Zwischen den Meeren
Lange, sehr lange schreibe ich hieran. Nicht, weil es mir an Gedanken fehlen würde, sondern weil ich nie die richtigen Worte finde. Vielleicht gibt es sie auch gar nicht. Vielleicht reichen Worte schlicht nicht aus, um etwas zu beschreiben, das größer ist als Sprache selbst: Liebe oder das vergebliche Ende davon.
Es kam unerwartet. Und doch bleibt, tiefer als jeder Schmerz, eine Dankbarkeit, die sich nicht abschütteln lässt. Er war mir verbunden, auf eine Weise, die ich nie für möglich gehalten hätte. Nicht er mir vielleicht, sondern ich ihm. Mein Herz jedenfalls war es. Mein Herz fand seinen Weg zu ihm, zu seinem guten, seinem schönen. Zu jener stillen Wärme, die von seinem Wesen ausging.
Wertschätzung und Bewunderung spielten Premiere in diesen Städten. Sie nahmen eine Gestalt an, die ich zuvor nicht kannte, und fanden ihre größte Form zwischen den Meeren. Es braucht nicht lange, um so zu fühlen. Um genau zu sein, waren es nur Wochen. Nur wenige Wochen, die genügten, um etwas in mir für immer zu verändern. Doch Jahre braucht es, dies zu vergessen. Wobei ich das nicht weiß. Ich schätze, es dauert Leben.
Worüber rede ich? Vielleicht von Liebe. Vielleicht von mehr. Etwas, das sich jeder klaren Benennung entzieht. Hätte in diesem Fall die Liebe gefehlt, wäre alles vielleicht wertvoller ausgegangen. Vielleicht hätte daraus eine Bruderschaft werden können, ein stilles Band zwischen zwei Seelen. Vielleicht eine Mentorenschaft, getragen von Weisheit und gegenseitigem Wachstum. Doch es war Leider Liebe. Und ich liebte sehr.
Ich liebte seine Gedanken, sein Herz, seine Worte, seine Weisheit, seine Gefühle. Ich liebte alles, was ihn ausmachte. Mir gehen die Worte aus, obwohl hier jedes Wort stehen könnte und dennoch zutreffend wäre. Alles an ihm schien Bedeutung zu tragen. Vor allem aber war es seine Weisheit, jene Klarheit, die zugleich Trost und Schmerz in sich trug.
Und wie bei jeder guten Aufführung der Gefühle kam die Sehnsucht erst am Ende.
Vielleicht ist es wie im Theater. Dort findet man Liebe in den Ideen, in den Rollen, in den Worten, die auf der Bühne größer wirken als das eigene Leben. Man nimmt sich mit, was einem gefällt, trägt es mit sich hinaus in die Nacht und wünscht sich, selbst so zu sein. Man lernt. Und erst wenn der Vorhang gefallen ist, begreift man, wie viel man beim zweiten Mal verstanden hätte.
Ich kann das Ende begreifen, aber ich kann es nicht verkraften.
Ich habe gelernt. Aber nicht genug. Ich habe mir die Seele aus dem Leib geschrieben und geweint, weil mir erst im Schmerz klar wurde, wie wenig ich tatsächlich verstanden hatte. Wie wenig ich bereit war. Aber die Premiere war gespielt. Das erste Mal. Nicht das zweite.
Er sagte mir, ich sei nicht bereit. Er sagte mir, er wolle nicht von mir verletzt werden und dass es doch geschehen würde. Er hatte immer recht.
Und dennoch fühle ich mich wie ein Egoist, wenn ich an ihn denke. Denn trotz allem wäre es das Größte für mich, zu wissen, wie es ihm geht. Was er tut. Ob er liebt. Ob irgendwo in seinem Herzen noch ein Gedanke an mich verweilt. Ob er mir verzeiht.
Ich habe oft darüber nachgedacht, ob die Vergangenheit vergessen werden kann. Sicherlich nicht. Ob sie repariert werden kann. Sicherlich auch nicht.
Aber vielleicht kann sie verwandelt werden.
Nicht durch Vergessen, nicht durch Ungeschehen machen, sondern durch Vergebung.
Vielleicht liegt darin die einzige Form von Heilung, die der Vergangenheit noch möglich ist: dass aus Schmerz Milde wird, aus Schuld Verständnis, aus Sehnsucht Frieden.
Das ist es, was ich mir von tiefstem Herzen wünsche.