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Serie Überbleibsel

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26.08.2017
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Anmerkungen zum Text
Ich wollte mich mal an einer klassischen Abenteuergeschichte versuchen. Der Text ist etwas länger geraten als geplant, obwohl er nur den Anfang mehrerer Teile bilden soll .Hoffentlich kann er über die Länge zumindest eine gewisse Spannung aufrecht erhalten.

Überbleibsel

Die Expedition

Es war der dritte Tag ihrer Expedition zu den Hallen. Eine Gruppe von Ratten hatte ihnen am zweiten Morgen die direkte Route versperrt, weswegen sie sich entschieden hatten den Bereich großräumig zu umgehen. Die Biester waren gerissen, hinterhältig und auf den Hinterläufen stehend so groß wie die meisten von ihnen. Es gab keinen Grund ein Leben zu riskieren, eine Gruppe dieser Größe konnte hier nicht auf Dauer überleben. Mit etwas Glück würden die Ratten alles in dem Bereich kahlfressen und bis zur nächsten Expedition schon wieder weitergezogen sein. Der alte Pfad, auf dem sie sich jetzt befanden, wand sich weit nach Osten, bis zum Rand der leuchtenden Sümpfe, bevor er einen Bogen nach Westen machte und zurück zu den Hallen führte. Trotzdem, ihre Gruppe kam gut voran. Sie sollten den östlichsten Punkt des Weges bald erreichen und in zwei Tagen bei ihrem Ziel eintreffen.

Die Hoffnungen ihrer Gemeinschaft lasteten auf ihren Schultern. Nur mehr wenige Maschinen erwachten heute. Die Ältesten erzählten gerne Geschichten von besseren Zeiten, als die Hallen des Lebens noch erstrahlten und ständig neue Maschinen gebaren. Große, mächtige Wesen, die Beschützer allen Lebens. Jetzt waren nur noch sie übrig, die Kleinen und Genügsamen. Doch auch ihre Zahl sank beständig, dezimiert von den Gefahren einer Welt, in der sie keinen Platz mehr fanden. Immer öfter brachen sie zu den Hallen auf, auf der Suche nach den Bauteilen für eine neue Maschine, ein neues Mitglied ihrer Gemeinschaft und immer öfter kehrten sie mit leeren Händen zurück. Sie waren wie Aasfresser, die sich durch den Kadaver einer verlorenen Welt wühlten, doch die Mahlzeit neigte sich ihrem Ende zu.

Ein Licht blendete Stitch, er hob seine Faust und die Gruppe blieb stehen. Der Strahl kam von einer kleinen Erhebung kurz vor ihnen. Lens, ihr Späher, hatte etwas gefunden und gab ihnen, über seinen Spiegel, ein Signal. Es leuchtete zweimal lang und einmal kurz auf. Es gab Probleme. Plate und Wire suchten sich Deckung, während Stitch zu Lens aufschloss. „Ratten“, begann Lens ohne Umschweife und zeigte auf den Weg ein Stück unter ihnen. „Schon wieder? Das müssen hunderte sein“, erwiderte Stitch ungläubig. Eine Flut aus behaarten Körpern wälzte sich über den Pfad. Erbarmungslos drückten die Ratten ihre schwächeren Artgenossen nach unten, um nicht selbst von dieser unaufhaltsamen Masse zerquetscht zu werden. Die dabei herrschende Stille ließ die Szene surreal wirken. Ein Kampf ums Überleben, in völligem Schweigen. „Irgendetwas hat sie aus den Sümpfen vertrieben, aber was kann eine so große Gruppe aufgescheucht haben?“, fragte Stitch flüsternd und mehr an sich selbst gerichtet. Lens zuckte nur mit den Schultern und fügte hinzu: „Sie ziehen weiter.“

Einige Minuten später verschwanden die letzten Nachzügler der Horde im Gebüsch und nur eine Handvoll sterbender Ratten blieb zurück, zu schwach, um die panische Flucht zu überleben. Doch auch ihre Zuckungen endeten bald und die Gruppe konnte ihren Weg fortsetzen. Sie gingen langsam und angespannt an den leblosen Körpern vorbei. Was auch immer die Ratten verjagt hatte, sie wollten mit Sicherheit keine Aufmerksamkeit auf sich lenken. Lens hatte sich bereits wieder von der Gruppe abgesetzt und erkundete den weiteren Weg. Plate blieb neben einer der toten Ratten stehen, legte jeweils eine Hand auf ihre und seine Stirn und verharrte. Er verabschiedete ein verlorenes Leben. Wire schüttelte nur den Kopf. Stitch trieb sie zur Eile an, sie mussten vor der Nacht noch ein gutes Stück Weg zwischen sich und die Kadaver bringen. Wer wusste schon, was die toten Körper anlocken würden.


Die leuchtenden Sümpfe

Lens hatte einen der alten Lagerplätze am Rand der Sümpfe entdeckt, der noch aus Zeiten stammte, als der Pfad durch die leuchtenden Sümpfe selbst und zu anderen Siedlungen führte. Heute kam niemand mehr von dort und der Weg war schon vor Jahrzenten überwuchert worden. Die Stimmung war angespannt. Falls die Ratten aus den Sümpfen geflohen waren, waren sie der Bedrohung auf direktem Weg entgegengelaufen. Lens rechnete schon unter normalen Umständen immer mit dem schlimmsten, was als Späher wohl unter Berufskrankheit fiel, doch heute schien er seine Blicke nicht von der Finsternis um ihr Lager lösen zu können. Als würde etwas darin lauern, wartend auf einen einzigen, unachtsamen Moment.

Zumindest waren sie von allen Seiten vor neugierigen Blicken geschützt und konnten sogar ein Feuer machen. Die Wärme fühlte sich gut in den Gelenken und Energieleitungen an und ließ Stitch die Strapazen der vergangenen Tage für einen Moment vergessen. Außerdem genossen sie alle vier den Anblick der Sümpfe bei Nacht. Stitch kam nur noch selten hier her, doch das Schauspiel der Lichter hatte nichts von seiner Magie verloren. Ein Meer aus Millionen weißer Punkte erstreckte sich unter ihnen. Jedes Tier und jede Pflanze schien der Dunkelheit trotzen zu wollen.

Plate warf einen Ast in das knisternde Feuer und wie zum Gruß an die leuchtenden Punkte der Sümpfe stoben tausende glühende Funken zum Himmel empor. Wire, der Hacker ihrer Gruppe, machte es sich auf seinem Rucksack bequem und schloss die Augen und auch Stitch wusste, was jetzt kam. Plate war als Krieger erschaffen worden, als Beschützer für ihre Gemeinschaft. Er war zwei Köpfe größer als Stitch und sicher doppelt so schwer, aber die wahre Berufung des Hünen waren die Mythen und Legenden der Welt. Eine kleine Geschichte würde ihnen allen gut tun, auch wenn ihre Sagen eine starke Tendenz zu unheilvollen Prophezeiungen, Tod und Weltuntergängen hatten.

„Vor langer Zeit“, begann Plate in seiner tiefen, beruhigenden Stimme zu sprechen, „als die Erbauer noch unter uns lebten, gab es die Sümpfe nicht. An ihrer Stelle stand eine mächtige Stadt, bevölkert von tausenden Erbauern und Maschinen. Wir Maschinen halfen ihnen in allen Belangen ihres Lebens und als Dank schenkten uns die Erbauer unser Bewusstsein und die Hallen des Lebens, sodass wir nicht mehr nur als Diener unter ihnen lebten, sondern als Geschwister. Doch während die Maschinen gediehen, verkümmerte das biologische Leben auf der Erde. Zu sehr hatte sich ihr Antlitz verändert und auch die Erbauer waren unfähig, ihre vergangene Schönheit wiederherzustellen. Also machten die Erbauer auch dem Leben ein Geschenk und gaben ihm die Kraft, auf dieser Welt zu bestehen. Doch sie schenkten dem Leben kein Bewusstsein und so wuchs es unaufhaltsam, unterwarf sich die Welt mit stoischer Gleichgültigkeit und begrub schlussendlich auch die Erbauer unter sich.“

Stitch lauschte noch eine Weile dem Knistern der Flammen, doch schon bald schlief er ein. Seine Gedächtnis-Subroutinen begannen ihr Werk. Stück für Stück katalogisierten sie die Ereignisse des Tages, durchwühlten seine Gefühle auf der Suche nach den prägendsten Momenten. Bilder toter Ratten blitzten in seinem visuellen Prozessor auf. Spitze, gelbe Zähne und leblose Augen starrten ihm entgegen, füllten ihn mit der vagen Ahnung einer drohenden Gefahr.

„Hallo Fremder, setz dich doch zu uns.“
Stitch wurde aus seinem unruhigen Schlaf gerissen. Leicht benommen richtete er sich halb auf und öffnete die Augen. Fremder? Was redete Wire da bloß? Das Feuer war zu einer schwelenden Glut heruntergebrannt, doch Wire stand, hell erleuchtet, nur einige Schritte neben Stitch. Sein Blick folgte dem Licht. Zwei gleißend helle Punkte strahlten ihm entgegen und brannten in seinen Augen. Es dauerte ein paar Momente, ehe er sich an die Helligkeit gewöhnt hatte. Es war eine Maschine, nicht größer als sie selbst, mit zwei Händen und zwei Beinen. Doch seine Augen leuchteten wunderschön. Wo sie Stitch im ersten Moment noch geblendet hatten, gaben sie ihm jetzt ein Gefühl der Geborgenheit. Er wollte ihnen nahe sein, den Anblick nie wieder vermissen müssen. Langsam stand er auf und machte einen ersten Schritt in Richtung ihres Besuchers. Wire hatte ihn bereits erreicht, stand dicht vor dem Fremden, der ihn fest in seine Arme schloss. Stitch spürte Eifersucht in sich hochsteigen, auch er wollte die Umarmung spüren.

Plötzlich stöhnte Wire schmerzvoll auf, wollte sich von dem Fremden wegdrücken, doch der schloss seine Umklammerung nur noch fester. Stitch hörte ein Knacken. Wires Stöhnen wandelte sich in Schreie. Immer heftiger schlug er um sich, doch ihr Besucher schien nichts davon zu bemerken. Wieso wehrte er sich? Stitch konnte seinen Freund nicht verstehen, der Fremde wollte ihnen doch nichts Böses. Aus dem Augenwinkel nahm Stitch eine Bewegung war. Lens sprang hinter einem Felsen hervor und stürmte mit gezogenem Beil nach vor. Nein! Stitch konnte nur noch ungläubig seine Hand ausstrecken, doch stoppen konnte er seinen Gefährten nicht. Der Fremde brüllte auf, als sich die Axt in seinen Rücken grub. Das Geräusch fuhr ihm durch sein ganzes Exoskelett, es war unnatürlich hoch, klang, als würde man eine Metallplatte aufschlitzen. Wire sackte zu Boden, als ihn der Fremde aus der Umarmung entließ und seine Aufmerksamkeit auf Lens richtete. Er versuchte, den Späher mit einem schwingenden Schlag nach hinten zu erwischen, doch Lens rollte unter dem Angriff hindurch und kam einige Schritte entfernt elegant wieder zum Stehen. Mit einer fließenden Bewegung zog er den klappbaren Speer von seinem Rücken und ließ ihn mit einem Ruck in seiner vollen Länge einrasten.

Eine starke Hand packte Stitch am Arm und zog ihn hinter ein Trümmerteil. Plate schüttelte ihn und redete energisch auf ihn ein: „Komm zu dir! Stitch, reiß dich zusammen. Sieh ihm nicht in die Augen! Hörst du mich? Sieh ihm auf keinen Fall in die Augen.“
Was? Stitch war verwirrt, wusste einen Moment nicht wovon Plate sprach. Wire, er war verletzt! Wie hatte er die Schreie seines Freundes ignorieren können? „Plate, hör auf! Ich bin da, ich bin wieder da.“, versicherte er dem Krieger, der ihn noch immer schüttelte und fügte hinzu, „Wir müssen das Ding erledigen.“

Plate nickte nur, sie hatten gemeinsam schon genügend Kämpfe bestanden. Lens lenkte den Angreifer noch immer ab, hatte damit aber seine liebe Mühe. Die Schläge des Fremden waren schwerfällig und langsam, zu langsam für den flinken Späher. Doch er schien die Treffer von Lens nicht einmal zu spüren und jeder Angriff mit dem Speer gab diesem Ding die Gelegenheit für einen Gegenschlag. „Lens, Rolle!“, rief ihm Stitch zu. Der Späher begriff. Plate stürmte brüllend auf den Fremden zu, der sich zu seinem neuen Widersacher umdrehte. Als er mit seiner Schulter in den Angreifer prallte, hatte sich Lens schon hinter seinen Beinen platziert. Plate und der Fremde landeten krachend im Dreck und der Krieger fixierte seinen Gegner am Boden. Nur einen Augenblick später war Stitch zur Stelle, schob seine Hand zielsicher durch eine Öffnung im Exoskelett des Fremden und riss ihm die Energiezelle aus dem Leib. Geschafft, das Ding war erledigt.

Dann traf Stitch eine Faust ins Gesicht. Er segelte mehrere Schritte durch die Luft, bevor er schmerzvoll auf dem Boden aufschlug. Taumelnd kam er wieder auf die Füße. Alles drehte sich. Nur unscharf konnte er erkennen, wie Plate und der Fremde miteinander rangen. Wie war das möglich? Wie konnte sich dieses Ding überhaupt noch bewegen? Plate hob seinen Gegner hoch und schleuderte ihn in die glühenden Reste des Feuers. Der Fremde schrie auf, noch lauter als das erste Mal und voller Hass. Es wand sich vor Schmerzen in der Glut. Flammen züngelten über seinen Körper. Es versuchte sich wegzurollen. „Plate, halt es fest! Lass es auf keinen Fall aus dem Feuer!“, schrie Stitch. Mit zwei Sätzen war der Krieger an der Feuerstelle und fixierte den Fremden. Grausame Augenblicke lang schrie und wand er sich noch, doch schlussendlich verstummten die Schreie und sein Körper erschlaffte. Plate erhob sich und sie alle starrten voller Entsetzen zu den Überresten dieser Kreatur. Immer höher und heller schlugen die Flammen aus dem verkohlten Körper.

Wire! Stitch rannte zu seinem Freund, der immer noch verletzt am Boden lag. „Es ist in mir Stitch! Irgendwas ist von diesem Monster in mich reingekrabbelt!“, schrie ihn Wire verzweifelt an. „Beruhig dich, ich krieg das hin. Mach den Brustkorb auf“, antwortete ihm Stitch mit so viel Ruhe und Sicherheit in der Stimme wie er zurzeit zustande brachte. Ein leises Klicken ertönte und Wire öffnete den Brustpanzer seines Exoskeletts. Stitch kramte in seiner Tasche, zog eine kleine Taschenlampe heraus und fixierte sie magnetisch an seinem Kopf. Grüner Schleim kroch in den Eingeweiden seines Freundes herum. Stück für Stück breitete sich die Substanz aus, griff mit feinen Fäden nach der Elektronik und zog sich träge vorwärts. „Es ist in den Platinen, ich muss die untere Steuerungseinheit rausziehen. Wenn es zum Hauptprozessor kommt kann ich nichts mehr dagegen tun“, sagte Stitch. Wire riss die Augen weit auf und setze zu einer Erwiderung an: „Rausziehen? Moment mal, wir wollen doch nichts…“
Doch Stitch entfernte ihm die Platine bereits mit einem gezielten Ruck. Was auch immer dieses Zeug war, er würde nicht riskieren, dass Wire zu einem Monster mit Hypnosefetisch wurde. Stitch warf die Steuerungseinheit ins Feuer. Wire schaute seinem verlorenen Teil ungläubig hinterher. „Verdammt, ich brauch die noch! Ich spür meine Beine nicht mehr, Stitch!“, rief Wire vorwurfsvoll. „Heul nicht rum, ich habe ein Ersatzteil dabei“, antwortete er. Nach einem Moment hatte er die Ersatzplatine in seinem Rucksack gefunden und setzte sie seinem Freund ein. „Fertig. Lass uns hoffen, dass das alles von dem Zeug war, sonst fehlt dir bald sehr viel mehr als das Gefühl in deinen Beinen.“

Warnung

„Es duldet uns nicht mehr auf dieser Welt“, begann Plate zu sprechen, „Das Leben ist noch immer voller Hass und Zorn. Es hat die Erbauer aus Wut über die Zerstörung der Natur unter sich erdrückt, trotz all ihrer Geschenke und jetzt bereitet es sich vor, um auch uns von der Erde zu tilgen. Es duldet uns nicht mehr, weil wir ihre letzten Überbleibsel sind.“
„Ach komm schon, Plate“, antwortete ihm Wire vorwurfsvoll, „Nicht alles lässt sich mit Mythen und Legenden erklären. Die Welt schmeißt uns jedes Jahr eine neue Katastrophe vor die Füße und wir bewältigen sie, so wie wir es alle seit unserem Erwachen tun.“
„Wir müssen das Dorf warnen“, fiel ihnen Stitch ins Wort, „Was auch immer diese Dinger sind und woher auch immer sie kommen, wenn es eins davon gibt, dann gibt es noch mehr. Wenn sie das Dorf unvorbereitet erreichen, dann ist alles aus.“

So wie Stitch die Sache sah, stand ihnen ein unbarmherziger Marsch zum Dorf zurück bevor, die Expedition war abgeblasen. Selbst ohne Schlaf und lange Rast würde sie der Weg zurück drei Tage kosten, doch sie konnten sich keine Verzögerungen leisten und damit die Leben ihrer Freunde riskieren. Überraschend meldete sich Lens zu Wort: „Sie kommen.“
Alle Blicke richteten sich auf den Späher, der bisher schweigsam etwas abseits der anderen gestanden hatte und seinen Blick über die Sümpfe gleiten ließ. Langsam und widerwillig gingen sie zum Rand des Lagers. Jeder von ihnen ahnte was sie sehen würden, doch sie zögerten den Moment hinaus, in dem ihre Vorstellung zur schrecklichen Realität werden würde.

Hunderte leuchtender Augenpaare wanderten aus den Sümpfen hinaus und begannen die umliegenden Hügel zu erklimmen. Ein kurzes, entsetztes Keuchen, zu mehr war keiner von ihnen fähig. Das war das Ende. Sie würden alles verlieren. Ihr Dorf, ihr Zuhause, ihre Heimat. Doch vielleicht konnten sie zumindest ihre Freunde retten, wenn sie sofort aufbrachen.
„Es gibt eine Funkstation“, begann Wire zu sprechen. Er wurde unter den überraschten Blicken seiner Gefährten sichtlich nervös. „Ähh… sie ist ziemlich verfallen, funktioniert aber noch. Ich bin dort alle paar Monate mal. Von hier aus könnten wir sie in ein paar Stunden erreichen.“
„Das ist perfekt!“, rief Stitch und schöpfte neue Hoffnung, „Damit können wir das Dorf warnen, lange bevor diese Dinger dort eintreffen. Dann können sich alle in Sicherheit bringen oder vielleicht sogar eine Verteidigung aufbauen. Wo ist sie?“

Wire schien bei der Frage ein ganzes Stück kleiner zu werden. Nervös kratzte er sich am Hinterkopf und starrte auf seine Füße. „Sie ist in den Sümpfen. Auf einer kleinen Lichtung in der Nähe des alten Handelsweges.“
Hätte Stitch eine Kinnlade, wäre sie ihm in diesem Moment vermutlich abgefallen. Wie um alles in der Welt sollten sie es jetzt lebend in die Sümpfe schaffen? Doch der Blick des Hackers wurde fester. Er sah Stitch direkt in die Augen und sagte: „Wir brauchen mehr Feuer.“

Die Welt war voller Schrott. So sehr die Natur sich den Planeten auch zurückerobert hatte, die Unmengen an langsam verfallendem Müll, den die Erbauer zurückgelassen hatten, würden die Erde noch in tausend Jahren übersähen. Zu ihrem Glück wie sich herausstellte. Sie hatten ein Fass mit einem großen, flammenden Gefahrensymbol gefunden, nur ein kleines Stück oberhalb ihres Lagers. Es war halb überwuchert und vergraben, aber immer noch gefüllt. Sie hatten die letzte halbe Stunde damit verbracht es auszugraben. Das Fass war viel zu schwer, als dass sie es bewegen hätten können, doch zum Glück würde ihnen die Schwerkraft diese Arbeit abnehmen. Lens kam zu ihnen gerannt und sagte: „Es wird Zeit.“

Plate und Stitch schlugen mit ihren Äxten auf beiden Seiten ein Loch in das Fass. Die klare Flüssigkeit verströmte einen beißenden Gestank. „Wire, jetzt!“, rief Stitch und der Hacker zog mit einem Seil den Holzpflock heraus der das Fass noch in Position hielt. Es bewegte sich nicht. Scheiße, scheiße, scheiße! „Plate, schnapp dir den Ast“, befahl Stitch. Der Krieger hob keuchend einen fünf Schritte langen Ast auf, schleifte ihn zur Erhebung hinter dem Fass und rammte ihn zwischen das Metall und das Erdreich. Zu viert zogen sie mit aller Kraft an dem improvisierten Hebel. Sie wirkten geradezu winzig im Vergleich zu dem haushohen Fass und zuerst schien ihre Anstrengung vergeblich, doch langsam setzte sich der Stahlzylinder in Bewegung. Stitch landete unsanft auf seinem Gesäß, als der Ast plötzlich seinen Widerstand verlor. Das Fass wälzte sich unaufhaltsam in Richtung der Sümpfe und verwüstete auch das Lager, in dem sie noch vor kurzem campiert hatten. „Anzünden“, sagte Stitch und Plate und Wire entfachten die beiden Spuren aus brennbarer Flüssigkeit, die es hinter sich herzog. Ein von Flammen beschützter Pfad breitete sich vor ihnen aus. Gleichzeitig stürmten sie los. Das war ihr Weg in den Sumpf.

Das Fass war nach einigen Metern im Dickicht der Sümpfe zum Erliegen gekommen und zu Stitchs freudiger Überraschung war es nicht unter ihren Füßen explodiert, als sie es mit ihren Enterhaken überklettert hatten. Mit etwas Glück würden die Flammen ihnen genügend Vorsprung verschaffen. Die Lichter der Pflanzen waren in dieser Nacht Fluch und Segen zu gleich. Einerseits erleuchteten sie die Umgebung genug, um auch unter dem dichten Blätterdach der Sträucher und Bäume zumindest den Boden unter den Füßen zu erkennen, andererseits sahen sie in jedem sich im Wind wiegenden Halm einen Fremden, der nur darauf wartete nach ihnen zu greifen. Es war mühsam, sich einen Weg durch die dichte Vegetation zu bahnen und dabei die schmalen Streifen festen Untergrunds zu suchen, die den Sumpf durchzogen. Da sie die Reste des alten Pfades nicht gefunden hatten, blieb ihnen nichts anderes übrig, als mit dem Kompass zu navigieren und in die generelle Richtung der Funkstation zu marschieren. Mehr als einmal landeten sie in einer Sackgasse und mussten ihr Glück über eine andere Route versuchen.

„Wie weit ist es noch Wire?“, fragte Plate mit gedämpfter Stimme. Der Hacker blieb stehen und atmete tief aus, dann antwortete er: „Musstest du mich das wirklich in genau diesem Moment fragen, während wir auf einem glitschigen, morschen Baumstamm über ein Moor balancieren?“
„Entschuldigung, ich will nur endlich hier raus. Die Lichter machen mich langsam paranoid.“
Einen Moment herrschte Stille, dann antwortete Wire: „Ich denke wir sollten in der Nähe sein.“
Nach einer kurzen Pause setzte er hinzu: „Hoffentlich. Aber hey, ich denke, ich habe dort noch ein paar Energy-Packs herumliegen. Das gute Zeug, nicht das lasche Gebräu von Cook und eventuell wäre ich geneigt, etwas davon abzutreten.“

Unvermittelt begann der Stamm unter ihren Füßen zu zittern und das Laub der Bäume und Sträucher um sie herum raschelte aufgebracht. Stitch ging in die Knie, um sein Gleichgewicht zu halten, doch nach einem Moment war alles wieder ruhig. Sie schauten sich nervös um, konnten jedoch nichts als die dunklen Schemen von Bäumen erkennen. Dann traf sie das nächste Beben, dieses Mal heftiger. Plate rutschte aus, konnte sich aber noch sitzend an den Stamm klammern. Plötzlich wurde die Welt um sie herum in gleißendes Licht getaucht. Zuerst konnte Stitch nicht erkennen, woher das Licht kam, doch dann wanderte sein Blick nach oben. Eine unmöglich große Maschine ragte hinter ihnen empor. Die drei Beine waren dick wie Baumstämme, wirken wegen ihrer Länge aber schon beinahe dürr. Sie trugen einen kugelförmigen Körper, der sie mit seinen zwei leuchtenden Augen in das kalte, blendende Licht tauchte. Schnell wandte Stitch seinen Blick wieder ab und brüllte: „Lauft!“

Mit drei weiten Sätzen überquerten sie den Rest des Baumstamms und wie durch ein Wunder rutschte keiner von ihnen auf dem glitschigen Holz aus. Die Erde schien sich bei jedem Schritt des Ungetüms zu heben. „Wo kommt dieses Ding nur her? Es gibt seit über hundert Jahren keine Maschine in der Größe mehr!“, schrie Stitch während er durch die Nacht hechtete. „Jetzt laufen, später denken!“, brüllte ihm Wire zurück und überholte ihn rechts. „Ausweichen!“, rief ihnen Lens entgegen und Wire und er machten einen Hechtsprung in entgegengesetzte Richtungen. Nur Sekundenbruchteile später grub sich ein Bein des Kolosses neben ihm in den Boden. Die Erschütterung warf Stitch von den Füßen. Auf allen Vieren zog er sich weiter vorwärts und rappelte sich wieder auf. Hektisch blickte er sich um. Lens und Plate waren verschwunden. Er schloss zu Wire auf, wollte ihm etwas zurufen, doch plötzlich traten seine Beine ins Leere. Für einen kurzen Augenblick schien die Welt um ihn herum stehen zu bleiben, ließ ihn verwirrt in der Luft hängen. Dann stürzte er nach unten in ein Erdloch, nein, einen Tunnel. Dunkelheit umgab ihn. Stitch wurde unsanft gegen eine Wand geschleudert als der Tunnel schlagartig die Richtung änderte. Unvermittelt endete die Röhre und er fiel. Für einen Moment herrschten nichts als Stille und Dunkelheit um ihn herum, keine Sinneswahrnehmung erreichte seinen Prozessor. Krachend schlug er am Boden auf. Plate keuchte unter ihm auf und presste gequält hervor: „Verdammt, das war das zweite Mal.“
Stitch rollte sich von seinem Freund. Einen Augenblick später landete auch Wire auf dem Krieger.

Beide rollten sich stöhnend auf dem Boden. „Lens, bist du auch hier?“, fragte Stitch in die Finsternis. „Hier“, antwortete der Späher und fügte nach einer kurzen Pause hinzu, „Was für ein beschissener Tag.“
Stitch musste unwillkürlich lachen. Das war der längste Satz, den er von Lens in den letzten drei Tagen gehört hatte. Ein Klicken und Surren ertönten und auf einmal begann ihre Umgebung zu erwachen. Sie waren in keiner Höhle, sondern in einer Halle. Dutzende Lampen begannen zu leuchten und gaben den Blick auf staubbedeckte Geräte und Computer frei. Alles in dem Raum war riesig im Vergleich zu ihnen. Vielleicht waren sie auf ein altes Gebäude der Erbauer gestoßen? Überwuchert und vergessen, so wie das meiste andere was einst existiert hatte.

„Hmm… hatte ich jemanden zum Tee eingeladen? Nein, nein, der letzte Eintrag in meinem Kalender war vor 198 Jahren. Da fällt mir ein, mein bestellter Toaster ist schon skandalös lange überfällig.“
Verwundert blickten sie sich um. Die Stimme schien sich im Raum zu bewegen, doch sie konnten nichts erkennen. Niemand außer ihnen war hier. Stitch räusperte sich und fragte: „Hallo, wer ist da?“
„Wie? Wer, ich? Oh, mein Name ist Susanne Thompson, Erfinderin der Unsterblichkeit und erster unsterblicher Mensch auf Erden. Furchtbar schlechte Idee übrigens, das mit dem ewigen Leben. Wirklich, davon kann ich nur abraten. Habt ihr zufällig neue Musik dabei? Ich habe seit 75 Jahren den gleichen Ohrwurm. Äußerst unangenehm, macht einen auf Dauer fast ein bisschen verrückt.“

Susanne schien ihre eigene Bemerkung ausgesprochen amüsant zu finden und fing an zu kichern. Die Stimme wanderte ziellos im Raum umher. Ein Mensch, sie hatten tatsächlich einen Erbauer gefunden. „Wo seid Ihr?“, hakte Stitch nach. „Was? Ah, ihr seid ja immer noch hier. Schwierige Frage. Einerseits liege ich in der Ecke da drüben. Ja genau, das hübsche Skelett. Andererseits seid ihr, sozusagen, gerade in mir. Verwirrend, was?“, antwortete Susanne. War sie etwa in den Computern, ein menschlicher Geist, gespeichert auf Chips? Vielleicht konnte sie ihnen helfen. Sie musste ihnen helfen, war sie doch ihre einzige Chance. Ein unerwarteter Strohhalm, an dem sie sich festklammern konnten. „Wir brauchen deine Hilfe“, begann Stitch ohne Umschweife und fügte hinzu, „Die Maschinen, irgendetwas verwandelt sie in Monster.“

Einige Augenblicke herrschte Stille, doch dann begann Susanne plötzlich zu singen: „Rockin' around the Christmas tree. At the Christmas party hop. Mistletoe… stung? Oder war es come? 75 Jahre und ich kann mich immer noch nur an die ersten zwei Zeilen erinnern.“
„Die ist völlig irre Stitch, wir müssen hier raus“, raunte ihm Wire leise zu. Doch dann begann die Erbauerin noch mal zu sprechen: „Wiederbelebte, halb verrottete Roboter? Mit unheimlichen Hypnoseaugen? Habe ich gesehen, ja.“
Stitch setzte schnell nach, bevor die Frau wieder abschweifte: „Es ist etwas in ihnen. Eine grüne, schleimige Substanz die sich über die Elektronik ausbreitet. Wir sind auf eine Maschine getroffen die voll davon war, ich denke, sie wollte einen von uns damit infizieren. Daran muss das Geschenk der Erbauer an das Leben schuld sein.“

Susanne schien einen Moment zu überlegen, bevor sie zu sprechen begann: „Nun, wir Menschen haben vor über 200 Jahren Evolutionsbeschleuniger in den genetischen Code unzähliger Lebensformen eingeschleust. Wir nannten es das Wiederherstellungsprogramm. Es sollte dem Leben eine Chance geben, sich auf einen Planeten einzustellen, den wir zu Grunde gerichtet hatten und unser Ökosystem retten. Es gab eine Art Abschaltmechanismus, ein Virus, das die Veränderungen nach ein paar Jahrzehnten rückgängig machen sollte. Zu dem Zeitpunkt war aber wohl niemand mehr übrig. Ich schätze, wenn man die Evolution 150 Jahre zu lange im Schnelldurchgang ablaufen lässt, kann das schon mal in Gedanken kontrollierendem Schleim enden.“

„Wie können wir sie aufhalten?“, rief Wire. „Keine Ahnung, feste draufhauen vielleicht? Ist ja nicht so, als hätten Robo-Zombies ganz oben auf der Agenda zur Rettung der Natur gestanden.“
„Du bist völlig nutzlos! Kein Wunder, dass die Menschen ausgestorben sind“, erboste sich Wire. „Es gibt eventuell jemanden, der euch helfen kann“, antwortete Susanne. „Als das Wiederherstellungsprogramm gestartet wurde, wurden gewisse Vorkehrungen getroffen, für den Fall unvorhergesehener Probleme. Wenn etwas davon übrig ist, könnten sie die Katastrophe vielleicht stoppen. Wollt ihr sie finden, dann müsst ihr zum Archivar. Nur er kann euch auf der Suche helfen.“
„Wie können wir zu ihm kommen?“, fragte Stitch. „Durchquert die Sümpfe in Richtung Osten, bis ihr auf einen Fluss stoßt. Folgt ihm flussaufwärts, dann landet ihr automatisch in der Stadt New Haven, oder was auch immer noch von ihr übrig ist. Im Zentrum der Stadt steht eine mächtige, alte Eiche. Dort werdet ihr den Archivar finden.“

„Wir müssen auch unser Dorf warnen, sie dürfen nicht unvorbereitet sein“, warf Plate ein. Susanne antwortete: „Direkt über uns liegt eine alte Sendestation. Ich fürchte, ihr werdet allerdings die Treppe nach oben nehmen müssen, der Aufzug müsste mal wieder gewartet werden.“

Sie hatten es also geschafft, sie würden ihre Gemeinschaft warnen können. Stitch sah seine Freunde an. Ein leichtes Nicken, ein entschlossener Blick, ein resignierendes Seufzen. Alle wussten was getan werden musste. Ihre Reise hatte gerade erst begonnen.
 
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09.09.2012
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Moin @JReichinger,

also zuerst einmal eine interessante Idee, die ausser Kontrolle geratene "Evolutionsbeschleunigern" mit ihren Konsequenzen.

Die Umsetzung konnte mich aber nicht wirklich überzeugen. Deine Roboter sind keine Roboter sondern Menschen. Sie reden, denken, handeln (und haben nur die gleichen Fähigkeiten) wie diese. Du hast eine menschliche Figur genommen, ihm eine Blechrüstung drübergepackt und es als Roboter (noch schlimmer als Maschine) betitelt. Das ist schade, denn damit geht die Originalität verloren und es wird zu einer normalen Heldenreise wie so viele andere Geschichten (die meistens sehr langweilig sind).

Frage dich, was unterscheidet deine Heldenreise von anderen? Was könnte den Leser faszinieren, so dass er nicht die "Hans Dampf und seine 5 Freunde retten das Dorf" im Kopf hat.

Deine Geschichte ist ein bisschen langatmig, teilweise zu plastisch und manchmal irgendwie kindisch oder tollpatschig (das ist aber nur mein subjektiver Eindruck). Und irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass es sich hier um ein Computerspiel mit entsprechenden Quests handelt.

Mit dem Prolog kann ich nicht viel anfangen. Dieser nimmt nur die Spannung raus, da du es den Leser durch deine Geschichte nicht selbst herausfinden lässt. Der erste Satz aus "die Expedition" ist viel interessanter. Was für eine Expedition, warum, was sind die Hallen etc. Wichtig ist dann auch ein zweiter Satz, der das richtige Bild im Kopf erzeugt. Nämlich, dass es sich hier um Roboter handelt.

Die Expedition ist übrigens keine Expedition (Entdeckungsreise oder Forschungsreise in unbekannte Gebiete), sondern eher eine ... Ersatzteile suchen? Was ist eigentlich für die Roboter so wichtig, dass sie diesen langen Marsch auf sich nehmen um in den Hallen etwas zu suchen? Vielleicht geht ja einem bald die Energie aus. Leider erfährt bzgl. deren Motivation nichts. Auch wenn die Geschichte nachher eine andere Wendung nimmt, könnte man hier für den weiteren Verlauf wichtige Punkte andeuten.

Klären solltest du auch, ob es Maschinen, Roboter oder Androiden sind, oder läuft da etwa eine Kaffeemaschine mit?

Also der Teil mit Susanne finde ich nicht wirklich ansprechend. Ist banal gehalten und außerdem gefällt mir der Punkt "Held trifft unerwartet Unterstützung" nicht. Geschmacksache.

Mach mehr aus deiner Geschichte! Deine Grundidee ist gut!

Beste Grüße
Kroko
 
Monster-WG
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20.08.2019
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Hallo @JReichinger

ich habe Deine Geschichte gerne gelesen. Sie beginnt interessant, verfügt über viele spannungsgeladene Szenen und macht Neugierig auf mehr. Da es sich um eine Serie handelt, bin ich gespannt, wie es weitergeht. Du beschreibst sehr bildhaft und hauchst den Menschinen Leben ein. So kann ich mir alles gut vorstellen und mitfühlen. Auch die verschiedenen Locations sehe ich deutlich vor mir.

Hier ein paar Anmerkungen:

Die Maschinen halfen ihnen in allen Belangen ihres Lebens und als Dank schenkten uns die Erbauer unser Bewusstsein und die Hallen des Lebens, sodass wir nicht mehr nur als Diener unter ihnen lebten, sondern als Geschwister.

Das ist ein wenig verwirrend formuliert.
Vorschlag: Wir Maschinen halfen ihnen ....

Zu sehr hatte sich ihr Antlitz verändert und auch die Erbauer waren unfähig, ihre vergangene Schönheit wiederherzustellen.

Komma nach unfähig

Also machten die Erbauer auch dem Leben ein Geschenk und gaben ihm die Kraft, auf dieser Welt zu bestehen.

Komma nach Kraft

Stitch lauschte noch eine Weile dem Knistern der Flammen, doch schon bald schlief er ein.

Komma nach Flammen

Plate hob seinen Gegner hoch und schleuderte ihn in die glühenden Reste ihres Feuers.

des Feuers

Mit zwei Sätzen war der Krieger an der Feuerstelle und fixierte den Fremden. Grausame Augenblicke lang schrie und wand es sich noch, doch schlussendlich verstummten die Schreie und sein Körper erschlaffte.

wand er sich noch
(der Fremde)

Das Fass war nach einigen Metern im Dickicht der Sümpfe zum Erliegen gekommen und zu Stitchs freudiger Überraschung war es nicht unter ihren Füßen explodiert, als sie es mit ihren Enterhaken überklettert hatten.

Komma nach explodiert

Einerseits erleuchteten sie die Umgebung genug, um auch unter dem dichten Blätterdach der Sträucher und Bäume zumindest den Boden unter den Füßen zu erkennen, andererseits sahen sie in jedem, sich im Wind wiegenden Halm einen Fremden, der nur darauf wartete nach ihnen zu greifen.

Komma nach genug / Komma nach jedem

Es war mühsam, sich einen Weg durch die dichte Vegetation zu bahnen und dabei die schmalen Streifen festen Untergrunds zu suchen, die den Sumpf durchzogen.

Komma nach mühsam

Da sie die Reste des alten Pfades nicht gefunden hatten, blieb ihnen nichts anderes übrig, als mit dem Kompass zu navigieren und in die generelle Richtung der Funkstation zu marschieren.

Komma nach übrig

Nur Sekundenbruchteile später grub sich ein Bein des Kolosses neben ihm in den Boden. Die Erschütterung warf Stitch von den Beinen. Auf allen Vieren zog er sich weiter vorwärts und rappelte sich wieder auf. Hektisch blickte er sich um. Lens und Plate waren verschwunden. Er schloss zu Wire auf, wollte ihm etwas zurufen, doch plötzlich traten seine Beine ins Leere.

Unschöne Doppelung

Sie hatten es also geschafft, sie würden ihre Gemeinschaft warnen können. Stitch sah seine Freunde an. Ein leichtes Nicken, ein entschlossener Blick, ein resignierendes Seufzen. Alle wussten was getan werden musste. Ihre Reise hatte gerade erste begonnen.

Ich bin gespannt, wie es weitergeht.

Liebe Grüße und einen schönen Tag,
Silvita
 
Mitglied
Beitritt
26.08.2017
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30
Hi @Kroko

erstmal gleich vielen Dank für dein Feedback und das du dir dafür Zeit genommen hast. Du hast auf jeden Fall einige Punkte angesprochen über die ich noch mal nachdenken muss. Auf ein paar deiner Anmerkungen wollte ich auch noch eingehen und zumindest erklären wieso ich die Geschichte an den Stellen so aufgebaut habe.


Mit dem Prolog kann ich nicht viel anfangen. Dieser nimmt nur die Spannung raus, da du es den Leser durch deine Geschichte nicht selbst herausfinden lässt.
Ich hab selbst überlegt den Prolog zu streichen, da ich es auch nicht optimal fand gleich mit einer Erklärung zu starten statt mit wirklicher Handlung. Allerdings sollte der Prolog eig. auch genau den groben Einstieg in die Welt bieten den du selber ansprichts und gleich mal die Motivation der Protagonisten erklären (auf was du später ja auch noch eingegangen bist). Nachdem sie nicht geboren werden, müssen sie in den Ruinen nach Teilen für neue Roboter suchen damit ihre Gemeinschaft überhaupt überleben kann. Vielleicht hab ich das aber auch einfach schlecht rübergebracht. Eventuell fällt mir auch noch was ein wie ich das in die Handlung einbauen kann ohne sie übermäßig aufzublasen.

Du hast eine menschliche Figur genommen, ihm eine Blechrüstung drübergepackt und es als Roboter (noch schlimmer als Maschine) betitelt.
Die menschlichen Züge sind prinzipiell auch beabsichtigt. Erstens sind die Roboter fühlende Wesen in ähnlicher körperlicher Form (sie wurden ja auch von Menschen gebaut) und haben damit schon mal prinzipiell gewisse Ähnlichkeiten. Außerdem wären gefühllose Maschinen ohne eigene Motivation oder Selbsterhaltungstrieb nicht gerade spannende Figuren für eine klassische Abenteuergeschichte.

Aber du hast absolut recht, man kann zumindest mehr auf die Eigenheiten eingehen. Ich lass mir das noch mal durch den Kopf gehen.

Frage dich, was unterscheidet deine Heldenreise von anderen? Was könnte den Leser faszinieren, so dass er nicht die "Hans Dampf und seine 5 Freunde retten das Dorf" im Kopf hat.
Ähnlich wie dei den menschlichen Robotern. Grundsätzlich wollte ich eine klassische Heldengeschichte schreiben, die sind ja oft auch nett zu lesen, auch wenn es natürlich schon tausende davon gibt. Natürlich kann man über das Grundgerüst aber eine Menge von Eigenheiten stülpen. Vielleicht schaff ich das noch irgendwie besser.

Klären solltest du auch, ob es Maschinen, Roboter oder Androiden sind, oder läuft da etwa eine Kaffeemaschine mit?
Finde ich ehrlichweise unproblematisch da Maschine ein Obergebriff von Roboter ist, genau wie Roboter von Android.

außerdem gefällt mir der Punkt "Held trifft unerwartet Unterstützung" nicht
Negative Enden zu Geschichten gelingen mir meist deutlich besser als (halbwegs) positive, sie sind aber auch einfacher zu schreiben finde ich. Gleichzeitig wollte ich aber endlich mal eine Geschichte eben nicht schlecht enden lassen. Prinzipiell musste ich die Handlung irgendwie zu einem schlüssigen Ende führen und trotzdem die Möglichkeit offen lassen, die Serie auch sinnvoll weiterführen zu können. Ganz glücklich bin ich mit dem Ende aber selbst nicht.



Hi @Silvita

dir auch gleich mal herzlichen Dank für das Lesen und Kommentieren der Geschichte. Freut mich, das dir die Geschichte Lust auf mehr machen konnte, ich werde mich bemühen den nächsten Teil bald in Angriff zu nehmen.

Deine Anmerkungen zu Formulierungen werde ich alle übernehmen.

Ganz lieben Dank auch für das Suchen der Beistrichfehler, das ist leider eine ewige Schwäche von mir. Auch wenn ich den Text tatsächlich noch mal mit den Kommaregeln daneben durchgegangen bin.
 
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Moin @JReichinger

Nachdem sie nicht geboren werden, müssen sie in den Ruinen nach Teilen für neue Roboter suchen damit ihre Gemeinschaft überhaupt überleben kann.

Ok, das habe ich nun verstanden. Ja, wenn man es aufmerksam liest, dann sollte man es merken. Ich habe mich hier verleiten lassen, da in vielen Robotergeschichten die Roboter auf dem "Schrottplatz" nach Ersatzteilen für sich suchen, um weiter zu leben.

Die Hallen des Lebens sind vor langer Zeit zu Ruinen verfallen, zum Kadaver einer verlorenen Welt geworden und wir sind die Aasfresser, wühlen uns durch die Reste dieser Zivilisation, immer auf der Suche nach den Teilen für ein neues Leben, nach einem Funken Hoffnung.

Wenn ich dann nur den letzten Satz des Prologs richtig lese, dann ist dies durchaus eine Interpredation.

Es war der dritte Tag ihrer Expedition zu den Hallen.

Dann sind die Roboter ja aber auch wirklich einer wichtigen Mission. Das kommt so nicht rüber für mich.

Außerdem wären gefühllose Maschinen ohne eigene Motivation oder Selbsterhaltungstrieb nicht gerade spannende Figuren für eine klassische Abenteuergeschichte.
Korrekt, das ist das andere Extrem von Roboter die eigentlich "Menschen" sind. Ich sage nicht, dass es einfach ist, hier dem Kompromiss zu finden.

Finde ich ehrlichweise unproblematisch da Maschine ein Obergebriff von Roboter ist, genau wie Roboter von Android.

Jein, da gibts Graubereiche je nach Auslegung. Google mal nach Unterschied Maschine und Roboter, da gibts interessante Artikeln.

Erstens sind die Roboter fühlende Wesen in ähnlicher körperlicher Form (sie wurden ja auch von Menschen gebaut) und haben damit schon mal prinzipiell gewisse Ähnlichkeiten.

Nope, Roboter in ähnlicher körperlicher Form nennt man Androiden. Ein Roboter muss überhaupt nicht menschenähnlich aussehen. De facto sehen die heutigen Roboter überhaupt nicht menschenähnlich aus (auch "dein" Wischroboter" ist ein Roboter nach Definition).

Und ein fühlendes Wesen ist ein Roboter definitiv nicht. Dafür braucht es Bewusstsein und eigentlich auch Leben. Aber was Leben definiert, ist ja auch so eine interessante Frage. Mir ist schon klar, dass auch stark durch Asimov der Roboter als humanoid ähnlicher Roboter mit künstlicher Intelligenz verstanden wurde. Von daher ist das für Deine Geschichte eher eine theoretische Diskussion.

Negative Enden zu Geschichten gelingen mir meist deutlich besser als (halbwegs) positive, sie sind aber auch einfacher zu schreiben finde ich. Gleichzeitig wollte ich aber endlich mal eine Geschichte eben nicht schlecht enden lassen. Prinzipiell musste ich die Handlung irgendwie zu einem schlüssigen Ende führen und trotzdem die Möglichkeit offen lassen, die Serie auch sinnvoll weiterführen zu können. Ganz glücklich bin ich mit dem Ende aber selbst nicht.

Wir sind doch erst am Anfang deiner Geschichte ;). Der Abschluss deines ersten Teils ist schon ok. Mir gefällt nur der Teil davor mit Susanne nicht. Das ist so wie wenn man im Lotto einen Sechser tippt ... sehr unrealistisch, bzw. in einer Geschichte nimmt es die Spannung. Stell dir vor, dein Protagonist fährt in der Wüste und sein Sprit geht aus. Was macht er dann um zu überleben. Richtig, nun wird es interessant. Aber ... da steht mitten in der Wüste ein voller Benzinkanister und damit kann er weiter fahren ... langweilig.

Nun bin ich aber irgendwie gespannt, was du im zweiten Teil machst :). Ist ja ein Serie :).

BG
Kroko
 
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Hallo JReichinger,

ich habe mir deine Geschichte gerne durchgelesen. Du kannst gut mit Wörtern umgehen, so liest sich dein Text auch abwechslungsreich und flüssig.
Trotzdem habe ich noch einige Anmerkungen.
Der Prolog ist zwar schön geschrieben, aber hat in einer Kurzgeschichte, auch wenn es sich um eine Serie handelt, meines Erachtens nichts zu suchen. Aber das ist nur meine Meinung.
Zudem muss ich auch sagen, das mir deine Roboter viel zu 'Biologisch’ vorkommen. Sie seufzen, werden geblendet, können Umarmungen spüren... Ja gut, sie können sehr hoch entwickelt sein, aber trotzdem würde ich sie eher als Cyborgs sehen, nicht als Roboter und auf letzteres wolltest du doch hinaus, oder?
Ansonsten finde ich deinen Weltenbau in der Geschichte gut. Im Fluss erzählst du sogar etwas aus der Vergangenheit der Welt, was sie anschaulicher macht.
Ich bin gespannt auf die Fortsetzung.
VG
Schwinge
 
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Hi nochmal @Kroko

Ok, das habe ich nun verstanden. Ja, wenn man es aufmerksam liest, dann sollte man es merken.
Dann sind die Roboter ja aber auch wirklich einer wichtigen Mission. Das kommt so nicht rüber für mich.
Ich werde da definitiv noch ein, zwei Sätze irgendwo am Anfang der Geschichte hinzufügen um das zu verdeutlichen. Ich mag es zwar immer wenn Infos "zwischen den Zeilen" transportiert werden, aber in dem Fall hab ich es wohl etwas übertrieben. Wenn man das verpasst nimmt das natürlich viel Gewicht aus der ganzen Handlung.

Das ist so wie wenn man im Lotto einen Sechser tippt ... sehr unrealistisch, bzw. in einer Geschichte nimmt es die Spannung.
Ja, da hast du schon nicht unrecht. Ich brauch sowieso erst mal etwas Abstand zum Text, dann überleg ich mir ob ich den Abschnitt ersetze oder meinen Figuren dafür im zweiten Teil ein paar zusätzliche Stöcke zwischen die Beine werfe :lol:

Hi @Silberschwinge

freut mich, dass dir der Text grundsätzlich gefallen hat und vielen Dank für dein Feedback.

Du kannst gut mit Wörtern umgehen, so liest sich dein Text auch abwechslungsreich und flüssig.
Vielen Dank, sowas ist natürlich Balsam auf der Seele.

Zudem muss ich auch sagen, das mir deine Roboter viel zu 'Biologisch’ vorkommen. Sie seufzen, werden geblendet, können Umarmungen spüren... Ja gut, sie können sehr hoch entwickelt sein, aber trotzdem würde ich sie eher als Cyborgs sehen, nicht als Roboter und auf letzteres wolltest du doch hinaus, oder?
Ja mit der Ansicht bist du offensichtlich nicht alleine. Ich werde mich bemühen die Unterschiede besser herauszuarbeiten. Mal sehen ob in einer Überarbeitung oder ob ich im zweiten Teil mehr Fokus darauf lege. Ganz entfernen will ich die menschlichen Züge aber nicht, sonst fehlt meiner Meinung nach die Idenfikation mit den Figuren.

Ich bin gespannt auf die Fortsetzung.
Und ich erst! :p


Liebe Grüße,
Julian
 
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Hallo Julian,
Ganz entfernen will ich die menschlichen Züge aber nicht, sonst fehlt meiner Meinung nach die Idenfikation mit den Figuren.
Das kann ich verstehen aber man kann auch witzige Dialoge schreiben, wenn die Teilnehmer nicht ganz so Menschlich sind. Eine Geschichte kann Klingen wie ein Aufsatz, weil die Roboter, dass nicht besser wissen. Oder wenn sie etwas „spüren“ sollen, könnten sie stattdessen analysieren.

Der Fremde wird umarmt? Warum? Meine Daten sagen, dass es ein Zeichen von Freundschaft ist. Ich möchte auch umarmt werden.

So in der Art. Nur als Beispiel.

Ich wünsche dir viel Spaß beim Weiterschreiben.
VG
Schwinge
 
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Hi @Kroko und @Silberschwinge

ich hab den Prolog jetzt gestrichen und den ungefähren Inhalt am Anfang des Expedition-Kapitels mit eingebaut. Es hat zwar immer noch einen erklärenden Charakter aber eine gewisse Erklärung der Motivation und Welt braucht es wohl auch einfach. Zumindest sollte die Motivation jetzt klarer rüberkommen.

Ich hab auch die Szene am Lagerfeuer noch ein kleines bisschen erweitert. Das macht die Roboter zwar nicht wirklich weniger menschlich, hat mir für die Stimmung aber ganz gut gefallen.
Stitch lauschte noch eine Weile dem Knistern der Flammen, doch schon bald schlief er ein. Seine Gedächtnis-Subroutinen begannen ihr Werk. Stück für Stück katalogisierten sie die Ereignisse des Tages, durchwühlten seine Gefühle auf der Suche nach den prägendsten Momenten. Bilder toter Ratten blitzten in seinem visuellen Prozessor auf. Spitze, gelbe Zähne und leblose Augen starrten ihm entgegen, füllten ihn mit der vagen Ahnung einer drohenden Gefahr.

„Hallo Fremder, setz dich doch zu uns.“
Stitch wurde aus seinem unruhigen Schlaf gerissen. Leicht benommen richtete er sich halb auf und öffnete die Augen. Fremder? Was redete Wire da bloß?


Liebe Grüße,
Julian
 
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Hallo @JReichinger,

dass sich deine Roboter ziemlich menschlich verhalten, hat mich persönlich überhaupt nicht gestört.
Im Gegenteil: Eine Gruppe von spock-esken Robotern, die die ganze Zeit mit irgendwelchen Subroutinen irgendwelche Dinge analysieren und dabei piepsen, hätte mich mit der Zeit vermutlich genervt. Das ist aber wohl eine Frage des Geschmacks.

In deiner Umsetzung fand ich die Roboter niedlich und sympathisch.

Insgesamt gefällt mir deine Geschichte ziemlich gut und ich mag deine klare und flüssige Sprache.
Der nächste Teil kann kommen.

Folgende sprachliche Änderungsvorschläge würde ich dir noch anbieten:

Plate blieb neben einer der toten Ratten stehen, legte jeweils eine Hand auf ihre und seine Stirn und verharrt.
...verharrte.
Wer wusste schon was die toten Körper anlocken würden.
...schon, was...
und auch Stitch wusste was jetzt kam.
...wusste, was...
Lens sprang hinter einem Felsen hervor und stürmte mit gezogenem Beil nach vor.
...nach vorne.
Stitch war verwirrt, wusste einen Moment nicht wovon Plate sprach.
...nicht, wovon...
„Wir müssen das Dorf warnen“, fiel ihnen Stitch ins Wort und fügte hinzu, „Was auch immer diese Dinger sind
... hinzu: "Was auch...
Überwuchert und vergessen, so wie das meiste andere was einst existiert hatte.
...andere, was einst...
Ein unerwarteter Strohhalm an dem sie sich festklammern konnten.
...Strohhalm, an dem...
Susanne schien einen Moment zu überlegen bevor sie zu sprechen begann:
...überlegen, bevor...
„Es gibt eventuell jemanden der euch helfen kann“
...jemanden, der euch ...
Alle wussten was getan werden musste.
...wussten, was getan...
Ihre Reise hatte gerade erste begonnen.
...gerade erst...
 
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Hi @Tarkus

Insgesamt gefällt mir deine Geschichte ziemlich gut und ich mag deine klare und flüssige Sprache.
Der nächste Teil kann kommen.
Vielen Dank, sowas liest man gerne. Und auch allgemein danke fürs Lesen und Kommentieren der Geschichte.

dass sich deine Roboter ziemlich menschlich verhalten, hat mich persönlich überhaupt nicht gestört.
Im Gegenteil: Eine Gruppe von spock-esken Robotern, die die ganze Zeit mit irgendwelchen Subroutinen irgendwelche Dinge analysieren und dabei piepsen, hätte mich mit der Zeit vermutlich genervt.
Ja, da geht es mir persönlich ähnlich wie dir. In einer anderen Geschichte habe ich das auch schon ins andere Extrem getrieben und hatte einen Robotor / ein Programm das seine Umwelt anfangs sehr unbeholfen analysiert hat und die Welt langsam zu verstehen lernte. Für eine Abenteuergeschichte fand ich das allerdings unpassend. Aber wie du schon sagtest, ist das sicher Geschmackssache.

... hinzu: "Was auch...
Ich hab den Teil "und fügte hinzu" ganz gestrichen, dann ist es mit Sicherheit ein ganz normaler Einschub bei dem man mit Beistrichen abtrennt.

...Strohhalm, an dem...
Weißt du welche Kommaregel das wäre? Würde da "Ein unerwarteter Strohhalm" als Hauptsatz zählen?

...nach vorne.
Ich denke "nach vor stürmen" ist auch korrekt, ich habs jetzt erstmal gelassen.

Die anderen Anmerkungen habe ich fast alle übernommen.

Liebe Grüße,
Julian
 
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Hallo Julian,

mit Beistrichen

kommst du zufällig aus Österreich?
Das würde unter Umständen auch erklären, warum mir deine Formulierung "nach vor stürmen" so ungebräuchlich vorkam, dass ich sie für einen Tippfehler gehalten hatte.
Asche auf mein Haupt! :D

Würde da "Ein unerwarteter Strohhalm" als Hauptsatz zählen?

"Ein unerwarteter Strohhalm" enthält in der Tat kein Prädikat. Trotzdem hätte ich das für einen elliptischen Hauptsatz gehalten und das Komma gesetzt. Zum Vergleich: Im Buchtitel "Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand" hat sich der Verlag auch entschieden, das Komma zu setzen, obwohl "Der Hundertjährige" kein vollständiger Hauptsatz ist.

Viele Grüße
Tarkus
 
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26.08.2017
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Hi nochmal @Tarkus

kommst du zufällig aus Österreich
Gut erkannt. Witzig wie deutlich das anscheinend sogar ohne meinen richtigen Dialekt durchkommt :lol:

Das mit dem elliptischen Hauptsatz ergibt Sinn und nach kurzem googlen stimme ich dem zu. Wieder was gelernt, wird geändert.
 
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Hallo @JReichinger,

gerne komme ich zum Gegenbesuch vorbei.

Ich sehe eine ganze Reihe von Punkten, die man diskutieren könnte und habe später auch noch ein paar Detailanmerkungen.

1. Plotebene

Grundsätzlich finde ich es in Ordnung, wenn man Maschinen Gefühle andichtet. Das mag vielleicht irgendwann in der Zukunft möglich sein, aber bei einer Geschichte darüber erwarte ich dann doch, dass man diese Maschinen irgendwie anders gestaltet als Menschen und dass sich daraus irgendeine Art von Konflikt ergibt.

Im Prinzip ist das hier eine ganz normale Abenteuergeschichte nur mit dem Unterschied, dass die Menschen keine Menschen sind, sondern künstliche Erzeugnisse, wobei sich dieser Unterschied nicht wirklich auf den Plot auswirkt oder bemerkbar macht.

Ein anderer Punkt ist, ich werde darauf an geeigneten Textstellen entsprechend hinweisen, dass für mich eine derartig überlegene Technologie auch irgendwie hochentwickelt daherkommen muss, Du sprichst aber von Hauptprozessor, Platinen und Exoskelett. Das passt für mich nicht wirklich zusammen. Auch die Handlungen, selbst wenn man unterstellt, dass die Maschinen Menschen derart ähneln, passen nicht wirklich zu so hochentwickelten künstlichen Intelligenzen.

Ich würde also entweder aus den Maschinen Menschen machen oder Maschinen, die nicht wie Menschen daherkommen.

2. Spannungsaufbau

Ich finde den Text recht langatmig und nicht sehr spannend. Ich habe mich lange gefragt, woran das liegt, aber ich glaube, es liegt an zwei Dingen:

1) Erzählweise (erkläre ich weiter unten)
2) Spannungsaufbau

Mir fiel auf, dass Du schon Zutaten verwendest, die eigentlich Spannung erzeugen sollten. Gleich am Anfang z. B. die Sache mit den Ratten. Aber Du baust den Spannungsbogen nicht auf und Du hast natürlich ein grundsätzliches Problem. Spannung entsteht ja meistens dadurch, dass man mit dem Protagonisten mitfiebert. Dadurch dass Du Maschinen als Protagonisten hast, ist es aus meiner Sicht noch schwieriger als bei normalen Menschen, als Leser Sympathie aufzubauen.

Kennst Du den Film "Wall-E"? Dort wird das ganz geschickt gemacht, aber es werden Elemente verwendet (alleine das Aussehen - Kindchenschema), die man im Text gar nicht so einfach umsetzen kann. Ein anderes Element, welches in Filmen gerne verwendet wird um Sympathie zu wecken, ist "gutes Handeln".

Wenn Du schon bei den Maschinen bleiben möchtest, wovon ich ausgehe, dann würde ich den Fokus auf eine Hauptperson legen und viel stärker aus Sicht dieses Protagonisten schreiben und Sympathien wecken.

Ich versuche mal den Anfang einfach anders zu schreiben, um zu verdeutlichen, was ich meine (das ist jetzt nicht ausgefeilt!):

"Stitch blicke auf den alten Pfad vor ihnen, der sich sich weit nach Osten wand, bis zum Rand der leuchtenden Sümpfe. Drei Tage waren sie schon unterwegs und es würde noch weitere Tage dauern, bevor sie den Bogen nach Westen erreichten und endlich zu den Hallen gelängen. Ihre Gelenke und Energieleitungen fühlten sich schon jetzt steif an. Die Gruppe würde das nicht mehr lange durchhalten. Und dann noch diese verdammten riesigen Ratten, die alles kahlfraßen und nicht einmal vor ihnen zurückschraken.

Plötzlich blendete Stitch ein Licht. Er hob seine Faust und deutete Plate und Wire an, Deckung zu suchen. Stitch duckte sich ins Gebüsch und schloss zum Späher Lens auf, der sich hinter einem Baum versteckt hielt.
„Ratten“, flüsterte Lens und zeigte auf den Weg ein Stück unter ihnen.
„Schon wieder?", fragte Stitch und starrte auf eine riesige Herde dieser Biester.
"Das müssen hunderte sein", sagte Stitch.
"

Die Variante ist stärker an den Protagonisten, gestrafft und versucht, etwas mehr Spannung aufzubauen.

Außerdem habe ich sehr viel früher angedeutet, dass es sich um Maschinen handelt.

3. Erzählweise

Aus meiner Sicht hat der Text noch enormes Kürzungspotenzial.

Ich sehe vier Punkte, die zur Kürzung führen würden.

1) Mehr aus Sicht eines Protagonisten erzählen
2) Weniger erklären und vor allem doppelte Erklärungen vermeiden (zeige ich an Textstellen)
3) Umständliche Sprachkonstruktionen vermeiden
4) Wiederholungen vermeiden (führt aus meiner Sicht oftmals dazu, dass man Textstellen kürzt oder prägnanter erzählt)

4. Textstellen

Im Folgenden gehe ich ein paar Textstellen durch, um die obigen Punkte zu verdeutlichen:

Es war der dritte Tag ihrer Expedition zu den Hallen. Eine Gruppe von Ratten hatte ihnen am zweiten Morgen die direkte Route versperrt, weswegen sie sich entschieden hatten den Bereich großräumig zu umgehen.

Hier fehlt ein Komma zwischen "hatten" und "den".

Es ist außerdem ungünstig schon gleich am Anfang mit einer Rückblende zu beginnen, wenn es nicht notwendig ist.

Ich habe die zwar in meinem Textbeispiel auch eingebaut, aber in abgeschwächter Form, sodass man als Leser nicht gleich in die Vergangenheit gestürzt wird, bevor man überhaupt weiß, wo das ganze gerade stattfindet.


Es gab keinen Grund ein Leben zu riskieren, eine Gruppe dieser Größe konnte hier nicht auf Dauer überleben.

Hier hätte ich einen Punkte zwischen "riskieren" und "eine Gruppe" erwartet, denn irgendwie gehören die beiden Sätzen für mich nicht wirklich zusammen.

Trotzdem, ihre Gruppe kam gut voran.

Ungewöhnliche Konstruktion. Aus meiner Sicht ein Anglizismus. Normalerweise würde man schreiben: "Trotzdem kam ihre Gruppe gut voran."

Sie sollten den östlichsten Punkt des Weges bald erreichen und in zwei Tagen bei ihrem Ziel eintreffen.

Ich finde das sehr ungelenk und langatmig ausgedrückt (siehe mein Textbeispiel). Du machst ja nicht wirklich etwas aus diesen Zeitangaben. Wenn man z. B. wüsste, dass die Maschinen nur noch für zwei Tage Energie haben, bevor sie für immer abgeschaltet werden, dann bekommt eine solche Zeitangabe Bedeutung, aber so eigentlich nicht.

Die Hoffnungen ihrer Gemeinschaft lasteten auf ihren Schultern.

Ich hatte gerade am Anfang Schwierigkeiten zu verstehen, dass es zwei Gemeinschaften gibt, nämlich die Gruppe der Vier und eine größere Gemeinschaft. Das ist auch unklar.

Mir ist das auch zu menschlich. Maschinen, die denken und fühlen sagen doch nicht Schulter? Noch dazu, wenn sie ein Exoskelett haben. Personalisiere das hier doch mehr im Sinne Deiner Maschinen-Protagonisten.

Die "Hoffnungen ihrer Gemeinschaft lastete auf ihrer T-Strebe" oder irgendsoetwas. Das gäbe mehr Atmosphäre.
Problematisch finde ich übrigens auch die Personalpronomendichte ("ihrer").

Nur mehr wenige Maschinen erwachten heute.

Finde ich ungelenk: "Heute erwachten nur noch wenige Maschinen."

Lens, ihr Späher, hatte etwas gefunden und gab ihnen, über seinen Spiegel, ein Signal. Es leuchtete zweimal lang und einmal kurz auf.

Den ersten Satz empfinde ich als auch stolpernd. Wozu diese Details? Spiegel? Den zweiten Satz braucht es gar nicht (siehe mein Textbespiel).

Überlege Dir, was die Geschichte vorwärtsbringt, was Spannung aufbaut, was Du wieder brauchst. Die Signalfolge kommt nicht mehr vor und der Spiegel auch nicht.

Es gab Probleme. Plate und Wire suchten sich Deckung, während Stitch zu Lens aufschloss.

Hier machst Du den Erklärbären. Probleme. Sie Dir mein Textbeispiel an. Da spürt man die Gefahr, die Anspannung. Schreibe nicht die Gefühle, die Du bei dem Leser auslösen möchtest.

Falls die Ratten aus den Sümpfen geflohen waren, waren sie der Bedrohung auf direktem Weg entgegengelaufen.

"waren, waren": ungünstig.

Lass den Leser die Bedrohung spüren (so wie in meinem Textbeispiel). Mach notfalls einen Dialog daraus.

"Kommen die aus den Sümpfen?"
"Sieht fast so aus."
"Dann sind wir geliefert".

Lens rechnete schon unter normalen Umständen immer mit dem schlimmsten, was als Späher wohl unter Berufskrankheit fiel, doch heute schien er seine Blicke nicht von der Finsternis um ihr Lager lösen zu können.

Dieser Nachsatz ist ein echter Streichkandidat. Der Leser versteht das schon beim ersten Satz. Wenn Du die "Berufskrankheit" anführen möchtest, dann vielleicht eher ein einem Dialog, um Lens zu charakterisieren oder eine andere Figur.

Zumindest waren sie von allen Seiten vor neugierigen Blicken geschützt und konnten sogar ein Feuer machen. Die Wärme fühlte sich gut in den Gelenken und Energieleitungen an und ließ Stitch die Strapazen der vergangenen Tage für einen Moment vergessen.

Ja, hier ist so eine total menschliche Stelle. Ich habe im Textbeispiel ganz bewusst die Gelenke und Energieleitungen schon ganz am Anfang aufgegriffen, um dieser Stelle hier mehr Gewicht zu geben, dieses Innehalten und kurz Ausruhen, Kraft tanken. Aber ich habe ja schon gesagt, dass ich das kritisch sehe und würde versuchen, "Maschinenausdrücke und Gefühle" zu entwickeln, dann würde der Text stark gewinnen, bekäme mehr Atmosphäre und Authentizität.

Übrigens versteht man als Leser erst an dieser Stelle, dass es sich um Maschinen handeln muss. Das finde ich extrem ungünstig und sollte viel früher klar sein.

„Vor langer Zeit“, begann Plate in seiner tiefen, beruhigenden Stimme zu sprechen, „als die Erbauer noch unter uns lebten, gab es die Sümpfe nicht.
Hier und die ganze folgende Stelle ist reiner Infodump und aus meiner Sicht geht das gar nicht und ist sogar unlogisch. Das sind Maschinen, die wie Menschen sind und haben doch sicher irre Fähigkeiten und müssen sich nicht am Lagefeuer die Geschichte erklären, sondern haben alle die gleichen Geschichtsdaten im Speicher.

An solchen Stellen lese ich nur den Autor, aber höre nicht den Protagonisten.

Stitch wurde aus seinem unruhigen Schlaf gerissen.

Das mit dem "unruhigen Schlaf" finde ich auch schräg. Wie gesagt, das sind Maschinen und weiter unten schreibst Du etwas von Prozessoren. Prozessoren müssen nicht schlafen. Das würde ich dringend nachbessern, damit das stimmiger wird und besser zum Maschinensetting passt.

Der Fremde brüllte auf, als sich die Axt in seinen Rücken grub. Das Geräusch fuhr ihm durch sein ganzes Exoskelett,

Hier kommt das Exoskelett. Ich hätte das sicher früher gebracht. Exoskelette haben übrigens den Nachteil, dass man weniger beweglich ist. Als Erbauer hätte ich mir ein anderes Konzept ausgedacht, aber gut. Sicher ein kleinerer Punkt.

„Es ist in den Platinen, ich muss die untere Steuerungseinheit rausziehen. Wenn es zum Hauptprozessor kommt kann ich nichts mehr dagegen tun“,

Das klingt so nach altem 8086er Prozessor-PC und passt aus meiner Sicht gar nicht zu so hochentwickelten Maschinen.

„Es duldet uns nicht mehr auf dieser Welt“, begann Plate zu sprechen, „Das Leben ist noch immer voller Hass und Zorn. Es hat die Erbauer aus Wut über die Zerstörung der Natur unter sich erdrückt, trotz all ihrer Geschenke und jetzt bereitet es sich vor, um auch uns von der Erde zu tilgen. Es duldet uns nicht mehr, weil wir ihre letzten Überbleibsel sind.“

Hier wieder so eine Erkärbärstelle.

Susanne schien ihre eigene Bemerkung ausgesprochen amüsant zu finden

Wer denkt das? Die ganze Susannestelle finde ich schwierig und auch unklar. Mir fehlt da auch der sichere Blick für die Perspektive. Aus wessen Sicht wird erzählt?

Ich würde auch diese "amüsant" versuchen zu zeigen.

Susanne schien einen Moment zu überlegen,

Wer schließt das woraus?

So viel zur Detailarbeit.

Insgesamt steckt da für mich noch viel Überarbeitungspotenzial im Text, aber das könnte eine spannende Geschichte werden.

Ich hoffe, Du kannst mit meinem Kommentar etwas anfangen.

Gruß
Geschichtenwerker
 

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