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Sommernachtsreise
Sommernachtsreise
Ich klebe an der Schwüle dieser schweren Nacht wie ein schwitzendes Insekt auf unsichtbarem Klebepapier, sollte so etwas denn überhaupt möglich sein.
Und nervigen Fliegen gleich umschwirren meine Gedanken anstatt einer Glühbirne wohl tiefere Erleuchtung, wobei ihnen in ihrer Nähe allesamt das Verglühen vorherbestimmt ist wie einem Wolframfaden.
Was soll ich noch mehr Worte verlieren über dieses unruhige Umhergewälze von einem Ende der Matratze zum anderen?
Statt Morpheus begegne ich Sisyphus. Wir unterhalten uns kurz über eben dieses Umherwälzen und die Entfremdung des Menschen zu seiner Arbeit, dann muss er weiter.
Da die meine anderen Göttern versprochen, nasche ich noch kurz von Prometheus´ Leber und ziehe frischgestärkt von dannen.
Eigentlich wäre die Geschichte schon längst erzählt, freilich fehlt ihr noch an Länge, und so führt mein steiniger Weg weiter durch mitternächtlichen Gedankenschutt talabwärts.
Ich drücke meinen Kopf tiefer in das Kissen hinein und finde in dessen Tiefen statt Erholung Metaphern, die mich heulend umschwirren, ich solle sie mitnehmen. Also bepacke ich mein Gedächtnis so weit ich kann und muss doch einen Großteil zurücklassen – tut mir leid, Freunde, aber ich bin bereits überladen.
Ärgerlich stößt der Mann im Kopf meine Augenlieder auf, gleich Fensterläden in einer Art Puppenhaus. Während er seinen Zorn über die gestörte Nachtruhe, in die Dunkelheit starrend, verrauchen lässt, nähert sich eine weitere lose Ansammlung sinnvoller Überlegungen ihrem baldigen, traumhaften Ende.
Soviel Zähigkeit die Zeit mir auch durch den monotonen Puls meines Quarzweckers entgegen zu schleudern vermochte, letztendlich werde ich triumphal einziehen in die wohlverdienten Traumwelten, denn ich entriss ihr in Minutenschnelle eine nette kleine Geschichte; da vermag mich auch die Nacht hitzig zu drücken, als gäbe es kein Morgen.
Wenigstens einigen meiner Gedankenfliegen ist mehr als ein Lebenstag beschert.
Es werde Licht, ich fixiere sie nachtblau auf Papier.
Sollten noch Fragen bestehen, so sei darauf hingewiesen, dass ich nun einmal ab und zu vermag, statt in prometheischem Fackelschein auf Knopfdruck Metaphern vor ewiger Dunkelheit zu erretten.
Und Sisyphus ganz bestimmt auch einmal müde wird.

