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Black Parade

Wortkrieger-Team
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19.05.2015
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Black Parade

Sein Ziel hieß Elsies River. Amidou erkannte allein am Geruch, wo er war. Auf dem Highway roch es nach Staub und Benzin, in den Townships nach Holzkohle, Gebratenem, Fleisch und Schweiß. Amidou wohnte selbst in einem, in Nyanga, das etwas pathetisch nach dem Zuluwort für Sonne benannt worden war. Der Einsatztrupp hatte den Auftrag, nach dem Rechten sehen, dafür zu sorgen, dass die Regeln eingehalten werden, zu prüfen, ob ein paar dumme Jungs Alkohol versteckt hatten, sich besoffen und randalierten und dabei einander und andere ansteckten. Amidou hasste es, wenn man sich nicht an die Regeln hielt. Das galt für Weiße wie für Schwarze. Hart durchgreifen, ein Signal setzen, jedem zeigen, was passierte, wenn einer aus der Reihe lief.

Der Babybauch seiner Frau fiel ihm ein, ihr schönes Gesicht. Wie glücklich er sich fühlte, weil sie ein Kind bekamen. Ihr erstes. Wenn er befördert würde, verdiente er mehr Geld, konnte der Familie ein besseres Leben ermöglichen und Grace war nicht mehr gezwungen, zusätzlich etwas zu verdienen.

Am Rande des Highways standen großflächige Werbeplakate im Brachland. Eins davon zeigte eine Frau inmitten einer Kinderschar. Der Babybauch seiner Frau fiel ihm ein, ihr schönes Gesicht. Welch ein Glück! Er hatte geweint, als sie ihm erzählte, sie sei schwanger. Ihr erstes Kind. Er musste sich noch mehr anstrengen. Wenn er befördert würde, konnte er der Familie ein besseres Leben ermöglichen und Grace war nicht mehr gezwungen, zusätzlich etwas zu verdienen.

Am Rande des Highways standen großflächige Werbeplakate im Brachland. Eins davon zeigte eine Frau inmitten einer Kinderschar. Der Babybauch seiner Frau fiel ihm ein, ihr schönes Gesicht. Welch ein Glück! Er hatte geweint, als sie ihm erzählte, sie sein schwanger. Ihr erstes Kind. Er musste sich noch mehr anstrengen. Wenn er befördert würde, konnte er der Familie ein besseres Leben ermöglichen und Grace war nicht mehr gezwungen, zusätzlich etwas zu verdienen.

Auf dem Rücksitz schloss Paul die Augen und die Schultern sackten herab. Amidou war als Anfänger mit Paul Streife gefahren. Ob er genauso müde werden würde, wenn er auf die 60 zuging? Auf dem Beifahrersitz saß Gilroy und glotzte ohne Unterlass aus dem Fenster. Entweder war er verlegen oder konzentriert. Er war nicht lange dabei. Vielleicht seit einem halben Jahr. Ein schweigsamer Kerl, der wie ein Bulle aussah, groß und mit durchtrainiertem Körper. Ein Zulu, das sah man an der matten Haut und den großen Augen. Hinter ihnen fuhr ein weiterer vollbesetzter Einsatzwagen. Sechs Leute insgesamt, auf die sich Amidou verlassen konnte. Gute Jungs.
„Hör mal, Gilroy.“
„Mm“, sagte dieser und drehte sich zu Amidou um.
„Wir müssen Präsenz zeigen. Die dürfen nicht übermütig werden, verstehst du?“
„Ja, so was von, Chef.“
„Das Township hat Augen. Die werden uns beobachten und wenn wir zu lasch sind, brauchen wir uns dort nicht mehr blicken lassen.“
„Klar, Sir!“
„Ich sag’s nur, weil du zum ersten Mal dabei bist.“

Sie bogen ins Zielgebiet ab. Ihre Fahrzeuge holperten über die Schlaglöcher der Main Road. In den ersten Gassen trafen sie auf ein paar alte Leute, die vor ihren Wellblechhütten saßen, sofort aufstanden und nach drinnen eilten, sobald sie die Polizisten bemerkten. Sie schlängelten sich zwischen Mülltonnen, Lastenfahrrädern und Autos durch, deren Lack von der Sonne ausgebleicht waren. Als sie dem Herz des Townships näherkamen, dem Platz, auf dem man an ein paar Ständen Obst, Gemüse, Fleisch und das, was man eben so brauchte, kaufen konnte, hielten sie an und parkten vor einem der verbarrikadierten Verkaufswagen. Dann zogen sie zu Fuß los und stießen auf eine Horde junger Männer, die auf Steinen beisammen hockte. Die Jungs trugen Baseballmützen und hatten Bierflaschen in der Hand. Sie zeigten mit den Fingern auf die Polizisten und grinsten. Amidou sah einen der Kerle Pistazienkerne auf den Boden spucken und den Regler der Minimusikanlage justieren. Afrikanische Hip-Hop Musik erklang: Hey! Ho! Amidou streifte den Mundschutz über die Nase, fasste den Plastikknüppel fester und öffnete das Holster. Der Anblick einer Pistole schuf Respekt, auch wenn sie nur mit Hartgummigeschossen geladen war.
„Los geht’s!“, befahl er. Sie schwärmten aus, den Jungs entgegen.
„Was macht ihr hier?“, fragte Amidou, obwohl er wusste, wie bescheuert die Frage war. Der Pistazienkernspucker hatte eine Narbe quer über der Backe.
„Bier trinken und Musik hören“, antwortete dieser. „Auch ne Flasche?“ und grinste.
„Flaschen wegstellen und ab nach Hause, sonst wird’s ungemütlich“, rief Amidou. Gleichzeitig gab er seinen Leuten ein Zeichen und der Polizistentrupp griff ohne weitere Warnung an. Pauls Knüppel traf den Kopf des Pistazienkernspuckers, bis Blut aus einer Platzwunde über die Backennarbe floss. Einer zertrümmerte die Musikanlage, ein anderer warf die Flaschen auf den Boden. Als ein tiefschwarzer Zulujüngling einen Flaschenhals in die Hand nahm und gegen die Polizisten werfen wollte, fiel der erste Schuss in die Luft. Die Jungs reagierten sofort, hoben die Arme und verschränkten sie über ihren Köpfen. Schläge prasselten dennoch auf sie ein.

Ein Mädchen tauchte auf und stellte sich Amidou entgegen, als er ausholte, um den Pistazienkernspucker zu treffen: „Er ist doch wehrlos. Bitte. Lasst sie in Frieden!“
„Wer nicht hören will …“
Amidou zielte mit dem Knüppel auf den Kopf und traf den Jungen am Ohr, sodass er zu Boden stürzte. Danach trat er mit den Stiefeln nach ihm.
„Sag mal, Bürschchen, wo habt ihr den Alkohol versteckt?“
„Wir haben ein paar Flaschen, mehr nicht“, presste er heraus.
„Erzähl mir keinen Mist.“ Er schlug ihm in den Bauch und wollte sich gerade auf ihn stellen, als das Mädchen Amidou wegzuziehen versuchte. Einer aus dem Trupp versetzte ihr eine Ohrfeige.
„Ich habe doch gesagt, du sollst dich nicht einmischen, Schlampe!“
„Ihr wollt wissen, wo das Zeug versteckt ist?“, rief sie. Der Pistazienkernspucker schaute sie verächtlich an. Seine Nase blutete.
„Jungs, kommt mal her. Die da zeigt uns, wo das Lager ist. Aber vorher will ich, dass die Kerle verschwinden.“
Amidou gab ein Zeichen und die Jungs rannten los. Als sie genug Abstand zu den Polizisten hatten, hielten sie inne, riefen Beschimpfungen, die Amidou nicht verstand, rückten die Kleidung zurecht und schlenderten auf dem Lehmboden entlang, als wäre nichts gewesen. Dann bogen sie in eine Gasse ein und waren verschwunden.
„Okay, Lady, und wehe, wenn du uns anscheißt!“ Amidous Blick wanderte über ihren Körper. Auf dem T-Shirt war die Freiheitsstatue zu sehen, dahinter die New Yorker Skyline. Ihre Haut glänzte, der afrikanische Hintern wölbte sich. Wer sie berührte, wird spüren, wie butterweich sie sich anfühlt.

Amidou und seine Männer folgten dem Mädchen durch die Gassen. Sie erhoben die Knüppel immer dann, wenn sie jemanden vor der Behausung vorfanden. Ein alter Mann mit weißen Augenbrauen, dürr wie ein Ast, fiel wie vom Blitz getroffen um, als ihn ein Schlag traf. Ein paar Kinder entgingen den Hieben, weil sie davonflitzten, um sich zu verstecken. Amidou blieb aufmerksam. Das Mädchen könnte sie ebenso gut in einen Hinterhalt führen. Die Banden waren mächtig, auch wenn sie seit dem Lockdown ihre Leute im Zaum hielten und in manchen Gegenden sogar dafür sorgten, dass die Regeln eingehalten werden.

Das Mädchen verlangsamte die Schritte und zeigte auf eine Hütte, an deren Eingang bunte Girlanden hingen, als hätte eine Geburtstagsparty stattgefunden. Sie klopfte. Die Tür öffnete sich einen Spalt. Amidou erkannte einen Kopf, der erst das Mädchen, dann die Polizisten musterte. Das Mädchen flüsterte etwas und machte eine Geste zu den Polizisten hin. Die Tür schloss sich zunächst und ging nach kurzer Zeit wieder auf. Ein Mann mit Rastazöpfen reichte dem Mädchen einen Schlüssel. Wie cool das Mädchen die Sache regelte. Amidou nickte ihr zu. Sie winkte zurück und wies auf einen Verschlag neben der Hütte, Die Männer folgten ihr. Amidou befahl den anderen draußen zu warten. Gilroy stellte sich verkrampft neben dem Eingang auf, als erwartete er eine Überraschung. Jetzt roch Amidou den Jungfrauenduft des Mädchens aus der Nähe. Er könnte sie anfassen, sie sich einfach schnappen. Vielleicht würde sie sich nicht einmal wehren, vielleicht gefiele es ihr sogar. Keiner würde sich etwas dabei denken. So was kam vor. Das Mädchen zeigte in eine Ecke. Zwischen Spinnweben und alten Reifen stapelten sich Kartons: eine Menge Bierdosen, Kisten voller Whiskeyflaschen. Amidou war zufrieden, fragte sich nur noch, wie sie die Beute hier wegschaffen könnten. Für einen wirren Moment bedauerte er, dass es zu viel Zeit kosten würde, sich mit dem Mädchen zu beschäftigen.
„Du hast Glück gehabt“, sagte er zu ihr. So wie sie ihn anschaute, hatte sie verstanden, was er ihr sagen wollte.
Er rief nach seinen Leuten: „Kommt mal alle her und schaut euch an, was wir hier gefunden haben. Außer Gilroy. Der sichert draußen.“
Zu dem Mädchen gewandt, fragte Amidou: „Wir konfiszieren, was wir gefunden haben. Gibt’s hier irgendwo einen Karren, um das Zeug abzutransportieren?“
„Vielleicht“, sagte sie. „Ich geh mal fragen.“ Sie huschte aus dem Verschlag Amidou sah noch, wie Gilroy den Knüppel erhob, um anzudeuten, dass er auch nachhelfen kann.

Dem Jungen schien es langsam zu gefallen, mit dem Stock zu spielen. Er hatte die richtige Einstellung, dachte Amidou. Durchgreifen, zeigen, wo es lang geht, anders geht’s nicht und manche verstanden es einfach nicht anders. Besonders manche der Schwarzen. Ist so. Kann man nicht ändern. Mag daran liegen, dass man den Schwarzen über die Jahrhunderte hinweg das Hirn aus dem Kopf geprügelt und ihnen erzählt hat, wozu sie taugen und wozu eben nicht. Es dauerte, bis sich das historische Bewusstsein der Menschen nachhaltig verändert. Zum Glück gab es auch welche wie ihn. Ein Wandel war möglich, so viel stand fest. Die Vernünftigen wurden mehr, diejenigen, die verstanden hatten, worum es ging, dass es im Grunde gerade jetzt um alles ging. Deshalb musste durchgegriffen werden. Was sollte Gutes daraus entstehen, wenn die Jungs tranken, rauchten, dealten, faul auf der Straße hingen und den Tag verstreichen ließen, ohne irgendetwas für die Gemeinschaft, für die Zukunft getan zu haben? Sie sollten lieber in die Schule gehen, strebsam sein. Schwer vorstellbar bei den Kerlen, auf die sie gestoßen waren, schwer vorstellbar. Als Polizisten würden sie jedenfalls nicht taugen. Vielleicht wäre ein Umerziehungslager das Richtige. Sein Vater hatte ihm Disziplin beigebracht. Sein Vater nutzte alles, was er in die Hände bekam, den Gürtel, die Fäuste, bis Amidou so weit war, dass der Vater keine Gelegenheit mehr fand und ihn finster anschaute, immer auf der Lauer, ob Amidou doch noch einen Fehler machte, eine Kleinigkeit übersah. Disziplin, gegen die Faulheit und Nachlässigkeit ankämpfen, ach, man könnte viel machen, man könnte alles Mögliche ändern, aber das war Aufgabe der Leute ganz oben. Man musste unerbittlich sein, durfte niemals nachgeben, das war sonnenklar. Amidou drängte weitere Gedanken beiseite und widmete sich der Beute.

Das Mädchen kam zurück: „Die Nachbarn haben einen Karren“, sagte sie und zeigte zu der Hütte auf der anderen Seite. „Na los, sagte Amidou: „Auf was wartest du noch, besorg uns den Karren, wird’s bald!“ Klare Ansagen, gerade auch gegenüber von Frauen. All die Bücher, die er gelesen hatte, die Berichte aus der alten und neuen Zeit, alle erzählten dieselbe Geschichte: Der Schwarze musste zum Weißen werden, um die Freiheit zu erlangen. Die Erben mussten enterbt werden und die Armen brauchten Brot und Bildung. Aber was war mit den Frauen? Konnte eine Frau zum Mann werden und wenn doch: was würde es ändern, wenn nicht der Mann zur Frau wird, wenn sich nicht alles vermischt? Wenn er sich allein dieses Mädchen anschaute. Warum ließ sie sich gefallen, wie er mit ihr umsprang? Sie hätte sich weigern können, ihnen zu helfen, einfach in ihre Hüte verschwinden und sich verkriechen. Warum hatte sie seine Befehle befolgt? Um die jungen Kerle zu schützen? Nur deswegen? Oder weil sie gewohnt war, zu gehorchen? Was hätte er selbst getan? Das mit den Frauen war letztlich dieselbe Geschichte wie das mit den Schwarzen und wie man mit ihnen umging: ihr historisches Bewusstsein bootete das Programm und bestimmte ihr Verhalten, als handle es von ganz allein, aus dem Instinkt heraus.

Grace fiel ihm ein. Er liebte sie. Auch deshalb, weil sie viel zu viel redete, alles hinterfragte und eine eigene Meinung hatte. Wo Grace wohl gerade war, ob sie sich bei diesem Weißen rumtrieb, für den sie kochte und einkaufte? Der alte geile Kerl mit dem holländischen Namen und den Sommersprossen im altersbefleckten Apartheidgesicht, einer von denen, die hinter ihren hohen Mauern hockten und glaubten, die Krise einfach aussitzen zu können, weil sie ohnehin nur handverlesene Kontakte pflegten. Warum ging Grace zu ihm? Geld könnte sie auch anders verdienen. Er glaubte manchmal, die Augen seiner Frau würden ein Ticken mehr als sonst funkeln, wenn sie von Hoogstrate erzählte. Klar, der war über siebzig, aber Bedürfnisse hatten auch ältere Männer.

Amidou befahl den Leuten, die Kisten auf den Karren zu laden. Er wusste, dass es keinen Sinn machte, den Alkohol ins Revier zu bringen und in der Asservatenkammer verrotten zu lassen. Irgendeiner würde die Flaschen sowieso klauen. Oh nein, das würde er nicht zulassen. Amidou beschloss, die Beute an seine Leute zu verteilen. Ganz nach der alten Sitte. Jeder durfte sich solange etwas aussuchen, bis nichts mehr da war. Und da er der Anführer war, durfte er zuerst wählen. Danach immer der Reihenfolge nach und der Grünschnabel Gilroy als letzter. So funktionierte Gerechtigkeit, nicht anders. Sie könnten ein paar der Whiskeyflaschen zusammen leeren. Irgendwo gemütlich hinsetzen, gegrilltes Fleisch, etwas Bier, Whiskey. Irgendwo am Strand, wo es keiner bemerkte. Vielleicht mussten sie die Uniform anziehen, schließlich war der Strand an sich gesperrt. Und danach heimfahren und seine Frau ficken, bis sie schrie. Amidou mochte es zu trinken. Andere Drogen waren nichts für ihn. Angewidert dachte er an den Beutel Weed, der zwischen den Kartons lag. Vielleicht würde Gilroy sich das Zeug schnappen. Die Jüngeren konnten mehr damit anfangen oder es einfach verkaufen. Ihm genügten der Schwindel und die Leichtigkeit, die Euphorie, die der Whiskey hervorruft. Noch bevor er eine Flasche Whiskey öffnete, berauschte er sich an dem Duft aus Getreide und Benzin, der aus der Flasche strömte. Er war kein Säufer, aber wenn er trank, dann richtig, dann ohne Limit. Seine Frau sagte, dass sie überhaupt nur dann Sex hatten, wenn er ein wenig getrunken hatte. Aber das war Blödsinn.

Gilroy und Marc, die beiden jüngsten, zogen den Karren. Amidou spürte Augenpaare, die hinter den Jalousien hervorlugten, hörte aus manchen Hütten wilden Rap tönen, die Beats der jungen Leute und die Trommeln der älteren, aber vor den Hütten lungerte niemand mehr herum. Schließlich beluden sie die beiden Streifenwagen bis obenhin. Den Rest zwängten sie zwischen sich auf die Sitze. Amidou schnaufte durch: ein guter Einsatz. Alle Ziele wurden erreicht. Sie vereinbarten auf einem Parkplatz neben dem Highway anzuhalten, um die Verteilung der Beute zu besprechen. Sie hatten noch genügend Adrenalin, um während der Fahrt das Radio laut laufen zu lassen, Hip-Hop, was sonst und die Songs laut mitzugröhlen. Amidou dachte für einen Augenblick daran, jetzt schon eine Flasche zu öffnen, verwarf den Gedanken aber und schlug Gilroy auf die Schultern, weil er ihn loben wollte, sagte ihm, das wäre jetzt wie ein Einweihungsritual gewesen. Jetzt sei er erst ein richtiger Polizist und das nächste Mal würde er noch cooler und abgeklärter an die Sache gehen.

Auf dem Rastplatz stand nur ein einzelner Truck, von dem Fahrer war keine Spur zu sehen. In den Schlaglöchern sammelte sich rosarotes Wasser. Aus der Ferne sah man Dunst über der Stadt. Sie stellten sich so hin, dass sie jeden, der sich hierher verirrte, verscheuchen könnten. Hier draußen war es heißer als im Township. Die Sonne brannte so unerbittlich, dass sich auf Amidous Hemd Schweißflecken bildeten. Auf dem Asphalt und zwischen den vertrockneten Gräsern am Rande waren Plastiktüten, Zigarettenkippen, gebrauchte Kondome, Babywindeln verstreut. Die Mülleimer quollen über. Die Männer bildeten einen Kreis um den Kofferraum von Amidous Streifenwagen und begutachteten die Beute genauer. Genug für alle, das was das Wichtigste. Gilroy nestelte an der Uniformjacke und brachte die Plastiktüte mit dem Weed zum Vorschein. Er grinste die anderen an: „Feinster Stoff, braun und grün schön gemischt.“ Er riss das Klebeband ab. Darin fanden sich kleine, sorgfältig verpackte Portionen. „Wir können es natürlich abliefern.“
„Nein, lass mal, behalt es“, sagte Paul, der dienstälteste Cop der Einsatztruppe. Er nickte Gilroy zu.
„Du verkaufst den Stoff und was du dafür bekommst, teilen wir.“
Sie zählten die Flaschen ab, bis jeder zufrieden strahlte und Amidou das Wasser im Mund so heftig zusammenlief, als könne er jetzt schon den scharfen Alkohol die Kehle herabfließen lassen.
„Jungs. Ich werde einen Bericht schreiben, indem steht, dass wir ein paar jungen Kerlen einen Platzverweis gegeben haben, aber alles ohne besondere Vorkommnisse ablief“, sagte Amidou, gab jedem einzelnen die Hand und klopfte ihnen auf die Schultern. Nur zur Sicherheit. Und wenn doch einer plaudern würde, müsste er mit den Konsequenzen leben und beweisen, dass überhaupt irgendetwas unterschlagen wurde. Verräter lebten gefährlich. Klar, die Leute, denen die Kartons gehörten, könnten auf der Wache erscheinen und eine Anzeige aufgeben. Und wenn doch einer plaudern würde, müsste er mit den Konsequenzen leben und beweisen, dass überhaupt irgendetwas unterschlagen wurde. Verräter lebten gefährlich. Klar, die Leute, denen die Kartons gehörten, könnten auf der Wache erscheinen und eine Anzeige aufgeben. Na und? Alles Mögliche kann spurlos verschwinden.

Paul wohnte nicht weit vom Revier entfernt in einem Flachbau. Seine Frau verkaufte vor dem Haus Gemüse und Obst, das sie frühmorgens in der Großmarkthalle am Hafen holte. Die Geschäfte liefen ganz gut. Trotz der Seuche. Sie trugen die Beute hinters Haus, wo Mary die Obstkisten stapelte und ein paar Blumenstauden wuchsen, deren Samen aus Europa stammte und keiner so recht sagen konnte, wie der Namen der Blumen lautete. Rosen waren es keine. Mary zuckte die Achseln und legte einem alten Mann eine Tüte mit Maracujas in seinen Korb. Er trug als Mundschutz einen Schal, der beinahe sein ganzes Gesicht verdeckte und die abstehenden Ohren grotesk betonte, sodass er wie eine in die Jahre gekommene Micky Maus aussah. Mary schaute für einen Moment etwas verwirrt, als sie Paul mit seinen Kollegen die Kartons hinters Haus schaffen sah. Paul flüsterte ihr etwas zu und sie nickte. Der Micky-Maus-Mann musste in früheren Zeiten schlechte Erfahrungen mit Polizisten gemacht haben. Jedenfalls warf er nur einen kurzen Blick auf die Männer und verabschiedete sich.

Auf dem Revier ging’s hektisch zu. Wie immer. Uniformierte liefen hin und her, andere saßen vor Computern und tippten schwerfällig darauf herum. WLAN gab’s keins. Wozu auch. Die Einsatztruppe wurde mit Kopfnicken und Gemurmel begrüßt. Amidou ging sofort den Flur entlang nach hinten, wo sich das Büro des Bosses befand. Die Tür stand offen und Captain Kwadwo Mbembes Glatze leuchtete ihm entgegen. Er stammte aus Johannesburg und hatte Beziehungen nach ganz oben
„Ich schreib den Bericht gleich morgen früh. War alles in Ordnung. Ein paar jungen Leute mussten wir Platzverweise erteilen. Sonst war alles ruhig.“
„Gute Arbeit. Ärger haben wir zurzeit genug. Was ist mit Gilroy?“
„Ziemlich cooler Junge. Hat sich bewährt.“
„Gut zu wissen. Jetzt raus hier! Feierabend für sie und ihre Truppe, Amidou!“
„Klar, Chef.“
Amidou wischte sich den Schweiß von der Stirn und ging zu den anderen zurück. Gilroy schien nachzudenken. Die anderen grinsten. Sie stiegen zusammen die Treppe nach unten, wo die Spinde waren. Paul sah mit Jeans und kariertem Hemd noch mehr nach einem alten Mann aus. Amidous T-Shirt sollte die Muskeln betonen. Gilroy zog sich die rote Jogginghose über die Schenkel und sah lässig aus.

Als Amidou bei Paul ankam, fuhren zwei der Leute seiner Truppe gerade in einem alten Opel weg und winkten ihm zu. Er holte sich seinen Anteil, kaufte ein paar Mangos und grinste Pauls Frau an. Auf der Heimfahrt ließ er das Fenster geschlossen und drehte die Musik auf: Beyoncé sang Black Parade:
Ooh, motherland, motherland, motherland, motherland drip on me
Eeya, I can't forget my history is her story, yeah
Being black, maybe that's the reason why they always mad
Yeah, they always mad, yeah
Been passed 'em, I know…

Amidou mochte die Vibes, aber was wussten die Black People in Amerika schon von Afrika.

Zu Hause angekommen, nahm er Grace in die Arme, drückte sie fest an sich und streichelte über ihre Haare. Er spürte die Wölbungen des Bauches. Grace hatte die Zöpfchen so fest gedreht und die Strähnen so sorgfältig geteilt, dass man die Kopfhaut durchsah.
„Wie war dein Tag?“, fragte er sie.
„Ganz okay. Und bei dir?“
„Frag nicht.“
„Hoogstrate hat mir Blumen geschenkt.“
„Spinnt der?“
„Er wollte nur freundlich sein, Amidou.“
„Freundlich?“
„Ja. Er meinte, dass er meine Arbeit sehr schätzt. Besonders jetzt.“
„Und deshalb schenkt er dir Blumen?“
„Ja. Du schenkst mir ja keine.“
„Hast du was mit ihm, mm?“
„Mach dich nicht lächerlich, Schatz.“
„Die Weißen stehen auf schwarze Hintern.“
„Schatz, spinn nicht.“
„Aber es stimmt doch.“
„Seine Frau ist vor fünf Jahren gestorben. Er hat überall Bilder von ihr aufgestellt.“
„Hast du was mit ihm, Grace?“
„Nein.“
„Wo ist der Strauß?“
„Was hast du vor?“
„Ich bring ihn dem Kerl zurück.“
„Spinn doch nicht, Amidou.“
„Ich kann meiner Frau selbst Blumen kaufen. Dafür brauche ich keinen weißen Arsch.“
„Hör auf, Amidou. Warum sollte ich die Blumen nicht behalten?“
„Ich fahr da jetzt hin!“
„Komm schon. Schatz.“
„Ich fahr da jetzt hin!“
„Dann komme ich mit.“
„Oh nein, du bleibst schön hier. Das ist Männersache, was ich mit dem Kerl besprechen muss.“

Amidou verriegelte die Beifahrertür, als Grace zu ihm ins Auto steigen wollte und fuhr los. Er kannte den Weg, hatte seine Frau oft genug abgeholt und den alten Mann gesehen, der sich von seiner Angestellten verabschiedete. Einmal hatte er sogar ein paar Worte mit ihm gewechselt. Ein aus der Zeit gefallener, einsamer Kerl eben, hatte er gedacht. Aber das waren die Schlimmsten, von denen durfte man sich nicht einwickeln lassen, besonders wenn es Weiße waren. Wenn passiert war, was er befürchtete, wär’s nicht Graces Schuld. Sie hatte ein weiches Herz. Er würde sie nicht schlagen, brächte er gar nicht übers Herz, aber der Dreckskerl musste büßen, wenn. Ein paar Tränen liefen ihm über die Wangen, als er im Rückspiegel Grace sah, die ihm hinterherschaute. Vielleicht war auch gar nichts dran. Er hoffte es. Einen Polizisten log man nicht so einfach an. Aus den Augen des Mannes würde er es herauslesen. Natürlich war er eifersüchtig. Welcher Mann mochte es schon, wenn die eigene Frau von anderen abgescannt wurde oder wenn einer die Finger nicht bei sich behalten konnte. Eifersucht war ein unzulänglicher Begriff, wenn es um Liebe ging, echte, wahre Liebe, bei der man die Partnerin für sich alleine beanspruchte, weil kein Platz für andere übrig war, weil nichts die zwei Liebenden trennen durfte, weil man eins war. Für immer. Amidou fasste an den Schlagstock, der gleich hinter seinem Sitz lag. Das Gummi war ein wenig abgegriffen, aber er lag gut in der Hand.

Wieder fuhr er aus dem Township heraus bis zur Siedlung, eine Ausfahrt weit über den Highway. Dort standen Villen hinter Mauern, deren Kamm mit Stacheldraht abgesichert war. Davor standen Zedern. Bei den meisten suchten Kameras die Umgebung ab und ein paar wurden von Sicherheitsleuten bewacht, die in einem Verschlag vor dem Eingang auf Besucher warteten. Von Nyanga aus ging eine Buslinie direkt hierher. Das war praktisch. Grace war in weniger als einer halben Stunde mit all den anderen hier. Hoogstrates Anwesen gehörte zu den kleineren. Die Mauer sah verblichen aus, graubefleckter Stein. Amidou stieg aus, befestigte den Schlagstock am Gürtel, nahm den Blumenstrauß und zog eine Flasche Whiskey aus einem der Kartons im Kofferraum. Er wollte höflich sein, einen Freundschaftsbesuch abstatten und hatte Geschenke dabei. Die Kamera surrte, um den Besucher genau in Augenschein zu nehmen, als er klingelte.

Kurz darauf hörte er eine Stimme, die brüchig klang, gefolgt von einem Husten: „Was kann ich für Sie tun?“
Amidou hasste Höflichkeitsfloskeln. Keiner wollte für den anderen etwas tun, wenn er nicht musste oder dafür bezahlt wurde. „Ich bin der Mann von Mary und wollte Ihnen ein paar Sachen vorbeibringen.“ Amidou hielt die Blumen und die Flasche zur Kamera hin
„Gut, junger Mann. Aber ehrlich gesagt passt es gerade nicht so. Würde es Ihnen etwas ausmachen ein anderes Mal wiederzukommen oder die Sachen einfach vor der Tür abzulegen?“
„Ich geb’s Ihnen lieber persönlich, dann geht es nicht verloren.“
„Ich bin ein wenig krank, wissen Sie?“
„Macht nichts. Nur eine Minute.“
„Na gut. Ich öffne Ihnen. Einfach durch den Garten.“

Im Garten blühten Lilien in blau, rotblättrige Königsproteen streckten ihre Dolden der Sonne entgegen. Die Tür öffnete sich einen Spalt breit. Die helle Glatze des alten Mannes wirkte so zart. Er stützte sich auf einen Stock und hatte einen Schal über das Gesicht gestreift. Amidou fiel sein Vater ein, der an der Grenze im Norden in einem kleinen Dorf wohnte und sein Leben lang nicht nach Kapstadt gefahren war, dieselbe Gestalt, wie ein Ast, der vom Wind gebogen worden war.

„Ich wollte Ihnen die Blumen zurückbringen, die Sie meiner Frau geschenkt haben.“
„Wieso?“
„Wir brauchen keine Blumen von Ihnen.“
„Das war ein Abschiedsgeschenk.“
„Wieso das denn?“
„Ich wollte es Ihrer Frau nicht sagen. Aber ich habe immer Mundschutz getragen und ausreichend Abstand gehalten. Meistens war ich in einem anderen Zimmer, wenn sie aufgeräumt hat.“
„Sie meinen, Sie haben ...?“
„Ja, mich hat’s erwischt. Fieber, Kopfschmerzen und ich rieche den Duft der Blumen im Garten nicht mehr. Ich werde Ihrer Frau noch das Geld für ein paar Monate zukommen lassen.“

Amidou erschrak. Im ersten Moment spürte er die Wut wieder in sich hochkochen, fragte sich, ob der alte Mann Grace in Gefahr gebracht hatte. Dann schaute er auf Hoogstrate herab. Wenn ein Zweig mürbe war, brach er irgendwann. Seine Augen strahlten einen matten Glanz aus. Amidou nestelte an seinem Gürtel, hoffte, dass der Stock nicht allzu sichtbar war. An den Mundschutz für sich selbst hatte er nicht gedacht. Im Auto befand sich einer.

„Sie müssen ins Krankenhaus!“
„Die nehmen doch keine alten Leute wie mich. Außerdem gehe ich in keine Privatklinik.“
„Warum keine private?“
„Da ist man erst recht verloren, kommt nie wieder raus.“ Der alte Mann hustete heftig und wandte sich von Amidou ab.
Amidou überlegte. „Haben Sie Verwandte?“
„Leben in Europa und melden sich an Weihnachten.“
Amidou zog das Handy aus der Tasche und wählte die Nummer seiner Frau. Das Band sprang an: „He, Liebling. Ich bin gerad bei Hoogstrate. Er muss dringend ins Krankenhaus. Fieber und so. Ich fahre Ihn hin. Weiß nicht, wann ich zu Hause bin. Mach dir keine Sorgen. Ich liebe dich!“

Amidou half Hoogstrate ein paar Sachen einzupacken. Alte Männer stecken junge nicht an. Im Krankenhaus benutzte er Uniform und Dienstausweis, berief sich auf Gesetze, die er sich ausgedacht hatte, überreichte dem Arzt, der in Seuchenmontur wie ein außerirdisches Wesen aussah, eine Flasche Whiskey, die er in Papier eingewickelt hatte, während Hoogstrate ein paar Scheine aus dem Portemonnaie zog. Amidou wartete so lange, bis der alte Mann das Sauerstoffgerät über das Gesicht gestülpt bekam und auf einem Krankenbett weggebracht wurde.

Auf dem Weg zum Auto spürte er den zarten Wind, der vom Meer her wehte und sog die Luft ein. Er wollte gleich morgen wiederkommen und Grace mitnehmen.
 
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Moin, @Isegrims , bei meinem derzeit wahrlich luxuriösen Freizeitfenster kann ich mir erlauben, die "Drohung"von gestern Abend auch schnell wahr zu machen.
Also mal vorweg, ich finde den Text interessant, hab ihn trotz der Länge gut und ohne Ärgern gelesen. Auch die mir als Grundidee erscheinende Beschreibung des Kerls als ... ähm Arschloch? , na sagen wir es netter, als negativen Prot. finde ich gelungen. Nur der Wechsel, der Umschwung, sorry, mag an meinem Menschenbild liegen, aber das nehme ich Dir oder ihm hier einfach nicht ab. Aber ich gehe einfach mal durch den Text, denn generell sehe ich ja durchaus Stellen, wo Du es angelegt hast. Vielleicht verstehe ich Deine Grundidee aber ja auch völlig falsch.
Den Kleinkram, soweit mir aufgefallen, sammle ich im Durchgehen mit auf

Black Parade
Warum? Okay, der Musiktitel, aber mir erscheint der Titel trotzdem sehr wahllos, englisch sehe ich auch nur bedingt als nötig an ...

Der Puls der Stadt, all die Vibrationen, die zu einer Metropole gehörten, () verlangsamten sich.
gefühlt, würde ich hier ein "hatten" einschieben

Alle Townships rochen nach Holzkohle, Gebratenem, nach Fleisch und Schweiß.
Da hebelst Du die Logik Deiner Sätze aus. Er weiß genau wo er ist, aber alle Townships riechen gleich.

Vor ein paar Stunden hatte er ihn in einem Viertel bemerkt der Weißen aus, die sich hinter Mauern verschanzten
Da ist irgendwo ein Umbaufehler!

dabei einander und andere ansteckten. Amidou hasste es, wenn sich einer nicht an die Regeln hielt.
hier würde ich Plural empfehlen, Du sprichst davor von vielen Personen

Wenn er befördert würde, verdiente er mehr Geld, konnte der Familie ein besseres Leben ermöglichen und Grace war nicht mehr gezwungen, zusätzlich etwas zu verdienen.
weißt schon ...

die Schultern knickten ein.
hier hakt mein Bild, eventuell fielen nach vorn, sackten herab, ...?

wenn er auf die 60 zuging?
Wortkriegererziehung lässt grüßen, ausgeschrieben ist es einfach netter ...

Wie(r) müssen Präsenz zeigen. Die dürfen nicht übermütig werden, verstehst du?“
„Ja, so was von, Chef.“
„Das Township hat Augen. Die werden uns beobachten und wenn wir zu lasch sind, brauchen wir uns dort nicht mehr blicken lassen.“
„Klar, Sir!“
Am Anfang einfach nur ein Tippfehler.
Hier etablierst Du ihn für mich so als absolut altmodischen Typ. Die anderen sind die Bösen, er als Chef duzt seinen Untergebenen, ... Gute Beschreibung, so in alten Mustern festgefahren ...

Sie schlängelten sich zwischen Mülltonnen, Lastenfahrrädern und Autos durch, deren Lack von der Sonne ausgebleicht war
Wenn Du es genauso meinst ist es okay, wenn sich der ausgeblichene (müsste dann in den Plural?). Oder Du bezeihst es nur auf die Autos, dann ein bisschen Möbel rücken.

Gleichzeitig gab er seinen Leuten ein Zeichen und der Polizistentrupp griff ohne weitere Warnung an.
Uih! Das habe ich nicht kommen sehen, aber interessante Version, so als völlig normal etabliert. Passt für mich auch zu dem Prot.

Als ein tiefschwarzer Zulujüngling
Zulus sind denke ich immer schwarz?

„Wer nicht hören will…“
Amidou zielte mit dem Knüppel auf den Kopf und traf den Jungen am Ohr, sodass er zu Boden stürzte. Danach trat er mit den Stiefeln nach ihm.
Du machst ihn mir echt unsympatisch, völlig von sich überzeugt, fühlt sich im Recht, sich als der Gute!

„Ich habe doch gesagt, du sollst dich nicht einmischen, Schlampe!“
Ja, sein Frauenbild ist auch absolut auf der Höhe, wow!

riefen Beschimpfungen, die Amidou nicht verstand, zupften die Kleidung zurecht und schlenderten sie auf dem Lehmboden entlang, als wäre nichts gewesen.
schon klar, aber in meiner Welt zupfen sich alte Damen Haarsträhnen zurecht oder niedliche Mädchen ihre Höschen. Anderes Verb?


Ihre Haut glänzte, der afrikanische Hintern wölbte sich, wer sie berührte, würde spüren, wie butterweich sie sich anfühlte.
Haker im Bezug? Die letzten beiden Einschübe beziehen sich auf ihre glänzende Haut, aber in meinem Kopfkino hab ich jetzt den Einschub mit dem afrikanischen Allerwertesten.

Wie cool das Mädchen die Sache regelte. Amidou nickte ihr zu.
ne, irgendwie nehme ich diesem Chouvinisten nicht ab, das er hier imKopf ein anderes Bild hat.

Jetzt roch Amidou den Jungfrauenduft des Mädchens aus der Nähe. Er könnte sie anfassen, sie sich einfach schnappen. Vielleicht würde sie sich nicht einmal wehren, vielleicht gefiele es ihr sogar.
Dafür ist diese Strecke zu ausgeprägt, für mich bräuchte es als definitiv mehr hinweise, das er auch anders denken kann.
Achja, wie riechen Jungfrauen?

„Du hast Glück gehabt“, sagte er zu ihr. So wie sie ihn anschaute, hatte sie verstanden, was er ihr sagen wollte.
Genau, sein Selbstbild ist doch eindeutig, er hält sich ja für absolut okay (gut, berechtigt, überlegen)

Besonders manche der Schwarzen. Ist so. Kann man nicht ändern.
Interessanter Blickwinkel, aber vielschichtiger macht ihn das für mich nicht, das er als Schwarzer ein Doppelrassist ist, er hält sich einfach für was Besseres.

Klare Ansagen, gerade auch gegenüber von Frauen.
oh man

Wenn er sich allein dieses Mädchen anschaute. Warum ließ sie sich gefallen, wie er mit ihr umsprang?
ich mag mich irren, aber hier versucht Du doch eine andere Seite von ihm anzulegen, abermir ist es zu dünn, zu oberflächlich, sorry.

Das mit den Frauen war letztlich dieselbe Geschichte wie das mit den Schwarzen und wie man mit ihnen umging: ihr historisches Bewusstsein bootete das Programm und bestimmte ihr Verhalten, als handle es von ganz allein, aus dem Instinkt heraus.
dafür überwiegen ja eindeutig diese Stellen. Ist für mich auch durchaus interessant, so einem "Typen" zuzugucken" nur damit kriege ich das Ende nicht akzeptiert. Vielleicht bin ich aber auch einfach zu "schwarz-weiß" gestrickt.

Er liebte sie. Auch deshalb, weil sie viel zu viel redete, alles hinterfragte und eine eigene Meinung hatte.
okay, lassen wir mal nenn Psychologen hier raufgucken, es gibt ja wohl bei Menschen nichts, was es nicht doch gibt. Aber würde sich so ein Typ wirklich eine solche Frau suchen? Ich bin lernwillig ...

Ganz nach der alten Sitte. Jeder durfte sich solange etwas aussuchen, bis nichts mehr da war. Und da er der Anführer war, durfte er zuerst wählen. Danach immer der Reihenfolge nach und der Grünschnabel Gilroy als letzter. So funktionierte Gerechtigkeit, nicht anders.
wie gesagt, seine Verhaftung in alten Rollenbildern hast Du super rübergebracht

Und danach heimfahren und seine Frau ficken bis sie schrie.
das glaube ich ihm schon eher

berauschte er sich an dem Duft aus Getreide und Benzin,
Frage an die Wiskytrinker - echt? nach Benzin? Widerlich!

Seine Frau sagte, dass sie überhaupt nur dann Sex hatten, wenn er ein wenig getrunken hatte. Aber das war Blödsinn.
genau, sein Bild von sich ist unerschütterlich!

Schließlich beluden sie die beiden Streifenwagen bis obenhin.
Wie groß ist den bei Dir der Leiterwagen?

Amidou schnaufte durch:
ist der Ausdruck gerade in Mode, das hatten wir doch gerade in einer anderen Geschichte ...

rosarotes Wasser
nicht falsch, ich frage mich nur direkt, woher kommt die Farbe?

Der Micky-Maus-Mann musste in früheren Zeiten schlechte Erfahrungen mit Polizisten gemacht haben. Jedenfalls warf er nur einen kurzen Blick auf die Männer und verabschiedete sich.
Ist mir zu erklärend, aber natürlich Geschmackssache

Sonst war alles ruhig.“ „Gute Arbeit. Ärger haben wir zurzeit genug. Was ist mit Gilroy?“ „Ziemlich cooler Junge. Hat sich bewährt.“ „Gut zu wissen. Jetzt raus hier! Feierabend für sie und ihre Truppe, Amidou!“ „Klar, Chef.“
Das ist Dir an zwei drei anderen Stellen beim Formatieren auch noch durchgerutscht, ein bisschen besser lesen sich die Dialoge halt doch mit Umbruch ...

und ging zu den anderen zurück. Gilroy schien nachzudenken. Die anderen grinsten.
Da hab ich kurzfristig erwartet, das der Neuling pertzen geht, oder sich irgendwie noch eine andere Richtung auftut ...

Beyoncé sang Black Parade:
Ooh, motherland, motherland, motherland, motherland drip on me
okay, die Titelerklärung, nicht meins, aber Geschmackssache

aber was wussten die Black People in Amerika schon von Afrika.
Hier wiederum musste ich dann doch drüber nachdenken, denn so geht es mir mit der ganzen Geschichte, in Ermangelung von Afrika-Erfahrung. Ich weiß eindeutig zu wenig ...

Ein paar Tränen liefen ihm über die Wangen
ne! Das nehm ich ihm nicht ab

Welcher Mann mochte es schon, wenn die eigene Frau von anderen abgescannt wurde oder wenn einer die Finger nicht bei sich behalten konnte.
oh man, was für ein Typ! Keinerlei Selbstwahrnehmung, gut gezeigt!

Dort standen Villen hinter Mauern, Zedern davor. Manche waren mit Stacheldraht am Kamm versehen,
Bezugsfehler! Momentan ist der Stacheldraht auf den Kämmen der Zedern ...

Er wollte höflich sein, einen Freundschaftsbesuch abstatten und hatte Geschenke dabei.
Ist da jetzt ein unterschwelliger "Respekt", Rsassimus andersrum gegenüber weißen, so ein altes Relikt?

„Sie meinen, Sie haben...?“
komm schon, die Pünktchenregel kennst Du ...

Amidou erschrak. Im ersten Moment spürte er die Wut wieder in sich hochkochen, fragte sich, ob der alte Mann Grace in Gefahr gebracht hatte. Dann schaute er auf Hoogstrate herab. Wenn ein Zweig mürbe war, brach er irgendwann. Seine Augen strahlten einen matten Glanz aus. Amidou nestelte an seinem Gürtel, hoffte, dass der Stock nicht allzu sichtbar war. An den Mundschutz für sich selbst hatte er nicht gedacht. Im Auto befand sich einer.
Also versteh mich nicht falsch. Ich mag den Schluß, ich finde den Bruch absolut interessant und auch machbar, aber da fehlt für mich etwas Vorarbeit. Macht er es, weil er seinen eigenen Vater sieht, weil er doch kein 100% Arsch ist, weil ...
Die Beschreibung des Wechsels ist für mich prima, nur glaube ich ihn so nicht!

„He, Liebling. Ich bin gerad bei Hoogstrate. Er muss dringend ins Krankenhaus. Fieber und so. Ich fahre Ihn hin. Weiß nicht, wann ich zu Hause bin. Mach dir keine Sorgen. Ich liebe dich!“
das ist einfach zu schnell, zu unbegründet.

Auf dem Weg zum Auto spürte er den zarten Wind, der vom Meer her wehte und sog die Luft ein. Er wollte gleich morgen wiederkommen und Grace mitnehmen.
Hier ist für mich der Bezug auch nur "zart" - wohin, ans Meer oder ins Krankenhaus?

Also Ise, ich habe die Geschichte gerne gelesen, aber ein bisschen Schrauben müsstest/dürftest Du für mich noch.
Viel Spaß dabei
witch
 
Wortkrieger-Team
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Liebe @greenwitch

bei meinem derzeit wahrlich luxuriösen Freizeitfenster kann ich mir erlauben, die "Drohung"von gestern Abend auch schnell wahr zu machen.
schön, dass du die Zeit auch für diesen Text nutzt. Du könntest ja ebensogut den Segelschiffen auf der Ostsee hinterherschauen. Und schau mal, dass du genügend Erholung abbekommst!

Die meisten deiner Anmerkungen, besonders die leider (für mich) so unvermeidbaren Fehler, die du erwähnt hast, habe ich ausgebessert, vielen Dank dafür!

Auch die mir als Grundidee erscheinende Beschreibung des Kerls als ... ähm Arschloch? , na sagen wir es netter, als negativen Prot. finde ich gelungen. Nur der Wechsel, der Umschwung, sorry, mag an meinem Menschenbild liegen, aber das nehme ich Dir oder ihm hier einfach nicht ab.
Na ja, ich beschreibe einen Kerl in seiner Ambivalenz, man kann ihn Arschloch nennen, unsympathisch finden, aber er hat (wie viele) einfach mehrere Seiten und der Text behandelt eine Seite von ihm, die gerade die Widersprüchlichkeit zeigen soll.

Warum? Okay, der Musiktitel, aber mir erscheint der Titel trotzdem sehr wahllos, englisch sehe ich auch nur bedingt als nötig an ...
Der Titel spielt auf die Schwarzenbewegung in den USA an. Rassismus hat aber vielfältige Facetten, dreht sich auch mal.

Zulus sind denke ich immer schwarz?
schwarz als Hautfarbe ist ja in der Regel ein Braun und der Mann, den ich da beschreibe hat eine dunklere Färbung.

Dafür ist diese Strecke zu ausgeprägt, für mich bräuchte es als definitiv mehr hinweise, das er auch anders denken kann.
Achja, wie riechen Jungfrauen?
das ist eher ein poetisches Bild und Amidou riecht sie eben so.

Frage an die Wiskytrinker - echt? nach Benzin? Widerlich!
finde ich bei manchen Single Malts schon, würde aber ein Whiskey-Fan wahrscheinlich nicht zugeben wollen

nicht falsch, ich frage mich nur direkt, woher kommt die Farbe?
in der Pfütze könnte sich Blut sammeln oder einfach durch rote Erde gefärbt sein.

Hier wiederum musste ich dann doch drüber nachdenken, denn so geht es mir mit der ganzen Geschichte, in Ermangelung von Afrika-Erfahrung. Ich weiß eindeutig zu wenig ...
Ich glaube nicht, dass man viel Afrika-Erfahrung braucht, um zu verstehen, was ich zeige, man muss sich nur über die Andersartigkeit (auch des Denkens) klar werden.

Ist da jetzt ein unterschwelliger "Respekt", Rsassimus andersrum gegenüber weißen, so ein altes Relikt?
Nach dem Ende des Apartheidsstaates gab es einen Übergang, der zwar alle gleichgemacht hat, aber die gegenseitigen Vorbehalte lassen sich nicht so schnell beseitigen

Also versteh mich nicht falsch. Ich mag den Schluß, ich finde den Bruch absolut interessant und auch machbar, aber da fehlt für mich etwas Vorarbeit. Macht er es, weil er seinen eigenen Vater sieht, weil er doch kein 100% Arsch ist, weil ...
Ich bin da noch nicht durch, wollte den Text nicht unnötig aufblähen. Ich warte mal ab, ob sich andere ähnlich äußern.

Hier ist für mich der Bezug auch nur "zart" - wohin, ans Meer oder ins Krankenhaus?
zart habe ich sehr bewusst gesetzt, gerade weil beide Bezüge möglich sind

Also Ise, ich habe die Geschichte gerne gelesen, aber ein bisschen Schrauben müsstest/dürftest Du für mich noch.
dankeschön :Pfeif:

viele Grüße aus den Wäldern an die See
Isegrims
 
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20.01.2018
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Hey @Isegrims ,

mir ist ausversehen ein Fehler beim vorformatieren passiert, gib mir einen Moment. Ich beginne erstmal mit dem Kleinkram.

Aber am Rande der Straßen stand niemand mehr.
Warum das Aber? Ist kein Widerspruch zum Satz davor.

Der Puls der Stadt, all die Vibrationen, die zu einer Metropole gehörten, hatten sich verlangsamt.
Das Bild passt mir nicht. Vorher beschreibst du, die Dynamik der Stadt wäre wie ausgestorben, jetzt, dass sie sich nur verlangsamt hat. Vielleicht mag das zweite zustimmen und das erste erscheinen, aber für mich ist es dennoch widersprüchlich. Würde mich für eins der beiden entscheiden.

Amidou erkannte allein am Geruch, wo er sich befand.
Würde allein durch bereits ersetzen.

Amidous Einsatztrupp hatte den Auftrag nach dem Rechten sehen
Zu sehen.

Amidou hasste es, wenn welche sich nicht an die Regeln hielten.
Würde welche durch ein anderes Wort wie z.B. jemand ersetzen.

Der Babybauch seiner Frau fiel ihm ein, ihr schönes Gesicht. Wie glücklich er sich fühlte, weil sie ein Kind bekamen. Ihr erstes. Wenn er befördert würde, konnte er der Familie ein besseres Leben ermöglichen und Grace war nicht mehr gezwungen, zusätzlich etwas zu verdienen.
Ich bin ja ein Freund davon, Tell auszuprobieren und zu gucken, ob man nicht doch schöne Absätze und Tell-Passagen schreiben kann, ohne dass sie sich billig anfühlen, aber dieser Absatz ist mir zu viel. Vorher ging es. Hier ist nichts außer der Erinnerung an seine Frau. Wenn die Erinnerung als Hinweis bleiben würde, dass er eine Frau hat, fände ich das organischer. Details wie seine Beförderung kannst du noch in ihrem Gespräch gegen Ende einbringen.

„Mm“, sagte dieser drehte sich zu Amidou um.
Da fehlt ein und zwischen dieser und drehte.

Als sie dem Herz des Townships näherkamen, dem Platz, auf dem man an ein paar Ständen alles Mögliche, Gemüse, Fleisch und das, was man eben so brauchte, kaufen konnte, hielten sie an und parkten vor einem der verbarrikadierten Verkaufswagen.
Das klingt für mich, als hättest du selbst keine Ahnung, was sie an den Ständen verkaufen. Ich stelle mir auch vor, dass es in einer solchen Stadt, die offensichtlich eine ganze Reihe Probleme hat, schwer wird, an Fleisch zu kommen.

„Flaschen wegstellen und ab nach Hause, sonst wird’s ungemütlich“, rief Amidou. Gleichzeitig gab er seinen Leuten ein Zeichen und der Polizistentrupp griff ohne weitere Warnung an. Pauls Knüppel traf den Kopf des Pistazienkernspuckers, bis Blut aus einer Platzwunde über die Backennarbe floss.
Das ist für mich widersprüchlich. Er stellt den Jungen ein Ultimatum, wartet aber gar nicht auf eine Reaktion, sondern prügelt einfach drauflos. Von seinem Charakter abgesehen, finde ich das problematisch. Warum sagt er es dann überhaupt?

„Ich habe doch gesagt, du sollst dich nicht einmischen, Schlampe!“
Vielleicht würde sie sich nicht einmal wehren, vielleicht gefiele es ihr sogar. Keiner würde sich etwas dabei denken. So was kam vor.
Du versuchst wirklich, deinen Prot nicht sympathisch zu machen.

Zu dem Mädchen gewandt, fragte Amidou: „Gibt’s hier irgendwo einen Karren zum Abtransport der hiermit konfiszierten Waren?“
Würde daraus zwei Sätze machen. "Die Waren sind hiermit konfisziert. Gibt es ..."

Mag daran liegen, dass man den Schwarzen über die Jahrhunderte hinweg das Hirn aus dem Kopf geprügelt und ihnen erzählt hat, wozu sie taugen und wozu eben nicht. Es dauerte, bis sich das historische Bewusstsein der Menschen nachhaltig verändert.
Das ist eine Weltansicht, die ich mal deinem Prot, und nicht dir als Person zuschreibe, und weil ich deinen Prot. sowieso für einen schrägen Vogel halte, gehe ich nicht drauf ein.

Amidou drängte weitere Gedanken weg und widmete sich der Beute.
Würde weg durch beiseite ersetzen.

Das Mädchen kam zurück: „Die Nachbarn haben einen Leiterwagen“ und zeigte zu der Hütte auf der anderen Seite.
Würde ein "sagte sie" zwischen Dialog und Satz ergänzen.

Warum ging Grace zu ihm? Geld könnte sie auch anders verdienen. Er glaubte manchmal, die Augen seiner Frau würden ein Ticken mehr als sonst funkeln, wenn sie von Hoogstrate erzählte. Klar, der war über siebzig, aber Bedürfnisse hatten auch ältere Männer.
Du beschreibst den Job von Grace bewusst konfuss. Hier wirkt es, als wäre sie eine Prostituierte, später bekommt der Amidou bereits einen Anfall, weil seine Frau Blumen geschenkt bekommt. Ich gehe daher mal nicht davon aus, dass sie sich wirklich prostituiert.

Und danach heimfahren und seine Frau ficken bis sie schrie.
Aber bitte mit einem Komma nach ficken.

dass sich Amidous Hemd Schweißflecken bildeten.
Auf seinem Hemd, schätze ich.

Schließlich war das Trinken von Sprit in der Öffentlichkeit verboten, aber das Lagern von Altbeständen nicht, war aber gefährlich.
Sehr ungelenker Satz mit zweimal aber.

„Wieso das denn?“ „Ich wollte es Ihrer Frau nicht sagen.
„Warum keine private?“ „Da ist man erst recht verloren, kommt nie wieder raus.“
Hier fehlt dir zweimal der Umbruch, das ist das Gespräch zwischen Amidou und dem alten Mann.

Amidou half Hoogstrate ein paar Sachen einzupacken. Alte Männer stecken junge nicht an.
Uhm was? :D Ich glaube nicht, dass Krankheiten so funktionieren.

Jetzt zum Eigentlichen: Von der Textqualität wirkt es auf mich, als hättest du schnell eine Idee gehabt, den Text runtergeschrieben und dann relativ frisch eingestellt. Da sind ein paar Fehler bei, die beim zweiten Drüberlesen auffallen. Ich habe dir aufgeschrieben, was mir aufgefallen ist. Weil ich bei sowas aber ein sehr schlechtes Auge habe, denke ich, dass man bei einem Gang mit der Lupe noch eine Menge finden könnte.

Zum Prot: Ich stimme @greenwitch zu und spreche es aus, er ist ein Arschloch. Du versuchst auch gar nicht, vom Schluss einmal abgesehen, ihn anders darzustellen, denn er verhält sich in beinahe allen Situationen wie ein Arschloch: Beim "Dialog" mit den Jugendlichen, als er Sex mit dem Mächen fantasiert (was durch Grace und seinem ausufernden, doppelmoralischen Verhalten wegen einem Strauß Blumen nicht besser wird), wie er Gilroy ebenfalls zum Lügen und Stehlen verführt. Deswegen tue ich mich mit seinen Gedanken zu Geschlechtern und Völkern schwer. Ich habe das Gefühl, du willst mir durch diese Gedankengänge etwas sagen, vielleicht eine besondere Ansicht darlegen, aber selbst wenn ich sie verstehen würde (wobei ich deinen Text zugegebenermaßen nur einmal gelesen habe, also kann mir gut etwas entgangen sein), ich würde diesem Gedanken wahrscheinlich widersprechen. Weil ich deinem Prot. widerspreche.

So viel erstmal von mir. Hoffe, es hat dir geholfen.

Liebe Grüße
Meuvind
 
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„Wir müssen Präsenz zeigen. Die dürfen nicht übermütig werden, verstehst du?“
Das erste war, was ich mich beim Lesen der Geschichte gerade fragte, ob Shaka ka Senzangakhona, bekannter als Shaka Zulu (1787 -1828) „Rassist“ war und zugleich sträubte ich mich dagegen, denn was bei und mit Hunden aufgrund der zum Teil verbrecherischen Züchtungen möglich ist, kann für einen afrikanischen Eroberer nicht gelten. Auch er war wie all diese Helden und Unholden kein Hund (und als Schimpfwort wird ausgerechnet der Liebhaber vom Wolf und seinen Derivaten das Wort nicht in den Mund nehmen). „Rassismus“ ist der falsche Vorwurf gegen autoritäre Persönlichkeiten (darum heißen die von Adorno u. a. begründete Forschung auch nicht „Studien zum Rassismus“ oder „Faschismus“ oder „Ethnozentrismus“, sondern „zur autoritären Persönlichkeit“, der ja selbst Anarchisten zugerechnet werden können. Hinzu kommt, dass für bestimmte Berufsgruppen (und dann noch innerhalb der Hierarchien) eine bestimmte Mentalität nicht nur des nach oben buckeln und nach unten treten gehört (selbst das Neue Testament zeigt, wozu ein 12jähriger mit der entsprechenden Mentalität fähig ist in der Tempelsäuberung, da werden keine Kompromisse eingegangen, auch von keinem Friedensfürsten). Ich könnt den Vortrag jetzt fortsetzen, aber dann würd ich so rasch nicht zum Ende kommen. Kurz, um es vorweg zu sagen: Das Werk scheint mit mit heißer Nadel gestrickt und zu früh, weil wenig bearbeitet, eingestellt zu sein, selbst wenn es im weiteren Verlauf die richtigen Fragen stellt ...

Bis Mittag noch'n bissken Zeit - also der Reihe nach! Schon der erste Satz
Der Einsatzwagen überholte Trucks, die irgendwelche Waren durch Kapstadt transportieren.
glänzt schwammig durch das unbestimmte „irgendwelche“, wobei „irgendwann“ auch (mehr oder weniger „saubere“) Luft (Leergut wäre ja schon wieder"irgendwelche" Ladung) durch Kapstadt transportiert wird in die eine wie auch in die andere Richtung.

Hier
Wie ein Herz, das nach und nach immer weniger Blut durch die Arterien pumpt, dachte Amidou. Ihr Ziel hieß Elsies River.
könnte das „ihr“ (singulär) den Namen als den einer Frau, und nicht den Plural der Einsatztruppe meinen … „Sein Ziel (und in der Folge das Ziel seiner Leute) - oder Amidou begreift sich plural als "seinen Trupp".

Amidou erkannte am Geruch, wo er sich befand.
Ist ja nix falsch – aber was ist am schlichten und kürzeren „wo er war“ schlecht, wenn man denn dem ein "schlicht" gleichsetzt?

Amidous Einsatztrupp hatte den Auftrag[,] nach dem Rechten zu sehen, …
Er hatte geweint, als sie ihm erzählte, sie sei[…] schwanger.
Ob er genauso müde werden würde, wenn er auf die 60 zuging?
Ja, kann ich da nur antworten – und ich bin noch verdammt fit (selbst wenn bei Fuß ab km 20 das linke Knie zwickt, aber da haben die Hunde schon 40 - mindestens - hinter sich außer einem gemütlichen Hütehund, der die 40 aber im kg Lebendgewicht trägt ...).

Amidou streifte den Mundschutz über die Nase, fasste den Plastikknüppel fester und öffnete das Holster, in dem die Pistole mit den Hartgummigeschossen steckte.

Kann man den Appendix nicht unterschlagen? 'ne Wasserpistole ist ja eher unwahrscheinlich. -
Ja gut, die besondere Munition ...

Pauls Knüppel traf den Kopf des Pistazienkernspuckers, bis Blut aus einer Platzwunde über die Backennarbe floss.
Also mehr als ein Treffer? … Das Komma kann, muss aber nicht weg ...

Die Jungs reagierten sofort, hoben die Arme und verschränkten sie über ihren Kopf.
Besser: „über ihren Köpfen“, ansonsten als Gattungsbegriff „über ihrem Kopf“

Der Pistazienkernspucker schaute sie verächtlich ein.
Statt „ein“ besser „an“
„Okay, Lady und wehe, wenn du uns anscheißt.“
hm - vllt. noch'n Komma nach der Lady - entscheidend ist das"und", das m. E. sich weniger auf die Lady, als aufs okay bezieht. Lady seh ich als Anrede ... Und dann doch noch die Frage - bzgl. des Satzzeichens: Klingt das nicht nach mehr als einer bloßen Aussage?

Ihre Haut glänzte, der afrikanische Hintern wölbte sich.
Da hammers! Siehe meine Einleitung ...

Wer sie berührte, würde spüren, wie butterweich sie sich anfühlte.
Warum Konj. II, wo Futur I in seiner binären Wertigkeit werden/sein kann oder eben nicht ...
Ein alter Mann mit weißen Augenbrauen, dürr wie ein Ast, fiel um, als wäre er vom Blitz getroffen worden, als ihn ein Schlag traf.
Warum so umständlich und als-Duo? „… fiel wie vom Blitz getroffen um, als ...“

Das Mädchen flüsterte etwas, und machte eine Geste zu den Polizisten hin.
Hier muss das Komma weg!, weil sonst das Subjekt für den gleichrangigen Satzteil nach „und“ verschütt geht. Ähnlich hier
Zwischen Spinnweben und alten Reifen, stapelten sich Kartons: eine Menge …
Hier laufen die Gänsefüßchen ein wenig „aus dem Ruder“
Er rief nach seinen Leuten: „Kommt mal alle her und schaut euch an, was wir hier gefunden haben. „Außer Gilroy. Der sichert draußen.“
Hier fehlt ein Satzzeichen,
Sie huschte aus dem Verschlag Amidou sah noch, wie Gilroy den Knüppel erhob, um anzudeuten, dass er auch nachhelfen könne.
Mutmaßlich der Punkt!
Den Konj. II "kannstu" Dir sparen - können verbleibt auch zwischen kann oder kann nicht (zumindest "nicht so richtig")

Usw.
Zum Glück gibt‘s dann (pseudo-)kluge Sätze, wie man sie heute auch schon wieder hier gelegentlich hört
Vielleicht wäre ein Umerziehungslager das Richtige.
Der Schwarze musste zum Weißen werden, um die Freiheit zu erlangen.
Die Erben mussten enterbt werden und die Armen brauchten Brot und Bildung.
(Jetzt merk ich, dass ich „Mythos Bildung“ von Aladin El-Mafaalani doch rezensieren muss (das sich natürlich nur auf das deutsche Bildungssystem beziehen kann – das ja gerade erst von der OECD gelobt wird … Wird also in den nächsten Tagen eingestellt ...)

So - Mittag kitzelt in der Nase ...

Bis bald

Friedel
 
Wortkrieger-Team
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19.05.2015
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Lieber @Meuvind

vielen Dank für den Kommentar, die Zeit und Mühe, die du dem Text gewidmet hast. Kritische Stimmen sind mir stets willkommen, auch wenn ich nicht mit allem einverstanden bin, was du anmerkst. Die Fehler habe ich entfernt, dankeschön.

Ich geh mal auf einzelne Punkte ein, möchte aber noch was Allgemeines zu den Flüchtigkeitsfehlern sagen. Ich schreib immer gleichzeitig an mehreren Texten, die ich stückchenweise bearbeite, weiterführe oder einfach liegen lasse, weil an der einen oder anderen Stelle etwas unrund erscheint. Dadurch entgehen mir wahrscheinlich Fehler, die das Rechtschreibprogramm gar nicht sehen kann. Bei diesem Text war der Schluss das Fragezeichen. Er hätte ebensogut nach Hause gehen, seine Frau anschreien und mit dem Knüppel zu Hoogstrate ziehen können, offenes Ende, fertig. Das gewählte Ende ermöglich meiner Meinung nach Hoffnung. Und das ist auch eine politische Aussicht für ein Land wie Südafrika.

Vor einiger Zeit habe ich eine Reportage über die Townships in Südafrika während der Covid-Krise gesehen und sie mit eigner Anschauung abgeglichen. Leute wie Amidou gibt es überall auf der Welt, klar. Aus meiner Sicht sind das auch tragische Figuren, weil sie sich eben an ihrer toxischen Männlichkeit abarbeiten, die so gar nicht in die Zeit passt. Hinzu kommt das tiefsitzende Gefühl als Schwarzer etwas beweisen zu müssen, sich irgendwie zu positionieren, auch für eine bessere Zukunft zu sorgen. Ich wollte ihn als widersprüchliche Figur zeigen und gerade weil die Kommentare hier ihn als "Arschloch" kennzeichnen, scheint mir das gelungen. Ich suche nicht den Leser, der sich von einer Geschichte einen Herzstreichelwohfühleffekt erhofft. Wenn man hinterher sagt: was für ein Depp, wie kann der nur, dann wird die Figur eher wirklicher. Zumal ich weitgehend seinem Gedankenstrom folge.

Einzelne Punkte, die du erwähnst:

Ich bin ja ein Freund davon, Tell auszuprobieren und zu gucken, ob man nicht doch schöne Absätze und Tell-Passagen schreiben kann, ohne dass sie sich billig anfühlen, aber dieser Absatz ist mir zu viel. Vorher ging es. Hier ist nichts außer der Erinnerung an seine Frau. Wenn die Erinnerung als Hinweis bleiben würde, dass er eine Frau hat, fände ich das organischer. Details wie seine Beförderung kannst du noch in ihrem Gespräch gegen Ende einbringen.
die Stelle habe ich ein wenig verändert, dem Mantra tell unter allen Umständen zu vermeiden, kann ich nicht folgen, wenn man das ernsthaft probiert, kommt Knausgard raus.

Das klingt für mich, als hättest du selbst keine Ahnung, was sie an den Ständen verkaufen. Ich stelle mir auch vor, dass es in einer solchen Stadt, die offensichtlich eine ganze Reihe Probleme hat, schwer wird, an Fleisch zu kommen.
habe ich ein wenig angepasst. An diesen Ständen bekommt man natürlich auch Nähseide, Klebeband, Handyzubehör, eben alles Mögliche, das in seiner Vielfalt kaum ausführbar ist. Und Fleisch wird in Massen verkauft und gegessen. Kann sich nicht jeder leiste, stimmt, aber angeboten wird es.

Das ist eine Weltansicht, die ich mal deinem Prot, und nicht dir als Person zuschreibe, und weil ich deinen Prot. sowieso für einen schrägen Vogel halte, gehe ich nicht drauf ein.
wär auch schlimm, wenn ich so dächte...

Du beschreibst den Job von Grace bewusst konfuss. Hier wirkt es, als wäre sie eine Prostituierte, später bekommt der Amidou bereits einen Anfall, weil seine Frau Blumen geschenkt bekommt. Ich gehe daher mal nicht davon aus, dass sie sich wirklich prostituiert.
ist seinen Gedanken geschuldet und wenn das so wie du es beschreibst, rüberkommt, umso besser

Von der Textqualität wirkt es auf mich, als hättest du schnell eine Idee gehabt, den Text runtergeschrieben und dann relativ frisch eingestellt. Da sind ein paar Fehler bei, die beim zweiten Drüberlesen auffallen.
Was verstehst du unter Textqualität? Oder meinst du Fehlerlosigkeit?

Du versuchst auch gar nicht, vom Schluss einmal abgesehen, ihn anders darzustellen, denn er verhält sich in beinahe allen Situationen wie ein Arschloch: Beim "Dialog" mit den Jugendlichen, als er Sex mit dem Mächen fantasiert (was durch Grace und seinem ausufernden, doppelmoralischen Verhalten wegen einem Strauß Blumen nicht besser wird), wie er Gilroy ebenfalls zum Lügen und Stehlen verführt.
der stellst sich ja selbst dar, es geht nicht darum Amidou in ein bestimmtes Licht zu rücken

Ich habe das Gefühl, du willst mir durch diese Gedankengänge etwas sagen, vielleicht eine besondere Ansicht darlegen, aber selbst wenn ich sie verstehen würde (wobei ich deinen Text zugegebenermaßen nur einmal gelesen habe, also kann mir gut etwas entgangen sein), ich würde diesem Gedanken wahrscheinlich widersprechen. Weil ich deinem Prot. widerspreche.
Nein, ich will nichts sagen, die Geschichte entwickelt sich von allein, spiegelt Realität wieder, wenn auch aus Sicht eines Protagonisten, der eben nicht gerade den Mainstream-Helden entspricht und dadurch kaum Mitleid hervorruft. Ich finde das kein Manko.

viele Grüße aus dem Taunus
Isegrims
 
Mitglied
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Hallo @Isegrims

für mein Gefühl versucht der Text zu viele Themen zu bündeln und scheitert damit. Es geht um die neue Gesellschaft nach langer Apartheid, um archaische Rollenbilder, Klassenunterschiede, soziale Gruppen, Rassismus, Pandemie ... Und alles im Umfeld einer den Lesern fremden Kultur.
Das kann in einer Kurzgeschichte nicht funktionieren.
An einigen Stellen verschwimmt die Erzählerperspektive mit der des Protagonisten, was für Irritation sorgt. Nicht der unsympathische Charakter des Prota ist problematisch, sondern die fehlende Abgrenzung des Erzählers zu ihm. An anderen Stellen ist die Abgrenzung so krass, dass die Ebene der Geschichte verlassen und in den Erklärmodus gewechselt wird. Dann hatte ich das Gefühl, eine Doku-Fiction zu lesen. Gibt es das als Literatur?
Die Verästelung in viele Sub-Themen, die unklare Perspektive und der immer wieder hereintrötende Erklärbar machen es mir schwer, der Geschichte zu folgen. Es fehlt mir eine Storyline, die konsequent durch den Text führt. Das Ende wirkt dann wie rangeklebt.
Ich plädierte für radikale Entschlackung. Mach zwei Geschichten daraus oder mehr! Konzentrier dich auf einen Strang!
Die gesellschaftspolitische Entwicklung Südafrikas ist ein unglaublich komplexes Themenfeld. Da steckt so viel drin, dass man sich leicht verirren kann.
Selbst für einen Roman müssten Abstriche gemacht werden.

Übrigens: Dass die Story in Südafrika spielt, weiß ich erst durch Deinen Kommentar. Mag sein, dass die Namen regionaltypisch sind, aber das weiß ich als ignoranter Europäer nicht.

Und das noch: Wie stelle man sich einen "Afrikanischen Arsch" vor?
Ass of colour?

Schönen Gruß!
Kellerkind
 
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19.05.2015
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Lieber Friedel,

vielen herzlichen Dank für deine unerschöpfbare Lektotatskompetenz. Ich behelfe mich ja schon mit Rechtschreibprüfungen, aber das reicht offenbar nicht aus.

Inhaltlich schaffst du es immer wieder Bezüge aufzubauen, die dein umfangreiches Wissen und die Neugier auf Zusammenhänge zeigen. Immer wieder erfrischend und mit Aspekten versehen, an die ich anknüpfen kann und bewusst nicht kalkuliert habe.

„Rassismus“ ist der falsche Vorwurf gegen autoritäre Persönlichkeiten (darum heißen die von Adorno u. a. begründete Forschung auch nicht „Studien zum Rassismus“ oder „Faschismus“ oder „Ethnozentrismus“, sondern „zur autoritären Persönlichkeit“, der ja selbst Anarchisten zugerechnet werden können.
das zum Beispiel ist ein psychologischer Aspekt, den man durchaus sehen sollte. Amidous Verhalten kann man als rassisitisch interpretieren, das ist aber nur ein Teil der Erklärung.

Hinzu kommt, dass für bestimmte Berufsgruppen (und dann noch innerhalb der Hierarchien) eine bestimmte Mentalität nicht nur des nach oben buckeln und nach unten treten gehört (selbst das Neue Testament zeigt, wozu ein 12jähriger mit der entsprechenden Mentalität fähig ist in der Tempelsäuberung, da werden keine Kompromisse eingegangen, auch von keinem Friedensfürsten).
Leute, die das Gewaltmonopol ausüben neigen allüberall zu einem solchen Verhalten.

Das Werk scheint mit mit heißer Nadel gestrickt und zu früh, weil wenig bearbeitet, eingestellt zu sein, selbst wenn es im weiteren Verlauf die richtigen Fragen stellt ...
Es gibt schon einen Grund, den Text zeitig genug einzustellen.Wahrscheinlich hätte er noch ein paar Tage Reifung benötigt. Und wenn "mit heißer Nadel gestrickt" bedeutet, dass ich über ein Thema schreibe, das nicht berührt, dann stimmt das.

Ja, kann ich da nur antworten – und ich bin noch verdammt fit (selbst wenn bei Fuß ab km 20 das linke Knie zwickt, aber da haben die Hunde schon 40 - mindestens - hinter sich außer einem gemütlichen Hütehund, der die 40 aber im kg Lebendgewicht trägt ...).
na glücklicherweise. Ich habe kürzlich gelesen, dass man nicht sterben kann, solange man beweglich bleibt.

Viele Grüße, auch an den 40kg-Hundekoloss
Isegrims

Hi @Kellerkind,

auch wenn deine Argumenten mMn größtenteils nicht gegen, sondern eher für den Text sprechen, verstehe ich doch deine skeptische Haltung und finde es umso bessern, dass du sie teilst. Vielen Dank!

für mein Gefühl versucht der Text zu viele Themen zu bündeln und scheitert damit. Es geht um die neue Gesellschaft nach langer Apartheid, um archaische Rollenbilder, Klassenunterschiede, soziale Gruppen, Rassismus, Pandemie ... Und alles im Umfeld einer den Lesern fremden Kultur.
Das kann in einer Kurzgeschichte nicht funktionieren.
über das Scheitern kann man sicher streiten, das ist auch eine ästhetisch, poetologische Frage (wie muss eine Kurzgeschichte gestaltet werden?). Der Text zeigt ja kaum mehr als eine Episode, die der personale Erzähler aus seiner (Amidous) Sicht erlebt.

An einigen Stellen verschwimmt die Erzählerperspektive mit der des Protagonisten, was für Irritation sorgt. Nicht der unsympathische Charakter des Prota ist problematisch, sondern die fehlende Abgrenzung des Erzählers zu ihm.
Ich habe mich bewusst gegen eine Ich-Perspektive entschieden. Ich muss mal schauen, wo noch ein übergeordneter Erzähler durchkommt, ein paar Stelen habe ich bereits gestrichen.

An anderen Stellen ist die Abgrenzung so krass, dass die Ebene der Geschichte verlassen und in den Erklärmodus gewechselt wird. Dann hatte ich das Gefühl, eine Doku-Fiction zu lesen. Gibt es das als Literatur?
gerade am Anfang der Geschichte war das der Fall, das habe ich entfernt.

Ich plädierte für radikale Entschlackung. Mach zwei Geschichten daraus oder mehr! Konzentrier dich auf einen Strang!
gute Idee, aber gerade die Dichte, die verschiedenen Ebenen, finde ich bei diesem Text unabdingbar.

Die gesellschaftspolitische Entwicklung Südafrikas ist ein unglaublich komplexes Themenfeld. Da steckt so viel drin, dass man sich leicht verirren kann.
Ich schaffe kein umfassendes Gelsschaftsbild, zeige nur einen Ausschnitt. Selbst wenn man dies wollte, bliebe es unvollständig, denke ich.

Übrigens: Dass die Story in Südafrika spielt, weiß ich erst durch Deinen Kommentar. Mag sein, dass die Namen regionaltypisch sind, aber das weiß ich als ignoranter Europäer nicht.
na ja, komm schon, von Kapstadt ist ganz am Anfang die Rede.

Und das noch: Wie stelle man sich einen "Afrikanischen Arsch" vor?
Ass of colour?
alles, was ich dazu sage, könnte falsch interpretiert werden, aber afrikanische Hinternbetonung ist schon besonders.

Wie gesagt, ein sehr willkommener Kommentar!

Liebe Grüße
Isegrims
 
Senior
Beitritt
12.04.2007
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5.695
Kleine Korrektur zu den Amerikanischen Studien unter Leitung von Adorno - sind eben auch keine Studien zur autoritären Persönlichkeit, sondern vielmehr (aber auch als viel mehr) Studien zum autoritären Charakter, der dann gleich auch das Mitläufertum erklärt.

Bis bald und schönes Wochenende. Wird wohl so kommen, dass unsere Winter zur Regenzeit mutieren ...

Friedel
 

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