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Begegnung der dritten Art

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Anmerkungen zum Text

Hier habe ich das Thema von "Triage" noch einmal ganz neu bearbeitet.

Begegnung der dritten Art

Begegnung der dritten Art

Frank Hohmann warf einen Blick auf sein Handy. Er hatte nach einigen der Corona-Patienten zu sehen, auch gab es einen Neuzugang in 307, der Lutz Kobel hieß. Hohmann beschloss, ihn zuerst zu besuchen. Die Leute hatten verständlicherweise Angst, wenn sie kamen. Noch einen letzten Schluck Kaffee, den er nötig hatte. Sie tranken ihn alle literweise. Andere Sachen hatte er auch schon probiert, wollte das aber nicht zur Gewohnheit werden lassen. Verrückt, aber auch wenn die Situation für Krankenhausärzte vorher schon schwierig gewesen war, Corona machte sie fertig. Jetzt noch den „Raumanzug“ angelegt und los. Heute Nachmittag würde er endlich nach Hause gehen. Hoffentlich hatte Esther nicht schon wieder Post bekommen. Vielleicht hatte die Polizei inzwischen Ergebnisse.
Als er die Tür öffnete, wurde ihm kurz übel. Stimmt, er hatte noch etwas essen wollen, doch Irene Liebig, seine Chefin, hatte über einen Patienten mit ihm gesprochen. Darüber hatte er es vergessen.
Er trat ans Bett des Patienten und stutzte. Das Gesicht kannte er, er war sich sicher, doch es fiel ihm nicht ein woher. Er stellte sich vor und fragte, was er wissen musste. Herr Kobel redete leise. Nachdem alles Wichtige besprochen war, seufzte Kobel und sagte:
„Hätte ich nicht gedacht, dass es mich so schlimm treffen würde.“
„Naja, das Risiko haben wir alle, solange wir keine Impfung haben. Man kann sich schützen und doch kann man nicht komplett ausschließen…“
Herr Kobel verzog die Mundwinkel und sah aus dem Fenster.
„Pff.“
Plötzlich wußte Hohmann, woher er ihn kannte. Samstag vor zwei Wochen war das gewesen. Als er über den Markt gelaufen war, hatte er die Querdenker-Demo mitbekommen und weil er den Strom der nicht oder nur unzureichend maskierten Demonstranten nicht durchqueren wollte, hatte er mitbekommen, wie ein Lokalsender einige der Leute interviewte. Lutz Kobel hatte dem Reporter aufgebracht erklärt, nicht zu bezweifeln, dass es den Virus gebe, doch dass es so gefährlich sei, wie es behauptet würde, das sei sei politisch motiviert, da gebe es ganz andere Gründe für. Der Reporter hatte ihn gefragt, was das, seiner Meinung nach, denn für Gründe seien und Lutz Kobel hatte bedeutungsvoll den Kopf gewiegt und gesagt: „Das glauben Sie ja sowieso nicht, bei der Presse müssen Sie der Regierung ja nach dem Mund reden. Aber die da oben sind alle gekauft!“ Ganz kurz war ihm die Frage durch den Kopf geschossen, ob er sich zu anderen Zeiten womöglich als Arzt in das Interview eingemischt hätte, überquerte aber schnell die Straße, als sich eine Lücke auftat.
„Ich habe Sie auf der Querdenker-Demo gesehen vor zwei Wochen, als Sie gerade interviewt worden sind“, sagte er zu Kobel „Viele Leute dort hatten keine Masken auf.“
„Diktatur“, murmelte Kobel. Dann hustete er angestrengt.
„Und jetzt, warum sind Sie hergekommen, wenn es nur eine normale Grippe ist?“ Hohmann merkte, dass er wütend wurde, stärker als es angebracht war.
„Mein Hausarzt hat es mir geraten.“ Kobel schürzte die Lippen wie ein Kind.
„Tja, mal sehen, ob wir ein Beatmungsgerät für Sie frei machen können, sollten Sie in den nächsten Stunden eins benötigen.“ Hohmann sah Rot. Nicht Lutz Kobel lag vor ihm im Bett, sondern der gesichtslose Schreiber der Morddrohungen, die seine Frau erhielt, seit sie Stadträtin geworden war. Das war auch so einer.
„Wieso? Sie müssen mir doch helfen!“ Kobel schaute ihn ungläubig an. Hohmanns Blick vereiste.
„Wir haben hier momentan sehr viele Patienten“, erklärte er. „Von der Situation der Triage haben Sie vielleicht schon einmal in den Nachrichten gehört. Wir können nicht alle Patienten gleich gut versorgen. Wir müssen Entscheidungen treffen.“ Unglaublich, was tat er hier? Doch es gab keinen Zeugen, denn im Moment lag Kobel allein in diesem Zimmer.
„In Deutschland?“ Kobel schnappte nach Luft.
„Ja, auch hier inzwischen.“ Kobel suchte nach einer Antwort in Hohmanns Blick.
„Sie…hassen Leute wie mich.“ Schweiß und Angst standen ihm jetzt im Gesicht. Hohmann stand neben ihm und tat nichts. Dann trat er ans Fenster und schaute hinaus. Langsam beruhigte sich Kobels Atem wieder, doch es hatte lange gedauert.
„Ich weiß auch, wer Sie sind“, hörte er Kobels Stimme plötzlich erneut in seinem Rücken. Hohmann drehte sich um.
„Ihre Frau ist bei den Grünen und Stadträtin. Sie waren vor ein paar Tagen mit ihr zusammen im Fernsehen.“ Das stimmte. Am Dienstag waren sie durch ein Presse- und ein Fernseh-Team vor dem Haus überrascht worden, als sie gerade ins Auto steigen wollten. Das war eine dumme Sache gewesen. Hatte sie sich auch so abfällig und allgemein über die Demonstranten äußern müssen? Als Politikerin müsste sie sich besser beherrschen können.
„Ihre Frau gehört nicht in den Stadtrat, finde ich. Ich finde sie nicht gut.“ Kobel hatte wieder leise gesprochen, aber Hohmann fühlte sich trotzdem geohrfeigt.
„Sie hat sich inzwischen für ihre Äußerung entschuldigt.“ In der Tat hatte Esther ziemlichen Ärger bekommen, aus allen Ecken, auch von ihrer eigenen Partei. Sicher, man konnte nicht alle über einen Kamm scheren, aber auch er konnte diese Leute im Prinzip nicht ausstehen. Er fand sie dumm und ignorant und sie machten ihn wütend.
„Sie meint es aber so. Und Sie wahrscheinlich auch.“
Hohmann zuckte die Achseln. Dann rang er etwas mit sich.
„Sie bekommt Morddrohungen, seit sie Stadträtin geworden ist, das ist zwei Jahre her.“ Er drehte sich wieder zum Fenster. Kobel schwieg. Hohmann sah auf die Uhr.
„Ich muss weiter, Herr Kobel. Rufen Sie eine Schwester, wenn Sie etwas brauchen.“ Als er schon die Türklinke herunterdrückte, hörte er Kobel noch einmal:
„Das… tut mir leid…, das mit den Morddrohungen… Das ist schlimm.“
„Ja.“ Hohmann sah noch einmal zu Kobel.
„Bis dann“, sagte er und ging.
Er veranlasste umgehende Untersuchungen und die möglicherweise notwendige Beatmung Kobels.
Den restlichen Arbeitstag war er schlecht gelaunt. Das, was sie als Ärzte bei aller Überforderung zuverlässig bekamen, war ein Vertrauensvorschuss und eine gewisse Art von Bewunderung, genauso wie die Dankbarkeit der Patienten. All dessen fühlte er sich heute beraubt und er wusste nicht genau, wer Schuld daran war. Lutz Kobel ging ihm nicht aus dem Sinn. Immer wenn er ihn dafür verantwortlich machen wollte, schämte er sich und er wurde noch gereizter.

Dann hatte er zwei Tage frei, doch Esther musste arbeiten. Sie hatten keine Kinder, also hatte er Zeit. Von der Polizei hatten sie noch keine Nachricht erhalten. Er kaufte ein und machte die Wäsche, zwischendurch lag er auf dem Sofa und las. Oder er starrte Löcher in die Luft, so wie jetzt. Schließlich nahm er sich das Tablet und suchte nach Informationen. Er gab „Querdenker“ ein. Er schaute sich Videos an und las über die Zusammensetzung der Personen auf den Anti-Corona-Demos und über Bodo Schiffmanns You-tube-Filmchen. Er schüttelte den Kopf und stöhnte. Es war ein Konglomerat von Leuten mit den verschiedensten Anliegen und Sichten. Aber ihre Vermischung wirkte destruktiv, ja verheerend.

Am Freitag hatte er wieder Dienst. Er legte seinen Besuch bei Lutz Kobel vor seine Pause.
Kobel hatte tatsächlich die letzten Tage Sauerstoff per Maske bekommen, sich aber schon wieder stabilisieren können.
„Wie geht es Ihnen inzwischen, Herr Kobel? Die Sauerstoffmaske konnte schon weg, habe ich gehört. Sie sind schon in der Entwöhnung.“
Kobels Blick spiegelte widerstreitende Gefühle.
„Die Maske war nicht angenehm, aber es geht mir jetzt schon besser.“
„Das ist gut. Das ist gut.“ Hohmann deutete auf den Besucher-Stuhl neben dem Bett und fragte: „Darf ich?“ Kobel nickte. „Natürlich.“
„Ich habe immer wieder an Sie denken müssen in den letzten Tagen, als ich nicht im Dienst war.“ Hohmann lächelte.
„Ach, Sie hatten frei.“ Kobel klang, als hätte er sich vorher diese Frage gestellt.
„Am Dienstag, als Sie kamen, war ich... gemein zu Ihnen…“ Kobel antwortete nicht gleich.
„Man ist das schon gewohnt, leider.“
„Naja, ich habe meine Probleme mit den Demonstranten.“
„Noch sind wir eine Demokratie.“
„Darum geht es nicht. Wenn sie die Sicherheitsvorschriften einhalten würden, hätte ich viel weniger Probleme mit ihnen.“
„Aber um diese Sicherheitsvorschriften geht es ja gerade!“
„Sie halten Sie das Coronavirus noch immer für ungefährlich?“
„Naja“, Kobel kratzte sich am Kopf. „Ich weiß nicht, für die meisten ist es wohl nicht so gefährlich wie für mich. Würden Sie das nicht auch sagen, als Arzt?“
„Ja, das ist wohl wahr. Nur trifft es doch insgesamt viele Menschen so stark oder noch stärker wie Sie, weil es sich so schnell verbreitet, erst recht die neuen Mutanten.“
„Es heißt, es würde alles in größeren Zusammenhängen stehen,… nicht so sein, wie es scheint…“
„Ich weiß, ich habe davon gelesen, von diesen…Ideen…“ Sein Handy brummte. Es war Esther. Sie rief ihn normalerweise nicht im Dienst an. Er würde zurückrufen und drückte sie jetzt weg. Dann kam eine Nachricht an. Er schaute kurz darauf. „Sie haben ihn.“ stand da. Aha, gut!
Und Kobel? Kobel hatte zu ihm gesagt, dass ihm die Morddrohungen leid täten. Dennoch lebte er geistig in einer völlig anderen Welt. Hohmann sah ihn vor sich in seinem Bett liegen und hatte das verrückte Gefühl, einen Außerirdischen zu behandeln. Es trennte sie so viel. „Die unheimliche Begegnung der dritten Art“ fiel ihm ein. Unheimlich, weil es ihn so ratlos machte.
„Es ist alles schwierig geworden, finden Sie nicht?“ Sein Lächeln drückte eben dies aus.
„Oh ja, sehr schwierig!“ Kobel überlegte.
„Sie sagen „Ideen“ zu meinen Ansichten…Ich hatte früher mehr Freunde… oder andere zumindest… Es passieren schlimme Sachen. Auch das mit Ihrer Frau…“
„Sie finden es nicht richtig, dass sie Morddrohungen bekommt, obwohl sie diese Äußerung gemacht hat?“
„Nein, natürlich nicht.“ Hohmann machte runde Augen.
„Es ist aber schwierig geworden, miteinander zu reden, oder? Ich habe auch einen Freund verloren. Er ist Arzt wie ich, aber er tut jetzt Dinge, die ich nicht in Ordnung finde. Er war auch früher schon immer etwas alternativ. Das war früher auch völlig in Ordnung. Aber jetzt erzählt er seinen Patienten Dinge, die entbehren einfach…“
„Warum sollte er schlechter Bescheid wissen als Sie?“
„Er weiß nicht schlechter Bescheid, er bekommt so mehr Aufmerksamkeit. Ich muss es leider so sagen. Medizinisch kann ich es Ihnen natürlich auch erklären. Man kann es aber auch im Netz oder in der Presse nachlesen. Man kann fast alles dort nachlesen…“ Kobel schüttelten es Kopf.
„... aber es ist mehr eine Frage des Vertrauens in die offizielle Sicht, nehme ich an.“
„Da haben Sie recht.“
Hohmann nickte. Er dachte an seine Jugend in der DDR. Da hatten sie den offiziellen Medien auch nicht geglaubt. Aber damals sagten die auch alle das Gleiche, Abweichungen gab es nicht. Die Medien heute, nein, da lagen Welten dazwischen.
„Ich habe mal in einer Diktatur gelebt, als ich jung war“, sagte er.
„Wenn Sie die DDR meinen, da komme ich auch her“, erwiderte Kobel und hatte einen belustigten Ausdruck in den Augen.
„Und Sie finden das gleich, so wie die Medien heute und wie sie damals berichteten, die Politiker redeten?“
„Nein, die Politiker sind heute intelligenter, gewiefter. Und die meisten Leute merken gar nicht, dass sie von vorn bis hinten belogen werden, auch die Journalsten nicht!“ Hohmann seufzte.
„Von Bill Gates zum Beispiel?“, fragte er.
„Schauen Sie sich mal Interviews mit dem an und dann sagen sie mir, ob sie den sympathisch finden.“
„Ich finde ihn sympathisch. Es gibt nicht viele Superreiche, die all ihr Geld in soziale Projekte stecken.“
„Er verdient sich mit den Impfungen doch dumm und dämlich! Und er hat vorher gewußt, dass die Pandemie in China ausbrechen würde. Warum wohl?“
„Das haben viele Forscher befürchtet. In China gibt es diese Märkte, in denen Wildtiere verkauft werden. Manche haben unbekannte Krankheiten…“
„Nein, nein, das sind zu viele Zufälle. Außerdem ist so eine Pandemie ein gutes Mittel, um die Überbevölkerung der Erde zu bekämpfen. Er hat es doch selbst angekündigt!“
Es brachte nichts.
„In Ihrer Welt macht das alles Sinn“, sagte er.
„Natürlich.“ Kobel lächelte.
„In meiner Welt ist das mit den Erklärungen manchmal schwieriger, mit dem Sinn und der Frage Warum“, gab Hohmann zu. Sie lächelten sich nun beide an.
„Hören Sie, Herr Kobel, versuchen Sie einfach, keine anderen Menschen zu gefährden, wenn Sie wieder draußen sind. Sie wissen jetzt, dass man nicht wissen kann, wen es wie stark trifft. Was Sie sonst glauben, naja, das müssen Sie selbst entscheiden. So ist das eben.“ Hohmann erhob sich.
Kobel nickte.
„Sie sind in Ordnung, Doktor“, meinte er.
„Warum denken Sie das?“ Hohmann war etwas erstaunt.
„Naja, Sie haben sich immerhin zu mit gesetzt und wir haben geredet…“
Hohmann hob grüßend die Hand und es ging ihm besser, als er ging.
„Wir sehen uns.“

 
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Hallo @Proof, @G. Husch und Du dritter Leser meines ursprünglichen Textes, den Kanji aus Versehen gelöscht hat, mit allen Kommentaren. Vielleicht habt Ihr das ja auch bemerkt und denkt, ich hätte das veranlasst und seid sauer. Jedenfalls würde ich mich sehr freuen, wenn Ihr den Text nochmal lesen könntet. Natürlich auch jeder andere! Die Geschichte ist jetzt jedenfalls ganz anders, deshalb wollte ich sie ursprünglich auch als neue einstellen, sollte das dann aber nicht... Naja, es gab Schwierigkeiten und vielleicht auch Missverständnisse. Wegen Deines gruseligen Bildes kann ich mich an Dich, @Proof gut erinnern, an @G. Husch, weil ich auch ihre Geschichte kommentiert habe, komme aber nicht mehr auf den letzten von Euch, so dass ich ihn hier nicht nennen kann. Mist. Liebe Grüße trotzdem!

 
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Hej @Palawan , die vorherige Geschichte habe ich lediglich überflogen. Bin wohl Corona-müde. :shy: Ich kann also nicht im Vergleich kommentieren.

Gut ist ja schon mal, dass du dich mit den Gepflogenheiten vertraut gemacht hast und weißt, dass die Bearbeitung deines Textes bedeutet, in ihm zu arbeiten und nicht einen neuen zu erstellen. Natürlich bleibt es dir vorbehalten, so viele thematisch gleiche Texte zu erstellen wie du willst, aber wenn du Hilfe und Kommentare zu einem bekommst und sie nutzt, dann würde man es eben einfach gerne nachvollziehen können, verstehen wir uns hier als so etwas wie eine Textwerkstatt. ;)

auch gab es einen Neuzugang in 307
Vor allem in Kurzgeschichten bin ich aufmerksam mit jedem Satz, mit jedem Hinweis und jeder Äußerung, in der Annahme, dass ich Informationen damit erhalte, die nötig sind, den ganzen Umfang und alles zwischen den Zeilen verstehen und zuordnen zu können. Diese Zahl sagt mir im Verlauf nichts mehr oder Neues. Schade.
Andere Sachen hatte er auch schon probiert, wollte das aber nicht zur Gewohnheit werden lassen.
So wie oben schon erwähnt, nehme ich an, das könnte bedeuten, der Doc hätte ein allgemeines Drogenproblem, das er versucht in Schach zu halten, ihn beeinflusst, sein Handeln, seine Aussagen, sein Verhalten. Oder soll es auf ein allgemeines Problem in Krankenhäusern oder unter Ärzten hinweisen? :confused:
Verrückt, aber auch wenn die Situation für Krankenhausärzte vorher schon schwierig gewesen war, Corona machte sie fertig.
Und ich bemerke immer mehr, dass ich diesen Charakter für wenig authentisch halte, dass du mir mit solchen Aussagen ein Plakat vor die Augen halten und keine Geschichte erzählen willst, aus der ich am Ende meine eigenen Schlüsse ziehen kann.
Heute Nachmittag würde er endlich nach Hause gehen.
Soll ich denken, es wäre ein üblicher Arbeitsschluss, oder hat er bereits tagelang durchgearbeitet? Nein, wohl kaum, dafür ist er zu relaxt, langsam in seinen Handlungen und seiner Art zu reden. Der ist nicht im Stress.
Stimmt, er hatte noch etwas essen wollen, doch Irene Liebig, seine Chefin, hatte über einen Patienten mit ihm gesprochen.
Irene Liebig, denke ich so. Muss ich die kennen? Ist die eine Person, die noch Einfluss haben wird? Ich merke mir mal besser den Namen. :teach: (Der taucht nie wieder auf)
Als er über den Markt gelaufen war, hatte er die Querdenker-Demo mitbekommen und weil er den Strom der nicht oder nur unzureichend maskierten Demonstranten nicht durchqueren wollte, hatte er mitbekommen, wie ein Lokalsender einige der Leute interviewte.
Wortwiederholungen sind nicht so schön
das sei sei politisch motiviert,
doppeltes sei
Der Reporter hatte ihn gefragt, was das(,) seiner Meinung nach(,)denn für Gründe seien und Lutz Kobel hatte bedeutungsvoll den Kopf gewiegt und gesagt: „Das glauben Sie ja sowieso nicht, bei der Presse müssen Sie der Regierung ja nach dem Mund reden. Aber die da oben sind alle gekauft!“
Ich bin jetzt nicht so der Kommafuchs, aber die in Klammern sind ganz bestimmt entbehrlich :D.
Hohmann sah Rot. Nicht Lutz Kobel lag vor ihm im Bett, sondern der gesichtslose Schreiber der Morddrohungen, die seine Frau erhielt, seit sie Stadträtin geworden war. Das war auch so einer.
sah rot; Hier vertraust du mir nicht als Leser. Natürlich ist mir längst schon klar, dass für den Arzt die Ereignisse und somit die Personen ineinander verlaufen. Ich störe mich immer an solchen Erklärungen.
Dann trat er ans Fenster und schaute hinaus. Langsam beruhigte sich Kobels Atem wieder, doch es hatte lange gedauert.
Also auf einer Station, auf der es dieses Auswahlverfahren gibt, herrscht Dauerstress, Zeitdruck. Für jeden. Und das ist wohl mein Grundproblem mit der Geschichte. Ich glaube nicht, dass es dieses Gespräch geben könnte. Kein Arzt auf einer Station diesen Ausmaßes nimmt sich die Zeit, ein Grundsatzgespräch mit einem Patienten zu halten.
Das, was sie als Ärzte bei aller Überforderung zuverlässig bekamen, war ein Vertrauensvorschuss und eine gewisse Art von Bewunderung, genauso wie die Dankbarkeit der Patienten. All dessen fühlte er sich heute beraubt und er wusste nicht genau, wer Schuld daran war. Lutz Kobel ging ihm nicht aus dem Sinn. Immer wenn er ihn dafür verantwortlich machen wollte, schämte er sich und er wurde noch gereizter.
Zum einen lese ich immer lieber davon in Begebenheiten im Handeln, in Gesten und im Dialog der Protagonisten, als dass es mir aufs Brot geschmiert wird, zum anderen taucht die Frage auf, ob ich den Arzt unsympathisch finden soll? So gesehen ist er für mich ein aufgeblasener Egoist, der hier Arbeit leistet, damit man ihn bewundert. Das willst du als Autor aber sicher nicht. :shy:
Sie hatten keine Kinder, also hatte er Zeit.
Diese blöden Zeitfresserbalgen :lol: Sorry, aber das dachte ich zuerst. Warum steht das da? Klar, es soll erklären, warum er aufm Sofa chillen kann, aber das ginge auch, wenn die Kinder beim Sport wären, bei Oma oder Freunden, im Keller, im Zimmer am PC oder einfach nur keinen Bock auf ihren Papa. Und deswegen denke ich: ein gut situiertes Paar, Arzt und Politikerin haben keine Kinder, weil sie keine Zeit haben oder sind sie unfreiwillig kinderlos? Weißt du, was ich meine? Diese Andeutungen treten etwas in mir los, was du nicht zeigst. Ich kenne deine Protagonisten gar nicht, bekomme keinen Bezug zu denen und deswegen habe ich den vagen Verdacht, der Autor will mich bloß belehren, buhlt um mein Verständnis für die eine und die andere Seite, des Arztes, der Politiker, den Demonstranten.
Er kaufte ein und machte die Wäsche, zwischendurch lag er auf dem Sofa und las. Oder er starrte Löcher in die Luft, so wie jetzt.
In Zeiten der Triage am Krankenhaus, an dem er angestellt ist, liest sich das befremdlich.
Er kaufte ein und machte die Wäsche, zwischendurch lag er auf dem Sofa und las. Oder er starrte Löcher in die Luft, so wie jetzt. Schließlich nahm er sich das Tablet und suchte nach Informationen. Er gab „Querdenker“ ein. Er schaute sich Videos an und las über die Zusammensetzung der Personen auf den Anti-Corona-Demos und über Bodo Schiffmanns You-tube-Filmchen. Er schüttelte den Kopf und stöhnte. Es war ein Konglomerat von Leuten mit den verschiedensten Anliegen und Sichten.
Diese gleichförmigen Wiederholungen sind nicht so schön. Und wer zum Himmel ist jetzt Bodo Schiffmann? :confused:
Hohmann deutete auf den Besucher-Stuhl neben dem Bett und fragte: „Darf ich?“ Kobel nickte. „Natürlich.“
Never ever! Ich bleib dabei! :D
Nur trifft es doch insgesamt viele Menschen so stark oder noch stärker wie Sie, weil es sich so schnell verbreitet, erst recht die neuen Mutanten.“
stärker als
Dann kam eine Nachricht an. Er schaute kurz darauf. „Sie haben ihn.“ stand da. Aha, gut!
Das ist eine gute Einlage. Du zeigst mir, dass Hohmann erleichtert ist, nicht auch noch den Morddroher behandeln zu müssen.
Hohmann sah ihn vor sich in seinem Bett liegen und hatte das verrückte Gefühl, einen Außerirdischen zu behandeln.
Du leitetest es mit verschiedenen Welten ein und da dachte ich bereits: nee, leider leben wir alle gemeinsam auf einer Welt und müssen klarkommen. Einen sogenannten Querdenker als Außerirdischen zu bezeichnen, gerade von einem Arzt, dessen Freund ähnliche Ansichten hat, erscheint mir etwas überzogen.
„Sie finden es nicht richtig, dass sie Morddrohungen bekommt, obwohl sie diese Äußerung gemacht hat?“
Was ist das denn für eine Frage? :eek: Von einem Arzt erwarte ich ein differenziertes Denken.
Kobel schüttelten es Kopf.
„... aber es ist mehr eine Frage des Vertrauens in die offizielle Sicht, nehme ich an.“
„Da haben Sie recht.“
So, jetzt kommen sie sich also bedächtig näher
In China gibt es diese Märkte, in denen Wildtiere verkauft werden. Manche haben unbekannte Krankheiten…“
Das ist doch gar nicht safe. Also dieser Arzt verfügt über ein gefährliches Halbwissen.
„In Ihrer Welt macht das alles Sinn“, sagte er.
„Natürlich.“ Kobel lächelte.
„In meiner Welt ist das mit den Erklärungen manchmal schwieriger, mit dem Sinn und der Frage Warum“, gab Hohmann zu. Sie lächelten sich nun beide an.
Nein nein. Eine Welt für alle Dummköpfe. :teach:
„Sie sind in Ordnung, Doktor“, meinte er.
„Warum denken Sie das?“ Hohmann war etwas erstaunt.
Ich bleib dabei: Keine philosophischen Gespräche auf der Triage-Station! :dagegen:

Es tut mir jetzt ein bisschen leid, dass ich so wenig Gutes beigetragen habe, aber diese Grundtendenz in diesem Text, mir die Welt erklären zu wollen, der vermeintlich einen und anderen, hat mich nicht so gut unterhalten.

Mir hätte es besser getan, wenn der Text aus einer Sicht erzählt worden wäre, ich hätte mein Verständnis dann selbst erarbeiten können, wenn er subjektiver aus der Ich-Perspektive erzählt werden wäre. Glaub ich.

Wie auch immer. Irgendetwas wirst du aus meinem Leseeindruck, denn mehr ist es am Ende ja auch nicht, herausfiltern können.

Freundlicher Gruß und viel Vergnügen weiterhin. Kanji

 
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Hi @Kanji,

danke, dass Du meinen Text gelesen und kommentiert hast.
Ich komme leider momentan nicht dazu, Dir ausführlich zu antworten. Ich hatte es schon vor Tagen angefangen und immer wieder unterbrochen. Ich kann aber mit einigen Anregungen was anfangen, mit anderen auch nicht. Vielen Dank jedenfalls. Ich werde manches am Text dann noch arbeiten, wenn ich wieder Zeit habe. Ich wollte nur endlich eine Rückmeldung geben, weil es ja doof ist, wenn man sich die Zeit für einen Kommentar nimmt und dann reagiert der Schreiber gar nicht mehr. So weißt Du wenigstens Bescheid.

Liebe Grüße und Frohe Ostern,
Palawan

 

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