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Bennyboy

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Nicht unbedingt was für Kinder.
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Bennyboy

Rekordeinkauf! 163 Euro und 26 Cent! Ich drückte eine Hand auf das Klopapier, damit es nicht aus dem Gitterwagen purzelte. Der Kassenbon war länger als mein Unterarm. Whatsapp-Foto für Jessy, warum nicht? Titel? que venga el fin del mundo. Natürlich mit einem Zwinkern dahinter. Schließlich war ich ein Teil dieser Welt. Und ja, auch so etwas wie ein Fan von ihr. Warst du nicht. Ich bitte diese Stimme zu überhören. Wie mir ein Psychologe, der hundertzwanzig Euro pro Stunde kassierte, versicherte, war ich nicht schizophren. Ich sollte einfach nur aufhören, von morgens bis abends zu kiffen. Hihihi, kannste aber nicht. Manchmal hatte diese Stimme auf grausame Weise recht. Ich war von Kopf bis Fuß marihuanasüchtig - dünnhäutig wie ein Norwegerlachs. Dennoch oder gerade deswegen wurde mir dieses göttliche Timing zuteil. Und jetzt? Fadenriss im Nadelöhr. Ich stützte mich auf den Einkaufswagen. Overdosed, obwohl ich nur Kekskrümel gegessen hatte. Rainer machte tatsächlich die potentesten Geschosse. Hätte ich ihm das besser mal geglaubt. Ich over the top, ein mühsam atmendes Bündel frei liegender Nerven. Mein Blick glitt an dem gefrorenen Spinat ab und klammerte sich am Schokoladeneis fest. Das mochte ich doch. Mein Rücken tat jedoch so weh - jammer hier nicht rum!
Ich stierte auf die drei Dosen Paté, die letzten im Regal und meine Trophäe, ein eng eingeschweißtes gehäutetes Kaninchen. Eigentlich wollte es ein Teenager kaufen. Er beäugte es sehr lange dafür wie gehetzt wir alle waren. Ich fragte ihn also ob er Vegetarier war. Und er ignorierte mich einfach. Dann meinte ich, dass es Tollwut haben könnte. Und dann riss ich es ihm einfach aus den Fingern. Der Typ war erst dreizehn. Und er nervte. Ich hielt mir meine zweite Trophäe, die vorletzte Packung Klopapier an die Brust. Die letzte überließ ich einem Opi, der das Wettrennen im Gang nur knapp verloren hatte. Mittlerweile glich der Parkplatz einem Ameisenhaufen. Es waren kaum noch Gitterwagen da. Schon bald würden sie sich um den letzten Camembert fetzen.
Jessy und ich waren hingegen aus dem Schneider, und zwar mindestens für vier Wochen oder fünf Wochen! Falls sie dich nicht rausschmeißt. Das hatte ich nicht gehört. Die Menschheit stand am Abgrund. Da sollten persönliche Konflikte doch hintan stehen. Diese Stimme...oooh, diese Stimme! Diese Stimme versuchte mich zu reizen und zu verarschen, sie wollte mich klein machen und versklaven. Das gelang ihr mal mehr und mal weniger. Hatte eine Menge mit Aufmerksamkeit zu tun. Die musste ich nur bündeln. Also immer der Reihe nach: Süßer kleiner Donut. Jetzt gleich. Das hatte ich schon einmal gedacht. Deswegen musste ich ihn auch nicht lange suchen. Er war sogar noch warm. Ich machte es mir auf dem Mäuerchen bequem, das den Parkplatz von den Feldern trennte. Meine Einkäufe ließ ich dabei ganz bewusst vor meiner Karre stehen, als Vertrauensbeweis. Ich glaubte an das Gute im Menschen. Nicht wirklich. Ich glaubte nicht nur an das Gute im Menschen, ich verließ mich sogar darauf. Und siehe da! Niemand, der es auf mein Happa-Happa abgesehen hatte; alle eilten hastig vorbei und kauften sich brav ihr eigenes Zeug. Redet nur euren Krieg herbei, ich schlage die Beine übereinander und verströme Frieden. Verdammter Heuchler!
Ich presste meine Lippen zusammen und atmete tief ein und aus. Die Herbstsonne streichelte meine Backen. Die Herbstsonne stand genau am richtigen Fleck. Ich ließ meinen Blick über die angrenzenden Felder schweifen. Da wuchs Salat oder irgendetwas in der Art. Auf eine Scheunenwand hatte jemand das Wörtchen “Panic” gesprüht. Die neonblaue Farbe schien frisch. Pass auf deinen Wagen auf du Idiot! Was denn, da stand er doch noch! Und keine Sau interessierte sich für ihn. So schlimm war es noch längst nicht. Und der da mit der Bomberjacke? Da war tatsächlich ein junger Typ, der meinen Einkauf im Vorbeigehen unter die Lupe nahm. Er blieb stehen und sah sich um. Entdeckte mich und checkte mich von oben bis unten ab. Dann griff er in meinen Einkaufswagen und fischte sich einen meiner Lassis heraus. Dein Einsatz Feigling! Abgesehen von dieser Stimme, die eigentlich nicht zu mir gehörte, war ich sprachlos. Bomberjacke prostete mir auch noch zu, bevor er den Becher in einem Zug exte. Ich war kurz davor einzuschreiten, doch da zog der Typ endlich ab, um sich den letzen Einkaufswagen zu schnappen. Kauf dir dein eigenes Futter! Beinahe hätte ich es ihm hinterher gerufen. Glaubst du doch selbst nicht. Was war das für ein Tumult in meinem Kopf? Ruhig bleiben, sagte ich mir. Bloß die Ruhe. Abgesehen davon, dass sämtliche Groß- und Mittelstädte der USA in Schutt und Asche lagen und Außerirdische den gesamten Luftraum kontrollierten, war noch nichts passiert. Die Erde drehte sich weiter! Womöglich waren die Außerirdischen sogar hier, um uns zu helfen. Womöglich hatten es die Amis auch verdient? Dummes Arschloch. Ich schlug mir gegen die Stirn, räumte ein und startete meine Karre.
Manacors Geschäfte hatten durch die Bank dicht gemacht, mit Ausnahme des Chinos natürlich. Spontan entschloss ich, mir Farben, Pinsel und Leinwände zu kaufen. Es sah ja schon danach aus, als würden Jessy und ich erst einmal viel Zeit zu Hause verbringen. Ich war der Einzige im ganzen Laden, was mich irgendwie beruhigte. Der Chino hatte ein beeindruckendes Sortiment an Malutensilien. Tempera-Farben, ganz was Neues. “Zum Klecksen und Malen. Auswaschbar. Ideal für Kids” stand auf den Tuben. Ein Anflug von Jugendlichkeit. Dazu diese chinesische Musik im Hintergrund. Eine Mitsumm-Melodie. Lange höhe Pfeifentöne, blechernes Gezupfe und eine sagenhaft weiche Stimme. Zum Einlullen. Ich fing an, mitzusummen. Die Musik verstummte. Verständlich, oder?

“Sind Sie soweit? Voy a sella”, rief der Chinese.
“Vale, un momentito!”
Wieso die Eile? Der Kunde ist normalerweise König du Waschlappen!
Diese Stimme passte nicht zu mir. Einfach ignorieren. Ich räusperte mich und ging zur Kasse. Der Chinese, der sonst immer gut drauf war, hatte Tränen in den Augen. Es berührte mich, dass ihm das Schicksal der Amerikaner so nahe ging. Auch ich erinnerte mich an eine nette Reisebekanntschaft aus San Francisco. Ich wünschte ihm zum Abschied alles Gute, und zwar from the heart. So würde ich mein Gleichgewicht wiederfinden. Mit viel Liebe und guten Vibrations.
Überladen mit Farben gings zurück zu meinem Wagen. Die Welt geht unter und du dichtest? “Halt die Fresse! Ich tue mein Bestes hier!” Auf meinen Schrei folgte eine merkwürdige Stille, in der ich nur meine Ohren klingeln hörte. Dann ließ der Chino die Markise runter. Er hatte meinen Anfall mitbekommen. Ich zitterte und widerstand dem Gefühl, mir wie ein Idiot vorzukommen. Ab in die Karre. Alles gut. Alle Einkäufe erledigt. Ab nach Hause. Chinesische Melodien summen. Hübsch ausparken. Langsam - bist du jetzt taub? Natürlich hörte ich etwas! Ein dumpfes schweres Rasseln, das näher kam. Vorsichtig bog ich auf den Kreisverkehr ein und fuhr Richtung Palma, um die nächste Ausfahrt Richtung Petra zu nehmen, wie immer. Ungewöhnlich war nur die lange Reihe von Panzern, die mir auf der Schnellstraße entgegenkamen. Es waren mindestens dreißig. Die Straße vibrierte unter ihrem Gewicht. Und doch hatten sie nicht die geringste Chance gegen die Außerirdischen. Oder vielleicht doch? Sollte ich das Radio wieder einschalten? Traust du dich nicht einmal das? Fresse ! Ich summte meine chinesische Melodie und beschwor meinen inneren Frieden. Tief in meinem Kopf dieses nasales Geräusch, so als ob diese Scheißstimme sich das Lachen verkneifen würde! Ich schrie und wollte so lange weiterschreien bis ich in meinem Kopf wieder alleine war. Allerdings unterbrach mich die Verkehrslage. Musste stark bremsen. Aus dem zähen Verkehr war ein verdammter Stau geworden. 100 Meter vor der Repsol-Tankstelle. Deren Anzeigetafel spann gerade. Der Liter Bleifrei kostete jetzt nicht mehr 1,30 , sondern 1,50, dann schon 1,80 und die Ziffern drehten sich immer noch. Weil ich sie nicht aus dem Blick ließ? Was für ein Unsinn, alles auf sich zu beziehen. Was für eine egozentrische Marotte. Und du wirst sie niemals loswerden. Es sei denn du änderst dich. Hör mir jetzt genau zu! Ich schlug reflexartig auf die Hupe und wunderte mich, wie schnell es mir die anderen nachtaten. Warum nicht? Ein kathartisches Hupkonzert, ich trommelte nach Leibeskräften auf mein Lenkrad ein. Panischer verrückter Affe! What the fuck? Ich hämmerte mir gegen die Stirn. Sehr gut, nur fester! Ich biss auf die Zähne. Dann trat ich aufs Gas und überholte auf der Gegenfahrbahn, die schon seit längerem verwaist war. Beim Überholen sah ich eine Traube gestikulierender Leute und einen Tankwart, der die Arme hob, nach dem Motto: Was kann ich dafür ?

Jessy und ich wohnten auf Son Nero, einem weitläufigen Anwesen, das auf einem wohlgeformten Hügel thronte und tolle Aussichten auf die Tramuntana und die umliegenden Felder bot. Ich war vor drei Monaten bei ihr eingezogen und freute mich jedes Mal wie ein Kind, wenn sich das schmiedeeiserne Tor mit einem Knopfdruck für mich öffnete. Es hatte schon etwas, jeden Tag in einem riesigen Pool planschen zu können; vor allem wenn man sich vorher eine Duschkabine mit symmetrischen Schmutzrändern geteilt hatte und einen Badvorleger, der immer so ein kleines bisschen nach Pisse stank, weil das Klo gleich daneben war. Auf Son Nero hatte ich mein eigenes Bad, das einmal die Woche von einer Putzfrau gewienert wurde. Der Gärtner kümmerte sich um den Rasen und den mediterranen Ziergarten. Und Tim, der Koch, war „vorerst suspendiert“, wenn er Jessy Glauben schenken konnte. Er hatte immer offener mit ihr geflirtet - fast so als ob sie schon etwas miteinander gehabt hätten. Hättest das Arschloch in die Schranken weisen sollen, anstatt Jessy vollzuheulen.
Ich schaltete meine Karre aus und faltete die Hände vor meiner Brust. Das war meine Geschichte. Die Geschichte eines einfühlsamen Mannes, der das Glück hatte, zur richtigen Zeit die richtige Frau kennenzulernen. Jessy war lebenslustig und für ihr Alter sah sie wirklich fantastisch aus. Wir würden diese kritische Zeit zusammen durchstehen, das war doch klar. Nach und nach trug ich die Einkäufe ins Haupthaus. Zu meiner Überraschung war der Kühlschrank bereits proppevoll. Da hatte wohl noch jemand für sie eingekauft. Jemand, der gerne billigen Vodka trank. Smirnoff-Gesocks. Die Flasche war fast leer. Upsi. Jessy trank eigentlich nur etwas, wenn das Koks ausgegangen war. Connect the lines! Nein, ich wollte keine Szene daraus zu machen. Nach und nach verstaute ich die Einkäufe im Gästehaus. Braaav Bennyboy.
Jessy war oben im „Salon“, wie sie ihre chaotische Ansammlung teurer Designermöbel nannte. Sie hockte vor ihrem Glastisch mit den Goldrändern und hackte sich ihre nächste Line zurecht. Der riesige Fernseher lief mal wieder auf voller Lautstärke, sodass sie mich gar nicht reinkommen hörte. Eine bildhübsche Nachrichtensprecherin der BBC bat die Zuschauer gerade um Fassung ringend um einen Moment Geduld. Jemand reichte ihr ein Blatt Papier. Sie sammelte sich:
„Gerade erreichte uns eine Eilmeldung: Der Oberkommandierende der Nato, Jonathan Ashland, hat soeben die bedingungslose Kapitulation des transatlantischen Militär-Bündnisses erklärt. Grund hierfür sei die so wörtlich „schockierende technologische Überlegenheit des Gegners“ und die verheerenden Verwüstungen in weiten Teilen Chinas und der USA. Ashland äußerte seine Hoffnung auf baldige Friedensgespräche und eine beidseitige Einstellung der Kampfhandlungen. Die Nato-Soldaten hätten fortan zivile Aufgaben. Höchste Priorität hätte der Aufbau von Notunterkünften im ländlichen Raum. In seiner fünfminütigen Ansprache wandte sich Ashland auch an die Zivilbevölkerung. Er rief alle Bewohner von Groß- und Mittelstädten dazu auf, umgehend und wenn möglich zu Fuß die Flucht zu ergreifen. Wie die verheerenden Attacken auf die USA und die Ostküste Chinas gezeigt hatten, spielten zivile Opfer keine Rolle in den Überlegungen der Angreifer. Ihre Ziele seien offenbar Mittel- und Großstädte sowie Militär- und Industrieanlagen. Ländliche Regionen wären bisher verschont geblieben. Ashland bat die Bürger um Verständnis und appellierte an ihren Mut und ihre Hilfsbereitschaft. Die Menschheit stünde vor einer nie dagewesenen Herausforderung, die sie nur gemeinsam bestehen könnte.“
Die Nachrichtensprecherin legte zögernd das Blatt Papier beiseite. Diese großen schwarzen Kulleraugen. Das lange schwarze Haar. Und wie sie glänzten. Haare und Kulleraugen. Ich hatte mich wohl so ein bisschen in sie verliebt. Fand´s einfach toll, wie sie die Situation meisterte. Gerade drückte sie sich diesen Knopf ins Ohr und lauschte den Regie-Anweisungen; gar nicht angestrengt oder besorgt, sondern, wie soll ich sagen? Dem Ernst der Lage angemessen..
Jessy winkelte ihren Kopf an und glitt gleichmäßig über ihren Glastisch.
„Kfffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffff“
So viel hatte sie meines Wissens noch nie gezogen. Warf ihren Rotschopf matrosenhaft nach hinten, und zog ihre Nase gierig hoch. Bemerkte mich immer noch nicht. Stöhnte wie ein Mann und fluchte wie ein
„War das etwa alles? Was flüstern sie dir gerade? Spucks aus du Fotze!!“
Das hätte ich gerne überhört, obwohl es mich nicht groß überraschte. Jessica war hochgradig kokainabhängig seitdem ich sie kannte. Niemand sollte ihre Impulse allzu ernst nehmen. Außerdem war es ihre Psyche. Nur Spießer und Sadisten würden sich in ihren Drogenkonsum einmischen oder ihn unter ihren eigenen Vorzeichen bewerten. Krasse Junkystyles. Sie isn Wrack Alter! Kannste vergessen.
Der Name meiner Nachrichtensprecherin wurde eingeblendet. Sanghita Singh. Sie schluchzte, konnte sich nur mit Mühe kontrollieren. Hatte wohl mit dem zu tun, was sie ihr gerade zugefunkt hatten.
„Aufgrund technischer Schwierigkeiten müssen wir unsere Sendung nun beenden. Im Namen der BBC entschuldige ich mich..es tut mir leid.“
Sanghita riss sich den Kopfhörer aus den Ohren und stieß sich in den Stand. Sie war etwa 1,80 groß und hatte lange schlanke Beine, die gerade etwas kürzer wurden, weil sie sich ihr preußisch blaues Satinkleid zurecht zog. Dann kam sie hinter ihrem futuristischen Tisch hervor, um ihr himmlisches Gesicht noch ein letztes Mal in die Kamera zu halten.
„Mom! Dad! Get out of the cities! As fast as you can!“
„Kfffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffff!“
Jessy glitt über den Tisch, als ob eine unsichtbare Macht sie sanft aber bestimmt an ihrem Pferdeschwanz gezogen hätte. Sie hatte sich hoffentlich gut eingedeckt mit dem Zeug. Denn nüchtern war sie unerträglich.
„Aaaaaah...shit! Now we're talking!”
Ich räusperte mich.
“Hey, Benny! Du hast mich erschreckt!”
“Sorry, ich..wollte dich nicht stören.”
“Hast du das Tor zugemacht?”
“Ja.”
“Ganz sicher?”
“Ja Jessica! Ich habe den Großeinkauf im Gästehaus untergebracht, weil der Kühlschrank schon voll war. Wer hat denn noch für dich eingekauft?”
Jessy hackte mit ihrer Kreditkarte auf den Tisch.
“Noch ein netter und nützlicher Mensch.”
Da hast du es Bennyboy. Hast du ihren Ton gehört? Ich biss auf die Zähne und konzentrierte mich auf den verwaisten Arbeitstisch von Sanghita Singh und das eingeblendete Foto von General Ashland im Hintergrund. Ob so ein verhärteter alter Mann der richtige war, um mit den Außerirdischen zu verhandeln? Mit einem knisternden Geräusch verschwand die BBC vom Bildschirm. Manchmal fragte ich mich, ob ich magische Kräfte hatte.
“Deine Eifersüchteleien gewöhnst du dir bitte ab”, informierte mich Jessy. “Ich brauche hier mehr als einen Mann.”
“Was willst du damit sagen Jessy?!”
“Kannst du schießen?”
“Ja, ich kann schießen!”
“Echt?” Jessy lehnte sich zurück und musterte mich amüsiert.
“Ich war mir irgendwie todsicher, dass du verweigert hast.”
Erst jetzt fiel mir das Jagdgewehr auf, das neben der Fensterfront lehnte.
“Ich habe die Grundausbildung gemacht.”
“Und dann?”
Längst verdrängte Erinnerungen ploppten in mir auf, während Jessy mich in spöttischer Erwartung anlächelte. Was für eine Fotze. Ganz meine Meinung.
“Du willst mir doch nicht sagen, dass Tim wiederkommt?”
“Ich kenne sonst keinen mit einem Waffenschein. Er bringt dir auch noch eine Knarre mit. Dann könnt ihr zusammen üben. Das wird schon mit euch beiden. Komm schon!”
Jessy klopfte auf die beige Ledercouch.
“Es macht mich nervös, wie du da rumstehst!”
Dieses lüsterne herrische Flackern in ihren Augen. Ich habs dir gleich gesagt. Sie hat es schon längst mit ihm getrieben. Du bist hier nur noch geduldet Bennyboy. Widerwillig setzte ich mich ans andere Ende der Couch. Ich hatte einen Kloß im Hals. Jessy löste ihren Pferdeschwanz. Du hast noch nie auf Rothaarige gestanden.
“Du siehst echt süß aus, wenn du sauer bist.”
Ich schlug mir die Hände vors Gesicht. Nicht zu fassen, was sie sich alles rausnahm. Und das ist erst der Anfang Bennyboy. Halt die Fresse! Steh mir jetzt bei! Und was tust du dafür? Ich dachte an den Moment, als sie mit Tim in der Küche stand und ihre Hand auf seiner Schulter ruhte, während er sie abschmecken ließ. Leider waren seine Schultern sehr breit, sonst wäre ihm das siegessichere Grinsen schnell vergangen. Sobald er wiederkommt, bist du hier nur noch Deko, Bennyboy.
“Hey Benny, entspann dich doch mal”, säuselte Jessy. “Du bist doch viel jünger als Tim. Ich möchte dich nicht eintauschen. Komm her mein Hübscher! Lass uns ein bisschen Spaß haben,”
Ich hörte ein wohlbekanntes Summen. Der “Satisfyer”, den ich ihr zum 50. geschenkt hatte. Jessy hielt ihm ihre blassen gespreizten Beine entgegen. Der wilde Busch rötlicher Schamhaare, den sie sich partout nicht rasieren wollte. Ihre klumpigen kleinen Finger. Das notgeile Koksgesicht.
“Komm schon Benny, wer weiß, wie viel Zeit wir noch haben.”
Wie meinte sie das? Du weißt, wie sie es meint.
Ich sprang auf und ging zur Fensterfront, ohne sie anzuschauen. Verschränkte die Arme so fest wie möglich und stierte auf die abgemähten Weizenfelder, bis sich die steinige Erde kraft meines Willens umgrub. Jetzt bist du völlig durchgeknallt.
“Dieser Tim..da läuft doch was zwischen euch beiden.”
Der Satisfyer hörte auf zu summen. Jessy seufzte.
“Ich dachte die Leute in deinem Alter wären etwas lockerer drauf.“
„Soll das heißen, dass ihr schon gefickt habt?“
Jessy schlüpfte wieder in ihre Jogginghosen und musterte mich. Ich hielt ihrem Blick nicht nur stand, ich stierte sie nieder. Thats the spirit! Endlich verstehen wir uns.
„Dein Ton geht gar nicht Benny. Du bist mein Lover, nicht mein Ehemann! Und abgesehen davon bist du hier nur zu Gast!“
„Ach, du meinst also, du könntest mich einfach so rausschmeißen?“
Jessy zog ihren Koksrotz hoch und murmelte irgendetwas in sich hinein. Es war eine Wonne, sie wütend zu sehen. Jetzt bist du am Drücker, Bennyboy. Nenn mich nicht Bennyboy! Jessy kramte drei Hunderter aus ihrem Louis-Vuitton-Täschchen und hielt sie ihm entgegen.
„Hier, für dich und deine Reise. Geh bitte, bevor Tim dich rausschmeißt. Achso, den Torschlüssel bräuchte ich noch.“
Jessy streckte die Hand aus. Diese Abgeklärtheit! Der triumphale Unterton in ihrer Stimme. Sie hat es verdient Ben. Hier ging es von Anfang an um Macht; um Unterwerfung. Tu's einfach! Das ist deine Chance. Es war ja wohl kein Zufall, dass das Jagdgewehr neben mir stand. Ich entsicherte es und wiegte es spielerisch in den Armen.
„Fühlt sich gut an.“
“Komm schon Benny. Da bist du nicht der Typ für. Das würde dich ein Leben lang verfolgen.”
Netter Versuch! Ich musste grinsen. Urkomisch, wie ihr dabei das Gesicht verrutschte und ihr arrogantes Koksvertrauen in blanke Angst umschlug. Sie war so hässlich wie noch nie. Ich legte an. Aufs Herz! Na klar!
“Tus nicht! Du bekommst so viel Kohle wie du willst, Benny!”
“Ich heiße Ben!”
Noch ein letztes freundliches Nicken. Dann drückte ich ab. Bam. Ben! Genau der.
Jessy taumelte zwei Schritte nach hinten und begutachtete das faustgroße Loch in ihrer Brust.
“Benny!”
Sie würde es nie lernen. Bam! Ben! Ben! Der zweite Schuss traf sie mitten ins Gesicht, das sich mit einem müden Klatschen auf dem Perser verteilte. Das was von Jessica noch übrig war, kippte hintüber. Keine guten Haltungsnoten. Ich lud nach. Nur noch zwei Schüsse für Tim. Ich kramte Jessys Handy raus und fand seine Nummer. Er sollte noch mehr Munition mitbringen.. Nein, sonst schöpft er Verdacht! Du hast Recht! Nein Ben. Wir haben Recht.
 
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Hallo Nicolaijewitsch,​


es hat sich hier ja offensichtlich noch keiner getraut, etwas zu schreiben, was ich gut verstehen kann.

Das Einzige, was ich hier schreiben will ist eine Frage an dich:

Meinst du das ernst?
 
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Hi @Nicolaijewitsch,

mir gefällt deine Geschichte. Fließend geschrieben, von vorne bis hinten durchdacht, rasant. Gefühlt hast du für jede Zeile auch eine Zeile dazwischen geschrieben :thumbsup:. Deine Protagonisten kommen rüber. Hab gar nichts großes zu meckern (Schweinerei :eek:). Klar ist für mich auch, dass man einen solchen Stil entweder mag oder nicht.

Die Tags würde ich anders wählen, aber dann lesen es vermutlich weniger.

Einen Punkt gibt es, wo ich mich frage, ob da nicht was anderes passender ist. Für mein Gefühl ist es nicht ganz rund. Das ist aber nicht als Kritik zu verstehen, sondern als Denkanstoss. Dein Ende funktioniert auch so wie du es geschrieben hast.

Und gut, dass Jessy dich eingeladen hat und nicht irgendeinen anderen!“

Etwas sehr Hartes traf mich mit voller Wucht am Hinterkopf. Fuck! Nicht zu fassen. Umdrehen. Schleier vor den Augen. War das wirklich Jessy mit ihrem bescheuerten Baseball-Schläger? Mein Schädel war offen, zerschmettert!
„Nicht! Hör auf!“
„Fick dich!“
Ich war noch nie ein Fan von Baseball gewesen. Und jetzt das...

Jessy hat Ben eingeladen und dann zertrümmert sie ihm am Schluss den Schädel. Damit hapere ich noch ein bisschen. Da ich aus der Geschichte nicht herauslese, was ihr Grund für diese extreme Handlung ist. Da würden vielleicht ein, zwei Sätze helfen. Schlussendlich bringt sie ihn ja gerade um. Da gibt es sicher eine Vorgeschichte, raus damit ;). Und falls es keine gibt, dann würde ich nicht, dass sie ihm den Schädel zertrümmert, sondern sozusagen auf ihn eindroscht, sein Bein kaputt macht und ihn dann herauswirft und er dann die Staubwolke auf sich zurollen sieht. Wie gesagt, nur Ideen.

Un zu guter letzt doch noch bisschen Kritik. Wenn er Schleier vor den Augen hat, dann wird er auch nicht mehr klar denken können. Da verliert deine Geschichte bisschen was.

Aber wie gesagt, ich hab sie sehr gerne gelesen :thumbsup:.

BG
Kroko
 
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Hallo Rainsen,

deine Frage amüsiert mich ein wenig, aber ich verstehe sie nicht ganz. Wie meinst du das?
Ich nehme mal an, du beziehst dich auf die Vergewaltigungsszene und meine eh, explizite Wortwahl. Ja, ich mag es eben drastisch. Aber irgendetwas, vielleicht das klischeehafte Täter/Opferschema gefiel mir dann auch nicht mehr. Ich habe die Geschichte noch einmal umgeschrieben und so meine ich die auf jeden Fall "ernst" :)

BG

Hallo Kroko,

danke für deine Anregungen und schön, dass dir die Geschichte gefallen hat! Ich habe dann auch noch einigen Verbesserungsbedarf gesehen...jetzt sind die Figuren und ihre Motive klarer und es sich glaube ich auch deutlicher zwischen den Zeilen.

BG
N
 
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Moin @Nicolaijewitsch,

ich gebe zu: mein Kommentar bzw. meine Frage war etwas stumpf, nicht besonders konstruktiv...
Und ja du hast recht, es war die Vergewaltigungsszene, die das Ganze für mich beendet hatte. Die Szene schien einfach belanglos. Vielleicht nicht unbedingt verherrlichend, aber der Effekt war auf mich ähnlich, daher mein abrupter Kommentar (den ich eigentlich hinterher löschen wollte, bis ich gemerkt habe, dass man hier wohl nichts löschen kann...).

Als Wiedergutmachung habe ich deine neue Version gelesen :)
Hier mein Leseeindruck:

Ich muss sagen, dass mich die Geschichte nicht berührt/gepackt hat, kein Interesse geweckt hat. Die Handlung ist klar geworden: Außerirdische haben die Erde attackiert, der Protagonist ist in Spanien, das sich auf das Schlimmste vorbereitet. Der Prot geht für sich und Jessica einkaufen (das Ganze hat mich sehr an die Corona-Hysterie erinnert, von wegen Hamsterkäufe etc), während er mit seiner inneren Stimme kämpft. Zurück bei Jessica kommt heraus, dass jemand anderes (anscheinend Tim) auch eingekauft hat, was die Eifersuucht des Prots auf ebendiesen wieder entfacht. Aus dem Grund erschießt der Prot am Ende Jessica.

Da sind also ein paar verschiedene Themen, der Prot, der offenbar ein Problem mit sich selbst hat, was durch die ständigen Kommentar und Schlagabtäusche mit der inneren Stimme deutlich wird. Warum das so ist, ist mir nicht klargeworden. Er scheint etwas planlos zu sein, ist mit einer reichen drogenabhängigen Frau zusammen, und zwar nicht aus Liebe oder Zuneigung, sondern des Geldes wegen.
Im Prinzip finde ich die Spaltung des Protagonisten spannend (er hat gegensätzliche Ansichten, bzw. ist sich nicht sicher, was er denken soll; zB glaubt er an das Gute im Menschen oder nicht?). Allerdings wirkt alles etwas oberflächlich, vielleicht dadurch, dass die tatsächliche Handlung nicht besonders spannend ist.

Es gibt ja so Ansätze von Endzeit-Horror-Stimmung. Aber alles scheint nur angerissen zu sein: der Angriff der Außerirdischen, die Frage, was macht man mit dem Rest der Zeit, dann die Erschießung von Jessica durch den Prot. Letzteres finde ich auch etwas sinnlos, zumindest so, wie es in der Geschichte dargestellt ist.

Hier noch ein paar Details aus der Geschichte (leider habe ich nur noch kurz Zeit, evtl kommt dann nochmal was hinterher):

Die letzte überließ ich einem Opi, der das Wettrennen im Gang nur knapp verloren hatte.
Finde ich ganz witzig.
mit Ausnahme des Chinos
Soll das irgendein spanischer Begriff sein? Kommt mir rassistisch vor...
die Greys
Sollen das die Außerirdischen sein? Kommt sonst nirgends vor und wird nicht weiter erklärt.
Diese großen schwarzen Kulleraugen. Das lange schwarze Haar. Und wie sie glänzten.
Das mit der BBC Sprecherin finde ich ziemlich platt. Soll das den Charakter des Prot weiter vor Augen führen?
„In the name of the British Broadcasting Service
Dass die Sprache wechselt, finde ich verwirrend und unnötig. Einmal spricht sie deutsch, einmal englisch. Würde ich mich festlegen.
Sie war 1,80 groß
Das hat er durch das Fernsehbild gemessen?
Seltsam, der indische Akzent, obwohl sie die ganze Zeit feinstes Oxford-Englisch gesprochen hatte.
Verstehe ich nicht, was das aussagen soll.
Finde es ein wenig verwirrend, dass sie Jessy, Jess und Jessica heißt.

Es sind einige kleine Fehler drin, Rechtschreibfehler und Ähnliches, da hatte ich jetzt keine Zeit, die anzumerken.
Achso: warum er bei dem chinesischen Laden Farben kauft, bleibt mir auch unklar - ist er Künstler?

Also, das ist mein erster Leseeindruck...hoffe das ist hilfreicher, als mein Kommentar oben :rolleyes:

Bis dahin viele Grüße,
rainsen
 
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09.09.2012
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Moin @Nicolaijewitsch,

sorry, aber der Homerun war für mich bedeutend besser. Die war rasant, befreit von unnötigen Ballast und die Protagonisten kamen rüber. Jetzt ... jetzt versuchst du Anworten zu geben, auf Fragen die nicht gestellt wurden. Die Geschichte ist nun irgendwie nicht mehr interessant und packend. Schlussendlich geht es um eine Beziehung, und ja ich könnte mir was für Bennyboy ausreimen. Ist er nun durchgedreht, oder schizophren, oder auf Drogen... was auch immer, die Geschichte ist nun so geschrieben, dass ich gar keine Lust darüber habe nachzudenken.

Homerun war geil! Du hast wirklich einen Homerun gezeigt. Würde mich interessieren, ob das die Leser überhaupt verstanden haben. Schade, dass die Geschichte so wenig kommentiert wird. Und war mir schon klar, dass manche bei der Sex/Vergewaltigungszene aussteigen werden. Entweder man kann so was lesen oder man kann es nicht (interessanterweise schreit niemand in Geschichten, wenn man jemanden erschießt, folter oder elendig verrecken läßt).

BG
Kroko

Edit: Fast das Wichtigste vergessen. Warum hast du deine Geschichte so massiv verändert? Was hat dir nicht gepasst?
 

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