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Serie Seitenstraßenhotel: Tod einer Lifttür

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28.07.2020
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Anmerkungen zum Text
Wahre Geschichten aus dem Leben einer Allein-Rezeptionistin

Seitenstraßenhotel: Tod einer Lifttür

Es ist Sonntag. Ich habe Frühdienst in dem kleinen Seitenstraßenhotel, in dem ich seit ich weiß nicht mehr genau wie lange schon arbeite. Jedenfalls bin ich immer noch da. Der Brückenjob dauert schon viel länger als gedacht. Macht nichts. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis mein Genie erkannt wird und ich die Unikarriere starte. So muss es sein.
Da meine Kollegin Sandy quasi das Monopol auf den Frühdienst hat, habe ich auch irgendwann in Jahr zwei noch immer keine Routine in der One-Woman-Show, im Fachjargon „Allein-Rezeptionistin“ genannt. Daher bin ich wie immer früher gekommen. Falls irgendetwas außertourliches passiert, kann man vielleicht noch gegensteuern. Vielleicht.
Eine Reisegruppe hat unseren trostlosen Steinklotz und seine wenig charmanten Zimmer für ihren Zwischenstopp in unserer kleinen Stadt auserwählt.
Reisegruppen sind die Angstgegner der Allein-Rezeptionistinnen dieser Welt. 80 oder mehr Menschen fallen an solchen Tagen ein, plündern das Buffet und verschwinden wieder – das ist der Best Case. Wenn nichts Unerwartetes geschieht, kann man die Schlacht vielleicht für sich entscheiden. Vielleicht.
Leider sind wir nicht nur personaltechnisch schlecht ausgerüstet, uns fehlt es auch an Equipment an allen Ecken und Enden: zu wenig Besteck, zu wenig Geschirr, zu wenig Platz. Wir haben kein Geld. Immer wenn das kleine Seitenstraßenhotel einen Kaffeelöffel kauft, muss einer der Aktionäre des Mutterkonzerns ins Armenhaus gehen. So wird es uns zumindest verkauft. Schneller arbeiten lautet die Firmenphilosophie.
„Gibt es noch Wurst? Gibt es noch Kaffee? Gibt es noch Teller? Gibt es noch Gabeln?“
„Der Saft ist leer.“
„Warum riecht es hier wie am Klo?“, wäre die berechtigtere Frage, die eigenartigerweise nie gestellt wird. Seit wir den neuen Kaffeeautoamten haben, riecht es generell nach Kloake. Anscheinend stört das die Gäste aber nicht. Genauso wenig wie der penetrante Geruch nach Gras, der sich immer über den gesamten ersten Stock verteilt. Leider stinkts nur und betäubt passiv konsumiert nicht.

Auch an diesem Sonntag kämpfe ich bis zum Letzten: Abräumen – abwaschen – Buffet auffüllen – Parktickets verkaufen – Frühstück nachbuchen und dann wieder von vorne. Wie immer bin ich zu langsam und überhöre die mehr oder minder leisen Beschwerden. Ich habe weder Zeit noch Muße darauf einzugehen. Ich bin müde, genervt. Mir tun schon jetzt die Füße weh und es ist gerade mal eine Stunde vergangen. Bloß nicht hinsetzen. Wer sitzt, verliert und steht nie mehr auf.
Nach circa zwei Stunden ist die Reisegruppe bereit weiterzuziehen. Nun gilt es das Chaos zu beseitigen, bevor die Langschläfer zum Frühstück kommen. Bis dahin war es weniger schlimm als erwartet. Sie haben mich weder gefressen noch sonderlich genervt. Ein guter Tag. Die Hälfte der Frühstücke ist geschafft. Jetzt kann eigentlich nichts mehr schief gehen. Genug Zeit zum Auffüllen und Abwaschen. Läuft. Ich stelle gerade irgendwas aufs Buffet, ich weiß nicht mehr was, es ist auch nicht wichtig. Plötzlich beschleicht mich ein Gefühl: Irgendetwas stimmt nicht. Was ist es nur? Einbildung? Nein, etwas stimmt nicht. Die Tür zum Stiegenhaus fällt zu, kurz werfe ich einen Blick in Richtung des Geräusches.
Verdammt!
Das rote Licht beim Lift leuchtet: „Störung“
Ob ich es ignorieren kann? Vielleicht verschwindet es ja von selbst wieder? Eiligst verschwinde ich in die Küche und suche etwas in einem der Kühlschränke. Jetzt weiß ich auch, was seltsam war. Seit geraumer Zeit habe ich den Lift nicht mehr gehört. Tief durchatmen und wieder raus.
Es leuchtet noch immer.
Störung.
Panik.
Was soll ich tun?
In der Theorie weiß ich natürlich was zu tun ist.
Aber das ist nicht die Theorie.
Das ist die Fucking Reality.
Wieso heute? Wieso ich?
„Lift kaputt“, macht mich Gamse vom Housekeeping aufmerksam. Es hilft nichts, irgendwer muss sich drum kümmern und ich bin irgendwer. Ich bin Allein-Rezeptionistin. Los geht’s. Runter ins Erdgeschoss. Da ist das Problem auch schon, die Lifttür macht komische Sachen. Sie öffnet sich nur mehr bis zur Hälfte. Sieht irgendwie ungesund aus. Vermutlich wird sie damit nicht von alleine aufhören.
So eine Scheiße.
Keine Zeit zum Fluchen.
Der Puls steigt.
Das Pflichtbewusstsein keimt auf.
Ich renne runter, der Lift wohnt in U2.
Verdammt!
Da brauche ich den Spezialschlüssel. Nicht den Generalschlüssel.
Wo war der nochmal?
Die Panik steigt.
Ach ja, im Schlüsselkasten. Ich renne wieder hoch ins Erdgeschoss, öffne das Rolltor, gerade so, dass ich drunter durchpasse und suche nach dem Schlüssel für den Schlüsselkasten. Der Spezialschlüssel ist nicht da. So eine verfickte Scheiße!
"Entschuldigen Sie, was ist mit dem Lift?", ertönt es aus der Liftkammer. Hmmm... der macht gerade Pause. Hat sonntags frei. Möglicherweise ist er aber auch kaputt. Wir werden es wohl nie erfahren.
"Ich befürchte, der ist kaputt."
„Wie lange wird es denn dauern?“

Hmmm... zehn Minuten 20, wenn man es ganz genau wissen will. Sehe ich aus wie ein Lifttechniker? Je länger man mich hier volllabert, desto länger wird es am Ende auch dauern. Die bessere Frage wäre, warum steigt jemand in einen offensichtlich kaputten Lift? Keine Zeit für Gegenfragen.
"Kann ich leider noch nicht sagen. Hoffentlich nicht lange."

Der Spezialschlüssel ist in der Kassenlade. Also renne ich in den Frühstücksraum zurück. Das Frühstück eskaliert. Glücklicherweise greift Gamse ein und schleppt gerade frischen Orangensaft zum Buffet.
"Ich mach schon, Schatzi", ruft sie mir zwinkernd zu, während ich den Spezialschlüssel hervorkrame. Wenigstens eine Sorge weniger. Auf Gamse ist Verlass.
Im Laufschritt geht's zurück auf U2. Mit zittriger Hand öffne ich den Schaltschrank und versuche der Anleitung zu folgen. Ausschalten - 30 Sekunden warten - einschalten - Rückrufknopf drücken. Theoretisch sollte der Lift nun zu mir kommen und dann wieder funktionieren.
Es passiert natürlich nichts.
Zweifel keimen auf.
Bin ich etwa zu blöd, um eine dreizeilige Anleitung zu lesen.
15 Semester Studium haben sich wirklich bezahlt gemacht.
Ich versuche es nochmal.
Wieder nix.
Ich brauche Hilfe.
Wie immer, Sandy muss herhalten. Diese Sache kann nicht bis später warten. Sandy ist es schon gewöhnt, regelmäßig von mir mit den täglichen Problemchen des kleinen Seitenstraßenhotels in ihrer Freizeit gestört zu werden. Glücklicherweise hebt sie auch gleich ab, ist wie immer gut gelaunt und bereit, mich durch die Krise zu steuern. Sandy hat auch keine bessere Idee, als die Rückholfunktion zu aktivieren. Mehr kann man auch nicht tun.
„Du musst beim Notdienst anrufen.“, das klingt teuer, ist es auch. Daher muss ich mir zuerst von Caro die Erlaubnis holen. Caro ist die rechte Hand des Chefs. Caro mag es nicht, am Wochenende angerufen zu werden. Das hat sie mir während der Einschulung unmissverständlich eingetrichtert. Aber es hilft nix, außergewöhnliche Situationen verlangen außergewöhnliche Maßnahmen.

Während ich zum x-ten Mal die Treppe hoch renne, labert mich Caro voll: „Willst du nicht einmal eine Dildo-Party machen?“, Caro hat jetzt einen Nebenjob. Äh, ja, bitte gleich. Lieber wäre mir eine Antwort, was denn jetzt mit dem Liftmonster zu tun ist. Der technische Service am Wochenende ist utopisch teuer – so weit war ich auch schon. Außerdem ist der immer teuer.
„Du musst Ingo anrufen.“ Super, den wollte ich eigentlich lieber nicht anrufen. Caro faselt weiter von der Dildo-Party. Na, herzlichen Dank.

Da steh ich nun. Alleine, verschwitzt, verzweifelt und starre auf die Lifttür. Ich muss Ingo anrufen, ich mag aber nicht. Ingo tut zwar nix, aber irgendwie habe ich trotzdem noch immer ein bisschen Angst vor ihm. Kurz überlege ich, ob der Lift nicht doch noch einfach wieder empor steigen könnte. Einfach so. Immerhin schaut er nicht kaputt aus. Leider nein, die Lifttür macht weiter komische Sachen. Sie will einfach nicht mehr ganz aufgehen. Irgendetwas hängt wohl.
Noch einmal tief durchatmen. Es hilft nix. Ich rufe Ingo an. Ingo hat wohl kein eigenes Leben, denn er hebt immer ab. Immer. Er ist überraschend freundlich. Wenigstens etwas. Für seine Freundlichkeit ist der Herr Chef wirklich nicht bekannt. Dafür ewig zu faseln glücklicherweise auch nicht. So bekomme ich recht zügig das Okey, den Notdienst anrufen zu dürfen. Ingo sagt mir noch, wo ich die Telefonnummer finde und dass ich nicht vergessen soll, in allen Stockwerken ein "Defekt"-Schild an den Lift zu kleben. Daran hätte ich wirklich nicht gedacht. Aber zuerst muss ein Liftmensch her.

„Guten Tag. Wie kann ich ihnen helfen?“
„Unser Lift steht im Erdgeschoss und die Tür öffnet sich nur mehr bis zur Hälfte.“
„Sagen sie mir bitte zuerst ihre Kundennummer.“
„Äh, die weiß ich leider nicht.“ Wozu brauchen die jetzt eine Kundennummer? Ich will nix kaufen. Das ist ein verdammter Notfall. Ich habe nur einen Lift, das kann nicht warten. Ingo hat nix von einer Kundennummer gesagt. Also helft mir einfach. Bitte!
„Mit der Liftnummer geht es auch.“
„Äh, weiß ich auch nicht. Geht es denn nicht mit der Adresse?“
„Ja geht auch.“
Zumindest theoretisch. Laut telefonischem Notdienst gibt es an unserer Adresse keinen Lift. Gut, dann ist er auch nicht kaputt. Problem gelöst.
„Sie finden die Liftnummer im Lift“, sehr logisch. Keine Zeit die Sinnhaftigkeit zu hinterfragen. Soll ich mich jetzt wirklich in den kaputten Lift wagen? Was ist, wenn sich die Tür endgültig nicht mehr öffnet oder ich zu langsam bin und mich die Tür einklemmt oder das Ding dann plötzlich doch unkontrolliert abstürzt?
"Und was mache ich, wenn die Tür endgültig nicht mehr aufgeht?"
„Nein, da passiert nix.“
Natürlich nicht, mit Liften ist ja noch nie etwas passiert. Es hilft nix. Ich wage den Versuch. Schlauerweise stecke ich zuerst nur meinen Kopf hinein und schau mich um. Möglicherweise werde ich der erste Mensch sein, der von einer Lifttür enthauptet wird. Ich kann die Liftnummer nicht sehen. Also schiebe ich mich dann doch noch ganz hinein und hoffe, dass die Tür sich hinter mir nicht für immer schließt. Da ist die Liftnummer, nun haben wir doch einen Lift – der ist unter einer ganz anderen Adresse registriert. Warum auch nicht. Der Liftmensch wird sich melden, wann er kommen kann. Es wird noch heute sein. Mehr wusste der telefonische Notdienst auch nicht.

Im Laufschritt zurück in den ersten Stock. Der Frühstücksraum ist inzwischen explodiert. Wer soll das aufräumen? Ach ja, ich. Aber zuerst muss noch jeder Stock mit dem "Defekt"-Hinweis ausgestattet werden. Ein rotes Licht "Störung" ist wohl nicht eindeutig genug. Ein weißes Blatt Papier mit der Aufschrift "Defekt" ist bestimmt effektiver. Nun müssen die ultimativen Hinweise noch in allen sechs Stockwerken ausgehängt werden. Mir ist heiß, meine verkümmerten Muskeln melden sich, als ich mich mit letzter Kraft ganz nach oben schleppe.
Ich sollte mit dem Rauchen aufhören.
Mehr Sport machen.
Vielleicht sollte der Lift auch einfach funktionieren.
Keine Zeit, darüber zu philosophieren.

„Entschuldigen Sie, wann geht der Lift wieder?“
„Das wird leider noch dauern, der Techniker ist unterwegs.“
Ist zwar nicht ganz die Wahrheit, aber ich hoffe, damit meine Ruhe zu haben.
„Wie sollen wir jetzt runter kommen?“
Hmmm... man könnte die Treppe benutzen oder sich an der Fassade wie Spiderman abseilen – wie es Ihnen beliebt.
„Das ist aber nicht kundenfreundlich. Da muss es doch eine rasche Lösung geben. Sollen wir jetzt die Koffer runter tragen?“
Sorry, aber unser Sherpa hat heute frei – was soll ich dazu sagen. Gerne helfe ich mit dem Gepäck und werfe es vom Dach. So viel Kraft bringe ich noch auf und schleppe eure verfickten Koffer rauf aufs Dach und werfe sie mit Schwung runter in die Seitenstraße. Mit der Hoffnung, irgendwen niederzustrecken. Es würde bestimmt keinen Unschuldigen treffen. So viel ist gewiss.
Was soll ich machen, selber reparieren? Irgendwann geben die Gäste auch auf und ziehen empört von dannen. Sie können sich dann online darüber auslassen. Werden sie auch tun – ‚der Lift hat nicht funktioniert und wurde auch nicht binnen fünf Sekunden repariert. Wir mussten das Treppenhaus benutzen und unsere Täschchen selber tragen...‘

Bevor ich mich dem Schlachtfeld im Frühstücksraum widme, ist es höchste Zeit eine Rauchpause einzulegen. Der Tag ist ohnehin gelaufen. Ich werde nie pünktlich fertig. Also was solls. Erschöpft lasse ich mich auf einem wackeligen Hocker im verrauchten Pausenraum nieder, zünde mir eine Zigarette an und starre vor mich hin. Wehe, wenn jetzt jemand was will. Zwei Minuten sollten mir gegönnt sein. Während ich so vor mich hinstarre fällt es mir ein, wir haben eine Rollstuhlfahrerin im Haus.
Fuck!
Wann checkt sie aus?
Pause zu ende.
Ich renne schon wieder.
Check out: Heute.
Verdammt!
Natürlich! Was auch sonst.
Keine Panik. Das Zimmer ist nicht reserviert. Notfalls kann sie länger bleiben. Hoffentlich gehört sie zu denen, die sowieso nicht pünktlich auschecken. Die, die man dann mehr oder minder höflich hinaus delegieren muss. Da könnte ich zur Abwechslung mal großzügig sein und einen Late-Check-out anbieten.

Zumindest ist das Frühstück vorbei und ich schließe das Rolltor zum Frühstücksraum. Egal was nun ist, es ist draußen und ich bin hier drin. Alleine. Ein beruhigendes Gefühl. Ich beginne mit den Aufräumarbeiten. Das wird ewig dauern. Ich wische gerade die Tische ab. Schritte. Nicht hinsehen. Wenn du sie nicht siehst, sehen sie dich auch nicht. Hoffentlich.
„Entschuldigen Sie, wann geht der Lift wieder?“
Ich weiß es nicht. Geh weg!
Kurz blicke ich auf, um mir den nächsten Störenfried anzusehen.
Der Freund der Rollstuhlfahrerin. Okey, die sind wirklich auf den Lift angewiesen.
„Es tut mir leid, aber das wird leider noch dauern. Natürlich können Sie so lange im Zimmer bleiben.“
„Unser Zug geht um 12.30 Uhr.“

Fuck!
Das ist in einer Stunde circa. Natürlich sind die mit dem Zug da.
Ich rufe nochmal den Notdienst an und erkläre mein Problem. Vielleicht hat er ja noch irgendwo einen Reservelifttechniker für äußerst dringliche Fälle. Quasi das SEK der Liftmenschen. Vergebens. Auch der Liftmensch ist am Wochenende auf sich alleine gestellt. Ein Allein-Liftmensch. Irgendwie fühle ich mich ihm verbunden.

„Wir könnten sie runtertragen.“, schlägt der Freund vor.
Der spinnt.
Nein, das geht nicht.
Sie ist zwar zierlich. Aber trotzdem, es ist ein Stock. Wenn ich sie nicht mehr halten kann, dann wars das. Dann können wir sie auch genauso gut abseilen. Operation Spiderwoman oder so. Was für eine blöde Idee.
Stirnrunzelnd stehe ich in der Tür zum barrierearmen Zimmer, wie es so schön heißt und betrachte das Mädchen. Vielleicht könnte es doch klappen. Wenn ich noch jemanden vom Housekeeping hole… Gamse könnte uns helfen. Dann könnte es gehen. Ich suche Gamse.
Wir tragen die Rollstuhlfahrerin die Treppe runter. Das ist der Plan. Ohne Rollstuhl ist sie bestimmt auch nicht schwer. Zuerst tragen wir den Rollstuhl runter und dann das Mädchen. So müsste es klappen. Ganz überzeugt bin ich noch immer nicht. Was ist, wenn wir sie fallen lassen?
Die Rollstuhlfahrerin hat jedoch ihren eigenen Plan. Sie möchte mitsamt dem Rollstuhl runter getragen werden. Das geht nicht. Außerdem müssen wir einmal ums Eck. Für drei plus Rollstuhl könnte die Stelle zu eng sein. Spätestens da lassen wir sie fallen.
Ein neuer Plan muss her.
Hirn, denk nach.
Ich weiß, du bist müde, ich auch.
Aber wir brauchen eine Eingebung.
Streng dich an.
Mir fällt nix ein. Tja, dann müssen sie dableiben bis der Liftmensch kommt. Wir bezahlen natürlich die Zugkosten. Habe ich schon mit Ingo abgeklärt.
Aber die junge Dame möchte heim. Ich kann sie verstehen. So eine Scheißsituation. Bevor das arme Mädchen zu weinen beginnt, fällt mir doch noch was ein.
Über den Frühstücksraum gibt es eine Verbindung zum anderen, schönen Hotel. Das sind nur zwei Stufen rauf, dann gerade rüber übers Dach und zwei Stufen runter. Das müsste funktionieren. Gemeinsam mit dem Freund der Rollstuhlfahrerin schauen wir uns den Übergang an. Er muss es besser wissen, ob es klappen könnte. Während er seine Freundin startklar macht, flitze ich rüber ins andere Hotel und kündige die Rollstuhlfahrerin an.
Los geht’s.
Als wir den Rollstuhl samt Insassin anheben, um sie über die ersten beiden Stufen zu hieven, wird mir klar, wir hätten es nie über die Treppe runter ins Erdgeschoss geschafft. Definitiv zu schwer für mich, ich bin Pudding. Aber die zwei Stufen rauf schaffen wir, rüber übers Dach und zwei Stufen runter, rein in den Lift. Ich winke ihnen zum Abschied. Challenge accomplished.

Der letzte Adrenalinschub lässt nach. Ich hab keinen Bock mehr. Bin müde und will nach Hause. Leider ist es noch nicht 14 Uhr und ich darf somit noch nicht nach Hause, um mich meinem Elend hinzugeben. Andererseits muss ich den Urzustand des Frühstücksraumes somit nicht in meiner Freizeit wiederherstellen. Denn Überstunden gibt es bei uns nicht. Wenn du die Arbeit nicht in den 8.5 Stunden schaffst, liegt es an dir. So lautet die Firmenphilosophie. Dass die 8.5 Stunden theoretisch auch eine halbe Stunde Pause enthalten, ist wieder eine andere Geschichte …

Nachdem ich den Urzustand des Frühstücksraumes wieder hergestellt habe, wartet noch die wirklich letzte Aufgabe des Tages auf mich, die Überwachungskameras checken, um die Ursache des kaputten Liftes ausfindig zu machen. Quasi Recherche-Arbeit. Somit habe ich doch nicht umsonst studiert. Recherchieren kann ich.
Ingo hat mir diese ehrenvolle Aufgabe übertragen, in der leisen Hoffnung, die Kosten für die Reparatur vielleicht jemandem weiterverrechnen zu können. Hat in den sieben Jahren in denen ich im Seitenstraßenhotel gearbeitet habe, kein einziges Mal funktioniert, außer das Housekeeping war es und wir konnten es beweisen. Ob es jemals irgendeinem Hotel auf diesem Planeten gelungen ist, diese Kosten einem Gast zu verrechnen? Wahrscheinlich nicht.
Nun gilt es sich daran zu erinnern, wie man die jüngste Vergangenheit auf der Überwachungskamera abruft. Nach einigen Versuchen läuft der Tag auch im Zeitraffer rückwärts. Stopp. Natürlich habe ich zu weit zurückgespult und beginne meinen verhängnisvollen Tag nochmal von ganz vorne. Ein seltsames Gefühl, sich selbst im Zeitraffer zu beobachten. Niemand sollte sich so sehen müssen. Nicht an diesem Ort. Nicht zu dieser Uhrzeit. Erst recht nicht in dieser potthässlichen Uniform. Jeder Müllmann ist stylischer gekleidet.
Überraschenderweise hat die Kamera auch den Zeitpunkt des Todes der Lifttür aufgezeichnet: Die flimmernden Bilder erinnern irgendwie an dieses winzige Auto, aus dem ungefähr 4000 Clowns springen. Das Auto ist unser Lift und die Clowns sind die Mitglieder der Reisegruppe. Natürlich waren die das. Tja, somit ist Ingos Hoffnung gemeinsam mit der Lifttür gestorben. Offensichtlich hatten die ihre eigene Challenge: Alle quetschen sich inklusive Gepäck gleichzeitig in die kleine Liftkammer. Vielleicht hat den Ersten beim Bus ein toller Preis erwartet – eine gratis Packung Sunkist Kirsche, einmal die Hupe drücken oder so.
Ich sehe wie ungefähr zehn Personen inklusive Gepäck gleichzeitig aus dem Lift steigen. Zehn Personen ohne Koffer wären theoretisch kein Problem oder zehn Koffer ohne Personen, aber beides zusammen ist einfach zu viel. Man kann den Moment, in dem die Tür ihr kleines Leben aushaucht, einfrieren, zurückspulen und nochmal von vorne ansehen.
Unfassbar. Wie haben die da nur reingepasst. Gebannt starre ich auf den Bildschirm. Es ist ein schlechter Film, fiese Qualität, stumm. Trotzdem muss ich weiterschauen. Man reiche mir Popcorn. Ich drehe die Geschwindigkeit runter. Ein riesiger Typ stolpert in Zeitlupe beim Aussteigen gegen die Lifttür. Er hat nicht genug Platz, um sich umzudrehen. Erinnert irgendwie an Godzilla in Tokio … Der Mann ist zu groß für den kleinen Lift. Teil eins endet mit dem Verlassen der Zerstörer und der einsam sterbenden Lifttür.
Die Fortsetzung lässt jedoch nicht lange auf sich warten. Wie in der echten Filmwelt, sollte man sich auch bei CCTV Camera nicht zu viel von Teil 2 – Revenge of a Lifttür - erwarten. Ich sehe ein irritiertes Pärchen vor dem Lift. Ihnen scheint es so, als ob etwas nicht in Ordnung sei. Vorsichtig nähern sie sich an. Sehen sich um. Beraten sich. Die bedrohlich auf- und zugehende Lifttür ist jedoch nicht abschreckend genug, auch das rote Warnlicht „Störung“ gibt nicht den entscheidenden Hinweis. Eine rote Warnleuchte hat doch noch nie Unheil verkündet.
Mutig wagt sich der Held der Episode in das Liftmonster, dreht sich im Kreis, drückt alle Knöpfe. Es passiert nichts. Nun wagt sich auch die weibliche Hauptdarstellerin hinein. Womöglich hat er nur was falsch gemacht. Also versucht sie ihr Glück. Es passiert noch immer nichts. Sie steigen wieder aus und verschwinden im Stiegenhaus.
Dann kommt eine kleinere Gruppe. Schnell hat auch diese Episode ihren Helden gefunden und er betritt todesmutig den Lift, dreht sich im Kreis, drückt alle Knöpfe. Nun gesellen sich all seine Gefährten zu ihm. Vielleicht fährt der Lift ja erst los wenn die maximale Personenanzahl erreicht ist. So muss es sein. Aber auch hier gibt es kein Happy End. Die Gruppe steigt wieder aus und verschwindet im Treppenhaus.
Sorry Leute, aber ihr hättet es echt verdient, dass der Lift euch fängt, ein letztes Mal aufsteigt, um dann unkontrolliert abzustürzen. Man muss Darwin hin und wieder auch eine Chance geben.
 
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10.07.2020
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Hallo @Em_Catilin_I_a,

vielen Dank für diese Geschichte - ich habe mich sehr gut unterhalten. Du erzählst schnell und flüssig, es passiert jede Menge und dein Text ist gespickt mit vielen lakonischen Beobachtungen und grimmigen Witzen, die beim Lesen viel Spaß machen. Die Story hat etwas Bukowski-haftes.

Erst nach dem Lesen ist mir aufgefallen, dass - trotz der vielen Handlung - sich eigentlich wenig verändert. Die Protagonistin bleibt dieselbe, die Umstände sind dieselben, und die Sache mit dem Lift klärt sich nicht - der Techniker ist unterwegs, aber wann er kommt, ist unklar. Mit anderen Worten: Die Story ist rasant, hektisch, vielseitig, aber es gibt keine echte Entwicklung. In diesem Sinn ist es eigentlich mehr ein Bericht, ein Protokoll, so ein bisschen, als würde Sisyphus mit grimmigem Humor Tagebuch schreiben. Und genau deshalb finde ich das sogar ziemlich gut: Der Punkt ist ja eben, dass ganz viel passiert, aber doch alles bleibt, wie es ist. Chapeau!

An der Schreibe könntest du hier und da ein bisschen feilen, ich gebe mal ein paar Beispiele:

Ich habe Frühdienst in dem kleinen Seitenstraßenhotel, in dem ich seit ich weiß nicht mehr genau wie lange schon arbeite.
Funktioniert, man versteht es - aber es liest sich sehr sperrig. Habe leider keine schnelle Lösung, möglicherweise macht es Sinn, den Ausdruck zu ersetzen. Gesprochen würde das in jedem Fall funktionieren, geschrieben ist es tricky.

Reisegruppen sind die Angstgegner der Allein-Rezeptionistinnen dieser Welt. 80 oder mehr Menschen fallen an solchen Tagen ein, plündern das Buffet und verschwinden wieder – das ist der Best Case. Wenn nichts Unerwartetes geschieht, kann man die Schlacht vielleicht für sich entscheiden. Vielleicht.
Sehr schön erzählt!

Immer wenn das kleine Seitenstraßenhotel einen Kaffeelöffel kauft, muss einer der Aktionäre des Mutterkonzerns ins Armenhaus gehen.
Grimmig, witzig!

„Gibt es noch Wurst. Gibt es noch Kaffee. Gibt es noch Teller. Gibt es noch Gabeln.“
Mir ist nicht ganz klar, warum du die Gäste-Zitate kursiv schreibst. Weil sie austauschbar sind und keiner individuellen Figur zugeordnet werden? Bin mir unsicher; ich glaube, ich fände es lesbarer, wenn du sie in Normalschrift bringst.

Ich habe weder Zeit noch Muße, darauf einzugehen.
Bloß nicht hinsetzen. Wer sitzt, verliert und steht nie mehr auf.
Treffer versenkt.

Plötzlich beschleicht mich ein Gefühl: Irgendetwas stimmt nicht. Was ist es nur?
Ob ich es ignorieren kann? Vielleicht verschwindet es ja von selbst wieder?
Eilig verschwinde ich in die Küche und suche etwas in einem der Kühlschränke.
Was soll ich tun?
In der Theorie weiß ich natürlich, was zu tun ist.
Wieso heute? Wieso ich?
„Lift kaputt“, macht mich Gamse vom Housekeeping auf das Problem, das ich so gerne ignoriert hätte, aufmerksam.
Idee: Mach doch einfach "... sagt Gamse vom Housekeeping." Diese macht-aufmerksam-Konstruktion liest sich nicht schön.

Da ist das Problem auch schon, die Lifttür macht komische Sachen.
Die "komischen Sachen" solltest du unbedingt beschreiben.

Vermutlich KEIN KOMMA wird sie damit nicht von alleine aufhören.
Wo war der nochmal?
Hat sonntags frei. Möglicherweise ist er aber auch kaputt. Wir werden es wohl nie erfahren.
Hmmm... zehn Minuten 20, wenn man es ganz genau wissen will. Sehe ich aus wie ein Lifttechniker? Je länger man mich hier volllabert, desto länger wird es am Ende auch dauern. Die bessere Frage wäre, warum steigt jemand in einen offensichtlich kaputten Lift ein?
Hinweis: Die Konvention ist: Alle Ziffern von 1 bis 12 ausschreiben, also eins bis zwölf, darüber als Ziffern.

Glücklicherweise hebt sie auch gleich ab, ist wie immer gut gelaunt und bereit, mich durch die Krise zu steuern.
Caro mag es nicht, am Wochenende angerufen zu werden.
Während ich zum x-ten Mal die Treppe hoch renne, labert mich Caro voll: „Willst du nicht einmal eine Dildo-Party machen?“, Caro hat jetzt einen Nebenjob. Äh, ja, bitte gleich. Lieber wäre mir eine Antwort, was denn jetzt mit dem Liftmonster zu tun ist. Der technische Service am Wochenende ist utopisch teuer – so weit war ich auch schon. Außerdem ist der immer teuer.
„Du musst Ingo anrufen.“ Super, den wollte ich eigentlich lieber nicht anrufen. Caro faselt weiter von der Dildo-Party. Na, herzlichen Dank.
Das hier ist großartig absurd.

So bekomme ich recht zügig das OK, den Notdienst anrufen zu dürfen.
„Guten Tag. Wie kann ich ihnen helfen?
„Äh, die weiß ich leider nicht.“ wozu brauchen die jetzt eine Kundennummer?
„Ja geht auch.“ Zumindest theoretisch.
Soll ich mich jetzt wirklich in den kaputten Lift wagen? Was ist, wenn sich die Tür endgültig nicht mehr öffnet oder ich zu langsam bin und mich die Tür einklemmt oder das Ding dann plötzlich doch unkontrolliert abstürzt?
„Nein, da passiert nix.“ Natürlich nicht, mit Liften ist ja noch nie etwas passiert.
Ich wage den Versuch.
Wer soll das aufräumen?
Keine Zeit, darüber zu philosophieren.
„Das wird leider noch dauern, der Techniker ist unterwegs.“ Ist zwar nicht ganz die Wahrheit, aber ich hoffe, damit meine Ruhe zu haben.
Was soll ich machen, selber reparieren?
Während ich so vor mich hinstarre fällte es mir ein, wir haben eine Rollstuhlfahrerin im Haus.
Wann checkt sie aus?
Das ist in einer Stunde circa.
„Wir könnten sie runtertragen.“, schlägt der Freund vor.
Der spinnt.
Nein, das geht nicht.
Sie ist zwar zierlich. Aber trotzdem, es ist ein Stock. Wenn ich sie nicht mehr halten kann, dann wars das. Dann können wir sie auch genauso gut abseilen. Operation Spiderwoman oder so. Was für eine blöde Idee.
Anmerkung: Das ist die einzige Stelle, an der ich gestutzt habe. Eine "zierliche" Frau in einem konventionellen (nicht-elektrischen) Rolli könnten sie zu zweit oder zu dritt durchaus ein Stockwerk tragen, denke ich (weil ich das schon tausendmal gemacht habe). Idee: Vielleicht hat sie einen schweren E-Rolli, der partout nicht getragen werden kann?

Was ist, wenn wir sie fallen lassen?
Hirn, denk nach.
Ich weiß, du bist müde, ich auch.
Leider oder glücklicherweise ist es noch nicht 14 Uhr und ich darf somit noch nicht nach Hause, um mich meinem Elend hinzugeben.
Die Formulierung verstehe ich nicht.

Hat in all den sieben Jahren, in denen ich im Seitenstraßenhotel gearbeitet habe, kein einziges Mal funktioniert, außer das Housekeeping war es und wir konnten es beweisen. Ob es schon jemals irgendeinem Hotel auf diesem Planeten gelungen ist, diese Kosten an einen Gast weiter zu berechnen? Wahrscheinlich nicht.
Ein seltsames Gefühl, sich selbst im Zeitraffer zu beobachten.
Überraschenderweise hat die Kamera auch den Zeitpunkt des Todes der Lifttür aufgezeichnet: Die flimmernden Bilder erinnern irgendwie an dieses winzige Auto, aus dem ungefähr 4000 Clowns springen. Das Auto ist unser Lift und die Clowns sind die Mitglieder der Reisegruppe.
Tolles Bild!

Auf jeden Fall sehe ich wie ungefähr zehn Personen inklusive Gepäck gleichzeitig aus dem Lift steigen. Zehn Personen ohne Koffer wären theoretisch kein Problem oder zehn Koffer ohne Personen, aber beides zusammen ist einfach zu viel. Man kann den Moment, in dem die Tür ihr kleines Leben aushaucht, einfrieren, zurückspulen und nochmal von vorne ansehen.
Er hat nicht genug Platz, um sich umzudrehen.
Alles in allem: Ein schönes Setting, eine rasante und absurde Story, viele witzige Bilder und Formulierungen. Danke! Ich glaube, dass die Story Kürzungspotenzial hat - hin und wieder ist sie doch zu protokollartig - und du könntest ein bisschen an der Sprache feilen. Aber im Ganzen ist das eine sehr unterhaltsame, grimmige Geschichte aus den Untiefen des Hotel-Schichtdienstes. Vielen Dank!

Viele Grüße

Christophe
 
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Beitritt
19.05.2006
Beiträge
483
Hallo M Catilin Ia!

Für einen Forums-Erstling erscheint dein Text (überraschend) flüssig und mitreißend geschrieben. Der Erzählstil deiner Situationsschilderung stimmt. Ich habe die Story gerne gelesen, wenngleich mir letztlich eine Pointe oder tiefergehende Aussage fehlt. Du beschreibst den stressigen Alltag einer Rezeptionistin wohl mitreißend, aber sonst passiert nicht viel. Wenn du den Schwerpunkt der Geschichte auf den Transport der Rollstuhlpatientin plus diverser Komplikationen legen würdest, könnte das bei deinem erzählerischen Talent durchaus für eine ansprechende, humorvolle Geschichte reichen.
Unterhalb habe ich einige Unstimmigkeiten - längst nicht alle - angeführt. Nimm, was du brauchen kannst.

Wenn nichts Unerwartetes geschieht, kann man die Schlacht vielleicht für sich entscheiden. Vielleicht.
Ich denke, kein Rezeptionist entscheidet eine Schlacht für sich. Er kann eher unbeschadet durch diese Schlacht kommen.

„Gibt es noch Wurst. Gibt es noch Kaffee. Gibt es noch Teller. Gibt es noch Gabeln.“
„Der Saft ist leer.“
Da fehlen eine Menge Fragzeichen, wie auch weiter unten im Text.
Der Saft kann nicht leer sein. Vielleicht der Spender?

Leider stinkts nur und betäubt, passiv konsumiert, nicht.
Das ist etwas kompliziert konstruiert. Aber besser verständlich, wenn du den Einschub mit zwei Kommas markierst.

Die Hälfte der Frühstücke ist geschafft.
Die "Frühstücke" liegen mir schwer im Magen. ;)

Genug Zeit zum Auffüllen und Abwaschen
Wenn schon substantivierte Verben, dann bitte beide GROß!

Ob ich es ignorieren kann?
„Lift kaputt.“,
Niemals einen Punkt vor Apostroph, wenn der Satz nach Dialog weitergeht.

Wo war der nochmal?
Sehe ich aus wie ein Lifttechniker?

Die bessere Frage wäre, warum steigt jemand in einen offensichtlich kaputten Lift ein?
Dito. Fragezeichen. Das "ein" ist überflüssig, weglassen.
Ginge auch kürzer und ohne ein und in einen: ... warum benützt jemand einen offensichtlich kaputten Lift?

Also renne ich in den ersten Stock in den Frühstücksraum zurück.
Muss der Leser wissen, wo der Frühstücksraum liegt?

"Ich mach schon, Schatzi.",
Kein Punkt nach ...

Sandy ist es schon gewohnt,
Ich kann und will mich nicht an "gewohnt" gewöhnen.

Glücklicherweise hebt sie auch gleich ab, ist wie immer gut gelaunt und bereit, mich durch die Krise zu steuern.
Da brauch ma a Komma, nach bereit.

Leider nein, die Lifttür macht weiter komische Sachen.
Vielleicht irgendwann mal erklären, was du unter komischen Sachen verstehst. Du verwendest den Terminus mehrmals, ohne weitere Erläuterung.

So bekomme ich recht zügig das OK, den Notdienst anrufen zu dürfen.
Okay immer ausschreiben. Auch wenn man es korrekt abkürzt, (O.K.) braucht es vier Zeichen. ;)
Und natürlich ein Komma setzen, nach Okay.

„Guten Tag. Wie kann ich ihnen helfen?“
Fragezeichen!

„Äh, die weiß ich leider nicht.“, wozu brauchen die jetzt eine Kundennummer.
Punkt weg, nach "nicht".

Ich wage den Versuch
Hauptwort, folglich groß.

Wann checkt sie aus?
Fragezeichen. Ich schenke dir eine ganze Tasche voll. ;)

OK, die sind wirklich auf den Lift angewiesen.
Komma, nach Okay.

Ich weiß, du bist müde, ich auch.
Komma, nach "weiß".

Ingo hat mir diese ehrenvolle Aufgabe übertragen, in der leisen Hoffnung, die Kosten für die Reparatur vielleicht jemanden weiterverrechnen zu können.
Falscher Kasus: jemandem

diese Kosten an einen Gast weiter zu berechnen - wahrscheinlich nicht.
... weiter zu verrechnen -
Ginge deutlich kürzer: ... diese Kosten einem Gast zu verrechnen ...

Auf jeden Fall sehe ich wie ungefähr 10 Personen inklusive Gebäck gleichzeitig aus dem Lift steigen.
Braucht es das "auf jeden Fall"? Ich sehe, wie ...
Gepäck

an Godzilla in Tokio…
Immer ein Leerzeichen vor den berühmten drei Auslassungspunkten. Es sei denn, du unterbrichst innerhalb eines Wortes. Dann kein Leerzeichen.

Netten Gruß,
Manuela :)
 
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Hallo @Em_Catilin_I_a,

vielen Dank für diese Geschichte - ich habe mich sehr gut unterhalten. Du erzählst schnell und flüssig, es passiert jede Menge und dein Text ist gespickt mit vielen lakonischen Beobachtungen und grimmigen Witzen, die beim Lesen viel Spaß machen. Die Story hat etwas Bukowski-haftes.

Erst nach dem Lesen ist mir aufgefallen, dass - trotz der vielen Handlung - sich eigentlich wenig verändert. Die Protagonistin bleibt dieselbe, die Umstände sind dieselben, und die Sache mit dem Lift klärt sich nicht - der Techniker ist unterwegs, aber wann er kommt, ist unklar. Mit anderen Worten: Die Story ist rasant, hektisch, vielseitig, aber es gibt keine echte Entwicklung. In diesem Sinn ist es eigentlich mehr ein Bericht, ein Protokoll, so ein bisschen, als würde Sisyphus mit grimmigem Humor Tagebuch schreiben. Und genau deshalb finde ich das sogar ziemlich gut: Der Punkt ist ja eben, dass ganz viel passiert, aber doch alles bleibt, wie es ist. Chapeau!

An der Schreibe könntest du hier und da ein bisschen feilen, ich gebe mal ein paar Beispiele:

Ich habe Frühdienst in dem kleinen Seitenstraßenhotel, in dem ich seit ich weiß nicht mehr genau wie lange schon arbeite.
Funktioniert, man versteht es - aber es liest sich sehr sperrig. Habe leider keine schnelle Lösung, möglicherweise macht es Sinn, den Ausdruck zu ersetzen. Gesprochen würde das in jedem Fall funktionieren, geschrieben ist es tricky.

Reisegruppen sind die Angstgegner der Allein-Rezeptionistinnen dieser Welt. 80 oder mehr Menschen fallen an solchen Tagen ein, plündern das Buffet und verschwinden wieder – das ist der Best Case. Wenn nichts Unerwartetes geschieht, kann man die Schlacht vielleicht für sich entscheiden. Vielleicht.
Sehr schön erzählt!

Immer wenn das kleine Seitenstraßenhotel einen Kaffeelöffel kauft, muss einer der Aktionäre des Mutterkonzerns ins Armenhaus gehen.
Grimmig, witzig!

„Gibt es noch Wurst. Gibt es noch Kaffee. Gibt es noch Teller. Gibt es noch Gabeln.“
Mir ist nicht ganz klar, warum du die Gäste-Zitate kursiv schreibst. Weil sie austauschbar sind und keiner individuellen Figur zugeordnet werden? Bin mir unsicher; ich glaube, ich fände es lesbarer, wenn du sie in Normalschrift bringst.

Ich habe weder Zeit noch Muße, darauf einzugehen.
Bloß nicht hinsetzen. Wer sitzt, verliert und steht nie mehr auf.
Treffer versenkt.

Plötzlich beschleicht mich ein Gefühl: Irgendetwas stimmt nicht. Was ist es nur?
Ob ich es ignorieren kann? Vielleicht verschwindet es ja von selbst wieder?
Eilig verschwinde ich in die Küche und suche etwas in einem der Kühlschränke.
Was soll ich tun?
In der Theorie weiß ich natürlich, was zu tun ist.
Wieso heute? Wieso ich?
„Lift kaputt“, macht mich Gamse vom Housekeeping auf das Problem, das ich so gerne ignoriert hätte, aufmerksam.
Idee: Mach doch einfach "... sagt Gamse vom Housekeeping." Diese macht-aufmerksam-Konstruktion liest sich nicht schön.

Da ist das Problem auch schon, die Lifttür macht komische Sachen.
Die "komischen Sachen" solltest du unbedingt beschreiben.

Vermutlich KEIN KOMMA wird sie damit nicht von alleine aufhören.
Wo war der nochmal?
Hat sonntags frei. Möglicherweise ist er aber auch kaputt. Wir werden es wohl nie erfahren.
Hmmm... zehn Minuten 20, wenn man es ganz genau wissen will. Sehe ich aus wie ein Lifttechniker? Je länger man mich hier volllabert, desto länger wird es am Ende auch dauern. Die bessere Frage wäre, warum steigt jemand in einen offensichtlich kaputten Lift ein?
Hinweis: Die Konvention ist: Alle Ziffern von 1 bis 12 ausschreiben, also eins bis zwölf, darüber als Ziffern.

Glücklicherweise hebt sie auch gleich ab, ist wie immer gut gelaunt und bereit, mich durch die Krise zu steuern.
Caro mag es nicht, am Wochenende angerufen zu werden.
Während ich zum x-ten Mal die Treppe hoch renne, labert mich Caro voll: „Willst du nicht einmal eine Dildo-Party machen?“, Caro hat jetzt einen Nebenjob. Äh, ja, bitte gleich. Lieber wäre mir eine Antwort, was denn jetzt mit dem Liftmonster zu tun ist. Der technische Service am Wochenende ist utopisch teuer – so weit war ich auch schon. Außerdem ist der immer teuer.
„Du musst Ingo anrufen.“ Super, den wollte ich eigentlich lieber nicht anrufen. Caro faselt weiter von der Dildo-Party. Na, herzlichen Dank.
Das hier ist großartig absurd.

So bekomme ich recht zügig das OK, den Notdienst anrufen zu dürfen.
„Guten Tag. Wie kann ich ihnen helfen?
„Äh, die weiß ich leider nicht.“ wozu brauchen die jetzt eine Kundennummer?
„Ja geht auch.“ Zumindest theoretisch.
Soll ich mich jetzt wirklich in den kaputten Lift wagen? Was ist, wenn sich die Tür endgültig nicht mehr öffnet oder ich zu langsam bin und mich die Tür einklemmt oder das Ding dann plötzlich doch unkontrolliert abstürzt?
„Nein, da passiert nix.“ Natürlich nicht, mit Liften ist ja noch nie etwas passiert.
Ich wage den Versuch.
Wer soll das aufräumen?
Keine Zeit, darüber zu philosophieren.
„Das wird leider noch dauern, der Techniker ist unterwegs.“ Ist zwar nicht ganz die Wahrheit, aber ich hoffe, damit meine Ruhe zu haben.
Was soll ich machen, selber reparieren?
Während ich so vor mich hinstarre fällte es mir ein, wir haben eine Rollstuhlfahrerin im Haus.
Wann checkt sie aus?
Das ist in einer Stunde circa.
„Wir könnten sie runtertragen.“, schlägt der Freund vor.
Der spinnt.
Nein, das geht nicht.
Sie ist zwar zierlich. Aber trotzdem, es ist ein Stock. Wenn ich sie nicht mehr halten kann, dann wars das. Dann können wir sie auch genauso gut abseilen. Operation Spiderwoman oder so. Was für eine blöde Idee.
Anmerkung: Das ist die einzige Stelle, an der ich gestutzt habe. Eine "zierliche" Frau in einem konventionellen (nicht-elektrischen) Rolli könnten sie zu zweit oder zu dritt durchaus ein Stockwerk tragen, denke ich (weil ich das schon tausendmal gemacht habe). Idee: Vielleicht hat sie einen schweren E-Rolli, der partout nicht getragen werden kann?

Was ist, wenn wir sie fallen lassen?
Hirn, denk nach.
Ich weiß, du bist müde, ich auch.
Leider oder glücklicherweise ist es noch nicht 14 Uhr und ich darf somit noch nicht nach Hause, um mich meinem Elend hinzugeben.
Die Formulierung verstehe ich nicht.

Hat in all den sieben Jahren, in denen ich im Seitenstraßenhotel gearbeitet habe, kein einziges Mal funktioniert, außer das Housekeeping war es und wir konnten es beweisen. Ob es schon jemals irgendeinem Hotel auf diesem Planeten gelungen ist, diese Kosten an einen Gast weiter zu berechnen? Wahrscheinlich nicht.
Ein seltsames Gefühl, sich selbst im Zeitraffer zu beobachten.
Überraschenderweise hat die Kamera auch den Zeitpunkt des Todes der Lifttür aufgezeichnet: Die flimmernden Bilder erinnern irgendwie an dieses winzige Auto, aus dem ungefähr 4000 Clowns springen. Das Auto ist unser Lift und die Clowns sind die Mitglieder der Reisegruppe.
Tolles Bild!

Auf jeden Fall sehe ich wie ungefähr zehn Personen inklusive Gepäck gleichzeitig aus dem Lift steigen. Zehn Personen ohne Koffer wären theoretisch kein Problem oder zehn Koffer ohne Personen, aber beides zusammen ist einfach zu viel. Man kann den Moment, in dem die Tür ihr kleines Leben aushaucht, einfrieren, zurückspulen und nochmal von vorne ansehen.
Er hat nicht genug Platz, um sich umzudrehen.
Alles in allem: Ein schönes Setting, eine rasante und absurde Story, viele witzige Bilder und Formulierungen. Danke! Ich glaube, dass die Story Kürzungspotenzial hat - hin und wieder ist sie doch zu protokollartig - und du könntest ein bisschen an der Sprache feilen. Aber im Ganzen ist das eine sehr unterhaltsame, grimmige Geschichte aus den Untiefen des Hotel-Schichtdienstes. Vielen Dank!

Viele Grüße

Christophe
Hallo Chiristophe,

freut mich sehr, dich unterhalten zu haben. Wollte hier mal testen, ob die Geschichten aus dem Hotel auch bei Menschen funktionieren, die mich nicht persönlich kennen …

Vielen Dank für die Korrekturen und Vorschläge - jetzt muss ich nur noch rausfinden, wie ich den Text überarbeiten kann XD

@Anmerkung: Das ist die einzige Stelle, an der ich gestutzt habe. Eine "zierliche" Frau in einem konventionellen (nicht-elektrischen) Rolli könnten sie zu zweit oder zu dritt durchaus ein Stockwerk tragen, denke ich (weil ich das schon tausendmal gemacht habe). Idee: Vielleicht hat sie einen schweren E-Rolli, der partout nicht getragen werden kann?
Wir hätten das wirklich nicht geschafft, mit Rollstuhl wird das Treppenhaus schnell eng und ums Eck hätten wir den Rollstuhl über das Treppengeländer heben müssen …

Herzlichen Dank nochmal!

Gruss Em'
 
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Hallo M Catilin Ia!

Für einen Forums-Erstling erscheint dein Text (überraschend) flüssig und mitreißend geschrieben. Der Erzählstil deiner Situationsschilderung stimmt. Ich habe die Story gerne gelesen, wenngleich mir letztlich eine Pointe oder tiefergehende Aussage fehlt. Du beschreibst den stressigen Alltag einer Rezeptionistin wohl mitreißend, aber sonst passiert nicht viel. Wenn du den Schwerpunkt der Geschichte auf den Transport der Rollstuhlpatientin plus diverser Komplikationen legen würdest, könnte das bei deinem erzählerischen Talent durchaus für eine ansprechende, humorvolle Geschichte reichen.
Unterhalb habe ich einige Unstimmigkeiten - längst nicht alle - angeführt. Nimm, was du brauchen kannst.

Wenn nichts Unerwartetes geschieht, kann man die Schlacht vielleicht für sich entscheiden. Vielleicht.
Ich denke, kein Rezeptionist entscheidet eine Schlacht für sich. Er kann eher unbeschadet durch diese Schlacht kommen.

„Gibt es noch Wurst. Gibt es noch Kaffee. Gibt es noch Teller. Gibt es noch Gabeln.“
„Der Saft ist leer.“
Da fehlen eine Menge Fragzeichen, wie auch weiter unten im Text.
Der Saft kann nicht leer sein. Vielleicht der Spender?

Leider stinkts nur und betäubt, passiv konsumiert, nicht.
Das ist etwas kompliziert konstruiert. Aber besser verständlich, wenn du den Einschub mit zwei Kommas markierst.

Die Hälfte der Frühstücke ist geschafft.
Die "Frühstücke" liegen mir schwer im Magen. ;)

Genug Zeit zum Auffüllen und Abwaschen
Wenn schon substantivierte Verben, dann bitte beide GROß!

Ob ich es ignorieren kann?
„Lift kaputt.“,
Niemals einen Punkt vor Apostroph, wenn der Satz nach Dialog weitergeht.

Wo war der nochmal?
Sehe ich aus wie ein Lifttechniker?

Die bessere Frage wäre, warum steigt jemand in einen offensichtlich kaputten Lift ein?
Dito. Fragezeichen. Das "ein" ist überflüssig, weglassen.
Ginge auch kürzer und ohne ein und in einen: ... warum benützt jemand einen offensichtlich kaputten Lift?

Also renne ich in den ersten Stock in den Frühstücksraum zurück.
Muss der Leser wissen, wo der Frühstücksraum liegt?

"Ich mach schon, Schatzi.",
Kein Punkt nach ...

Sandy ist es schon gewohnt,
Ich kann und will mich nicht an "gewohnt" gewöhnen.

Glücklicherweise hebt sie auch gleich ab, ist wie immer gut gelaunt und bereit, mich durch die Krise zu steuern.
Da brauch ma a Komma, nach bereit.

Leider nein, die Lifttür macht weiter komische Sachen.
Vielleicht irgendwann mal erklären, was du unter komischen Sachen verstehst. Du verwendest den Terminus mehrmals, ohne weitere Erläuterung.

So bekomme ich recht zügig das OK, den Notdienst anrufen zu dürfen.
Okay immer ausschreiben. Auch wenn man es korrekt abkürzt, (O.K.) braucht es vier Zeichen. ;)
Und natürlich ein Komma setzen, nach Okay.

„Guten Tag. Wie kann ich ihnen helfen?“
Fragezeichen!

„Äh, die weiß ich leider nicht.“, wozu brauchen die jetzt eine Kundennummer.
Punkt weg, nach "nicht".

Ich wage den Versuch
Hauptwort, folglich groß.

Wann checkt sie aus?
Fragezeichen. Ich schenke dir eine ganze Tasche voll. ;)

OK, die sind wirklich auf den Lift angewiesen.
Komma, nach Okay.

Ich weiß, du bist müde, ich auch.
Komma, nach "weiß".

Ingo hat mir diese ehrenvolle Aufgabe übertragen, in der leisen Hoffnung, die Kosten für die Reparatur vielleicht jemanden weiterverrechnen zu können.
Falscher Kasus: jemandem

diese Kosten an einen Gast weiter zu berechnen - wahrscheinlich nicht.
... weiter zu verrechnen -
Ginge deutlich kürzer: ... diese Kosten einem Gast zu verrechnen ...

Auf jeden Fall sehe ich wie ungefähr 10 Personen inklusive Gebäck gleichzeitig aus dem Lift steigen.
Braucht es das "auf jeden Fall"? Ich sehe, wie ...
Gepäck

an Godzilla in Tokio…
Immer ein Leerzeichen vor den berühmten drei Auslassungspunkten. Es sei denn, du unterbrichst innerhalb eines Wortes. Dann kein Leerzeichen.

Netten Gruß,
Manuela :)
Hallo Manuela,
vielen Dank für deine Korrekturen und Verbesserungsvorschläge. Es freut mich, dass ich dich mit meiner absurden Geschichte aus dem Hotelalltag unterhalten konnte. Natürlich habe ich davon noch mehr auf Lager, sie müssen nur verschriftlich werden ...


@„Der Saft ist leer.“
[/QUOTE]
Der Saft kann nicht leer sein. Vielleicht der Spender?
Glaube mir, nicht mal der deutscheste Deutsche sagt, der Saftspender ist leer. XD

Danke nochmal für deine Mühen!

Gruß,
Em
 
Senior
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Schlauerweise stecke ich zuerst nur meinen Kopf hinein und schau mich um.
Ja, das Lockere bei diesem Debut zeigt, dass da jemand schreibt, wie er, oder besser: sie spricht – oder eher doch umgekehrt. Zum Glück gibt es keine Grammatik der gesprochenen Sprache (schon gar nicht in Schriftform, was vllt. auch ein kleiner Widerspruch wäre) und der letzte, von dem ich weiß, dass er druckreif sprach, war Rudi D., dem ein Springer-Verehrer diese Fähigkeit weggeschossen hat. Dass es mit der Schriftform nicht immer klappt, zeigt schon diese geheimnisumwitterte Zeichenfolge im Appendix
Genauso wenig wie der penetrante Geruch nach Gras, der sich immer über den gesamten ersten Stock verteilt. Leider stinkts nur und betäubt passiv konsumiert nicht.
Gleichwohl erinnert der Klamauk ein bisschen ans Millowitschtheater seligen Angedenkens und liefert – wenn schon keine Satire – so doch einen amüsanten Schwank, den ich nicht ungern gellesen hab (hätt‘ ich ihn sonst zu Ende gelesen?) Aber die Vorredner („Vorschreiber“ hört sich schrecklich Autoritär an) haben noch genug Flusen hinterlassen, wie erstaunlicherweise erst ab hier mit einer unterlassenen Hilfeleistung hinsichtlich eines Kommas, wenn es heißt
Nun gilt es[,] das Chaos zu beseitigen, bevor die Langschläfer zum Frühstück kommen.
die Infinitivgruppe hängt ab von einem Substantiv und hier

Ich stelle gerade irgendwas aufs Buffet, ich weiß nicht mehr[,] was, es ist auch nicht wichtig.
ist das „was“ quasi die ellipsoide Wiederholung des „irgendwas“,

liebe @Em_Catilin_I_a -
und damit welcome 2 the pleasuredome!,

und es folgt eine kleine Flüchtigkeit
Das rote Licht beim Lift leuchtet: „Störung“[.]
Ob ich es ignorieren kann?
In der Theorie weiß ich natürlich[,] was zu tun ist.
So eine Scheiße.
Das klingt doch nach mehr als einer bloßen Aussage!
Oder?
Verdammt!
Ich renne wieder hoch ins Erdgeschoss, öffne das Rolltor, gerade so, dass ich drunter durchpasse[,] und suche nach dem Schlüssel für den Schlüsselkasten.
Zwo Gründe! a) Der Nebensatz („dass ich durchpasse) ist zu Ende und das „und“ verbindet keineswegs den Nebensatz, sondern einen gleichrangigen Sarzteil des Hauptsatzes mit demselben ...
, ertönt es aus der Liftkammer. Hmmm[...]... der macht gerade Pause.
Auslassungspunkte direkt am Wort behaupten, dass am Wort wenigstens ein Buchstabe fehle (da wäre dann auch die reizvolle Ästhetik des Apostrophes einiges rationeller – wobei ich finde, dass am „hm“ eher zu viele, denn zu wenig Buchstaben stehen. Wie spicht man drei m lautschriftlich [‘hm:] aus?
Du musst beim Notdienst anrufen[...]“, das klingt teuer, ist es auch.
Bloße Aussagesätze in direkter Rede enden ohne Punkt, sofern ein Redebegleitsatz (Dudendeutsch) folgt (also Frage und Ausruf werden mit entsprechendem Zeichen beendet in wörtl. Rede – mit und ohne Redebegleisatz ...

Während ich zum x-ten Mal die Treppe hoch renne, labert mich Caro voll:
„hochrennen“ zusammen
So bekomme ich recht zügig das Okey, den Notdienst anrufen zu dürfen.
Hat normalerweise nix mit „Schlüsseln“ zu tun, besser und korrekter: „okay“

Guten Tag. Wie kann ich Ihnen helfen?“
Dienstleister pflegen die Höflichkeitsform schon aus Selbsterhaltungstrieb ...

Ich habe nur einen Lift, das kann nicht warten.
der“ kann nicht ...

Ich renne wieder hoch ins Erdgeschoss, öffne das Rolltor, gerade so, dass ich drunter durchpasse[,] und suche nach dem Schlüssel für den Schlüsselkasten.
Zwo Gründe! a) Der Nebensatz („dass ich durchpasse) ist zu Ende und das „und“ verbindet keineswegs den Nebensatz, sondern einen gleichrangigen Sarzteil des Hauptsatzes mit demselben ...
Ob nun alles gefunden ist, bezweifel ich. Aber das wirstu lernen, selber herauszufinden!

Tschüss und bis bald

FRiedel
 

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