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Update

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Update

I.
Georg stand am Panoramafenster seiner Wohnung im 98. Stock und beobachtete die Roboter am gegenüberliegenden Hochhaus. Sie schleppten große, vorgefertigte Bauelemente nach oben, platzierten sie an der richtigen Stelle und mauerten sie zusammen. So entstand in kürzester Zeit das nächste Stockwerk.
Alle Arbeiten liefen vollautomatisch, präzise wie ein Uhrwerk, Tag und Nacht.
Er ließ den Blick über die nächtliche Skyline der Stadt mit den unzähligen Lichtern streifen.
In der Spiegelung des Fensters sah er Clara näherkommen. Sie nahm seine Hand und schob ihn sanft nach hinten in das Sofa. Dann begann sie langsam die Knöpfe ihrer Bluse zu lösen. Seine Augen wanderten von ihren Händen über das Gesicht, dann hinüber zur Ladestation.
Clara bemerkte seinen Blick und beugte sich zu ihm hinunter: „Keine Angst“, sagte sie leise. “Es wird noch die ganze Nacht dauern, bis bei Kevin das Update installiert ist. Wir haben genügend Zeit!“
Die Bluse glitt nach unten. Georg lächelte. Dann schob er ihren Rock ein Stück weit nach oben und berührte zärtlich ihren Oberschenkel.

II.
„Schön hier!“, sagte Clara und sah sich um. Der Waldweg wand sich gemächlich einige Meter weiter und schlängelte sich dann um eine Kurve. An den Seiten säumte ihn, bevor das dichte Unterholz begann, ein breiter Grasstreifen, der auch Platz für einen Holztisch mit Langbänken bot.
„Da drüben hab‘ ich mal ein Nest von einem Eichelhäher gefunden“, sagte Georg und legte den Rucksack auf die Tischplatte. Wind und Wetter hatten das Holz ausgebleicht. Claras Blick verfing sich im dichten Blattwerk.
„Komm, setz‘ dich“, sagte er dann und tippte neben sich auf die Bank. Sie schmiegte sich eng an ihn.
Er kramte im Rucksack. „Was hast du denn mit?“, fragte sie und reckte den Hals.
„Einen Apfel. Magst du auch?“ Er hielt ihn ihr hin.
Sie blickte zuerst den Apfel an, dann ihn, dann wieder den Apfel.
„Ach, wie dumm von mir!“, sagte er schließlich und ließ ihn sinken.
Sie lächelte ihn an.
Bald schmiegte sie die Wange an seine Schulter. Er kaute genüsslich und tätschelte ihr Bein.

Nach einiger Zeit gruben sich Schritte in den Kies und ein Mann kam den Weg entlang. Sein Bauch schien wie eine Kugel auf die langen Beine gelegt worden zu sein. Die Jacke war ihm etwas nach oben gerutscht.
Zuerst bemerkte er die beiden nicht. „Da sitzt ja wer“, sagte er dann lachend und zog die Jacke mit beiden Händen nach unten.
Georg nickte kurz und an Clara gewandt, sagte er: „Wollen wir wieder weitergehen?“
„Lassen Sie sich von mir nur nicht vertreiben“, sagte der Mann und machte einen Schritt auf sie zu. „Was haben Sie den heute noch vor? Zur Maiblumenwiese? Oder rüber zum Ochsenjoch?“
Georg warf den Apfelbutzen in das Unterholz. „Mal sehen“, antwortete er. „Ochsenjoch werden wir heute nicht mehr schaffen.“
„Früher, da bin ich an einem Tag vom Reihersteg bis zum Ochsenjoch gewandert und wieder zurück. Aber da war ich noch jünger.“
Georg nickte anerkennend. „Hier im Forst kann man sich wenigstens noch bewegen. Die Parks in der Stadt sind mir zu eng. Man findet kaum ein ruhiges Plätzchen.“
„Ja, die sind überfüllt. Aber wen wundert’s? Arbeit gibt’s kaum noch, dann vertreibt man sich die Zeit halt im Park oder macht sonst was. Ich bin seit 85 zu Hause, jetzt bald zehn Jahre.“
Georg räumte die Wasserflasche in den Rucksack. „Zweite Automatisierungswelle. So ging’s mir auch“, sagte er.
„Sie sind aber noch jung! Zwischendurch nichts Neues gefunden?“
„Nein, nicht wirklich. Hin und wieder ein Auftrag bei Großprojekten. Prozessoptimierung. Da konnte ich mir eine Zeitlang gut was dazuverdienen. Aber dafür gibt‘s jetzt auch schon immer bessere Programme.“
„Ich war bei Syndex, bis die alles digitalisiert haben. Dann war ich zwei Jahre in einer Arbeitsstiftung“, er lachte, „und seit 85 bekomme ich das Geld vom Staat. Aber das Grundeinkommen soll jetzt erhöht werden, hab ich gehört.“
„Ja, das hab ich auch gehört. Die haben wohl Angst, dass die Stimmung kippt.“
Georg schulterte den Rucksack. „Ich glaube, wir werden noch runter zum See gehen. Das Wetter sieht gut aus.“ Er blickte zum Himmel. „Dann auf Wiedersehen!“ Mit sanftem Druck schob er Clara vor sich aus der Bank.
Der Mann beobachtete die beiden: „Und wie macht sie sich?“, fragte er und deutete mit dem Kinn auf Clara. „Bei ihr merkt man fast nichts mehr.“
Georgs Augen verharrten auf Claras Rücken. „Ich hab sie noch nicht lange“, sagte er dann tonlos, ohne ihn anzusehen. „Aber bis jetzt bin ich zufrieden.“
Nach der Kurve tastete Clara nach seiner Hand, doch Georg zog sie zurück.

III.
Georg und Clara sitzen auf dem Sofa als Kevin hereinkommt. Eine Taube baumelt leblos zwischen seinen Fingern. Blut tropft aus dem Schnabel.
„Was hast du da?“, fragt Georg.
„Die Taube war am Fenstersims“, antwortet Kevin.
„Ist sie tot?“, fragt Georg.
„Du beschwerst dich doch immer, dass sie deine Fenster verkacken“, sagt Clara.
„Ich hab‘ aber nichts von Töten gesagt. Außerdem mag ich diese Schweinerei nicht in meiner Wohnung haben. Bring sie weg!“
„Alles klar, Kumpel!“, antwortet Kevin und schleudert die Taube in Georgs Richtung.

Georg schlug die Augen auf. Er hatte geträumt. Er sah sich um, tastete auf Claras Bettseite. Sie war leer.
Am Gang hörte er Kevins Stimme. Clara lachte.
„Guten Morgen, Schatz!“ Clara lächelte als Georg in die Küche kam. „Kevin hat einen Witz erzählt. Ich musste so lachen!“
„Wollen Sie den heutigen Morgenwitz hören, Boss?“, fragte Kevin. „Ich habe mir gestern ein paar Dateien heruntergeladen.“
„Nein“, antwortete Georg mürrisch. „Ich möchte lieber Frühstücken.“
„Okay, Boss. Kaffee, wie immer?“
„Ja, im Wohnzimmer“, sagte Georg bereits im Gehen.

Georg überflog auf der Nachrichtenleiste des Panoramafensters den Artikel über die Updates bei den Hausrobotern. Darin wurde vom nächsten revolutionären Schritt in der Automatisierung gesprochen, weg vom einfachen Roboter hin zum Freund und Lebensbegleiter mit eigener Persönlichkeit.
Clara kam herein und setzte sich neben ihn aufs Sofa. Er betrachtete das Hochhaus gegenüber. In der Nacht war es um ein weiteres Stockwerk gewachsen.
„Du warst heute in der Früh nicht da“, sagte er dann.
„Ich dachte, du wirst noch länger schlafen. Da bin ich aufgestanden“, antwortete sie. „Ich kann aber gerne warten, bis du aufwachst“, setzte sie nach einer kurzen Pause hinzu.
„Das hört sich wie ein großes Opfer an“, sagte Georg und sah wie eine Taube vor dem Fenster auf dem Sims landete. Mit wippendem Kopf machte das Tier zwei, drei Schritte und hockte sich dann hin.
„Nein, das ist doch kein Opfer, Schatz!“ Clara lächelte. „Ich mache das gerne für dich. Es war mir nur langweilig.“
Er blickte sie an: „Langweilig? Wie kann dir langweilig sein?“
„Ich kann vieles genauso fühlen wie du, wie ihr Menschen, meine ich. Viele Leute sagen, wir sind die erste Generation mit richtigen Gefühlen.“
Georg zog die Augenbrauen zusammen: „Diese Leute reden von Gefühlen“, entgegnete er, „meinen damit aber eigentlich eure Programmierung!“
„Wenn du es so ausdrücken möchtest“, antwortete Clara kühl. „Aber sind menschliche Gefühle nicht auch nur eine Art Programmierung, eine chemische Reaktion in euren Gehirnen?“

In diesem Moment kam Kevin herein. Auf einem Tablett hatte er Georgs Kaffee.
„Jetzt kommt aber der Morgenwitz!“, verkündete er sogleich und fuhr mit der freien Hand und gespreiztem Zeigefinger nach oben. Dabei rutschte ihm der Kaffee vom Tablett.
Georg sprang auf und starrte auf den Fleck am Teppich: „Was soll das? Pass doch auf, Himmelherrgott! Seit diesem verdammten Update erkenne ich dich nicht wieder!“
Kevin blickte vom Fleck zu Georg, dann wieder zurück zum Fleck und wieder zu Georg, dann packte er ihn am Hals.
„Lass mich los! Bist du verrückt geworden!“ Georg zappelte, er schnappte nach Luft. Bald sah er alles nur mehr verschwommen. Trotzdem glaubte er erkennen zu können, wie hinter Kevin die Taube am Fenstersims die Flügel spannte und davonflog.
„Bitte … hilf … mir!“, stammelte er schließlich in Claras Richtung.
Doch Clara blickte ihn aus kalten Augen an: „Weißt du was?“, sagte sie ungerührt. „Du langweilst mich schon wieder!“
Dann drückte Kevin zu.

 
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Hallo @Walterbalter ,

eine SF-Geschichte über die Folgen der Digitalisierung. Nicht nur der Verlust von Arbeitsplätzen, sondern auch immer mehr die Frage, ob es auch aus Sicht des Staates überhaupt noch das Ziel sein muss, möglichst viele Menschen in Beschäftigung zu bringen.

Nicht so gefallen haben mir die Dialoge, sie wirken schon sehr erklärend für den Leser.

Das Ende ist auf jeden Fall überraschend, insgesamt ist mir nur die "Beziehung" zwischen Georg und Clara zu oberflächlich. Von Georgs Emotionen bekomme ich kaum etwas mit und Clara erklärt ihre am Ende dem Leser, anstatt dass sie zuvor in der Geschichte deutlich werden.

Das wird schwierig, zwischen Mensch und Maschine, aber mir fehlt eine Entwicklung zwischen den Protagonisten, die auf dieses Ende zusteuert. m.E. sollte dies der Fokus der Geschichte sein. Der Film Ex Machina schafft das z.B ziemlich gut.

Das Gespräch mit dem anderen Wanderer würde ich entfernen, ich finde es ziemlich offensichtlich, dass du es nur eingebaut hast, um Hintergründe zu erklären.

Soweit ein allgemeiner Leseeindruck, viele Grüße,

Rob

 

MRG

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Hallo @Walterbalter,

ich finde die Thematik interessant, allerdings kann ich mich mit deiner Geschichte nicht anfreunden. ich finde, dass du viele Themen innerhalb deiner Kurzgeschichte verarbeitest und das macht auf mich den Eindruck, dass es alles sehr schnell geht. Bevor ich mich als Leser auf das erste Thema einlassen konnte, kommt schon das nächste. Um diesen subjektiven Leseeindruck deutlicher zu machen, schildere ich hier die Themen, die ich für mich herausgelesen habe:

1. Roboter automatisieren menschliche Arbeit.
2. Zusammenleben zwischen Mensch und intelligenter Maschine.
3. Killermaschinen, die autonom handeln.

Ich finde, dass das drei sehr komplexe Themen sind und ich hätte mir gewünscht, dass du dich für eins entscheidest und das dann in der Tiefe beleuchtest. So war ich am Ende etwas enttäuscht, weil es sich für mich zu oberflächlich gelesen hat. Außerdem hatte ich den Eindruck, dass ein gewisses Klischee in der Geschichte steckt: Die bösen Maschinen. Ich habe letztens das Buch "Klara und die Sonne" von Kazuo Ishiguro gelesen, darin schildert er die Perspektive einer intelligenten Maschine mit Bewusstsein. Besonders gut hat mir da gefallen, dass er dieses Klischee durchbricht und mich als Leser einlädt, eigene Schlussfolgerungen zu treffen.

Ich gehe im Detail auf meinen subjektiven Leseeindruck ein:

Georg stand am Panoramafenster seiner Wohnung im 98. Stock und beobachtete die Roboter am gegenüberliegenden Hochhaus.
Ich finde das einen guten ersten Satz, weil ich direkt im Thema bin und die Geschichte verorten kann. Das hat Interesse erzeugt.

Sie nahm seine Hand und schob ihn sanft nach hinten in das Sofa.
Allerdings finde ich, dass du einiges an Potential mit deinem starken ersten Satz liegen lässt, weil direkt das nächste Thema eingeführt wird, ohne, dass ich als Leser mit dem ersten Thema abgeschlossen habe. Ich hätte mir hier mehr über die Welt gewünscht: Wie funktionieren die Roboter? Wie reagiert dein Prota auf den Grundkonflikt, dass alles digitalisiert wird? Was sind seine Erfahrungen und Erlebnisse dazu?

„Einen Apfel. Magst du auch?“ Er hielt ihn ihr hin.
Sie blickte zuerst den Apfel an, dann ihn, dann wieder den Apfel.
„Ach, wie dumm von mir!“, sagte er schließlich und ließ ihn sinken.
Finde ich gut gemacht, weil es die Schwierigkeit im Zusammenleben zwischen Mensch und intelligenter Maschine verdeutlicht.

„Ich war bei Syndex, bis die alles digitalisiert haben. Dann war ich zwei Jahre in einer Arbeitsstiftung“, er lachte, „und seit 85 bekomme ich das Geld vom Staat. Aber das Grundeinkommen soll jetzt erhöht werden, hab ich gehört.“
Schließe mich hier Rob an, auf mich hat das auch zu erklärend gewirkt. Da kommt meiner Einschätzung nach der Autor zu stark raus.

„Die Taube war am Fenstersims“, antwortet Kevin.
„Ist sie tot?“, fragt Georg.
„Du beschwerst dich doch immer, dass sie deine Fenster verkacken“, sagt Clara.
Hier führst du dann das dritte Thema ein: Gewalt von Maschinen. Was passiert, wenn die Maschine, die uns unterstützen soll, zu einem Killer wird? Ich finde, dass das viel Potential hat, allerdings ist es mir hier zu kurz abgehandelt. Das lässt mich dann eher unzufrieden zurück.

Georg überflog auf der Nachrichtenleiste des Panoramafensters den Artikel über die Updates bei den Hausrobotern. Darin wurde vom nächsten revolutionären Schritt in der Automatisierung gesprochen, weg vom einfachen Roboter hin zum Freund und Lebensbegleiter mit eigener Persönlichkeit.
Finde ich eine gute Passage, die hätte ich mir allerdings wieder oben gewünscht, um dein World Building zu unterstützen. Davon will ich als Leser gerne mehr wissen: Wie genau funktioniert diese Welt? Wie kann es sein, dass Maschinen ein Bewusstsein erlangen konnten?

„Ich mache das gerne für dich. Es war mir nur langweilig.“
Er blickte sie an: „Langweilig? Wie kann dir langweilig sein?“
Finde ich nicht wirklich glaubwürdig. Sie hat Langeweile und wird hier sehr menschlich dargestellt. Da fehlt mir die Erklärung, wie diese Maschinen funktionieren.

„Ich kann vieles genauso fühlen wie du, wie ihr Menschen, meine ich. Viele Leute sagen, wir sind die erste Generation mit richtigen Gefühlen.“
Musste hier an "Klara und die Sonne" denken, allerdings kommt dabei doch der Unterschied zwischen Mensch und Maschine klar zum Vorschein. Das fehlt mir in deiner Geschichte noch; die Maschinen lesen sich wie Menschen.

Kevin blickte vom Fleck zu Georg, dann wieder zurück zum Fleck und wieder zu Georg, dann packte er ihn am Hals.
Hier kommt dann der Mord an Georg, aber ich finde, dass das zu schnell geht und so richtig nachvollziehen konnte ich das auch nicht. Das Ende hat mich nicht überzeugt.


Insgesamt finde ich deine Ideen großartig und ich glaube, dass du noch einiges an Potential mit der Thematik hast. Für mich war es leider so, dass ich aufgrund der vielen Themen nicht richtig in deine Welt bzw. Geschichte eintauche konnte. Hat sich distanziert angefühlt und möglicherweise war das der Grund, weshalb ich schon am Anfang ins Analysieren gekommen bin. Lass dich von meinem Leseeindruck nicht abschrecken, ich finde, dass du gut schreiben kannst.

Wünsche dir ein schönes Wochenende.

Beste Grüße
MRG

 
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Hi @Rob F

eine SF-Geschichte über die Folgen der Digitalisierung. Nicht nur der Verlust von Arbeitsplätzen, sondern auch immer mehr die Frage, ob es auch aus Sicht des Staates überhaupt noch das Ziel sein muss, möglichst viele Menschen in Beschäftigung zu bringen.
Das Ende ist auf jeden Fall überraschend
ja, genau so war der Text gedacht und es freut mich, dass ich zumindest ein überraschendes Ende bieten konnte

Das Gespräch mit dem anderen Wanderer würde ich entfernen, ich finde es ziemlich offensichtlich, dass du es nur eingebaut hast, um Hintergründe zu erklären.
ja, so ist es, schade, dass es so offensichtlich ist. Hab auch lange an dem Dialog herumgezimmert, aber so richtig zufrieden war ich auch am Ende nicht damit, muss ich zugeben. Da wollte ich wohl zu viel an Inhalt reinpacken.

Lieber Rob, danke für deine Zeit und die Rückmeldung. Positiv ist immerhin, dass ich vom eigenen Gefühl her schon richtig lag. Ich hab da wohl viel zu viel auf einmal zusammengepresst und durch die Kürze bleibt dann auch die Darstellung einer Entwicklung oder der Beziehung zwischen Mensch und Roboter auf der Strecke.

Servus,
Walterbalter

 
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Hi @MRG

danke für die Zeit, die du dir für meinen Text genommen hast!

ich finde, dass du viele Themen innerhalb deiner Kurzgeschichte verarbeitest und das macht auf mich den Eindruck, dass es alles sehr schnell geht. Bevor ich mich als Leser auf das erste Thema einlassen konnte, kommt schon das nächste.
Ich finde, dass das drei sehr komplexe Themen sind und ich hätte mir gewünscht, dass du dich für eins entscheidest und das dann in der Tiefe beleuchtest. So war ich am Ende etwas enttäuscht, weil es sich für mich zu oberflächlich gelesen hat.
Ich stimme dir zu, dass die Themen in ihrer Gesamtheit zu komplex für eine so kurze Geschichte waren. Deshalb hat es u.a. auch nicht funktioniert. Danke, dass du auf deinen Eindruck so detailliert eingegangen bist, das hilft mir sehr weiter.

Außerdem hatte ich den Eindruck, dass ein gewisses Klischee in der Geschichte steckt: Die bösen Maschinen.
Ja, ich weiß, das Klischee von der bösen Maschine habe ich auch bemüht. Darum ist es mir zwar nicht vor allem gegangen, aber du hast schon recht ;-)

Sie nahm seine Hand und schob ihn sanft nach hinten in das Sofa.
Allerdings finde ich, dass du einiges an Potential mit deinem starken ersten Satz liegen lässt, weil direkt das nächste Thema eingeführt wird, ohne, dass ich als Leser mit dem ersten Thema abgeschlossen habe. Ich hätte mir hier mehr über die Welt gewünscht: Wie funktionieren die Roboter? Wie reagiert dein Prota auf den Grundkonflikt, dass alles digitalisiert wird? Was sind seine Erfahrungen und Erlebnisse dazu?
okay, verstehe, das ging zu schnell

„Ich war bei Syndex, bis die alles digitalisiert haben. Dann war ich zwei Jahre in einer Arbeitsstiftung“, er lachte, „und seit 85 bekomme ich das Geld vom Staat. Aber das Grundeinkommen soll jetzt erhöht werden, hab ich gehört.“
Schließe mich hier Rob an, auf mich hat das auch zu erklärend gewirkt. Da kommt meiner Einschätzung nach der Autor zu stark raus.
mit dem Dialog habe ich mich sehr herumgemüht und hatte am Ende noch die Befürchtung, dass es so nicht funktioniert. Immerhin weiß ich jetzt, dass ich es richtig im Gefühl hatte

Georg überflog auf der Nachrichtenleiste des Panoramafensters den Artikel über die Updates bei den Hausrobotern. Darin wurde vom nächsten revolutionären Schritt in der Automatisierung gesprochen, weg vom einfachen Roboter hin zum Freund und Lebensbegleiter mit eigener Persönlichkeit.
Finde ich eine gute Passage, die hätte ich mir allerdings wieder oben gewünscht, um dein World Building zu unterstützen. Davon will ich als Leser gerne mehr wissen: Wie genau funktioniert diese Welt? Wie kann es sein, dass Maschinen ein Bewusstsein erlangen konnten?
Verstehe. Wollte damit andeuten, worum es im Update bei Kevin im ersten Teil geht. Clara gehört schon einer neuen Generation von Robotern an und Kevin wird jetzt "nachgerüstet", mit den Auswirkungen am Schluss.
„Ich mache das gerne für dich. Es war mir nur langweilig.“
Er blickte sie an: „Langweilig? Wie kann dir langweilig sein?“
Finde ich nicht wirklich glaubwürdig. Sie hat Langeweile und wird hier sehr menschlich dargestellt. Da fehlt mir die Erklärung, wie diese Maschinen funktionieren.
„Ich kann vieles genauso fühlen wie du, wie ihr Menschen, meine ich. Viele Leute sagen, wir sind die erste Generation mit richtigen Gefühlen.“
Musste hier an "Klara und die Sonne" denken, allerdings kommt dabei doch der Unterschied zwischen Mensch und Maschine klar zum Vorschein. Das fehlt mir in deiner Geschichte noch; die Maschinen lesen sich wie Menschen.
okay, glaubwürdig sollte es schon sein ;-) und zwischen Mensch und Maschine ein Unterschied zumindest spürbar sein

Kevin blickte vom Fleck zu Georg, dann wieder zurück zum Fleck und wieder zu Georg, dann packte er ihn am Hals.
Hier kommt dann der Mord an Georg, aber ich finde, dass das zu schnell geht und so richtig nachvollziehen konnte ich das auch nicht. Das Ende hat mich nicht überzeugt.
okay, verstehe, das ging zu schnell
Ich habe letztens das Buch "Klara und die Sonne" von Kazuo Ishiguro gelesen, darin schildert er die Perspektive einer intelligenten Maschine mit Bewusstsein. Besonders gut hat mir da gefallen, dass er dieses Klischee durchbricht und mich als Leser einlädt, eigene Schlussfolgerungen zu treffen.
Danke für den Buchtipp. Hab davon schon gehört. Kommt jetzt fix auf die Leseliste.

Ich sage mal, einen Versuch war's wert, ich muss die Konzeption meiner Geschichte noch mal grundsätzlich überdenken, aber ich hab jetzt zumindest ein paar Hinweise darauf, wo ich hin muss.

Vielen Dank noch mal für deine Zeit und auch für die aufbauenden Worte am Ende!

Servus,
Walterbalter

 
Seniors
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Update -

schöner Titel zur schönen neuen Welt in der „digitalen Entrechtung“ (Jaron Lanier), wenn technologische Rationalität den Keim zum Totalitären in sich trägt, wobei schon das bekannteste Bild aus Chaplins „Modern Times“ den Menschen als Hindernis im Getriebe der Maschine zeigt und das Glück von Clara und Georg ist in Deiner keineswegs misslungenen Geschichte, wie ich finde, dass Kevin noch up-to-date, Clara ist es ja schon, kommen muss (als machten nicht schon die mobiles und der Wahn der dauernden Erreichbarkeit die halbe Überwachung aus, wenn wir das kleine Gerät technologischer Wunderwerke immer bereithalten. Wir könnten ja was verpassen ...

Bissken Flusenlese, lieber Walterbalter

Alle Arbeiten liefen [vollautomatisch], präzise wie ein Uhrwerk, Tag und Nacht.

Bald lehnte sie die Wange an seine Schulter.
Ich glaube, da ist „lehnen“ (wie man einen Besen an die Wand lehnt) selbst an einer gefühlvorgaukelnden Maschine das falsche Verb, besser vllt. „schmiegen“ - allein schon der Illusion halber

Hier schnappt m. E. die Fälle-Falle zu

Nach einiger Zeit gruben sich Schritte in den Kies und ein Mann kam de[n] Weg entlang.
oder "... kam des Weges" (was mir natürlich besser gefällt und der Genitiv ein bissken gerettet und hochgehalten wird ...

Die folgende wörtl. Rede kapier ich nicht so ganz

„Mal sehen“, antwortete er. „Ochsenjoch wird sich wohl nicht mehr ausgehen.“

„Ich glaube, wir werden noch runter zum See gehen, Das Wetter sieht gut aus.“
wie’s da steht, ist das „das“ mit Minuskel zu versehen ...

schöner Abschluss

Darin wurde vom nächsten revolutionären Schritt in der Automatisierung gesprochen, weg vom einfachen Roboter hin zum Freund und Lebensbegleiter mit eigener Persönlichkeit.
Clara kam herein und setzte sich neben ihn aufs Sofa.

Wenn ich Dear nun noch so nebenbei verrate, dass ich mein "Handy" 2008 ersäuft habe und es bis heute nicht bereue oder gar vermisse - dann weißtu, was ich für einer bin ...

Gern gelesen vom

Friedel

 
Monster-WG
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Hallo @Walterbalter

mir geht es ähnlich wie den anderen. Zu viel reingepackt in die KG. Der Text ist flüssig geschrieben, ich finde ihn interessant, mir fehlen aber auch die Emotionen. Würde Georg gerne näher kennenlernen. Ich denke, Du könntest mehr in die Tiefe gehen, Dich auf ein Thema konzentrieren oder, wenn Du wirklich alles reinpacken möchtest, sollte die Geschichte deutlich länger werden. Jedenfalls war mir beim Lesen nicht langweilig und das Ende hat mich überrascht.

Hier meine Leseeindrücke:

Sie nahm seine Hand und schob ihn sanft nach hinten in das Sofa. Dann begann sie langsam die Knöpfe ihrer Bluse zu lösen. Seine Augen wanderten von ihren Händen über das Gesicht, dann hinüber zur Ladestation.
Clara bemerkte seinen Blick und beugte sich zu ihm hinunter: „Keine Angst“, sagte sie leise. “Es wird noch die ganze Nacht dauern, bis bei Kevin das Update installiert ist. Wir haben genügend Zeit!“
Die Bluse glitt nach unten. Georg lächelte. Dann schob er ihren Rock ein Stück weit nach oben und berührte sanft ihren Oberschenkel.

Da ahne ich als Leser schon, dass sie kein Mensch ist. Spannend!
Die Doppelung ist mir aufgefallen. Vielleicht einmal "zärtlich" oder "behutsam".


Georg nickte kurz und an Clara gewandt, sagte er: „Wollen wir wieder weitergehen?“
„Lassen Sie sich von mir nur nicht vertreiben“, sagte der Mann und machte einen Schritt auf sie zu. „Wo soll’s denn noch hingehen? Zur Maiblumenwiese? Oder rüber zum Ochsenjoch?“
Georg warf den Apfelbutzen in das Unterholz. „Mal sehen“, antwortete er. „Ochsenjoch wird sich wohl nicht mehr ausgehen.“
„Früher, da bin ich an einem Tag vom Reihersteg bis zum Ochsenjoch gegangen und wieder zurück. Aber da war ich noch jünger.“
Georg nickte anerkennend. „Hier im Forst kann man sich wenigstens noch bewegen. Die Parks in der Stadt sind mir zu eng. Man findet kaum ein ruhiges Plätzchen.“
„Ja, die sind überfüllt. Aber wen wundert’s? Arbeit gibt’s kaum noch, dann geht man halt in den Park oder macht sonst was. Ich bin seit 85 zu Hause, jetzt bald zehn Jahre.“

In dem Abschnitt kommt mir eindeutig zu oft "gehen" vor. Würde Synonyme verwenden.
Insgesamt finde ich die Begegnung interessant und kurzweilig.

Georg schlug die Augen auf. Er hatte geträumt. Er sah sich um, tastete auf Claras Bettseite und fand sie leer.

Entweder: ... fand sie leer vor / oder: Bettseite. Sie war leer.

„Wenn du es so ausdrücken möchtest“, antwortete Clara kühl. „Aber sind menschliche Gefühle nicht auch nur eine Art Programmierung, eine chemische Reaktion in euren Gehirnen?“

Interessanter Aspekt.

Doch Clara blickte ihn aus kalten Augen an: „Weißt du was?“, sagte sie ungerührt. „Du langweilst mich schon wieder!“
Dann drückte Kevin zu.

Krasses Ende. Sehr überraschend!

Liebe Grüße und einen schönen Tag,
Silvita

 
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Hi @Friedrichard,
lieber Friedel,

der Mensch als Hindernis im Getriebe der Maschinen: Ein nicht mehr ganz neues, aber - wie ich finde - (immer) wieder aktuelles Thema. Ich muss zugeben, dass es mich bei meinem Text auch sehr beschäftigt hat.

Vielen Dank fürs Flusenlesen, ich hab deine Anmerkungen gerne übernommen, insbesondere ....

Ich glaube, da ist „lehnen“ (wie man einen Besen an die Wand lehnt) selbst an einer gefühlvorgaukelnden Maschine das falsche Verb, besser vllt. „schmiegen“ - allein schon der Illusion halber
"schmiegen" gefällt mir in der Tat besser

Die folgende wörtl. Rede kapier ich nicht so ganz
die Wörtliche war wohl doch zu salopp formuliert, ich hab's geändert

Wenn ich Dear nun noch so nebenbei verrate, dass ich mein "Handy" 2008 ersäuft habe und es bis heute nicht bereue oder gar vermisse - dann weißtu, was ich für einer bin ...
Als mir einmal mein Handy absoff, war in kürzester Zeit wieder ein neues da, weil - wie du am Anfang so treffend bemerktest - man könnte ja was verpassen und ein Leben ohne dem Ding ist mittlerweile nur mehr schwer vorstellbar.

Danke vielmals für deine Zeit!
Servus,
Walterbalter

 
Seniors
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Doch Clara blickte ihn aus kalten Augen an: „Weißt du was?“, sagte sie ungerührt. „Du langweilst mich schon wieder!“
Dann drückte Kevin zu.

Ich noch mal,

lieber – oder doch besser,
böser, böser Walterbalter,

denn der Schluss wirft ja nun auch ein gewaltiges moralisches und vor allem juristisches Problem auf bis hin zum Völkerrecht, wenn die kleinen programmierten Helferlein Morden oder gar Krieg führen und nicht nur ihresgleichen „ausschalten“.

Zur weiteren Lektüre empfehle ich

Arbeit, Konsum und Freiheit – Schiller, Marcuse, Lanier: „Der eindimensionale Mensch“ | Wortkrieger

Tschüss & in Bälde auf dem Felde

Friedel

 
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11.11.2019
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Liebe @Silvita,

entschuldige, dass meine Antwort etwas gedauert hat. Ich habe mich über deine Rückmeldung sehr gefreut!

Ich denke, Du könntest mehr in die Tiefe gehen, Dich auf ein Thema konzentrieren oder, wenn Du wirklich alles reinpacken möchtest, sollte die Geschichte deutlich länger werden.
Ja, da wollte ich zu viel auf einmal, das gibt die Kürze des Textes nicht her. Bin mir noch nicht ganz im Klaren, wie ich weiter verfahren möchte. Mit etwas Abstand werde ich es vielleicht herausfinden.

Die Doppelung ist mir aufgefallen. Vielleicht einmal "zärtlich" oder "behutsam".
Danke für den Hinweis und die Vorschläge. Beim zweiten Mal schien mir zärtlich am passendsten.

In dem Abschnitt kommt mir eindeutig zu oft "gehen" vor. Würde Synonyme verwenden.
Insgesamt finde ich die Begegnung interessant und kurzweilig.
Korrekt, da ist des Gehens doch zu viel - das geht ja gar nicht ;-).
Ich hab's geändert.
Entweder: ... fand sie leer vor / oder: Bettseite. Sie war leer.
Danke für die Vorschläge, wurde geändert.

Interessanter Aspekt.
Ja, finde ich auch. Hat mich bei der Arbeit am Text eigentlich am meisten beschäftig.

Krasses Ende. Sehr überraschend!
Beim Ende wollte ich die Überraschung von Georg vermitteln. Er rechnet damit ja auch nicht.

Vielen, lieben Dank für deine Kommentare!

Servus,
Walterbalter

 
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11.11.2019
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Hi @Friedrichard

der Schluss wirft ja nun auch ein gewaltiges moralisches und vor allem juristisches Problem auf bis hin zum Völkerrecht, wenn die kleinen programmierten Helferlein Morden oder gar Krieg führen und nicht nur ihresgleichen „ausschalten“
ja, so ist es. Mit zunehmender Automatisierung werden auch moralische und juristische Fragen immer wichtiger und müssen irgendwie beantwortet werden.

Danke für die Lektüreempfehlung! Ich hab da früher schon mal kurz "reingelinst", lohnt sich sicherlich, es noch einmal zu machen.

Vielen Dank lieber Friedel!
Servus,
Walterbalter

 

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