Was ist neu

Schlechtes Gewissen

Beitritt
27.12.2005
Beiträge
80

Schlechtes Gewissen

Schlechtes Gewissen


Lustlos blickte ich auf den Fahrplan, der mir zeigte, dass es noch drei Minuten dauern würde, bis mein Bus kam. Da hörte ich etwas. Scheinbar stritt jemand vor dem Eingang des hinter mir gelegenen Bahnhofs.
Schon nach kurzer Zeit hatten sich die Stimmen hochgeschaukelt…
Nein, eine Stimme hatte sich hochgeschaukelt, denn es war nur eine Stimme, die ich schreien hörte. Ich drehte mich um und sah einen großen Mann in dunkler Jacke, der auf einen anderen, am Boden liegenden Menschen blickte. Als der Mann zum Tritt ausholte, drehte ich mich um und hörte nur noch ein leises Stöhnen.
Ich wartete auf den Bus, blickte auf die Uhr. Zwei Minuten. Sollen sich doch die Anderen drum kümmern. Vielleicht ist es ja nur ein Spaß. Ja, ganz sicher…obwohl…
Mitten in einer erneuten Drehbewegung stoppte ich und blickte doch wieder nach vorne, konnte aber nicht verhindern, einen weiteren Tritt zu hören.
Ich bin doch nicht blöd, dachte ich, leg mich mit dem großen Kerl an!
Das können schön die anderen machen…
Was wäre, wenn ich der Typ am Boden wäre, was, wenn ich Hilfe brauchen würde und die Menschen an mir vorbei…
Ich blickte auf die Uhr. Noch eine Minute.
Ich summte eine Melodie, um die Schreie nicht…
Ich summte eine Melodie. Einfach so, ohne Hintergedanken, glaube ich.
Da kam mein Bus.
Ich stieg ein und hörte nichts mehr vom Streit hinter mir.
Als der Bus losfuhr, holte ich mein Handy heraus, guckte tief versunken aufs Display und sah nicht, was draußen geschah. Wieso auch, da war ja nichts.

 

Sei gegrüsst Gehilfe des Teufels!
Leider gefällt mir deine Geschichte nicht. Sie ist mir zu moralisch, überhaupt ist es aus meiner Sicht keine Geschichte, sondern eine Beschreibung.
Mühe habe ich auch mit deiner Erzählperspektive.

Das können schön die anderen machen ...
Das würdest du vielleicht sagen, wenn du dich über eine wegschauende Person aufregst. Der Protagonist, der ja auch Erzähler ist, scheint das Ganze aber nicht auf die leichte Schulter zu nehmen, er ist einfach zu feige, etwas zu tun.
Er würde wohl eher denken: Es kommt bestimmt bald jemand anderes vorbei, der stärker ist als ich und es dem Scheisskerl zeigen kann.

 

Hallo Gemüselknolle,

merettschen schrieb:
Sei gegrüsst Gehilfe des Teufels!

Santa´s Little Helper (Knecht Ruprecht), nicht Satan´s Little Helper :D.


merettschen schrieb:
Leider gefällt mir deine Geschichte nicht. Sie ist mir zu moralisch, überhaupt ist es aus meiner Sicht keine Geschichte, sondern eine Beschreibung.

Das ist schon irgendwie richtig, denn Handlung ist nicht wirklich vorhanden, jedenfalls nicht im Sinne von Aktionen.
Aber das mit der Beschreibung verstehe ich nicht, wie meinst du das genau?


merettschen schrieb:
Mühe habe ich auch mit deiner Erzählperspektive.
Das würdest du vielleicht sagen, wenn du dich über eine wegschauende Person aufregst. Der Protagonist, der ja auch Erzähler ist, scheint das Ganze aber nicht auf die leichte Schulter zu nehmen, er ist einfach zu feige, etwas zu tun.
Er würde wohl eher denken: Es kommt bestimmt bald jemand anderes vorbei, der stärker ist als ich und es dem Scheisskerl zeigen kann.

Aber zeigt nicht dieser Satz, dass er zu feige ist um selber einzugreifen, sondern dass er sich nicht traut? Der Prot hofft mit Sicherheit, dass jemand anders vorbei kommt und es dem Scheisskerl zeigt, allerdings ist er sich in dieser Situation eher selbst der Nächste und denkt mehr daran, selber keinen Ärger zu bekommen. Sonst könnte er auch einfach jemanden ansprechen und zu zweit zur Hilfe kommen.

Dennoch danke fürs Lesen und Kritisieren, vielleicht gefällt dir ja eine meiner nächsten Geschichten ;)

MfG
SLH

 

Tach Knecht Ruprecht (sind ja im schönen Deutschland...hehe)

es gibt ja so einige moralische Geschichten und es hätte mich mehr verwundert, wenn der Charakter jetzt eingegriffen hätte, denn das kommt bei weitem nicht so oft vor, jedenfalls bei den Geschichten die ich gelesen habe.
Leider ist die Geschichte auch nicht ganz so mein Geschmack, deine Geschichte wäre vielleicht eine Alternativversion zu der Animeserie "Gantz".
Dort denkt der Charakter am Anfang genauso, hilft aber dann und stirbt.
Vielleicht kennste es ja.

da war ja nichts.
Genau so, habe ich mich gefühlt, nachdem ich die Geschichte gelesen hatte.
Es ist eine kleine Geschichte, die einfach unter den anderen Moral-Geschichten untergeht. Denn deine Geschichte beschreibt ja eigentlich eine Situation, keine "richtige" Geschichte.
Und so reicht es mir auch nicht aus um die Geschichte gut zu nennen.
Trotzdem habe ich es nicht bereut sie zu lesen, naja, wie gesagt, als wäre nichts gewesen.

Vielleicht ein anderes mal!

Es grüßt dich herzlich,

Jekyll and Hide

 

Hallo Santas Little Helper,

ich kann mich nicht den anderen anschließen, mir hat deine Geschichte gefallen.
Sie zeigt, die Realität, nichts sehen, nichts hören und nichts sagen. Solange "mann" nicht selbst betroffen ist. So tun, als sei nichts geschehen, sogar den Gedanken, wenn "mann" selbst in der Lage des Opfers wäre?, verdrängen.

Die Frage stellt sich, was würdest du tun? Zeigst du Courage? Was wäre, wenn das Opfer ein Kind oder deine Mutter wäre? Wegschauen?Feige in den Bus steigen?
Ich selbst, als Frau habe ähnliche Situationen erlebt und bin immer dazwischen gegangen. Courage hat nichts mit Stärke zu tun.

Nun, ich mag deine KG.:)

Lieben Gruß Weltflucht

 

Hallo Dr. und Mister,

Jekyll and Hide schrieb:
Tach Knecht Ruprecht (sind ja im schönen Deutschland...hehe)

es gibt ja so einige moralische Geschichten und es hätte mich mehr verwundert, wenn der Charakter jetzt eingegriffen hätte, denn das kommt bei weitem nicht so oft vor, jedenfalls bei den Geschichten die ich gelesen habe.
Leider ist die Geschichte auch nicht ganz so mein Geschmack, deine Geschichte wäre vielleicht eine Alternativversion zu der Animeserie "Gantz".
Dort denkt der Charakter am Anfang genauso, hilft aber dann und stirbt.
Vielleicht kennste es ja.


Kenne ich nicht, ist aber ein interessantes Alternativende.


Jekyll and Hide schrieb:
Genau so, habe ich mich gefühlt, nachdem ich die Geschichte gelesen hatte.
Es ist eine kleine Geschichte, die einfach unter den anderen Moral-Geschichten untergeht. Denn deine Geschichte beschreibt ja eigentlich eine Situation, keine "richtige" Geschichte.
Und so reicht es mir auch nicht aus um die Geschichte gut zu nennen.
Trotzdem habe ich es nicht bereut sie zu lesen, naja, wie gesagt, als wäre nichts gewesen.

Hey, wenigstens hast du es nicht bereut ;)

Erneut muss ich dem "keine richtige Geschichte" zustimmen, es handelt sich mehr um eine kurze Momentaufnahme und einen inneren Monolog (von formalen Feinheiten abgesehen), dennoch denke ich, dass eine Handlung durchaus da ist, nicht in Form von Aktionen zwar, aber dennoch...

Ich gebe zu, noch nicht so viele Moral-Geschichten gelesen zu haben, aber die, die ich gelesen habe, waren anders. Ist es nicht eher normal, dass der Prot eine Verwandlung durchlebt und dann doch eingreift? In meiner denkt der Prot nicht einmal wirklich darüber nach.

Dennoch, vielen Dank für´s Lesen und auch hier den Verweis auf´s nächste Mal.


Hallo, Weltflucht (das kann ich nicht umschreiben ;))

Weltflucht schrieb:
Hallo Santas Little Helper,

ich kann mich nicht den anderen anschließen, mir hat deine Geschichte gefallen.
Sie zeigt, die Realität, nichts sehen, nichts hören und nichts sagen. Solange "mann" nicht selbst betroffen ist. So tun, als sei nichts geschehen, sogar den Gedanken, wenn "mann" selbst in der Lage des Opfers wäre?, verdrängen.

Die Frage stellt sich, was würdest du tun? Zeigst du Courage? Was wäre, wenn das Opfer ein Kind oder deine Mutter wäre? Wegschauen?Feige in den Bus steigen?
Ich selbst, als Frau habe ähnliche Situationen erlebt und bin immer dazwischen gegangen. Courage hat nichts mit Stärke zu tun.


Auch ich habe bei solchen Situationen (auch wenn mir diese erst wenige Male untergekommen ist) schon eingegriffen, aber ich ertappe mich quasi immer dabei, wie ich denke "Ich bin doch erst 16, da kann ruhig ein Erwachsener eingreifen." Von daher dachte ich, wieso nicht mal eine Situation beschreiben, wo sich der Prot dann wirklich selbst der Nächste ist und nicht eingreift.
Denn eigentlich geht es nicht um den Überfall, wie ja jeder Leser gemerkt haben sollte, sondern um das Verhalten des Prots.

Weltflucht schrieb:
Nun, ich mag deine KG.

Freut mich zu lesen. :)

MfG
SLH

 

Denn eigentlich geht es nicht um den Überfall, wie ja jeder Leser gemerkt haben sollte, sondern um das Verhalten des Prots.
Natürlich geht es um sein Verhalten. Nur erzählst du damit leider nichts Neues. Dein Protagonist ist eine x-beliebige Person, über die ich nicht viel erfahre. Der Überfall: Ebenfalls x-beliebig. Deshalb finde ich deine Geschichte nicht interessant. Es fehlt halt für mich das gewisse Etwas.

Mit Beschreibung meine ich, dass du eine Situation beschreibst und keine Story erzählst.

Zu meinem kritisierten Satz: Es ist ja nicht so, dass er nicht in die Geschichte passt, er passt bloss nicht in die Ich-Perspektive.
Das können schön die anderen machen denkt doch keine halbwegs sensible Person in dieser Situation.
Der Satz ist mehr eine ironisch angehauchte Bemerkung des Autors, die als solche nicht in die Geschichte passt.

P.S. Ich bin kein Gemüse und verbitte mir als solches bezeichnet zu werden. Das mit dem Teufel nehme ich sofort zurück. Unverzeihlicher Konzentrationsmangel meinerseits.

Liebe Grüsse merettschen

 

Natürlich geht es um sein Verhalten. Nur erzählst du damit leider nichts Neues. Dein Protagonist ist eine x-beliebige Person, über die ich nicht viel erfahre. Der Überfall: Ebenfalls x-beliebig. Deshalb finde ich deine Geschichte nicht interessant. Es fehlt halt für mich das gewisse Etwas.

Mit Beschreibung meine ich, dass du eine Situation beschreibst und keine Story erzählst.

Okay, danke, mit der Kritik kann ich etwas anfangen.

Zu meinem kritisierten Satz: Es ist ja nicht so, dass er nicht in die Geschichte passt, er passt bloss nicht in die Ich-Perspektive.
Das können schön die anderen machen denkt doch keine halbwegs sensible Person in dieser Situation.
Der Satz ist mehr eine ironisch angehauchte Bemerkung des Autors, die als solche nicht in die Geschichte passt.
Ich finde irgendwie, dass das passt, das kann eine Person meiner Meinung nach durchaus in so einer Situation denken.
Obwohl man es natürlich auch so wie du sehen kann, da muss ich dir Recht geben.


P.S. Ich bin kein Gemüse und verbitte mir als solches bezeichnet zu werden. Das mit dem Teufel nehme ich sofort zurück. Unverzeihlicher Konzentrationsmangel meinerseits.

Liebe Grüsse merettschen

Was ist denn ein merettschen sonst???

MfG
SLH

 

Also mir hat deine "Geschichtchen" durchaus gefallen. Klar könnte man es ausbauen, aber es ist was es ist und als solches okay. Der Satz "das können die anderen machen..." stört mich nicht, aber der Satz ganz zum Schluß. Ich verstehe schon, dass er sich einreden will dass nichts war, aber mir hätte es besser gefallen wenn er gerade da, wo es jetzt vorbei ist, er sich tiefgrundigere Gedanken gemacht hätte. Denn ich bin mir ganz sicher, dass die ganz große Mehrzahl von Menschen genau so gehandelt hätte wie er.
Deshalb gefällt mir deine Story auch, weil es darauf hinweist. Das wird auch gerade dadurch erreicht, dass dein Protagonist anonym bleibt. Es könnte also jeder sein. Aber ein typ der davonläuft und kiene einzige Gedanke daran verschwendet ist wiederum nicht mehr normal, also nicht jeder. Finde ich zumindest.

Gruß,

JuJu

 

Also mir hat deine "Geschichtchen" durchaus gefallen. Klar könnte man es ausbauen, aber es ist was es ist und als solches okay. Der Satz "das können die anderen machen..." stört mich nicht, aber der Satz ganz zum Schluß. Ich verstehe schon, dass er sich einreden will dass nichts war, aber mir hätte es besser gefallen wenn er gerade da, wo es jetzt vorbei ist, er sich tiefgrundigere Gedanken gemacht hätte. Denn ich bin mir ganz sicher, dass die ganz große Mehrzahl von Menschen genau so gehandelt hätte wie er.
Deshalb gefällt mir deine Story auch, weil es darauf hinweist. Das wird auch gerade dadurch erreicht, dass dein Protagonist anonym bleibt. Es könnte also jeder sein. Aber ein typ der davonläuft und kiene einzige Gedanke daran verschwendet ist wiederum nicht mehr normal, also nicht jeder. Finde ich zumindest.

Gruß,

JuJu

Hallo JuJu,

Das ist tatsächlich ein interessanter Standpunkt.

Sicherlich wäre es normal, wenn der Prot sich weiter Gedanken machen würde - aber ich denke, dass er gerade das tut.
Ich fand es interessant, hier meine Geschichte enden zu lassen...
Er mact sich Gedanken, eben in dem er denkt "Ich gucke nicht raus." Er gesteht sich erst selber ein, dass da ja was war, aber will sich sofort mit dem "da war ja nichts" wieder einreden, dass da nichts war.
Da aber die Erkenntnis ja schon vorher kam, gelingt das nicht.
Der Prot "guckt tief versunken auf´s Display", aber er schreibt keine SMS oder sowas. Er ist nämlich sehrwohl noch damit beschäftigt, was da gerade passiert ist, aber er will sich ablenken und das auch nach außen nicht zeigen.
So sehe ich das.

MfG
SLH

 

Hallo Santas Little Helper!

Mir hat Deine Geschichte auch nicht sehr gefallen, und ich vermute, es liegt an der oberflächlichen Ausarbeitung. Der Titel heißt "Schlechtes Gewissen", aber in der Geschichte finde ich es nicht, und wenn ich Deine Kommentare lese, z. B. ...

Aber zeigt nicht dieser Satz, dass er zu feige ist um selber einzugreifen, sondern dass er sich nicht traut?
... denke ich ebenso: Für das, was Du zeigen willst, müßtest Du tiefer in das Denken des Protagonisten einsteigen. Der kritisierte Satz ist wohl eine schlecht rübergekommene Zusammenfassung der ausführlicheren Gedanken - würdest Du diese hineinschreiben, ergäbe das vermutlich ein anderes Bild, als der eine Satz es erzeugt.

Und noch einmal zum schlechten Gewissen: Das käme zum Beispiel rüber, wenn er abends einem Freund oder seiner Familie davon erzählen würde - weil er sich immer noch Gedanken drüber macht. Eventuell könnte die Situation, wie er das erzählt, dann auch der Rahmen für die Geschichte sein.

Vielleicht fängst Du ja was an mit meinen Gedanken dazu. :)

Liebe Grüße,
Susi :)

 

Hallo Santas Little Helper!

Mir hat Deine Geschichte auch nicht sehr gefallen, und ich vermute, es liegt an der oberflächlichen Ausarbeitung. Der Titel heißt "Schlechtes Gewissen", aber in der Geschichte finde ich es nicht, und wenn ich Deine Kommentare lese, z. B. ...... denke ich ebenso: Für das, was Du zeigen willst, müßtest Du tiefer in das Denken des Protagonisten einsteigen. Der kritisierte Satz ist wohl eine schlecht rübergekommene Zusammenfassung der ausführlicheren Gedanken - würdest Du diese hineinschreiben, ergäbe das vermutlich ein anderes Bild, als der eine Satz es erzeugt.

Und noch einmal zum schlechten Gewissen: Das käme zum Beispiel rüber, wenn er abends einem Freund oder seiner Familie davon erzählen würde - weil er sich immer noch Gedanken drüber macht. Eventuell könnte die Situation, wie er das erzählt, dann auch der Rahmen für die Geschichte sein.

Vielleicht fängst Du ja was an mit meinen Gedanken dazu. :)

Liebe Grüße,
Susi :)

Danke für´s Lesen und kritisieren.
Deine Kritik hat mir wirklich geholfen.

Mit dem Titel "Schlechtes Gewissen" wollte ich aber auch irgendwie ausdrücken, dass er sich Gedanken darüber macht, ich denke, dass muss man nicht so explizit zeigen.

MfG
SLH

 

Neue Texte

Zurück
Anfang Bottom