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- Anmerkungen zum Text
Diesen Text habe ich spontan geschrieben, während ich einen Wal am Grund meiner Tasse fand. Und da ich eh in der Laune war zu schreiben, ließ ich meiner Fantasie ihren lauf.
Teesatz 2.0
Ich nippte am Tee. Gelangweilt und schlecht gelaunt ließ ich ihn um meine Zähne und über meine Zunge tanzen, bevor ich ihn dann schluckte. Die warme Flüssigkeit ran meiner Zunge nach, meinen Hals herunter und dann in meinen Magen. Es kribbelte in meinen Haar- und Fingerspitzen, als er meinen Körper auf seinem Weg mit Licht und Wärme füllte. Das tat mir gut und ich spürte, wie sich meine Stimmung aufhellte, was mir sofort auf die Nerven schlug. Ich war traurig, also ging es mir schlecht – Da war ich mir sicher. Und das nicht nur wegen der Erkältung, gegen die ich den Tee trank.
Doch anstatt einfach die Knoten in meinem Hals zu glätten, spülte der Tee auch den Kloß hinunter und besänftigte den Sturm in meiner Seele. Ich war in Versuchung, ihn wegzuschicken, aber dann wär‘ doch nur die Kanne sauer geworden, und wenn die erst einmal in Rage war, dann passierte es gut und gerne, dass einem die Ohren davonliefen. Leider war es die Aufgabe des Sandmanns, ihr Pfeifen dann zu unterbinden und der kam in diesen Tagen zunehmend unregelmäßig nach Hause. Bis dann zu warten - nein, darauf hatte ich wirklich keine Lust.
Andererseits war das genau die Art von Aufwind, mit der ich heute meinen Seelenschein anfachen wollte. Ich verkroch mich weiter in meinen Gedanken. Während ich so in ihnen versunken, merkte ich gerade noch rechtzeitig, wie ich das Tintenglas zum Mund führte. Ich konnte gerade noch meinen Arm erreichen, ihm sagen er möge das auf der Stelle sein lassen. Ich stellte es nun bewusst auf die andere Seite meines Tisches. Ein neues Heim für das Fass und seine triefenden Gespinste zu finden war gar nicht so leicht, zwischen kaputten Schreibfedern, Bücherbergen und anderen vergessenen Ideen durfte es ja nicht verloren gehen, brauchte ich es doch noch für meine Arbeit. Außerdem sollte es nicht zu nah an den Rand, oder das Katzentier käme wieder auf tolle Ideen.
Als ich die Tasse erneut zum Mund führte, diesmal fast meditativ-konzentriert, fiel mir der Teesatz am Boden ins Auge. Ich hätte es fast nicht geglaubt - Oft neigen meine Augen dazu, sich einen Spaß mit mir zu erlauben, eine Unart. Doch kam es mir dann so vor, als wollten sie mir nur eine Alternative zeigen, wie ein kleines Kind, welches einem Stolz eine Blume vorführt, während man selbst nur die Lichtung sah. Und da sie sonst so vertrauenswürdig, folgte ich ihnen in solchen Momenten einfach blind. Am Ende: Was hatten sie schon davon, mich hinters Licht zu führen?
Und als ich dann beobachtete, was sie mir zeigen wollten, sah ich doch tatsächlich einen Wal, der durch die grüne Ungewissheit meiner Medizin seine Kreise zog.
Sofort überkam mich eine Idee und ich sprang auf. Ich hechtete los zum Regal; meinem schönen alten Regal. Es war eines, dass meine Träume extra für mich geschaffen hatten. Altes, großes Walnussholz kämpfte an der Front gegen die Armee aus Staub, die nun schon lange ihren Kreuzzug führte. Ich konnte nicht anders – heute war ich zu übellaunig, und so blies ich sie hinfort. Ihre Schreie zogen sich über die Weite meiner Dielen und hallten noch lange nach. Sie waren wie eine Symphonie in meinen Ohren. Leider lagen sie eine Quinte über dem Ton, aber das störte mich heute nicht.
Zum Vorschein kamen die roten Samtkissen, auf denen sich meine Bücher ausruhen konnten, nachdem ich mit ihnen fertig war. Ach könnte man heute bloß sehen, wie schön sonst die Einbände im Sonnenlicht schillern, doch schien gerade nur das graue Licht ihrer hässlichen Schwester Winter herein. Eine alte Unke, nur Augen für ihre Wolkenkrähen, die nachher bestimmt wieder Regen und Blitze speien würden. Ein Ekelpaket!
Die mühevoll verzierten Rückseiten der Bücher hätten mir eigentlich egal sein sollen. Immerhin wollte ich auch nichts weiter, als auf Waljagd gehen, dafür brauchte ich nur das Schiff aus seiner Flasche zu befreien. Und ich wusste, dass diese auf der dunklen Regalseite stand. Aber als ich hochschaute, war über mir eine alte Messingsonne angenagelt, ganz klar waren hier nicht der Glaube und Zauber, den es für mein Vorhaben brauchte.
Warum war ich also hier zugange? Was suchte ich denn, wenn nicht das Schiff? Ich wusste es nicht - aber wofür hat man denn Hände? Ohne es zu bemerken, fand ich schließlich mein Ziel, ein Buch, eingeklemmt zwischen Top-10-Übungen zum Sixpack und dem Ratgeber-Ratgeber. Als ich es sah, begriff ich sofort, warum mein Schein mich verraten hatte.
Ja sagen zum Wahrsagen – mit dem Teesatz-Lexikon
„Verdammt, ich hätte dich doch verschütten sollen, und wenn der Kessel noch so dampft!“. Ich wollte aber auch kein schlechter Verlierer sein, also schlug ich nach, was der Wal in meiner Tasse suchte.
Deine Emotionen geraten außer Kontrolle.
Was für ein Biest. Da hätte ich mir auch Jade-Tee machen können. Der wusste auch immer alles besser.
Es ist aber "mein Traum-Regal" und wer wenn nicht meine Träume könnten dieses Werk zustande bringen?