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Unsterbliche Erinnerung

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31.10.2022
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Unsterbliche Erinnerung

Der Tritt gegen die Kellertür eröffnete dem Skelett die Möglichkeit, mich frech anzustarren. Der Körper, den das Skelett gestützt hatte, war schon längst verwesen und doch zeigte er sich so lebendig.
Wäre es nur das einzige Skelett, das mich plagte. Nein, in meinem Keller lag ein ganzer Haufen voll mit staubigen Knochen und Schädeln. Sie waren nicht mehr voneinander unterscheidbar. So verschieden die Lebewesen früher auch waren; der Tod war das, was sie alle miteinander verband.
Ich hatte sie hier versperrt, damit sie mich nicht mehr plagten. Mein Keller war zu ihrem Grab geworden; das war das einzige Ziel. Nun musste der Müll zerkleinert werden, um Platz für neue Gefangene zu schaffen.
Stürmisch lief ich auf den Haufen zu und zerschlug den frech starrenden Schädel mit einer Metallstange. Die Toten hatten kein Recht, die Lebenden so dermaßen zu provozieren. So wuchs meine Rage mit jedem einzelnen Tritt oder Schlag. Sahen die nebenliegenden Skelette nicht, was in jedem Moment auf sie zukam? Der Mangel an Respekt ließ ein Feuer in mir entfachen; ein Feuer, dass diesen Keller niederbrennen würde.
Die heißen Flammen breiteten sich aus, während ich die Treppen hoch rannte. Der schwarze Rauch stieg hinauf; verpestete die Luft in meinem Haus.
So musste es sein. Keine halben Sachen. Wenn der Keller brannte, musste es das ganze Haus tun. Je mehr das wilde Feuer verschlang, desto leichter fühlte ich mich. Das extreme Hämmern meines Herzes war die Symphonie meiner Erlösung.

Nun war nichts mehr übrig geblieben. Die Asche wirbelte durch die Luft, bevor sie sich auf meinem Grundstück ausbreitete. Die Toten besaßen keine Form mehr.
Auch ich kühlte ab. Die Grenzen meines Körpers zeigten sich durch das schwache Zittern meiner Beine. Mein Herz fand keine Ruhe; es hämmerte immer härter und härter. Meine Lungen schmerzten bei jedem Atemzug.
Ich verstand es nicht. Die Toten führten ihr Leben in meinem Schädel weiter.

 
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09.12.2019
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Hallo @schwarzerschmetterling ,

ich finde deine Geschichte einen gelungenen Flash Fiction-Text. Schon der erste Satz ist kreativ und macht neugierig.

Auch das Ende finde ich inhaltlich gut, auch wenn du es dir mit dem letzten Satz etwas einfach machst. Vielleicht fällt dir stattdessen etwas ein, wodurch die Leser selbst darauf kommen, dass der Spuk in den Gedanken des Erzählers noch nicht vorbei ist.

Noch ein paar Details:

Der Körper, den das Skelett gestützt hatte, war schon längst verwesen und doch zeigte er sich so lebendig.
verwest ; wodurch zeigt er sich lebendig?

Nein, in meinem Keller lag ein ganzer Haufen voll mit staubigen Knochen und Schädeln.
"... liegt ein ganzer Haufen staubiger Knochen und Schädel."

So verschieden die Lebewesen früher auch waren; der Tod war das, was sie alle miteinander verband.
"alle" streichen

Ich hatte sie hier versperrt, damit sie mich nicht mehr plagten.
weggesperrt

Mein Keller war zu ihrem Grab geworden; das war das einzige Ziel
Die erklärende Ergänzung würde ich streichen.

So wuchs meine Rage mit jedem einzelnen Tritt oder Schlag.
"einzelnen" streichen ; und

Sahen die nebenliegenden Skelette nicht, was in jedem Moment auf sie zukam?
"in jedem Moment" streichen

Der Mangel an Respekt ließ ein Feuer in mir entfachen; ein Feuer, dass diesen Keller niederbrennen würde.
das

Die heißen Flammen breiteten sich aus, während ich die Treppen hoch rannte.
hochrannte

Das extreme Hämmern meines Herzes war die Symphonie meiner Erlösung.
"extreme" streichen

Nun war nichts mehr übrig geblieben.
"geblieben" streichen

Die Grenzen meines Körpers zeigten sich durch das schwache Zittern meiner Beine.
"schwache" streichen

Mein Herz fand keine Ruhe; es hämmerte immer härter und härter. Meine Lungen schmerzten bei jedem Atemzug.
Also ich habe nur eine Lunge :)
Ggf. "Die" statt "Meine"

Ich verstand es nicht. Die Toten führten ihr Leben in meinem Schädel weiter.
Das könntest du den Lesern wie zu Beginn erwähnt auch zeigen, zum Beispiel in dem er auch nach dem Brand ein Skelett sieht, das auf ihn zukommt. Dann muss jeder selbst interpretieren, was es bedeutet (ist nur ein spontanes Beispiel).

Viele Grüße,
Rob

 

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