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Sinnliches Gewitter Teil 1
Sinnliches Gewitter – Teil 1 (NUN VERBESSERTE Version
)
Leere Gläser, verschütteter Wein auf dem Laminat, Pizzakartons unter dem Couchtisch, eine vergessene Socke auf der Rückenlehne. Aus dem halb abgestürzten Bluetooth-Speaker dröhnt noch Musik, und eine flackernde Lichterkette hat sich um einen alten Küchenstuhl gewickelt. Aya-rin sitzt neben dir auf dem ausgezogenen Sofa, eine Salzstange im Mundwinkel, barfuß, das Oberteil halb offen, als wär das hier keine Pyjamaparty, sondern ein ganz normaler Abend. Ihr kennt euch seit der Ausbildung – gerade abgeschlossen – und vom ersten Tag an hat es zwischen euch gefunkt. Heute ist alles zu nah: der Bass im Brustkorb, das Licht in den Augen, die Haut zu voll, als hätte sie keinen Platz mehr.
Vorhin habt ihr Karaoke gebrüllt, euch auf dem Sofa herumgeworfen und euch beim Springen fast zerlegt. Einmal rutscht Aya-rin ab, kreischt, fängt sich im letzten Moment – und ihr lacht euch kaputt, bis die Kehlen brennen. Jetzt sackt ihr in die Kissen, schweißnass und außer Atem. „Boah, voll eklig“, motzt sie und fährt sich durch die offenen Haare. Sie greift nach dem Handtuch vom Hals, wischt sich über Stirn und Nacken. Der Pyjama klebt an ihr. „Ich hasse das. Alles kleistert. Ich fühl mich wie eingeschweißt!“ Du nickst. „Ja“, sagst du, und es klingt weniger lustig, als du willst.
Über euch summt der Ventilator träge, als hätte er längst aufgegeben. Die Fenster stehen offen, aber frische Luft kommt keine rein. Stattdessen die Stadt: ein Roller in der Ferne, ein streitendes Paar unten auf der Straße. Die Nacht steht zwischen den Häusern wie eine warme Wand; Schweiß sitzt in den Kniekehlen, Stoff klebt am Rücken, und der Ventilator schiebt die Hitze nur im Kreis. Ihr fächert euch Luft zu, Zeitung gegen Zeitschrift, als ließe sich der Abend damit überreden, endlich nachzugeben.
Deine Augen streifen Aya-rins Silhouette. Sie glänzt im flirrenden Licht, als würde sie gleich wegschmelzen. Ihr Blick trifft deinen und hält. Ein Schlag Ruhe. Dann lacht ihr. Es hält nicht.
Aya-rin schiebt sich hoch. „Warte.“ Sie kommt mit dem Eiswürfelbehälter zurück, kramt darin herum und balanciert einen Würfel zwischen zwei Fingern. Du greifst auch zu, aber dein Eiswürfel flutscht dir aus der Hand und platscht auf den Teppich. „Du bist so lost“, kichert sie, als wäre das eine Rettungsleine. „Halt’s Maul“, japst du und schnappst dir einen neuen.
Der erste Eiswürfel streift deine Haut, kalt wie ein Schock. Du zuckst, atmest scharf ein. Aya-rin lässt dir einen in den Ausschnitt fallen; dein Shirt hängt vom Schwitzen sowieso halb offen. „AYA!“ Du fasst nach dem Stoff, aber der Würfel rutscht tiefer und schmilzt zu einem dünnen, eisigen Faden. Du schiebst ihr als Antwort einen Würfel in den Nacken. Sie verzieht das Gesicht. „Ah. Nein.“ Kein großes Gelächter diesmal, nur dieses schnelle Knistern zwischen Hitze und Kälte.
Und dann bleibt ihr Blick an dir hängen. Nicht mehr spielerisch. Aya-rin lehnt sich zurück und mustert dich, als würde sie selbst überprüfen, ob sie das wirklich sagt. „Ich schwör, ich halt das nicht mehr aus. Wenn ich mich gleich nackt auszieh, sag nicht, ich hätt dich nicht gewarnt.“ Du willst es wegwischen wie Schweiß. In dir zuckt es: Neugier, Scham, ein reflexhaftes „Das ist doch nur Spaß“. Nur dass dein Körper schon widerspricht.
„Du … du bist ja verrückt, Aya“, sagst du. Ihr lacht beide, aber es bleibt etwas darin hängen.
Dann steht sie auf. Ohne Zögern zieht sie sich das Oberteil über den Kopf, als wär das hier ihr Abend, ihr Spiel. Sie stemmt die Hände in die Hüften, wippt leicht mit den Füßen, der Blick fest auf dich gerichtet, als würde sie zählen, wie lange du brauchst. Dann greift sie nach dem Höschen, schiebt es langsam über die Oberschenkel und wird einen Tick langsamer, als würde sie dir Zeit geben, wegzusehen. Oder nicht. Sie steigt heraus und steht nackt da, barfuß auf dem Laminat.
Aya-rin zieht eine Augenbraue hoch; das Grinsen bleibt, aber es wackelt einen Moment, als müsste es sich erst entscheiden. „Na? Ich mein … sieht doch gar nicht so schlecht aus, oder?“ Sie kichert, zu schnell, und ihre Augen hängen an dir, als würde sie warten, ob du wegsiehst oder bleibst. Dir bleibt die Luft weg. „Wow …“, murmelst du. „Du siehst ja … krass gut aus. Echt jetzt.“ Aya-rin stemmt die Hände wieder in die Hüften. „Na los. Ich hab mich getraut. Jetzt du.“
Du willst dich langsam, kontrolliert ausziehen, sexy – du schaffst ungefähr gar nichts davon. Deine Haare verhaken sich im Stoff, deine Finger sind feucht; beim Höschen stolperst du und musst dich am Sofa abfangen. „Scheiße!“
Es ist still. Aya-rin lacht nicht. Sie schaut dich an. Du spürst, wie deine Haut heiß wird, nicht nur vor Hitze.
Dann klatscht sie in die Hände, aber es klingt gezwungen. „Okay“, sagt sie, und da ist mehr Wärme als Spott. Schließlich stehst du vor ihr: nackt, zerzaust, rot im Gesicht – und trotzdem stolz.
Aya-rins Blick gleitet über dich, langsam, offen; ihr Mund bleibt leicht geöffnet, dann grinst sie. „Und ich dachte, ich wär heute die mit dem Wow-Faktor.“ Dein Gesicht wird heiß. Verlegenheit, Erregung, dieses prickelnde Etwas. Du errötest und zwingst dich, nicht wegzusehen. „Tja“, sagst du und hebst das Glas, „zwei heiße Mädels, die sich nix schenken.“ Du schenkst ein, die Hände leicht zittrig. Aya-rin kippt ihr Glas in einem Zug und grinst. „Alles gut?“, fragt sie, als wär’s nichts.
Und bevor du reagieren kannst, ist sie schon bei dir. Sie greift dir in den Nacken, zieht dich zu sich und küsst dich. Direkt. Spontan. Heiß. Du willst einen Herzschlag lang ausweichen – nicht weil du es nicht willst, sondern weil du nicht weißt, wohin das führt. Dann gibst du nach. Dein Herz stolpert.
Du löst dich einen Tick zu schnell. Du drehst den Kopf weg und hebst eine Hand zwischen euch, nur um kurz Luft zu bekommen, bevor du wieder denken kannst. „Warte…“, sagst du, und es kommt kleiner raus, als du willst. „Sekunde.“
Als sich eure Lippen lösen, grollt draußen ein Donner über die Stadt, und durch das offene Fenster weht plötzlich ein kühler Luftzug herein. Aya-rin blinzelt, als hätte der Wind sie geweckt. Sie geht zum Fenster, streckt die Arme in den Regen. „Ey“, sagt sie, diesmal leiser, „dramatisches Timing, oder?“
Du lachst – und dann hörst du es. Auf dem Balkon gegenüber steht jemand. Der Nachbar.
„Man kann euch übrigens gut sehen“, sagt er. Nicht laut, eher zu ruhig. Und er bleibt stehen. Er schaut, als wäre das hier noch nicht vorbei.
Aya-rin erstarrt. Das Lachen bricht ab, als hätte jemand den Ton rausgedreht. Sie reißt die Vorhänge zu, stolpert zurück ins Zimmer. „Oh mein Gott …“, flüstert sie, atmet scharf ein. „Der steht da. Der steht da immer noch.“ Sie wirft dir einen Blick zu, halb fassungslos, halb wütend, und du merkst erst jetzt, wie kalt Scham sein kann.
Draußen hörst du sein leises, belustigtes Schnauben. Er sagt nichts mehr. Er bleibt einfach stehen. Ein kurzes, trockenes Lachen, als hätte er sich das verdient. Kein Schritt weg.
Du nimmst einen Schluck, mehr aus Reflex als aus Mut. „Scheiße“, sagst du leise, aber deine Stimme sitzt nicht richtig. In dir knistert es: Peinlichkeit, Wut, und darunter dieses verwirrende Restkribbeln, das sich nicht sofort löschen lässt.
Aya-rin steht nur da, die Hand noch an der Gardine, als würde sie überlegen, ob sie rübergehen und ihm die Tür aus den Angeln reißen will. Dann greift sie nach der Decke, wirft sie euch über die Schultern. Nicht als Witz. Als Schutz. Sie rückt näher, Schulter an Schulter. „Der soll sich verpissen“, sagt sie leise. Erst danach kommt, wie ein Nachsatz: „Scheiß auf ihn.“
Ein Windstoß findet seinen Weg durchs Fenster, kühler jetzt, sauberer. Gänsehaut breitet sich aus. Du merkst, wie du wieder atmest. Aya-rin rollt das leere Glas zwischen den Fingern und schaut dich an, ernst genug, dass du nicht ausweichen kannst. „Mal ehrlich“, sagt sie, „war das eben … zu viel?“ Sie zuckt mit den Schultern. „Sag einfach.“
Du schluckst. Dann schüttelst du den Kopf. „Nein.“ Und erst danach kommt das Grinsen, klein und schief. „Nur … neu.“
Aya-rin atmet aus, als hätte sie darauf gewartet. „Okay“, sagt sie, und die Spannung zwischen euch wird leiser, nicht weg, nur anders.
Die Musik ist verstummt. Draußen klopft Regen gegen die Scheibe, der Ventilator dreht sich gemächlich. Aya-rin zieht die Decke fester um euch beide. „Nächstes Mal schließen wir die Vorhänge vorher“, murmelt sie.
Du nickst. Dann, ein winziges Kichern, eher Erleichterung als Witz: „Kommt drauf an, ob wieder Gewitter ist.“
Regen, Atem, Herzschlag – nur ihr zwei, in einer Sommernacht, in der die kühle Luft unter der Decke nachklingt.
)„Na los. Ich hab mich getraut