bereichert wurde.
Geschafft.
Öhm ... so irgendwie.

Nichts für Ungut ;)

Grüßlichst
Weltenläufer
 
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Das ist die jüdisch-christliche Tradition vom Kopf auf die materialistischen Füsse gestellt! Grossartig.

Hoppela, da fühl ich mich gleich wie ein Feuerbachschüler und als Zeitgenosse Gottfried Kellers und Marx (gäbe ein interssantes Trio zur Skatrunde, drei Vollbärte, zwo keineswegs politisch uninteressierte, zwo verhinderte Maler/Grafiker, zwo unter Regeln des Berufsverbotes Gefallene und zwo Genies und drei Einzelgänger …) … und – zugegeben – Heidelberg ist allemal fotogener als der Ruhrpott,

lieber Peeperkorn!

Aber welche Schande
Auffällig allerdings, wie schludrig der Text verfasst ist. Ganze drei Fehler habe ich gefunden, sag mal!
Stimmt, sind korrigiert, aber nun liest doch keiner mehr …
Quatsch, ein viertes Schnitzel lass ich noch mal drin, denn wer suchet, der findet, und wo‘s nix zu finden gibt, sucht auch niemand.
Wurde aber auch Zeit, lieber [Fiedel], dass einer den lieben Gott anklagt, den Richter der Welt vor Gericht zerrt (praktischerweise befindet er sich ja schon dort und praktischerweise ist er gerade etwas angeschickert vom Met).
Wären die Richter zu den Haag mal so weit, jeden Menschenschinder von seinem Thrönchen runterzuholen, stattdessen sind sie auf deren Hilfe angewiesen, einen ihrer ungeliebten Konkurrenten dingfest zu machen.
Witzig, dass du die Anklage von Ziefer führen lässt, der Lucy quasi braucht, zur Vervollständigung. Ja, insgesamt muss man doch Partei ergreifen für Luzifer, wenn du das so wendest, aber was würde das bedeuten? Wo findet sich denn noch das Gute?
Ja, wo bleibt der Widerpart zum Übel?
Für den zürnenden Gott des Alten Testaments dauert es, bis zumindest Mäßigung eintritt (ich häng eine kleine Geschichte des Opfers dieser Antwort bei, die ich schon mal an eine meiner Rezensionen zum Besten gegeben hab), die aber spätestens mit dem Goldenen Kalb am Sinai wieder zu Ende ist .

Das ist ein wunderbarer Text, den ich sehr gerne gelesen habe. Wenn du den Anfang etwas weniger sperrig machen würdest, vielleicht? Die zweite Hälfte ist flüssig und zugänglich. Aber hey, es lohnt sich, auch durch das Sperrige zu gehen.

Ein schöner Übergang für mich zu @weltenläufer, darum vorweg ein Dank für Vorbeischau, Lesen, Besprechen und Lob,

lieber Peeperkorn.

Hm, ich werd‘s mir überlegen, mit dem Sperrigen,

aber zunächst,

Hallo weltenläufer,

wenn ich es richtig sehe und zähle, Dein erster Besuch auf meinem Teppich - „textus = Gewebe, zu: textum, 2. Partizip von: texere = weben, flechten; kunstvoll zusammenfügen (Duden.de)“, aber das Sperrige ist vielleicht Markenzeichen meiner Texte, selbst wenn sie in Ironie baden – sozusagen der gestaute Lesefluss. Vielleicht auch ein Wildwasser mit diversen Untiefen. Vielleicht auch zu viel Brecht‘scher Einfluss an Verfremdung.

Auf jeden Fall Abscheu gegen Marketing und PR, Hauptfächer während der Studienzeit, mit der Wirkung, Versprechen als Versprecher zu erkennen, keinem was aufschwatzen zu wollen und folglich kein Zielpublikum anzustreben, um sich der Macht irgendeines Marktes zu beugen (darum auch gleich der Anhang nicht nur für Euch zwo hier).

Mir geht es ein wenig so wie dem Nichtgeburtstagskind
nun ja, muss ich mit rechnen.

Immerhin hat Dir die Metaebene gefallen. Immerhin!

Aber warum gehstu so verbissen (bis zur Verkrampfung) an ein Komödchen, dessen Hintergrund Du schon kennst, wie die Namen belegen?

Nur, dass – wie oben dargelegt – nun die ursprüngliche Geschichte vom Kopf auf die Füße gestellt wird. Und die Geschichte geht ja weiter mit der Sintflut (Massenmord, Völkermord wäre eine Verniedlichung), der Opferung Isaaks /Ismaels, die in der Beschneidung fortlebt – den Stammvätern der Völker semitischer Sprachen, der Abschlachtung der Stammesgenossen am Sinai, als sie ums Goldene Kalb tanzen usw. usf.

Und immerhin fällt nicht das Wort von der nicht erfüllten „Erwartungshaltung“, die eh nur enttäuscht (s. Anhang) werden kann.

Ich dank Dir fürs Vorbeischauen, Erleiden und vor allem für die ehrlichen Worte!,

Anhang

Die Geschichte fährt nach Genesis und Sintflut fort (wobei die erste Vertreibung überhaupt, die der Lillith erst wieder bei den Propheten auftauch), dass die Autoren in babylonischer Gefangenschaft mit geradezu mathematisch ein-eindeutiger Deutlichkeit durch den Herrn, seinem Gott, dem Abraham Einhalt gebieten lassen, gleichgültig, ob das Opfer zu gering wäre oder das Messer stumpf, die Begründung lautet deutlich „Du warst bereit, mir sogar deinen EINZIGEN Sohn zu opfern“ (1 Mose 22; [das Modell für den realisierten Opfertod am Kreuz, von dem die Autoren nichts wissen können, mehr als ein halbes Jahrtausend vor diesem Ereignis]) und der war und hieß allein Ismael [bis zu seinem 14. Jahr, von da an war weder er noch sein Halbbruder so recht ein einziger]. Auf die zugesagte Belohnung warten freilich heute noch die Nachkommen dessen, der auf Gott hört und erst recht die Kinder dessen, der worüber auch immer lacht, Ismael und Isaak. Die Autoren liefern aber das Modell für den Bruderzwist aus dem Tausch des Rechtes der Erstgeburt gegen ein Gericht aus Hülsenfrüchten in der nächsten Generation …
Nackter Betrug!, denn wo Gleichheit herrscht, lacht kein Gewinn! Von scheinbar Gleichen werden wechselseitig Leistungen übertragen, die aber nur gleichwertig erscheinen, keineswegs gleichwertig sind. Im idealen Falle glaubt jeder, ein Schnäppchen gemacht zu haben, schätzt er doch die eingetauschte Leistung höher ein als die, die er weggibt. So ist dem ganzen immer auch eine religiöse Dimension zuzusprechen, und in der Tat: bereits das erste und älteste Opfer ist bloße Ware.
Denn auch der Gott, der versucht, wird betrogen, dem das Opfer gilt, wenn das Ungenießbare - Gedärm und Knochen - geopfert wird. Wär’s denn nicht allzu blöde, Genießbares in Rauch und Qualm aufgehen zu lassen, statt es selbst zu genießen? Der Gott könnte ja gestörten Sinnes sein wie der süchtige Raucher: es muss stinken, Rauch entwickeln, brennen! Für den Gott bleibt’s beim Nullsummenspiel. Das spiegelt sich noch in der Sprache:
Das Verb tauschen geht zurück aufs mhd. tuschen, dem „unwahr reden, lügnerisch versichern, anführen“, was seine Nähe zum tiuschen (nhd.: täuschen) nicht verleugnet. „Die heute allein übliche Bedeutung ‚Waren oder dergleichen auswechseln, gegen etwas anderes geben’, in der das Verb zuerst im 15. Jh. bezeugt ist, hat sich demnach aus ‚unwahr reden, in betrügerischer Absicht aufschwatzen’ entwickelt“, was mit der „Präfixbildung vertauschen“ zum „‚irrtümlich oder unabsichtlich auswechseln’“ führt und von dort zurück zum mhd. vertuschen.

Ismael aber ist der Stammvater aller Beduinen.

Friedel
 
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Friedericum!

Müsste sich was Kluges, Weltengerichtgewandtes sagen lassen, was Höllengerichtspassendes, was Friedericummäßiges, but, butt, nich möglich, he, da brauche ich Dreifachlektüre, Tertiärliteratur (Philosophenkommentare), um die Maskengesichter zu entlauben und, bei Gott, das ist dann ganz schön viel verlangt. Witzig isses schon, verklebtwitzig halt, die Leichtigkeitsebene erst bei genauerem Hinschauen erkenntnisbar, dann aber setzt ein gottteuflisches Lachen ein, ein Gekichere, ein Armageddon wohlgesetzter Lässigkeit, na ja, dann habe ich es doch noch echtrichtig gerngelesen, das friedelsche Sprachding eben!


Heißt es nicht schon bei Jesaja, dass der Stein des Anstoßes und Fels des Ärgernisses in einem selber ruhe, Fallstrick und Schlinge zugleich für jede arme Seele!“
:Pfeif:

Publikum betritt den Saal, Jäger und Hirten aus allen acht Richtungen von Nord und Süd, aus dem Osten wie dem Westen, von den Bergen und aus den Tälern, aus der Nachbarschaft und vom Rande der Welt.
das mit dem Weltenraum würde mich mal interessieren.

Gute Lucy, vielleicht täuscht mich der schwere Kopf – aber den Kläger, Ziefer, erkenn ich – doch keinen Beklagten ...“

„Wartet nur ein Weilchen, Richter Götz, der Name des Beklagten wird Ihm nicht fremd sein!“
schöne Namensgebung, der Götz, gleichzeitig Gott und Götze

„Nun“, fährt Ziefer fort, „ist das Gebot, du sollst nicht morden, eines der wichtigsten, aber gleichwertig gilt das der Gleichbehandlung, denn wenn alle Menschen gleich und frei geboren sind, da ist offensichtliche Benachteiligung – und sei‘s von Spendern – ein Verstoß gegen die Gebote ...“
oha, ceterum censeo, non esse delendam humanitatem!,
was keine schlechte Weihnachtsbotschaft ist.

Liebe adventsluzide Grüße
Isegrims
 
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"Einst war er ein großartiger Denker gewesen, einer, der
mit seinen Ergüssen Bibliotheken anfiel und entjungferte."
Ikarus
... aber setzt ein gottteuflisches Lachen ein, ein Gekichere, ein Armageddon wohlgesetzter Lässigkeit, na ja, dann habe ich es doch noch echtrichtig gerngelesen, das friedelsche Sprachding eben!

Hollum Ysengrimus',

was breucht es trifach lesens und bibliotheken drögen buchwercks, gar viel O‘sofi, so fehe wie rüde befreundet mit Reinardus und dem Ikaross!

ich schrieb:
Publikum betritt den Saal, Jäger und Hirten aus allen acht Richtungen von Nord und Süd, aus dem Osten wie dem Westen, von den Bergen und aus den Tälern, aus der Nachbarschaft und vom Rande der Welt.
und Du fragtest
das mit dem Weltenraum würde mich mal interessieren.
Wisset Ihr denn nicht, dass die Erde vermutlich eine Möbiusschleife ist und wer auch nur mit einem Bein den Rand überschreitet, wird hinabgerissen in den Schlund leeren Nichts des Schwarten Lochs, den nackten Käsequanten Gevatters.
Wer nun aber einmal aus Abrahams Schoß zurückkehret, der wird behaupten, die Erde wäre ein deftiger Emmentaler, der auf einem Harzer Roller gemeinsam mit Alf Help me Rhonda trällert.

Aber ich muss schließen, denn entsetzt gedenke ich des kommenden Tages und meines Bartes,

Barbaalba,

der eine schöne Zeit wünscht, bis Isis mit dem Horuskind zu uns kömmt, getarnt als Madonna mit Kind, sofern wir uns nicht in Alaska treffen
 
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Hi Friedel,

das ist schon eine schöne Nascherei, die du da auftischst, wirklich hübsch zu lesen, und allemal besser, etwas aufzutischen als nichts; was du dir vielleicht auch gedacht hast, denn - jetzt kommt dann doch das adversativum - für deine Verhältnisse ist es ja schon ein wenig wenig verspielt. Die Anspielungen erschließen sich diesmal ja wirklich zu leicht und auch die Erzählung selbst kommt so ohne Schlenker und Windungen daher, dass man schon ein kleines bisschen enttäuscht darüber sein kann, den herbeigeholten Nussknacker gleich wieder weglegen zu müssen.
A propos Windungen: Mir hätte eventuell eine Antwort des HErrn Richter auf den letzten Satz gefallen, oder gerne auch eine andere Folge auf die Anschuldigung hin.
Aber du hast natürlich auch fertig werden müssen.

Halt, halt: Für die Zusammenstellung des Personals bekommst du in jedem Fall noch deinen großen Extra-Applaus. Und für den Mosesvers: "Mach dich vom Acker". :huldig:

Besten Gruß
erdbeerschorsch
 
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Für die Zusammenstellung des Personals bekommst du in jedem Fall noch deinen großen Extra-Applaus. Und für den Mosesvers: "Mach dich vom Acker".

Hallo schorsch,

schön, dass Du mal wieder den alten Mann und das Meer oder weniger besuchst und eine interessante Position vertrittst (wann wäre ich jemals nicht meinem dritten Vornamen Ernst gefolgt) und in Glaubensfragen trau ich mich gar nicht, Scherz und Ironie zu pflegen. Im wirklichen Leben bin ich für jedermann/-rmännin ein offenes Buch

Die Anspielungen erschließen sich diesmal ja wirklich zu leicht und auch die Erzählung selbst kommt so ohne Schlenker und Windungen daher, dass man schon ein kleines bisschen enttäuscht darüber sein kann, den herbeigeholten Nussknacker gleich wieder weglegen zu müssen.
Naja, so sieht's jeder ein wenig anders - und das ist gut so, denn wo kämen wir hin, wenn alles gleich klänge!?

A propos Windungen: Mir hätte eventuell eine Antwort des HErrn Richter auf den letzten Satz gefallen, oder gerne auch eine andere Folge auf die Anschuldigung hin.
Gerade das ist das Thema ...

Dank Dir für den schönen Beitrag und noch einen schönen Abend nebst Wochenende aus'm Pott vonnet

Dante Friedchen
Halt, halt: :huldig: (der vroiden4us)
 
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Hi, @Friedrichard

Schön, Dich bei der Challenge zu lesen. Das bewegt mich, Dir mal einen Kommentar dazulassen, obgleich diese Geschichte mir viel abverlangt. Ich nehme an, um den Inhalt angemessen zu beurteilen und dazu eine angemessene Meinung zu entwickeln, müsste ich ihn noch drölfzig Male lesen.

Ich sage aber gleich, dass ich tatsächlich Lust habe, ihn derart oft zu lesen. Zu diesem Zeitpunkt bin ich ihn jetzt dreimal durchgegangen, und das ist für mich fast schon ein bühnenhafter Text. Ich stelle ihn mir tatsächlich auf einer Bühne vor, und wie eine Bühne ist so ein Gerichtssaal womöglich auch aufgebaut (soweit lehne ich mich mal aus dem Fenster). Dein Text hat richtig Pathos. Das genieße ich sehr, das macht mir großen Spaß. :thumbsup:

In diesem Sinne, obgleich ich mich über den Inhalt nicht weiter auslassen werde (ich glaube langsam zu begreifen, worum es geht, aber ich müsste wohl jetzt noch ein wenig zusätzliche Literatur nachschlagen): War mir ein Vergnügen!

Ich habe nur eine klitzekleine Frage:

„Hm, wie das duftet!,“ murmelt der Herr und Richter
„Mehr als Er glauben mag,“ murmelt Lucy, die Gerichtsschreiberin und Schriftgelehrte.

Warum, Friedel, steht an den beiden von mir rausgesuchten Stellen das Komma vor dem Anführungzeichen oben? Wie ich es aus dem Englischen kenne, nicht aber aus dem Deutschen?

So viel (oder vielmehr wenig) von meiner Seite. Hab einen schönen zweiten Advent!

Grüße von der Bühne,
Maria
 
Wortkrieger-Team
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Lieber @Friedrichard ,

nun hab ichs lang genug verschoben und zwischenzeitlich ganz verworfen, dir einen Kommentar für deine genial-amüsanten Gedanken, bzw. Text dazulassen. Der 2. Advent ist ein passender Tag, dir mitzuteilen, wie gut ich mich unterhalten habe, denn alles ist still und die zwei Kerzen sind als gute Beleuchtung dienlich, der gegrillte Sündenbock :lol: in Form von Aufbackbrötchen aus feinstem Dinkel, duftet aus der Küche und ich widme mich erneut deinem Text.

Der verkaterte Richter plagt sich und jammert und ich ahne, dass er nicht frei von Schuld ist. Ein gewagtes Unterfangen, überleg ich mir. Und da wird mir mal wieder bewusst, wie ungebildet ich bin und das Buch der Bücher nicht kenne, merke und lese dann aber bald, dass mir Kleist nutzt (den ich schon immer sehr bedauert habe :sad:).
Selbstverständlich kann auch ein Richter fehltreten und anders als bei Kleist, ist es hier nicht der Grund/Eva, der/die die Nerven verliert und lieber ihren eigenen Ruf schädigt, als die ungerechte Strafe ihres Verlobten mitanzusehen und zu verschulden, sondern der Hartnäckigkeit es Klägers zu verdanken, dass Licht ins Dunkle kommt.

Hach ja, diese ewige Schuldfrage. :sad:

Ich liebe deine Namensgebungen. Und bei Ziefer schwebte mir jedes Mal der Vorname Unge im Kopf herum. :shy: Dabei bildet er doch mit der Gerichtsschreiberin das Ganze. Und eigentlich ist der Kommentar jetzt bloß ein Bekenntnis geworden, wie viel oder wenig ich von deiner Geschichte verstanden habe. Sieh es mir bitte nach und sei dir gewiss, es hat mir mal wieder viel Freude bereitet, was du verzapftfasst hast.

Einen schönen Sonntag und lieber Gruß, Kanji
 

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