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Rastlos

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Rastlos

„Hast du die Schwimmflügel eingepackt?“, ruft Lara durchs Fenster.
„Was?“
„Die Schwimmflügel. Ob du die Schwimmflügel hast!“
Genau in diesem Moment stürmt unser Jüngster die Einfahrt hinunter und zieht, die Arme zu Tragflächen ausgestreckt, seine Kreise um das Auto und mich. Mit gespieltem Ärger fange ich ihn ab.
„Na warte, du kleiner Pilot.“
Ich greife vorbei an den leuchtenden Flügelchen, die Maltes Arme zieren, um die dünne Brust und wirble ihn herum. Er lacht und streckt mir sofort nach seiner Landung wieder die Arme entgegen.
„Ich hab sie“, rufe ich in Richtung Fenster.
„Wir spielen später. Wo ist dein Bruder?“
Mit einem Achselzucken verschwindet Malte um die nächste Ecke.
Chaos. Wie immer, wenn wir uns zur Ostsee aufmachen. Ganz anders, als es früher einmal war, als ich noch allein gereist bin. Stunde um Stunde verzögert sich unsere Abfahrt, bis endlich Koffer, Plüschtiere, Fahrräder und Zelte verstaut sind. Der alte Kombi quillt über, die Klappe lässt sich kaum schließen. Ständig rollt ein Ball, kippt die Windeltasche, als wollten sie mich an meine Gelassenheit erinnern.

„Sie haben Stau angesagt. Hast du genug zu trinken vorne?“
Lara zwinkert mir zu: „Haben wir schon jemals an alles gedacht? Wir können doch jederzeit ranfahren. Es wird niemand verdursten.“
All diese Sorgen. Damals hat nichts gezählt, außer der Straße vor mir. Ich bin einfach gefahren, habe nicht an gestern oder morgen gedacht, das monotone Brummen des Motors und den Fahrtwind genossen. Heute denke ich an Ladekabel, Kissen und den Wetterbericht. Schaffen wir es rechtzeitig, das Zelt aufzubauen, bekommen wir noch einen guten Platz in der Nähe vom Strand? Habe ich den Anrufbeantworter eingeschaltet, die Tür abgeschlossen?

„Mir ist langweilig“, nörgelt Lars und knufft Malte in die Seite.
„Wir sind bald da. Seht mal dort, ein Storch“, versucht Lara die Jungs abzulenken.
„Wo? Wo ist er denn, ich seh nichts.“
Beide strecken sich und suchen den Himmel ab.
„Na da, genau vor uns.“
„Aber da ist doch gar nichts. Da sind nur Autos.“
„Dann sieh mal genau hin. Da ist er doch.“
„Ach, Mama, das ist ja bloß ein Aufkleber. Ich dachte, da wär ein echter.“
Enttäuscht lassen sich beide wieder in die Sitze zurückfallen.

In diesen Momenten liebe ich sie, alle miteinander, meine Familie. Dann weiß ich, dass ich angekommen bin. Hier mitten unter ihnen lausche ich ihren Zankereien, ihren hohen Stimmchen. Damals hätte ich mir lieber die Kugel gegeben, als dieses armselige Spießerleben zu führen. Ich wollte frei sein, tun und lassen, was ich wollte, jeden Morgen von Neuem entscheiden, wo oder wer ich sein wollte. Meistens war ich allein, genoss die Stille. Manchmal teilte jemand ein Stück seines Weges mit mir. Wir waren alle gleich, suchten und konnten nicht finden und waren doch verschiedener als nur irgend möglich.

In einem Café in Barcelona begegnete ich Lara. Sie war atemberaubend schön in ihren kurzen Shorts. Unsere Beweggründe hätten nicht unterschiedlicher sein können, sie machte Strandurlaub mit Freunden, ich war noch immer auf der Suche nach meiner Heimat. Trotzdem teilten wir die kurze Zeit, verbrachten Tage und Nächte miteinander. Es dauerte nicht lange, bis wir uns eine kleine Wohnung suchten. Ich fand einen Job als Redakteur, die Kinder purzelten einer nach dem anderen in unser Leben. So leben wir nun unser Leben zwischen Müllabfuhr, Kindergarten und Besuchen bei Oma.

„Ich gehe mal nach den Kindern sehen“, sagt Lara und klopft sich den Sand von der Hose.
„Bring noch eine Flasche Wein mit.“ Ich halte die leere Flasche neben mir in die Höhe.
„Daran musst du mich nicht erst erinnern.“
Ich sehe ihr nach, sie ist schön, etwas mehr ist sie geworden, aber noch immer anmutig. Wieder einmal denke ich, ich müsste ihr öfter zeigen, wie dankbar ich bin. Und dann lasse ich meinen Blick über das Meer schweifen, folge den Wellen und halte die Luft an, bis das leise Grollen im Magen verschwindet.
„Eines Tages wirst auch du ankommen.“
Ich kann noch immer die Worte des Anhalters hören. Damals war der Gedanke weit entfernt, wir haben gelacht über so viel kitschige Hoffnung. Dennoch hat er recht behalten, wenn ich es mir auch lange nicht eingestehen konnte. Mit einem Ruck hat Lara mich aus meinem Leben auf der Straße gerissen. Ganz schön lächerlich, dass ein Mensch so etwas zustande bringt, wollte ich mich doch nie binden. Menschen waren mir egal, geduldet, so lange sie mir nicht zu nahe kamen. Und nun kann ich den Gedanken, von meiner Familie getrennt zu sein, nicht eine Sekunde ertragen, gehen sie mir auch manchmal noch so sehr auf die Nerven. Ich frage mich oft, was sie mit mir gemacht hat. Vielleicht war ich schon vorher bereit. Sie hat mich nie eingeengt, hat mich ziehen lassen, wenn mich das Fernweh packte. Aber es war anders seit Lara. Die Freiheit fand ich immer seltener auf der Straße, viel öfter abends auf dem Balkon, wenn sie sich an mich lehnte.

Manchmal denke ich noch an Hanna. Dann sehe ich sie vor mir, auf dem Beifahrersitz, die Haare vom Fahrtwind zerzaust, begeistert auf Schafherden, Vögel und das Meer zeigend. Aus heutiger Sicht war unsere Liebe intensiv, kindisch, impulsiv. Damals war sie alles für mich. Wie Erich Fromm schon so treffend formulierte, treffen Menschen manchmal aufeinander, meinen, heftig verliebt und „verrückt“ nacheinander zu sein, der Beweis für die Intensität ihrer Liebe, dabei beweist sie doch nur, wie einsam sie vorher waren. Wir waren getrieben vom Fernweh, der Sehnsucht nach einem anderen, besseren Leben. Heute bin ich froh, dass sich unsere Wege wieder trennten, auch wenn es sich damals anders anfühlte. Letztlich hat mich die Erfahrung stärker gemacht. Das Fernweh und die Sehnsucht verblassten allmählich und machten einer neuen Liebe Platz, einer alltäglichen und doch immer wieder neuen Form der Nähe, die Freiräume schafft und es ermöglicht, den anderen wirklich zu sehen.

„Träumst du schon wieder?“
„Ein wenig. Was machen die Jungs?“
„Schlafen friedlich. Es war eine anstrengende Reise.“
„Wohl wahr.“
 
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Hallo ihr lieben Wortkrieger,

"Rot in einem Meer aus Schwarz" hat mich nicht losgelassen und so habe ich die Geschichte weiter ausgebaut. Da mittlerweile etwas Neues daraus entstanden ist, habe ich diesen Text getrennt eingestellt. Ich freue mich schon auf euer Feedback.

Liebe Grüße,
Rotmeise
 
Wortkrieger-Team
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Hej Rotmeise,

den vorherigen Text habe ich auch gelesen, aber nicht gewagt, zu kommentieren. Auch hier bin ich zögerlich, weil die Perspektive so dicht und die Geschichte so schmerzhaft ist.

Sie sind gefangen in ihrer ewigen Suche, würden das Glück nicht erkennen, würde es ihnen ein Messer in den Rücken bohren.

Das ist aber mal ein böses Glück.

Ich wäre dir bis ans Ende der Welt gefolgt, denn ich war längst angekommen, bei dir.

Das ist schön.

Du hast mich die wahre Bedeutung von Schmerz gelehrt. Schmerzen, die alles einhüllen, verdrängen, Rot in einem Meer aus Schwarz. Schwarz, die völlige Abwesenheit von Licht. So hast du meiner Welt jegliche Farbe entzogen und sie in dir vereint, zu einem bohrenden, brennenden Rot gebündelt. Noch immer steht meine Welt still, wenn jemand, die Kapuze tief ins Gesicht gezogen, am Straßenrand auftaucht. Dann sehe ich dich vor mir, die Hände tief in den Taschen vergraben. Der Wind zerrt an deiner Kapuze, dein Blick fest auf den Horizont gerichtet.

Und das verstehe ich jetzt besser.

Es wirkt sehr persönlich und emotional, seht traurig und nicht besonders zuversichtlich, sowohl vom Inhalt als auch vom Ton. Das soll wohl so. ;)

Diese "Verpackung" der Gefühle ist passend.

Lieber Gruß, Kanji
 
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Monster-WG
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Hola Rotmeise,

mein Interesse an den Heften, die meine Mutter las, liegt schon viele Jahrzehnte zurück.
Dein aktueller Text erinnert mich an sie.
Deine Vor-Geschichte habe ich auch gelesen, putzigerweise hab ich mir verkniffen, dazu etwas zu sagen, weil Kanji jetzt ebenfalls meint:
... den vorherigen Text habe ich auch gelesen, aber nicht gewagt, zu kommentieren.
Nun, am Wagemut soll es mir nicht gebrechen.
Sie schreibt auch:
Auch hier bin ich zögerlich, weil die Perspektive so dicht und die Geschichte so schmerzhaft ist.
Tja, das ist sicher sehr respekt- und gefühlvoll. Und höflich.
Vielleicht sollten Männer so etwas gar nicht lesen? Mich jedenfalls macht so etwas ärgerlich. Da wird wild darauflosfabuliert, leider ohne Substanz. Die Wolken? Ein Text, der mich betroffen machen soll, der mir etwas gibt?
Nein, dieser Text nicht:
...würden das Glück nicht erkennen, würde es ihnen ein Messer in den Rücken bohren.
Ja, aber Herrschaften!
Ich wäre dir bis ans Ende der Welt gefolgt, denn ich war längst angekommen, bei dir.
Hallo? Wieso verstehe ich diesen Satz nicht? Das ist aus meiner Sicht – und das ist ausdrücklich nur meine Privatmeinung! – der reinste Schwurbel.

Deine Eingeweide waren längst zu Brei zerstoßen, das Blut suchte sich seinen Weg. Deine leeren Augen blickten in die Ferne.
Wir machen hier Textkritik und kritisieren nicht die Autoren. So soll es auch bleiben. Aber wenn leere Augen in die Ferne blicken, dann hört bei mir der Lesegenuss auf. Und diesen Eingeweide-Matsch hätte ich auch nicht gebraucht.

José
 
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Hallo Kanji,

den vorherigen Text habe ich auch gelesen, aber nicht gewagt, zu kommentieren.
Da bin ich aber sehr froh, dass du es nun doch noch gewagt hast. Ich verweise gerne auf mein Profil, das sind keine leeren Worte, ich bin an jeder ehrlichen Reaktion interessiert. Ich denke, zu verstehen, was zwischen deinen zurückhaltenden Zeilen steht, auch wenn ich die Kommentare von maria und José berücksichtige.

Es wirkt sehr persönlich und emotional, seht traurig und nicht besonders zuversichtlich, sowohl vom Inhalt als auch vom Ton. Das soll wohl so. ;)
Ja, das sollte so ;) In letzter Zeit störe ich mich sehr an meinen etwas unterkühlten, knappen Sätze und habe mich in diesen beiden Texten an einer „blumigeren“ Schreibweise versucht. Was lag also näher, als mich an einer Liebesgeschichte zu versuchen. Gepaart mit Erinnerungsfetzen und zu emotionaler Grundstimmung bin ich wohl deutlich übers Ziel hinausgeschossen. Ich werde mich zukünftig bemühen, dich mit meinem nächsten Text nicht wieder in diese blöde Lage zu bringen und hoffe, du schaust wieder herein, wenn es soweit ist.

Liebe Grüße,
Rotmeise


Hallo José,

ich versuche mal, mich damit zu trösten, dass auch kitschige Groschenromane geschrieben werden wollen. :hmm:
Meine Beweggründe habe ich bereits Kanji geschildert. Ich habe den Text deutlich eingestampft, hoffe, die „schnulzigsten“ Stellen eliminiert zu haben. Den „Eingeweide-Matsch“ erspare ich dir nun, ebenso wie die „leeren Augen“. Eine grundlegende Überarbeitung sehe ich allerdings nicht, sondern versuche es als warnendes Beispiel anzusehen.
Vielen Dank für deine deutliche Antwort. Ich will nicht den Eindruck erwecken, direkt zurückzurudern bei ersten Anzeichen der Kritik; wenn sie so überzeugend und in Mehrheit auftritt (und sich zu meiner eigenen Unsicherheit auf „unbekanntem Terrain“ gesellt), bin ich aber gerne geneigt, das Experiment für gescheitert zu erklären, möchte ich doch nun wirklich niemand verärgern. Auch bei dir bleibt mir nur die Hoffnung, dass du ein weiteres Mal hereinschaust, wenn ich weniger „Schwurbel“ verzapfe.

Liebe Grüße,
Rotmeise
 
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03.04.2016
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Hallo noch einmal,

dass ich hier so schwülstige Töne von mir gebe, hat mir nun wirklich keine Ruhe mehr gelassen. Ich habe daher den gesamten Text überarbeitet, mich dem Thema aus anderer Perspektive genähert, wie ich hoffe, ohne die Rastlosigkeit aus den Augen zu verlieren.
Es würde mich freuen, Kanji und josefelipe, wenn ihr noch einmal vorbeischaut und eure Ansichten mit mir teilt. Ganz ohne „Geschwurbel“ ging es auch diesmal nicht, aber ich denke, es hält sich nun in Grenzen.

Liebe Grüße,
Rotmeise
 
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Hallo Rotmeise,

deine vorherige Fassung war sehr emotional, sehr persönlich und definitiv nicht an mich adressiert. Deswegen habe ich davon abgesehen, sie zu kommentieren. Ich bin nämlich nicht der Meinung, dass etwas nicht geschrieben werden darf, nur weil ich es nicht gerne lese. Dazu nehme ich selbst viel zu wenig Rücksicht auf meine eigenen Leser.

Aber jetzt fragst du (ok, nicht mich!), ob diese Fassung jetzt besser ist. Und da muss ich sagen: Dies ist jetzt einfach eine nette Geschichte. Ein Happy Beginning. Mit Andeutungen, dass es auch anders hätte kommen können. Aber wen juckt das, wenn man weiß, dass alles gut am Ende geworden ist? Wenn die erste Fassung überdramatisiert war, diese ist jetzt unterdramatisiert. Wieder nichts für mich. Was, wie gesagt, nicht heißt, dass sie keine Berechtigung hätte. Nur sollst du nicht glauben, dass du so schreiben musst, damit es besser gefällt. Es ist beides erlaubt, es wird nie jeder etwas damit anfangen können.

Und jetzt suche ich mir mal eine deiner Geschichten mit den kurzen, unterkühlten Sätzen, das hört sich nämlich für mich gut an. :)

Schönen Gruß
Ella Fitz

P.S.: Um wenigstens etwas Produktives beizutragen: Im ersten Satz fehlt der Punkt am Ende. Und hier kommt nach Abfahrt ein Komma:
Stunde um Stunde verzögert sich unsere Abfahrt bis endlich Koffer, Plüschtiere, Fahrräder und Zelte verstaut sind.
 
Wortkrieger-Team
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Hej Rotmeise,

weißt du, diese hübsche Familiengeschichte bildet einen lockeren Rahmen um all das, was du vorher auf der gefühlsmäßigen Ebene ausgearbeitet hast. Und nun ist es nur noch ein Hauch dessen, was du eigentlich festhalten wolltest. Und ich habe den Eindruck, dass du das ziemlich 'rastlos' gemacht hast. Weil es dir ein Anliegen ist und vielleicht möchtest du es 'loswerden'. Ich weiß es auch nicht, aber mir kommt es bekannt vor. Du lässt dir vielleicht keine Zeit, lässt ihn nicht ruhen. Aber ich möchte nicht spekulieren.

Ich weiß nicht, ob und was du damit anfangen kannst und falls ich komplett daneben liege, entschuldige bitte.

Lieber Gruß, Kanji
 
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Hallo Rotmeise

„Hast du die Schwimmflügel eingepackt?“, ruft sie durchs Fenster

Da fehlt der Punkt nach dem Satz. Du kannst sie auch hier gleich "Laura" nennen, ich sehe nicht, was dagegen spricht. Würde die Figuren immer gleich mit Namen einführen.

Ich greife um seinen Bauch, ziehe ihn an mich und lasse ihn durch die Luft wirbeln.
„Ich hab sie“, rufe ich und klopfe auf die Flügelchen an Maltes Arm. Er lacht und streckt mir die Arme entgegen.

Hier hatte ich Schwierigkeiten. "Jemanden durch die Luft wirbeln", da denke ich daran, dass ich denjenigen an Händen / Handgelenken halte und mich so schnell drehe, dass dessen Beine abheben. Aber den Bauch umklammern? Ich weiß nicht. Wie kann er auf die Flügel klopfen, wenn er den Jungen durch die Luft wirbelt (warum klopft er überhaupt und warum hat Malte im Haus die Schwimmflügel an)? Warum streckt Malte seine Arme entgegen, während er, am Bauch gehalten, durch die Luft gewirbelt wird? Also ich kann mir diese Szene einfach nicht bildlich vorstellen.

In diesen Momenten liebe ich sie, alle miteinander, meine Familie.

Ab hier endet für mich die Geschichte, denn alles ab diesem Punkt ist ein Rückblick, eine Zusammenfassung einer abgeschlossenen Entwicklung. Ich hätte es interessanter gefunden, wenn du mit deinem Text in diesen Entwicklungsprozess eingestiegen wärst. Zum Beispiel an den Punkt, wenn der Erzähler Laura kennenlernt, oder wenn Laura zum ersten Mal schwanger ist oder sie in die gemeinsame Wohnung ziehen, wenn der Übergang stattfindet zwischen dem "freien" Leben und dem "Spießerleben", und der Erzähler sich fragt: Will ich das überhaupt? Und beginnt zu zweifeln. Über so etwas will ich lesen, denn das ist spannend, wenn Menschen vor einer solchen Wahl stehen, aus der sich ein Konflikt ergibt, und wenn man sieht, wie sie mit dem Konflikt dann umgehen, was er aus ihnen macht.

Hier ist ja alles davon schon abgeschlossen, und entsprechend distanziert ist es dann auch erzählt. Es liest sich stellenweise für mich wie ein Eintrag in ein Tagebuch. Die Erkenntnis mag für den Erzähler von großer Wichtigkeit sein, mich als Leser hätte aber viel mehr der Weg interessiert, wie diese Erkenntnis zustande kam. Ich hoffe, du verstehst, was ich meine. Das liest sich für mich wie eine Zusammenfassung einer Geschichte, ich hätte aber lieber die eigentliche Geschichte dahinter gelesen :).

(Ich kenne weder die erste Version dieses Textes noch "'Rot in einem Meer aus Schwarz", von daher bin ich an diesen Text in der jetzigen Version ganz unbefangen rangegangen).

Grüsse,
Schwups
 
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03.04.2016
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Hallo Ella,

danke, dass du deinen Leseeindruck teilst, auch wenn ich dich mit keiner der Versionen erreicht habe. Ja, es stimmt wohl, mit meinen Texten habe ich noch nicht das rechte Mittelmaß gefunden. Natürlich kann ich es nicht jedem recht machen, danke für die kleine Gedächtnisstütze, manchmal vergesse ich das ;) Unabhängig davon fühle ich mich aber vorerst mit „unterdramatisiert“ wohler.

Die knappen Sätze waren eher auf unveröffentlichte Texte bezogen, dennoch würde ich mich aber freuen, wenn du auch mal in eine meiner anderen Geschichten „reinliest“.

Punkt und Komma werden natürlich ergänzt.

Schöne Grüße,
Rotmeise


Liebe Kanji,

nett, dass du noch einmal vorbeischaust und danke für die Gedanken, die du dir gemacht hast. Was deine Spekulationen angeht: Ich habe versucht, mich einer emotionaleren, bildhafteren Schreibweise zu nähern und das schien mir am ehesten über ein emotionales Thema möglich. Das war dann wohl ein bisschen viel Emotion auf einmal ;) Mit dem „Hauch“ kann ich daher vorerst ganz gut leben und werde mal sehen, ob ich das Thema vielleicht irgendwann später etwas besser treffen kann, ohne wieder abzudriften. Manche Geschichten lassen einen nicht mehr los, wollen nicht ruhen und müssen einfach in die richtigen Worte gekleidet werden.

Liebe Grüße,
Rotmeise


Hallo Schwups,

vielen Dank für deinen unbefangenen Kommentar.
Punkt, Name und die Missverständnisse zur „Luftakrobatik“ sind bereits korrigiert. Da habe ich wohl vorschnell ein paar Sätze ausgelassen.
Deine Einwände zum Aufbau der Geschichte kann ich nachvollziehen. Meine Idee war es, meinen Protagonisten anlässlich seiner Urlaubsreise noch einmal zurückblicken zu lassen. Dein Vorschlag, im Konflikt einzusteigen, klingt interessant. Ich werde sehen, was ich daraus machen kann.

Schöne Grüße,
Rotmeise
 
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07.02.2016
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Hallo Rotmeise,

deine Geschichte muss vollkommen an mir vorbeigerauscht sein, ich habe sie in den letzten Tagen irgendwie noch nicht zu sehen bekommen...? Aber zum Thema: Ich habe sie gerne gelesen. Sie ist flüssig, es liest sich ohne großes Nachdenken. Die gegebenen Situationen hast du nett umschrieben. Als Kontra-Punkt hat mich teilweise manchmal dein Satzbau etwas irritiert. Da werde ich dann wohl mal beginnen mit ein paar Kleinigkeiten:

Mit einem Achselzucken verschwindet Malte schon um die nächste Ecke.
Bezogen auf den Satzbau verstehe ich hier den Zusammenhang dieses "schon" nicht. Das klingt für mich in der Mitte des Satzes etwas deplaziert.

Wie immer, wenn wir uns aufmachen in den Urlaub.
Sprachlich schöner fande ich es an dieser Stelle, wenn du das Verb z.B. trennst: "Wie immer, wenn wir uns in den Urlaub aufmachen." Eine kleine Anmerkung noch: "Urlaub" hat man immer nur dann, wenn man auch arbeitet. In anderen Fällen sind es "Ferien". Du hast die Perspektive eines Erwachsenen gewählt, deshalb passt das, auch wenn ja gleichzeitig auch Kinder mitfahren. Das wollte ich dir nur sagen.

„Bring noch eine Flasche Wein mit.“ Ich halte die leere Flasche neben mir in die Höhe.
Ist sicher eine Frage des Geschmackes. Aber würdest du mit einer Flasche Wein am Strand sitzen?

Aus heutiger Sicht war unsere Liebe intensiv, kindisch, impulsiv.
Da würde ich ein Wort aus der Aufzählung streichen. Oder du ersetzt ein Komma.

Heute bin ich froh, dass sich unsere Wege wieder trennten, auch wenn es sich damals anders anfühlte. Letztlich hat mich die Erfahrung stärker gemacht. Das Fernweh und die Sehnsucht verblassten allmählich und machten einer neuen Liebe Platz, einer alltäglichen und doch immer wieder neuen Form der Nähe, die Freiräume schafft und es ermöglicht, den anderen wirklich zu sehen.
Dieser Abschnitt ist - ich sage das mal ganz so heraus - genial. Nur bei dem Wort "Fernweh" bin ich kurz ins Stolpern geraten.

Soviel von meiner Seite. Ich habe deinen Text gerne und sehr aufmersam gelesen.

Grüße,
SCFuchs
 
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Hallo SCFuchs,

es freut mich, nach unserem etwas holprigen Start hier bei den Wortkriegern, von dir zu lesen. Und natürlich auch, dass du die Geschichte gerne gelesen hast.
Zu deinen Anmerkungen: Irgendwie neige ich manchmal zu einem etwas eigenartigen, umständlichen Satzbau. Danke, dass du mich darauf hinweist, werde ich umgehend ändern.

Eine kleine Anmerkung noch: "Urlaub" hat man immer nur dann, wenn man auch arbeitet. In anderen Fällen sind es "Ferien". Du hast die Perspektive eines Erwachsenen gewählt, deshalb passt das, auch wenn ja gleichzeitig auch Kinder mitfahren. Das wollte ich dir nur sagen.
Hm. Ferien, Urlaub, Urlaubsreise. Ich umgehe das mal, indem ich die Ostsee einsetze. Das würde den spießigen Alltagstrott noch unterstreichen, die jährliche Reise an den immer gleichen Ort, der nicht gerade reizvoll ist im Vergleich zu seinen früheren Reisen. Der Satzbau ist geändert.

„Bring noch eine Flasche Wein mit.“ Ich halte die leere Flasche neben mir in die Höhe.
Ist sicher eine Frage des Geschmackes. Aber würdest du mit einer Flasche Wein am Strand sitzen?
Warum nicht? Ich stelle sie mir irgendwie nicht als Biertrinker vor.

Aus heutiger Sicht war unsere Liebe intensiv, kindisch, impulsiv.
Da würde ich ein Wort aus der Aufzählung streichen. Oder du ersetzt ein Komma.
Ich mag Aufzählungen ohne ‚und‘, es sollte danach klingen, dass die Liste noch ewig weitergehen könnte, er sich aber unterbricht. Darüber werde ich nochmal nachdenken.

Dieser Abschnitt ist - ich sage das mal ganz so heraus - genial. Nur bei dem Wort "Fernweh" bin ich kurz ins Stolpern geraten.
Danke. Im Nachhinein kommt mir der Abschnitt etwas „Schwafelig“ vor, aber schön, dass er dir gefällt. Das Fernweh muss drin bleiben, weil es etwas ist, was die beiden verbunden hat.

Vielen Dank und viele Grüße,
Rotmeise
 
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Monster-WG
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Hallo Rotmeise

Ich habe die anderen Kommentare nicht gelesen, sorry, falls es Überschneidungen gibt.

Mit einem Achselzucken verschwindet Malte um die nächste Ecke.

Chaos. Wie immer, wenn wir uns zur Ostsee aufmachen.

Ich würde hier keinen neuen Abschnitt beginnen, das gehört thematisch zusammen.

Wie immer, wenn wir uns zur Ostsee aufmachen. Ganz anders, als es früher einmal war, als ich noch allein gereist bin. Stunde um Stunde verzögert sich unsere Abfahrt, bis endlich Koffer, Plüschtiere, Fahrräder und Zelte verstaut sind. Der alte Kombi quillt über, die Klappe lässt sich kaum schließen. Ständig rollt ein Ball, kippt die Windeltasche, als wollten sie mich an meine Gelassenheit erinnern.

Ich würde da etwas aufräumen und den fettmarkierten Satz streichen oder nach hinten verschieben. Das heisst: Zunächst die aktuelle Situation schildern, danach das Gegenbild (wie es früher war) entwerfen. Natürlich muss das nicht so ordentlich sein, wie ich das jetzt vorschlage. Aber dieser isolierte Satz hier hat mich echt gestört.

All diese Sorgen, damals hat nichts gezählt, außer der Straße vor mir.

Ich würde einen Punkt nach „Sorgen“ setzen. Denn danach wechselst du in die Vergangenheit, skizzierst das genannte Gegenbild.

All diese Sorgen, damals hat nichts gezählt, außer der Straße vor mir. Ich bin einfach gefahren, habe nicht an gestern oder morgen gedacht, das monotone Brummen des Motors und den Fahrtwind genossen. Heute denke ich an Ladekabel, Kissen und den Wetterbericht. Schaffen wir es rechtzeitig, das Zelt aufzubauen, bekommen wir noch einen guten Platz in der Nähe vom Strand? Habe ich den Anrufbeantworter eingeschaltet, die Tür abgeschlossen?

Was, wenn du das etwas erklärende "damals - heute" weglässt? Beginnst mit: „All diese Sorgen. Ich erinnere mich, wie ich einfach gefahren bin, damals, als nichts gezählt hat, ausser der Strasse vor mir. Als ich …“
Wenn du also die Erinnerung einfach als Kontrast ausformulierst ohne zu erklären, welche Funktion diese Erinnerung hat. Das reimt sich der Leser dann zusammen und das Ganze hinterlässt eine stärkere Wirkung, meines Erachtens. Ganz ähnlich ging es mir auch beim nächsten Abschnitt.

Ich sehe ihr nach, sie ist schön, etwas mehr ist sie geworden, aber noch immer anmutig. Wieder einmal denke ich, ich müsste ihr öfter zeigen, wie dankbar ich bin. Und dann lasse ich meinen Blick über das Meer schweifen, folge den Wellen und halte die Luft an, bis das leise Grollen im Magen verschwindet. Immer seltener packt mich die Angst, die Angst vor der Nähe, der Sackgasse.

Dieser Abschnitt gefällt mir sehr gut, wie er seine Frau ansieht, dann der Blick aufs Meer. Nur der letzte Satz ist wieder in diesem Erklärmodus geschrieben. Sitzt er wirklich da und denkt: „Hmm, mich packt die Angst vor Nähe immer seltener?“. Wenn du dieses „Fazit“ zu diesem Abschnitt beibehalten möchtest, dann vielleicht direkter: „Lara ist mir nah und das bereitet mir keine Angst mehr.“ (Na ja, ist jetzt nicht wirklich besser, aber ich hoffe, die Idee dahinter verdeutlicht zu haben.)

Manchmal denke ich noch an Hanna. Dann sehe ich sie vor mir, auf dem Beifahrersitz, die Haare vom Fahrtwind zerzaust, begeistert auf Schafherden, Vögel und das Meer zeigend.

Da könntest du darüber nachdenken, diese Erinnerung früher zu platzieren. Das würde den Text m.E. brisanter machen. So wie das hier steht, ist ja bereits klar, dass der Erzähler seinen Platz gefunden hat, die Erinnerung an Hanna taucht zwar auf, aber der Leser weiss, dass sie ihn nicht aus der Fassung bringen wird. Das liesse sich spannender und, wie ich finde, auch ambivalenter gestalten. Wenn du diese Erinnerung an Hanna nämlich früher und intensiver, reiner (d.h. nicht so abgeklärt) präsentierst, dann lesen sich die anderen Passagen vielleicht ein wenig anders, dann ist man als Leser vielleicht etwas mehr verunsichert, bezüglich der Frage, ob er sich sein Ankommen bloss einredet.

Wie Erich Fromm schon so treffend formulierte, treffen Menschen manchmal aufeinander, meinen, heftig verliebt und „verrückt“ nacheinander zu sein, der Beweis für die Intensität ihrer Liebe, dabei beweist sie doch nur, wie einsam sie vorher waren.

Das finde ich ganz schrecklich. Schreib diesen Gedanken in deinen eigenen Worten, wenn er dir wichtig ist.

Ich finde deinen Stil sehr solide, sprachlich habe ich da wenig gefunden. Stark fand ich deinen Text, wenn er szenisch ist, im Dialog, Bilder und Stimmung aufbaut (Das Packen, der Blick aufs Meer). Leider wird diese Stimmung, die Darstellung der Beziehung(en) durch die für mich viel zu erklärenden Selbstreflexionen und die doch ziemlich zusammenfassenden Erinnerungen zerstört. Falls es deine Absicht war, einen unzuverlässigen Erzähler reden zu lassen, so dass man auf den Gedanken kommen sollte, er beschönige und rationalisiere, dann ist das für meinen Geschmack nicht so ganz rübergekommen, dafür sind die Gegenbilder, die Erinnerung an früher, die Erinnerung an Hanna zu schwach ausgeprägt und – wie gesagt – nicht optimal platziert.

Lieber Gruss
Peeperkorn
 
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11.12.2015
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Hallo Rotmeise,

Der Anfang deiner Geschichte hat mir sehr gut gefallen. Als Leser wird man regelrecht in die Szenerie beim Autopacken hineingezogen (Die Dialoge sind wie aus dem Leben gegriffen). Dieser Effekt verliert sich dann aber recht schnell.

Im Mittelteil kommt dann bei dem familiär überfordert wirkenden Ich-Erzähler plötzlich diese Melancholie oder besser Fernweh und Sehnsucht nach "der guten alten Zeit" auf, die ich nicht verstehe und ungerecht empfinde gegenüber dieser sympathischen und fröhlichen Familie. Driftet er in eine Depression ab?
Erst zum Ende hin erhalte ich die Info, dass es da noch eine Hanna gab. Und dass da noch eine ganz andere Geschichte dahinterstecken muss... Da erklärt sich das dann. Aber vielleicht sollte diese "versteckte" Geschichte dem Leser noch näher gebracht werden. (Wer war Hanna? Was ist eigentlich damals passiert? Warum bleibt er (bei dieser lebendigen Familie) so emotional unterkühlt? So in der Art)

Ansonsten finde ich die Geschichte gut geschrieben.

Gruß
Lind
 
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03.04.2016
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Hallo Peeperkorn,

vielen Dank für deinen Kommentar, es hat mich sehr gefreut, von dir zu lesen.
Ich würde hier keinen neuen Abschnitt beginnen, das gehört thematisch zusammen.
Ist geändert.
Ich würde da etwas aufräumen und den fettmarkierten Satz streichen oder nach hinten verschieben.
Hier wollte ich gerne schon einmal gang beiläufig einstreuen, was den Prot beschäftigt. Vielleicht ist der Satz nicht gut platziert, darüber werde ich noch einmal nachdenken.
Ich würde einen Punkt nach „Sorgen“ setzen.
Ebenfalls geändert.
Nur der letzte Satz ist wieder in diesem Erklärmodus geschrieben.
Stimmt, das ist wirklich eine Macke und da muss ich dringend nochmal ran. Vorerst habe ich den Satz komplett gestrichen. Es erklärt sich ja indirekt später.
Das finde ich ganz schrecklich.
Schade, ich mochte das Zitat, so wie es da steht ;)
Da könntest du darüber nachdenken, diese Erinnerung früher zu platzieren.
Da bist du beim Kern des Problems angelangt. Ich muss dringend am Aufbau arbeiten. Dafür muss ich mir aber Zeit nehmen, eventuell werde ich den Vorschlag von Schwups umsetzen und zeitlich mitten im Konflikt einsteigen. Ich bin mir aber noch unsicher, wie ich das umsetzen kann. Daher rüttele ich jetzt nicht vorschnell und halbherzig an einzelnen Sätzen, werde deinen Hinweis aber bei der Überarbeitung im Hinterkopf behalten.

Liebe Grüße,
Rotmeise


Hallo Lind,

vielen Dank auch dir, dass du dich mit meiner Geschichte auseinandersetzt. Dein Eindruck, dass ich zu viel erkläre und dass Hanna zu kurz kommt, deckt sich mit dem der Vorredner, daher gehe ich darauf nicht noch einmal ein.
Im Mittelteil kommt dann bei dem familiär überfordert wirkenden Ich-Erzähler plötzlich diese Melancholie oder besser Fernweh und Sehnsucht nach "der guten alten Zeit" auf, die ich nicht verstehe und ungerecht empfinde gegenüber dieser sympathischen und fröhlichen Familie.
Hm, ist es ungerecht? Ich glaube nicht, er sucht sich das ja nicht aus. Manchmal blickt man zurück und fragt sich, ob man die Weichen richtig gestellt hat. Das würde ich nicht als ungerecht bezeichnen.

Liebe Grüße,
Rotmeise
 
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Senior
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12.04.2007
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„Haben wir schon jemals an alles gedacht? ..."

Ich sehe da keine titelgebende Rastlosigkeit,

liebe Rotmeise,
und damit zunächst einmal ein herzlich Willkommen hierorts von einer roten Socke,

und spür nicht den Hauch von Gartenlaube in dieser kleinen, ruhig erzählten Familiengeschichte, in der natürlich selbst durch die kleinste Kinderschar mehr Unruhe drin ist, als in einem Bus alter Leute auf eine Höllenfahrt sein kann – es wären denn Motzopas von der Galerie der Muppet'sshow hinab in den Bus gestiegen und merkten auf der Fahrt, wo's hinginge.

Da gibt‘s nix zu meckern, vielleicht hör ich auf die Frage
„Was?“
mehr als eine Aussage
„Die Schwimmflügel. Ob du die Schwimmflügel hast.“
(wahrscheinlich schon wegen der besonderen, etwas heftigeren Betonung NACH der Ellipse, aber da wäre dann im genannten Bus schon das Fragefürwort heftiger ausgefallen. Sollen die doch ihre Hörgeräte einstellen!) Ab und an tät‘s halt ein Ausrufezeichen statt des schlichten Punkts.

Nee, ist gelungen im Wechsel der aktuellen Situation mit den Rückblenden, gegen deren Situation natürlich eine gänzlich andere Stimmung aufgekommen ist. Leben mit lebendigen Kindern ist halt mit wenigen Ruhepausen versehen. Und selbst der olle Fromm passt, dass ich glatt noch weiter zurückgreif.

Weil wir nicht umsonst im germanistischen Sprachraum zwischen Liebe und Verliebtheit (boshaft füg ich sogar die Libido mit an) unterscheiden. Und darum noch’n paar Zeilen zu Liebe und Freundschaft, dem Kern zur umfassenderen Liebe:

Die Goten kannten neben dem liufs für lieben und „gern tun“ das Verb frijon und der frijons war der Kuss, frijond/i (es gilt die gleiche Lautung wie heutigentags bei uns – und man hört, ohne je eine Zeile Wulfila gelesen zu haben, der den Goten mehr war als der olle Luther uns) den/die Freund/in heraus. Eine Vokabel für Freiheit war aber frijei.

Gern gelesen vom

Friedel

Nachtrag:
Gut, den eigenen Text noch mal durchgeschaut zu haben, denn da föllt mir dann heute das erste Mal, dass "frijon" die gleiche Struktur hat wie unser "freien".
 
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Lieber Friedel,

vielen Dank für dein herzliches Willkommen – wir hatten noch nicht direkt das Vergnügen – und natürlich für deinen freundlichen (das „frijondlichen“ verkneife ich mir mal ;) ) Kommentar; wie immer, wenn ich deinen Namen lese, verbunden mit Bruchstücken deines enormen Wissensschatzes, der mich ein klein wenig schlauer aus deiner Antwort entlässt.

Besonders, dass der „olle Fromm“ dir passend erschien, freut mich sehr.
Was die Ausrufezeichen angeht, muss ich allerdings noch einmal fragen, ob hier denn nun eines oder gleich zwei fehlen. Denn mit diesem allzu deutlichen Satzzeichen tue ich mich schwer und versuche es zu meiden, wo es geht.

Liebe Grüße,
Rotmeise

P.S.: Ein schöner Vergleich, die Motzopas auf Höllenfahrt, beinahe kann ich sie schimpfen hören.
 
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Zu der Anmerkung
..., vielleicht hör ich auf die Frage
„Was?“
mehr als eine Aussage
„Die Schwimmflügel. Ob du die Schwimmflügel hast.“
(wahrscheinlich schon wegen der besonderen, etwas heftigeren Betonung NACH der Ellipse, aber da wäre dann im genannten Bus schon das Fragefürwort heftiger ausgefallen. Sollen die doch ihre Hörgeräte einstellen!) Ab und an tät‘s halt ein Ausrufezeichen statt des schlichten Punkts.
mekstu an,

liebe Rotmeise
Was die Ausrufezeichen angeht, muss ich allerdings noch einmal fragen, ob hier denn nun eines oder gleich zwei fehlen. Denn mit diesem allzu deutlichen Satzzeichen tue ich mich schwer und versuche es zu meiden, wo es geht.

In dem speziellen Fall würde ich nur ein Ausrufezeichen setzen für die objektiv gesehene Frage "hastu schon die Schwimmflügel?", die aufgrund der Umstellung, bedingt durch die Präposition ob, heftiger und zum Ausruf wird. Dabei können Satzzeichen auch als Regieanweisungen fürs Publikum (Leser, besonders aber dem Vorleser) angesehen werden, die auch schon mal die gültigen Regeln auf den Kopf stellen dürfen. Die Ellipse seh ich da als vorausgeschickte Apposition, sag ich mal so. Im Grunde aber entscheidet allein der Autor, was er für Zeichen einsetzen will. Er allein kennt seine Intenzion. Und wenn sein Werk die eine oder auch andere Deutungen zulässt, umso besser,

findet der

Friedel
 
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Lieber Friedel,

Im Grunde aber entscheidet allein der Autor, was er für Zeichen einsetzen will.
Sehr richtig, hier werde ich aber gerne deinem Ratschlag folgen.

Vielen Dank nochmal und liebe Grüße
Rotmeise
 

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