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Thema des Monats Walker

Seniors
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29.11.2005
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Walker

Das Telefon hat mich aus unruhigem Schlaf gerissen. Es ist Sandy, meine Ex-Frau. Ihre Stimme klingt gepresst. Ich benötige ein paar Sekunden, um mich zu besinnen. „Was immer es ist, hat das nicht bis morgen Zeit?“
„Patrick …“, sagt sie und wirkt abgrundtief verzweifelt. „Hier ist jemand, der dich sprechen will.“
Zunächst kann ich seine Stimme nicht einordnen. Dann ist mir völlig schleierhaft, warum er bei Sandy in der Wohnung ist. Sie können sich nicht kennen. Da passt nichts zusammen und schon gar nicht, wenn man morgens um drei damit konfrontiert wird. Aber langsam erschließen sich für mich die Zusammenhänge und eine schreckliche Erkenntnis durchzuckt mich.
Walker flüstert nur: „Danke, mein Freund!“ Sein fast zärtlicher Tonfall lässt mich schaudern. Dann legt er auf, bevor ich noch etwas sagen kann.

Ich habe häufig mit Inspektor Gibson telefoniert. Er hat versucht, mich zu beruhigen. Seiner Meinung nach hätte ich couragiert gehandelt. Ich hätte es ja nicht besser gewusst. Das hindert mich nicht daran, mir ständig das Hirn zu zermartern. Schuldgefühle lassen sich nicht einfach ausknipsen. Hätte ich mich bloß nicht eingemischt! Auf der anderen Seite aber wird das von den Bürgern gefordert. Wir sollen nicht wegschauen, wenn es drauf ankommt. Wir sollen Verantwortung übernehmen. Wir sollen helfen, wenn andere in Not sind. Ich habe geholfen! Ein Mensch war in Gefahr, und ich habe mich mutig dazwischengeworfen. Man denkt nicht nach, in solchen Momenten. Man handelt instinktiv. Jetzt träume ich jede Nacht davon. Ich sehe die beiden Kerle, wie sie blindlings auf ihr am Boden liegendes Opfer einprügeln. Bis ich schweißgebadet hochschrecke mit dem Gefühl, im Blut zu ertrinken.

„Sie haben sich dabei wie ein Held gefühlt, nicht wahr?“ Das spöttische Grinsen des Journalisten entgeht mir nicht. Ich bin einfach nicht clever genug, den Fragen der Presse auszuweichen.
„Und wenn?“, frage ich zurück. „Ich musste mich in Sekundenbruchteilen entscheiden. Und dann habe ich mich eben entschieden.“
„Jeder andere wäre vermutlich abgehauen.“
„Ja, vermutlich.“
„Aber Sie nicht.“
„Nein, ich nicht.“
„Sind Sie mit ihm befreundet?“
„Um Himmels Willen, nein!“
„Aber sie waren mit ihm zusammen in der Bar.“
„Ja, und wenn schon? Wir sind zufällig am Tresen ins Gespräch gekommen.“
„Über was?“
„Über Gott und die Welt. Was man halt so quatscht, wenn man ins Reden kommt.“
„Ein ganz normales Gespräch?“
„Ein ganz normales Gespräch.“
„Sie kannten Walkers Vorgeschichte nicht?“
„Dann hätte ich wohl kaum mit ihm geredet, oder?“
„Sie haben sich also ganz normal mit ihm unterhalten.“
„Sagte ich das nicht gerade?“
„Und dann?“
„Verließ er die Bar. Und kurze Zeit später bin ich auch los. Ich ließ den Wagen stehen, weil ich zuviel getrunken hatte. Und plötzlich hörte ich aus der Seitenstraße die Geräusche.“

Ich kenne ihn nicht, habe ihn nie zuvor gesehen. Wir begegnen uns in dieser Bar, kommen ins Gespräch und unterhalten uns eine Weile. Ich vergesse die Zeit. Er gibt mir einen aus. Dann gebe ich ihm einen aus. Wir finden einen guten Rhythmus von Quatschen und Trinken. Als er aufbricht, schütteln wir uns wie gute Kumpel die Hand. „Vielleicht sieht man sich mal wieder!“ „Wäre nett.“
Ich gehe ein paar Minuten später. Aus der kleinen Seitenstraße neben der Bar höre ich Flüche und ein metallisches Scheppern. Im fahlen Licht kann ich erkennen, dass zwei Typen brutal auf den Mann einprügeln, mit dem ich eben noch gequatscht habe. Ich handle sofort. Als ich einen der Angreifer von hinten packe, ist der Überraschungseffekt ganz auf meiner Seite. Ich würge den Kerl, reiße ihn nach hinten, während er wild um sich schlägt, ohne mich zu treffen. Walker kommt keuchend auf die Beine. Der andere Angreifer weicht irritiert zurück, weiß nicht mehr, was er machen soll. Walker zieht plötzlich ein Messer und stürzt sich brüllend auf den verunsicherten Mann. Wütend sticht er auf ihn ein, als wolle er den Kerl zerfetzen, bis der am Boden liegt und sich nicht mehr regt. Dann hebt Walker schwer atmend den Kopf und stiert den Burschen an, den ich immer noch festhalte. Ich lasse ihn erschrocken los. Walker ist blitzschnell mit dem Messer. Wie besessen rammt er immer wieder die Klinge in den zuckenden Körper. Irgendwann hält er schnaufend inne. Kauert unschlüssig auf der Straße und glotzt stumpf vor sich hin. Springt auf und schaut mich ein letztes Mal an. Er sieht aus, als hätte er in Blut gebadet. Grinst mir fast verlegen zu, dreht sich um und verschwindet in der Dunkelheit. Ich stehe zitternd neben den beiden Leichen, über deren Identität ich erst am nächsten Tag Genaueres erfahre, in den Verhören bei Inspektor Gibson: Sam und Billy Steward. Zwei Brüder. Vor einem Jahr hat Walker ihre kleine Schwester entführt und in seiner Wohnung wochenlang missbraucht und zu Tode gequält. Keiner weiß wie, aber es gelang ihnen tatsächlich, den Mörder ihrer kleinen Schwester aufzuspüren. Die Brüder hätten Walker zweifellos zu Tode geprügelt. Ich habe das verhindert. Und nun sind die beiden Stewards tot, während Walker weiterhin auf der Flucht ist.

„Weiber!“, sagt der Mann neben mir. „Lassen uns einfach nicht zur Ruhe kommen!“ Dann gibt er mir ein Bier aus und stellt sich lächelnd vor. „Walker, einfach nur Walker. Alle nennen mich so.“
Wir reden über Fußball, Autos, Musik und ... Weiber. Schließlich erzähle ich ihm von Sandy. Es sprudelt einfach so aus mir heraus. Die schmutzige Scheidung, die gerichtliche Auseinandersetzung und die finanzielle und seelische Last, die sich durch diesen Ehekrieg in mir angesammelt hat. „Ich könnte ihr den verdammten Hals umdrehen“, fluche ich. Walker legt mir beruhigend die Hand auf die Schulter. „Es gibt immer eine Gerechtigkeit“, sagt er.
„Gerechtigkeit?“ Ich lache und ordere die nächste Runde. „Die ist fein raus, mit meinem Geld. Und ich kann sehen, wo ich bleibe.“
Ich erzähle ihm alles, bin froh, endlich mal mit jemanden darüber reden zu können, all das loszuwerden, was mich seit Monaten quält. Wir quatschen, saufen, lachen und verfluchen die verdammten Weiber.
Grinsend stoße ich mit Walker an. „Der Teufel soll Sandy holen!“

 

Als großer Fan des Films Memento und der darin verwendeten rückwärts gerichteten Erzähltechnik, die daraus sogar noch eine atemberaubende Pointe gewinnt, hat mich dieses Thema gereizt.

Es war verdammt schwer und ich kann nicht so genau einschätzen, ob ich es mit dieser Geschichte tatsächlich erfüllen konnte. Aber immerhin hab ich es versucht. Es wäre leichter gewesen, wenn man mit diesem Thema nicht auf Horror festgelegt worden wäre.

Grüße von Rick

 
Zuletzt bearbeitet:

Hallo Rick!

Ja, Memento ist wirklich ein grandioser Film - und wie deine Geschichte kein Horror. Und im Gegensatz zu Memento finde ich deine Story nicht wirklich mitreißend, sorry. Es tauchen aus meiner Sicht keine Logiklücken auf, die Geschichte macht also sowohl rück- wie vorwärts Sinn (wenn auch die Szene mit dem Journalisten von der Form nicht so recht passen will mMn), aber ich ein bisschen den Eindruck, dass du darauf so sehr geachtet hast, dass alles andere vll ein bisschen zu kurz gekommen ist. Und wenn wir schon bei kurz sind: Die Story könnte mE mehr Fleisch auf den Rippen vertragen, bei Charakteren, Atmo und Handlung. Alles ein bisschen tack tack tack und Schluss.

Klingt jetzt ziemlich nach Verriss, sorry. Eine solche Geschichte zu schreiben, ist wohl echt schwierig (ich hab sowas mal im vergangenen Jahr versucht und nicht beendet). Und sprachlich gibt es aus meiner Sicht nichts zu meckern. ;)

Beste Grüße

Nothlia

 

Hey Rick,

Das Telefon hat mich aus unruhigem Schlaf gerissen.
Den Satz hat man genau so bestimmt schon einige dutzende Male gelesen. (später mit eiskalt den Rücken runterlaufen auch, aber das steht dann irgendwo in den Weiten des Textfeldes, als Einstiegssatz so einen Satz … ungünstig).

wenn man morgens um drei Uhr damit konfrontiert wird.
Morgens um Drei … reicht, oder? Das „morgens um drei Uhr“ klingt ein wenig steif.

Jetzt träume jede Nacht davon.
Fehlt ein „ich“

„Jeder andere wäre vermutlich abgehauen.“
„Ja, wahrscheinlich.“
Nur ne persönliche Anmerkungen, ohne irgendeinen Anspruch auf auch nur geheuchelte Objektivität: Ich würde das „vermutlich“ aufgreifen wieder. Das ist so wie wenn einer „Hallo“ sagt, dann wird ihm der Andere oft mit „Hallo“ antworten, auch wenn er selbst eine andere Grußformel bevorzugt … und davon ab, klingt es einfach cooler.
Ja … vermutlich.

Er hat mir einen Drink spendiert. Dann habe ich ihm einen Drink spendiert.
Ich weiß nicht … „Drink spendiert“, warum nicht einfach „er hat mir einen ausgegeben“. Also, dieses „Drink“ ist jetzt, meiner Ansicht nach, nicht gerade ein Glanzpunkt in einem deutschen Satz. Und grade weil es wenig später mit diesem urdeutschen „Kumpel“ kollidiert.

Der andere Angreifer weicht irritiert zurück, weiß nicht mehr, was er machen soll. Und dann geht alles ganz schnell.
Ehm, der Satz vorher ist schon schnell. Also im Satz vorher wird das Tempo der Handlung schon deutlich angezogen, durch das verkappte „weiß nicht mehr“, das Asyndeton. Dann kommt die Ankündigung: „Und dann geht alles ganz schnell“ irgendwie seltsam, weil man denkt: Jau, das seh ich doch schon am letzten Satz.

Sie hatten einen Detektiv beauftragt, dem tatsächlich das gelang, was die Polizei nicht schaffte
Der Text hat so nen seltsamen Hang zur Behäbigkeit. Also gerade den Satz, der würde mit nem einfachen Kniff doch viel Eleganz gewinnen: Sie hatten einen Detektiv beauftragt, dem gelang, was die Polizei nicht schaffte

Also: Logik-Loch: Der Detektiv findet raus, wer Walker ist und er ruft die beiden Stewards an, aber dann warten sie auf ihn nicht an der Adresse, die er ihnen vermutlich genannt hat, sondern verfolgen ihn in irgendeine Bar. Warum ist dann der Detektiv nicht in der Nähe? Der hätte Walker dann doch beschatten müssen und die beiden anderen per Handy ständig auf dem neuesten Stand halten müssen, wo Walker denn nun gerade ist.
(Zumindest unglaubwürdig: Sich im Suff mit einem Wildfremden über die tiefsten und persönlichsten Dinge zu unterhalten … so was mag es geben, aber es ist doch ziemlich oft ein Klischee, oder?)
Zweitens: Ich dachte, es wird so eine „Walker ist in Wirklichkeit auch der Erzähler“-Geschichte, wie in „Das geheime Fenster“ mit Depp/Tutorro. Von daher hab ich dann auf diese Pointe hingelesen und wurde überrascht, das haut schon hin und erschließt sich dann nachher erst, du hast mir einen Gefallen getan, jetzt tu ich dir einen.
Aber: Der Mittelteil dann hat halt wenig damit zu tun und zeigt nur, über einige Absätze an, dass Walker zu einem Mord fähig ist. Da stimmt die Gewichtung vielleicht nicht so ganz.

Ja, ich halte diese Rückwärts-Chronologie zusammen mit solchen „Alternativ-Welt“-Szenarien á la Vaterland für so ziemlich das kniffligste, was man erzähltechnisch überhaupt machen kann.
Deine Geschichte ist schon gelungen, allerdings kam kaum Flair auf. Die Figuren gewinnen kein Format, die Sprache bleibt hinter den Erwartungen, die ich automatisch an einen deiner Texte hab (so unfair das auch ist), zurück. Und der Plot wirkt schon arg konstruiert.
Fazit: Aufgabe erfüllt, aber der Geschichte mangelt es ein wenig an Seele und Esprit.

Gruß
Quinn

 

Hallo Nothlia,

danke für deine Kritik. Ja, an die Brillanz und die Klasse von Memento - das war mir von Anfang an klar - wird mein Plot nicht mal ansatzweise heranreichen. Es war ja nur das Beispiel für das TdM, deshalb geriet ich noch mal kurz ins Schwärmen.

Eine solche Geschichte zu schreiben ist wirklich verdammt schwer. Da du es selbst schon probiert hast, muss ich dir das nicht erzählen. In der Tat denkt man wahrscheinlich zu mechanisch und strukturiert, und verliert dabei vieles andere zu sehr aus den Augen. Aber die Herausforderung hat mich echt gereizt. Sonst hasse ich eigentlich Themenvorgaben, schon seit der Schulzeit. Schade, dass der Text dich nicht überzeugen konnte.

Hallo Quinn,

danke für deine Meinung und die engagierte Textarbeit. Du wirst sehen, dass nahezu alles zu entsprechenden Veränderungen führte. Das Logik-Loch mit dem Detektiv habe ich verändert, indem ich ihn einfach verschwinden ließ - hoffentlich habe ich die Stelle nicht verschlimmbessert. mal sacken lassen.

Dass zwei Typen in Bierlaune sich ziemlich intime Dinge erzählen, ist nach meinen reichen Erfahrungsschatz nicht ungewöhnlich. Vor allen Dingen, wenn der eine im Brass ist.

Zitat: Ja, ich halte diese Rückwärts-Chronologie zusammen mit solchen „Alternativ-Welt“-Szenarien á la Vaterland für so ziemlich das kniffligste, was man erzähltechnisch überhaupt machen kann.

Ich glaub es wird dadurch besonders kniffelig, dass man auch noch das Genre vorgegeben bekommen hat. Horror zählt ja nicht gerade zu meinen Spezialitäten, und echter Horror - wie Nothlia bereits anmerkte, ist es ja auch nicht geworden.

Kurz nachdem ich Memento das erste Mal gesehen hatte, kam mir eine gute Idee für eine Geschichte - die wurde mir dann leider von dem französischen Film 5 x 2 "geklaut". Seitdem denke ich aber immer wieder über solche Plots nach.

Ich danke für deinen ausführlichen und hilfreichen Kommentar.

Hallo Rosta,

vielen Dank für das Lob, das tut echt gut und freut mich sehr. Wie es auch schon aus den anderen Kritiken deutlich wurde: ja, du muss wohl noch etwas mehr Fleisch in die KG, mal sehen, ob ich das noch hinkriege. Schön, dass es dir trotzdem soweit ganz gut gefiel!

Grüße von Rick

 

Hey Rick!

Ja, die Geschichte funktioniert, hab sie beim zweiten Mal auch rückwärts ... also vorwärts gelesen. Komischweise war der Spannungsbogen bei beiden Leseweisen gleich, für mich jedenfalls. Wenn man sie von unten nach oben liest, ist sie natürlich leichter zu verstehen, deshalb meine Frage, hast du sie erst in der richtigen zeitlichen Reihenfolge geschrieben, um sie dann umzustellen. Dann die Informationen am Anfang (z.B den Namen nicht zu nennen) verborgen. Ich frage deshalb, weil ich selbst keine Ahnung habe, wie ich vorgehen soll, ich würd nämlich auch gern so eine Rückwärtsgeschichte schreiben. Hab auch schon eine Idee, nur keinen Schimmer, wie ich das anstellen soll.

Also die meisten Kritikpunkte wurden schon angeführt, ich kann dir da nicht viel Neues sagen. Ich war erst mal begeistert, dass sie sich auch von hinten lesen lässt. Da du auch der erste bist, kriegst du auch einen Bonuspunkt. :D

Immer wieder sticht er auf ihn ein, als wolle er den Kerl zerfetzen, bis der am Boden liegt
Da ist sofort ein Bild.
Der Rest ist solide geschrieben - bei deinen Geschichten ist meist jeder Satz ein kleines Highlight. Hier hast du dich, wie es mir scheint, mehr auf die korrekte Struktur fokussiert. Der Dialog ist dann wieder cool geschrieben - zwar simpel - aber doch gut. Auch sonst, da ist dieser leichte Horror dabei, kein Blutbad, nur kleine Spritzer. Ist aber auch eher was für Spannung/Krimi, finde ich.

Fazit: Umsetzung gelungen! War was anderes verlangt? : )

Cu JoBlack

 

Hallo Rick!

Also die Umsetzung des Themas ist dir auf jeden Fall gelungen, es beginnt mit "Keine Ahnung was abgeht" und endet mit "Aha!". Aber so richtig gefallen hat's mir trotzdem nicht, da der erste Absatz "Mann wird durch Telefonruf aufgeweckt und weiß gar nicht, was am anderen Ende los ist" mir schon zu ausgelutscht ist und die Pointe einen ganzen Absatz zu früh kommt. Vielleicht solltest du die Sache mit dem Missbrauch mehr verschleiern, jedenfalls wusste man zu früh, was los ist.

Also: Thema geglückt, wenn auch nicht sonderlich überraschend - aber das stell ich mir auch sauschwer vor. Daher::thumbsup:!

Gruß, scharker

 

also mir hats gefallen :) ich find diese umsetzung super gelungen ^^ man kann die geschichte "vorwärts" und "räckwärts" lesen und bei beiden malen entsteht spannung, bzw endet es mti einem "aha-effekt", wenn auch nicht gerade überraschend. aber ich könnts auch nicht besser. demnach; gerne gelesen :)

 

Hallo JoBlack,

die Geschichte funktioniert deiner Meinung nach vorwärts und rückwärts - da bin ich schon mal erleichtert!

Ich habe sie nicht in chronolgisch geschrieben. Die Idee an sich lag als Fragment schon seit Jahren bei mir in der Schublade ziemlich weit hinten, ich habe sie dann aufgegriffen und mit dem ersten und dem letzten Absatz begonnen. Diese beiden Teile habe ich aufeinander abgestimmt. Dann habe ich die einzelnen Mittelteile "rückwärts" geschrieben. Danach habe ich die Absätze noch einmal in die "richtige" Reihenfolge gebracht und bearbeitet. Und dann wieder in die rückwärtige Form umgewandelt und nochmals abgestimmt.

Wie ich schon an anderer Stelle schrieb: Man ist zunehmend gefangen in Struktur- und Anpassungsüberlegungen und verliert wahrscheinlich das Wesentliche (Plot und Figuren) etwas aus der Optik. Deshalb bin ich mir nicht sicher, ob das wirklich der richtige Weg ist. Vielleicht hat jemand anderes viel bessere Strategien

Danke auf jeden Fall für deinen wohlmeinenden Kommentar und dein Lob für eine gelungene Umsetzung.

Hallo Scharker,

schön, dass du die Umsetzung grundsätzlich okay findest. Ja, mit dem Plot werde ich sicher keinen Innovationspreis gewinnen, da hätte ich wohl ein Jahr gebraucht, um innerhalb der Vorgaben auch noch allen anderen Anforderungen gerecht zu werden.

Die für mich entscheidende Pointe ist aber nicht im vorletzten Absatz zu finden. Die eigentliche Pointe soll eigentlich der letzte Satz sein, in Reflektion zum ersten Absatz. Dachte eigentlich, das käme deutlich raus. Im vorletzten Absatz musste ich nur aufzeigen, zu was Walker fähig ist, um die Leserfantasie entsprechend zu bedienen, damit klar wird, was Walker eigentlich bei der Ex-Frau des Prots machen wird.

Danke für deine Meinung.

Hallo Nakio,

freut mich, dass es dir gefallen hat. Eine große Überraschung steckt wohl nicht in der Story, aber ich erhoffte mir halt etwas Spannung durch den Aufbau. Das die KG in beide Richtung gelesen bei dir zumindest einen "Aha-Effekt" erzielte, ist schon eine wertvolle Bestätigung dafür, dass das Konzept grundsätzlich trägt.

Danke für deinen Kommentar.

Grüße von Rick

 

Hallo Rick!

Deine Geschichte gefällt mir gut, der Spannungsbogen stimmt, auch wenn es keine Horrorgeschichte in dem Sinne ist, aber das haben die anderen ja schon gesagt.
Ein bisschen holprig fand ich den Einstieg. Für mich klingt er etwas zusammengeschustert, so als hättest du ihn oft hin- und hergebogen und naja, der ist halt nicht rund. Die Stelle hier z.B.

Sie stammen doch aus zwei völlig verschiedenen Welten. Sie können sich nicht kennen. Das passt alles nicht zusammen und schon gar nicht, wenn man morgens um Drei damit konfrontiert wird.
Dieses Welten-Thema: Also entweder hab ich das nicht gerafft, oder ich habs überlesen oder es ist gar nicht weiter wichtig für die Geschichte. Bloß in Horror rechne ich mit allem, also auch mit unterschiedlichen Welten und so :) naja, aber das wird halt nicht weiter aufgegriffen und deshalb finde ich das ein bisschen seltsam. Wenn das einfach nur verdeutlichen soll, dass Sandy und dieser Walker überhaupt keine Verbindung zueinander haben usw., würde ich das anders ausdrücken. Die Formulierung "Das passt alles nicht zusammen" stört mich auch etwas.
Nach dem ersten Abschnitt kommt die Geschichte allerdings in Schwung und die Pointe sitzt auch.
Eins ist mir noch aufgefallen: Das Verhalten Walkers finde ich ein bisschen unschlüssig. Er sticht die zwei Typen ab, die ihn zusammengschlagen haben, aber den Prot. lässt er einfach so gehen? Ich meine, im Affekt würde er den sicherlich auch umbringen, er ist ja dann Zeuge und alles. Okay, aber dann gäbe es die Geschichte auch gar nicht, aber es ist mir halt so aufgefallen. :)

Hat mich gut unterhalten.
Liebe Grüße,
apfelstrudel

 

Hallo apfelstrudel,

danke für deinen Kommentar. Dass die KG die gefiel und dich gut unterhalten hat, freut mich natürlich.

Nun zu den Anmerkungen. Mit deinem Beispiel, was dich am Anfang stört, triffst du einen wunden Punkt. Mir hat das mit den "Welten" auch nicht so gut gefallen. Da hatte ich in der Tat eine fröhliche Bastelstunde nach der anderen. Es hatte natürlich den Grund, deutlich machen zu wollen, dass der Prot zunächst überhaupt keine Erklärung hat, warum Walker bei seiner Ex in der Wohnung ist. Ich habe aber immer irgendwie auch gespürt, dass es auf diese Weise beschrieben doch zu überladen wirkt - ich hab das mal geglättet. Weniger ist meistens mehr. Danke für den Hinweis.

Das Verhalten Walkers am Ende allerdings ist doch eigentlich ganz normal *g*. Ein "guter Kumpel" hilft ihm aus der Klemme. Warum sollte er dem was antun? Statt dessen erweist er halt seinem guten Kumpel auch eine kleine Gefälligkeit.

Insofern eigentlich schon schlüssig und ganz in der Tradition von Patricia H. und Alfred H.

Danke für's Lesen, kommentieren und die Inspiration, am Einstieg noch einmal Hand anzulegen.

Grüße von Rick

 

Hallo Rick!

Dein erster Satz hat eine gewisse Ähnlichkeit mit dem jener Geschichte, die bisher erst in meinem Kopf existiert, nur daß da jemand an die Tür klopft. Womit ich eigentlich nur Quinns Kritik daran unterstreichen kann. Andererseits kann ich mir für meine Geschichte genausowenig einen anderen Anfang vorstellen, wie Du vermutlich, weil es einfach ein Unterschied ist, ob jemand anruft oder anklopft, wenn man normalerweise schläft oder zu einer normalen Tageszeit. In der Nacht oder sehr zeitig in der Früh läßt so ein Wecken schon von vornherein etwas Unangenehmes vermuten, was sich in meinen Augen hier doch auf die Spannung auswirkt, denn ich weiß vom ersten Satz an, daß der Anruf etwas Bedrohliches hat.

Und die Spannung, die der erste Satz verspricht, hältst Du dann auch durch bis zum Schluß. Besonders stark fand ich die Wendung in dem Kampf, bzw. wie sich herausstellt, daß der Protagonist den Falschen festgehalten hat … :eek: In der Vorstellung steckt für mich schon Horror genug drin! Und dann natürlich, als klar wird, was Walker bei der Ex vorhat.
Ich finde auch alles recht glaubwürdig, und daß so etwas jedem passieren könnte, wenn er dem Falschen ein paar Worte zu viel erzählt, macht es zumindest in meinen Augen noch gruseliger.
Natürlich hätte sie ebenso unter Spannung gepaßt, und sogar nach Gesellschaft, da Du nicht nur das zu schnelle Vertrauen als Thema hast, sondern auch Zivilcourage. Und daß er die Schuldgefühle trotz Anerkennung seiner Unschuld nicht wegbekommt, ist auch psychologisch stimmig.

Zu mager finde ich sie auch nicht, weil mir nichts fehlt. Alles andere wäre Geschwafel, und ich sehe nicht, wo in der Geschichte Platz für Geschwafel wäre. ;) Da bleiben nur ein paar kleine Kritikpunkte, die womöglich noch zu weiterer Abmagerung führen könnten:

»Dann ist es mir völlig schleierhaft, warum er bei Sandy in der Wohnung ist.«
– das »es« kannst Du streichen, und wäre nicht »wie er in Sandys Wohnung kommt« treffender als die Warum-Frage? Das Warum ist ihm ja nicht wirklich schleierhaft, eher, wie er sie ausfindig gemacht haben kann.

»wenn man morgens um Drei damit konfrontiert wird.«
– um drei

»Walker flüstert nur:„Danke, mein Freund!“«
– Leertaste fehlt nach dem Doppelpunkt

»ich habe mich mutig dazwischen geworfen.«
– zusammen: dazwischengeworfen

»Ich bin einfach nicht clever genug, den Fragen der Presse ständig auszuweichen.«
– »ständig« würde ich streichen

»„Sagte ich das nicht gerade?.“«
– da ist ein Punkt, der nicht hingehört

»Wir begegnen uns in dieser Bar, kommen ins Gespräch und unterhalten uns eine Weile. Ich könnte nicht einmal mehr sagen, wie lange.«
– »Ich könnte nicht einmal mehr sagen« finde ich unpassend, da Du ja in Gegenwart schreibst. Vielleicht eher sowas wie »Ich vergesse die Zeit«?

»Dann hebt Walker schweratmend den Kopf«
– würde ich eher auseinander schreiben: schwer atmend

»Schließlich erzähle ihm von Sandy.«
– ich

»Ich erzähle ihm alles, bin froh, endlich mal mit jemanden drüber reden zu können,«
– »… alles und bin froh« gefiele mir besser, und »darüber« statt »drüber«

„Der Teufel soll Sandy holen!“, sage ich und stoße grinsend mit Walker an.
Toller Schluß!

Liebe Grüße,
Susi :)

 
Zuletzt bearbeitet:

Hallo Häferl,

vielen Dank für deine ausführliche Kritik, über die ich mich sehr freue. Ganz besonders auch darüber, dass du insgesamt zu einer positiven Meinung kommst - was speziell bei einer solch schwierigen Aufgabenstellung natürlich doppelt erfreulich ist!

Die Änderungsvorschläge werde ich alle so schnell wie möglich durchführen, das hilft sehr bei dem Ziel, eine möglichst perfekte Arbeit abzuliefern.

Interessant, dass du bei Gedanken zu dieser Thematik bei einem ähnlichen Einstieg gelandet bist - das drohende Unheil praktisch von Anfang an deutlich machen. Ich hoffe, dass du in deinen Planungen schon so weit vorangeschritten bist, dass du zu diesem anspruchsvollen TdM auch noch eine Variante liefern kannst, ich bin mal gespannt. Der wirkliche Horror bei der Sache ist, dass für das denkbar schwierigste Thema als Frist der kürzesten Monat ausgewählt wurde (auch wenn der dieses Jahr nicht ganz so kurz wie üblich ist). Aber das hat für mich letztendlich einen zusätzlichen Reiz ausgemacht. Zeitdruck ist einer meiner kreativsten Berater.

Es ist eine schöne Bestätigung, dass deiner Ansicht nach der Plot nicht mehr "Geschwafel" benötigt. Ich habe mir gedacht, dass eine solche Art Text möglichst kurz und bündig sein muss, um seine Schlüssigkeit in sich vorwärts und rückwärts zu entfalten. Eine komplizierte Geschichte mit tiefgreifenden Persönlichkeitsbeschreibungen würde meines Erachtens der Sache eher schaden. Sowas beherrschen dann wahrscheinlich nur die großen Könner, die irgendwo bereits am nächsten oscarreifen Drehbuch werkeln.

Bei der Frage des Prots am Anfang, WARUM Walker in der Wohnung seiner Ex-Frau ist wollte ich deutlich machen, dass er eben zunächst schlaftrunken iso gut wie gar nichts peilt. Bei seinem damaligen Gespräch in der Bar hätte er ja nie auf die Idee kommen können, dass daraus die Initialzündung für Walkers Pläne entsteht, seinem Helfer in der Not aus seine ganz perfide Art "Danke" zu sagen. Insofern ist die Frage nach dem Warum für mich (und meinen Prot) im ersten Moment und als erste Überlegung viel wichtiger als dei Überlegung, wie Walker in Sandys Wohnung gekommen sein könnte. So waren jedenfalls meine Gedanken zu diesem Punkt.

Also, ich drück die Daumen, dass dir auch noch ein guter Plot einfällt (sofern du das planst) und danke dir noch mal für deine Kritik.

Grüße von Rick

 

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