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Traumloser Traum

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10.03.2021
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Traumloser Traum

Ach, was sah ich nur gestern in meinen Träumen? Ich habe nicht einmal eine vage Erinnerung, nein nur ein Gefühl, ein Gefühl, dass etwas Ungutes, Schlimmes passieren wird.

Ich dachte noch eine Zeitlang nach, wälzte mich im Bett hin und her und stand schließlich auf. Und durch das Strecken meiner Arme und Beine, das Knack-Knack meiner Wirbelsäule und ein lautes Gähnen, war das ungute Gefühl wie weggeschüttelt. Die Sonne schimmerte leicht durch die blauen Gardinen hindurch. Ich stand auf und vermisste den gestrigen Regentag, denn die Regentropfen spielten eine wunderschöne Musik auf dem Fensterblech, die beruhigend ist und das Schlafen erleichtert. Die blaue Gardine, die ich beiseiteschob, wirbelte den Staub in die Luft, sodass man alles sehen konnte. Ich schaute aus dem Fenster. Das Grün des Gartens glitzerte und der wolkenlose Himmel glich der Gardine. Lächelnd stützte ich mich leicht an sie. Dann bemerkte ich es und es lief mir ein Schauer über den Rücken.
"Aber das sind doch gar nicht meine Gardinen!".
Ich hörte Schritte aus dem Flur. Ein Geräusch. Es war, als würde etwas auf den Boden fallen oder gleiten. Ich drehte mich um. Das, was auf dem Boden lag, war ein Zettelchen. Es wurde unter die Tür geschoben. Ich hob es auf. Auf dem Zettelchen stand schnörkellos, in klarer blauer Tinte: "Komm raus und du wirst es sehen!". Als ich es gerade gelesen hatte, da hörte man wie jemand wegrannte. "Hey bleiben Sie stehen!".
Ich riss die Tür auf und rannte der Person hinterher.
"Wer ist das und wo bin ich überhaupt?"
Beim Rausrennen sah ich im Haus ein paar Möbel und Gemälde. Die ominöse Person war zu schnell für mich. Sie rannte und und rannte und rannte pausenlos. Als ich aus dem Haus daher gerannt kam, völlig aus der Puste, war sie schon weg. Links, rechts lauter Bäume. Vor dem Haus, ein Auto, ein roter Chevrolet. Der ungemähte Rasen kitzelte die schwarzen Autoreifen.
"Was ist das nur für ein Haus...". Da hörte ich etwas. Jemand lachte. Das Lachen wurde immer lauter und lauter. Es wurde höllisch laut.
"Wer bist du und was willst du von mir", fragte ich die unbekannte Person. Keine Antwort. Eine Kälte lag in der Luft. Dann kam aus dem Nichts:
"Dreh dich um", seine Stimme war schrecklich. Jeder Ton war ein Kratzen, dass in den Ohren wehtat. Ich drehte mich um und das, was ich sah, hätte ich mir niemals ausdenken können. Es war mein eigenes Gesicht. "Und jetzt stirb" und dann drückte die Person, die wie ich aussah, ab. Schuss. Perspektivenwechsel. Plötzlich war ich derjenige, der die Pistole in der Hand hielt und auf meine Leiche hinabblickte. "Was zum...", und Schuss.

Ich wachte auf und hatte ein ungutes Gefühl. Die Gardinen waren blau. Strecken, Arme und Beine. Knack-Knack. Gähnen. Zettelchen unter die Tür. Tür auf, Tür zu. Rasen, Himmel, Auto, Haus. Umdrehen und Schuss. Umdrehen und Schuss.

Ich wachte auf...

 
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29.12.2020
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Hallo @Beniamin Kazantzis,

Herzlich willkommen hier im Forum! Ich habe deine Kurzgeschichte gerne gelesen und finde sie ganz gut. Natürlich beschreibst du hier nichts völlig neues, denn das Konzept des Gefangenseins in einem sich endlos wiederholenden Traum kennt man schließlich. Als Kurzgeschichte eignet es sich besonders, weil es ein schockierendes und überraschendes Ende hat. Das ist erst mal gut, auch wenn es für viele vorhersehbar sein könnte.
Deinen Stil finde ich relativ flüssig zu lesen, der mir nicht als besonders gut, aber auch nicht als besonders schlecht aufgefallen ist. Ab und zu wiederholst du ein paar Worte. Wenn ich schreibe, habe ich manchmal einen Tab mit Synonymen offen, das hilft nicht nur beim Variieren, sondern kann einen vielleicht auch inspirieren. Synonyme zu “Rennen“ gibt es einige, schau da mal nach oder überlege selbst.

Die Sonne schimmerte leicht durch die blauen Gardinen hindurch. Ich stand auf und vermisste den gestrigen Regentag, denn die Regentropfen spielten eine wunderschöne Musik auf dem Fensterblech, die beruhigend ist und das Schlafen erleichtert. Die blaue Gardine,
Auch hier eine Wiederholung

Als ich es gerade gelesen hatte, da hörte man wie jemand wegrannte.
Vorschlag: Als ich es gerade gelesen hatte, hörte ich, wie jemand wegrannte.

Beim Rausrennen sah ich im Haus ein paar Möbel und Gemälde.
Sind die Möbel und Gemälde wichtig?

"Wer bist du und was willst du von mir"
Fragezeichen setzen

seine Stimme war schrecklich. Jeder Ton war ein Kratzen, dass in den Ohren wehtat.
Sollte der Figur die Stimme nicht bekannt sein?

Und guckt sie die unbekannte Person nicht gerade an, warum soll sie sich dann umdrehen?

dann drückte die Person, die wie ich aussah, ab.
Kam für mich ein bisschen plötzlich, weil man ja garnicht weiß, dass er überhaupt eine Waffe dabei hat. Ist das beabsichtigt?

Das Ende deiner Geschichte hat mich irgendwie kalt gelassen und ich vermute mal, dass das einigen Lesern so gehen könnte und ich glaube, dass das verschiedene Gründe hat. Zunächst denke ich, muss man die Figur einfach besser kennenlernen. Du wirfst die Leser in die Geschichte ohne eine Figur mit der sie mitfühlen können. Charakterisiere deine Figur, gib ihr Schwächen oder Stärken, einen Namen, etwas, damit man die Figur verstehen kann und mitfühlen kann, denn dann schockiert einen das Ende noch viel mehr, denn es ist, als würde es einem selbst passieren und nicht mehr nur einem unbekannten Fremden.
Auch wichtig ist aber, dass man versteht warum er in diesem Traum gefangen ist. Vielleicht hast du dir beim Schreiben gedacht, dass das nicht so wichtig ist und, dass man ja auch ein paar Fragen offen lassen kann, aber ich denke, dass wenn man diese Geschichte schreiben möchte, sollte man es auch erklären. Die Figur könnte z.B. ein Erlebnis träumen, dass sie nie richtig verarbeitet hat oder eine Vision oder irgendetwas, das muss man dann nur erzählen, am besten mit kleinen Details während der Handlung, die den Lesern subtil die Vorgeschichte erklären und den Charakter näher bringen. Erst dann ergibt das Ende einen Sinn und hat auch eine echte Bedeutung. So wie es jetzt ist, ist es zwar ein gewaltiges Ende, aber eines ohne Bedeutung meiner Meinung nach.
Das ist nur meine kurze Analyse, warum ich glaube, dass dein Ende nicht funktioniert. Ein anderer Leser wird mir vielleicht auch widersprechen.

Dein Text erinnert mich irgendwie an die ersten Texte, die ich geschrieben habe, als ich eine tolle Idee hatte und so euphorisch darüber war, dass ich sie sofort geschrieben habe, ohne über andere Aspekte, wie eben die Figur, nachzudenken. Deswegen hoffe ich, dass du meine Punkte verstehst und mit meinem Kommentar etwas anfangen kannst.

Gerne gelesen und freue mich auf mehr von Dir!

Viele Grüße!
Max

 
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10.03.2021
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Hallo @Beniamin Kazantzis,

Herzlich willkommen hier im Forum! Ich habe deine Kurzgeschichte gerne gelesen und finde sie ganz gut. Natürlich beschreibst du hier nichts völlig neues, denn das Konzept des Gefangenseins in einem sich endlos wiederholenden Traum kennt man schließlich. Als Kurzgeschichte eignet es sich besonders, weil es ein schockierendes und überraschendes Ende hat. Das ist erst mal gut, auch wenn es für viele vorhersehbar sein könnte.
Deinen Stil finde ich relativ flüssig zu lesen, der mir nicht als besonders gut, aber auch nicht als besonders schlecht aufgefallen ist. Ab und zu wiederholst du ein paar Worte. Wenn ich schreibe, habe ich manchmal einen Tab mit Synonymen offen, das hilft nicht nur beim Variieren, sondern kann einen vielleicht auch inspirieren. Synonyme zu “Rennen“ gibt es einige, schau da mal nach oder überlege selbst.

Die Sonne schimmerte leicht durch die blauen Gardinen hindurch. Ich stand auf und vermisste den gestrigen Regentag, denn die Regentropfen spielten eine wunderschöne Musik auf dem Fensterblech, die beruhigend ist und das Schlafen erleichtert. Die blaue Gardine,
Auch hier eine Wiederholung

Als ich es gerade gelesen hatte, da hörte man wie jemand wegrannte.
Vorschlag: Als ich es gerade gelesen hatte, hörte ich, wie jemand wegrannte.

Beim Rausrennen sah ich im Haus ein paar Möbel und Gemälde.
Sind die Möbel und Gemälde wichtig?

"Wer bist du und was willst du von mir"
Fragezeichen setzen

seine Stimme war schrecklich. Jeder Ton war ein Kratzen, dass in den Ohren wehtat.
Sollte der Figur die Stimme nicht bekannt sein?

Und guckt sie die unbekannte Person nicht gerade an, warum soll sie sich dann umdrehen?

dann drückte die Person, die wie ich aussah, ab.
Kam für mich ein bisschen plötzlich, weil man ja garnicht weiß, dass er überhaupt eine Waffe dabei hat. Ist das beabsichtigt?

Das Ende deiner Geschichte hat mich irgendwie kalt gelassen und ich vermute mal, dass das einigen Lesern so gehen könnte und ich glaube, dass das verschiedene Gründe hat. Zunächst denke ich, muss man die Figur einfach besser kennenlernen. Du wirfst die Leser in die Geschichte ohne eine Figur mit der sie mitfühlen können. Charakterisiere deine Figur, gib ihr Schwächen oder Stärken, einen Namen, etwas, damit man die Figur verstehen kann und mitfühlen kann, denn dann schockiert einen das Ende noch viel mehr, denn es ist, als würde es einem selbst passieren und nicht mehr nur einem unbekannten Fremden.
Auch wichtig ist aber, dass man versteht warum er in diesem Traum gefangen ist. Vielleicht hast du dir beim Schreiben gedacht, dass das nicht so wichtig ist und, dass man ja auch ein paar Fragen offen lassen kann, aber ich denke, dass wenn man diese Geschichte schreiben möchte, sollte man es auch erklären. Die Figur könnte z.B. ein Erlebnis träumen, dass sie nie richtig verarbeitet hat oder eine Vision oder irgendetwas, das muss man dann nur erzählen, am besten mit kleinen Details während der Handlung, die den Lesern subtil die Vorgeschichte erklären und den Charakter näher bringen. Erst dann ergibt das Ende einen Sinn und hat auch eine echte Bedeutung. So wie es jetzt ist, ist es zwar ein gewaltiges Ende, aber eines ohne Bedeutung meiner Meinung nach.
Das ist nur meine kurze Analyse, warum ich glaube, dass dein Ende nicht funktioniert. Ein anderer Leser wird mir vielleicht auch widersprechen.

Dein Text erinnert mich irgendwie an die ersten Texte, die ich geschrieben habe, als ich eine tolle Idee hatte und so euphorisch darüber war, dass ich sie sofort geschrieben habe, ohne über andere Aspekte, wie eben die Figur, nachzudenken. Deswegen hoffe ich, dass du meine Punkte verstehst und mit meinem Kommentar etwas anfangen kannst.

Gerne gelesen und freue mich auf mehr von Dir!

Viele Grüße!
Max

Lieber Max, ich danke dir für deine ehrliche Meinung! Ich stimme mit dir bei allem überein. Bei dem Versuch die Kurzgeschichte simpel und einfach zu halten, habe ich mehrere Aspekte vergessen. Die Idee hat mich einfach fasziniert und ich habe drauflosgetippt. Das Ende war so gedacht, dass es dem Leser zeigt, dass das eben nicht ein Traum, sondern fortan, zeitlebens seine "Realität" sein soll. Deshalb auch "Traumloser Traum", denn es ist kein Traum für ihn, sondern real und zwar für den Rest seines Lebens. Er denkt nur, dass es ein Traum ist und beschreibt das ungute Gefühl, aber er vergisst immer wieder das Erschossenwerden und die Panik. Das Gefängnis in Form eines immer wiederkehrenden Albtraums, den er immer am nächsten Morgen vergisst. Naja, auf Details habe ich leider zu wenig geachtet, wie zum Beispiel die Figur dem Leser näherzubringen. Innovativ ist es auch nicht. Man könnte jetzt sagen, dass sei alles gerechtfertigt mit dem Argument es sei nur ein Traum und deshalb sei alles bruchstückhaft und verzerrt, doch dann würde sich die Frage stellen warum der Ich-Erzähler all das nicht beschreiben kann, die Details, ist es wegen dem Vergessen? Ich glaube nicht. Es ist eher das Handwerkszeug, das mit fehlt. Beim nächsten Mal beschäftige ich mich intensiver mit der Figurentwerfung und achte auf Details. Denn im Nachhinein fallen mir noch sehr passende Ideen ein. Außerdem ist ein kurzer, präziser Schreibstil sehr schwierig für mich. Ein weitschweifiger Schreibstil ist da eher mein Ding und ob das wirklich zu einer Kurzgeschichte passt, ich weiß nicht. Ich hab einfach haerumexperimentiert und bin fürs Erste gescheitert, aber aufgeben gibt es nicht. Danke für deine konstruktive Kritik!

 
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30.12.2020
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85

Hi @Beniamin Kazantzis,
willkommen im Forum! :)
Tja, Max hat schon alles Wichtige gesagt, daher wollte ich nur mal eine zweite Leser-Meinung einstreuen. Du schreibst gut - ich konnte mir die Szenen bildhaft vorstellen und den Text flüssig runterlesen. Klar, Emotionen kamen keine rüber, doch das liegt an der Kürze des Textes (vielleicht siehst du dir mal das Forum zu Flash Fiction an?). Es ist eher ein kurzes Aufblitzen, ein Ausschnitt einer ausführlichen Geschichte. Das Ende habe ich verstanden (glaube ich selbst zumindest) - die Person erwacht aus dem Traum, doch die Szenen spielen sich daraufhin auch in der Realität ab. Aber warum er dann nochmal aufwacht im letzten Satz? Keine Ahnung.

Ich hab einfach haerumexperimentiert und bin fürs Erste gescheitert,
Mach dich nicht selbst klein. Der Text ist gut. Meiner Ansicht nach könntest du ihn in Flash Fiction hochladen (doch auch da braucht man alle Elemente einer Geschichte) oder hier nochmal dran rumwerkeln.
Bin gespannt auf weitere Geschichten. :)

Liebe Grüße,
Waldläufer

 

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