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Copywrite Weißes Fell und Menschenhaut

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Weißes Fell und Menschenhaut

Von den Schrecknissen des Niemandslandes gibt es eines, das alle anderen überragt: der Lykanthrop. Obgleich nicht jeder von ihnen in seiner verwandelten Form vom gewöhnlichen Wolf zu unterscheiden ist, ist der Werwolf eine bösartige Kreatur, geschaffen durch böse Flüche oder Inzucht und anderes unheiliges Treiben.
Ich möchte voranstellen, dass entgegen des landläufigen Glaubens der Biss eines Werwolfs das Opfer nicht zu einer Kreatur gleichen Ranges macht. Vielmehr verwandelt sich das Opfer in einen Wolf und wird mit der Zeit vergessen, wer es war. Es wird ein willenloser Diener des Lykanthropen, der sich so ganze Meuten schaffen kann.
- Felven von Bleckenfels, Wanderscholar

Dem Hammerschlag folgt ein Blutregen, der sich auf dem umliegenden Morast absetzt. Anna holt erneut mit ihrem Kriegshammer aus. Vor ihr liegt ein alter Mann, das Gesicht eingedrückt, der Brustkorb auseinandergerissen. Gerade einmal an den ledrigen Händen kann man noch das Alter ablesen. Von den Bissspuren erkennt man nichts mehr.
Ich sehe meiner Zwillingsschwester zu, sitze an einen Baum gelehnt. Ich bin erschöpft, stinke nach Schweiß und bin voller Blut. „Ist es geschafft?“, rufe ich.
Anna lässt von dem Mann ab. „Nun gut, ich hole den Torfstecher.“
Sie geht los und ich ziehe mich zwischen die Bäume zurück. Vor fünf Jahren bin ich das erste Mal außerhalb der Burg aufgewacht. Voller Blut. Und es war nicht mein eigenes.
Ich höre die Schritte von Anna und einer weiteren Person.
„Meine Güte, Herrin van Vlegge!“, keucht eine männliche Stimme.
„Sei still, Alvar. Mach deine Arbeit.“
„Herrin van Vlegge!“, begehrte er noch einmal auf. „Warum tut Ihr das?“
Anna antwortet nicht. Ich kann sie mir jedoch bildlich vorstellen, wie sie vor dem gebeugten Torfstecher steht und einfach nur abwägend ihren Kriegshammer begutachtet. Das ist ihre Idee gewesen. Es gibt zwar zuhauf Hunde und Wölfe in der Gegend, doch die richten keine so schlimmen Wunden an wie ich. Deswegen verrichtet Anna ihr Werk. Um die Spuren zu verwischen. Ich glaube, es macht ihr Spaß.
„Die Menschen werden unruhig, Herrin van Vlegge! Ihr seid unsere Herrin, aber wenn die Angst zu groß wird … vielleicht tun sie etwas Unüberlegtes!“
„Muss ich meine Männer rufen, Alvar?“
Die Antwort war ein eifriges Scharren in der Erde.

„Können wir sie nicht einfach begraben?“, fragte ich einmal. „Dann kriegt es keiner mit.“
„Bis einer auf der Suche nach den Toten ihre Gräber findet? Nein, die Menschen brauchen eine Geschichte, damit sie keine Fragen stellen“, sagte Anna. „Und die Geschichte ist, dass ich eine blutrünstige Tyrannin bin. Jeder Landstrich Fiskgards kennt seine wahnsinnigen Adeligen. Da werden ausgerechnet die Bauern Olavstadds sicher nicht anfangen, darüber nachzudenken.“
Eine grauenhafte Erklärung. Aber bis jetzt hat sie recht behalten.

Alvar braucht einige Zeit, um das Grab auszuheben. Anna geht bereits los und ich folge ihr so, dass der Torfstecher mich nicht sehen kann. Wir gehen weiter in den Wald hinein, drei Männer aus der Burg erwarten uns. Sie blicken ausdruckslos, wie immer, wenn Anna sie auf ihre „Ausritte“ mitnimmt. Ich schließe zu Anna auf, sie läuft kommentarlos zügig weiter in Richtung der Straße, wo ein vierter Wächter aus der Burg mit den Pferden wartet. Plötzlich wird mir flau, ein seltsames Kribbeln geht mir durch die Fingerspitzen und die Knie. Ich bleibe stehen, schließe die Augen. Es fühlt sich an, als würde sich alles drehen.
„Maria!“
Ich spüre Druck um meinen Oberkörper, reiße die Augen auf. Anna steht bei mir, einer der Wächter hinter mir. Ich hänge in seinen Armen wie ein nasser Sack. „Was ist passiert?“
„Du bist einfach umgekippt. Mach jetzt keinen Unsinn.“ Anna schüttelt den Kopf. „Du reitest bei mir mit, wir schaffen dich zur Burg und dann ruhst du dich aus.“

Jasper weicht Annas Angriff durch eine leichte Drehung aus und verpasst ihr mit seinem Holzschwert einen Schlag auf die Hand. „Nicht so ungestüm, Fräulein Anna.“ Er sieht zu mir und grinst schelmisch. Anna versucht sofort den nächsten Angriff, doch Jasper ist keineswegs abgelenkt. Er hat sie nur provozieren wollen. Unter dem Schlag taucht er durch und fällt aus, lässt das Holzschwert kurz vor ihrem Hals stehen. Sein Lächeln verschwindet. „Es ist mein Ernst, Fräulein Anna. Wenn Ihr so ungestüm auf einen ausgebildeten Schwertkämpfer zustürmt, nützen meine Lektionen nichts.“ Anna macht einen Schritt zurück und wirft das Holzschwert achtlos zur Seite. Wie häufig verlässt sie den Kampfraum ohne ein weiteres Wort.
„Wollen wir es versuchen, Fräulein Maria?“, fragt Jasper. Er zeigt sein verschmitztes Lächeln, das so viel besser zu ihm passt als die grimmige Miene, die er aus der Armee mit zu uns gebracht hat. Dieser schreckliche Bart. Zum Glück konnte ich ihn bald nach seiner Anstellung überzeugen, ihn gehörig zu stutzen.
„Ich glaube, für heute ist es genug.“ Ich hänge das Holzschwert hastig auf und laufe zur Tür.
„Ist alles in Ordnung?“
„Alles gut“, sage ich hastig und verschwinde durch die Tür. Schnell gehe ich Anna nach, deren Schritte in den steinernen Gängen der Burg laut widerhallen.
„Anna, warte!“, sage ich gerade so laut, dass es noch kein Rufen ist. Meine Zwillingsschwester dreht sich um, das blonde Haar klebt ihr schweißnass im Gesicht. „Was ist?“
„Ich muss mit dir sprechen.“ Ich ziehe Anna einen Gang weiter in meine Kemenate.
„Es ist wegen Jasper.“
Anna hebt die Hände. „Als ob ich das noch nicht mitbekommen hätte. Es ist mir scheißegal, mit wem du …“
„Das ist es nicht. Doch. Es ist …“ Ich lege die Hände auf meinen Bauch. Anna reißt die grauen Augen auf, die im dämmrigen Licht fast schwarz erscheinen. Dann schlägt sie mir mit der flachen Hand ins Gesicht. Es brennt.
„Du dummes Mädchen.“ Sie lässt sich auf eine Bank fallen und vergräbt das Gesicht in den Händen. Sie hat sich immer um mich gekümmert. Zwischen den Fingern nuschelt sie hervor: „Du dummes, dummes Mädchen. Bist du dir sicher?“
„Ja. Ich glaube, ich kann mit Jasper darüber reden, aber … ich habe Angst.“
„Die solltest du auch verdammt noch mal haben.“
Ich antworte nicht und Anna sieht auf. „Du meinst wegen der anderen Sache.“
Mein Mund ist trocken und ich kann nicht antworten.

Wir sitzen abends in meiner Kemenate zusammen. Ich hocke am offenen Fenster sehe hinaus in den dunkler werdenden Himmel. Anna steht vor mir. „Was hat er gesagt?“
„Er war erst geschockt“, sage ich langsam. „Aber dann hat er mich in den Arm genommen.“ Ich sehe zu meiner Zwillingsschwester. „Er liebt mich, Anna. Wirklich. Wir können das vielleicht schaffen.“
„Er liebt dich, so ist das also. Maria! Er ist ein Schürzenjäger. Wenn er dich lieben würde, dann hätte er seinen Samen auf den verdammten Boden gespritzt!“
„Sprich nicht so von ihm! Er ist ein besserer Mann, als Vater für mich aussuchen würde.“
„Du bist verrückt. Meinst du, Vater wird dich mit Jasper hier einfach aus der Burg herausspazieren lassen?“
„Leise, Anna, verdammt. Ich weiß doch auch nicht, was wir tun sollen. Aber ich wollte wissen, wie Jasper dazu steht. Und er steht zu mir.“

Ich stehe zwischen den Bäumen und beobachte aus einigem Abstand die Arbeit des Torfstechers. Mit einem Spaten lockert er den Boden auf. Immer wieder wirft er Blicke über die Schultern in Richtung Olavstadds, seines kleinen Dorfes. Neben ihm liegt die Leiche eines Bauernjungen. Er ist beinah auseinandergerissen, durch grobe Hammerschläge ist sein Gesicht nicht mehr zu erkennen, der Leib eingedrückt.
Der Torfstecher hat einen seltsamen Geruch an sich. Einen, den ich trotz der Entfernung wahrnehme, trotz des zerfleischten Jungen neben ihm. Ich atme den Duft ein, der anziehend und abstoßend zugleich ist, wie verrottendes Obst. Trete zwischen den Bäumen hervor und mache einige Schritte auf ihn zu, bleibe an einem Holzzaun stehen. Da sieht Alvar auf. „Herrin van Vlegge, Ihr seid noch hier?“
Ich antworte nicht. Er hält mich für meine Schwester. Ich beginne zu zittern. Der Geruch bekommt weitere Nuancen. Alter Schweiß, etwas Saures. Und dahinter liegt Gefahr. „Herrin van Vlegge, sind Eure Männer schon fort?“
Alvar sieht sich um.
„Mach deine Arbeit, Torfstecher“, befehle ich und versuche so herrisch wie Anna zu klingen. Doch er fixiert mich weiter und seine Augen verfärben sich von einem stumpfen Braun in ein stechendes Gelb. Alvar lässt den Spaten fallen und geht auf mich zu. Haare beginnen ihm aus der Haut zu sprießen, seine Knochen sich darunter zu verformen. Er wächst in alle Richtungen, überragt mich bereits nach den ersten beiden Schritten um drei Köpfe. Und mit jedem Schritt scheint er weiter zu wachsen. Ein Werwolf. Noch einer.
Ich wirble herum und renne in den Wald. Im Augenwinkel sehe ich, wie Alvar auf alle Viere geht. Ich habe mich noch nie absichtlich verwandelt. Immer nur bei Vollmond, wenn ich keine Wahl habe, wenn es mich überkommt. Ich hätte auch keine Chance gegen ihn.
Im Zickzack spurte ich zwischen den Stämmen hindurch. Richtung Straße. Irgendwo dort muss Anna sein, dann sind wir in Überzahl. Es kann nicht weit sein … Ich sehe den Wolf mit dem blaugrauen Fell an mir vorbeipreschen, in den Alvar sich verwandelt hat. Er ist groß wie ein Brauereigaul.
Alvar weiß, wo ich hin will. Ich brauche ein Versteck. Tiefer im Wald wird es hügeliger. Oft genug habe ich mich dort in kleinen Schlupflöchern versteckt, wenn es mich an einem Vollmond ins Niemandsland getrieben hat.
Ich wende mich nach links, höre seine donnernden Schritte hinter mir. Der Wald wird bald dichter, dann habe ich einen Vorteil gegenüber diesem Monster. Die Bäume ragen hier hoch, ihre dichten Kleider aus Tannennadeln schlucken das spärliche Licht der Morgensonne. Es ist dunkel hier – und ich übersehe die knorrige Wurzel.
Ich schlage der Länge nach auf dem harten Waldboden auf, schmecke Erde im Mund. Sofort rapple ich mich auf. Der blaugraue Wolf steht kurz vor mir. Geifer läuft ihm aus dem Maul, als er genüsslich nähertrottet. Ich erinnere mich an eine der ersten von Jaspers Lektionen. Selbst wenn ein Gegner größer und stärker ist als du, kannst du ihn besiegen. Wenn du ihn reizt.
Ich sehe mich hektisch um. Dort. In dreißig Metern zu meiner rechten ist ein Abhang. Alvar steht direkt vor mir, sieht mir in die Augen. „Hab ich dich“, gurrt er beinah.
Mein Tritt trifft ihn unvermittelt mitten auf die Schnauze. Er schreckt zurück, sicher mehr aus Überraschung als aus Schmerz, und ich renne los. Das Knurren des Werwolfs hinter mir lässt meine Knochen vibrieren. Ich muss rennen. Zum Abhang. Wegducken. Rennen. Dann wegducken.
Ich renne – und der Werwolf trifft mich mit der Wucht eines Pferdes im vollen Galopp. Er ist zu schnell für mich und jetzt will er nicht mehr spielen. Die Welt vergeht in einer Mischung aus dem dunklen Grün der Tannen, dem tiefen Braun des Bodens und dem viel zu fernen silbernen Funkeln des Morgenhimmels. Ich spüre einen Schmerz an meinem Arm. Der Farbenrausch um mich erhält einen Rotton.
Langsam wird das Bild klarer und als das dumpfe Pochen in meinem Schädel nachlässt, begreife ich, dass Alvar mir in den Arm gebissen hat. Nicht in den Kopf, den er mit Leichtigkeit zerquetschen könnte. Er will, dass ich mich verwandle. Glaubt, ich wäre ein einfacher Mensch und würde ein einfacher Wolf werden. Ich kippe auf die Seite, ziehe mich über den kalten Boden. Aus meinen Armen schießen weiße Haare hervor. Ich habe mich nie absichtlich verwandelt. Der Schmerz und die Orientierungslosigkeit machen es leichter.

Ich renne über den gefrorenen Boden. Äste knacken unter meinen Pfoten, Blätter rascheln um mein weißes Fell. Ich muss rennen, rennen. An meinem rechten Vorderbein pocht es, ich spüre das Blut aus der Bisswunde strömen. Ich bin noch nicht weit gekommen und meine Kräfte lassen schon nach. Aber er wollte mich nicht töten. Ich bleibe stehen, spüre das Zittern im ganzen Körper. Langsam drehe ich mich um, rieche den Duft meines eigenen Blutes, mit dem ich eine Spur durch den Sumpf gelegt habe. Es ist still. Es gibt keine Vögel mehr, keine anderen Tiere. Nur Hunde und Wölfe.
Sein Jaulen hallt durch den Sumpf. Einmal. Dann ein zweites Mal und diesmal findet es vielfache Antwort. Ich bin aus Reflex geflohen. Jetzt muss ich zurück, bevor er erkennt, dass er mich nicht verwandelt hat. Ich recke meine Schnauze in die Luft und antworte dem Jaulen. Dann trabe ich in die Richtung, aus der ich gekommen bin.

Wir folgen dem Menschenwelpen durch den Wald. Der Blaugraue, unser Anführer, hat zuerst angegriffen, doch jetzt wollen wir spielen. Setzen ihm nach. Das Gras knistert unter unseren Pfoten, als wir durch den Wald eilen. Wir scheuchen ihn vor uns her, geben keine Laute von uns. Nur hie und da lässt einer mit Absicht einen Busch rascheln. Jedes Mal winselt der Menschenwelpe aufs Neue los. Ich kann seinen sauren Schweiß riechen. Die Angst. Er stößt sein Jaulen aus, als er über einen Ast stürzt. Der Rote ist sofort auf ihm, doch der Menschenwelpe springt auf, schüttelt ihn ab. Lange rote Kratzer ziehen sich über seinen Rücken. Er rennt weiter – die Panik scheint ihm neue Kräfte verliehen zu haben. Wir werden schneller. Mit einem Mal fühlt es sich an, als wäre mir ein Fels auf die Brust gefallen.
Hechelnd komme ich zum Halt. Sehe, wie der Braune kurz stehenbleibt und mich ansieht. Er bleckt die Zähne. Schwäche wird nicht geduldet. Ich knurre zurück, ziehe die Lefzen an und lege die Schultern zurück. Bereit zum Ausweichen – oder zum Sprung. Der Braune gibt ein fast schon pfeifendes Fiepen von sich und folgt der Meute. Langsam atme ich durch. Mein Körper ist schwerer geworden. Es ist das Kind in mir. Ein leises Jaulen befreit sich aus meiner Kehle. Ich hatte es fast vergessen. Vergessen. Ich trage das weiße Fell schon zu lange.
In diesem Zustand ist eine Flucht unmöglich, der Blaugraue würde mich immer mit Leichtigkeit finden und einholen. Und wenn der Welpe erst da war … Die Meute entfernt sich, da höre ich, wie einige Meter rechts von mir ein Ast zerbricht. Der Blaugraue steht dort, größer als ein Pferd. Er blickt mich an. Ich weiche aus, sehe auf den Boden. Obwohl es mir Schmerzen bereitet, laufe ich wieder los. Was wird der Leitwolf mit dem fremden Welpen machen? Und was mit mir, wenn er merkt, dass er mich nicht beherrscht?

Wir ruhen an unserem üblichen Platz. Er kommt zu uns und stinkt nach Mensch, hat ihre Haut einige Tage getragen. „Ihr seid alle wohlauf, gut, gut“, sagt er, der Blaugraue in Menschenhaut. Spricht die Sprache der Menschen. Dann wird er wieder zu einem von uns, der Größte von uns allen. Von allen unserer Art, da bin ich sicher. Zu groß, um ihn herauszufordern. Zu stark für mich, für die Weiße. Zu meinen Pfoten kauert der Kleine, der einzige Welpe. Weiß wie ich. Der Blaugraue kommt auf mich zu, schnuppert an dem Kleinen, der gerade so lang wie ein Zahn von ihm ist. Ich blecke die Zähne und knurre ihn an. Bisher hat er den Welpen geduldet. Aber wer kann schon sagen, wie lange noch.
Er sieht mir in die Augen, Gelb trifft auf Blau. „Heute Nacht wird eine Familie wiedervereint. Bist du bereit?“
Ich beende mein Knurren, als ich ein kleines Stück vorschnelle und zuschnappe. Demonstriere, wie ich ihre Kehlen zerreißen werde. Der Blaugraue schnaubt und wendet sich den anderen zu. Ich lecke das Fell des Welpen. Es schmeckt seltsam süß. Er fiept und Fetzen von Erinnerungen ziehen durch meinen Schädel. Da ist mehr als das Schaf, das wir vorgestern gerissen haben.

Wir nähern uns der Straße alle von einer Seite. Die Schritte der Pferde auf der Erde hören wir schon, dann sehen wir durch die Äste und Büsche die Menschen auf ihnen sitzen. Im Mondlicht glitzert ihr angelegtes Fell silbern. Ganz vorne reitet ein Weibchen, das sich rotes Fell übergeworfen hat. Ich zögere. Doch aus den anderen bricht wie durch einen Instinkt das Jaulen, Bellen und Knurren heraus. Ich schließe mich an, höre auf darüber nachzudenken, jaule aus voller Kehle. Unser Geschrei erschreckt die Menschen, aber noch viel mehr erschreckt es die Pferde. Sofort preschen sie nach vorne los, einer der Menschen fällt erschrocken vom Pferd – die Braunen sind sofort bei ihm und zerren ihn in die Büsche, bevor er seinen silbernen Fangzahn ziehen kann. Seine Schreie ersticken und hätten ihm ohnehin nichts genützt. Seine Herde treiben wir voran. In die Fänge des Blaugrauen.

Als wir dazukommen, hat er den Rest der Menschen bereits gerissen. Auf einer Lichtung am Rand der Straße liegen drei zerfetzte Körper herum, ebenso die Pferde, abgesehen von einem, das halb tot und mit riesiger Wunde an der Kehle davonhumpelt. Wir wollen fressen. Doch der Blaugraue richtet sich auf den Hinterbeinen auf, wie es die Menschen tun. „Zwischen die Bäume mit euch. Es ist noch nicht vorbei.“ Die anderen ziehen sich zurück. Der Blaugraue stößt ein seltsames Knurren aus, fast wie ein Gurren. „Weiße, bleib hier. Ich habe etwas für dich.“ Ich bleibe stehen und der Blaugraue zieht einen Menschen am Nacken nach oben. Es ist das Weibchen im roten Fell. Sie hat blonde Haare.
„Erkennst du sie wieder?“, fragt der Blaugraue und hält sie mir vor. Der Geruch. Menschlich süß. Ich erkenne sie, natürlich. Wie unwissend lege ich den Kopf schräg und schlage mit dem Schwanz hin und her. Das Gesicht des Menschenweibchens ist nah an mir. Kaum zu erkennen, eine Hälfte nur noch blutiger Matsch. Anna …
„Du erkennst sie nicht? Nun, wie sieht es bei Euch aus, Herrin van Vlegge? Erkennt ihr, wer vor Euch steht? In Eurem letzten Moment?“
Anna öffnet das eine Auge, das ihr noch gehorcht. Das Grau leuchtet auf. Fast wird es blau. Sie versucht ein Lächeln. Der Blaugraue reißt sie zurück, schleudert sie auf einen Baum, lässt den Kopf zuletzt los. Das Knacken ihrer Wirbelsäule an verschiedenen Stellen schallt über die Lichtung.
Ein Winseln entwindet sich mir. Der Blaugraue beugt sich vor. „Reste von Erinnerungen? Das wird vergehen, Weiße, da bin ich sicher. In wenigen Stunden wird auch nichts mehr übrig sein, woran zu erinnern dir wert sein wird!“

Er ist gekommen und steht in der Mitte der Lichtung, von der Meute umkreist. Die letzten Reste der jugendlichen Leichtigkeit, die ihm das Soldatenleben gelassen hatte, sind weggefegt. Der Bart ist ihm dicht gewachsen in den letzten Monaten, das Haar hat lange keine Pflege mehr gesehen. Jasper. Meine Erinnerungen sind klar.
Der Blaugraue tritt hervor. „Hallo, Jasper.“
„Ich erkenne diese Stimme. Alvar?“
Der Leitwolf gibt mir einen stummen Befehl und ich trotte auf die Lichtung. „Eine lang verschollene Liebe.“
Er sieht mich an. Aus seinen braunen Augen, die früher vor Leichtigkeit gestrahlt haben, sieht er mich an. Und in der Erkenntnis bricht der Blick, genau wie ich es befürchtet hatte. „Das ist unmöglich.“
Alvar stößt ein tiefes Lachen aus. Jasper sieht mich einen Moment länger an. Seine Stirn zerfurcht sich, langsam schüttelt er den Kopf. Seine Augen sind feucht umrahmt. Ich habe dich vor dieser Erkenntnis schützen wollen, Jasper.
„Das ist eine Lüge!“ Er zieht sein Schwert. Jasper und Alvar fauchen sich noch weiter an. Währenddessen sehe ich Jasper einfach nur an. Und an seinem Zorn erkenne ich, dass mein Plan, wenn er aufginge, der richtige sein würde. Für ihn, für mich, für den Kleinen.

Der Kampf geht los, Jasper landet einen frühen Treffer an Alvar. Ich kenne seinen Stil. Er sagte immer, gegen eine Überzahl war nicht zu kämpfen, deshalb konzentriert er sich auf einzelne Gegner. Scheucht die Meute auf, die Alvar auf ihn loslässt. Ich streiche ebenfalls um ihn herum. Abwartend. Die Rotbraunen sind leicht zu beeindrucken, wenn sie das Metall vor ihrer Schnauze sehen. Aber es ist auch immer wieder jemand in Jaspers Rücken.
„Was ist los, Alvar? Bist du so schwach, dass du dich hinter deiner Meute versteckst?“
Alvar stößt einen Schrei aus. Eine Herausforderung ist ausgesprochen, der Leitwolf fühlt sich gezwungen, ihr zu folgen. Er schreitet auf Jasper zu, scheucht die Meute zurück. Unter sich stehen sie auf der Lichtung – und mein Moment ist gekommen. Ich schnelle vor und schnappe zu. Meine Kiefer schließen sich um die Ferse eines Hinterbeins. Der Blaugraue schreit auf, Jasper nutzt seinen Moment und versenkt das Schwert im Hals des Werwolfs. Blut schießt hervor. Alvar schlägt noch einmal um sich, packt Jasper am Genick. Er würde ihn zerbrechen, wenn es sein musste, mit letzter Kraft. Ich beiße noch fester zu. Die Muskeln in den Beinen brennen, als ich an ihm zerre. Dann gerät Alvar aus dem Gleichgewicht und Jasper kommt frei. Sie stürzen aufeinander, doch der Leitwolf ist bereits tot.

Die Meute kommt zwischen den Bäumen hervor. Sie fiepen beinah jämmerlich. Ich knurre sie an. Diesen Kampf habe ich gewonnen. Ich bin nun die Leitwölfin. Mit eingezogenem Schwanz huschen sie davon, zurück zu unserem Platz. Hinter mir kämpft sich Jasper unter Alvar frei. Er sieht mich an und ich blicke zurück.
„Hallo, Maria.“
Es tut mir leid, Jasper.
„Es tut mir leid …“ Er vergräbt das Gesicht in den Händen. Der Gram frisst ihn auf. Doch das wird nachlassen. So kann er abschließen und weiterleben. Und der Kleine und ich können es auf unsere Weise, fernab von allem. Es tut mir leid, Jasper, mein Weg ist nicht an deiner Seite. Er versinkt in seinem Schmerz und schreit in den Nachthimmel. Ich kehre ihm den Rücken und folge der Meute.

An unserem Platz angekommen haben die anderen einen Kreis gebildet. Es gibt nur eine Lücke: Unter dem vorstehenden Felsen, ein Platz wie ein Thron. Ich trotte quer durch den Kreis hindurch. Mit jedem Schritt richtete ich mich auf. Die Knochen verformen sich, das weiße Fell zieht sich zurück. Als Maria van Vlegge spürte ich nach Monaten der Tarnung endlich wieder, was es hieß, ein Mensch zu sein. Nach dem Biss Alvars hatte ich mich als Wolf tarnen müssen. Er musste glauben, er würde mich beherrschen, damit er mich nicht tötet.
Die Meute weicht zurück, doch ich taxiere jeden von ihnen mit einem festen Blick. Mit einem Jaulen erkennen sie mich als ihre neue Leitwölfin an und erschöpft lasse ich mich unter dem Felsen fallen.
Der Kleine schiebt sich durch das Gras auf mich zu. Schnuppert neugierig und erkennt mich dann. Er rollt sich auf meinem Schoß zusammen, schläft ein. Ob er sich jemals in einen Menschen verwandeln kann?

 
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Gude @bernadette,
einen etwas hakeligen Semesterstart später melde ich mich nun auch zu den Kommentaren :)

Ich merke wieder, dass ich mit so Geschichten einfach nichts anfangen kann, sorry.
Danke, dass du dir den Text trotzdem angeschaut hast.

Vielleicht kann ich dir wenigstens ein wenig mit den Korrekturen helfen.
Auf jeden Fall. Das meiste habe ich direkt übernommen, ein paar Verschrobenheiten mir noch vorbehalten (z.B. das Anführungszeichen, das einen Satz ausspart, der "bewusst" ungesagt bleiben soll, aber "gedanklich" nachgeschoben wird).
Vielen Dank auch für die Stilempfehlung, da muss ich noch einmal drüberschauen. Ich habe in kurz vorher bzw. teilweise parallel einen Text geschrieben, der einen absichtlich schlechten Stil haben sollte. Das war da schon eine schlechte Idee und hat hier leider auch seine Spuren hinterlassen. Hoffe, ich komme da wieder raus :aua:

Gude @Chutney,

So hechele (:D) ich dem Inhalt ein bisschen hinterher, versuche die Voraussetzungen zu verstehen.
:D
Ja, leider sehr überladen geworden. Alles aus der Vorlage genommen, eigenes dazugemixt und schließlich nichts gekürzt. Auf jeden Fall was für's Copywrite gelernt :)

Wie gesagt, das Ende finde ich interessant. Auch eine Alternative zu Meuvinds Geschichte, dass sie hier ihre eigene Wahl trifft. Aus werwölfischer Sicht ein Happy end, eigentlich.
Schön, dass das klappt!

"Aber jetzt tue ich es." So hatte ich das erst verstanden und gedacht sie läuft als Wolf weiter. Und was mich an der Formulierung auch irritiert, ist dieses "nie" und dann "nur". Wenn der Vollmond kam verwandelte sie sich also absichtlich? Ich dachte, das überkommt sie so.
Oh ja, die Stelle ist ein Stolperstein. Habe versucht dran zu tüfteln, aber so richtig glücklich bin ich mit der Konstruktion immer noch nicht. Bin vielleicht nach der gut zweiwöchigen Zwangspause auch gerade zu weit weg vom Text.
Momentanter Stand:
"Ich habe mich noch nie absichtlich verwandelt. Immer nur bei Vollmond, wenn ich keine Wahl habe, wenn es mich überkommt."

Vielen Dank für deine Hinweise, damit hast du mir auf jeden Fall weitergeholfen :)

Gude @Nichtgeburtstagskind,
dann auch nochmal hier :D
Am Anfang habe ich eine Bewegung ergänzt, damit sie die Leiche angucken kann und dann nicht mehr zu sehen ist. Besser keine schlafenden Hunde wecken und den Anfang totschweigen. :lol:

Weil sie ist nicht will oder weil sie es nicht kann? Das wird hier nicht deutlich.
Habe dran getüftelt, war eine ziemliche Baustelle. Aktuelle Fassung:
"Ich habe mich noch nie absichtlich verwandelt. Immer nur bei Vollmond, wenn ich keine Wahl habe, wenn es mich überkommt."
Bin nicht so glücklich damit. Aber besser kriege ich es gerade nicht hin.

Ich frage mich in der Verfolgungsszene immer noch, warum sie sich denn nicht einfach verwandelt und als Werwolf gegen ihn kämpft.
Weil er so groß wie ein Brauereigaul ist und sie eben nur so groß wie ein normaler Wolf :shy:
Ihre Größe wird aber erst später wirklich deutlich, daher habe ich hier eine kurze Gedankenreflexion bei ihr eingebaut, dass sie nicht glaubt, dass sie es mit ihm aufnehmen könnte. Danke für den Hinweis, dass das beim Lesen nicht klar wird.

Gude @greenwitch,

sorry, ich bin verdammt spät dran beim Copy, hoffentlich hast Du noch Lust auf einen Kommentar.
Danke für deinen Kommentar! Die nehme ich immer gerne.

mich macht der Titel sofort neugierig
Das ist schön zu hören, sonst kämpfe ich immer sehr mit Titeln :D

nichts schlimmes, aber ich fragte mich kurz, ob die info, dass es ein alter Mann war, irgendwie wichtig ist, im nachhinein
Keine große eigentlich. Die Szene kam später dazu, d.h. die Szene mit dem *jüngeren* Opfer gab es schon. Da dachte ich, dass es etwas bildhafter wird, wenn es einen Kontrast zwischen beiden gibt.

Vielleicht ein wenig Möbelrücken, damit die Reihenfolge passt?
Oh ja :D Da habe ich einen Richtungswechsel von Maria verpasst. Danke für den Hinweis, das ist sonst eine sehr komische Konstruktion.

Hab ich etwas überlesen. Worauf bezieht sich die Erinnerung an ein Schaf?
Hm, das ist ausgelassen. Im Prinzip soll das zeigen: Es ist Zeit vergangen und Maria macht nur noch "Wolfsachen", z.B. Schafe jagen. Da setze ich voraus, dass das Schaf als "typisches Opfer" des Wolfs als Verhaltensmuster angenommen wird.

Als eigenständige Geschichte finde ich es so gelungen, nur das es sich um zwei Schwestern handelt, kommt für mich zu spät. Die beiden Frauen konnte ich ganz gut greifen, der Jasper ist wohl nur als Randfigur gedacht, der hätte mich durchaus auch interessiert, aber irgendwann sind ja bekanntlich die Zeilen einer Kurzgeschichte zu Ende.
Hab Dank für den Ausflug ins Reich der Fantasy, da war ich lange nicht
Guter Hinweis! Es freut mich, dass die wichtigen Figuren gut funktionieren und die Story auch einigermaßen. Dann haben die ganzen Überarbeitungen ja etwas geholfen, das Gestrüpp zu entwirren.

Vielen Dank euch allen und bleibt gesund
Vulkangestein

 
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Gude @Vulkangestein ,

ich bin ganz ehrlich, mit hat der Text in der ersten Fassung mehr zugesagt. Das liegt für mich an mehreren Gründen, ich gehe mal chronologisch durch.

Anna holt erneut mit ihrem Kriegshammer aus. Vor ihr liegt ein alter Mann, das Gesicht eingedrückt, der Brustkorb auseinandergerissen. Gerade einmal an den ledrigen Händen kann man noch das Alter ablesen. Von den Bissspuren erkennt man nichts mehr.

Meine ursprüngliche Idee von Anna ist irgendwie eine ganz andere, als die du präsentierst. Ich muss aber auch ehrlich sagen, dass ich mit der Figur selbst Probleme hatte und sie wohl anders rüberkam, als ich dachte.
Für mich ist Anna die Fürstentochter, die bei Hof beliebt und begehrt ist und Hände schüttelt, Küsse gibt, eben Rang genießt. In Wirklichkeit fuckt sie das Hofleben aber so ab, dass sie, wenn sich zu viel Stress und Hass und falsches Lächelnd aufgebaut hat, sie irgendwohin reitet und sich jemanden zum Dampf rauslassen sucht.
Dieses Dampfablassen ist war für mich etwas, das niemand wissen darf oder soll, erst Recht nicht anderen Adelige, und worüber auch im Sumpf geschwiegen wird. Daher ja auch der unausgesprochene Konflikt zwischen den zwei unausgesprochenen Tyrannen (Ann und Alvar). Deine Anna scheint sich aber stark darüber zu definieren, andere Leute mit einem Kriegshammer totschlagen zu wollen, sogar zu wollen, dass andere das wissen. Ihr gefällt die Angst und die Macht, die daraus erwächst. Das könnte man auch so schreiben, aber dann bräuchte es für mich einen wichtigen Aspekt, den du auslässt: Die Perspektive. Die Geschichte beginnt mit Maria, die am Rand steht und zusieht, wie ihre Schwester jemanden aufs Übelste totschlägt. Maria ist die Progaonisten, die Sympathieträgerin der Geschichte, mit der ich mitfiebern und die ich lieben lernen will. Für jemanden, der vollkommen blind in deine Geschichte schnuppert, muss das sehr verwirren sein, weil keine Sympathiebildung da ist. Wieso soll ich eine Figur mögen, die tatenlos am Rand steht und zusieht, wie ihre Schwester Schädel Unschuldiger spaltet? Und sogar noch weiter, denn du schreibst ja Sachen dazu wie:

Vor fünf Jahren bin ich das erste Mal außerhalb der Burg aufgewacht. Voller Blut. Und es war nicht mein eigenes.

Hier würde ich als ungewisser Leser suggerieren, dass Maria ähnlich verrückt ist wie Anna. Ich hab die Kommentare weiter oben nur überflogen, hatte aber das Gefühl, dass die meisten verwirrt und ein wenig ratlos waren. Wenn ich zu dem Zeitpunkt nach dem ersten Absatz nicht mehr über die Hauptfigur wüsste, als dass sie und ihre Schwester Amok im Sumpf laufen, würde ich wahrscheinlich den Text weglegen. Sry :shy:.
Um den Effekt zu begrenzen, würde ich als erstes Maria anders zu ihrer Schwester zu positionieren: Lass sie dagegen sein, vielleicht dazwischengehen, den Konflikt thematisieren. Eben nicht nur Schultern zucken, sondern Sympathie tragen.
Den zweiten Punkt, bei dem ich mehr Potential sehe (und der den ersten mitbegünstigt), ist die Art der Vermittlung, dass Maria ein Werwolf ist. Du machst es von Anfang an klar, dass sie das ist und auf der Skala der Blutrünstigkeit mindestens auf Annas Stufe steht. Dazu Stellen wie oben oder:

Es gibt zwar zuhauf Hunde und Wölfe in der Gegend, doch die richten keine so schlimmen Wunden an wie ich.

In einer KG von George R.R. Martin (welche genau kann ich aber nicht mehr sagen) beginnt die Geschichte mit einem Mord und dem Protagonisten, der das Blut auf mehrere hundert Meter bei einem Spaziergang erschnüffelt. Ich würde hier ähnlich subtil arbeiten: Nicht sofort sagen, was sie ist, nur andeuten, was sie nicht ist, nämlich ein piepnormaler Mensch. Dann ein paar Brotkrumen streuen und irgendwann die Karten offen auf den Tisch legen. Als Stelle würde sich hier vielleicht anbieten, als Alvar sich verwandelt und sie angreift. Warum nicht einfach Maria mitverwandeln? Einmal grobe Werwolf-Kloppe, bitte!

„Und die Geschichte ist, dass ich eine blutrünstige Tyrannin bin. Jeder Landstrich Fiskgards kennt seine wahnsinnigen Adeligen. Da werden ausgerechnet die Bauern Olavstadds sicher nicht anfangen, darüber nachzudenken.“

Hier nochmal, Anna genießt die Reputation einer Tyrannin. Finde ich an sich gut, dass du die Person so anders entfaltest, aber dieser Dialog strotzt vor einer Selbstverliebtheit, den ich sonst nicht aus der Figur herauslese. Den zweiten Satz finde ich schwach: In allen Fürstentürmern herrschen also wahnsinnige Adelige, lol. Damit würde ich arbeiten. Warum, wie, weshalb? Ist Alvars Fresswahnsinn vielleicht sogar nur das Sympton einer viel tiefer greifenden Krankheit? Und wenn sie wahnsinnig sogar nennt, das finde ich ziemlich reflektiert für eine Frau, die gerade mit einem Hammer einen Schädel geteilt hat. Schließlich zählt sie das sogar dazu, oder? Für mich wiederspricht sich wertender Wahnsinn auf der anderen und sich selbst dazuzählen und als Tyrannin bezeichnen auf der anderen Seite.
Dazu merke ich gerade, dass der zweite Satz an sich kein Sinn macht. Natürlich kennt jeder Landstrich seine Adeligen, es sind ja ihre Adeligen!

„Sprich nicht so von ihm! Er ist ein besserer Mann, als Vater für mich aussuchen würde. Falls er überhaupt wen aussucht.“

Warum sollte er keinen aussuchen? Ich hatte den Text über angenommen, dass der Vater nicht weißt, dass Maria ein Werwolf ist, und wenn doch, glaube ich nicht, dass der seine Tochter fressend durch die Gegend laufen lässt. Selbst wenn der Adel wahnsinnig ist, muss er doch einsehen, dass ein Graftum ohne Menschen kein Graftum ist, sondern ein leerer Sumpf mit einer Burg.

Geifer läuft ihm aus dem Maul als er genüsslich nähertrottet.

Komma nach Maul.

Der Farbenrausch um mich erhält einen Rotton.

Vielleicht Rot-Ton? Musste das Wort mehrmals lesen zum Verstehen.

durch das dumpfe Gefühl meines pochenden Schädels begreife ich, dass Alvar mir in den Arm gebissen hat.

Hä? Er beißt ihr doch in den Arm, nicht in den Schädel.

Heute Nacht wird eine Familie wieder vereint.

wiedervereint.

Jetzt muss ich aufhören. Ich tippe nur noch mit der linken Hand, mein rechter Arm tut bei jedem bewegten Finger weh. Kommt davon, wenn man nur noch am Tippen ist. Fckn Onlinesemester.

Liebe Grüße
Meuvind

 
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Gude @Meuvind,
es folgt der schlimmstmögliche Antwortkommentar: Der Autor erklärt seine Geschichte bzw. verteidigt sie sogar. Aber schau mal, ich glaube, da sind wirklich ein paar Missverständnisse drin.

Die Geschichte beginnt mit Maria, die am Rand steht und zusieht, wie ihre Schwester jemanden aufs Übelste totschlägt.
Nein.
Einen großen Teil deines Kommentars verwendest du auf die erste Szene, die du so deutest, dass Anna ein unschuldiges Opfer abschlachtet. Dabei ist das eigentlich ziemlich klar markiert und wurde bisher auch von sonst niemanden hinterfragt, dass sie Spuren verwischt. Siehe:
"Es gibt zwar zuhauf Hunde und Wölfe in der Gegend, doch die richten keine so schlimmen Wunden an wie ich. Deswegen verrichtet Anna ihr Werk. Um die Spuren zu verwischen."
Maria hat den Mann getötet (-> Werwolf) und Anna verhindert, dass man das erkennt. Sie stellt sich schützend vor sie.
Man kann natürlich als Leser hinterfragen, ob das moralisch richtig ist. Maria bleibt eine Mörderin und Anna schützt sie. Das ist eine sehr verschrobene Form von Schwesternschaft, aber keine von beiden läuft da mutwillig Amok. Das kann eingangs missverständlich sein - und Irritation kann in den Text ziehen. Und wenn ich mir die Szene anschaue, ist es wirklich nicht unmöglich, da die eigentliche Handlung rauszulesen.

Daran würde ich aber anknüpfen:

Den zweiten Punkt, bei dem ich mehr Potential sehe (und der den ersten mitbegünstigt), ist die Art der Vermittlung, dass Maria ein Werwolf ist.
Die erste Szene kann schon missverständlich sein (soweit würde ich mitgehen). Aber das mit dem subtilen Werwolfdasein hat dann erst recht nicht funktioniert. Ich hatte es ja in der ersten Version drin. Es gab Verweise auf Gerüche, auf Eigenheiten, auf den Mond. Das hat bei der Mehrzahl der Leser*innen zu Verwirrung geführt, weil da zu viel mit zu viel Personal passiert, als dass es den Twist noch braucht.
Kann natürlich verstehen, dass das für dich spannender gewesen wäre, da du die Geschichte ja am besten kennst, und die große Novellierung für dich dann sehr direkt wirkt. Aber es hat sonst nicht funktioniert, da würde ich z.B. Novaks Kommentar empfehlen, um dir einen Eindruck zu verschaffen, wie das wirken kann.

Warum nicht einfach Maria mitverwandeln? Einmal grobe Werwolf-Kloppe, bitte!
Ist Geschmackssache, NGK hat es auch gefordert. Aber wenn man es durchdenkt: Der komplette restliche Text funktioniert doch dann gar nicht. Wie soll Alvar auf die Idee kommen, sie wäre ein normaler Wolf, wenn sie sich hier verwandelt?

Den zweiten Satz finde ich schwach: In allen Fürstentürmern herrschen also wahnsinnige Adelige, lol.
Ist halt wörtliche Rede. Durchaus überzeichnend, aber die Protagonistin ist ja auch jung.

Dazu merke ich gerade, dass der zweite Satz an sich kein Sinn macht. Natürlich kennt jeder Landstrich seine Adeligen, es sind ja ihre Adeligen!
*wahnnsinnig. Seine wahnsinnigen Adeligen. Die Konstruktion "Jeder xyz kennt seinen zyx" ist eigentlich relativ geläufig, hier bezieht es sich darauf, dass es Annas Ansicht ist, dass Fiskgard kein moderner Rechtsstaat ist.

Ich hatte den Text über angenommen, dass der Vater nicht weißt, dass Maria ein Werwolf ist, und wenn doch, glaube ich nicht, dass der seine Tochter fressend durch die Gegend laufen lässt. Selbst wenn der Adel wahnsinnig ist, muss er doch einsehen, dass ein Graftum ohne Menschen kein Graftum ist, sondern ein leerer Sumpf mit einer Burg.
Das habe ich etwas in der Schwebe gelassen, sollte ich aber anpassen. Guter Hinweis. Die Flusen nehme ich dann auch gerne mit.

Ein etwas defensiver Kommentar, das tut mir leid. Aber ich bin auch allmählich müde, was den Text angeht.

Liebe Grüße
Vulkangestein

 
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Gude @Vulkangestein ,

ich versuche mich kurz zu fassen, mein Arm tut weh.

es folgt der schlimmstmögliche Antwortkommentar: Der Autor erklärt seine Geschichte bzw. verteidigt sie sogar. Aber schau mal, ich glaube, da sind wirklich ein paar Missverständnisse drin.

Im Gegenteil, du hast Recht. Da bleibt mir auch nichts über, als den Kopf unter den Arm zu nehmen. Hab ich wohl nur mit einem Auge gelesen. Vielleicht hilft es dir aber, wenn ich einfach mal meinen eigenen Kommentar nachgehe und zu verstehen versuche, wo der Haken liegt.

Ich glaube, es ist folgender. Was für mich nicht klar war: Der Mann, auf den Anna eindrischt, ist bereits tot. Hab auch gelesen, du schreibst nirgendwo, dass er noch lebt. Ich glaube, ich habe einfach gar nicht daran gedacht, dass der Mann bereits tot sein könnte, als die Geschichte anfing. Für mich war klar, dass man auf jemanden mit einem Kriegshammer eindrischt, bis er tot ist, und wenn er sich nicht mehr bewegt, lässt man ab. Das stellst du auch richtig, aber erst danach, als du erklärst, dass Anna Spuren verwischt. Für mich muss aber der Gedanke, dass Maria als Werwolf jemanden anfällt und Anna dann ihn mit dem Hammer püriert, irgendwie nicht zugänglich /greifbar gewesen sein. Das würde ja bedeuten, dass Anna bereits damit gerechnet und die Waffe auf Vorrat migenommen hat. Das ist ja kein Messer oder ne Sense, wir sprechen hier von einem Hammer.

Ich kann dir nicht sagen, was zu tun ist und was nicht, nur, was mir helfen würde:

1) Szene früher beginnen. Anna steht über dem bereits toten, mault Maria vielleicht noch an, verbuddelt einen weißen Fellbüschel und drischt dann auf den Toten an. Das würde an sich nichts ändern, wäre nur idiotensicher für Halbblinde wie mich.

2) Maria an den Mord zurückdenken lassen. Die scheint mit dem Tod des Mannes ziemlich abgeschlossen zu haben. Das muss nicht viel sein, aber vielleicht wären ein oder zwei Sätze sinnvoll, direkt nach der Anfangsszene, wo sie im Busch sitzt und darüber grübelt, wie doof alles gelaufen ist. Dass sie vielleicht einfach nur Hunger hatte, du weißt.

Aber das mit dem subtilen Werwolfdasein hat dann erst recht nicht funktioniert.

Das stimmt, das sehe ich jetzt auch anders. Wenn der Mord von Anfang an Maria zugeschrieben wird, kannst du besser mit offenen Karten spielen.

Wie soll Alvar auf die Idee kommen, sie wäre ein normaler Wolf, wenn sie sich hier verwandelt?

Hast Recht, sehe ich auch ein.

Ist halt wörtliche Rede. Durchaus überzeichnend, aber die Protagonistin ist ja auch jung.

Tatsächlich eröffnet sich hier eine ganz neue Schiene. Wie wäre es (vorrausgesetzt, du verfolgst diese Idee sowieso nicht schon und ich habe sie mal wieder überlesen), wenn Anna damit spielt? Sie eigentlich ein vollkommen rationaler, ausgeglichener, blumenliebender (gut, so viel vielleicht nicht) Mensch ist und sie den Bauern alles vorspielt. Ja, das macht sie ja schon, aber damit würde ich arbeiten. Vielleicht erkennt einer der Bauern noch Bisspuren, und sie haut extra mit dem Hammer auf die Stelle, um zu sagen, da wäre nichts. Oder sie wird im Gespräch mit den Bauern zu freundlich und dann wieder überspitzt, um das Bild aufrechtzuhalten. Dazu ein Dialog zwischen Maria und Anna, wo letztere ihre Schwester zusammenkeift und ihr sagt, sie solle sich gefälligst zusammenreißen, und sich Sorgen um die Bauern macht und um ihr Bild in der Öffentlichkeit und so weiter, und wo sie die Maskerade wirklich einmal fallen lässt. Vielleicht gibt es so eine Stelle schon, dann vergib mir.

Aber ich bin auch allmählich müde, was den Text angeht.

Ich weiß genau, was du meinst. Das hatte ich mit Valhaven auch. 36k Wörter drin, aber irgendwann wurde alles zäh und ätzend und allein den Text anzuschauen hat bereits müde gemacht. Das kommt, wenn man arbeitet und schreibt und arbeitet, aber irgendwie dreht sich alles nur im Kreis und man kommt nicht von der Stelle.

Was mir geholfen hat, sind Abstand und Settingwechsel. Abstand, indem ich den Text für vier Monate in die Schublade gelegt und an was anderes gedacht habe, und Settingswechsel, weil ich irgendwann gemerkt habe, dass alle meine Probleme, alle Stellen, an denen ich unzufrieden bin, alles, was mir selbst cheesy und abstoßend vorkam, daran lag, dass ich meinem eigenen Text nicht geblaubt habe. Da ist irgendeine Stadt im Meer, ahja, klar. Ich hab mir die erste Seite angeguckt und mir gedacht, wer glaubt so einen Scheiß?
Jetzt ist Valhaven ein zum Gefängnis umfunktionierter Stadtteil: Alles Wichtige aus der Geschichte passt da rein und Valhaven hat ENDLICH eine Identität, mit seinen engen, schattigen Gassen, darüber den Balkonen, die wie Zahnräder ineinandergreifen, dem stehenden Geruch nach Müll, den Ratten usw. Und seitdem macht das Schreiben daran auch wieder Spaß ( wobei man dazu sagen muss, dass ich das Projekt trotzdem wieder auf Eis gelegt habe, aber das liegt nicht mehr am Roman selbst).

Sry, falls ich dir mit meinem Komm Kopfschmerzen gemacht habe, das wollte ich nicht. Hoffe, ich konnte jetzt was geradestellen. Gott, ich glaube, mein Arm fällt ab.

Liebe Grüße
Meuvind

 
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Gude @Vulkangestein,

ich drücke mich schon seit längerem vor einem Kommentar, weil ich die Story beim ersten Lesen nur schwer verstanden habe, obwohl ich die Vorlage von Meuvind noch sehr präsent hatte. Jetzt hast du viel überarbeitet und ich versuche, bei meinem Blick darauf nur diesen Text quasi freistehend ohne die ganzen Bezüge zu lesen.
Edit: Habe mir erlaubt, konkrete Vorschläge zu machen, wie du mMn kritische Stellen umgehen könntest. Ich hoffe, du nimmst es mir nicht übel ...

Vielmehr verwandelt sich das Opfer in einen Wolf und wird mit der Zeit vergessen, wer es war. Es wird ein willenloser Diener des Lykanthropen, der sich so ganze Meuten schaffen kann.
Das lese ich als den Grund für diese Einleitung, die Vermittlung dieses Fakts, der für das Verständnis deiner Geschichte wichtig ist. An sich ist das Vorangestellte, das so tut, als käme es aus einem Nachschlagewerk, schön, weil es Atmo schafft. Ich werde direkt in die Geschichte gezogen.

Dem Hammerschlag folgt ein kleiner Blutregen, der sich auf dem umliegenden Morast absetzt.
Sorry, dass ich direkt beim ersten Satz einhake, aber kleiner Blutregen geht gar nicht, das ist so was wie ein niedlicher Zimmerbrunnen, der vor sich hinplätschert. Vielleicht holst du Anna mit in den Satz:
Anna holt aus und lässt das beschlagene Eisen in den Schädel krachen. Bei jedem Schlag mit dem Kriegshammer spritzt Blut auf den umliegenden Morast. Von dem alten Mann ist nicht mehr viel übrig, das Gesicht ein blutiger Klumpen, der Brustkorb aufgerissen ...

Ich sehe meiner Zwillingsschwester aus einem dutzend Meter Abstand zu, sitze an einen Baum gelehnt.
Der liest sich etwas gekünstelt, als wolltest du die Prota verorten. Da entstehen nur unnötige Fragen: Kann sie aus zwölf Metern die Bissspuren sehen? Warum sitzt sie gemütlich an einen Baum gelehnt, während ihre Schwester einen Menschen zu Matsch haut? Ginge mMn auch ganz ohne.

Ich bin erschöpft, stinke nach Schweiß und bin voller Blut. „Ist es geschafft?“, rufe ich.
Anna lässt von dem Mann ab. „Nun gut, ich hole den Torfstecher.“
Auch diese Frage „Ist es geschafft?“ bräuchte ich nicht. Wenn das kein einmaliges Ereignis ist, wird sie wissen, dass Anna ihren Job macht, weißt? Da braucht es diese Rückversicherung nicht. Auch wird mir so nicht klar, wer den Torfstecher holt und dass das kein Werkzeug, sondern ein Mensch ist. Ich verstehe das Problem der Exposition, der Figureneinführung, gerade am Anfang, da möchte man sichergehen, dass der Leser alles kapiert. Doch gerade diese Stelle, wo du die Prota einführst, solltest du runterbrechen, einfacher gestalten und ihr mehr Raum geben.

Ich sehe Anna, meine Schwester, meine gesunde Hälfte. Blutbesudelt und doch unversehrt, denn das Blut, das in ihren Adern fließt, ist nicht verdorben wie meines. Es ist wieder geschehen, ich rieche meinen Schweiß von der Jagd, sehe das Blut auf meinen Händen, schmecke es noch auf der Zunge. Ich bin erschöpft, die Glieder schmerzen, doch der Durst ist gestillt, bis zum nächsten Mal. Anna lässt ab von dem Alten, von dem, was von ihm übrig ist und stützt sich auf den langen Griff des Kriegshammers. Es ist vollbracht, die Bisspuren sind nicht mehr erkennbar. Einen stillen Moment lang sehen wir uns in die Augen, dann sagt sie: „Ich hole Alvar.“

Nach der schwierigen Exposition wird es übrigens deutlich flüssiger und dein Text gewinnt zunehmend.

Sie geht los und ich schleppe mich hinter ein paar Bäume, sodass man mich nicht sehen kann, wenn man sich der Leiche nähert.
Wer sollte sich der Leiche nähern, ist da ein Handelsweg oder so was? Würde diese Frage umschiffen, "und ich ziehe mich in die Dunkelheit zurück, beobachte alles weitere aus dem Dickicht unter den Bäumen".

Vor fünf Jahren bin ich das erste Mal außerhalb der Burg aufgewacht. Voller Blut. Und es war nicht mein eigenes.
Es ist ja nicht nur das Blut, da kannst du mehr Register ziehen, geh in die Vollen. Da war dieser unbeschreibliche Durst, der mit Wasser nicht zu stillen war, das Verlangen zu laufen, bis die Lunge pocht und die Zähne hineinzuschlagen in Beute, die nach Angst riecht und versucht, zu fliehen.
Du hast mMn zu sehr die Textkonstruktion im Kopf, wenn du das ausblendest und an einigen Stellen deiner Fantasie freien Lauf lässt, kommt mehr Leben in den Text.

Ich höre die Schritte von Anna und einer weiteren Person.
Klingt so nach Polizeibericht, "außer der Tatverdächtigen war noch eine andere Person anwesend". Schreib doch einfach: Außer Annas Schritten war jetzt noch ein Schlurfen zu hören, von jemandem, der ein Bein nachzog, oder so was.

Ich glaube, es macht ihr Spaß.
Spaß ist mMn das falsche Wort, zu modern, da bin ich bei Spaßgesellschaft. "Ich ahne, es bereitet ihr Freude" fände ich besser.

Jeder Landstrich Fiskgards kennt seine wahnsinnigen Adeligen
Da bin ich bei den Beilen der Firma Fiskars, Absicht? ;)

Aber bis jetzt hat sie Recht behalten.
Bei recht haben, recht behalten ist die Duden-Empfehlung: klein schreiben.

Anna geht bereits los und ich folge ihr so, dass der Torfstecher mich nicht sehen kann. Wir gehen weiter in den Wald hinein, drei Männer aus der Burg erwarten uns. Sie blicken ausdruckslos, wie immer, wenn Anna sie auf ihre „Ausritte“ mitnimmt. Ich schließe zu Anna auf, sie läuft kommentarlos zügig weiter in Richtung der Straße, wo ein vierter Wächter aus der Burg mit den Pferden wartet.
Das wirkt so geschrieben, als wolltest du sichergehen, dass der Leser folgen kann. Ich versteh das auch nicht ganz. Anna ist offiziell die blutrünstige Tyrannin, okay, aber warum darf die Prota dann mit blutverschmiertem Gesicht rumlaufen? Warum ist sie überhaupt vor Ort? Wie lautet dafür die Erklärung gegenüber dem Volk?

Wie häufig verlässt sie den Kampfraum ohne ein weiteres Wort.
zu wenig mittelalt, Schwertsaal? Mit Kemenate machst du es besser.

Anna hebt die Hände. „Als ob ich das noch nicht mitbekommen hätte. Es ist mir scheißegal, mit wem du …“
„Das ist es nicht. Doch. Es ist …“ Ich lege die Hände auf meinen Bauch. Anna reißt die grauen Augen auf, die im dämmrigen Licht fast schwarz erscheinen. Dann schlägt sie mir mit der flachen Hand ins Gesicht. Es brennt.
„Du dummes Mädchen.“ Sie lässt sich auf eine Bank fallen und vergräbt das Gesicht in den Händen. Sie hat sich immer um mich gekümmert. Zwischen den Fingern nuschelt sie hervor: „Du dummes, dummes Mädchen. Bist du dir sicher?“
„Ja. Ich glaube, ich kann mit Jasper darüber reden, aber … ich habe Angst.“
„Die solltest du auch verdammt noch mal haben.“
Ich antworte nicht und Anna sieht auf. „Du meinst wegen der anderen Sache.“
Mein Mund ist trocken und ich kann nicht antworten.
Sehr gute Stelle, da bin ich voll drin im Text, der Mix aus Andeutungen und Körperreaktionen funktioniert.

„Er war erst geschockt
auch so ein neumodischer Ausdruck, würde alles Moderne aus dem Text verbannen, weil es die Atmo killt. Warum nicht entsetzt?

Er ist ein verdammter Schürzenjäger. Wenn er dich lieben würde, dann hätte er seinen Samen auf den verdammten Boden gespritzt!“
Das erste verdammt würde ich einsparen.

Und mit jedem Schritt scheint er weiter zu wachsen. Ein Werwolf. Noch einer.
Wenn das nicht durch das Vorhergehende klar wird, weiß ich auch nicht.
Bis dahin zwar sehr überraschend, die Verwandlung, und von der Chronologie her etwas hineingesprungen, aber gut geschrieben, sehr nachvollziehbar. Schönes Detail, die Augenfarbe.

wenn es mich an einem Vollmond ins Niemandsland getrieben hat.
Davon würde ich gerne auch richtig was lesen. Könnte auch ganz vorne stehen, damit ich erst mal mit der Werwölfin mitfühlen kann, wenn sie auf Jagd geht. Der unerträgliche Durst, wenn der Vollmond kommt, die Muskeln, die hart werden vor Vorfreude, die Sinne, die sich ändern, die Gerüche, die Geräusche, die auf sie einstürmen, laufen, laufen, laufen und Beute wittern, Maul aufreißen und die Zähne in weiches Fleisch schlagen, immer wieder, bis er gestillt ist, der Trieb.

Geifer läuft ihm aus dem Maul(Komma) als er genüsslich nähertrottet.
schön!

Das Knurren des Werwolfs hinter mir lässt meine Knochen vibrieren. Ich muss rennen. Zum Abhang. Wegducken. Rennen. Dann wegducken.
Ich renne – und der Werwolf trifft mich mit der Wucht eines Pferdes im vollen Galopp. Er ist zu schnell für mich und jetzt will er nicht mehr spielen. Die Welt vergeht in einer Mischung aus dem dunklen Grün der Tannen, dem tiefen Braun des Bodens und dem viel zu fernen silbernen Funkeln des Morgenhimmels. Ich spüre einen Schmerz an meinem Arm. Der Farbenrausch um mich erhält einen Rotton.
Gut geschrieben, das passt alles.

Er will, dass ich mich verwandle. Glaubt, ich wäre ein einfacher Mensch und würde ein einfacher Wolf werden.
So weit so gut, ich will nur eine Frage stellen: Warum macht er das? Er lässt sich ja nicht gehen, sondern beißt Maria gezielt in den Arm. Alvar muss doch damit rechnen, dass er dafür bestraft, bzw. getötet wird? Schließlich hat er beim Buddeln den Kopf eingezogen, als Anna ihre Männer erwähnte.

Sein Jaulen hallt durch den Sumpf. Einmal. Dann ein zweites Mal und diesmal findet es vielfache Antwort. Ich bin aus Reflex geflohen. Jetzt muss ich zurück, bevor er erkennt, dass er mich nicht verwandelt hat. Ich recke meine Schnauze in die Luft und antworte dem Jaulen. Dann trabe ich in die Richtung, aus der ich gekommen bin.
Diese Erklärung ist der komplexen Konstruktion deiner Geschichte geschuldet. An der Stelle kommt mir das zu rational daher, dadurch verliere ich sie. Vielleicht schreibst du so was wie "er darf es nicht wissen, darf nicht wissen, was ich bin und schon vorher war, dann bin ich nicht mehr sicher und das, was ich in mir trage auch nicht."

Wir folgen dem Menschenwelpen durch den Wald. Der Blaugraue, unser Anführer, hat zuerst angegriffen, doch jetzt wollen wir spielen. Setzen ihm nach.
Da frage ich mich sofort, wenn Alvar mit seiner Meute jagt, warum gibt sich dann Anna soviel Mühe, die Bissspuren zu beseitigen? Wenn dort Wölfe oder Werwölfe Menschen töten, warum dann der Aufwand?

Nur hie und da ließ einer mit Absicht einen Busch rascheln
lässt

Er rennt weiter – die Panik scheint ihm neue Kräfte verliehen zu haben
die Panik scheint ihm neue Kräfte zu verleihen.
Der ganze Wolf-Absatz ist schön, Jack London lässt grüßen.

„Ihr seid alle wohlauf, gut, gut“, sagt er, der Blaugraue-in-Menschenhaut.
Die Bindestriche sind nicht nötig.

schnuppert an dem Kleinen, der gerade so lang wie ein Zahn von ihm ist.
okay, wirklich?

Aber wer konnte schon sagen, wie lange noch.
kann

Er sieht mir in die Augen, Gelb trifft auf Blau. „Heute Nacht wird eine Familie wieder vereint. Bist du bereit?“
Etwas kryptisch, ergibt sich zwar aus der weiteren Handlung, könntest du aber deutlicher machen.
Überhaupt das, was dann folgt, das Bewusstsein der Weißen, die sich immer weiter von ihrem Menschsein entfernt, auch die Beschreibungen mit dem roten Fell bspw., das finde ich stark.
Auch das hier „Weiße, bleib hier. Ich habe etwas für dich.“ und wie er ihr dann Anna vor die Füße zieht und damit die Erinnerung zurückholt.

Als wir dazukommen, hat er bereits kurzen Prozess mit dem Rest der Menschen gemacht.
Das kickt mich aus den schönen Wolfsempfindungen raus, kurzer Prozess ist Gerichtsdeutsch, keine Wolfsdenke.

Währenddessen sehe ich Jasper einfach nur an. Und an seinem Zorn erkenne ich, dass mein Plan, wenn er aufginge, der richtige sein würde. Für ihn, für mich, für den Kleinen.
Stark.

Dann gerät Alvar aus dem Gleichgewicht und Jasper kommt frei. Sie stürzen aufeinander, doch der Leitwolf ist bereits tot.
Da weiß ich nicht, wie ist denn der Alvar, der größte aller Werwölfe, denn jetzt zu Tode gekommen? So irgendwie zu Boden gesunken? Das ist so lapidar verkürzt, wo ist der finale Schwertstreich, der ihn köpft, der große Abgang?

Diesen Kampf habe ich gewonnen. Ich bin nun die Leitwölfin. Mit eingezogenem Schwanz huschen sie davon, zurück zu unserem Platz.
Okay, alles klar, aber warum hauen die ab und lassen den Mensch am Leben? Da fehlt mir die Intervention der Weißen, der bewusste Entschluss des Am-Leben-lassens.
Logisch auch die Abkehr der Weißen und die Hinwendung zum Wolfsleben.

Mit jedem Schritt richtete ich mich auf. Die Knochen verformen sich, das weiße Fell zieht sich zurück. Als Maria van Vlegge spürte ich nach Monaten der Tarnung endlich wieder, was es hieß, ein Mensch zu sein. Nach dem Biss Alvars hatte ich mich als Wolf tarnen müssen. Er musste glauben, er würde mich beherrschen, damit er mich nicht tötet.
Die Erklärung würde ich mir anders verpackt wünschen, als Schilderung einer Befreiung, als Initiation weißt? Durch den Tod der Hauptgefahr für sie und ihren Welpen sind die Würfel gefallen. Vielleicht probiert sie die Menschengestalt aus und entscheidet sich dann für ein Wolfs-Dasein

Mit einem Jaulen erkennen sie mich als ihre neue Leitwölfin an und erschöpft lasse ich mich unter dem Felsen fallen.
Nun, die Erschöpfung ist in der Lage arg ungünstig, denn darauf wartet die Meute ja nur. Ich würde ihr diese Schwäche nicht zugestehen, denn nach Wochen als Wolf müsste sie die Anstrengungen locker wegstecken.

Ob er sich jemals in einen Menschen verwandeln kann?
Schöner, passender Schlusssatz. Dennoch frage ich mich: Warum verwandelt sie sich zurück, was will sie in Menschengestalt erreichen? Vor allem, wenn ihr Sohn das nicht kann? Will sie ihn, wenn auch nur vorübergehend, mit der Meute alleine lassen?

Lieber Vulkangestein, du hast sehr viel hineingepackt in diesen Text, der für mich als CW vom auch schon reichlich vollen Original gut funktioniert. Am stärksten finde ich den Text in den Passagen, wo du das Wolfsein beschreibst, die Sinneseindrücke und Ziele schilderst. Schwierig finde ich den Einstieg, bei dem ich auch einen gewissen Modellierungsbedarf sehe, um das ganze zu glätten. Das, was du sagen wolltest, blinkt durch den Text, die Erzählstruktur ist schon schnallbar, in der zweiten Hälfte wird es einfacher und die Grundidee ist grandios. Respekt vor deinem Unterfangen, das aufs Papier zu bringen.

Peace, linktofink

 
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Gude @Meuvind,
someone calls from the crypt, ich melde mich endlich mal zu den Kommentaren zurück.

Ich hab mich zunächst gefreut, dass mein Kommentar nicht ganz so mimosig ankam, wie er sich angefühlt hat.
Im Weiteren schlägst du ja noch vor:

Tatsächlich eröffnet sich hier eine ganz neue Schiene. Wie wäre es (vorrausgesetzt, du verfolgst diese Idee sowieso nicht schon und ich habe sie mal wieder überlesen), wenn Anna damit spielt? Sie eigentlich ein vollkommen rationaler, ausgeglichener, blumenliebender (gut, so viel vielleicht nicht) Mensch ist und sie den Bauern alles vorspielt. Ja, das macht sie ja schon, aber damit würde ich arbeiten. Vielleicht erkennt einer der Bauern noch Bisspuren, und sie haut extra mit dem Hammer auf die Stelle, um zu sagen, da wäre nichts. Oder sie wird im Gespräch mit den Bauern zu freundlich und dann wieder überspitzt, um das Bild aufrechtzuhalten. Dazu ein Dialog zwischen Maria und Anna, wo letztere ihre Schwester zusammenkeift und ihr sagt, sie solle sich gefälligst zusammenreißen, und sich Sorgen um die Bauern macht und um ihr Bild in der Öffentlichkeit und so weiter, und wo sie die Maskerade wirklich einmal fallen lässt. Vielleicht gibt es so eine Stelle schon, dann vergib mir.
So eine Stelle gibt es nicht, es wäre aber interessant. So hätte ich mir die CW-Anna auch vorgestellt!
Aber ich habe so viel reduzieren müssen, ich würde daher hier nichts mehr draufschlagen :(
Insgesamt habe ich den Eindruck, dass du mit brennenden Fackeln (aka Textelementen) jongliert hast, um deine Story zu erzählen. Das hast du gut hingekriegt, die Leute konnten folgen und es gab einen schönen Feuerkreis. Ich wollte da noch ein paar bunte Bälle dazu. Und eine Kettensäge. Das hat leidlich funktioniert, der Jongleur hat ein paar Verbrennungen und Schnittwunden und ist jetzt froh, wenn er die Fackeln plus zwei bunte Bälle hochhalten kann. Daher würde ich von Erweiterungen absehen :(

Da ist irgendeine Stadt im Meer, ahja, klar. Ich hab mir die erste Seite angeguckt und mir gedacht, wer glaubt so einen Scheiß?
:teach:
Jetzt ist Valhaven ein zum Gefängnis umfunktionierter Stadtteil: Alles Wichtige aus der Geschichte passt da rein und Valhaven hat ENDLICH eine Identität, mit seinen engen, schattigen Gassen, darüber den Balkonen, die wie Zahnräder ineinandergreifen, dem stehenden Geruch nach Müll, den Ratten usw. Und seitdem macht das Schreiben daran auch wieder Spaß ( wobei man dazu sagen muss, dass ich das Projekt trotzdem wieder auf Eis gelegt habe, aber das liegt nicht mehr am Roman selbst).
Das klingt allerdings auch sehr cool. Ich bin neugierig, was da noch so von dir kommt, bei Valhaven fand ich die erste Diebstahlszene und das mit einhergehende Erkunden der Welt ziemlich cool. Eingefrorenes lässt sich zum Glück ja wieder gut auftauen. :D

Sry, falls ich dir mit meinem Komm Kopfschmerzen gemacht habe, das wollte ich nicht. Hoffe, ich konnte jetzt was geradestellen. Gott, ich glaube, mein Arm fällt ab.
Nein, kein Problem. Ich hoffe, das sah jetzt durch die lange Pause nicht genau so aus.
Hoffentlich gehts dem Arm mittlerweile besser? :shy:

Gude @linktofink,
erst einmal ein großes sorry, dass ich so lange nicht geantwortet habe! Vielen Dank für deinen langen Kommentar und die intensive Auseinandersetzung mit meinem CW.

Habe mir erlaubt, konkrete Vorschläge zu machen, wie du mMn kritische Stellen umgehen könntest. Ich hoffe, du nimmst es mir nicht übel ...
Im Gegenteil! Ich finde, wenn man Kritik übt, dann ist genau das die richtige Herangehensweise.

Ginge mMn auch ganz ohne.
Guter Punkt, ist raus :)

Doch gerade diese Stelle, wo du die Prota einführst, solltest du runterbrechen, einfacher gestalten und ihr mehr Raum geben.
Der Anfang ist tatsächlich so ein Expositionsding, weil sich die Rückmeldungen gehäuft haben, dass sich das nicht gut nachvollziehen lässt. Ich habe deine stilistischen Anmerkungen gerne übernommen, z.B. auch:
Würde diese Frage umschiffen,
das rausgeworfen. Hat mich eh die ganze Zeit geärgert, diese Stelle. Bin nur nicht drauf gekommen, dass ich das einfach streichen kann.
In der Informationsvergabe würde ich da allerdings so direkt bleiben. Ich lese das selbst nicht so gerne, bin aber im Zweifelsfall bereit, es zu akzeptieren. Und bei meinem CW scheint's mir leider notwendig :/

Nach der schwierigen Exposition wird es übrigens deutlich flüssiger und dein Text gewinnt zunehmend.
Das freut mich zu hören! :shy:

Da bin ich bei den Beilen der Firma Fiskars, Absicht? ;)
Haha, da müssen wir mal @Meuvind fragen :lol:

Das wirkt so geschrieben, als wolltest du sichergehen, dass der Leser folgen kann. Ich versteh das auch nicht ganz. Anna ist offiziell die blutrünstige Tyrannin, okay, aber warum darf die Prota dann mit blutverschmiertem Gesicht rumlaufen? Warum ist sie überhaupt vor Ort? Wie lautet dafür die Erklärung gegenüber dem Volk?
Das stimmt, das habe ich extra dafür geschrieben. Hässliche Exposition, aber ja. Zumindest hat länger keiner gefragt, was hier überhaupt passiert. :sad:
Zur Sache mit Maria: Das ist dann möglicherweise an der falschen Stelle reduziert. Aber in meiner Konstruktion ist die Idee: Sie versteckt sich ja vor dem Torfstecher (einer der Dörfler), geht dann direkt zu den Pferden und reitet zur Burg. D.h. im Dorf kriegt sie keiner mit. Vielleicht könnte ich da noch ergänzen, dass Anna ihr einen weiten Mantel oder so gibt, damit sie nicht mehr zu erkennen ist.

Wenn das nicht durch das Vorhergehende klar wird, weiß ich auch nicht.
Wurde es vereinzelt nicht :sad:
Ich weiß natürlich, dass ich meine Geschichte nicht so schreiben muss, dass sie für jeden passt und jeder alles versteht. Aber prinzipiell wollte ich eigentlich eine "simple" Fantasystory mit Werwölfen und einem Twist schreiben. Das hat nicht funktioniert und jetzt erlaube ich mir einfach etwas mehr Tell.

So weit so gut, ich will nur eine Frage stellen: Warum macht er das? Er lässt sich ja nicht gehen, sondern beißt Maria gezielt in den Arm. Alvar muss doch damit rechnen, dass er dafür bestraft, bzw. getötet wird? Schließlich hat er beim Buddeln den Kopf eingezogen, als Anna ihre Männer erwähnte.
Die Motivation kommt hier im CW nicht wirklich vor, das stimmt. Müsste man fast ins Original gehen. Alvar beißt Maria, weil er sie mit Anna verwechselt. Er will sie zum Wolf verwandeln, weil er sie demütigen und beherrschen will. Das kann man als Machtkampf oder als verqueren Altruismus werten (Anna tötet ja auch in seinen Augen Unschuldige).
Ich glaube, letzteres könnte man finden, ist aber eher schwach ausgeprägt, das stimmt.

Da frage ich mich sofort, wenn Alvar mit seiner Meute jagt, warum gibt sich dann Anna soviel Mühe, die Bissspuren zu beseitigen? Wenn dort Wölfe oder Werwölfe Menschen töten, warum dann der Aufwand?
Sie wissen das ja nicht - könnte darauf verweisen, dass die Wölfe nur wenig Menschen jagen.
(Aber der Gedanke kam mir durchaus auch. Ein kleines Plothole ist das)

Das ist so lapidar verkürzt, wo ist der finale Schwertstreich, der ihn köpft, der große Abgang?
Oh, der fehlt tatsächlich. "Nutzt" nur seine Chance. Hab nen Halstreffer und Blutfontänen ergänzt. Auch hier zu sehr das Original im Kopf gehabt, wo das alles deutlicher drin ist und ich keine Lust hatte, es nachzuerzählen.

Warum verwandelt sie sich zurück, was will sie in Menschengestalt erreichen?
Äh, ja, das ist zugegebenermaßen Style over Substance :lol: Ich finde einfach, das ist eine coole Schlussszene :Pfeif:

Lieber Vulkangestein, du hast sehr viel hineingepackt in diesen Text, der für mich als CW vom auch schon reichlich vollen Original gut funktioniert.
Etwas überraschend, aber das höre ich gerne :)
Am stärksten finde ich den Text in den Passagen, wo du das Wolfsein beschreibst, die Sinneseindrücke und Ziele schilderst.
Ich glaube, die haben mir auch am meisten Spaß gemacht. Würde ich das nochmal von neu angehen, würde ich das vielleicht stärker darauf konzentrieren. Möglicherweise stärker auf Meuvinds Originalidee zurückgehen und Maria das Menschenleben vollständig vergessen lassen, sodass sie am Ende nur noch Wolf ist.
Schwierig finde ich den Einstieg, bei dem ich auch einen gewissen Modellierungsbedarf sehe, um das ganze zu glätten. Das, was du sagen wolltest, blinkt durch den Text, die Erzählstruktur ist schon schnallbar, in der zweiten Hälfte wird es einfacher und die Grundidee ist grandios. Respekt vor deinem Unterfangen, das aufs Papier zu bringen.
Danke für das sehr positive Schlusswort! :shy:
Ehrlich gesagt, habe ich das ganze einfach massiv unterschätzt. Wenn ich gewusst hätte, wie viel Arbeit das ist, ich hätte wahrscheinlich etwas anderes gemacht. Mehr rumprobiert, mehr eigenes gemacht.


Vielen Dank für die intensive Auseinandersetzung mit dem CW, Meuvind und linktofink!

Liebe Grüße
Vulkangestein

 

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