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Rechtschreibreform

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Rechtschreibreform

Man schreibt wie man spricht
oder
Meine Rechtschreibreform in zwei Texten über Muttersprache & Mutterhass

Der Erwerb der Muttersprache erfolgt spielerisch, bis zu dem Augenblick, da das Schreiben, welches ja ursprünglich ein Malen ist, durch Rechtschreibung ersetzt wird, die einem jungen Menschen dann gegebenenfalls eingebläut wird. So entwickelt sich die Liebe der und zur Muttersprache wie die Liebe der und zur Mutter. Denn Mütter sind eine ganz besondere Art von Mensch, die ihre Liebe wie auch ihren Hass und alles, was dazwischen liegt, hinter gleichartigen Verhaltensweisen verbergen können, dass Hass sich als Liebe, Liebe gleich Hass sich gebärdet.

Ich entsinne mich der liebevollen Streicheleinheiten durch einen Holzkochlöffel und den Teppichklopfer, die irgendwann durch Plastik, - auch eine Art von Fortschritt, - ersetzt wurden, da das Holz- und hernach das Korbmodell an Hintern und Rücken der Gebrüder Weh zersprang.

Im Mai 1996 erfuhr ich ein Aha-Erlebnis durch Ulrich Holbeins „Vom Ursprung der Worte“ unter der Rubrik „SPRACHLUPE“ in der „ZEIT“. Da behauptete Herr H., er wisse bei vielen Worten noch ganz genau, wann und wo er sie übernommen habe. Das kann ich von mir nicht behaupten, außer, dass ich mich erinnere, in meiner Kindheit eigenwillige Betonungen für Wörter, die mir fremd waren, benutzt zu haben wie das Dehnungs-"E", das es natürlich nur für mich war, in Spanien (korrekt: ’ʃpa:nįən, ausgesprochen von mir: ’ʃpa:ni:n) oder Italien (i’ta:lįən/i’ta:li:n) oder die Betonung auf die falsche Silbe zu legen wie in Hotel (ho’tɛl/’hotəl) oder alles zugleich wie in Jugoslawien (jugo’sla:vįən/’jugɔsla’vi:n; - eine andere Wortzusammenfügung wie etwa –slawin erinnerte mich zu sehr an Sklaven oder Schlawin/er, so zog ich die Lawine vor). Wie ich aber den vierten Absatz seiner Glosse erreichte, schilderte er eine Begebenheit, die ich in ähnlicher Form erlebt habe:

"Esel: Mit sechs saß ich im Wohnzimmer vor meinem Täfelchen, sollte das Wort ESEL schreiben. Das E stand schon da. Mutti sprach mir das SEL immer wieder vor, verriet aber nicht, wie man's schreibt. Draußen, hinter durchsonnter Gardine, spielten bereits alle Kinder im Hof, auch der noch lang nicht schulpflichtige Eberhard. Ich hielt das dauerhaft ausbleibende SEL für einen einzigen geheimnisvollen Buchstaben. Draußen wurde Roller gefahren. Ich klopfte alle mir bekannten Buchstaben der Reihe nach ab, aber SEL kam nicht. Draußen wurden Sandburgen gebaut. Einsam stand das E da: ich klagte, jammerte, weinte und kam nicht drauf. Ich mußte mich mit dem Rücken zum Hof setzen, um nicht abgelenkt zu werden."

Während Mutti dem kleinen Ulli den Trick doch verriet (der große Ulli, Herr H., setzt dieses Geständnis verschämt in Klammern), gab‘s bei Mama kein Pardon und das sechsjährige Würmchen hätte verhungern können und lebenslänglich Hausarrest bekommen, - (ein Fernsehverbot hätte nichts gefruchtet, da’s noch keinen Fernsehapparat gab) - , wär's ihm nicht selbst eingefallen das z, das e:, das ich schon kannte, und das l (’e:zl). So unterschiedlich kann Muttiliebe & Mamahass sein... Und wie ich dies schreibe, fällt mir wieder ein, dass sie sich später brüstete, dass sie meinem Gejammer "Ich kann das nicht!" nicht nachgegeben hatte. Denn letztlich konnt' ich's wohl.

Man schreibt wie man spricht
&
wie laut Schrift ist!

„man ʃraipt vi: man ʃprɪçt“, bə’haʊptət mɪt fɛstɐ ’ʃtɪmə ’e:bn ’di:zɐ „man“. ’dɑmɪt maint man nɪçt das gə’le:gntlɪçe fɛɐ’vɛksln fɔn „mi:ɐ“ ʊnt „mɪç“, - vi:s di: ’fɔlks’vaishait maint, vɛn zi: dɑ’fɔn zɪŋt
„mi:ɐ ʊnt mɪç fɛɐ’vɛksl ɪç nɪç,
dat kɔmt bai mɪç nɪç fo:ɐ,
ɪç hɑp nən klainən man ɪm o:ɐ,
de:ɐ zɑ:xt mɪç ’alət fɔ:ɐ.“
»’ʃprɛçn ʊnt ’dɛŋkn zɪnt ains, ʊnt di: ’ʃmœkə ’ʃprɛçn zo: kɔ’rʊpt, vi: zi: ’dɛŋkn ʊnt ’ʃraibn – zo:, ’hɑbn zi: gə’lɛrnt, zɔls zain -, vi: zi: ’ʃprɛçn«, bə’ʃraipt kɑrl kraus di: gramati’ka:lɪʃə pɛst um fɔrttsu’fa:rən: »fe:lt nu:ɐ nɔx di: fo’ne:tɪʃə ɔrto’gra’fi:.«
„man ʃraipt vi: man ʃprɪçt!“, maint man mɪt fɛʃtɐ ’ʃtɪmə.
aux nɔx, vɛn man ainən ʃprɑ:χ’fe:lɐ hat? ’o:dɐ vɛn di: ’ʁegln ga:ɐ nɪçt bəaxtət ’ve:ɐdn? ’ne:mən zi: mainən ’nɑ:mən: „Frietrich Wiensteg“. virt baim ’fo:ɐ’nɑ:mən das ’de:nuŋs-e: nɔx gə’ʃprɔxn, - „fri:drɪç“, - zo: fɛɐʃvɪndət es ɪm haus’nɑ:mən, das es ɪn de:ɐ ʃraip’vaizə ’aigntlɪç y:bɐ’flyzik ɪst („vɪnstəg“). de:ɐ haus’nɑ:mə hat me:ɐ mɪt de:m vɪnt als de:ɐ ʃtat vi:n tsu: tu:n.
laut fɛɐ’ʃtʊmt tsʊm ’tsaiçn.
vɪsən zi: ’ybɐhaupt, vi: laut ʃrɪft zain kan? ve:ɐ ’ʃtɪlə hø:rt, vais, vi: laut ʃrɪft ɪst ʊnt li:st kɔn’kre:tə mu’zi:k aus to:n ʊnt rauʃ. das ’tsaiçn vɪrkt laut lo:s. ve:ɐ ’augn hat tsu: ’ze:ən, zi:t, vi: ho:x ’ʃpra:xə zain kan ʊnt li:st kɔn’kre:tə gə’mɛ:ldə aus fɔrm ʊnt bə’veguŋ. di: ’ʃve:rə ’tsʊŋə ʃmɛkt ’bɪtɐn to:n:
vɛns armə ’vy:rmçən mɪt de:m ’grɪfl ’y:bɐ di: ’ʃi:fɐ’tɑ:fl kratst, ’bu:χʃtæ: plɪç ’buχʃtɑ: p fy:r ’bu:χʃtɑ:bn ’tsaiçnət ʊnt dan tsu: ’zɪlbən ʊnt ’ainfaɣən ’vœrtɐn tsu’zamənfast ʊnt dan tsu: ’ainfaɣən ’zætsən tsu’zamənzɛtst, - dan ɪst das hɑrtə ’ɑrbait ʊnt das kɪnt ɪm zys’te:m de:ɐ ’ɑrbait ɪm ’zɪnə ʒã: pjɑ’ʒes ’angəkɔmən ʊnt hat zo:’mɪt ɪm zys’te:m de:ɐ prodʊk’tsįo:n ʊnt kɔnzʊmp’tsįon, kʊrts: de:m kapita’lɪsmus ’zainən plats gə’fʊndn. ’glaubə dɔx ’kainɐ, das di: ’pi:zɑ ’ʃtudįən ’o:nə øko’no:mɪʃəz ɪntə’rɛsə fɛɐ’œfntlɪçt ’vurdn! zɛlpst vɛn de:ɐ mɛnʃ nɔx nɪçt ɪm prodʊk’tsįo:nspro’tsɛs ’angəkɔmən ɪst ’o:dɐ aʊx ʃon vi:dɐ hɛ’raʊs gəfaln ɪst, zo: blaibt i:m dɔx ɪmɐ sainə ’ʁɔlə als kɔnzu’mɛnt e:ɐhaltn.
’kyrtsɐ vɛ:r di:’zɐ tɛkst ’alain ɪn kʊrts’ʃrɪft. dan ’vy:stn vi:ɐ, vi: kʊrts ʃrɪft zain kan. de:ɐ kʊrts’zɪçtɪgə zi:t,aux nɪçt ’ɪmɐ, vi: kʊrts ʃrɪft ɪst.
’ɔyɐ fri:dl (nhd.) - fri:dl (mhd.) - fri:dl (engl.)
Euer Friedel – Vrîdel – Freatle

PS: Nach zwölf Jahren dank @pantoholli die letzte Fluse ...

 

sim

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Hi Friedrichhard,

und herzlich willkommen.
Ich finde den Text wirr, nicht wegen der Lautschrift im letzten Absatz. Die Mühe habe ich mir nicht gemacht.
Eher wegen der etwas merkwürdigen Themenkreuzung, von schwarzer Pädagogik und Rechtschreibreform, die sich mir nicht so recht erschließen will.
Außer der Verwendung von Lautschrift sehe ich kein wirkliches Experiment. Ob in derer Verwendung nun ein Experiment liegt oder eher schlichte Fleißarbeit, weiß ich nicht. Für mich ist es eigentlich nichts anderes, als einen Text in eine andere Sprache zu übersetzen.

Lieben Gruß, sim

 
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Hallo, sim,

zunächst einmal freut’s mich, dass jemand hineingeschaut hat in den Text.

Mag sein, dass Rechtschreibreform wirr wirkt, in jedem Fall ist sie dicht & wirkt dadurch sprunghaft, dass es schon einiger Mühe bedarf, hinter den Sinn zu steigen. Wär aber blöd, wenn die Verfasser anfingen, ihre eigenen Texte zu interpretieren. Dann sollten sie gleich Interpretationen ihrer möglichen Geschichten schreiben. Und das wär’s blödeste, was der Literatur (oder was dafür gehalten wird) passieren könnt’.

Mit schwarzer Pädagogik hat die Erziehung der 50er und früherer Jahre nix zu tun. Die Bandbreite der Erziehungsweisen ist durch Holbeins und meine Episode abgesteckt. Nun gut, die Erziehungsweise der Periode zuvor war kackbraun, aber davor dann eher wieder scharz.

Dass der zwote Teil eine Fleißarbeit sein könnte, daran hab ich, der ich als fauler Hund gelt, noch gar nicht gedacht. Naja, der richtig experimentelle Teil steht ja schon im Titel „… wie laut Schrift ist“. Da wurd ich schon gefragt (trotz des Titels), ob das Spiegelschrift sei. Jedenfalls kann man sich diesen Teil vergrößern und als Grafik an die Wand hängen zum Erstaunen der Besucher.

 
Seniors
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Hallo Leute,

einhundert Tage bevor dieses kleine Experiment ein Jahr alt wird und verkümmert will ich dem mehr oder weniger geneigten Leser so etwas wie eine einseitige Erste Hilfe zur Hand geben, pardon, vors Auge stellen, indem ich dem Anfang, dem mittleren Teil und dem Schluss „Übersetzungen“ zu füge (obwohl, wer laut läse den Text zumindest akustisch verstünde).

„man ʃraipt vi: man ʃprɪçt“, bə’haʊptət mɪt fɛstɐ ’ʃtɪmə ’e:bn ’di:zɐ „man“. ’dɑmɪt maint man nɪçt das gə’le:gntlɪçe fɛɐ’vɛksln fɔn „mi:ɐ“ ʊnt „mɪç“, - vi:s di: ’fɔlks’vaishait maint, vɛn zi: dɑ’fɔn zɪŋt
„mi:ɐ ʊnt mɪç fɛɐ’vɛksl ɪç nɪç,
dat kɔmt bai mɪç nɪç fo:ɐ,
ɪç hɑp nən klainən man ɪm o:ɐ,
de:ɐ zɑ:xt mɪç ’alət fɔ:ɐ.“

„Man schreibt wie man spricht“, behauptet mit fester Stimme eben dieser „Man“. Damit meint man nicht das gelegentliche verwechseln von „mir“ und „mich“, - wie’s die Volksweisheit meint, wenn sie davon singt
„mir und mich verwechsel ich nich’,
dat kommt bei mich nich’ vor,
ich hab ‚nen kleinen Mann im Ohr,
der sacht mich allet vor.“


vɪsən zi: ’ybɐhaupt, vi: laut ʃrɪft zain kan? ve:ɐ ’ʃtɪlə hø:rt, vais, vi: laut ʃrɪft ɪst ʊnt li:st kɔn’kre:tə mu’zi:k aus to:n ʊnt rauʃ. das ’tsaiçn vɪrkt laut lo:s. ve:ɐ ’augn hat tsu: ’ze:ən, zi:t, vi: ho:x ’ʃpra:xə zain kan ʊnt li:st kɔn’kre:tə gə’mɛ:ldə aus fɔrm ʊnt bə’veguŋ. di: ’ʃve:rə ’tsʊŋə ʃmɛkt ’bɪtɐn to:n:

Wissen Sie überhaupt, wie laut Schrift sein kann? Wer Stille hört, weiß wie laut Schrift ist und liest konkrete Musik aus Ton und Rausch. Das Zeichen wirkt laut los. Wer Augen hat zu sehen, sieht, wie hoch Sprache sein kann und liest konkrete Gemälde aus Form und Bewegung. Die schwere Zunge schmeckt bittern Ton:


’kyrtsɐ vɛ:r di:’zɐ tɛkst ’alain ɪn kʊrts’ʃrɪft. dan ’vy:stn vi:ɐ, vi: kʊrts ʃrɪft zain kan. de:ɐ kʊrts’zɪçtɪgə zi:t,aux nɪçt ’ɪmɐ, vi: kʊrts ʃrɪft ɪst.

Kürzer wird dieser Text allein in Kurzschrift. Dann wüssten wir, wie kurz Schrift sein kann. Der Kurzsichtige sieht auch nicht immer, wie kurz Schrift ist.

Gruß

friedel

 
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„Diese von Dir beschriebene SEL-Episode hab ich auch erlebt …“

Hallo Rosta,

ich dank Dir für die Mühe und – ohne Ironie – für die Zeit, die Du während der Arbeit am Text investiert hast!

In der Tat hab ich mich hinreißen lassen und Mutter und Sprache eins werden lassen, tue –

ausgerechnet mit dem geneigten (Asche auf mein Haupt! ) –

Leser mit anderen Mitteln, was dem Kind (und sicherlich nicht nur ihm allein) widerfahren ist. Dabei bleibt/(-en) dem Leser alle Freiheit(en, einschließlich der, sich dem Text zu verweigern).

Trotz der Gleichsetzung von Mutter + Sprache weiß ich um den Unterschied zwischen Sprache + Mutter, aber die Identifikation ist geblieben, insofern die Muttersprache einen Menschen aufsaugen kann und nicht mehr los lassen will. Insofern will mir dann die Formulierung der „Liebe der Muttersprache“ gar nicht einmal gewagt erscheinen. - Aber grundsätzlich geb ich Dir recht auch hinsichtlich der Väter, nur fällt’s in einer „vaterlosen Gesellschaft“ nicht so sehr auf.

Ob man in schwierigen/kritischen Augenblicken/Situationen einen anderen Menschen „gehasst“ hat, ist fünf Jahrzehnte später schwierig zu sagen und die Liebe insbesondere zur Mutter ist wohl bei allen Würmchen in der Abhängigkeit und der Verlässlichkeit begründet. Vielleicht war auch nur „so etwas wie Hass“ zu verspüren …

Wie dem auch sei, kehren wir zum heiligen Unernst zurück: Deine „SEL“-Episode verleitet mich fast dazu, im Zusammenhang mit „A A“ den Titel umzuwandeln in „Sechs Jahre später“ mit dem Untertitel „davor kommt noch“ und „A A“ erhält den erläuternden Zusatz „danach war schon“.

Zum Technischen: Die Zeichen zur Lautschrift fand ich bei Word unterm Register „Einfügen > Symbol“ und dort unter Times New Roman und unter „Lucida *“ und sollte sich mal ein Symbol nicht finden lassen, tut’s auch mal ein kyrillisches Zeichen, es bedarf also keines (relativ) teuren Lautschriftprogramms, das es - könnt' es anders sein? - tatsächlich gibt.

Und zum Abschluss noch das Geständnis, dass die ursprüngliche Fassung eine handgearbeitete Tuschezeichnung war, die mit einem Absatz über Kurts Schrift in Kurzschrift abschließend gewürzt wurde.

Ob sich jemand eine solche Grafik an die Wand hängen wird? –

Dank noch mal für den Rückschlag & gute Nacht

friedel

 
Seniors
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Hallo Rosta,

Glück gehabt, dass mich Mutter Sprache nicht verschlungen hat, um mich dann als ungenießbar wieder auszuspei’n, und schön, dass Dir der St. Unernst gefällt – (gibt’s überhaupt einen heiligen „Ernst“? Müsste man mal Ratzinger fragen.)

Zu den technisch/handwerklichen Problemen:

Die Zusätze sind mir nur so in den Sinn gekommen. So wäre ein Zusammenfügen beider Texte „reines“ Gedankenspiel und auf’m Donnerbalken recht unreinlich. Sie sind Thomas Kapielski entliehen, der in seinen Texten schräge Gottesbeweise führt

Die von Dir genannten Lucida-Varianten sind in jedem Fall brauchbar. Ich schreib immer im „Zweifinger-Suchsystem“, obwohl ich vier Finger verwende. Halt auch nix vom „blind“ Schreiben, denn ich bin froh, dass ich Blindfisch noch’n bissken seh (wobei ich gar nicht alles sehen will).

Gruß

friedel

 
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Unverzeihlich von einem, der behauptet, der Erstling verrate mehr über einen als das Zweitwerk nach den ersten Erfahrungen hierorts
Dieser Satz hat mich Neugierig gemacht - und da muss ich doch mal zum Gegenlesen in Dein Debut schauen ;)

Hallo @Friedrichard

Der Erwerb der Muttersprache erfolgt spielerisch, bis zu dem Augenblick, da das Schreiben, welches ja ursprünglich ein Malen ist, durch Rechtschreibung ersetzt wird, die einem jungen Menschen dann gegebenenfalls eingebläut wird.
Kann man eigentlich ohne Malen Lesen lernen? Im digitalen Zeitalter wäre es interessant, ob man ein Kind nicht gleich an eine Tastatur setzen könnte, und den Mal-Schritt (zumindest für die Schrift - nicht für die Koordination) überspringen könnte?
Auf jeden Fall ein gewaltiger erster Satz mit Potential zum Nachdenken - gefällt mir.
So entwickelt sich die Liebe der und zur Muttersprache wie die Liebe der und zur Mutter.
Wow. Den Vergleich finde ich persönlich zu gewagt ;)
Denn Mütter sind eine ganz besondere Art von Mensch, die ihre Liebe wie auch ihren Hass und alles, was dazwischen liegt, hinter gleichartigen Verhaltensweisen verbergen können, dass Hass sich als Liebe, Liebe gleich Hass sich gebärdet.
Hier komme ich an meine Grenzen einer liedenden Mutter Hass zuzutrauen.
Im Mai 1996 erfuhr ich ein Aha-Erlebnis durch Ulrich Holbeins „Vom Ursprung der Worte“ unter der Rubrik „SPRACHLUPE“ in der „ZEIT“ .
Mal abgesehen von der Fluse des überfüssigen Leerzeichen vor dem Punkt, finde ich die genaue Fundstelle zu viel. Würde es nicht genügen vom "Ulrich Holbeins Artikel „Vom Ursprung der Worte“" zu reden?
"Esel: Mit sechs saß ich im Wohnzimmer vor meinem Täfelchen, ...
Schöner Einstieg in die Szene.
... gab‘s bei Mama kein Pardon und das sechsjährige Würmchen hätte verhungern können und lebenslänglich Hausarrest bekommen, ...
Meine Oma hat mich immer sitzen lassen, bis ich alles aufesse. Man, was habe ich da für gelangweilte Stunden in der Küche verbracht!
So unterschiedlich kann Muttiliebe & Mamahass sein...
Ich hab extra nachgelesen, aber Du nennst beide Mütter "Mutti" - insofern lässt Du den Leser urteilen, wer nun Liebe und wer Hass "verbreitet" - geschickt.
Aber wie oben schon erwähnt, finde ich "Hass" übertrieben. "Gut - und gut gemeint" kommt mir da eher in den Sinn.
Und wie ich dies schreibe, fällt mir wieder ein, dass sie sich später brüstete, dass sie meinem Gejammer "Ich kann das nicht!" nicht nachgegeben hatte. Denn letztlich konnt' ich's wohl.
Tja - und obwohl meine Oma schon lange nicht mehr da ist, werde ich jetzt fett :D


So - hat Spaß gemacht - ich hoffe, es nimmt mir keienr Übel so alte Kamellen auszugraben ;)

viele Grüße
pantoholli

 
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Auf meine Aussage

Unverzeihlich von einem, der behauptet, der Erstling verrate mehr über einen als das Zweitwerk nach den ersten Erfahrungen hierorts
antwortestu,
Dieser Satz hat mich Neugierig gemacht - und da muss ich doch mal zum Gegenlesen in Dein Debut schauen ;)

Hallo @pantoholli,

gräbstu ein Frühwerk von mir hierorts aus und stellst gleich die Frage

Kann man eigentlich ohne Malen Lesen lernen?
die ich nur bejahen kann, aber "Zeichnen" (oder übertrieben "Malen") und mit der Hand zu schreiben (lernen) erfordert auch fürs Gehirn, Vorgänge zu koordinieren, die am Gerät nicht erforderlich sind und - muss natürlich bei einem kommen, der "Historik" hierorts "betreibt" - um alte Schriften lesen zu können. Und jede Handschrift ist ein bisschen anders. Vor allem aber bleibt die unterschiedliche Strich"kultur" (nur das Wortungeheuer "Viertelgeviertstrich" sei genannt) spielen keine Rolle. Ein Blindfisch wie ich kann die nicht unterscheiden und mit dem Millimeter zu rechnen ist mir fremd.

Du findest die Aussage

So entwickelt sich die Liebe der und zur Muttersprache wie die Liebe der und zur Mutter.
gewagt
Wow. Den Vergleich finde ich persönlich zu gewagt ;)
man sollte aber nie vergessen, dass die Mutter/Kindesliebe am Anfang eine erzwungene Abhängigkeit ist und aufgrund der langen Kind/Jugendzeit lange andauert, zudem die beiden Pole Ver- und Misstrauen befördert. Was z. B. ist, wenn Mütter überfordet sind? Das Kind "eigetlich" ungewollt ist?
Mal abgesehen von der Fluse des überfüssigen Leerzeichen vor dem Punkt, finde ich die genaue Fundstelle zu viel. Würde es nicht genügen vom "Ulrich Holbeins Artikel „Vom Ursprung der Worte“" zu reden?
dann wätr der Quelle ha,ber eine Fußnote oder Appendix von Beitrag außerhalb des Textbeitrages nötig.

So - hat Spaß gemacht - ich hoffe, es nimmt mir keienr Übel so alte Kamellen auszugraben ;)
Warum sollte es jemand übelnehmen? Ich hatte schon fast vergessen, dass ich einen Laut-Schrift-Text angefügt hatte über das System der Erziehung und ein bisschen Piaget ...

viele Grüße

Friedel,
der noch einen schönen Restfreitag wünscht und jetzt den Punkt von Ausreißer einfängt ...

 
Seniors
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12.04.2007
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Das ist ja toll, dass der nun 12jährige kleine Text über die geHÖRigen Probleme eines 6jährigen vor 63 Jahren wiederausgegraben ist dank @pantoholli und meinem Interesse an Erstlingen. Und noch schöner, dass er immer noch Interesse weckt und die Schönheit des lautschrftlichen Beitrages wirkt - den müsstestu mal "handschriftlich" als Tuschezeichnung sehen. Das Original ist irgendwo im Emsland hoffentlich gut untergebracht. Ich wurde schon - ohne Ironie - gefragt, ob das Kurzschrift wäre ...

Wie dem auch werde, dank Dir fürs Reinschauen, lieber Kahasimir, und vor allem fürs Kommentieren!

Friedel,
der noch ein schönes Wochenende wünscht und "bis gleich!" verspricht

 

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