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Auslöschung

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Auslöschung

Schwere Zangen, Hämmer, Schraubenzieher. Alle diese Dinge sind aus den Vorratsräumen verschwunden. Befinden sich versteckt unter Matratzen. Verbergen sich in Gürteln oder stecken griffbereit in den Taschen unserer Kittel. Ich versuche mein Glück in der Küche. Doch in den herausgerissenen Schubladen liegen nur noch ein paar wenige Löffel. Selbst die Buttermesser haben Sie mitgenommen.

Die anderen nennen uns Verräter. Wir nennen sie Wahnsinnige. Sie haben Recht, aber wir sind mehr. So einfach ist das manchmal.
Vor einigen Tagen gelang uns der entscheidende Durchbruch. Wir hatten geschafft, worauf wir über Jahre hingearbeitet hatten. Jetzt, nachdem die finalen Tests abgeschlossen waren, standen wir plötzlich vor der Frage, wie es weitergehen solle. Denn wir hatten alle gesehen, was wir erschaffen hatten. Etwas Unvergleichliches, womit wir jeden Krieg in Zukunft beenden könnten, bevor er überhaupt beginnt. Aber eine Frage, die wir noch vor einem Monat mit einem entschiedenen Ja hätten beantworten können, zerstörte unsere kollegiale Einigkeit. Wäre es das wirklich wert?
Die meisten meinten, wir müssten sofort alles vernichten. Jede kleinste Aufzeichnung sollte für alle Zeiten aus der Welt geschafft werden, bevor es zu spät war. Andere sagten, es wäre geradezu Irrsinn, das zu tun. Ja, schlimmer noch, es wäre unverzeihlich.
Nach einiger Zeit stand unser geschätzte Kollege Hehner auf und erklärte mit leiser Stimme, dass es nicht ausreichen würde, alleine die Aufzeichnungen unserer Forschung zu vernichten. Stille setzte ein. Hehner ließ sich einen kurzen Augenblick Zeit, bevor er fortfuhr, dass wir schließlich allesamt mit den Details unserer Arbeit vertraut waren. Dabei streifte sein Blick diejenigen, die sich vehement dagegen ausgesprochen hatten, unsere Arbeit zu verleugnen. Dann setzte er sich wieder. Er brauchte nicht weiter auszuführen, was er meinte. Also traf ich meine Entscheidung.

Angespannt schleiche ich durch die dunklen Gänge. Die allermeisten der Glühbirnen sind herausgedreht oder zerschlagen. Ob von uns oder den anderen macht letztendlich keinen Unterschied. Chopin, Vivaldi, Schostakowitsch. Unentwegt hallen sie aus den Lautsprechern. Hehner und einige andere halten den Kommunikationsraum besetzt. Tag und Nacht lassen sie Musik über die Lautsprecheranlage abspielen. Ob sie es für die passende Untermalung halten? Eine klangliche Begleitung zum Untergang? Oder glauben sie, die anderen durch permanente Beschallung zu zerrütten? Im Grunde egal. Am Ende bleibt die simple Botschaft. Regelt die Situation, bevor es zu spät ist.
In zwei Tagen, so schätze ich, werden Sie durchgebrochen sein. Das dumpfe Wummern an den dicken Stahltüren wird immer lauter. Sie sind misstrauisch geworden, nachdem zunächst der Funkkontakt unterbrochen und dann auch noch die Sicherheitsabriegelung der Anlage sabotiert wurde. Jetzt wollen sie nachsehen, was los ist. Haben Angst um ihre kostbare Waffe.

Stumm beobachte ich mich im Spiegel. Sehe mir dabei zu, wie mein Kiefer mahlt. Mich aussehen lässt wie ein erbärmliches Wrack. Die Musik ist nur noch ein Rauschen im Hintergrund. So dumpf wie alles andere. Meine Nase läuft, ohne dass ich etwas dagegen tun kann. Unentwegt tropft es auf meinen Laborkittel.
„Ihr verräterischen Hurensöhne. Ich bring euch um. Ich mach euch fertig.“
Langsam drehe ich mich um. Alexander Depieu kriecht durch den Waschraum, beschmiert alles mit seinem Blut und murmelt Verfluchungen vor sich hin. Wegen der abgebrochenen Zähne verstehe ich nur einen Bruchteil von dem, was er hervorstößt, aber die Grundaussage kommt an.
Ich habe ihn immer respektiert. Mochte seine höflich-distanzierte Art und bewunderte ihn für seine fachliche Brillanz. Und jetzt? Hat im Angesicht seines baldigen Endes nichts Besseres zu tun, als Vulgaritäten von sich zu geben. Anstatt das große Ganze im Auge zu behalten. Einst eine seiner unumstrittenen Stärken. Würdelos, aber wir lassen wohl alle Federn. So oder so, ich will das nicht so stehen lassen.
Ich gehe also einige Schritte auf Alex zu, und gerade als ich mich zu ihm hinunterbeugen möchte, betritt Hehner den Raum. Mit drei schnellen Schritten ist er bei uns, holt aus und schlägt mit einem Rohr zu. Ein mal. Zwei mal. Ich wende mich ab.
„War er der letzte?“ Mit Blutspritzern im Gesicht schaut er mich fragend an.
Meine Hand in der Kitteltasche befühlt den Griff des Schraubenziehers, den ich Alex zuvor abgenommen habe. Ich beuge mich zu Hehner.
„Nein.“

Um zu bestehen, griffen wir auf synthetische Drogen zurück. Wir waren schließlich Frauen und Männer der Wissenschaft, keine Kämpfer. In den Gängen und Laborräumen gingen wir dann wie die Tiere aufeinander los. Lauerten uns in unseren Schlafräumen auf, schlugen unsere Schädel zu Brei und stachen mit allem, was wir in die Finger bekamen, erbarmungslos aufeinander ein. Schnell wurde klar, wie sehr ich mich getäuscht hatte. Die anderen wehrten sich mit dem Mut der Verzweifelten. Für jeden von ihnen erwischten sie mindestens zwei von uns. Dabei war ich mir meiner Sache so sicher gewesen. Hatte geglaubt, eine kluge Entscheidung getroffen, den sicheren Weg gewählt zu haben. Überleben durch Überzahl. Am Ende hat es kaum einen Unterschied gemacht. Nur noch Hehner und ich sind übrig.

Ich schüttele den Kopf und werfe den Schraubenzieher in eine Ecke. Hehner liegt auf dem Boden. Schaut mich aus verzweifelten Augen an und versucht etwas zu sagen. Aber aus seinem Mund kommen nur noch blutige Blasen.
Ich betrachte ihn. Sein Anblick macht mich traurig. Was für eine Verschwendung.
„Wie konntet ihr nur einen solchen Verrat in Erwägung ziehen?“
Ich greife in meine Tasche und hole einen Datenträger hervor. Schon vor Monaten hatte ich damit begonnen, heimlich Kopien unserer Arbeit anzufertigen.
„Es wird nie wieder einen Krieg geben. Nicht, nachdem wir der Welt gezeigt haben, wozu wir von nun an in der Lage sind.“

 
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Hallo Habentus,

ich finde, das ist eine sehr starke Geschichte.
Fokussiert auf das Wesentliche, liest sich flüssig, hat gute Formulierungen, ist spannend.
Eine Kunst, mit wenigen Worten alles erzählen zu können.

Einiges habe ich anzumerken:

Einige Stunden später musste ich feststellen, dass sämtliche Werkzeuge verschwunden waren.
Hier musste ich erst stutzen. Das wurde doch schon alles erzählt.


Unentwegt hallen Sie aus den Lautsprechern.
Sie = sie

Chopin, Vivaldi, Schostakowitsch. Unentwegt hallen Sie aus den Lautsprechern. Hehner und einige andere halten den Kommunikationsraum besetzt. Tag und Nacht lassen sie Musik über die Lautsprecheranlage abspielen. Ob sie es für die passende klangliche Untermalung halten? Eine Begleitmusik zum Untergang? Oder glauben sie, die anderen durch permanente Beschallung zu zerrütten? Im Grunde egal. Am Ende bleibt die simple Botschaft. Regelt die Situation, bevor es zu spät ist. Neben der Musik ist ein dumpfes Wummern zu vernehmen.

Die Musik ist nur noch ein Rauschen im Hintergrund.

Ich finde, da ist viel zu viel Musik im Text. Wenn du speziell passende Titel anstatt der Künstler genannt hättest, könnte das mehr Wirkung entfalten. So hat das einen zu hohen Anteil, wo es quasi keine größere Bedeutung hat.

„Ihr verräterischen Hurensöhne. Ich bring euch um. Ich mach euch fertig.“
Hier passen jeweils Ausrufezeichen besser.

Ich schüttele den Kopf und werfe den Schraubenzieher in eine Ecke. Hehner liegt auf dem Boden.
Hier musste ich 2 x lesen. Ich dachte erst, Hehner sei angefallen worden.

Sehr gerne gelesen.

Schönen Abend.
Liebe Grüße, GoMusic

 
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Hallo @GoMusic und vielen Dank für deinen Kommentar! Freut mich wirklich sehr, dass dir meine Geschichte gefallen hat!

Hier musste ich erst stutzen. Das wurde doch schon alles erzählt.
Hast du recht. Muss raus.

Ich finde, da ist viel zu viel Musik im Text. Wenn du speziell passende Titel anstatt der Künstler genannt hättest, könnte das mehr Wirkung entfalten. So hat das einen zu hohen Anteil, wo es quasi keine größere Bedeutung hat.
Ja stimmt. Ist mir beim drüberlesen nicht aufgefallen. Jetzt aber, nachdem du darauf hingewiesen hast, springt es einen ja förmlich an :) Werde ich ändern.

Hier passen jeweils Ausrufezeichen besser.
Vom Inhalt her schon. Allerdings wollte ich irgendwie rüberbringen, dass er das nuschelt und bereits halb tot vor sich hinbrabbelt. Ausrufezeichen klingen für mich immer so nach einem Schrei. Bin mir unsicher.

Hier musste ich 2 x lesen. Ich dachte erst, Hehner sei angefallen worden.
Hmm. Versteh ich. Muss ich mal schauen, wie ich das vielleicht besser schreibe.

Danke für deinen Leseeindruck!

Viele Grüße
Habentus

 
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Hallo!

Deine Geschichte ist spannend. Ich fange an, ich will wissen worum es geht, wie es weiter geht. Vom Thema bald klar um was es geht.
Einige Anmerkungen/Kritik:

Die anderen nennen uns Verräter. Wir nennen sie Wahnsinnige. Sie haben Recht, aber wir sind mehr. So einfach ist das manchmal.
Im Präsens des Erzählers gibt es ja gar keinen Plural mehr - die "Gegner" sind nur noch einer, also müsste es doch heißen "Sie hatten Recht, aber wir waren mehr". Und die "mehr" sind 2 Personen.

Ob sie es für die passende klangliche Untermalung halten? Eine Begleitmusik zum Untergang? Oder glauben sie, die anderen durch permanente Beschallung zu zerrütten? Im Grunde egal.
Wer ist das? Die Gegner logischerweise. Die "von außen" haben ja keine "anderen", die sie zerrütten wollen könnten. Oder? Ist mir unklar.

„Ihr verräterischen Hurensöhne. Ich bring euch um. Ich mach euch fertig.“
Langsam drehe ich mich um. Alexander Depieu kriecht durch den Duschraum, beschmiert alles mit seinem Blut und murmelt Verfluchungen vor sich hin. Wegen der abgebrochenen Zähne verstehe ich nur einen Bruchteil von dem, was er hervorstößt, aber die Grundaussage kommt an.
Ich habe ihn immer respektiert. Mochte seine höflich-distanzierte Art und bewunderte ihn für seine fachliche Brillanz.
...Endes nichts Besseres zu tun, als Vulgaritäten
Hm, ich hab da meine Zweifel, ob jeder sich auf diese Weise so stark ändert, innerhalb von Tagen. Da gibt es, je nach Typ, sicher unterschiedliche Reaktionen. Hier ist die Amplitude schon arg groß. Von höflich-distanziert zu prollmäßig-derb.

Anstatt das große Ganze im Auge zu behalten. Einst eine seiner unumstrittenen Stärken. Würdelos, aber wir lassen wohl alle Federn. So oder so, ich will das nicht so stehen lassen.
Das ist angesichts der Situation nun aber sehr distanziert und euphemistisch. Denkt der das jetzt wirklich? Dass der Fehler des anderen grad ist, das "Große und Ganze" nicht im Blick zu haben? Dass er "Federn gelassen hat"? "Würdelos" zu sein? Sehr harmlose Formulierungen.

Wir waren schließlich Männer und Frauen der Wissenschaft, keine Kämpfer.
Eben, siehe unten:
In den Gängen und Laborräumen gingen wir dann wie die Tiere aufeinander los
Eben, es sind keine Frontsoldaten, sondern gut ausgebildete Wissenschaftler. Der Sprung zu "Tieren, die aufeinander los gehen" ist tatsächlich sehr weit, psychologisch. Die Hürde, einen anderen Menschen zu töten, ist tatsächlich hoch.
Überwunden wird sie in starken, emotionalen Ausnahmezuständen und in Notwehrsituationen (mal von staatlicher Legitimation abgesehen) - das schon, aber in der Story liegt ja ein Beschluss zu Grunde, der auf einer Idee fußt, also einer abstrakten Motivation. Dass sie also tatsächlich deshalb anfangen, wirklich andere zu erschlagen, das braucht eine gewisse Entwicklung, da kommen solch höfllich-distanzierte und zivilisierte Science-Typen nicht adhoc hin. Diese Entwicklung zu skizzieren, das wäre durchaus spannend.

+++++

Story mit Potenzial, ausbaufähig, vor allem auch, was die Glaubwürdigkeit der Ereignisse betrifft :)

 
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Hallo @Habentus, trotz der recht präzisen und geschliffenen Sprache ist deine Story für mich leider nicht lebendig geworden. Ich glaube, das hat folgende Gründe:

Es werden viele Andeutungen gemacht und viele ziemlich generische Begriffe verwendet. Gleichzeitig wird aber ein apokalyptisches Zukunftsszenario beschrieben. Das geht für mich nicht zusammen. Um als Leser in so ein Szenario einzusteigen und sich darauf einzulassen, muss man mehr oder weniger plausibel dahin geführt werden, denke ich. Sprich man will wissen, wie alles so kam und wie die zukünftige Welt genau aussieht. So geht es mir zumindest.

Auch um das beschriebene "Drama" mitzufühlen, muss man erfahren, um was es eigentlich genau geht. Als Vergleich denke ich hier an die Serie Walking Dead. Man erfährt zwar nicht direkt, wie die Zombies entstanden sind, aber der Zuschauer erschließt sich die neue Weltordnung zumindest Stück für Stück gemeinsam mit den Figuren. Dafür braucht es eine Menge Bilder von der neuen Welt und Informationen über sie.

So kurz wie in deiner Geschichte wird so was schwer bis unmöglich, denke ich, denn auch die Figuren werden ja nur sehr kurz gestreift. Hier entwickelt man auch keinen Draht, finde ich.

Insgesamt denke ich, dass sich das Sujet nicht für so eine kurze Story eignet, zumindest nicht, um mitten ins Geschehen zu springen, ohne Rampe.

Aber natürlich ist das nur meine Meinung. Die anderen Kommentare habe ich noch nicht gelesen. Wenn dir was an dem Thema liegt, bau doch in einem längeren Welt diese Welt genauer auf.

VG, HK

 
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Hallo @FlicFlac und @Henry K. und danke euch, dass ihr meine Geschichte gelesen habt! Ich fange mal der Reihe nach mit euren Anmerkungen an.

Im Präsens des Erzählers gibt es ja gar keinen Plural mehr - die "Gegner" sind nur noch einer, also müsste es doch heißen "Sie hatten Recht, aber wir waren mehr". Und die "mehr" sind 2 Personen.
Stimmt. Aber dann würde ich ja irgendwie das Ende vorwegnehmen und einräumen, dass der Protagonist eigentlich zu den anderen gehört. Ich werde darüber nachdenken, wie ich das lösen kann.
Wer ist das? Die Gegner logischerweise. Die "von außen" haben ja keine "anderen", die sie zerrütten wollen könnten. Oder? Ist mir unklar.
Also das sind Hehner und ein paar andere. Die lassen die Musik laufen. Und Hehner gehört zu der Gruppe derjenigen, die die Forschung vernichten möchten. Aus Angst, dass ansonsten die Ergebnisse dazu führen, dass vermutlich am Ende die Menschheit ausgelöscht werden wird.

Hm, ich hab da meine Zweifel, ob jeder sich auf diese Weise so stark ändert, innerhalb von Tagen. Da gibt es, je nach Typ, sicher unterschiedliche Reaktionen. Hier ist die Amplitude schon arg groß. Von höflich-distanziert zu prollmäßig-derb.
Ich gebe zu, dass nicht so richtig rauskam, um was es geht und warum die Stimmung derart schnell kippt. Zum Einen geht es ja nicht einfach um einen wissenschaftlichen Disput unter Forschern, sondern um die grundsätzliche Befürchtung, dass die eigene Forschung (vermutlich an einer Art Waffe) die Menschheit relativ wahrscheinlich zu großen Teilen auslöschen wird. Daher liegt die Entscheidung, alles zu vernichten, was zu diesem Ereignis führen könnte, für mich etwas näher. Wobei ich deinen Zweifel da durchaus nachvollziehen kann. Ist halt die Frage, wie schnell ein (als realistische Bedrohung für alle Menschen Wahrgenommenes) Ereignis dazu führen könnte, dass Menschen derart aufeinander losgehen. Wenn ich mir aber verschiedene Sozialexperimente in abgeschlossenen Räumen anschaue, in denen innerhalb kürzester Zeit ein enormes Gewaltverhalten an den Tag gelegt wurde, halte ich eine derartige Eskalation für nicht mehr ganz so weit hergeholt. Außerdem wollte ich andeuten, dass die Nerven ohnehin durch verschiedene Ereignisse bei den Beteiligten blank liegen (Auslöschung steht im Raum, Drogen spielen eine Rolle, permanente Beschallung, die Regierung versucht von außen in die Anlage einzudringen - es besteht also auch ein Zeitdruck). Vieles habe ich aber nur angedeutet. Vielleicht liegt hier einfach der Fehler und ich müsste es deutlicher darstellen? Ich weiß es nicht.
Was die Sprache angeht, gebe ich dir schon recht. Andererseits liegt der Mann nun mal im Sterben, befindet sich seit Tagen in einer absoluten Ausnahmesituation und hat sich durch Drogen aufgeputscht.

Das ist angesichts der Situation nun aber sehr distanziert und euphemistisch. Denkt der das jetzt wirklich? Dass der Fehler des anderen grad ist, das "Große und Ganze" nicht im Blick zu haben? Dass er "Federn gelassen hat"? "Würdelos" zu sein? Sehr harmlose Formulierungen.
Na ja, also das wichtigste für den Protagonisten wie vermutlich auch für Alex ist es ja, die Forschung zu retten und irgendwie nach außen zu schaffen. Von daher geht es ihm ja schon um "das Große und Ganze". Aber ich sehe deinen Punkt und muss mir über diese Stelle noch mal Gedanken machen. Vielleicht nehme ich sie doch lieber raus.

das schon, aber in der Story liegt ja ein Beschluss zu Grunde, der auf einer Idee fußt, also einer abstrakten Motivation.
So abstrakt ist das ja nicht. Die Bedrohung ist für die Beteiligten ja durchaus real. Sollten die Ergebnisse der eigenen Forschung die Anlage verlassen, geht ein Großteil der Beteiligten ja davon aus, dass das zur Auslöschung der Menschheit führt. Das ist ja eine reale Bedrohung, die deshalb ja auch eine derartig krasse Entwicklung nach sich zieht.

Diese Entwicklung zu skizzieren, das wäre durchaus spannend.
Das mit Sicherheit. Aber mir war danach, mich mal an etwas sehr Kurzem zu versuchen. Meine anderen Texte hatten in der Vergangenheit eher das Problem, etwas zu sehr auszuschweifen *hust*

Es werden viele Andeutungen gemacht und viele ziemlich generische Begriffe verwendet.
Das stimmt. Ich deute fast ausschließlich an und führe nichts aus. Es ist nicht genau klar, um was es bei der Forschung geht (Vermutlich eine Art Waffe), wo sich die Forscher befinden (vermutlich in einer Art militärischer Forschungsanlage) usw. Auch über die äußeren Umstände der Welt verliere ich kein Wort. Aber ich hatte ehrlich gesagt gar nicht im Kopf, dass es sich um eine Art dystopische Zukunftsvision handelt. Ich dachte eher, dass das so ähnlich, ja tatsächlich passieren könnte. Waffen werden von Regierungen nun einmal entwickelt, um dem potentiellen Feind größtmöglichen Schaden zuzufügen. Da braucht es in meinen Augen keinen dystopisches worldbuilding. Erst recht nicht, wenn ich mir überlege, wie kurz die Menschheit bereits ein paar Mal vor der atomaren Auslöschung stand.

Auch um das beschriebene "Drama" mitzufühlen, muss man erfahren, um was es eigentlich genau geht. Als Vergleich denke ich hier an die Serie Walking Dead. Man erfährt zwar nicht direkt, wie die Zombies entstanden sind, aber der Zuschauer erschließt sich die neue Weltordnung zumindest Stück für Stück gemeinsam mit den Figuren. Dafür braucht es eine Menge Bilder von der neuen Welt und Informationen über sie.
Kann ich verstehen, dass dir das so geht und vermutlich auch vielen anderen. Mir ging es bei dieser sehr kurzen Geschichte aber tatsächlich mal darum, möglichst wenig auszuformulieren und trotzdem klar zu machen, um was es grob geht. Da lag für mich gewissermaßen der Reiz. Dass das bei dir nicht gezündet hat, ist aber natürlich schade und dann muss ich wohl noch mal schauen, was ich besser machen kann.

Insgesamt denke ich, dass sich das Sujet nicht für so eine kurze Story eignet, zumindest nicht, um mitten ins Geschehen zu springen, ohne Rampe.
Das ist dann genau die Frage. Eignet sich Flash-Fiction für den Inhalt dieser Geschichte. Da muss ich noch mal drüber nachdenken. Danke dir aber für deine ehrlichen Gedanken!

Danke euch beiden für eure Kommentare. Haben mir weitergeholfen und mich zum Nachdenken angeregt.

Viele Grüße
Habentus

 

MRG

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Hallo @Habentus,

finde ich ein interessantes Teil, habe ich gerne gelesen und es hat mich gefesselt. Allerdings ging es mir etwas wie @Henry K.; für mich müssten noch stärker die Hintergründe geliefert werden. Könnte mir das sehr gut als den Auftakt für ein größeres Projekt vorstellen. So liest es sich eher wie eine interessante Szene, aber noch keine fertige, in sich geschlossene Geschichte.

Was mir ansonsten aufgefallen ist, dass deine Sprache sehr sicher wirkt und ich mich so gut auf die Geschichte einlassen konnte. Mir ist sonst aufgefallen, dass du teilweise noch etwas mehr zeigen könntest, wie es genau zu diesem apokalyptischen Szenario gekommen ist. Es sind doch teilweise doch noch viele Behauptungen drin, ohne dass ich das als Leser selbst hätte erleben können. Da gehe ich weiter unten noch einmal drauf ein.

Abschließend will ich noch sagen, dass ich das eine starke Verbesserung finde, von den Texten, die ich von dir vorher gelesen habe und noch im Kopf hatte. Es hat mich gut reingezogen und ich finde, dass da auch noch viel Potential drin steckt.

Ich gehe im Detail auf meinen Leseeindruck ein:

Schwere Zangen, Hämmer, Schraubenzieher. Alle diese Dinge sind aus den Vorratsräumen verschwunden. Befinden sich versteckt unter Matratzen. Verbergen sich in Gürteln oder stecken griffbereit in den Taschen unserer Kittel.
Finde ich einen starken Einstieg; die Informationen werden zurückgehalten und das erzeugt Spannung, weil ich wissen will, wie genau es dazu gekommen ist.

Die anderen nennen uns Verräter. Wir nennen sie Wahnsinnige.
Mir gefällt, wie du diesen Kontrast aufbaust: Das verstärkt den Konflikt, es gibt sofort eine Ingroup und eine Outgroup, die sich gegenseitig bekriegen.

Denn wir hatten alle gesehen, was wir erschaffen hatten. Etwas Unvergleichliches, womit wir jeden Krieg in Zukunft beenden könnten, bevor er überhaupt beginnt.
Das meinte ich weiter oben mit mehr zeigen und weniger behaupten. Hier hätte ich mir eine Szene gewünscht und dann gerne als Leser selbst diese Schlussfolgerung gezogen.

Angespannt schleiche ich durch die dunklen Gänge. Die allermeisten der Glühbirnen sind herausgedreht oder zerschlagen.
Ich musste mich hier erst einmal auf den Zeitenwechsel einlassen und es hat mich etwas stolpern lassen. Vielleicht liegt das auch einfach an meinem eigenen Lesegeschmack oder meine Lesegewohnheiten. Bin hier jedenfalls etwas rausgekommen.

Stumm beobachte ich mich im Spiegel. Sehe mir dabei zu, wie mein Kiefer mahlt. Mich aussehen lässt wie ein erbärmliches Wrack.
Das mit dem Spiegel finde ich schwierig, weil das schon so oft verwendet worden ist. Denke, dass hier etwas Klischeegefahr besteht. Möglicherweise könntest du da noch ein kleines Detail in den Spiegel bauen?

Mit drei schnellen Schritten ist er bei uns, holt aus und schlägt mit einem Rohr zu. Ein mal. Zwei mal. Ich wende mich ab.
„War er der letzte?“ Mit Blutspritzern im Gesicht schaut er mich fragend an.
Das erzeugt natürlich Spannung und gleichzeitig weckt es in mir auch Erwartungen: Ich will die Hintergründe wissen, will die Komplexität verstehen und daher meinte ich weiter oben auch, dass es sich für mich eher wie der Auftakt eines größeren Projekts liest.

„Wie konntet ihr nur einen solchen Verrat in Erwägung ziehen?“
Ich greife in meine Tasche und hole einen Datenträger hervor. Schon vor Monaten hatte ich damit begonnen, heimlich Kopien unserer Arbeit anzufertigen.
Das ist für mich auch so ein Versprechen, das du in den Text baust, aber in meinen Augen müsste das dann auch noch ausführlicher behandelt werden. Stand jetzt fühle ich mich etwas allein gelassen und hänge nach dem Lesen ein bisschen in der Luft, weil ich eben wissen will, wie es weitergeht und was als nächstes passiert.

Finde das einen starken Text, der in meinen Augen noch viel Potential hat und vielversprechend ist. Wünsche dir einen schönen Sonntag.


Beste Grüße
MRG

 
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Hallo @MRG und vielen Dank für deinen Kommentar!

Was mir ansonsten aufgefallen ist, dass deine Sprache sehr sicher wirkt und ich mich so gut auf die Geschichte einlassen konnte.
Abschließend will ich noch sagen, dass ich das eine starke Verbesserung finde, von den Texten, die ich von dir vorher gelesen habe und noch im Kopf hatte. Es hat mich gut reingezogen und ich finde, dass da auch noch viel Potential drin steckt.
Das freut mich sehr! Danke für die Komplimente :) So was gibt mir natürlich immer Kraft.
Stand jetzt fühle ich mich etwas allein gelassen und hänge nach dem Lesen ein bisschen in der Luft, weil ich eben wissen will, wie es weitergeht und was als nächstes passiert. Finde das einen starken Text, der in meinen Augen noch viel Potential hat und vielversprechend ist. Wünsche dir einen schönen Sonntag.
Ich kann verstehen, dass dir das so geht. War ja irgendwie auch ein wenig meine Intention. Daher habe ich das ja als Flash-Fiction veröffentlicht. Aber ich sehe ein, dass der Text noch nicht ganz rund ist. Es fehlt was. Witzigerweise habe ich gerade eben einen anderen Text von mir komplett überarbeitet. Vielleicht mache ich dann ja jetzt einfach hiermit weiter? Auf jeden Fall vielen Dank für deine Meinung!

Viele Grüße
Habentus

 

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