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Schwarze Ehre

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12.03.2021
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Schwarze Ehre

Schon wieder landeten Bomben und endeten in einer Explosion und einer Schockwelle, die dem Fenster das Letzte gaben. Die Splitter flogen durch das ganze Zimmer, trafen mich aber zum Glück nicht. Der Fliegeralarm, der in unserem Dorf stand, heulte schon seit mehr als einer Stunde. Ein grauenvolles Geräusch. Als ich aus dem zersplitterten Fenstern sah, konnte ich meinen Augen nicht trauen. Zerstörte Häuser in beiden Richtungen der Straße, verletzte Menschen, die in den Trümmern der Häuser Schutz suchten, um den nächsten Angriff der Bomber zu überleben und Meter hohe Rauchsäulen, die in den Himmel stiegen und dort in der Dunkelheit der Nacht verschwanden. Ich erinnerte mich noch genau, wie es am Tag zuvor hier aussah, Kinder spielten auf der Straße, Frauen mit Tüchern in der Hand huschten von Haus zu Haus, um sie zu verteilen und ab und zu marschierte ein oder zwei Soldaten durch die Straße und fragten, ob sie bei etwas behilflich sein konnten. Doch das Bild, was ich in meinem Kopf hatte, wurde immer unerkennbarer, umso länger ich auf die Trümmer starte. Ich versuchte mir das Bild im Kopf zu behalten und schaute in den Himmel auf, doch dort sah es noch schlimmer aus. Die drei Suchscheinwerfer, die unser Dorf besaß, leuchteten alle in den Himmel, wenn man genau hinsah, sah man neben den Rauch und den Funken, riesige Silhouetten. Die Bomber, um genauer zu sein amerikanische Boeing B-17. Ich wusste nicht genau wie viele es waren, man sah in den Lichtkegeln nur Teile von ihnen und es war zu Dunkel um den Rest zusehen. Die einzige Flak, die unser Dorf besaß, war damit beschäftigt die Bomber vom Himmel zu holen, doch sie war zu alt und es musste wohl sehr schwierig sein, ein Flugzeug auf so einer Höhe überhaupt zutreffen. Zum Glück konnte ich mir das merken, was wir darüber gelernt hatten. Vor einer halben Stunde war der Generalleutnant der Armee, die in unserem Dorf stationiert war, hier, er hat zu meiner Mutter gemeint, dass Flakpanzer auf den weg waren und auch LKWs, die die Zivillisten sicher aus dem Dorf holen würden, das war vor einer halben Stunde so, jetzt waren die Straßen verschüttet oder ganz zerstört und langsam fragte ich mich was mehr Flaks bringen sollten, unser Dorf war sowieso schon zerstört. Auf einmal stoppte das Heulen des Fliegeralarms und eine Durchsage begann: „Alle die sich noch selbst retten können sollen zur Nordseite des Dorfes kommen, dort stehen LKWs, die sie sicher zum nächsten Militärlager bringen“. Die Durchsage wurde noch zweimal wiederholt, danach ging das Heulen weiter. „Brennon!“, das war meine Mutter „Komm wir müssen schnell zu den LKWs, bevor sie ohne uns losfahren.“. Ich ging von meinem zersplitterten Fenster weg um zu meiner Mutter zugehen. Als ich die Treppe hinunterging waren die meisten Bilder von der Wand gefallen und die Tapete fing an, sich durch die Hitze der Brände die um das Haus wütenden und auch von den Erschütterungen, von der Wand zurollen, ich wunderte mich immer noch warum unser Haus nicht von den Bomben getroffen worden war. Als ich meine Mutter sah, war das erste was ich bemerkte, dass sie mich anlächelte, doch als ich ihr in die Augen blickte, sah ich die Verwirrung, die Angst, die Trauer und die Erschöpfung, die an ihr nagte. Nachdem wir das Haus verlassen hatten, spürte man erst richtig die Hitze, die von den Trümmern der Häuser kam, andere Familien versuchten durch die Trümmer, zur Nordseite zukommen, doch sie scheiterten daran, weil Trümmer Stücken oder Feuer ihren weg blockierten. Meine Mutter und ich gingen über die Straßen, oder was von ihnen noch übrig war, zu dem Treffpunkt. Sie hielt mich an der Hand und zerrte mich Regelrecht. Als wir fast da waren, knallte es auf einmal Laut neben uns und eine Schockwelle riss uns beide auseinander. Ich landete unsanft auf dem Rücken und spürte, wie die Luft mir aus der Lunge gedrückt wurde. Als ich mich wieder aufrappelte, sah ich wie meine Mutter ungefähr 20 Meter von mir entfernt auf dem Bauch lag. Ich bekam Angst und frage mich, ob sie Tod war, doch ich sah, wie sie vor Schmerz zitterte. Ich wollte gerade losrennen, als ich ein lautes Knacken vernahm und das Haus, was genau neben meiner Mutter war, anfing auf sie zu stürzen. Die Angst, die ich vorher hatte, kam wieder zurück. Ich rannte los, so schnell ich konnte, „MAMA!“, ich rief sie immer wieder, doch sie antwortete nicht. Sie drehte sich langsam um, immer noch vor Schmerz zitternd. Kurz bevor das Haus sie traf, sah ich ihr ins Gesicht, die Zeit fühlte sich an, als würde sie sich nur für diesen Moment verlangsamen, sie weinte, aber sie lächelte auch, „Es… tut… mir Leid“, das war, dass letzte, was ich von ihr hörte, obwohl sie so weit entfernt war. Mit einem lauten Knall stürzte das Haus auf dem Boden, ich spürte wie die Erde zu zittern begann und wurde von einer zweiten Schockwelle, die von Staub verfolgt wurde, auf dem Bauch geworfen. Ich wurde für kurze Zeit Bewusstlos. Als ich wieder zu mir kam, drückte ich mich hoch und humpelte zu den Trümmern des umgefallenen Hauses. Ich blieb genau davorstehen und sackte auf die Knie „nein… Nein… NEIN!“, das schrie ich mehrmals in den Himmel, ich wusste das sie Tod war, so etwas konnte keiner Überleben, aber warum, warum musste meine Mutter sterben, sie war die netteste und fürsorglichste Frau die ich je in meinem Leben getroffen hatten. Ich spürte, wie das Schreien mir Kraft raubte und sackte weiter auf meine Arme zusammen. Tränen flossen von meinen Augen über meine Wangen und tropften auf den Staub verdeckten Boden. Ich sah Bilder vor mir, Zeiten als ich noch Jünger war und mit ihr gespielt habe oder ihr geholfen habe, wenn Papa auf der Arbeit war. Ich erinnere mich auch noch an den Zeitpunkt als der Krieg begann und mein Vater zur Armee musste, nachdem er das Haus verlassen hatte, hielt meine Mutter meine Hand und sagte zu mir das alles gut wird, „Es wird nichts gut Mama, GAR NICHTS!“. Ich setzte mir ein Ziel. Wenn ich das hier überleben würde, werde ich zur Armee gehe und so lange kämpfen, bis die Feinde untergehen und dafür bezahlen, was sie mir genommen hatten.

 
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Guten Abend @Olivenman,

ein abendliches Hallo und Willkommen hier im Forum. Dein erster Beitrag hier, vielleicht deine erste Geschichte? Lesetechnisch gesehen ist es immer gut

Absätze

einzubauen. Bei Dialog genügt ein Zeilenumbruch, wenn du die Perspektive wechselst, ansonsten ne Leerzeile dazwischen. Gerade für ältere Leser und/oder Brillenträger, sind Absätze wertvoll. Zudem strukturieren sie den Text.

Jetzt zu deinem Text an sich ... es ist im Krieg. Es ist historisch. Es stellt etwas dar, was tatsächlich passiert ist. Und damit ist es belegbar, verifizierbar. Gerade in diesem Bereich ist es wichtig, historisch korrekt zu bleiben. Da gibt es durchaus einige Ungereimtheiten zu entdecken.

1. Fliegeralarm ... du schreibst von mehr als einer Stunde durchgehendem Warnton, was nicht korrekt ist - und im Lärm auch überflüssig und nicht sinnvoll, denn Dauerton fällt irgendwann nicht mehr auf. Er ist an- und abschwellend. Im Rhythmus und definierter Länge. Ein paar Minuten, danach ist Ruhe bis zur Entwarnung, die dann, so weit ich mich erinnere, einminütiger Dauerton ist.

2. Nacht ... in den allermeisten Fällen flogen B-17 Tagangriffe und britische Lancaster Nachtangriffe. Die Gründe: B-17 konnten viel höher fliegen (12.000 Meter) und waren für Abfangjäger nur schwer erreichbar. Lancaster flogen tiefer und waren gefährdeter, deshalb nachts.

3. Nacht und B-17 ... Flak auf Selbstfahrlafetten war nicht die Flak, die eine B-17 erreichen konnten. Die für die sehr hoch fliegenden B-17 im Tagangriff eingesetzte Flak war die 8,8 cm FlaK 41 und die 10,5 cm-Flak. Beide meist stationär bzw. auf Anhängerlafetten montiert, die aber aufgebaut werden mussten. Auf Selbstfahrlafette (Panzerwanne) montierte Flak war gegen tiefer fliegende Flugzeuge gedacht (sogenannte JaBos und Tiefflieger).

4. Dorf ... es wäre interessant zu erfahren, was mit "Dorf" gemeint ist, denn B-17 Verbände bestanden aus mehreren hundert Flugzeugen. Mehrere hundert Flugzeuge mit einer Traglast von 5,8 Tonnen pro Flugzeug wäre unsinnig gewesen für ein Dorf, weil - technisch gesehen - die "Fläche" fehlt. Die Fläche, auf die ein "Bombenteppich" verteilt wird. Das ist das eine, das andere wäre der Grund. Natürlich wurden auch rein zivile Ziele bombardiert (Dresden), aber da war das Ziel, den Willen der Bevölkerung zu brechen. Eine Stadt ist jedoch psychologisch ein weitaus effektiveres Ziel als ein Dorf, von dem man 200 km entfernt vielleicht noch nie etwas gehört hat.

5. Flakscheinwerfer ... gerade in den Dörfern war die Verdunkelung besonders wichtig, denn ein Flakscheinwerfer bietet eine exakte Zielmarke. Wenn also noch keine Flak anwesend ist, dann macht ein Flakscheinwerfer wenig Sinn (die niemals mitten in einem Dorf installiert waren). Einem Nachtangriff gingen immer "Christbäume" genannte Zielmarkierungen voraus, eine von vorausfliegenden Flugzeugen abgeworfene Leuchtmunition.

Es klingt seltsam, aber die Beschreibung von Krieg muss nach meiner Meinung exakt geschehen, denn das Unpräzise bringt den Krieg nicht näher an die Menschen heran. Es verwischt die Präzision des Tötens. Als würde man nicht genau hinsehen. Vor allem aber ist es eben historisch nicht korrekt. Um das Verlusterlebnis zu beschreiben, musst du technisch überhaupt nicht ins Detail gehen. Es geht um den Verlust. Und wie der Sohn damit umgeht. Da ist es wichtig, die Beziehung Mutter <> Sohn herauszuarbeiten. Und das gelingt am ehesten über den Dialog.

6. Der Titel ... "Schwarze Ehre" ... den hab ich überhaupt nicht kapiert.

So, das war jetzt viel, aber kein Verriss, sondern eine Bitte, historische Texte immer entsprechend des Verifizierbaren zu erzählen. Denn sonst verändert der Text das Geschehene.

Griasle
Morphin

 
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Es wirkt auf mich wie ein Intro zu einem Videospiel. Als würdest du erklären wollen, wie der stille grimmige Held mit Bart zu dem wurde, was er heute ist. Mir kam es ab der Mitte etwas zu kurz vor. Ich habe kaum mit einer Familientragödie gerechnet. Die Bilder vom Angriff wirkten wie ein Bericht über die Geschehnisse im Dorf. Ich weiß nicht, wie ich es beschreiben könnte. Irgendwie wirkte der Junge wie ein Dokumentarfilmer ohne eigene Bedürfnisse. Seine Umwelt macht ihn darauf aufmerksam, dass er sich retten soll.

Die Sätze sind häufig sehr lang und bestehen eigentlich aus mehreren Sätzen. Die Unterhaltung zwischen der Mutter und dem Sohn könntest du etwas ausführlicher machen. Statt einem großem "NEIN" zum Beispiel beschreiben, wie er das Nein schreit. Warum entschuldigt sich die Mutter eigentlich? Warum tröstet er sie nicht?

Wenn ich das hier überleben würde, werde ich zur Armee gehe und so lange kämpfen, bis die Feinde untergehen und dafür bezahlen, was sie mir genommen hatten.
Das ist für mich sehr abrupt. In meinem Kopf ist das Intro des Spiels beendet und der Spieler beginnt jetzt, allein zu spielen. Spannend wäre für mich, wie bei dem offenen Ende noch beschrieben wird, wovon es abhängt, dass er überlebt. Ist der LKW in Reichweite? Bewegt er sich von allein weiter? Wie viele Minuten hat er noch?

Ich das Rache nehmen als seine Aussicht, im Leben wieder Frieden zu finden, interessant. Allerdings kommt es in Verbindung mit "Feinde", "untergehen", "bezahlen" und "genommen" wieder sehr dramatisch herüber. Wie würde seine Familie das überhaupt finden?

Der Vater ist weg und macht nichts mehr. Mit ihm konnte ich nicht viel anfangen. Der Junge konnte vorhersehen, dass etwas schlimmes passieren würde? Ist er dann am Kämpfen interessiert?

 
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08.01.2002
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Hallo @Olivenmann,

du hast bisher auf die konstruktive Kritik von Morphin nicht reagiert, obgleich diese schon recht früh nach Erscheinen deiner Geschichte am 16.03. erfolgte.
Ich würde dir auch gern eine Kritik hierlassen, denke aber, ich warte zunächst einmal ab, ob du überhaupt reagierst.

Lieben Gruß

lakita

 

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