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Re-Inkarnation
„Sie möchten gern buchen?“, begrüßt sie mich mit flötender Stimme.
„ Ja, gern“, antworte ich schnell.
„Haben Sie schon genaue Vorstellungen?“
„Nein, ich überlege noch ...“
„Wenn Sie noch eine längere Bedenkzeit benötigen ...“
„Nein, nein“, unterbreche ich sie. „Ich bin sicher, dass ich will. Nur wie genau weiß ich noch nicht.“
„Etwas Kürzeres vielleicht? Da habe ich gerade etwas Besonderes hereingekriegt.“ Sie lächelt verführerisch. „Kleines Dorf in der Türkei. Erdbebenopfer im Jugendalter. Geschlecht ist noch frei wählbar ...“
„Ach, nicht etwas so Schwieriges“, rutscht es mir hinaus.
„Nun, wir haben ja auch einen Bildungsauftrag“, sagt sie etwas pikiert. „Oder sind Sie an einem sorglosen Leben im Luxus interessiert?“
„Oh nein“, wehre ich ab, „da fühlt man sich immer so nutzlos. Und die ganze Zeitverschwendung!“
„Hier habe ich etwas für Sie. Zwar eine Herausforderung, aber mit Bedenkzeit bis zu zwölf Wochen.“ Sie strahlt vor Stolz über dieses Angebot. „Rubinstein-Taybi-Syndrom ... Sie können sich mit der Mutter arrangieren. Sie hat die Empfängnis eines behinderten Kindes vereinbart, aber für die Geburt und Aufzucht ist nichts festgelegt.“
„Hm. Haben Sie nichts Normales?“, frage ich nach. „Keine Katastrophen, keine Behinderung. Ein paar kleine Schicksalsschläge natürlich, aber sonst eher ruhig. Und wirtschaftlich nicht zu schlecht. In China vielleicht, da wird es doch jetzt interessant.“
Ihr Lächeln wird etwas frostiger, aber sie ist immer noch auf der Suche.
„Akademiker in Russland mit mechanistischem Weltbild?“
„Och nö“, sage ich zaghaft. „Da war ich doch in meinem letzten Leben schon weiter.“
„Ich sehe mir mal Ihre jüngsten Daten an; vielleicht macht das die Passung einfacher.“
Sie wendet sich dem Bildschirm zu. „M ... Meier“, liest sie halblaut mit. „Langjährige Beziehung, Vaterschaft, kreative Fähigkeiten ...“ Sie sieht mich fragend an:
„War alles zu Ihrer Zufriedenheit?“
„Ja ja, alles bestens“, antworte ich schnell. Sonst setzt sie mich noch als Querulant irgendwo ein. „Bis auf dieses abrupte Ende ...“
„Aber das haben Sie doch extra bestellt. Gewaltsames Ende durch die Hände einer Frau. Steht hier.“
„Ja“, beginne ich zu stammeln. „Das wollte ich ja auch. Aber eigentlich hatte ich das schon in meinen Geschichten abgearbeitet. Kurz vorher habe ich noch eine Eingabe gemacht.“
„Sehe ich, ja. Das war leider zu spät.“
Die Abschlussbilder der letzten Existenz tauchen in meinem Bewusstsein auf.
Ich wollte Eis kaufen, für Frau und Tochter. Auf der Straße dieser Golf ... mit den ganzen schwarz-rot-goldenen Fähnchen ...
„Das letzte Deutschland-Spiel bei der Fußball-WM war gerade so praktisch...“
...fuhr mit Schlangenlinien ... dann klappte ein Wimpel nach innen, vor die Augen ...
„ der Fahrerin war das Verschulden einer fahrlässigen Tötung zugesagt worden ...“
... ein Kreischen aus dem Innenraum ...
„die anderen vier Frauen hatten lebenslange Schuldgefühle bestellt ...“
Als ich nach oben schwebte und meinen Körper noch ein letztes Mal betrachtete, dachte ich ganz sachlich: Sieht doch passabel aus. Schade, wirklich.
„Ähm ... eine Verlängerung ist ausgeschlossen, oder?“
Sie lacht. „Immer dasselbe. Nein, damit kann ich Ihnen nicht dienen. Aber vielleicht sollten Sie noch einmal in den Prospekt sehen ... schließlich geht es ja um Ihre Zukunft.“

: Du hast zuviele Sprechverben in deinen Dialogen, vorallem dann auch teilweise noch mit unnötigen Adjektiven. Nicht nur in der hier zitierten Passage sondern auch im Rest. Manchmal kann das auflockern, aber wenn du es so ausschweifend tust wie hier, ließt sich das sehr zäh und führt dazu, dass man das Gespräch nicht richtig mitverfolgen kann, weil man den Faden verliert. Mein Vorschlag: Ersetze Einiges durch erklärende Nachsätze oder lass es ganz weg und vielleicht ersetzt du einige der Adjektive durch Verben, die es besser rüberbringen. Ich musste zum Beispiel am Anfang überlegen, was man unter einer flötenden Stimme versteht (auch wenns eine gängige Formulierung ist) und hab dann versucht mir vorzustellen wie das dann klingen würde. <-- nur als Beispiel
) das diesmal die Kürze des Textes eindeutig zu lasten der Qualität geht. Mir fehlt da einfach das Ausformulierte, die Beschreibungen und auch der etwas längere Dialog, der dem Ganzen etwas mehr Tiefe und Fülle geben würde. So wie es jetzt ist, habe ich es leider nur zu siebzig Prozent verstanden und das ist sehr schade, bei einem Thema, das so viele Ansätze und Möglichkeiten bietet.


Vermutlich wieder ein Genre-Mix.
süß