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Zug Umzug

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Zug Umzug

Als sich John Terry auf die Fresse legt, bin ich zwölf. Saturn, FIFA, ich kann das besser. Konnte ich nicht und lege die Hülle in die Tüte ohne Aufschrift für den Müll. Pause.

Pueblo in das Papier, Strohhalm in die Capri-Sonne, fünfundzwanzig, fast so alt wie er damals, nicht auf die Fresse gelegt, dafür schlauer und ärmer, aufpassen, auf die Fresse legen geht immer noch, ein, aus.

Ich lege die nicht mehr glühende Kippe in die Tüte ohne Aufschrift für den Müll und werfe den Aschenbecher in den Karton mit Aufschrift für die Wohnung. Den werde ich noch brauchen, die Zigarette nicht, ich drehe mir eine frische, wenn ich nochmal will, FIFA auch nicht, erwachsen sein.

Aus der Studentenwohnung ausziehen ist wie Wiedergeborenwerden als Sachbearbeiter, nur um einiges besser, wenn man keiner ist. Glück gehabt, Gefühl trotzdem komisch. Müde, mutig, wach, wankelmütig. Augen auf, in zwei Stunden kommt der Nachmieter, er kennt Studieren bisher nur von Prospekten und wird sich wundern, über das Studium und dass ich ihn beneide. Das sage ich ihm nicht, er soll schön denken, es wird immer besser, ha.

Adrian hört auf zu bohren und setzt sich hin, was hat er überhaupt gebohrt, sehe nichts vor Löchern, alles ein Loch. Pause, Capri Sonne, rauchen. Er hat fertige Zigaretten dabei und spart viel Zeit, ich dafür Geld. Zeit, Geld, Kontinuum.

Ein Bücherbrett mit Romanen und Resignation, ein Musikregal mit mp3-Dateien, es ist voll und leer zugleich und trägt sich leicht, Goldroger im Hintergrund, schreibt über Schreiben und singt es dann, meta. Ich trage eine Hose und ein Schuhregal.

Klingel, Post, der wohnt hier nicht mehr, lustig, Mahnung, der wohnt hier wirklich nicht mehr, ehrlich.

Ein Menschenaffe ist immer ein Affe und kein Mensch, ein Mensch kann aber auch ein Affe sein, sagt Louis und kocht viele Nudeln.
Mensch, bist du ein Affe, sagt Adrian, ich lache über eine krumme Gabel, Louis lacht über Affen, Adrian bohrt Löcher in die Löcher, damit sie zugehen.

Ich ziehe um und Louis kocht Nudeln, bestimmt bekomme ich etwas ab, wenn er schon nicht hilft, außerdem sind wir bei mir, ich habe Hunger.

Ein Foto hängt an der Decke, schon immer, einmal bin ich rangekommen, danach nie wieder, scheint es. Ich und meine Schwester, meine Schwester und ich, eher, ich so zwölf, sie so alt wie John Terry. Alte Väter machen junge Kinder.

Adrian muss los, nicht mehr bohren, sondern arbeiten, seine Arbeit ist der Handel mit Getränken, kann man so sagen, er ist Kellner, Louis auch, aber der macht Nudeln. Paul ist Koch und gibt ihm was zu trinken, wo kommt er denn jetzt her, ich gebe ihm die Hand und er mir mein T-Shirt zurück, fein, Karton schon weg, ich ziehe es an.

Andere ziehen um die Häuser, sie ändern sich nicht, ich ziehe um, die Häuser, sie ändern sich, nicht ich, ich nicht, niemals. Neben dem, wo mein Bett war, Schopenhauer, ich hebe ihn auf. Den hebe ich auf. Wo ist der Karton mit Aufschrift für die Wohnung? In der Wohnung. Arthur kommt in den Rucksack, da sind die Erinnerungen drin, er hat viel Platz.

Cora kommt, sie lacht, ich liebe, Louis hat gut gekocht und wir gut gegessen, weiter, nur Mut, na gut. Wenn man eine Lampe abmontiert, wird es dunkel, das steht nirgendwo.

Man kann Schränke eingeräumt lassen, wenn Louis mitträgt, lerne ich. Er hilft doch und alle sind egal, egal, ich trage Handschuhe, also trage ich träge eine Truhe.

Adrian ist doch geblieben und weißelt, in der Linken ein Helles, ich blättere durch Andorra und werfe es in den Karton ohne Aufschrift für die Wohnung, der Edding ist leer.

Tom wartet, Downtown Train, ich nehme Züge von der Zigarette und höre zu, Cora auch, wir lächeln und reden über Waschmaschinen, weil Louis eine trägt.

Wir stehen rund und stoßen an, einander, unperfekte Menschen, perfekter Kreis.

 
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Hi @oneill,
ich weiß gerade nicht genau, was ich zu diesem Text (?) sagen soll.
Vielleicht sehe ich das ja völlig falsch und dieser Schreibstil ist revolutionär, doch in diesem Fall ginge die Brillanz gänzlich an mir vorbei.
Nimm's mir bitte nicht übel - ich verstehe deinen Text einfach nicht. Für mich sieht das aus wie eine lose Zusammenkunft irgendwelcher Wörter, die du wahllos zusammengewürfelt hast. Alles sehr abgehackt, sodass ich die Situation nicht verstehe, die Charaktere, die Handlung, die Beziehungen.
Keine Ahnung, was nach dem "Der Gang zum Tabakwarenhandel" passiert ist (oder du wolltest einfach mal was ausprobieren?). An sich gibt es bestimmt Leser, die diesen abgehackten, abgeklärten Stil cool finden, aber ein bisschen weniger abgehackt wäre viel besser. :)

Liebe Grüße und sorry für die harten Worte,
Waldläufer

 
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Hallo,

ich würde mich hier gar nicht beirren lassen. Dein Text ist bemerkenswert. Du versuchst, deinen eigenen Weg zu gehen, deine eigene Sprache zu finden. Sicher sind das die Grenzen einer konventionellen Narrative, also wie etwas erzählt wird, um es als Erzählung identifizierbar zu machen, aber das spielt doch erstmal keine Rolle. Ich würde das als Experiment begreifen. Niemand muss da etwas verstehen, es muss keine Handlung in einem übergeordneten Sinne geben, das würde ich viel eher als stream of consciousness begreifen, dem man folgt, wo es auch um eine bestimmte Ästhetik geht, Tempo, Schnelligkeit, Repetition.

Bei sich selbst bleiben. Machen. Weiterschreiben.

Gruss, Jimmy

 
Wortkrieger-Team
Monster-WG
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Gelesen. Wie eine Schrankaufbauanleitung von IKEA.

@Billi :
Siehe Ausschnitt aus unseren Regeln:
„Ganz allgemein gilt, widme anderen Texten dieselbe Aufmerksamkeit, die du dir für deine eigenen wünschst. Vermeide also Einzeiler-Kommentare, in denen du nur anmerkst, dass du eine Geschichte gut oder schlecht findest, ohne näher auf die Gründe einzugehen, mit solchen simplen Aussagen ist niemandem geholfen. Und ganz nebenbei: Anderen Kommentare zu schreiben ist die beste Werbung für den eigenen Text.“

Bitte in Zukunft beachten.

Gruss, GoMusic

 
Monster-WG
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Hey @oneill

Das ist ein sauguter Text.

Saturn, FIFA, ich kann das besser. Konnte ich nicht und lege die Hülle in die Tüte ohne Aufschrift für den Müll.
Ich musste zweimal ansetzen, nicht schlimm. Wenn man mal kapiert hat, dass der Prot umzieht (was man ja eigentlich sollte, wenn man den Titel gelesen hat, aber ich vergesse Titel meistens sofort wieder), dass dabei die eine oder andere Erinnerung hochkommt, und dass die Kumpel helfen, kann man sich im Text recht gut orientieren.
John Terry | Pueblo | Goldroger
Das waren so die Stolpersteine, weil ich die beiden Typen und den Tabak nicht kannte. Würde ich aber so lassen. Es geht um die Welt des Protas, nicht um meine. Bei Goldroger dachte ich zunächst, du meinst Federer. :D
fast so alt wie er damals, nicht auf die Fresse gelegt, dafür schlauer und ärmer, aufpassen, auf die Fresse legen geht immer noch
Da hat mich so ein Kribbeln erfasst, ja dieser Umzug nach dem Studium, da verlässt man erst so richtig sein Nest, ging zumindest mir so. Dachte, ich sei erwachsen, war es aber nicht und das wird einem dann schmerzlich und wehmütig bewusst.
FIFA auch nicht, erwachsen sein.
Et voilà!
Aus der Studentenwohnung ausziehen ist wie Wiedergeborenwerden als Sachbearbeiter, nur um einiges besser, wenn man keiner ist.
Witzig!
Er hat fertige Zigaretten dabei und spart viel Zeit, ich dafür Geld. Zeit, Geld, Kontinuum.
Der Text hat was Spielerisches, der spielt ja auch mit diesem "meta" und den neunmalklugen Sprüchen und Gehrinakrobatiken, die man sich im Studium so aneignet, Geld-Zeit- statt Raum-Zeit-Kontinuum, und die - wieder eine schmerzliche Erkenntnis - einem im Leben so gar nichts bringen. Witzig zu lesen ist es aber schon.
Ein Foto hängt an der Decke, schon immer, einmal bin ich rangekommen, danach nie wieder, scheint es.
Sehr schön. Da schwingt sehr viel mit, so eine Sehnsucht nach geborgener Vergangenheit, in dem Moment, wo es ab in die ungewisse Zukunft geht.
Andere ziehen um die Häuser, sie ändern sich nicht, ich ziehe um, die Häuser, sie ändern sich, nicht ich, ich nicht, niemals.
Nice! Wirklich gut!
Wo ist der Karton mit Aufschrift für die Wohnung? In der Wohnung.
Meta, natürlich!
Cora kommt, sie lacht, ich liebe, Louis hat gut gekocht und wir gut gegessen, weiter, nur Mut, na gut. Wenn man eine Lampe abmontiert, wird es dunkel, das steht nirgendwo.
Ja, und dann taucht auch noch Cora auf, und das macht alles nicht besser, sie lacht, und er liebt und wenn er umzieht, wird sie ihn dann auch in der neuen Wohnung besuchen kommen? Ihm in der Dunkelheit, die vielleicht auf ihn wartet, beistehen? Danach fragt er sie aber nicht, sondern redet mit ihr über die Waschmaschine. Ach, ach.
P.S. Ich sehe, dass du den Tag Romantik gesetzt hast. Haha!


Der Text hat mich neugierig gemacht, angesprochen und immer mal wieder überrascht, wie zum Beispiel, als der Prot das T-Shrit anzieht, weil die Kiste mit den Anziehsachen schon weg ist.
Da schwingt sehr viel mit, ich sehe die Szene auf eine sehr lebendige Weise vor mir und vor allem habe ich da so ein leichtes Ziehen in der Brust. Well done!

Noch etwas Manöverkritik:

Als sich John Terry auf die Fresse legt, bin ich zwölf. Saturn, FIFA, ich kann das besser. Konnte ich nicht und lege die Hülle in die Tüte ohne Aufschrift für den Müll. Pause.
Ich lege die nicht mehr glühende Kippe
Da ginge auch werfen, schnippen und so weiter.
also trage ich träge eine Truhe.
Eh ja. Hat meiner Meinung nach nicht das Niveau der anderen sprachlichen Finessen.

Lieber Gruss
Peeperkorn

 
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23.02.2021
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Hey @Peeperkorn,

wow – ich danke dir für dieses wunderbar ausführliche Feedback. Bis zu deinem Kommentar habe ich gedacht, es hätte wirklich niemand den Text verstanden, weder Message noch Stil. Von allen Texten, die ich je geschrieben habe, ist das mit Abstand der emotionalste. Beim IKEA-Kommentar angekommen, dachte ich echt: Das darf doch nicht wahr sein (@Billi gab's da nicht mal ein Regal?).

Noch etwas Manöverkritik:
Ups! Das passiert mir häufiger, werde ich dran arbeiten. Ich lese über jeden Text noch einmal drüber, bevor ich ihn für fertig erkläre, aber Wiederholungen sehe ich häufig erst sehr viel später, sofern ich nochmal reinlese. Sollte nicht passieren!

Eh ja. Hat meiner Meinung nach nicht das Niveau der anderen sprachlichen Finessen.
Da... hast du so Recht. :lol: oh man, im Nachhinein ganz furchtbar. Kam mir in dem Moment klasse vor. So kann man sich täuschen...


Der Text hat mich neugierig gemacht, angesprochen und immer mal wieder überrascht, wie zum Beispiel, als der Prot das T-Shrit anzieht, weil die Kiste mit den Anziehsachen schon weg ist.
Da schwingt sehr viel mit, ich sehe die Szene auf eine sehr lebendige Weise vor mir und vor allem habe ich da so ein leichtes Ziehen in der Brust. Well done!
Der Kommentar hat bei mir wiederum ein leichtes Ziehen in der Brust verursacht. Man hat ja beim Schreiben so seine Gefühle und Gedanken, klar, aber wenn jemand von "außen" das Gesagte nochmal deutet und kontextualisiert, reicht es vom Impliziten ins Explizite und wird noch greifbarer.

Es geht um die Welt des Protas, nicht um meine. Bei Goldroger dachte ich zunächst, du meinst Federer.
Federer absoluter Klassetyp, aber ob ich ihn singen hören wollte... :D

Also, erneut: Tausend Dank für deine Mühe und Hingabe! Hast mir den Abend verschönert.

Lieber Gruß,
David

 
Monster-WG
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Hey @oneill

Freut mich, dass mein Kommentar dir den Abend verschönert hat. Nicht verstanden werden ist schwierig, weil man sich ja im Text ausdrückt und dabei mitunter ganz schön viel reinwirft.

Noch zwei Tipps unter dem Stichwort Professionalisierung:

1. Es gibt Programme, die Wortwiederholungen markieren, zum Beispiel die Freeware word repetition detector. Da kann man die Parameter bestimmen (Abstand zwischen den Worten) und Begriffe ausklammern.

2. Weil du noch nicht lange hier bist: Beantworte alle Kommentare im angemessenen Umfang, zumindest jene, die länger als eine Zeile sind. Ich habe es immer als sehr lehrreich empfunden, in den Gegenwind eines Kommentars zu schreiben - wobei es sich in Jimmys Fall ja um einen unterstützenden Meta-Rückenwind handelt. Aber ich gehe mal davon aus, dass du aus Erleichterung gleich zu meinem gehüpft bist und das noch nachholst.

Bleib dran!

Lieber Gruss
Peeperkorn

 
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23.02.2021
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Hey @Peeperkorn,

danke für den Software-Tipp, da werde ich definitiv reinschauen! Wird mir sicherlich helfen.

Klaro, das mache ich auch, aber da muss ich mir ähnlich viel Zeit nehmen wie für die Antwort auf deinen. Du hast dir von allen Kommentierenden am meisten Zeit genommen, daher habe ich dir direkt geantwortet. Jetzt arbeite ich erstmal ein paar Stunden und widme mich dann den anderen :shy:

Lieber Gruss!

 
Wortkrieger-Team
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Mahlzeit @oneill,

ich hab sie gestern schon gelesen und nachgedacht. Dann noch mal gelesen. Du schriebst beim "Baum", er hätte ein Lächeln in dein Gesicht gebracht. Dein Text hat bei mir ein Lächeln in den Kopf gebracht. Weil sie meinem Kopf Futter war. Zufriedenstellendes Futter. FIFA spielen, englischer Fußballer, deutscher Rapper, Louis, das Kraftpaket ... und

Arthur kommt in den Rucksack, da sind die Erinnerungen drin, er hat viel Platz.
... ein Schlüssel. Einer der unperfekten Menschen (du) hebt hier für mich kurz den Deckel vom Topf. Zwischen den wirklich guten Formulierungen, rekursiven Elementen, finden sich doch einsame Elemente. Als wollte jemand ein sprachliches Konstrukt um ein instabiles Element bauen; als Schutzwall.

Aber nicht vergessen darf man, dass es auch die Entwicklung von eigenem Stil ist, und wir über den Text ein wenig in deinen Kopf blicken können.

Du siehst, ich bin eher nicht derjenige, der mit Deutschunterricht und Literaturwissenschaft kommt. Wie auch? Bin ja von der Schule geflogen ... deswegen kann ich dir nur meinen emotionalen Eindruck anbieten.

Bin sehr gespannt auf Weiteres.
Griasle
Morphin

 
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Hallo Oneill. Natürlich möchte ich dich nicht beleidigen, mit meinem Kommentar. Der Einzeiler ist mir sozusagen einfach herausgerutscht. Bin als Schreiberling selber sensibel und Romantisch veranlagt. Ich wollte dir nur mitteilen, dass es schwierig ist (für mich) deine Geschichte zu verstehen. Ich mag Geschichten, die ein Leser führen können, um ihm dann am Ende eine Überraschung zu präsentieren. Ich finde deine Sätze zu abgehackt und die Gedankensprünge zu hektisch. Aber wie gesagt, ist nur meine Meinung. Eine Kunstform zu interpretieren ist immer schwierig. Ich wünsche dir viel Erfolg in deinem Schaffen.

 
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Bis zu deinem Kommentar habe ich gedacht, es hätte wirklich niemand den Text verstanden, weder Message noch Stil.

Du hast dir von allen Kommentierenden am meisten Zeit genommen, daher habe ich dir direkt geantwortet.

Jo, hat sich dann meinerseits erledigt mit weiteren Kommentaren zu deinen Texten. So einen herablassenden Ton und so ein wichtigtuerisches Gehabe tue ich mir nicht an. Ist jetzt nicht so, als sei dein Text eine Offenbarung, weder Message noch Stil-mässig, das hat man alles schon mal und auch besser gelesen. Man könnte auch Kommentare nach der Reihenfolge beantworten, damit sich niemand vor den Kopf gestoßen fühlt, damit man einfach den essentiellen Respekt voreinander wahrt ...

 
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Lieber @Waldläufer,

danke für deinen Kommentar. Auch wenn er meine abschickbedingte Euphorie gedämpft und mich erst leicht verunsichert hat, war er doch sehr wichtig und zeigt, vor allem im Kontrast zu Jimmy und Peeperkorn, wie sehr sich Interpretationen unterscheiden können, was – wie wir ja wissen – eine tolle Sache ist.

Nimm's mir bitte nicht übel - ich verstehe deinen Text einfach nicht. Für mich sieht das aus wie eine lose Zusammenkunft irgendwelcher Wörter, die du wahllos zusammengewürfelt hast.
Hier finde ich allerdings, dass ein genaueres Hinsehen wahrscheinlich genügt hätte, um den roten Faden zu erkennen; der Protagonist packt beim Umzug Dinge ein, die verschiedene Erinnerungen hervorrufen, parallel geschieht Interaktion mit den helfenden Freunden. Ich kann aber total verstehen, dass der abgehackte Stil nichts für jeden ist, und bedanke mich für's Mitteilen :) denn damit:
oder du wolltest einfach mal was ausprobieren?
hast du absolut Recht!

Liebe Grüße,
oneill

Lieber @jimmysalaryman,

ohje, tut mir leid, ich hab mich total furchtbar ausgedrückt und das merke ich jetzt. Damn. Das sollte in keiner Weise herablassend rüberkommen, wirklich! Bitte verzeih. Mit "Message und Stil" meinte ich einfach nur "Gesagte und Ausdrucksform", das sollte überhaupt nicht implizieren, dass entweder das eine oder die andere auf irgendeinem Podest steht. Denn so ist es – selbstverständlich! – nicht. Und, so dumm es klingt: Dass ich deinen Kommentar in meiner Antwort an Peeperkorn nicht erwähnt habe, lag ganz einfach daran, dass er untergegangen ist und ich ihn erst danach so wirklich registriert habe, zumindest nach der langen Antwort von P; und ab dann gehörte auch viel Emotion dazu. Tut mir jedenfalls sehr leid, das ist einfach nur dumm gelaufen; wollte dich nicht vor den Kopf stoßen.

Ich denke, dass meine sonstigen Antworten auch den Verdacht ausräumen, ich hielte mich in irgendeiner Weise für etwas Besseres. :hmm:

Ich würde das als Experiment begreifen. Niemand muss da etwas verstehen, es muss keine Handlung in einem übergeordneten Sinne geben, das würde ich viel eher als stream of consciousness begreifen, dem man folgt, wo es auch um eine bestimmte Ästhetik geht, Tempo, Schnelligkeit, Repetition.
Vor allem diese Worte finde ich schön, denn es war wirklich ein absolutes Experiment ohne Anspruch auf Anklang oder ähnliches, vielmehr ist es eine zwischen Kartons entstandene Beschreibung der situativen Gedanken. Dass dabei diese Ästhetik entsteht, liegt eben – genau wie du implizierst – an der Intensität der Gedanken.

Danke für's Einstehen entgegen der kritisierenden Beiträge davor und den Appell "nicht beirren lassen", sowas hilft immer sehr.

Also, sorry nochmal, no hard feelings, hoffe ich. Wünsche dir einen schönen Mittwoch.

Liebe Grüße
oneill

Hi @Morphin,

danke für deinen Kommentar. Es freut mich sehr, dass wir in puncto Lächeln ins Gesicht zaubern somit beim Remis stehen!

... ein Schlüssel. Einer der unperfekten Menschen (du) hebt hier für mich kurz den Deckel vom Topf. Zwischen den wirklich guten Formulierungen, rekursiven Elementen, finden sich doch einsame Elemente. Als wollte jemand ein sprachliches Konstrukt um ein instabiles Element bauen; als Schutzwall.
Die Formulierungen als eine Art Schutzwall zu sehen, den Ausbruch daraus ergo als Schlüssel, gefällt mir! In gewisser Weise ist sie das, obwohl das von mir überhaupt nicht so gewollt war; hätte ich es gewollt, hätte es auch mit Sicherheit nicht geklappt. Krass.
Du siehst, ich bin eher nicht derjenige, der mit Deutschunterricht und Literaturwissenschaft kommt. Wie auch? Bin ja von der Schule geflogen ... deswegen kann ich dir nur meinen emotionalen Eindruck anbieten.
Und dieser Einblick gibt mir sehr viel! Der Text zielt auf Emotionen ab, nicht auf Logik (das meinte auch meine extrem ungelenke Formulierung weiter oben), und erstere haben letztere eben sehr selten.

Also... hab Dank!

Lieben Gruß
oneill

Hallo Oneill. Natürlich möchte ich dich nicht beleidigen, mit meinem Kommentar. Der Einzeiler ist mir sozusagen einfach herausgerutscht. Bin als Schreiberling selber sensibel und Romantisch veranlagt. Ich wollte dir nur mitteilen, dass es schwierig ist (für mich) deine Geschichte zu verstehen. Ich mag Geschichten, die ein Leser führen können, um ihm dann am Ende eine Überraschung zu präsentieren. Ich finde deine Sätze zu abgehackt und die Gedankensprünge zu hektisch. Aber wie gesagt, ist nur meine Meinung. Eine Kunstform zu interpretieren ist immer schwierig. Ich wünsche dir viel Erfolg in deinem Schaffen.
Hallo @Billi,
alles gut, gar kein Thema. Im ersten Moment war ich irritiert, jetzt kann ich's auch verstehen und finde es witzig: In gewisser Weise hast du damit ja auch Recht. :)
Ich wünsche dir ebenfalls viel Erfolg!

 
Monster-WG
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Hallo @oneill :-)

Ich mag deinen Stil. Mich hat das an ein Poetry-Slam erinnert, der Text enthält ja eine betonte Rhythmik und er schlägt die Inhalte gegen den Kopf des Lesers, Klingel, Post, Umzug, jetzt erscheint Mensch, noch ein Mensch erscheint, wird gekocht, lecker, Cora hat Tomaten mitgebracht, sowas in die Richtung. Könnte auch Rap sein. Ich mag - vielleicht hast du das so gewollt oder es ist so entstanden oder es ist nicht beabsichtigt - wie unbedeutend und qualitativ gleich all die Eindrücke des Erzählers wirken. Da öffnete sich bei mir gleich die große Liste an zeitgenössischer WG-Literatur, in der großstädtische, wohlfinanzierte Studenten in einer blassen Richtungslosigkeit zwischen Studium, Umzug und Freundschaften schweben, nicht in der Lage sind, Stabilitäten im Leben zu finden und so wirkt jeder Eindruck merkwürdig gleich. Kann man mich verstehen? Ich hoffe es^^. Eigentlich mag ich diese Großstadt-Uni-WG-Literatur nicht, aber die Sprache, die Sprache ist so schön ... punchline.

Subjektiv finde ich das Thema deines Texts egal. Ich mag einfach den Stil.

Ein Menschenaffe ist immer ein Affe und kein Mensch, ein Mensch kann aber auch ein Affe sein, sagt Louis und kocht viele Nudeln.
Wenn man eine Lampe abmontiert, wird es dunkel, das steht nirgendwo.
:-D
Die letzte Zeile mag ich. Das steht nirgendwo - so kindlich naiv der Erzähler, er braucht eine Anleitung, er braucht jemanden, der ihm das zeigt, erklärt, ihm Raum für Fragen gibt, am besten nach einer pädagogischen oder didaktischen Technik.

Schreiben Sie bitte weiter.

Mit freundlichen Grüßen aus Leipzig
kiroly

 
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Hallo @kiroly,

ich danke für die freundlichen Worte! Es ist total verrückt, jedes Augenpaar sieht andere Interpretationen und jede einzelne davon ist super. Teils gehen sie weit über das hinaus, was ich selbst beim Schreiben gedacht habe. Das ist bereichernd.

Kann man mich verstehen? Ich hoffe es^^
Kann man! Sehr gut sogar, und ich pflichte bei. Sie sagen, das Thema sei in diesem Fall egal, und das kann ich sehr gut verstehen, auch wenn es ohne genau dieses natürlich nicht funktioniert hätte, den Text zu schreiben. Dennoch teile ich die Meinung zu WG-Küchen-Literatur komplett... :D
kindlich naiv der Erzähler
Wie der Autor, so der Erzähler :lol: in diesem Fall gibt es zwischen beiden tatsächlich keinerlei Differenz.
Schreiben Sie bitte weiter.
Garantiert. :) Dankeschön! Es ist wirklich schön, das zu lesen.

Liebe Grüße vom gleichen Breitengrad etwas westlicher,
oneill

 
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Hallo @oneill,

was für ein schöner Tag, an dem ich diese Geschichte entdeckt habe. Ich hatte damit richtig viel Spaß und habe mich über deinen Wortwitz, die Wortspielereien, all die Andeutungen, die oft mehr sagen als so mancher, der hier einen ganzen Absatz schreibt und die Zweideutigkeiten amüsiert und bestens unterhalten gefühlt.

Ich habe deine Geschichte zunächst einfach nur durchgelesen und da schon richtig viel gefunden gehabt und mich beim Lesen erfreut, aber nach dem zweiten Durchgang, der einher ging mit dem Lernen von ein paar Vokabeln, wie John Terry, was du mit Pueblo meinst, btw ich bin Nichtraucherin, Goldroger und natürlich dein Wink mit dem Zaunpfahl Tom Waits ging es mir noch besser mit dieser Story.

Ich bin einfach begeistert, was du alles mit so wenigen Federstrichen an Aussage erreicht hast.
Da steht so viel hinter deinen Aussagen, ich fühlte mich hinein gezogen in das Rätselraten, denn du hast es auch gar nicht richtig schwer gemacht, auch wenn es vielleicht hie und da auf den ersten Blick so wirkt. Klar, es sind ein paar Dingelchen dazwischen, da weiß ich bis jetzt nicht, was du dir dabei gedacht hast und diese kleinen, aber wenigen Stellen betrachte ich auch als überholungsbedürftig, falls ich nicht die einzige bin, die Tomaten auf den Augen hat, aber ansonsten hat sich Puzzleteilchen an Puzzleteilchen geschoben und es ergab ein ganzes Bild.

Und wenn jetzt nachfolgend praktisch die ganze Geschichte in Form von Zitaten wieder auftaucht, dann lag es einfach daran, dass ich dich einerseits für absolut gelungene Formulierungen loben und gleichzeitig natürlich meine Interpretationen servieren möchte.

Du hast eine erfrischende Art zu schreiben und ich komme mir dagegen mit meinem Schreibstil richtig verstaubt vor. Ich werde gewiss bei meinem Stil bleiben, weil es immer noch genügend Überlebende meiner Generation gibt, die damit klar kommen, aber was du hier hingelegt hast, ist für meine Begriffe schon der Teil der Literatur, wie man es in Zukunft auch machen kann und wird und das ist gut so.
Bevor du ganz abhebst, ob all meiner Lobeshymnen, möchte ich anmerken, dass dieser Text durchaus nicht perfekt ist, an einigen Stellen, schlappst du etwas durch, aber wärst du jetzt schon vollendet in deinem Ausdruck, dann hätte ich dir glatt geraten, nach einem Agenten oder gleich nach einem Verlag zu suchen, der (du hast ja sicherlich noch mehr davon in deiner Home-Schublade zu liegen) dich für die größere Öffentlichkeit druckt. Aber soweit ist es denn nun noch nicht, nach meinem persönlichen Dafürhalten, aber du bist schon sehr weit damit.

Als sich John Terry auf die Fresse legt, bin ich zwölf.
Gäbe es hier die Rubrik für Zitate des besten Anfangssatzes einer Geschichte, würde ich den hier zitieren. Ich finde ihn erfrischend und er schafft es, dass ich mich sofort reingezogen fühle in den Text. Anfänglich, als ich noch nicht wusste, wer Terry ist, fand ich den Satz auch schon gelungen, jetzt allerdings noch ein bisschen mehr.
Saturn, FIFA, ich kann das besser. Konnte ich nicht und lege die Hülle in die Tüte ohne Aufschrift für den Müll. Pause.
Saturn bekomme ich nicht eingebunden in deine Aussagen. Was meinst du damit?
Und packt dein Prota nun seinen Wunsch, ebenfalls so gut wie Terry zu sein (bevor er sich auf die Fresse gelegt hat) wie eine Hülle auf den Müll? Was mir an dieser Satzkonstruktion so gefällt ist der Aufbau. Du arbeitest dich Stück für Stück weiter im Sachverhalt vor. Das hab ich bisher noch bei keinem so gelesen, also so konsequent durchgezogen gelesen. "Lege die Hülle in die Tüte" ist die erste Aussage, "ohne Aufschrift" die zweite und "für den Müll" die dritte.

auf die Fresse legen geht immer noch, ein, aus.
Lakonisch und zugleich sehr vielsagen über den Prota. Bei "ein,aus" bin ich mir unsicher, was du genau damit meinst, aber ich bin mir sicher, das steht dort auch, weil der Text einen gewissen Sound hat und dann braucht es diese beiden Worte, Sinn hin oder her.

FIFA auch nicht, erwachsen sein.
Sehe ich das so richtig, dass dein Prota eben Abschied nimmt von einer Fussballerkarriere und das für ihn auch Ausdruck des Erwachsenwerdens ist?
Aus der Studentenwohnung ausziehen ist wie Wiedergeborenwerden als Sachbearbeiter, nur um einiges besser, wenn man keiner ist.
Was für ein toller Satz. Verschwurbelt und wieder dieser Aufsatteln von Bedeutungen: "Aus der Studentenwohnung ausziehen ist wie Wiedergeborenwerden", ja, das könnte jetzt so stehenbleiben und wäre richtig, aber dann kommt "als Sachbearbeiter" und man stutzt und denkt sich, ja, einer, der studiert hat, ist schon fachlich deutlich weiter und dann aber kommt "nur um einiges besser" und auch das stimmt und der Nachklapp "wenn man keiner ist" bringt dann wieder eine andere Bedeutung in den Satz. Herrlich...
Das sage ich ihm nicht, er soll schön denken, es wird immer besser, ha.
Mit einem Satz sagst du mehr aus als mancher auf einer ganzen Seite. Dein Prota ist gehörig ernüchtert, das Studium hat ihn eher klein gemacht, das Studentenleben enttäuschte ihn. Und er weigert sich, missionarisch tätig zu werden und seinen Zimmernachfolger zu warnen, nein im Gegenteil, er zeigt jetzt so einen leicht fiesen Charakterzug, in dem Schadenfreude mitschwingt.
Mit einem Satz sagst du sehr viel über deinen Prota aus. Gelungen!

Pause, Capri Sonne, rauchen.
Ja super, ich kann mir die Szene perfekt vorstellen.
Ein Bücherbrett mit Romanen und Resignation,
Das Wort Resignation macht aus dem Bücherbrett mit Romanen nicht nur einen hoch interessanten Satz, sondern gibt wiederum etwas vom Prota preis. Er besitzt Romane (was ich bei Männern nicht automatisch unterstelle im Gegensatz zu Frauen) und jetzt kann ich es mir aussuchen, ob er eigentlich resignierte, weil ihm die Romane nicht zusagten, er sie also gar nicht gelesen oder zu Ende gelesen hat oder er aus den Romanen, die er gelesen hat, diese Stimmung der Resignation übrig behalten hat oder noch was ganz anderes. Ich mag es, wenn ich da nicht vom Autor festgenagelt werde und mir selbst ein Stückchen vom Prota erschaffen darf.
ein Musikregal mit mp3-Dateien, es ist voll und leer zugleich und trägt sich leicht,
Herrlich doppeldeutig. Ein Musikregal mit normalen altertümlichen Schallplatten würde bei gleicher Datenmenge eher durch den Boden schlagen vor lauter Gewicht. Du packst hie und da Witz hinein, das gefällt mir sehr.
Goldroger im Hintergrund, schreibt über Schreiben und singt es dann, meta. Ich trage eine Hose und ein Schuhregal.
So ganz nebenbei beschreibt dein Prota wie er diesen Sänger einsortiert und sagt dann sogleich damit wieder etwas über sich aus und dann blitzt wieder dieser Wortwitz heraus, wenn der Prota mitteilt, dass er Hosen und Schuhe, ähm Schuhregal trägt. Dieser Umzug, übrigens finde ich auch den Titel schon gelungen, mit der Spielerei Zug um Zug, hat irgendetwas Skurriles und Urkomisches. Und das, ohne dass du billige Witze reißt oder man spürt, dass sich der Autor mühsamst einen Witz erschreiben musste. Ich mag deine Leichtigkeit.

Ein Menschenaffe ist immer ein Affe und kein Mensch, ein Mensch kann aber auch ein Affe sein, sagt Louis und kocht viele Nudeln.
Die Aussage, die Louis macht, ist so herrlich platt und doch sagt sie so verflucht viel über den Prota aus und die Gruppe, die beim Umzug mithilft. Da werden nicht tiefphilosophische Themen erörtert, während man die Möbelstücke wuchtet, sondern es wird gelabert und, und das macht den Satz überhaupt wieder interessant, es wird viel gegessen.

Adrian bohrt Löcher in die Löcher, damit sie zugehen.
Den Satz finde ich zwar für sich genommen schön schräge, aber ich verstehe ihn inhaltlich nicht. Aber vielleicht soll er auch einfach nur darlegen, wie sinnlos das alles irgendwie ist.
Ich ziehe um und Louis kocht Nudeln,
Genau. So ist das Leben. Perfekter Satz.
einmal bin ich rangekommen, danach nie wieder, scheint es
Verstehe ich es so, dass der Prota meint, dass er ein einziges Mal quasi seiner Schwester ebenbürtig war? Hält er sie für etwas Gelungeneres als sich?

Alte Väter machen junge Kinder.
Saudummer Satz und trotzdem passt er hier exakt her.
Adrian muss los, nicht mehr bohren, sondern arbeiten, seine Arbeit ist der Handel mit Getränken, kann man so sagen, er ist Kellner, Louis auch, aber der macht Nudeln. Paul ist Koch und gibt ihm was zu trinken, wo kommt er denn jetzt her, ich gebe ihm die Hand und er mir mein T-Shirt zurück, fein, Karton schon weg, ich ziehe es an.
Lustige Abfolge. Der Kellner kocht Nudeln, der Koch ist Kellner. Aber witzig ist dann der zweite Teil, wo du wieder den Satz aufbaust, in dem er nach und nach immer mehr seine ursprüngliche Bedeutung verwandelt.

Andere ziehen um die Häuser, sie ändern sich nicht, ich ziehe um, die Häuser, sie ändern sich, nicht ich, ich nicht, niemals.
Dann schließt du an das Anziehen an, indem du Wortspielereien machst. Gefallen mir sehr diese schrägen Äusserungen und sie passen zum Prota.
Neben dem, wo mein Bett war, Schopenhauer, ich hebe ihn auf. Den hebe ich auf. Wo ist der Karton mit Aufschrift für die Wohnung? In der Wohnung. Arthur kommt in den Rucksack, da sind die Erinnerungen drin, er hat viel Platz.
Jetzt spielst du mit dem Wort aufheben und dann diese lakonische Bemerkung, dass im Rucksack die Erinnerungen sind (und weil es nicht viele sind) mit viel Platz für Arthur. Da ist richtig viel Spielerei in dem ganzen Absatz und viel Aussage zugleich.

Cora kommt, sie lacht, ich liebe,
Auch hier. Für mich schaffst du es, auch wenn meine Interpretion vielleicht völlig daneben liegt, mit sechs Worten, die Beziehung zwischen dem Prota und Cora darzustellen. Sie kommt, weil sie hilfsbereit ist, ihn mag, ihn lustig findet, gern lacht. Punkt. Er liebt sie vergeblich bzw. unerwidert.

Wenn man eine Lampe abmontiert, wird es dunkel, das steht nirgendwo.
Das ist so eine Bemerkung, bei der ich laut lachen musste. Klar, das sind die Erfahrungen, wenn man umzieht, dass dann in der alten Wohnung kein Licht mehr ist, während es in der neuen noch nicht ist. Auch hier bringst du wieder etwas über den Prota zutage, ein Typ, der offensichtlich nicht so planmäßig vorgeht, sich also nicht vorher lange überlegt, was zuerst und was danach zu passieren hat, der aber trotz der dann auf ihn niederschlagenden Ergebnisse, dieses leichten Chaos irgendwie damit umgeht. Er motzt nicht, er jammert schon mal gar nicht, er stellt fest. Also einer, der mit seinem Chaos klar kommt.

Man kann Schränke eingeräumt lassen, wenn Louis mitträgt, lerne ich.
Louis kannste mir mal ausleihen, wenn ich wo ausziehen bzw. einziehen möchte. Herrlich dieser Satz.
Er hilft doch und alle sind egal, egal, ich trage Handschuhe, also trage ich träge eine Truhe.
Du spielst wieder mit dem Wort egal. Alle sind gleich, aber der Prota hebt sich ab vom Egalen, weil er Handschuhe trägt und dann geht die Spielerei mit dem Wort tragen weiter: trage träge Truhe.
Adrian ist doch geblieben und weißelt, in der Linken ein Helles,
Doppelspiel: weißelt in der Linken alles hell und/oder weißelt und hält in der Linken ein Helles.
ich blättere durch Andorra und werfe es in den Karton ohne Aufschrift für die Wohnung, der Edding ist leer.
Sauber wieder wortgespielt mit Andorra, das so klein ist, ist man schnell durchgeblättert und es ist so leicht, man kann es werfen.
Tom wartet, Downtown Train,
Richtig gutes Wortspiel. Ich liebe Waits, eigentlich alles von ihm. Aber beim ersten Mal hatte ich einfach nur einen Tom gelesen, einen weiteren Helfer in der Gruppe und dachte, ok, jetzt findet der Umzug also mit der Bahn statt? Ja, warum nicht. Erst beim erneuten Durchlesen wurde klar, was du da schreibst. Hat mir dann noch mehr gefallen.
Tom wartet, Downtown Train, ich nehme Züge von der Zigarette und höre zu, Cora auch, wir lächeln und reden über Waschmaschinen, weil Louis eine trägt.
Und gleich weiter mit den Wortspielen: Train und Züge nehmen, aber noch mehr gefällt mir die Interaktion zwischen Cora und dem Prota. Wieder so ein Satz, in dem mehr steht also er Worte hat. Louis wird mir immer sympathischer.
Wir stehen rund und stoßen an, einander, unperfekte Menschen, perfekter Kreis.
Super letzter Satz.


Also ich habe nicht alles aufgelistet und beim Sezieren durch meine Zitate ist mir auch aufgefallen, dass es natürlich für dich jetzt sinnvoll ist, es Stück für Stück zu lesen, was ich gut finde, aber der Text wirkt deutlich stärker und frischer, wenn man ihn in einem Rutsch durchliest und sich keine großen Gedanken macht. Die kann man dann beim zweiten Durchlesen haben oder auch nicht.

Lieben Gruß

lakita

 
Seniors
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Aus der Studentenwohnung ausziehen ist wie Wiedergeborenwerden als Sachbearbeiter,

Moin @oneill,

Schlafanzöglich zur Seite gelegen und dann doch ein Aufstand. Schlafentzöglicht Wasser geschlagen,den krähnden Hahn nebst Trockentuch genutzt und verkleidet.

Zug Umzug

gelesen und ohne Not amused zu sein aufgelesen. Abba dann doch die Frage, warum

Konnte ich nicht und …
entgegenwärtigt vorher,
hernach abba
..., ich kann das besser …?

Und damit herzlich willkommen hierorts & herzlichen Glückwunsch zur Empfehlung und

wa lakota,

@lakita ,

feine Ausgrabung,

findet

Het windje

 
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Liebe @lakita,

wow, ich weiß gar nicht, was ich schreiben soll. Ich habe aus Zeitgründen sehr lange nicht mehr ins Forum geschaut, auf einmal öffne ich die Seite und mein Text wurde empfohlen und so herzergreifend rezensiert, obwohl die Meinungen vorher derart geteilt waren. Ich habe deinen Kommentar mehrfach mit offenem Mund gelesen. Also vorab: Danke, danke, danke!!! :gelb:

was du hier hingelegt hast, ist für meine Begriffe schon der Teil der Literatur, wie man es in Zukunft auch machen kann und wird und das ist gut so
Ich fange mal mit dem Satz an, der mir Herzklopfen bereitet hat. Das ist das tollste Kompliment, das ich seit sehr langer Zeit bekommen habe, und es versetzt mich nicht in ein Abheben, sondern hat mein Selbstbewusstsein auf eine Ebene gebracht, mit der ich mich wohl fühle. Meine Schwächen kenne ich und sie stören mich kolossal, aber dass du die Stärken mit dieser Beurteilung versiehst, haut mich komplett um.

Klar, es sind ein paar Dingelchen dazwischen, da weiß ich bis jetzt nicht, was du dir dabei gedacht hast und diese kleinen, aber wenigen Stellen betrachte ich auch als überholungsbedürftig, falls ich nicht die einzige bin, die Tomaten auf den Augen hat,
Ja, da ist tatsächlich bei erneutem Lesen einiges doch schräger als geplant, aber das kam in diesem Stream of Consciousness einfach raus und war nicht mehr änderbar, da der Flow dann schon weg gewesen wäre. Den Text habe ich während einer sehr melancholischen und irgendwie traurigen Busfahrt durch die Stadt in den Handybildschirm gehauen. Mit dem Ausstieg war der Gedanke aber erstmal vorbei, Korrektur war also schwer. Mit jedem neuen Lesen entdecke ich also auch diese ganzen Dinge, die ich im Nachhinein lieber anders gemacht hätte. :)

Saturn bekomme ich nicht eingebunden in deine Aussagen. Was meinst du damit?
Im Grunde nur, dass er damals zu Saturn gegangen ist, um Fifa zu kaufen und sich selbst zu beweisen, dass er beim Elfmeter nicht hinfällt, sondern ihn eiskalt verwandelt. Zwar am Bildschirm und nicht im realen Finale der Champions League, aber immerhin.

Bei "ein,aus" bin ich mir unsicher, was du genau damit meinst, aber ich bin mir sicher, das steht dort auch, weil der Text einen gewissen Sound hat und dann braucht es diese beiden Worte, Sinn hin oder her.
Ja, tatsächlich lag es auch am Sound; der "Sinn" ist allerdings das Ein- und Ausatmen beim Rauchen. :D

Sehe ich das so richtig, dass dein Prota eben Abschied nimmt von einer Fussballerkarriere und das für ihn auch Ausdruck des Erwachsenwerdens ist?
Absolut! Zumindest nimmt er Abschied vom Gedanken, dass Fußball in irgendeiner Weise irgendeine Relevanz hat. Weder als Videospiel, noch als ernsthaft zu erwägende Berufsoption.

Den Satz finde ich zwar für sich genommen schön schräge, aber ich verstehe ihn inhaltlich nicht. Aber vielleicht soll er auch einfach nur darlegen, wie sinnlos das alles irgendwie ist.
Das war tatsächlich genau so gemeint, irgendwie sinnlos, beim Umzug Löcher in der Wand zuzuspachteln, wenn der nächste eh wieder Bilder aufhängt, die hingen vorher doch gut, kann man wieder nehmen, die Stellen.

Verstehe ich es so, dass der Prota meint, dass er ein einziges Mal quasi seiner Schwester ebenbürtig war? Hält er sie für etwas Gelungeneres als sich?
Ja, genau. Einmal sah es aus, als seien sie ebenbürtig, aber im Grunde wurden die Tatsachen danach recht schnell klar.

Louis kannste mir mal ausleihen, wenn ich wo ausziehen bzw. einziehen möchte.
Der Mann trägt Waschmaschinen allein in den Keller runter, das ist unglaublich! :lol:

Richtig gutes Wortspiel. Ich liebe Waits, eigentlich alles von ihm. Aber beim ersten Mal hatte ich einfach nur einen Tom gelesen, einen weiteren Helfer in der Gruppe und dachte, ok, jetzt findet der Umzug also mit der Bahn statt? Ja, warum nicht. Erst beim erneuten Durchlesen wurde klar, was du da schreibst. Hat mir dann noch mehr gefallen.
Danke! Ich auch, und wie. Tatsächlich ist aber auch ein Tom dabei und wartet auf den Zug in die Stadt, er kommt immer zu spät, am liebsten zu Umzügen, weil er außerhalb wohnt und die Bahn ständig verpasst. Ich weiß nicht, wo ich mit der Doppeldeutigkeit hin wollte.

Ich danke dir nochmal zutiefst und freue mich darauf, deine Texte zu lesen. Du hast meinen Tag gerettet!

Liebe Grüße,
oneill


Hi @Friedrichard,

Schlafentzöglicht Wasser geschlagen,den krähnden Hahn nebst Trockentuch genutzt und verkleidet.
ich liebe den Satz, der ist fabelhaft.

herzlich willkommen hierorts & herzlichen Glückwunsch zur Empfehlung
Tausend Dank dir!

Liebe Grüße,
oneill

 
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15.03.2021
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71

Hallo @oneill,
naja, war ganz interessant, Dein Text, mal was anderes. Zwar wäre für mich die Aussicht, dass dieser Stil die Literatur der Zukunft sein sollte, eine erschreckende, aber so mal als Experiment eben interessant. Ich könnte nicht viel davon lesen, weil das viel zu anstrengend und wenig genussvoll wäre. Dessen ungeachtet hast Du schöne Wortspielereien drin, die mir auch gefallen haben.
Was er bei mir emotional hinterlässt, sind Erinnerungen an meine Studentenzeit, die ich nicht gerne hervorkrame, trostlose Erinnerungen an Kälte und Einsamkeit, jeder sucht und keiner findet, sich selbst vor allem nicht. Damit dann gekoppelt bekifftes Suchen nach Kunst, Selbstüberschätzung und Resignation...
Was ich ernsthaft kritisieren möchte, ist der Anfang.

Als sich John Terry auf die Fresse legt, bin ich zwölf. Saturn, FIFA, ich kann das besser. Konnte ich nicht und lege die Hülle in die Tüte ohne Aufschrift für den Müll. Pause.
Wenn man kein Fussballfan ist, muss man hier gleich mehrfach googeln, damit man überhaupt annähernd versteht, wovon die Rede sein soll. Das finde ich nicht günstig. Außerdem habe ich den Sinn des Satzes "Saturn, FIFA, ich kann das besser." nicht verstanden. Ich habe mir also erarbeitet, dass es von Saturn Aufnahmen von Fußballspielen gibt. Naja, okay, jetzt langsam: Also als er zwölf war, dachte er wohl, er könnte besser Fußballspielen als diese Fussballer, von denen einer sich auf die Fresse gelegt hat, hat dann später aber festgestellt, dass dem nicht so war. Naja, wenn man also den Text aufmerksam mehrfach liest, kommt man den Dingen auf die Spur. Aber das muss man wollen. Für mich ist das eher nichts.
Aber, dem Lob, dass Du Neues wagst und in knappen Worten etwas ausdrückst, Stimmung erzeugst, kann ich mich durchaus auch anschließen. Hauptsache, es gibt daneben noch weiterhin die Literatur, die ich gerne lese. 😊
Herzliche Grüße,
Palawan

 
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26.12.2014
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458

Hi @oneill,

ist ein poetischer Text, bei dem Sprache und Inhalt eine wunderbare Verbindung eingehen. Ein Text, der von Übergängen handelt, auch wenn der Erzähler das bestreitet:

Andere ziehen um die Häuser, sie ändern sich nicht, ich ziehe um, die Häuser, sie ändern sich, nicht ich, ich nicht, niemals.

Doch, die ganze Sprache, der Rhythmus, alles atmet Veränderung: "Zug Umzug". Wird er einen von den Leuten je wiedersehen? Werden sie überhaupt in Kontakt bleiben? Man hat das Gefühl, nein, aber das ist nicht schlimm, das Hier und Jetzt ist alles, ein Moment, in dem die Zeit gefesselt scheint und sich doch schon wieder löst.

Und die Sprache möchte nicht perfekt sein, die Menschen sind es ja auch nicht, es ist eine Sprache, die auf dem Weg ist, vielleicht kommt sie mal zu einem Ziel, gießt sich in perfekt gedrechselte Sätze wie bei Schopenhauer, aber nicht jetzt, jetzt ist nicht die Zeit.

Werde gern mehr von dir lesen!
M.

 

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