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Schreibblock.ade

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04.04.2008
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Schreibblock.ade

Schreibblock.ade


Martin hat gerade die Wohnung verlassen, doch schon jetzt scheint sich der Sauerstoff im Raum zu verdreifachen und wie von selbst in meine Lungen zu strömen. Alles wird eine Spur heller, freundlicher.
Auf seinem Teller sieht es wüst aus. Den sündhaft teuren Rotbarsch verunstalten zahllose Gabeleinstiche, die Butterkartoffeln sind größtenteils zerquetscht, und der Feldsalat ist bei seiner Besteckaktion vom Teller geflogen.
Ich stelle mir vor, ein Foto von diesem Stilleben zu machen, in sein Zimmer zu gehen, und es Martin auf den Schreibtisch zu knallen.
„Hier, du Spinner,“ könnte ich brüllen, „sieh dir das Gematsche genau an! So wie auf deinem Teller sieht es nämlich auch in deinem Kopf aus: Krudes Durcheinander, keine einzige eigene IDEE, nur selbstmitleidiges, aufgeblasenes Nichts!“
Herr des Himmels, würde mir das gut tun!
Ich mache das natürlich auf keinen Fall, so bin ich einfach nicht erzogen. Es ist einer meiner überschaubaren Nachteile, dass ich nur in meinem Kopf ausrasten kann. Im Alltag steuert mich die Vernunft, und, ehrlich gesagt, mein unausrottbares Harmoniebedürfnis! Ich halte es schlecht aus, wenn jemand böse auf mich ist. Es dauert auch sehr lange, bis ich wirklich sauer auf jemanden bin, da meine Empathie mir meist erlaubt, die Beweggründe meines Gegenüber zu verstehen. Britta nennt das respektlos Helfersyndrom, doch mir scheint diese Sichtweise verkürzt. Sie meint auch, mich könne jeder ausnehmen, wenn er nur schnell genug merkt, dass mein Krisenpaket, „Verständnisvolles Zuhören und Trösten“, zum Nulltarif zu haben ist.
Gut, Britta kennt mich seit fast zwanzig Jahren, sie hat sicher nicht völlig Unrecht.
Ich stehe auf und räume den Tisch ab.
Vom Küchenfenster aus sehe ich Martin. Mit hochgezogenen Schultern, beide Hände in den Hosentaschen, stapft er mit wirren, ungekämmten Haaren, in seiner schmuddeligsten Jeans die Strasse entlang, eine Schneise der Anklage und der Frustration schlagend.
Er schaut nicht auf, nimmt nichts um sich herum wahr, dabei denke ich, Schriftsteller sollten genau das tun, und Martin will doch nichts lieber, als ein Schriftsteller sein.
Er entfernt sich, und als ich nur noch einen Punkt am Ende der Strasse sehe, frage ich mich, wann ich begonnen habe, ihn zu verachten.
Ich kratze den Rotbarsch vom Teller, einen Fuß auf dem Pedal des Abfalleimers. Als der Fisch in den Plastiksack klatscht, werde ich wieder wütend.
Verdammt, drei Jahre habe ich ihm jede Unterstützung gegeben, finanziell, ideell und überhaupt…, ich war einfach immer für ihn da. Weil ich an sein Talent geglaubt habe, völlig unkritisch, ohne Wenn und Aber. Mit offenen Armen habe ich ihn aufgenommen.

So, weg ist der Fisch! Zwanzig Euro im Abfall, der Eiweißschub für das Schriftstellergehirn. Ach, Scheiß drauf!
Es geht zu Ende mit Martin und mir, so einfach ist das. Ich habe aufgehört, an ihn zu glauben. Keine Lust mehr, seine Muse zu spielen.
Britta sagt, Martin lebe in der Illusion, seinen Zufallserfolg von vor vier Jahren wiederholen zu können.
Ich habe mich immer gegen das Zufallselement gewehrt; Martin muss doch Talent haben, wenn sein Jugendroman über zehntausend Mal verkauft wird!
Britta meint, er habe einfach den Nerv der Zeit getroffen: Schulmassaker in Amiland und bei uns, da kommt es doch prima daher, wenn ein engagierter Lehrer einen Roman über das Spannungsfeld zwischen Schülern und Lehrern schreibt.
Der Titel „In der letzten Reihe“ war ja auch ansprechend, und Martin hat die story glaubhaft erzählt.
Mein Gott, er ist doch Deutschlehrer! Ich sehe vor mir, wie Britta die Augen verdreht und mit ihrer Zigarette einen Schlenker in der Luft macht. Du hättest seiner Beurlaubung nicht so blauäugig zustimmen sollen, du Schaf! Britta drückt rasch die Zigarette aus und wirft sich die Tasche über die Schulter. Weg ist sie.
Ich schüttele den Kopf, doch die alten Bilder lassen sich nicht verdrängen. Britta hat sich nicht geirrt, obwohl ich es mir gewünscht habe. Das ist schon ein Jahr her.

Alle Versuche, ein weiteres Buch zu schreiben, sind jämmerlich gescheitert. Martin hatte unzählige „bombensichere, erste Sätze“ zu „aufrüttelnden Geschichten“ in seinem PC gespeichert, doch danach war die Luft einfach raus. Kein Verlag hat sich für seine Entwürfe interessiert, und ich habe nicht begriffen, dass seine Eitelkeit größer war als sein Talent.
Sein Leiden war echt, daran habe ich nie gezweifelt. Ganze Tage und halbe Nächte saß er vor dem Bildschirm, zwischendurch tigerte er in der Wohnung umher, reckte sich und stützte seinen schmerzenden Rücken mit beiden Händen. Ich saß Gott weiß wie oft auf der Couch, traute mich nicht ins Bett zu gehen, weil ich dachte, Martin käme sich dann verlassen vor, abgewertet, er könnte denken, ich hätte ihn schon aufgegeben. Dabei redete er nie mit mir.
Britta sagt, ich sei immer eine gute Zuschauerin für seine Inszenierungen gewesen, doch das wollte ich nie hören. Bis ich mir eines Tages selber so vorkam.
Ich bin dann eine Stunde eher ins Bett gegangen als in den Wochen davor.
Er hat es gar nicht gemerkt.
Ich habe aufgehört, ihn nach seinen Texten zu fragen.
Er hat nichts erzählt.
Ich fing an, darauf zu warten, dass er mich nach meinem Tag in der Schule fragt. Vergebens.
Mein Schweigen machte sein Desinteresse an meinem Leben deutlich. Da gab es nichts mehr zu verdrängen, nichts mehr zu beschönigen.
Britta hat das prophezeit.
Doch die Sache mit dem Essen heute, die bringt das Fass echt zum Überlaufen. Wenn er nach Hause kommt, werde ich Klartext reden. Schluss machen.
Ich koche mir einen Kaffee und fühle mich frei und stark.
Ein letzter, verzweifelter Versuch, seine Dauerblockade zu lösen, war nun auch gescheitert. Vor ein paar Wochen war Martin nach stundenlangem Luftlöcherstarren auf die Idee gekommen, dass es vielleicht am PC liegen könnte.
Der hemmt seine Kreativität. Martin ging los und kaufte sich karierte Schreibblöcke, teure Kugelschreiber, Bleistifte und einen Montblancfüller.
Ich hoffte mal wieder, fand das Ganze auch ein wenig romantisch. Britta habe ich nichts erzählt, keine Ahnung, warum nicht.
Zwei Tage später lag der Boden in seinem Arbeitszimmer voller zerknüllter Blätter. Schweißgeruch und zerknüllte Blätter.
Wie immer, kein Wort darüber , kein Gespräch zwischen uns. Wenn er sich doch nur ein einziges Mal geöffnet hätte, vielleicht wäre da noch was zu machen gewesen. Aber so…ne, auf keinen Fall.
Ich schlendere mit der Kaffeetasse rüber in sein Zimmer. Himmel, alles ist total aufgeräumt! Auf dem Schreibtisch liegt sein Block. Zuoberst eine eng beschriebene Seite. Ich setze mich, neugierig, angespannt. Hat er doch einen neuen Anfang gefunden?

Meine Liebe, nun unterstützt Du mich schon so lange, immer noch, obwohl Du an meiner Talentlosigkeit nicht mehr zweifelst. Sicher hat Britta Dir längst gesagt, dass mein Erfolg ein Zufall war, ich denke mittlerweile ähnlich. Du hast mein Interesse an Deinem Alltag vermisst, bist abends viel zu lange aufgeblieben, weil Du dachtest, Dein Rückzug käme einem Werturteil gleich, doch der gescheiterte Versuch mit dem Block hat Dir den Rest gegeben, nicht wahr? Seit wann verachtest Du mich? Verstehst Du, dass ich einfach nicht wusste, was ich hätte sagen können? Meine Verzweiflung war so riesig, ich habe keine Worte gefunden. Meine Scham ist fast unerträglich. Deshalb habe ich einen Entschluss gefasst: Ich gehe zurück in den Schuldienst. Vielleicht klappt es mit dem Schreiben, wenn ich mich nicht mehr so sehr darauf fixiere. Hast Du den teuren Rotbarsch weggeworfen? Ich mochte noch nie so gerne Fisch, doch Dir zuliebe hätte ich ihn natürlich essen können. Wenn ich nachher…

Ich klappe das Blatt hoch und sehe, das die folgende Seite noch bis zur Hälfte beschrieben ist. Am unteren Rand prangt ein Herz, mit rotem Filzer ausgemalt.
Behutsam lege ich den Block zurück, trinke meinen Kaffee in kleinen Schlucken und drehe mich auf Martins Schreibtischstuhl im Kreis. Während die Wände an mir vorbeifliegen, sehe ich im Geist schon die neuen Tapeten. Ich stoppe erst, als mir schwindelig wird, dann stehe ich auf und wuchte seinen Koffer vom Schrank.

 

Hallo Jutta,

ich weiß nicht so recht, was ich von der Geschichte halte.

Einerseits gefällt sie mir gut als das Portrait einer langsam zu Ende gehenden Beziehung, in der eigentlich schon völlig die Luft raus ist. Mit einigen Details, wie dem Rotbarsch, hast du mir die Bitterkeit der Protagonistin nahe gebracht. Genauso die Schmerzlichkeit der Schreibblockade.

Dann war mir an anderen Stellen wieder zu viel erzählt, zumindest was den Charakter der Protagonistin angeht. Da bin ich mit mir uneins, denn in der von dir gewählten Erzählform gehört die Reflexion der Erzählerin nun mal dazu, andererseits sind mir manche Passagen einfach zu lang, in denen sie uns erklärt, wie sie ist.

Gut gefallen haben mir dagegen die Einblendungen mit Britta.

Das Ende ... Herrje, ich weiß nicht.
Der Übergang vom Rückblick zur Gegenwart kam mir etwas zu brüsk (vielleicht reicht da schon, einen Absatz in den Text zu machen), ich habe nicht gleich verstanden, dass die Protagonistin jetzt wirklich in der Gegenwart in Martins Zimmer steht. Den Text von Martin würde ich kursiv setzen, der besseren Verständlichkeit wegen.
Was mich dann auch verwirrt hat - das mag kleinlich sein, aber es hat mich verwirrt -, war die Frage, wann Martin das denn geschrieben hat. Nach dem Einstieg hatte ich es mir so vorgestellt, dass er vom Tisch aufgestanden ist und das Haus verlässt, im Brief fragt er aber schon nach dem Rotbarsch, hat ihn also nach dem Essen geschrieben. Damit bin ich dann nicht klargekommen, da sie den Tisch ja erst aufräumt, wenn er schon weg ist. Was hat sie gemacht, während er in seinem Zimmer war? Das ist nur eine Kleinigkeit, wirkt auf mich aber einfach zeitlich nicht stimmig.

Martins Text wirkt mir ein klein wenig zu aufgesetzt. Ich finde es gut, dass er sie durchschaut, aber vieles ist von den Formulierungen her so sehr ihren eigenen angeglichen, dass es mir unrealistisch erscheint. Daran würde ich noch einmal feilen.

Martin gesteht sich sein Scheitern ein und kehrt ins "wirkliche Leben" zurück. Das scheint für die Protagonistin das Signal zu sein, dass sie die Beziehung beenden kann (sie holt seinen Koffer). Auf den ersten Blick fand ich es unlogisch, da er sie ja offenbar noch immer liebt und ich das eher als ein Hoffnungszeichen für die Beziehung verstanden hätte. Aber mittlerweile finde ich es schlüssig. Die Beziehung der beiden hat nur über die Illusion funktioniert, die Martin sich gemacht hat und die die Protagonistin mit ihm geteilt hat. Sie ist aus Zwang geblieben, weil sie meinte, gebraucht zu werden. Das Ende der Illusion gibt ihr ihre Freiheit wieder.

Letztendlich habe ich den Text gerne gelesen - trotz ein paar von mir so empfundener Unstimmigkeiten ist er lebensnah und flüssig.

Liebe Grüße,
ciao
Malinche

 

Hallo Jutta,
da bin ich, um meine Schuld zu begleichen.;) Schön ist, dass ich das auch mit Lob tun kann. Mich hat die Geschichte amüsiert, wenn sie auch tragisch ist. Die Reflexionspassagen mögen etwas lang sein für einen so kurzen Text, zu lang sind sie aber nicht. Außerdem entfaltet sich grad da so ein locker fluffiger und ironischer Erzählton:

"Britta nennt das respektlos Helfersyndrom, doch mir scheint diese Sichtweise verkürzt". - zum Beispiel.

Britta ist sowieso toll!:D

Der Brief des Mannes hat auf mich eine interessante Wirkung: Einerseits ist er doch etwas unglaubwürdig: Dass ein Mann sowas alles durchschauen kann! Und dann noch ein Herz malt! Andererseits ist das irgendwie auch tragisch komisch, der Typ ist halt ein Softie und ein Lehrer noch dazu - "ein Herz, mit rotem Filzer ausgemalt" :lol:

Nur den Titel finde ich unglücklich - der ist halt so ... offensichtlich konstruiert!

Gruß
Kasimir

 

Hallo Jutta,

da muss also erst der Fisch im Eimer liegen, ehe sie den Schlussstrich endgültig zieht :D.
Im Inneren war sie längst weg. Was du gut rübergebracht hast, ist, wie lange sich Frauen etwas vormachen, ehe sie die Konsequenzen ziehen. Die Freundin kann zehn Mal Recht haben (zehnmal rechthaben? oh Gott, wie wird denn das nach der neuen Rechtschreibung geschrieben?:confused:), die Frau sieht alles ein und trotzdem bleibt sie bei ihm. Die Hoffnung stirbt zuletzt!
Ich fand die Geschichte stimmig, über Längen könnte man sich unterhalten, muss ich aber nicht. Britta war gut dargestellt. Erst dachte ich, als die Protagonistin den Brief las, dass Britta und ihr Mann ein Verhältnis haben. Aber das wäre zu einfach gewesen.
Nein, dass sie sich innerlich längst verabschiedet hatte, kam wirklich gut rüber.
Hat mir gut gefallen!

Lieben Gruß,
jurewa

 

Danke fürs Lesen und die Kommentare!
Hallo, Malinche!
Das die Charaktrisierungen der Prot Dir zu lang erscheinen, ist ein guter Hinweis für mich. Ich habe mit diesem Ich- Erzählstil experimentiert, der ja ohne die Fremdbeschreibung nicht auskommt. Das ist eigentlich Brittas Part. Für die Rückblenden könnten die Übergänge sicher flüssiger sein, das übe ich noch. Martin kennt seine Liebste doch ganz gut, er spricht nur nicht mit ihr. Den Brief kann er geschrieben haben, während sie kochte, wohlwissend, dass sie in sein Zimmer geht, sobald er weg ist. Ich habe mir bis zum Schluß da Ende selbst offen gelassen, doch als er dann das kitschige Herz gemalt hat, war sein Schicksal endgültig besiegelt!
Hi Kasimir!
Schuld? Welche Schuld? Hast du mir je ein Leid angetan??? Verstehe ich nicht so ganz! Du scheinst ja den Männern wenig zuzutrauen! Ich denke schon, dass sie manches blicken, aber zu bequem sind, sich auf Gespräche einzulassen! (Sorry, Ausnahmen bestätigen die Regel!) Für den guten Martin stand ja auch viel auf dem Spiel. Die Länge der Reflexionspassagen habe ich oben schon erwähnt. Mit dem Titel: Voll erwischt!!! So einer platten Möglichkeit konnte ich einfach nicht widerstehen!
Hi Jurewa!
Ich wollte zuerst einen Schluß machen, in dem Britta und Martin zufällig von der Prot erwischt werden! Habe dann aber den herzchenmalenden kommunikatinsverweigernden Softielehrer vorgezogen. Schön, dass die Geschichte gefallen hat.
Ab in die Sonne! LG,
Jutta

 

hallo jutta,
mir hat deine geschichte vom aufbau und vom stil her gut gefallen. sie liest sich leicht, flüssig und einige stellen (hauptsächlich die britta-passagen) lassen ein witziges augenzwinkern erkennen.

gut gemacht!

an einigen stellen habe ich probleme mit der zeitenfolgen, z.B. hier:

ich war einfach immer für ihn da. Weil ich an sein Talent geglaubt habe,
- geglaubt hatte

Mit hochgezogenen Schultern, beide Hände in den Hosentaschen, stapft er mit wirren, ungekämmten Haaren, in seiner schmuddeligsten Jeans die Strasse entlang, eine Schneise der Anklage und der Frustration schlagend.
- würden zu diesem gemütszustand nicht eher HÄNGENDE schultern passen? mit HOCHGEZOGEN verbinde ich eher aktiv, aggressiv..... also das gegenteil.

martin's brief ist mir zu lang, weil er die ganzen argumente wiederholt, die deine protagonistin oben schon dargelegt hat. mein vorschlag: um mindestens die hälfte kürzen!

dann stehe ich auf und wuchte seinen Koffer vom Schrank.
- dumme frage: warum nimmt sie SEINEN koffer? oder will sie ihn vor die türe setzen?

den titel finde ich übrigens genial!


beste grüße
ernst

 

Guten Abend, Jutta Ouwens!

Schöne Geschichte. Deine Schreibe ist sehr angenehm zu lesen, lebendig und schwungvoll, über manche Sachen mußte ich lachen, z.B.

Zwanzig Euro im Abfall, der Eiweißschub für das Schriftstellergehirn.
Diese Geschichte gefiel mir vor allem deshalb, weil ich mit Deiner Heldin kiloweise Solidarität empfand und richtig mitfühlen konnte.

Eine schrecklich erschreckende Schrecksekunde erlebte ich, als sie den Brief findet und zu lesen beginnt: Ich fürchtete, sie könne weich werden und denken: Hach, der Arme, wie kann ich nur etc pp, aber nein! Ha!
Sie liest nichtmal zuende, stellt sich die neuen Tapeten vor und kaspert mit dem Stuhl rum, bevor sie den Koffer holt. Haaa ...!

Da hat mir das Herz im Leibe gelacht, weil sie das Gedöns nicht mehr mitmachen und den Jammerlappen von fischzerfledderndem Deutschlehrer rauswerfen wird. Ein Ende, das mich zutiefst befriedigte.

Wenn das nicht Britta schon gemacht hätte, würde ich sie glatt mit einer Flasche Grappa besuchen und ihr beim Packen helfen wollen.

Den Titel finde ich zwar auch doof, aber das ist mir jetzt vor lauter Verständnis völlig wurst. So.

Liebe Grüße!
Makita.

 

Lieber Ernst!
Tja, sie will ihn rausschmeissen, denke ich. Das Herzchen war einfach zu viel! Deshalb wuchtet sie sogar seinen Koffer vom Schrank,(Damit sie sich selber überlistet und nicht wieder weich wird..)
Sie sieht Martin unten auf der Strasse gehen, und es sollen ihre Gedanken sein, die sich da dem Leser mitteilen, wahrscheinlich auch ihre Aggression.
So ist es auch mit der Zeitbestimmung: "ich habe ihm immer geholfen..", da zieht sie für sich Bilanz, die Beziehnung ist noch nicht abgeschlossen, aber auf bestem Wege dahin. Die Länge des Briefes überdenke ich auch noch, habe aktuell keine zündende Idee.
Lieber Geronemo! Total schon total gelöscht, na klar!
Liebe Makita, da sage ich doch nur: Danke!
Euch Allen ein herzliches Danke für die Anregungen,Tipps und Kritikpunkte.
LG,
Jutta

 

Britta hätte ihm höchstens Heringsfilet in Currysauce von Aldi vorgesetzt, wenn überhaupt...!
LG,
Jutta

 
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Hallo Jutta,

die Botschaft Deiner Geschichte wird für mich deutlich durch den Umgang mit dem Rotbarschfilet.
Er mag ihn nicht, malträtiert ihn auf dem Teller und anstatt zu reden bleibt er stumm wie ein Fisch - und für sie war es ihre letzte gute Tat, die sie ihm mit dem teuren Fisch noch angedeihen lassen wollte. Das letzte gemeinsame Mahl war nur noch der Auslöser, (der letzte Prüfstein), ihrer bereits lang anhaltenden Beziehungskrise.
Ihr Entschluss ihn zu verlassen, stand bereits nach dem Fisch und vor dem Brieflesen fest. Der Brief war demnach nur noch ein Verstärker, vor allen Dingen das alberne Herzchen. ;) Oh ja, das kann ich gut nachvollziehen. Kein Wunder, dass sie daraufhin kurzentschlossen den Koffer vom Schrank wuchtet.

Das Kratzen vom Teller, ihre Verachtung für ihn, die beim Wegwerfen spürbar wird, sowie ihre klar denkende und sicher auch pragmatisch handelnde Freundin Britta, sind die Passagen, die mir mit am besten gefallen haben.

Es kann sich jede Frau glücklich schätzen, eine Freundin wie Britta zu haben. :)

Liebe Grüße
Sua Sponte

 
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Also ich habe jetzt nicht so viel in den Rotbarsch hineininterpretiert

Nicht das Ende zeichnet die Geschichte aus, sondern einzig und allein der geköderte und sündhaft teure Rotbarsch.

und anstatt zu reden bleibt er stumm wie ein Fisch -

das erinnert mich jetzt an damals im Deutsch unterricht, als wir irgendwelche
langweiligen Bücher besprochen haben, und der Lehrer dann mit irgendeiner tollen Symbolik angekrochen kam.

Es ist nur ein Fisch, Leute!!!! Beruhigt Euch!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Tud mir leid, wenn das jetzt unangebracht war. Schon klar, dass ich vielleicht derjenige bin, der sich beruhigen muss... ;)

Das soll jetzt aber nicht heißen, dass auch deine Geschichte so langweilig war, dass sie versteckte Fisch-Symbolik nötig hätte!
Du bist hier mit deiner Geschichte über das tragische Ende einer Beziehung, die zu Ende geht, weil es sich herausstellt, dass jemand nicht wirklich ein talentierter Schriftsteller ist, schon an der richtigen Stelle hier auf kg.de, denke ich. Viellicht hättest du das in Horror posten sollen. Schließlich ist mit Sicherheit der eine oder andere literarisch Ambitionierter hier unterwegs...
Mir hat das jedenfalls gefallen. Schließlich geht es für ihn nicht nur darum etwas cooles zu schreiben, und der stolz und die eitelkeit die damit einher geht (wie bei vielen von uns), es geht ihm auch um seine Beziehung, seine Existenz und seine Indentität. Kurz,es geht ihm um alles auf der Welt! Dieser mann muss etwas zu Papier bringen, das ankommt, sondern sinkt sein selbstwertgefühl so tief, dass er sich wahrscheinlich noch die Kugel gibt! UND TROTZDEM KRIEGT ER ES NICHT HIN WAS COOLES ZU SCHREIBEN!!!!!!!!!! Mein Gott ist das tragisch! Vielleicht hättest du mehr tragik reinbringen können... aber du beschreibst es aus der sicht der armen Freundin und wie ich sehe sind alle nur um sie besorgt.

Ich muss sagen, diese Thematik gefällt mir, aber wie du siehst gefällt es mir eher aus der Sicht des Mannes, aber zu sehen wie seine Frau daran zerbricht ist auch schön.

Schon interessant wie alle hier mit der Frau solidarsisch sind, oder die Britta ganz toll finden! Also ich fand Britta nicht so toll. Nicht unbedingt schlecht, aber bestimmt nicht toll. Soll sie sich doch um ihren eigenen Scheiß kümmern und ihren Zigarettenrauch sonst wo hinblasen! Wenn ihre Freundin ihren Mann (oder Freund) verlassen will, wird sie schon erwachsen genug sein, um das zu tun. Hallo! Er ist Schriftsteller und kein Brutalo, der sie nicht gehen lassen würde. Mein Gott, müssen Freundinnen immer gegen die Freunde ihrer Freundinnen intregieren...
Also ich will nicht wissen was Freud über Britta gesagt hätte...

Sieht denn niemand hier, das DER MANN die tragische Figur ist??? Und dass er zehnmal mehr leidet als die Erzählerin???

Okay ich halte jetzt meine Klappe bevor ich den Zorn der kompletten Frauenwelt noch auf mich richte.

Jedenfalls mochte ich deine KG!

mfg,

JuJu

 

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