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Copywrite Quasi modische Deorie der Deologie

Seniors
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Anmerkungen zum Text

Anregungen fand ich bei Carlo Zwei vor allem in
„Theorie“ Theorie
und ein wenig im Titel
„Einzeltiere“ Einzeltiere

Quasi modische Deorie der Deologie

Quasimodos Deorie der Deologie

oder

Wie ich die Stones nach Sankt Erkrath holte

“It is the evening of the day
Eye sit and watch the children play
Doing things Eye used to do
They think are new
Eye sit and watch
As tears go by“ *​


Gestern Nachmittag bin ich beim Pferdesprung mit den Zehen hängen geblieben. Keine Frage: Die Folgen werd ich wohl lebenslänglich im Gemächte spüren. Hätt‘ vorgestern nicht so viel trinken dürfen auf der Konfirmation von Ulli und mir. Udo, unser Vetter, braucht sich nie mehr blicken lassen! Schenkt mir den Lokführer und dem Ulli die deutsche Clementine.

Wie also, bitteschön, soll man Casey Jones und die Governors und deren „Don‘t Ha Ha“ ertragen?
Da ist „Love Me Do“ ein intellektueller Höhenflug an Schülerpoesie.

Und dann Ronny mit „Oh, my darling“!
Verboten gehört der!, das amerikanische Original ist wenigstens witzig …

Achja, zum Dank hab ich meine Gitarre genommen und der Ulli ne leere Keksdose nebst Holzlöffeln und dann haben wir die Geburt des Panx, wie man heute sagt, am Niederrhein zelebriert mit „You Really Got Me“. Und die ganze Bagage des Glück-auf und ab des Berg- und Maschinenbau', der Schwerindustrie, Chemie und Rente hat zuhören dürfen und leiden müssen.

Papa hat sich sicherlich die ganze Zeit gefragt, warum es keinen Arbeitsdienst mehr gebe, und Opa wird bis ins Grab hinein behaupten, Arbeitsdienst hätte noch niemand geschadet, sein Sohn – Papa – wäre der lebende Beweis.

Abends hat Mama Gott gelobt, dass er ihre Eltern schon zu sich genommen hat. Die Katholen haben die Vorteile ihrer Konfession mit der wesentlich früheren Jugendweihe hervorgehoben, vor allem aber, dass das Drecksblag seinen Eltern noch nicht übern Kopf spucken kann.

Bis auf ein Muttertier sind wir alle besoffen gewesen.
Und dennoch ist es seither daheim sehr still und einsam um Ulli und mich.

Bin ich jetzt unfruchtbar?
Scheiß drauf!

Dreimilliarden Menschen sind mehr als nur einer zu viel –
selbst wenn alle eng beieinander stehend Platz auf dem Bodensee fänden, wie ich mal gelesen hab.
...

Heiliger Bimbam! -
Was will die Amanda Esmeralda Schowma Caloderma Ilsebill denn von mir?
Ist Frl. Ilsebill nicht schon in der 6 a, Abschlussklasse und mindestens sweet little sixteen?
Darf die überhaupt auf unsern Schulhof?
Und woher weiß die, so zielgerichtet, wie sie auf mich zukommt, dass man mich gerade des Klassenraumes verwiesen hat wegen groben Unfugs? Warum? Wer kann das wissen jenseits der 4 c, frag ich mich - ich, Beatus Windje, der glückliche Bruder des Ulli Furz'?

Also, der Mats hat sich wegen noch gröberen Unfugs während des Musikunterrichts – Thema: Blockflöte! - gerade eine Klatsche links und rechts auf die Ohren eingefangen und laut aufgeheult, „ich hör‘t piepen“ und mir rutscht es darauf raus „dat is ja dolkomisch!“ und mich vom ansteckenden allgemeinen Gelächter nicht mehr eingekriegt ...
Und jetzt sitz ich hier auf der Treppe zum Schulhof für „Knaben“.
Bis gerade eben allein ...

Heiliger Klabautermann – jetzt wird mir aber warm.
Die Lollo will tatsächlich was von mir ...

„Du bist der Beatle?“
„Ja – so isset amtlich und so sacht man. Aber bitte statt hartem [təl] mit weichem [dəl], wie‘t der Liddypooler so sacht!“
„Also [‘bi:dəl]?“
„Bingo – und …“
„Ich bin die Ilsebill aus der sechs, aber das weißte sicher “, mein Gott, die Stimme, jetzt hab ich Hummeln in der Hose, diese weiche Stimme. „Ich hab gehört, du bist schneller als Armin Hary …“
„Hm, ja. Auf jeden Fall schneller als Fritz Roderfeld.“
Jetzt setzt sie sich neben mich auf die Treppe. Warm wird mir … immer mehr.
Wonach riecht die?
Kommt die gerade aus der Küche?, denn es wandelt der Volksmund in mir und rezitiert „Ilsebilse, keiner willse, nur der Koch nahmse doch, weilse schön nach Zwiebeln roch.“ Kurz: Es zwiebelt in der Nase.
„7,4 Sekunden ist ganz schön schnell …“ und sie rudert gleich wieder zurück: „Naja, bei deiner Leichtbauweise ist gut und leicht aus dem Startblock kommen“, will sie mir erklären und spielt auf mein Untergewicht an.
„Kein Kunststück also“, schließ ich, als wäre es das Selbstverständlichste von der Welt, schneller zu sein als der Weltrekordler und Olympiasieger auf der kurzen Strecke.
Jetzt rückt sie wieder ein bisschen von mir ab und deutet auf meine Nase.
„Haste eine drauf bekommen?“
Muss die Frage sein, denk ich und behaupte dennoch und stelle richtig: „Nee, auf‘m Weg hierher hat sich ‘n Rad vom Rollschuh gelöst und ich bin auf Höhe vom Jupphotel gestolpert und voll auf die Fresse. -
Hab eh ne krumme Nase – schau mal genau hin ...“
„Weiß ich!“, fährt sie dazwischen, rümpft die Nase ein wenig, „aber warum ich komme, nicht weil du ein Ass in Mathe und Geschichte bist: Ich hab deine Zeichnung gesehen, »Robert Koch auf der Suche nach dem Tuberkel«, die gefällt mir - eigentlich gefällt die allen – die ist gut und das ist ja auch der Grund, warum ich die Erlaubnis vom Zeus hab und auf euern Schulhof darf“ und dann fügt sie – nicht ohne die Nase zu rümpfen - hinzu: „Du riechst streng – ja, ja, es ist warm und man schwitzt – nicht nur auf Rollschuhn, aber du riechst nach nassem Hund und bist ein richtiges Schuppenwunder …“ und wischt mit ihrer Hand über meine Schultern - wie Mama!, durchzuckt es mich, fehlt nur noch, dass sie mir jetzt den Scheitel gerade ziehen will oder die Haarsträhne zur Seite.

Das Gemächte scheint sich zu erholen.
„Ich bin Fisch!“, werf ich ein, „verstehstu? -
Wär ich Vogel, hätt ich Federn ...“

„Ah ja“, nickt sie verständnisvoll – und kommt näherungsweise zur Sache: „Haste nicht Lust, an der Eszett mitzumachen?“
Klar, hab ich!
„Was muss ich tun?“
„Keiner zeichnet hier so gut wie du – also hauptsächlich Grafik.
Aber schreiben ist nicht ausgeschlossen.
Also überleg dir was und brings vorbei. -

Übrigens hab ich gehört, du bis Pfadfinder …“
So fragt man Leute aus …, denk ich und gebs doch zu:
„Bin ich, Geuse …“, was sie nicht weiter interessiert, dass die mal Holland unter Wasser gesetzt haben, um Spanier zu ersäufen.
„Da kannste wahrscheinlich auch Gitarre spielen …“
„So‘n bissken.“
„Was spielste so – außerm Wandersmann?“
„‘Apache‘. - Zum Bleistift.“
„‘Apache‘?“
„Ja, von den Shadows … weißtu?“
„Das ist doch Cliff Richard, oder?“
„Nee, ist nur instrumental.
...
Aber Dylan ist gerade gefragt an Lagerfeuern, wenn dir nach Sängern ist.“

„Dylan?
Wer zum Deibel ist Dylan?
Dylan Thomas?"
„‘Blowin‘ in the Wind‘, kennstu bestimmt, aber gegen mich klingt Bobby Dylan wie‘n Caruso“, gesteh ich ungefragt ein und schließ:
„Aber warum willstu das wissen?“
„Der Luis sucht noch nen Gitarristen …“
Der Luis?
„Meinstu unsern Luis?" - einer der ältesten in meiner Klasse. Kam vom altsprachigen Gymnasium rüber, obwohl der Henckels immer sagt, solle keiner glauben, Realschule sei einfacher als Gymnasium. „Warum fragt der mich nicht selber, wo er doch in meiner Klasse ist?“
„Will er in der Eszett ausschreiben. -
Unter nem halben Tausend Mitschülern wird wohl der eine oder andere Interesse zeigen.“
„Kannst‘m sagen, dass ich spiele fast wie Brian Jones … aber bestimmt wie Ray Davies.“
Die Namen kennt sie nicht und schon erhalt ich mein erstes Thema für die Eszett als ich fortfahr: „Den Jones musstu hören mit Little Red Rooster,“ schwärm ich, „schwärzer als ein Howlin‘ Wolf …“ und ich referier: „Den Namen und die Band wird man sich merken müssen, kannstu einen drauf lassen. Sind Freunde von den Beatles, bleiben aber näher beim Blues …“, dass sie dazwischenfährt „nee, stell die in der Eszett vor – ja?“

Und also soll es geschehen!
Ich bin ins Dörfchen, kaufe vom Taschengeld die Single “Tell Me (You‘re Coming Back)“, zeichne mit weichem Stift das Cover der fünf Köpfe mittig auf einem Blatt DIN-A4 und hab mit einer guten braven Adler den Covertext um mich angereichert darüber getippt.

Nun, fünf Jahre später wird Brian Jones tot sein und ich werde in der kfm. Lehre weniger sperrige, aber jüngere Mädchen kennenlernen und in Werk- und Berufsschule Dutschke imitieren. Schon da wird mir das Original des »Robert Koch auf der Suche nach dem Tuberkel« nicht mehr vorliegen, aber ich könnte es jederzeit wiederholen und somit wieder holen. Da schaute der Betrachter auf ein steil sich erhebendes, dezent behostes fettes Hinterteil eines korpulenten, knienden Körpers in einem weißen, mutmaßlichen Arzt-Kittel, dessen Oberkörper nebst Haupt und Arm unter einem entsprechend aufgewölbten Teppich be- und verdeckt wäre.

Ironie oder Fügung: Zwanzig Jahre lang wird das Jupphotel mein Arbeitgeber.

Die wenigen Male, da Esmeralda und ich uns nach der Schulzeit wiedersehen, verlaufen, wie bei einem grünen Stein und einem Fisch zu erwarten ist. Jede Begegnung: sperrig - als wäre immer noch Küchengeruch und nasser Hund zwischen uns - und heute stelle ich mir vor, in klassischer Manier vorm Balkon eines Altenheims zu stehn und vorzutragen (für irgendwas muss ja Theater zu spielen gut sein)

“Had we but world enough and time,
This coyness, lady, were no crime.
We would sit down, and think which way
To walk, and pass our long love’s day.
...“ **

* As Tears Go By" von Jagger/Richards, geringfügig abgeändert durch Austauschen von "I" & "eye"
** Andrew Marvell, aus "To His Coy Mistress"

 
Seniors
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Der Schluss mitsamt Gedicht könnte nach meinem Geschmack auch gut und gerne eine Zukunftsvision des jungen Protagonisten sein
schrieb Raindog,

und Du hast Recht,

liebe @Raindog,

und selbst “the fuck“ ist weg und durch den „Deibel“ ersetzt, die Zeitenfolge ist nun zumindest weitestgehend korrigiert, wobei ich erst Konjunktiv irrealis anwenden wollte, um einen utopischen Hauch – quasi SF-artig mit Grammatik als Science hineinzubringen. Aber das schlichte Futur als durchs „würde“ bedrohte Art soll gepflegt werden, die Vision ins einfache Futur (des Typs „ich werde kommen“) und ein wenig mit dem historischen Futur („ich komm bald“) gewürztmit minamalem Konjunktiv irrealis (der ja nix mit der Zeitenfolge zu tun hat),

liebe @Novak,

Du hast – irgendwie meine ich, dergleichen zu merken - über die gelegentlich holpernde Zeitenfolge hinweggesehen.
Das kommt davon, wenn man schreibt, wie man spricht.

Das hat umgekehrt zur Folge,

lieber @Carlo Zwei,

dass Du den

privaten Hausschatz
ein wenig ergänzen müsstest (die ursprüngliche Fassung würde ich aber verwahren, um belegen zu können, wie fehleranfällig – insbesondere hinsichtlich der Zeitenfolge, aber Zeichensetzung ist nicht auszuschließen – der Friedel sein kann und es auch noch genießt, nix von einem Papst an sich zu haben.)

Nun, ihr Lieben,

der Text ist geändert und neue Schnitzer harren der Entdeckung!

Dank auch an @wieselmaus, @joycec , @Chutney, @Fliege sowie @Isegrims und - nicht zu vergessen - @GoMusic!

Het windje

 
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War auch beim zweiten Lesen ein wahres Vergnügen. Einiger Weichmacher hätte es für mich nicht bedurft. Macht aber nix. Bleibt ja von erfreulich überschaubarer Deologie. :D
Und wieder was dabei gelernt. Was genau, wird nicht verraten. ;)
Windige Grüße
Joyce

 
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War auch beim zweiten Lesen ein wahres Vergnügen.
So soll es auch sein,

liebe @joycec!

Das freut den Joyce Verehrer,
aber neugierig wäre er schon auf das Geheimnis

Und wieder was dabei gelernt. Was genau, wird nicht verraten.
- auch ohne Verrat ...

Dank Dear!

Het windje

 
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Monster-WG
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Moin, moin lieber @Friedrichard,

heute will ich endlich mein schlechtes Gewissen erleichtern und Kommentare unter die Geschichten kriegen, die mir schwer fallen.

Für Deine bin ich schon im Normalfall zu Bodenständig (Du kannst auch gerne geistig nicht beweglich genug sagen). Hier steht mir auch noch, die ja sonst eher vorteilhafte zuspäte Geburt im Wege (und fehlender Musikgeschmack dann wohl auch noch). Es war also nicht unbedingt ein entspanntes Leseerlebnis, aber ich würde ja glatt unterschreiben, dass dieses auch nicht der Plan war.

Ein paar Bezüge zum Original lassen sich nicht leugnen, als Copy geht es also allemal durch. Die "Einzeltiere" sind natürlich auch ohne Copy schon eine Herausforderung, aus meiner Sicht bist Du ein sehr mutiger Mensch. Und vielen Lesern scheint es ja auch was gesagt zu haben. Ich hatte meinen Spaß an den Erinnerungen, Deine Personenbeschreibungen sind super und somit gebe ich mich zufrieden.

Ein Wort hat mich allerdings bei jedem Leseversuch rausgekickt (un des waren viele)

Gestern nachmittag bin ich beim Pferdesprung mit den Zehen hängen geblieben.
Meinst Du den Sprung des Pferdes oder den Sprung übers Pferd (Sportgerät) - ich kriege hier einfach kein Bild und steh dumm daneben ... (natürlich voll Mitleid)

Die wenigen Male, da Esmeralda und ich uns nach der Schulzeit wiedersehen, verlaufen, wie bei einem grünen Stein und einem Fisch zu erwarten ist. Jede Begegnung: sperrig - als wäre immer noch Küchengeruch und nasser Hund zwischen uns und heute stelle ich mir vor, in klassischer Manier vorm Balkon eines Altenheims zu stehn und vorzutragen
Meine Lieblingsstelle, gut gemacht, diese Aufnehmen der Vergangenheit und Verbinden mit dem Jetzt. Für mich auch ohne die Autorenstimme in der Klammer)

Lieber Friedel, sei nicht bös, dass es so unkonstruktiv daher kommt, ich habe die Geschichte gelesen, sie ist bestimmt gut, ich bin nur die falsche Leserin.
Bis irgendwann, vielleicht hast Du ja irgendwann in einer Geschichte ein "Grünes Problem" - dann kann ich bestimmt mal mit konstruktiver Hilfe/Tipps/Kommentaren glänzen,
Beste Wünsche
witch

 
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heute will ich endlich mein schlechtes Gewissen erleichtern und Kommentare unter die Geschichten kriegen, die mir schwer fallen.
Das tut mir leid,

liebe greenwitch,

dass dear der Text schwerfiel, aber eine Gewissensfrage sollte er nicht auslösen. Tatsächlich beschreibt er halt eine erste Begegnung von Jugendlichen während der Schulzeit (im doppelten Sinn, dem Lebensabschnitt, wie ihn seit der Abschaffung der Kinderarbeit und der Einführung der allgemeinen Schulpflicht jeder durchmacht, und zweier identifizierbarer Jugendlicher, wobei der weibl. Teil nicht nur zwei Jahre älter, sondern offensichtlich auch reifer ist, wie es schon @wieselmaus erkannt hat).

Es war also nicht unbedingt ein entspanntes Leseerlebnis, aber ich würde ja glatt unterschreiben, dass dieses auch nicht der Plan war.
Da hastu zumindest nicht Unrecht. Aber es ist schon ein verhältnismäßig lockerer Text und schon gar keine Satire.

Ein paar Bezüge zum Original lassen sich nicht leugnen, als Copy geht es also allemal durch. Die "Einzeltiere" sind natürlich auch ohne Copy schon eine Herausforderung, aus meiner Sicht bist Du ein sehr mutiger Mensch.
Wollen mal nicht übertreiben, aber "Einzeltiere" erinnerte mich stark an meine Anfänge hier, insbesondere den Ikarus, und ist doch gänzlich etwas anderes - was ja auch gar nicht anders sein kann. Homer ist ja auch nicht James Joyce und die Odyssee nicht der Ulysses ...

Meinst Du den Sprung des Pferdes oder den Sprung übers Pferd (Sportgerät) - ich kriege hier einfach kein Bild und steh dumm daneben ... (natürlich voll Mitleid)
Sportgerät ist gemeint ...

Die wenigen Male, da Esmeralda und ich uns nach der Schulzeit wiedersehen, ...
Meine Lieblingsstelle, gut gemacht, diese Aufnehmen der Vergangenheit und Verbinden mit dem Jetzt. Für mich auch ohne die Autorenstimme in der Klammer)
Ja, siehstu, ist doch was schönes. Aber bissken Konjunktiefe müsste sein, find ich.

Dank dear für die Mühe (die der Text nun wirklich nicht erzeugen sollte) und vor allem

bleib gesund!

Tschüss

Beatus Windje

 
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Alles muss man selber machen. Nun ist hoffentlich der letzte Verstoß gegen amtliche Zeiten(ver)folgung aufgelöst, aus

„Bin ich, Geuse …“, was sie nicht weiter interessiert, dass die mal Holland unter Wasser setzten, um Spanier zu ersäufen.
ward
„Bin ich, Geuse …“, was sie nicht weiter interessiert, dass die mal Holland unter Wasser gesetzt haben, um Spanier zu ersäufen.

 
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Lieber @Friedrichard,

o je, da tut sich mir nun wirklich eine Bildungswelt der völlig anderen Art auf, als ich sie kenne. Mein Vater war Kulturhistoriker, meine Mutter Psychologin, der eine Großvater Literaturwissenschaftler und der andere Doktor der Physik. Da gab es klassische Musik von der Wiege an. Weltliteratur für Kinder auf CD. Fußball und Autos waren eigentlich was für Primitivlinge - und wenn die in der Schule da ständig so'n unflätiges Zeug reden mit Sex und so - da kannst DU dich vielleicht auch mal abgrenzen! Mit fünfzehn las man nicht etwa die Bravo und den Playboy (Willst du diesen Weltverblödern etwa dein Geld hinterherschmeißen?) sondern Dostojewski, Goethe und Thomas Mann. Sicher keine Erziehung, die man unkritisch sehen sollte. Manchmal - nein eigentlich immer - denke ich, ich habe auch sehr viel verpasst. Wenigstens konnte man am altsprachlichen Gymnasium - wenigstens das aus Deiner Geschichte sagt mir etwas - auch so überleben, ohne gemobbt zu werden. Immerhin kenne ich die Beatles und Bob Dylan sehr gut - als ich sechzehn war, waren diese beiden - neben Joan Baez, Neil Young und Pink Floyd, die ersten Populärmusiker, die ich mit großer Begeisterung gehört habe.

Aber nun zur Sache - da ich inhaltlich nicht viel zu dieser Millieu-Episode sagen kann, hier ein paar Details:

Am Anfang:


Gestern nachmittag

Gestern Nachmittag

hängen geblieben

heißt das nicht hängengeblieben?


Hätt' vorgestern...

Ich glaube, Du solltest die umgangssprachlichen Verkürzungen entweder immer mit, oder immer ohne Apostroph schreiben.

Udo, unser Vetter KOMMA braucht sich nie mehr blicken lassen!


zuhören müssen und leiden dürfen

"zuhören dürfen und leiden müssen" schiene mir passender.


Dreimilliarden

Du hast bei meiner Geschichte den "Billgates" moniert - also könntest Du vielleicht auch "drei Milliarden" schreiben (Ich persönlich habe nichts gegen solche Zusammenziehungen um die unkorrekte Aussprache wiederzugeben.)


dolkomisch

ich glaube, "dollkomisch" wäre besser - auch wenn es im Dialekt kein Richtig und Falsch gibt.

unter nem halben Tausend Mitschülern wird wohl der eine oder andere...

"der ein oder andere" vielleicht?


Dann schaute der Betrachter...

"Da", auf dem Bild nämlich, schaute der Betrachter - so ist mir als Leser nicht gleich klar, worum es geht.


Küchengeruch und nasser Hund zwischen uns Komma und

Hier beginnt ein Satzteil, der auch als eigenständiger Satz stehen könnte. Ich weiß, dass man das nach der neuen Rechtschreibung auch ohne Komma schreiben kann, aber ich finde im Allgemeinen, Kommata machen Texte lesbarer.
Insgesamt aber eine sehr schöne, warmherzige Geschichte - auch wenn, wie gesagt, aus einem mir völlig unvertrauten Millieu, wozu noch die verschiedenen Generationen kommen (Ich bin zweiundzwanzig.) Das merkt jeder, auch wenn er die Anspielungen nicht versteht.

Viele Grüße,

Moritz Mayer

 
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Schön, lieber Moritz,

dass Du den 14jährigen Bengel aus der „Arbeiterklasse“ besuchst, dessen Vater mit 38, da war der Bengel acht, sich noch zum „Chemikanten“ ausbilden ließ und einige Jahre später vor Stolz platzte, als der Bengel den Facharbeiterbrief zum „Chemielaboranten“ machte. Das Interesse an Literatur von der Odyssee bis zum Ullysses, weckte Frau Mutter wie auch ein Gedudel die überwiegende Abneigung gegen Schlager und Operette (wobei es da auch Ausnahmen gibt). Der Bengel hat übrigens immer schon eine Abneigung gegen die Dreckschleuder Auto und konsequenterweise keinen „Führerschein“, weil er immer noch der Auffassung ist, dass es schon genug Führer in dt. Geschichte gegeben hat. Neil Young hat es übrigens in einer längeren Geschichte („Chanukka 5778“) zu einem Eingangszitat geschafft, über das mancher gestolpert ...

Aber zum Text!, in den ich einiges übenehmen werde, was ich im Einzeknen jetzt nicht aufführe, aber hier

heißt das nicht hängengeblieben?
geht beides – auch das die Misere der Rechtschreibreform (wo wir gerade eben an anderer Stelle plauderten)

Hätt' vorgestern...
Ich glaube, Du solltest die umgangssprachlichen Verkürzungen entweder immer mit, oder immer ohne Apostroph schreiben.
Ich überleg mir, ob ich dem dreizehnten Gebot folge (Karl Kraus rät beim Konjunktiv auf jeden Fall zum Apostroph, weil somit wenigstens das Endungs-e nachklinge. Im Plauderton lass ich nachklingen ... Aber ich plauder nicht immer ...

zuhören müssen und leiden dürfen
"zuhören dürfen und leiden müssen" schiene mir passender.
Muss ich noch überdenken

Dreimilliarden
Du hast bei meiner Geschichte den "Billgates" moniert - also könntest Du vielleicht auch "drei Milliarden" schreiben (Ich persönlich habe nichts gegen solche Zusammenziehungen um die unkorrekte Aussprache wiederzugeben.)
Stimmt, mit Gates – und dass, obwohl ich mir vornehme, die wörtliche Rede mit all ihren Eigenheiten nicht zu bemäkeln. Vllt. tat er mir in dem Augenblick leid, was so über ihn hinsichtlich der Weltherrschaft so geplappert wird … Jetzt kommt aber das Aber: Ist vom amtlichen Deutsch gedeckt …

dolkomisch
ich glaube, "dollkomisch" wäre besser - auch wenn es im Dialekt kein Richtig und Falsch gibt.
Ik beheers de Duitse taal, maar het Duitse gehoorzamt me niet ...
ach, es drückt die Nähe des Niederrheins zum Niederländischen aus, das ich übrigens für moderne Hochsprache in der nachfolge der fränkischen Dialekte halte (die salischen Franken - Heimat der Merowinger - lebten auf heute flämischen Gebiet

unter nem halben Tausend Mitschülern wird wohl der eine oder andere...
"der ein oder andere" vielleicht?
sehr vielleicht ... mal schau'n

Am meisten aber hat den Mann aus Ironien der Schlusssatz gefreut

Insgesamt aber eine sehr schöne, warmherzige Geschichte - auch wenn, wie gesagt, aus einem mir völlig unvertrauten Millieu, wozu noch die verschiedenen Generationen kommen (Ich bin zweiundzwanzig.) Das merkt jeder, auch wenn er die Anspielungen nicht versteht.

So viel für heute vom und danke fürs Lesen und Kommentieren!

Friedel,
der jetzt hoffentlich nix vergisst bei der Korrekur

 
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23.11.2016
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Hallo @Friedrichard,

bin gerade über Dein kleines Kunstwerk gestolpert und will Dir einfach nur kurz dalassen, dass ich mich königlich amüsiert habe. Dein Assoziationsfeuerwerk hat auf mein Hirn eine ähnliche Wirkung wie drei Kinder, die mich durchkitzeln: Man weiß nie, aus welche Ecke der nächste Lacher oder Piek kommt (außerdem habe ich gerade als Anschauungsobjekt einen "nassen Hund" im abendmahlfähigen Alter daheim (Gott schenke mir Nerven!)).

Nur bei einem Punkt musst Du mir noch auf die Sprünge helfen: Warum ist Robert Koch so korpulent? Der war doch eher schlank, dachte ich. Oder ist er das nur, weil die Zeichnung eine Karikatur sein sollte und das RKI ein "fettes" Institut ist? Mir kommen die Herrschaften eher immer ausgemerkelt - Pardon - ausgemergelt vor.

Amüsierter Gruß
Geschichtenwerker

 
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12.04.2007
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So wünsch ich mir Kommentare,

lieber @Geschichtenwerker,

aber - wenn ich es richtig im Kopf hab - schon @wieselmaus mutmaßte nach einem Seitenhieb auf die aktuelle Situation 56 Jahre später. Aber es war die Robert-Koch-Straße, die hügelan auf einer eiszeitlichen Endmoräne Richtung Schule führte, auf der der junge Herr auf die Schnauze fiel. Wer sich da an wem rächt ist nicht mehr nachvollziehbar. Ich würde die Zeichnung nicht einmal als Fake bezeichnen. Jugendlicher Leicht- und Frohsinn halt.

Danke für den feinen Komm und ein schönes Wochenende (endlich mal Regen!) und tschüssikowski,

FRiedel

 

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